Citation
Ninon von Lenclos

Material Information

Title:
Ninon von Lenclos Drama in einem Akt
Series Title:
Insel-Bücherei
Creator:
Hardt, Ernst, 1876-1947
Place of Publication:
Leipzig
Publisher:
Insel-Verlag
Publication Date:
Language:
German
Physical Description:
54 p. : ; 19 cm.

Subjects

Subjects / Keywords:
DRAMAS ALEMANES ( renib )
Genre:
drama (literary genre) ( aat )

Notes

Additional Physical Form:
Also issued online.
Statement of Responsibility:
Ernst Hardt.

Record Information

Source Institution:
University of Florida
Holding Location:
University of Florida
Rights Management:
All applicable rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier:
03980157 ( OCLC )
44030665 ( LCCN )

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x 9I



















Ohr 6ift of
FELID: E7r '


univurritg
of Yloriba
-ibraries





I,
ERNST HARDT

NINON VON LENCLOS



DRAMA IN EINEM AKT


INSEL-VERLAG


ZU LEIPZIG






PERSONEN

NINON VON LENCLOS
MARQUIS VON VILLARCEAUX
VICOMTE V'ON V1LLIERS
MARION DE LORME
MARQUIS \ON SEXIGNE
DER MARSHALL D'ESTREE
EIN HAUPTMANN DER REITENDEN GARDE
DAMEN UND HERREN
DIENER

PARIS HERBST 166c.






IDer njchtliche Park a'u Hjuse der Ni\uon oan Lec,'los. G.irn
ini I ordergrund eine Raenflicbe mit einew gro1jen in Ha!b-
kieis sii.:bajrin Blunmenbeet in der Mlttte der Bihne. Dabintr
lajft quer ein breiter aietg. ainfgs von beschnittenen Braurne,
tu Kuiben ein.-efafit, vor eine flache, sei/ich slrhdtbare A.irmor-
treppe, die z: eiver Ramnpe inaufsteire I I'n ,d.eser fubrt e/ne
GListr i; einen run./en, im schmale, Schrnit sicl'tbaren Pavri'o
nit Glafe'nsxern, die erlcuchtrt n rid iuad belle Scheine in den
Park binaltwerfin. Hinter de'n [I'g sfibt zur Rectrte uj.nd
zur Linken .!e eme grofle geriw.dete Mllirnurbank w.it Rucken-
leine, Stu/l'n utn.d holen P .lderln i uh/ren Setren. forn ,r i
Rajsn var .dew, P.a'iLon itellen, seriier Ruoindu'g fJigend, in
kleinem Abst.d,Jed'lJ Marwnurriituen. I' on deul retten; Hanpt-
aere jus lauf n recl'htr nd li'nks zir'.; iteie i, / dan Park hin.'in.
Mla .i ort ,e g/laernen Tone einei SPi'uet:t itJ s/l'ebt t.azende
Gest.al'ren sn dei Fenst'rn vorbe.scAi'rben.

NI\NO I ON LLNCLOS ist sechstnddreiftrj.ii'rig ze denken
rnd sechstnndziranzie iirig darzustefen. Si, ti alt fei ol.-
fartlenes Kleid atj: blaInkr S.ide mit iril(;en S.ttizen t In. irM
I'e~ eicich :ur Zeit-.\1ade schlirht getauntes Haar. Die
Dicl'ter sagen, daf/ es karranienbraun geerefn, tuld schl'airniei
vou th'ren scl'warzen Augen und Jer k/ar d hllad' Cezeich.'etee
Brauen darid-er, van Shren siwhnen Zj',,en, ibre i noch schuneren
H.ioiden und von thren Lippen, die sict, oftr n.T gern in gurig-
spottischrem L.aclels .aufbosgei. ,.11IRION DE LOR.11E
steht imn Anfang der I'ier:ig. Si t tigt eatn S.lmt, kunstlich
verflochten'er Haar u'id alffjlend viel Schmuck. Lin Hauch
beginnender korperlirber FuUle beengt ibr le iaf'tes Temperarnent
it einer fur .dnere Alter charakteristisclen, nicht un/webens-
wunrdi e': Art und verleiht ibrewn 'esen ertwa Genach!ich-






6utlimigesl. Der IIARLULIS I ON I'ILLA.RCE.AULX is:
- n:it nwolbai.ndter Llegan' wIwe ein Standterlberr rwabremd
,*er Regnt,'acjt eklkiJet, Jdr selr jupnge M.4AR.UIS I ON
SE'IGN .Jag,'gen iac. der neiesitn, von don wlun ge Lud-
ir/ (ifunj.tene llo.de. Er tra.r- beibl/au nd r. i''ie. S/itz,n.
I ICO.lTE 1 ON I ILLIERS gel.t .oidjtiscb betb :,n./ dukel
na.il' der n, Heefe wiib n'walenden spaiwhleii Tradition, der
lhre D'ESTRLE tp.it ite n'ei/;; dlars ulif'itcn Jer drel-
ebten Ludwi-ig.






NINON
verlift den Pivi'iou, sitzt sich-, ant dar ceitliche Gelinder der
Ra'npe un,d prefIt ut beiden H.iv.en Bltter ,der kl/ettenden
R inken auf hr Gesi'cbr Ste spricht
\Vie elrsamn . .suC. und seltiam! lMeine Sinne
Schiwarmen wie Falrer um ein halb verhillres
Und dennoch helles Lichr in mir . und draul en,
\\'o kaum ein Schein hinftllr, di steh ich celber
Angstlich und bangend so wie heimlich L2uscher
An fremden Turen srchn . und kann nichr h6ren,
Obs innen lachelr oder weint. Mein Gotr,
Es lichelr wohl . und kinn auch u einen. Kann.
Doch muC' es nicht


Z\\EITE SZENE

Der ,1l.p ,n v"r.n I iL'Jrce., trill leter ant 'lern Pa k an de,'
Ftff der Ti efpe und n ft ged.i fpft

VILLARCEAUX
Ninon!

NINON
Mubl nicht'

VILLARCEAUX
Ninon'

NINON
\\er ruft' Ah lhr! (Lschelid) Ich kam nichr Eurethalb
Ich wollre nur ein wenig Kiihle armen
Und diese Blatter, die der Nachttau netzt,
Auf meine Augen prcssen. Denn sic gluhen.







Ja, Freund, sie gluhn!
(Sie irt laniJJI,. u ibhm I.inuitet ptet,'n und bat seine Hand ani
ibre Augen gepi t.)
Und sagr . versteht Ihr diei,
DaC. Genrilie-Ninon ihre Gaste fliehr,
Und Spiel und Tin?, um hier im Dunkel einism
Getiihlen nachruspihn, die unheimlich
\\ie groBe fremde \'6gel in ihr liarern ..
\'ersrehr Ihr dies ..

VILLARCEALU\
('11:1 .,e Iliitner ErLi'eun.I,
Ich bite Euch, liebe Ninon,
Gdnnt diese Stunde mir zu einem Wort . .

NINON
Seht, wie das Dunkel auf dem Garten liegt,
Die Baume starren wie aus Stein geschnitzt,
Und nicht ein Blatt, das bebte. Dies ist eine
Kiihle und klare Nacht, Marquis. Bedenkt!

VILLARCEAUX
Ich bitt Euch, Ninon! Seht, seit einer Woche
War Eure Tiir flir mich gesperrt, kein Wort
Von Eurer Hand kam in mein Haus, kein Grul . .

NINON
Ihr wollt mit mir . von Eurer Liebe sprechen .

VILLARCEAUX
Wie scheint Ihr kalt! So kalt . O sagt doch etwas...
Ninon, ich bin so jung nicht mehr . .







NINON
Dal Ihr
Verwinden kdnnt das Ende einer Lusr,
Die ich Euch war! ( iottisch) Mein warmer lieber Raoul .

VILLARCEAUX
Ninon, Ihr spielt mit mir'

NINON
Ich spiele niche'

\ILLARCEALU
Dann frevelt Ihr, bei Gore! O Ninon, Ninon,
So denkr doch an die wvundervolle Zeir
Der heiigeschenkten und begehrren Liebe.
Gedenkr der Nachte, stiL und schwul, da unser
Sraunen an Wonnen wuchs, die iiberschwenglich!
Gedenkc des ersten Tages, den wir lebten:
Im W\ald \on Ruer bliihren weijle Veilchen,
Das junge Moos war feuchr und kihl . .

NINON (wuicrl
Ich wei . .
lMi dieser stien Torheir ring es an . (tmrcHlagend)
LUnd wauh-re dann . den ganzen Sommer lang,
Nichr wahr, Marquis? Den ganzen Sommer doch?
Oh, %welche lange, welch unendlich schauerlich
Erschreckend lange Ewigkeir . fir mich!
Doch jerzt isrs Herbsr .. Wir frieren schon ein wenig
Und kau'en Pelz! Marquis von Villarceaux,
Ich mRchr Euch erwas bitten: Werdet heur
Mein Freund!






VI LL .\RCE.\UX
rm Gort, Ninon, wa, qualt Ihr mich!
Ich bin kein Knabe, dessen dunnes Blur
Beim \Vinken seiner Dame steigr und talk
Nich ihrem \'unsch . ich liebe Euch!

NINON
Und sprechc,
Marquis, mit schuner W\iirde von der Liebe
So ie ein Schafer aus dem v.rigen
Jahrhunderr.

VILLARCEAL'X
Nin..n, siilC' ind Eure Lippen,
Wenn Ihr so, hohnr, doch meine Seele wein .

NINON
Alein Freund, Ihr uollt ein cg.rrliches 'ergruiien
lMi Farben schminken, die Luch edel scheinen,
Und tragisch sein um jeden Preis! Dies ist
Die Krankheir vielcr l.inner, wcnn sie lieben.
Doch isr es Krankheit. Glaubt!
('F/.,tiftch
Und sagr nichr Seeck,
W'enn Ihr die Sinne meinr. Die Liebe, Freund,
Ist Apperit, ein grol'.er sch'.in r Hunger,
Den die Narur in unsren Leib gelegr,
Niche mehr Lind Hunger still ich, wie Ihr wit .
Auch srirbt man nicht daran \\'a' cir ich doch.
Als ich noch durstig war nich Eurer \V\ein,
Damals, als Ihr mich trotzic untreu wahnrer . .
W~'ifr Ihr es noch . .







VILLARCEAUX
Ilir schnitrer Euer Haar,
Euch Euer wundervolles Haar vom HLaupt
\\'ie eine Priesterin .

NINON (ladhr atfl
O nein! Ich schnirrs
Und sandr es Euch mir Blumen iiberdeckr
In einem grunen Korb aus jungen \'eiden,
\\ie man dem Liebling murgens Fruchre schickr.
So car ich dimals, und noch heure freur mich,
DaI ich es rat . Doch dies isc nun voriber.
Der Straug) von KUssen, Freuden, Lusrigkeiren
Und Launen suCen Sinns, den wir uns plldckren.
Er hangc verblaC.t so wie ein Bdndel warmer
Blumen in meiner Hand . ich otne sie . .

'ILLARCEAUX
Ninon!

NINON
So gliubr mir d..ch: es ist voruber'
Spracht Ihr dies \\orr [und einmal sprachr Ihrs richer].
So miilt ich Euch verlieren: ganz verlieren,
Und sehc, das mocht ich nicht: Ihr seid mir wert!
Schon viele gingen so durch meinen Garren,
\'ie Ihr terin, doch wenigen ward dies:
Mir Freund zu sein. Sehr wenicen. Ihr wili[r:
Es ist die hochste Gunsc in meinem Hcrzen . .
(l. Fchelt
Als Freundin bin ich rugendsam und treu! . .






VILLARCEAUX
Maln beer Eure Freundschaft an, Ninon,
Ich i\eil .. und dennoch raubr Ilr einen Himmel!

NINON
Im Himmel ist man keusch, Marquis, und sittam ..
Ich raub ihn niche . ich bier ihn Euch . Ihr sehr! -
Heur i't mein Namenstai, man ranr dorr drinnen . .
Ceh ich hinein, so, bin ich Konigin
Von riusend \\iinschen, wuelche gluhend birren,
Von Huldigungen, Schwuren, stilen Schmeichelein.
Und sehr, dies 'alles ilt mir heute nichrs,
Heur brauch ich einen rreund, Mi rquis! H6rt Ihr"
Der Treuesre, Saint Etremond, ist fort,
Der Herzog ton La Rochefoucauld liege krank
Zu Bett, und Moliere . liest mir seine Verse . .
Sroncr nights! Ich brauche cinen I rcund, Marquis .
Fast mocht ich sagen, dal, ich ein am rei.

\ILLARC[ALiU (,rr'M:t ;c:' Atcr ine Had)
Ninon, ich bin Euch s,_llii iiingcge ben!


DRITTE SZENE

Die Tier des Pa:-iilens ufftiut Fich, .1:.rii /,. Lorine tritt
j fj die RamEe binaus, winter ilr arirjngte ,ll.ir./ips :'cn
S. :.i"n.:

MARION
\Vie kuh!! Ich bitt Euch, gebr mein Tuch, Marquis.

NINON (s~ft,
Marion!






MARION
Bist dus: Kind, wir suchten dich!

NINON
Doch wer stehr hinter dir" Es isr so dunkel.
(Sir s/eit rieige Stu/fi binauf. ,lartoi erpreift thr Kleid
find :zl't es in die lrehite.

MARION
Ich uollte eigentlich . dich raten lassen!
(Drr .l/arquir vuli S'vigine trail herrv,:r hnd beugt sicb a.uf
tVinuons Ha.I i

SEVIGNE
Erlaubt, dat ich die schone Hand Euch kisse!

NINON
Marquis von Sevigne! Sehr . dieses freur mich.
Dies freur mich wrirklich! Kommt, Ihr dirt'er mir
Die Hand noch einmal kJssen. Beide Hjnde.
Doch Eure Mutter.

SEVIGNE
Frau von Sevignc
Erlaubre mir nicht gem Euch zu besuchen.
Sie fiirchter Eure Schonheir sehr . und Eure
Gedanken ibher Liebe, wie sie sagr.
Doch meinte sie, ich miCre in die \\'elr,
Die grole Welt nun treren. Euer Haus,
So sagre sie, sei angefullr davon . .
Und so erlaubre sales.

NINON
Marquis, ich stritr







Schr oft mit Eurer Mutter iber Liebe . .
Duch konnre sie mich niemals iiberzeugen.
Un grd rr'e \Welr, die kinder Ihr bei mir!
Sahr Ihr Moliere und La Fontaine-
SEVIGNE
Sie spielten
Im vordrcn Saal.
NINON
Das heiCir, dalli Moliire schlechrer
Und La Fonriine sehr gurer Laune isr.
Doch mine Schinheir! Sehr, Marquis ich glaube,
\ir laufen nichr Gefahr. Mein Herz ist nimlich
Ein uwnigt mude jetzr im Ilerbst. Doch sullre -
Ihr uilr, dalC hierin niemand sicher ist -
Sollre uns ircendiie ein s6iler Taumel
Den Sinn verwirren nun, :o swollen wir,
Nicht wahr, Marquis, iir swollen dann mit Mur
Und ohne Trinen dieses schlimme Schicksal
Leben!
(Sir Feicht ibm Iie ltauit,, diie er u..t.e
MARION
Du sliC.e Ninon' (k;,.it sic.


VIERTE SZENE
Zrwii Diew, koinnmen im Sitrat wit eineni Hajpti'n.nn Jer reitcn-
den G.:a/e :o'i rechtr.
HAUPTMANN
Teufel, scherc
[uch hiniwe, sag ich, \orw';rts!







VILLARCEAUX
He! \\'i gibt es:
NINON
Wer lirmr dort so?
DINNER
Ilier dieser Haupcmann von der
Garde der K6nigin kam vor das Haus
Mic einer Handvoll Leure, die zu Pterd,
Und einem \\'agen. und er dringr daraut,
Euch gleich zu sprechen. Herrin

NINON
Mich :
HAUPTMANN
Die Dame
Ninon von Lenclos such ich aut Befehl
Der K6nigin.
NINON
Das bin ich. Sprecht.

HAUPTMA N N
Ich habe
Hier dieses Blatt zu reichen, schdnsce Dame!

NINON
Gebt her.
(Sier iert hastig un.d berrtor:r. 11ajiin uud di beliden .11.rquis
beobachten sie mit Unriube.)
SE'IGNL
Es scheint, dail lhre Mijesti t
Euch ubeliill!






NINON (ii.mj'ft az'q
Oh. dies ist uncrh6rt!
Ganz unerh,.rr! Das hatr ich niche erwarter,
Da., kinilicher Hat. so jedes Macl
Verlieren kann!

VILLARCEAUX
\'as ist es, Ninon:

MARION
Sagr!

NINON
Ich will. euch lesen! Hort.
,.Der Dame Ninon
'on Lernclos wird Befel., ganz unverzuglich
Im sichren Schirme dieses Haupcmanns miner
Garde und seiner Leure sich nach Pas,
Hinzubehel.en in mein Graues KIl-srer
F[ir Aladchen, wrelche reuig sind, Lnd dort
So lange zu verbleiben, bis xwir uns
Des \\eircrn entschlh.ssen haben."

MARION
Gottr

VILLARCCEAUX
Die Kdnigin vergal- sich doch ein wenig!

MARION
\\as soil man run . icli will den Marschall rufen!
(S:, scbhiik s,'h 1au, die Tqelpe bisanifttzedei.)

NINON
Nein, Marion. Bleib!






(Z'LI HaN'll tann)
\Venn ich mich nveigre, Herr,
Habt Ihr Befehl, Gewai . .

HALUPTMANN
Dies i;r in meinem
Aufirag nichr sorgesehen, schone Dame,
Ich mi6Cte neue Order holen.

NINON (nit u .iianti i st.''en Tiot:l
Ah,
Dann gehr und sager dies der Konigin:
Ich lielG mir schuldigem Respekr vermelden,
DaB ich nichr M;Adchen und nicht reuig sei
Und drum ein Recht auf \\'2hl mir vorbehielte,
Und diese sei: die grog-en Cordeliers!
'Le,'-lNii
\\'ird sie gebilligr, moct Ihr mich gelriten.
(Der Alarqu:is vn I'/taicraux i'.d ,n11.tun .fabre Iei i den
Al~stti n.ne,' :zusamt.en, .t,; Haupw.tnan Lertnicir sick.)

SIAUPTMANN
Sehr srolz und witzig seid Ihr, schbnste Dame'
Ich urrde Eure \'orre mclden lassen. -


MARION
Ich bitr dich, Liebe, war dies klug'

VILLARCEAUX
Es wird
Die Kbnicin zu Argrem reizen, Ninon!






NINON
) nein, ich kenne sie! Es lg ihr nur
An der Beleidigung. \Vie k6nnt sies wagen,
\,ie k6nnre sie! . Cedenkr es doch! Ich bin
GewilV,, daLi es nur eitle Drohung. wir. (Licbel.d
Ihr seid bestiirzt, Marquis \on Se\ignc-
Und Ihr, mein Freund, und du ..
Mlein G:,'t, so dcnkt doch!

SEVIGNE (lbe, etlv
Ich %ieif., die Konigin prich oftr von Euch
Mir Zorn zu meiner Mutter, und ich tfrchre,
Ihr H1iC isr letr7 zum Aul:ersten berei . .

NI NON /lache/nd, sp:ele irch)
V'ielleichr, vielleichr, wir mdscen warren, Freunde!

V'IL A RCE AUX lusbrecilendJ
Ich birc Euch, Ninon, kommr mit mir, serlalr
Paris auf eine \\eile!

NINON
Freund, ich ging
Noch niemalS einer Sache au; dem \'eg!
Auch diesmal dieser nichr! \\ir bleiben hier! -
Und schweigen jerzt dison, nichr \%ahr! Auch drinnen!
NMrion, ich birte, hori, du! LaCir uni ruhig
Den Abend feiern, so, als ob die, nichr
Geschah und morgen . Gorr, enn ichs bedenke . .
(Lache/lnd)
Im lerzren Grunde angsctig es mich \enig.
Auch eine Zeit in einem Klosier zu
Verbringen! (Lacd.t







Kommsr du mit mir, Majri'on, kommsr du:


SEVIGNE
W'ie ~undervull wil't Ihr das Leben -u
Besiegen!

MARION (kigj; .\T'wi
Ninon, Gure!
(Sit el]t ibre HInde ant, iNinons S lbtNe n inid irntdet de;
Kif .zu I .'/lz, ceau.x)
Herr Marquis
von \illjrceau\, wilcir Ihr mir Eurern Arm
Zu einem Gang durch Ninons Garten leihn-
W'ir swollen duch noch ertas uns beaten!

NINON
'er7eih, duch \'illarceauL urnd ich, wiir beide
Philusophiercen grade, als ihr kamr,
Lind sind nuch nichr zu Ende . .

,MARION (/.lcl'er.'.
Uber Liebe'
NINON (ai ritn.iiD
Nein, uber Frcundschaft, Mlari,_n.

SEVIGINF
Dart ich, wenn Ihrs
Irlaubt, r:on 'iliarceau', strtt Eures meinen . .
(Er eter Mlario, den .4)f;.,

NINON (/al.,eul'()
Braso Marquis! Beim Namen unsres jurngen
Konigs, so uar es rechr! Ihr werdet bald
Im schiinen Dienst der Damen Muster sein'







MARION
Ich nehni ihn gerne, Euren Arm! Dich schreiter
Lingsam mir mir, die dunklen \Vege Ninons
Sind fasr gef.hrlich . .
NINON (riflt
MAlri..,n' \Uo ic Plessvs?
Kamst du allein:
MARION
Ich kni allein heur abend .
Ein Her, wird made, Licb. Im ileichen \Vehen,
Dis lu und sintr mir Ishlaffen Segeln spielr,
Sehnr es sich ftrt nich \\ind und Abenteuer.
Ich kani allein! Hier diesen \\'e Malrqlais.
(St.' le,-en in Je'i rei 't.' Scit,', Trr "n.)


FUNFTE SZENE
',';';u l'abit an Ji.s G' ;./'r ek'ltbut i, vd si'eb.t i nein nach.
NINON
Die gure Maion
\ILLARCEAL\
Ninon .. Ilhr bethlet . .
NINON (!'.ic i.c l, ;'lt ,.ticj
Dai, Ihr ein wienig n':,ch bei mir vernr\'ilr,
lMein Freund, denn Ihr vergaCLer cu bemerken,
Dia Nin..in rrurig ist. Gebr Euren Arm. (Sie gelen.)
Vielleichr isrs Luge, dJi, ich rraurig bin,
Alcin Freund. Docl lustig bin ich nichr. Selrsin
'erirrr isr mein Gefuhl and \\'ien ,in
NMir sclber.






(Sit be.g t si'l a.fts Grar.)
Sehc ein Glihuurm Legr ihn in
Mein Hiar.
\ ILLARCEAU\
Kommc.
NINN()N
GlIihr er? Freund, mir 1rt seit ierzehn
Tagen wie eincr BrIut am Hoclhzeirstai
Oder wiie einer alen Frau ini Traum. -
Ich wiill Euch cine wit:zie Geschichre
Erzahlen . .
'ILLARCEAUX
\'einc Ihr, Nincon' Sehr, Ihr r.istct . .

NINON
Nein nein, mein Freund. \ann weiite Ninon! Kommt,
\'ir %iollen sitzen.
(Sii' s5'tc iich at\',lie Jarmnrbank links;)
Line witziic'e
Geschichre uill ich Euch erzhblen, lachc,
Denn ise ist rauriL. Oder weint! Lnd horc
Guc zu, mein Freund, es konine sein, daJC ich
Diese Geschichre Euch cinmal nor erzlhle

\ILLA\RCE.\AL
Wie seid Ihr doch errege ..

N I N () N
V ,r \ierzehn Tagen
GingL ich Lns 11aus Bourgogne. Mln iab Moliire.
Ich rrug dies helle kleid, das Ihr so licbr,
Doch hare ich allen Schmuck mir angeran






Und vi:lc; Guld mir in mein Haar geflcchren.
Ich kam min wenig spit, man 'pielre schun.
Lind wie nun meine Blicke durch den Saal
Hinschweiftren, trafen cie auf einen jungen
Mir unbekannren Mann. Er lehnre druben
An einem Pteiler, und er sah mich an.
Er iwar nicht ganz so LgroC wie Ihr und hatte
RriblIndes Haar und Augen, prrlI, und schwarz,
iUnd sah mich an. Dies w'ar nichr celrsim, Freund,
W\'ie dunkr Euch? Seltsam nkchr. Nein, ginz nariirlich.
Lind die;er Fremde Knabe war sehr schon .

VILLARCEAUX
Bei allen Hlimmeln, Ninon, Ihr seid graucam'
Schenkt mir das Lnde der Geschichre.

NINON
Freund,
Ja gab c; eine,. das zu schenken iJre'


SECHSTE SZENE
Alarion u.,d ,er Alarqih vyon Sc':'ignu I .on'entI ,tin dern Sciten-
irg lin,i steigi ,./lie let'pe :ti ; P.:ikL.on b'.nau'.

NINON
LaCt sie ,orbei!
MARION
lhr mulct das rechr verscehn,
Marquis. sI:r gr.:.Ce Leidenscha'r srehr nur
In Buchern, die man here nichr mehr liert,
Doch damals sprach der Herz-o s zu mir,
Denn spanisch war die Mlr'de. Auch in Frankreich.






SE \IGNE
Man sa,r er habc nach dem Ruhm %on Rocroi
Die Lorbeern sich von Ninons weichen Hinden
Hinleoen lassen, um dJraut zu ruhn!
MARION
ja, das ist wahr Duch Ninon %,irds zum Leide . .
Dec starke Held war . llzu schdpferisch.
SEVIGNE
Ihr meinr .
(Sie trtoi in ./1'i; P.A iA .'c.,;.


SIEBENTE SZENE
NINON
Ich sagte, dil: der Knabe schun war.
Lnd er war jung . S lung, dia: alle I'lammen
Rints an den Kerzen 'an-en vor Entzucken
Und niederzuckren au sein lichtes Haar.
Und crwas Frcmdes hing an ihm, als sei
Semi Blur nichr heimisclh hier bei uns, den Leichren,
Die mit dem Leben spielen, so, ils seii
Ein Ball. Es lag ein Ernst auf seinem Antlirz,
Als eien die Gedmnken ihm Leir mehr
\\ie Seitenblisun, drin die \Welr sich spiegel.
\Wahrlich, er war em KnabL und ein Malnn!
Mir fuhr cin iwarmur Hauch so durch die Adern,
Dai.l all mein Bluc zu einer W'elle schw:.ll,
Die wohl ihr Ufer kannre. Schmerzts Ench, Freund?!
Voreilig seid Ihr. \\arret noch ein wenig
.Mn fing zu tanzen an, und er war fort.
Nach Tagen going ich uieder hin und sah







ihn bald im 51i1. Er trug den Arm, den linken,
Hjngend in .inem Tuch und schien mir bleich.
Und vie es kim und ging, das \veiGl ich nichr,
Mich trieb ein unbeschrtiblich z7rtliches
Gefihl, schnell ratr ich hin und fragre: Sagr mir,
Seid Ihr verlerzr, traf Euch ein CUnfall?
,,[ r.ulein,
Mich hiC, mein Pterd, als ich ihm gir zu lang
Des Nichrs beim Fenster einer Dame srand.."
So sprach er kGhl . und \andre sich .. und going ...

VILLARCEAUX
An seinem Arm erkcnn ich ihn, cs iEt
Vicomte .on V illiers.
(N\non fi.brt itarr in die Huble tinl. site'l ei.en Aujenblick wie
bi.,,O'ilme'l daj. Daun tt sit einige Sci,'bltte at/f i'en .l.r q.huis
t..nd frat rwit nifhlnet'rer es.'.,.;nnter Errieift.ng)

NINON
\\elchen Namen nennr Ihr.!

\'ILLARCEAUX
Der Gratf on Villiers wars. Er kam im Stib
Des Prinzen aus den Niederlanden nach
Paris.

NINON (.'nit /tbeienn Erstaunenn)
Vicomte von Villiers! Alit dem Prinzen!
l.-lusbt c1,el d)J
Gort, dis isc ungeheuerlich. Ihr irrt Euch!

\'ILLARCEAUX (werwundert)
Ich trat ihn im Gemich der nigin . .







NINON
(sjet fwist cb.reie',d ein, d.Jnu rwij ilre Stimnne amiblicb
flehend uind fiL't rich zulet:t wit TrF'ie;i)
Ihr irrr, dali dieser schine Knabe, den
Ich sah, \icomr e von Villiers heil' und mit
Dem Prinzen kim. Es ist unm,'glich! Ilore,.
Ich sage Luch, dACi es unm.-glich isr!
So sprecht und sat, lhr irrrer Euch,
Mein lieber Freund, iag schneil: Ich irrre mich.

\ ILLARCEAUX
W'ie seid Ihr iaulIer ruch! Nein nein, denn Ihr
Beschriebt ihn ganz genau, es ist der Gr . .
(ns':non big.i /ni K/.f in ,.l, \.,en :'.t t spri,.'t narch einer
knrzen S ti' rt.di!ul an..i fit'rtr .!i

NINON
Gascon-Roberr Floriln, Vicomre vnri Villiers.

VILLARCEAULX urtsiwrerI
So uwil. Ihr mehr von ihm .. s.ig mirs, ich bi . .
NINON aasbiechen.id)
Was cut sein Name Euch, mein Freund! Ich kenn ihn!
Oh, diesL- ist nichr auszudenken'
(Sic mirf't ich aif die B.itk and v.'rlirgt ibren Kopf in ibren
Arn.'n. De'r 1Marqui! tritt le,'ie :zi ibr un.? fragi ergri.Jfen i.1d
bestui zti
VILLARCEAUX
Ninon! ..
Hab ich Euch irgend'wie erschreckt? \'erzeihr ..
(\inon I'ebt en Kif./; ii'i. ibr Gericl ti.lt sicb a.inhlich mtr
einein wereen Lichl'ln..)






NINON
\'ie meint Ihr, Freund? tLs karm in wenig schnell,
Dal, dieser Name mir enrgcgenrrrt.
Doch will ich lernen. Oh, wie will ichs gerne
Fur diesen Knaben run. Veriehr, mein Freund,
Ich denk an ihn ..
Und seh ihn vor mir, wie er riard und sprach . .
('.llit racji'en.er Loeide .,.ichlh (,*irt
Und brenne vOr V\'rlanen, nachts 'an seinem
Betr dazusitzen, seinen Arm zu hdren,
Die heile Srirn mir Ceuchren Tichern ilim
Zu kLuhlen, Lieder ihm zu singen t'ir
Den Schlaf, das Licht zu dJmpftrn und 7u wachen,
Bis d-aC, er wieder i ach wit wiIlc ichs gern!
(1P..ti, v ru wey E i ortia'.)
Ja . lachr Ibr nichr, mnein Freund: So lachr doch nut!
Ich finde mich ein rwcni Icherlich'
Oder habt auch Gcduld mir mir, es gehr
Gewil'. voriiber! Seh ... . h erde alt'


VILLARCEAL'U
Verworren heir ich Luren \\,-rten zu
LUnd ahne sch.udernd fasr ein ungeheurcs
Und nichc gemeines Schicksal, das Euch trat'.

NINON (f/ t)
Nichr tri isch iwerden, Freund! D-i', chickr sich nicht! ..
Mir fulhr ein Knocen in die Hiand ,urick,,
Den einst mein Leben schlug und den Ich tiat
\ertaCl. Ich werd ihn t;ne \\'eile halren,
Dann schnurrc das Sell die Hand wird kaum den Druck







Nachfuhlen und es ist virbei! (wrrdwutig) Wir leben
So leicht, mein Freund!

\'ILLARCEAUX
Doch sagt mir, Ninon, birre,
Ich weell nichr, ob ich Euch auch ganz \erand .

NINON (scri miugrsd)
N-ch mehr: 0 nein, ich hasse Deurlichkeiren'
Habr Ilir noch nicht genug' Ich sollre meinen!
Aut, aut, Marquis, wir wollen lutig cein: -
Das Leben icr ein Spiel . mit ernsren Dingen.


ACHTE SZENE
Mlas ion komn:r at. i.he Rampe binanjs rind ift
MARION
Ninon!
NINON
Ja Mario.'n ia, ich komme nun!

MARION
Die Sarabande! Alle wrrten wir
Aut dich' Du mulrt sie ranzen'

NINON (atf der Ti eppe, J..it bacchbaiscl')
Gcirr, di, ist
Das Rechrc! Tanzen! Kommr, Marquis, ich will Euch
Heute die Sarabande tanzen, wie Ihrs
Noch nie gesehn! Man sagr, ich ranze gur,
So kommr und schaur mir zu!
(Zi Marion)
LaCi mich voran!






(Bri'te gel/en in ,/n Pr.'itL', gkicirc'bz,,i set:t diie Sarabanaic en.
I ?,n rel'ts kmin.it in F .ter EL"e ,in Diewr uin. st'eigt -1n,
PaviL'on brnanf..
VIL LA RCE AX
\Wie uunderlich .ir dies, ,ie selrtsm Ninn .
\'erliebr und mLtrerlic .
(rnft Jim.a Di.tner nlall)
Wa's eibr es- He!

DILNER
[in Oftizier der kunihin stret vor
Dem Tor und wrinschr dic Herrin gleich zu sprechen.
(Wi l r/rei etel.en.)

V ILLARICE[AU\L
Des Nachts" Hast du vesagt, daC. sie ein Fesr
L'nd G(Cte hit
DIENER
Ich saj r e;.

VILLARCEALUX
Guc, so geh
Und melde, aber leise, hbrst du, leise!
(Der Dtieer gel't i't ,e' PartL',,, I tlajC'aicea stagt dih Tret/pe
/'ina:,q.)
Die arme Nincn' K')nigdliher Zc rn
Scheini unerbittlich. Niemand airnre mich .


NEUNTE SZENE
Die 71,r di/ ParL' ,ns ir, rr. gil e/.'.-;r Ha. t ait: eschla.'en, :,dr
sinoiu s/til ?,mit ,inewa I"'Il i/.ir e G.rCte in a:.-jfe; iter Et' egaun,






anf die Rampe hinant. .ii. d'er alit 11jascha d'Estr,;e ist
bei iltr.

NINON
kommt alle mit mir! Kommt!
(Zu I 'lL'ar'eau v)
Habc Ilr Mehirt,
Anna von Osterreich hat eine neue
Schmach mir ersonnen.

VILLARCEAUX
Sehr, ich warnre Euch.

ERSTE DAME
So habc Ihr sie erzurncr
M ARION
Sie kann es nichr
X'erzeihn, dil Ninons Leben anders liet
Als ihres einsr mic Herzo, Buckinhjam.

NINON
V'ernehmr es denn, diC. Ihre Alajesrir
Anna von Oscerreich, Regenitin Frankreichs,
Gendarmen zu mir schickre, hier vor dieses
Ilaus, in vcrtloLCner Scunde, mir Cetehl,
Mich schleunigsr tirrzufuhren in ein Klourcr
Rcui.er Madchen . .
(Bencg,.ng ,n'ter dei Ga.ire )

ERSTER HERR
W elch ein caller Eintall!
ZWEITER HERR
Man sollte ihn emn juncen Kdnig melden.






ZWEITE DAME
Bravo!

MARION
Wer rurs ?

ERSTER HERR
Ich!

DRITTE DAME
Doch iwas ward daraus'

NINON (zoinhT)
Ich licF. mit schuldigeim espekr vermelden,
DaCL ich das Rechr der \Wahl mir L:rbehielre'

D'LSTREE
\Vie stolz, wie scolz, Verehrce!

ZWEITE DAME
Nun ... und jetzt"

NINON
Ko.mmr wo'h die Anrwort!
(Zbun DieierL
Geh und bring den Boren.
(.4lyfrt.lich ind erregt)
Hier will ich bleiben, und ihr bleibc bei mir!
Niche wahr, ihr bleibe d:,ch alle dichr bei mir?!
(Sir,' wen.let sicd :urn .lIarscball 'ErI tree ,i.l fjiart wit welcher
L ieb usAr ri tgkeii .t;'r)
Nur Ihr, Herr Marschall . wenn es Euch verdrielr,
DaF. ,grad bei dieier Sache wer Euch ;ieht
Und dann bei Hofe schwarzr. so geht hinein ..
Es krankt mich nichr ..






D'ESTREE
Ich birr Euch, Ninon! Nein.
Ich will mich mehr nach vorne stellen. So!
NINON
Das dank ich Euch! (lice!) Ihr seid Jilanr!
SEV' IGNE
Er kommr!
MARION
Still!

ZEHNTE SZENE
I'icm1ete :,on ilieh s, Jd,. li ke' Ant in .kr in't.ie, l:o int von
=wet' Dinieon sntt .Stl.tere'n geleiter, Jen H.li.,ti rwe ent-
lauig /t e ,eut FtErl ,ler T, 'e;pe, iw er sieb t:e/ ver'eigt an.!,
Eit .fir ret'lten Han.d t;.e se'I'teJ Kt ,tf nah i j r hkikseitigen
AKe.mp t'jasetl, J,n .i :a n ,inem cn gro.flen Il'i.en BoLye'n vo
HII.npte ta/.So'et.
NINON
Vicomte %on Villiers . Ihr! Fasi konnte dies
Mich schmerzen!
VI LLIERS (I, i-bt at.j'bm ti/.lj
k6nnt es das, mein Fraulein : D,,ch ich
Bin Bote nur, weil eine gure Nachrichr
Zu bringen war. Erlaubr, daC, ich sie melde-
\Vie Euch bekannr, beliebts der Konigin
Bisweilen abends nach dem Alahl in ihrem
Schljfzimmer noch zut plaudern. \\'enigen
Erweist sie diese Feine Gunsr. So here.
Ich nenne nur den Prinzen, meinen Herrn,






Die Kinigin %on Sch\.eden, % elche ierzt
Bei Il.f zu Gaste ist, die Frau von Motte'.ille,
Den Kardinal Ind Frjulein 'on lanzini.
Und es geschah, d.', Euer Name fiel.
Da i3-nJdre sich die K,.,ninin und iaIreL
So laur. dJil iedermann es h.i.ren mulcre:
Der Prinz s ,:n Frinkreich, \elcher Luch gekannr,
AI. er n:och Herzog von En.hien sich n'iance,

,,babe ihr tben s. Liel Gutes und Schines 'on Euch er-
zjhlr, dal', sie es au'richlti bedauern musse, einer so all-
gemein geschJtiten und bewunderren Fersonlichkcit Un-
gelegenheiten bereicer zu haben."

Der Prinz \on Frankreich, der mein Herr, rieC schne!l:
Man musse Sirge tra.cen, dal, Euch diese
Guricen \\brre auch 7u )Ohre kamen.
Und sih mit so icl Absichr ringsumiher,
Dal' ich hervortr.ir und um gnadige
Erlaubnis hbt, das Zimmer zu verlassen.
Sie \iard erteilt, denn Ihre AT.jestir
Die Koniin war nun so, pit;g, noch
Zu aulern: ungern iuiil re sce sich Feinde.

LRSTL DAILY
\.ie schon ist s,.,Iche GroL.c der Gesinnurig!

VILLIERS
Die AlIjeCstt ion Schweden, Konigin
(hristine, riet mich dann: Idi s..lIk Euch grul'en.
Sehr cern und ot't erinnre sie sich Eurer
Lind des Gesprachs. das sie mit Euch gehbtr.
Und senerd [uch mit ihrer Guinst dies Tuch.






(Er eichA' tin; kleines S.itzcnas ent n/h /l. 'an. AiNw i ,mnt
es wit emer st.np ren Bewegng tes Arms und Lijt !:n trieder
hingen. I il/lies trirr ruckw.irts z'rsck es entsret keine P.aue.i
Es sei ein nordisch Mu;~er, das sie selbsr
An langen Dammerabenden gestickt
Und herzlich gern von Eurtn sch6nen Handen,
So sagre sie, gesrreichele ,ii;sen m6chre. -
(Ninc'n l s'I t uh'bex, _. icb. I !'./i/'i ver e.,' t -/
Mein Autfrjg ist zu Ende, Frzulein.

NINON
Deuter,
Herr Graf, mein Schwrigen mri der grolen Freude
An dleser Bocschatr. (Lac/hii Sehr, ich bin noch ganz
V'erwirrr. Hier rtind ich roller Furchet or rauhen
Worren aus rauhem lund und dann kam hr .
In solcher Sendung. Htrilich treur es mich,
Dali Ihre Alajestrt so huldvoll iwar,
Den Irrrum Ihrer Aleinung einziuehn.
Es ehrr mich auch. Ich werde screben, daj;
Die Konigin von meiner rief'mpfundnen
Erkennrlichkeir ertahrr. Herr arschill, bitrre,
Nichr t %hr, Ihr sprechr elegenriich dav'c-n
Es ziemr sich nichE, dil, ich unmirtelbar
Der Antworr mich erkuhne. Meiner hoben
Zartlich verehrten Gdnncrin Christine
Von Schweden chreib ich selbst. So ldleihr
Nur noch der Bore zu bed3nken. Great"
\'on \illiers, roller die Gelegenheir
Nicht rauben! Heure fciert min tin Fesr
Eei mir .. darf ich Euch bitten zu verweilen?






VILLIERS
Wern Ihrs erliubt, mein Fraulein, ti ichs gern!
(Nin;' st-iqt zc iAln herab, *i/e Diener stuffen die Stocklaternen
in den Rasie umi entfel ,'in sich..)

NINON
Seid mir willkommcn, licber Grta. Ihr indet
Wohl auch Bekannrc unter meinen Gastcn.
Den andern %will ich Eucl noch einmil ncnnen:
(mit erhul-ener St;ritne :'ul elter gro.let Airmewega\ig)
Der Graf ton \'llers!
(Der Graf verneit sic', vor Jde t GCaten n,.! .he'c, .urijer dem
Marscl.ja!/ .'lie Iun i, I'nci 'e c, tvr itD.a. Da,: k einene
einszele Gastie beiab tin.'i ie,,ra.,tgen Ninun. D'Ese,., retcht
dem f icounte die Hl:ud, I 'l//rireau.x verneigt ibhm.j
MARION
Liebe Ninon, sieh,
Ich freue mich! (ui,'arent sie.l
D'EST'REE
Seid herzlich auch von mir
Beglucki tinschl. Diese's lichr ein schones Blatt
In Eure Kr;nze, Ninon.
NINON ('i,ihr iin ; Xe Hand)
\'errer Freund.
SEVIGNE
Erlaubr! (kil;t r; .tie H.and.)
ERSTE DAME
\Vie gnjdig hat die Ko-nigin
Die fruhre Strenge Euch versiCr', wie huldvoll!






NINON
Ich dank Euch. Allen. Ja, ihr freur euch mit mir.
Ich weeii. Das machc mich doppelt froh. Doch lafir
Nun unsre Freude in Jie Tji'ne flieCen,
Die dies Ereignis strirnmich unrerbrach.
W'ir konnen sie nichr schl.ner nurzen, Freunde!
Offnet die Ttir, Marquis von Villarceaus!

SEV1GNE (reit'ht Mario, den Armi
Ich bite, Fraulein, kormmr! (rqJ] imen) Musik!
(Die Gaste gbehn lanrjsam n s en PaviLon.D

NINON
Und jemand
Verktinde auch im Spielsaal, was sich hier
Ereigner, sonst erziirnen ,ir sie bitter!
(Zu I stiarceau.v, welcher ials /izter wrartend as ,ier Tr- bl/eilt)
Ich komme, Freund!
(1 il/arceautx ebt been niui sci/ieft die Tur.)


ELFTE SZENE
A'inon wen,de sic' tud trit Jtcht *.'or len I cointe. Ihre Srnn-
me unrId re Bewrreungeri baben z-uv.ac, t etrr.as Sceriier, Zages,
Tasteerdes, ist .1 lJ,ichbe,7saft's.

NINON
Herr Graf von Villiers, Euch
M6chr ich nun danken. Euch' -
(Sic strickt thbn zJag .e Htlanu entgegyen..
K'ilrr mir die Hand!
Und was rracht Euer Arm' Habt Ihr noch Schmerzen:






VILLIERS
\i . \ grig seid Ihr doch um ihn bL'orr . Nein.
Ich darF ihn schon bewiegen.
(Er '.in:t .n in ati dJer B;,n./e'.)
Da!

NINON
So gebr
Mir diese tHand. Ilier biL, das 'tFerd- Hier oben,
Nichr \wahr? Das garstige Tier, uie konnr es! Pfui,
Fs mulC ein b6ses Tier geween sein.
Ihr hihr es hoTfenrlich gewechlelt, Graf?

VILLIERS
( nein, dies PFerd und ich sind alre Freunde,
Ich bracht es nich Paris aus nreiner Heirmar.
Es iar bisher mcin bester Freund, mein Fraulein!

NINON
Und dennoch biGC e LEuch, wie selisam Sagr,
Herr Graf, Ihr kamr mic unsrem Prinzen nach
Paris und icillter ordcm Ji Verbannung-

VILLIERS
Ich bin seir cinem halben Jlhr im Dienste,
Fraulein. Als iih die NiLcderlande kaum
Erreicht, vers6hnre sich der Prinz mir der
Recentin und wiir iarrelren die Pterde.

NINON
Dr:ch fruher? Sehr, Herr Graf, wenn Ihr die Krile
Nicht 'tirchrec und der Tanz nicht allzusehr
Euch iockt, war ich Euch dankbir, wollcer Ihr






Hier be! mir bleiben und ein uenig mir
\'n Euch erzihlen. Dir~e Nacht ist schon
U .d klir. \ielleichr die llerlcrtre, die uns
No:h Sterne zeigr. Klum spurt min Tiu im Gras.
Seh-: meine Hjnd bliel rrocken. \Vollt Ihr, Graf"

V1LLIERS
Wie gurii sprecht Ihr doch zu mir, mein Fraulein .
Kium kann ich clauben, dlf, Ihr ernstlich idnschr,
Von meinem Lcben ernias zu erfahren.
Auch IwuClr ich nichr, \ is drinn:n rt:izv,.ll wii r!

NINON
Doch doch! Ihr mirc es run. Dies ist ein Zoll,
Den ich von neuen Freunden srers erhebe . .
Ihr sprichr von Eurer Heimrt. Liecc Iie tern"
(Sie Swr f c/fi'.
VILLIERS
Ich .uijchs im Noren iu', in tincm Schll?'
Der Normjndie. V\on meincn Eltern il. ich .
Doch sa2r, mein Fraulein, sait mir, ists Luch Lrnsr:
Mir ist so sonderbar, dai einer Lommi
Und mich nich meinem Leben friLr. \\'is liegt
Euch dran . und mit ir rds schLwer, dJavn ,u sprechen.
NINON
Doch bitr ich Euch! 1st es so harr, die Liune,
Die eine schone Frau uns merken lajCt,
Zu srillen" Lieber Graf, man sei pglanr!
VILLIERS
Nun sporter Ihr! O sprechr ,ie firuher. Fihler,
Dalj Eure Gute mich bestirrr. Nuch niemals






Sprach cine Frau zu mir, wie Ihr heuE abend
Spracher und neulich bend. Glauht, daC wenn
Ich ziigre, dies nichr Kjite ist. Glaubt mir.
Ich will mein Leben \.r Euch niederlegen,
\ie ein \erk'utfer einen Teppich breiter,
Doch ftrclih ich sehr. es ist nichrt weich i enug.

NINON
. . Nun seid Ihr liebensw6rdig, Graf.

VILLIERS
Ich sagre,
Da. meine Elern nicht von mir gekannr.
Als ich ein IKnibe iar, glaubt ich si rot . .
Und meine Mutter isr es w,.hl. Viellcicht.
Sie w\ir mit meinem \'Vaer nicht verbunden
Durch cin Gesect. Dies ,eiCl ich nun . und darum
\\'ard ich, wiec's silche Kinder sind, recht einsam.
Oh ich lermure, ter mein \'rer is ...
\o'llct nicht fragen . Nennen u erd ich ihn
\\'ohl niemils so di ist es eincre i.
Still wvuchs iih aut, gehuter von bestellren
Hfirern.

NINON
V'on diesen sprechr mir, Grat' Erzahlt
Mlir iel . .

VILLIERS
Versrteht: ic iwaren freundlich sters
Alit mir und nrgren gut fur mich. doch etwas
Fehlre in meinem Leben, das ich nicht
Zu nennen well. Ihr wilft, dal. Kinder seltsai






In ihrem Fuhlen sind . Oft uacht ich weinend
De< Nachts in meinem Berre auf und sehnre
Mich so nach irgend ertia, daft ich schrie
Und um mich biL', Lenn wer mir nahen nollre.
In andren Njchten la| ich reglo' da
Mit offnen Auten, und am andren lMorgen
Fand 5ich, dAl) meine Kissen oft 'o nalt
\'on Tr;nen warren wie ein Tuch, das min
Im FluC. gerischr. Dann wieder hart ich Traume
\'oll wilder Seligkeiren, und Gesichte,
Die meine \angen heizren wie im Fieber. -
Doch schrecklich %,ar nun morgens dis Erwachen,
Alein Gott, wic schrecklich var der gleicher Tage
Endlose Kettc, jls ich alter wird.
Ich weinte scliner, hatre keine Traume
Und t'ihire alle Dinge wie umllossen
V'on einer dumpfen Bangickeit und Trauer
Um etwas, das gewesen oder das
Noch kommen .solre. Kennr ihr Alpe, da man
Laur ruft und keine Stimme h6rc, nach ertias
Fassend ins Leere greitr, in tore Luft,
Schreirend nichr vorwartskommc urnd endlich vor
Entsetzen, Qual und namenlosem Schauder
So autfchrein will, daj faair der Schadel birst,
Und dann die eiene Stimme meilenfern
\'ie cinen Ililfeschrei und Todesruf
'erhallen horr? So schien mir damakl dieser
Mein eigner Leib rief in sich selbsr verbannr
Zu sein und um ihn eine groL'le Leere,
Drin Schemen schwankren s'., wie srumme Fische.
Dann kam die Zeit, iin man mir W\aten gab






Und auch mein Pferd . .
Um Gorr, mein Friulein, sneint Ihr?

NINON
Ich hdre Eure rdhrende Geschichre
Und denke allerlei . .
(mit lei.'nsd/'.;/J;/c.ir t nitgkcitI
Nichr wiahr, nun liebret
Ihr Euer Pferd, und preltret Euren Kopf
An seinen braunen Hals; und Euren Decen,
Den stellter Ihr des Nachrs an Euer Ber
Und traumter von Gefahr und Abenreier,
Einsam in Eurem keuschen Knabenbetre!.

VILLIERS
So tar ich wirklich, Fraulein!
(Er sh,'ii'krt ./ft :,'.1 ,rired lr 5ic, ';Alc- dlen B.,schen ,'n.)

NINON
Graf, was hibr Ihr'
VILLIERS
Mir war . als ruhre jemand hinter uns
An diese Zweige.
NINON
Nein, Ihr r.iuchter Euch.

VILLIERS
Mir ist so selrsam schon die ganze Zeir,
Als wi.re irgendwo ein Dritner noch
Und h;irt' uns zu.
NINON
Nein, ncin, mein lieber Graf,







\Vir sind hier ganz allein, allein hier vor
Einander, ich und Ihr, und niemand hbrre Euch.
Es knistern wohl die Zweige nur . Min Gont,
\Vie war mein Leben anders ls das Eure .
Diewell Ihr winter nachos in Eurem Bett,
Hib ich gelacht. Die gin;e \\'el wiar mir
Ein lichter Garten \oller sui!er Frachre,
Die ich nach Lust gepiluckr, gekoster und
NMch Lust veruorfen habe . Graft, ie schmerzlich
Ist doch von zweien Leben der \ergleich,
\V'cnn sie eininder w, verichieden waren,
\Vie Eures hier und wie das meinie.

VILLIERS
Ja, Euer Leben, Euer riu-chcnde
Lebendiges, wie traumt ich dimial doch
Von Euren Leben und vor. Euch in suLCer
Verwchtie.,ner Knabencnrnkenheic, wie war
Mir luer Name doch ein gro es \\under
Voll Glanz, Geheimnis und voll Lieblichkeit.

NINON
Was sprechr Ihr?: l'uirte Ihr denn irgendwie
\'on mir, als Ihr ein kind, ein Knabe ware?

VILLIFRS
\1'enn ich des Abends mud nach Hause kim
Von Jagd und Ritt und eingebildteer
Get'hr, gino ich sehr oft im Schloi, hinab
In einen Saal, wo dJs Gesinde saG..
Zwar fTihlt ich jene llenschen so wice fremde
Alir nicht verwandre Tiere, doch ich liebt es,






Sie anzuschaun und ihnen zuzuhoren.
Und einmal war da eine neue lMgd,
Die wohl hier in Paris im Dicnst Igeesen,
Und diese sprach vn Euch und sang beim Spinnen
Lieder, darinnen Euer Name wie ein Amen
Der Liebe jede Zeile suC. beschloCC.
Und diese Lieder priesen Eure Schi6nheit
Und Eurer Liebesibenrcuer stole
Beruhmre Zahl wie Siiege eines Kr;nigs.
Und diese Ma-ad erzhilre auch, dil. Ihr
Nchsr Anna \on Bourbon die schonsre Frau
In Frankreich seid, und kliger noch als alle
Frauen in Frankreich scid, und jeder Mann
Alit seinem Leib und seiner Seele Euch
'erfallen sei, "o Ihr ihn angeblickr.

NINON
Die Dichrer fanden Srtff in meiner Jugend
Zu dummen Liedern, ja, ich wieir es.

VILLIERS
Fraulein,
Ich liebte diesel dummen Lieder damals!
lein Geist umgab Euch so. mit Herrlichkeiren,
Dat. Ihr riie eine Kb.nigin durch meine
Traume hinschrirrer, rsolz und marchenhatr,
Und Euer Name bald der Name \iurde
Flir \was das kind vermiC'r und was der Knabe
In scheuer namenloser Sehnsuchr wuinsche . .

NINON
\\ie seltsam die . mein G.:r.







VILLIERS
Man sang ein Lied
Aut Euch, Ihr kennrs gei'i.i, die grausarme
Ballade von dem Ritrersmann, der seine
Vielliebe Mutter schlug, da Eure Laune
Ihr Herz als Futter Lures Hundchen %,unschre.
Und denkt, auch dies begriff ich! Ja, dies Opter
Schien mir der schr.nsre Sieg der Schnheir Ninons.
Mein Gortt, wie fallt mir alleys ein! -- inmal
Da kam ein Knecht von draulen in den Sail
Und neckre sich mit einem hLbschen Madchen
Um einen Kut., und dieses riet im Scherr.
,,Heilige Ninon, hilt rmrir." Seht, mein Frulein,
Am andren Morgen ritt ich dann zum Handler
Und suchre unter seinen trommen Bildern
Nach einer heiligen Frau, und diese kau'r ich,
Hing sie zu Haupren an mein Bertt und nannre
Srtarr ihres Euren Namen, wenn ich bar.

NINON
\Vie wirzig wilo.r Ihr zu crzahlen, Grat. .
Dunkrs Euch nichr selrsam, daC, e nun s.i kam?
DIC. Ihr hier bei mir sirzt und mir erzjhlt
'on eincm Knaben, der von Ninn triumre .
Und dieser knabe warer Ihr . vie seltsam . .
Und ich bin Ninon . .! (Lj.ic'd':. Gore, das Leben ist
So sonderbar verflochren -Ft . Nichr rwhr-
Doch lassen wir den Knaben nun mit seiner
Heiligen Dame, die mir wenig gleichr,
Mein licbtr GraF und sict mir ertas von
Den Niederlanden.







VILLIERS
AIN ich sie erreichre,
Schliff unser Regiment die Eien, und
Mln lube nur dies eine \\'ort: Paris!
Und dieses \Wort ergriff mich uie ein Fieber.
Ich sah und horte nicht und dichte nur:
Paris! Paris' und traumte nur Paris!
Paris malt ich mir aus mir heilen Sinncn
Auf langen Ritrtn in der Alitgrrisonne;
Und 'wenn ich abends einschlief, .wr Paris
Der letzre Ljut, den mein Be'wu'r-tein Cand.
Denn diese Stadr schicn rrir das Ilerrlichste
Aut Erden, bjnger \\ insche endliche Erfullung
Und meines Lebens Sinn und Ziei ;u sein.
NINON (/t.l.fit)
\\ie kann ich di v\erstehn, Vie ic ur, .ie gur!
In dieser Liebe, GraF, kenn ich mich ius.
Sat r mir . und welchen Eindruck michte Luch
Paris?
VILLIERS ,ir :,an
Paris!... ich sji nur Euch, nur E cli,
Mein Fraulein.
NINON (.'.l;lc./
Sehr .. wie h.;flich kLnnt hr sein .
Man m.rkt, djaC Ihr \-.'n H.t.c konmmr, Herr Graf,
Geschickte ArriLgkeiren sind icr r Mode!
D i_.ch eta s \\ahres isr dirin, dal:, diese
Sradr und ich blutsver\mindr und eines \\esens
In unsrem Herzen sind. \\ir nehmen beide
Das Leben leicht und vie ein flichtig S[piel.







Und dieses mul, man uns zugure hilren,
Mein lieber Graf, denn manchmal run wir unrechr.
Gott, wir sind oberflchlich dies Paris
Und ich! ... Langcil ich Euch, mein lieber Graf,
\'ollr Ihr nicht licber ranzen, als hier drauC en
Schiwatren mir einer altern Friau Auch ich
Bin drinnen eine Sarabande schuldig. -

VILLIERS ((.*,: tin. ,.,t)
Ich danke, Fraulein, denn ich ranze nie. -
Ihr sahr, ich ranzre auch in jener Nachr nichr,
D: mich mein Pferd vwr Eurem Fenster biC..
( 'iVno: sclne'tt i, JI, Ho.,e, i..t '; 1 :'iem., En.set:rn

NINON
Scid Ihr besessen, Graf, vor meinem Feniter!

VILLIERS i ehini.ic/'t'[il.)
\'iC.r Ihr es nun- Ich liebe Euch.

NINON
Sch VILLIERS
ich liebe Euch, und divse Kuhnheir, daii ichs
Sage, erwiiret mich fast .
NINON
Um G:orr seid still'
V ILLIERS
Ninon, ich liebe Euch . .
NINON
So schweirL doch still,
Mein lieber, curer Graf.







VILLIERS
Seit ich Euch sih,
Mir caller Leidenschaftlichkeir des wachen
Durch Euch erweckten Lebens. Dies m-in junges
Tosendes Blur har immer Euch, nur Euch
Gekannr, als es noch schliet .

NINON
Mein Gorr, mein Gorr!

VILLILRs
Ja, ruter Go.cr, ich liebe Euch, und mich
'erlangt nach Euch, wie uns nach Gore
In Nor und Pein.
NINON (lifti lefet'lend.ll
Ihr raur, ich birr Euch, schueigr!
Ich wills!
VILLIERS
Ich fiehe, Ninon, h rt...

NINON (in vercwfil-/temn Zorni
Seid Ihr
Ein Knabe, welcher abenreuert: Brichr mich
Ein Zufall di auf Euren \We', und meinr
Ihr nun, daCi die berimhmie Ninn Ziel
Lnd h6ichsrer Ruhm auf Liebespaden . Nein,
0 nein, so srehr es doch nicht, GraCt von Villiers!
\'enn Euer Blur Euch ierzr zu Frauen rreibr,
So gehr an einen richcigen Orr, es gibe
\%.ohl iele in Paris!
(Sie liLci.t .nif Sie i..k nie.ier. H/f'iq tnd wrtiniJd)
So eeht doch, Gra'!






VILLIERS
Vergebr, vergebr mir, Friulein, meine kuhnheir.
Ihr dijrfr mich schweigen heiBen. gehen heilen,
Doch eines durt'r Ihr nichr: mich miCversrehn!
Ich liebe Euch mit aller Heiligkeit
Des keuschecten Gefuhls in mir und bebe
Vor Euch so u ie ein Frommer vor der Hosrle.
Die Priesterhinde fern im Golde halren.

NINON
O Eure Stimme ... Eure Stimme . .

VILLIERS
So liebt
Ihr meine Srimme" Gotr, dann will ich sprechen
Die Tag und N.chre lang ohn Unterlab,
Als ob mich Tl.d beim ersten Schweigen irate .
UnJ was Ihr uollt! Die grolen Verse des
Corneille will ich in einem Arem singen . .
Und uas Ihr wollt. Auch meine Liebe, Ninon!
Denn uenn ich 'prach. so war es Eure Gire
Und Freundlichkeit, die iie ein Sonnenschein
Mich locked tra .

NINON (ilt.t auf.,
Ihr foltert mich zu Tode!

VILLIERS
Frech Uar ich nichr, bei Gout, ich war nicht frech!

NINON
Doch rasend, rasend!






VILLIERS
Rasend, Ninon, ji,
Vielleichr, denn cehr: Ich liebe Euch und raumle
So wie ein Trunkener in wilder Laune
Durchs Leben, das durch Euch lebendig ward.
Ich liebe Euch, und Eurer Schiinheir groC.e
Unbindige Gewalr har den \'erstand
Mir ausgedirrr, so lieb ich Euch.

NINON wrirft stch isr di.' Kniee)
Mein Knabe,
Mein siiler Knabe, sehr, auf meinen kniee.
Fleh ich Euch an: O sprechr nichr %weirer!
Ich habe groCe Schuld vor Euch und sterbe,
Wenn Ihr niche cchweigt'

VILLIERS
(beeckt re.n Gesicbt wit seine's H.inden, bebend)
Sreht aut, ich schweige gern,
Nur stehet aut!

NINON (t.'ht a,.i/ rt.big)
. Es ist in meinem junger.
Tastenden Leben eine Zeir \erflossen,
Da Euer \'arer so zu mir von Liebe,
Von seiner Liebe sprach, wie heure Ihr ..
Und er war glucklicher.

VILLIERS (mafllos)
Ninon, ich uweil
Von Vitern und von Sohnen, die sich wiirend
Mit Dolchen rrafen ur dieselbe Frau ..







NINON i .in Juferjflr Erregungi
Nein, nein . ein Corr, Ihr winder mir Gewalt
Mir Euer eignes Schicksal aus den Hinden.
Ich kann nichr mehr! Es lebt tin Knabe wo
In Frankreich, Gra', den ich gebar und fortgab,
Weil ich nichr w'ulre, ie man Mutter ist,
Und ueil sein Varer ihn zu htiren wiinschte
Starr meiner, die ein Kind von Sechzehn war.
Und dieser arme Knabe rrLgt durch unsres,
Des lcrzren Konigs Gnade diesen Namen:
Vicmrte \on Villiers, Furtn Namen, Graf.
(SrtiLe.)

VILLIERS
W ie seid Ihr schcn, mein Gorr, wie seid Ihr sch6n.
Ihr sagrcr errwas . nd ich hort es auch.

NINON
Begreift Ihr nun den ungeheuren, frevlen,
So schauerlichen \'ahnwirz Eures Rasens?
Mein warmer lieber Knabe! Gerne hbrt ich
Den Abgrund luch scrhtillr, an den uns beide
Das Schicksal rib.

VILLIERS
Ihr sagter, dal . GewiJ,
Nun wird man bald ein neurs Lied auf Euch
Und Eure Schonheir dichren. Sehr, es kam
Ein Mann, und der war Euer Sohn, und kam
Und liebre Euch und srarb daran. So sch6n
Seid Ihr! Ihr sprachr vom gleichen Blur in Euch
Und mir. Doch Blur wascht BluE. Dies ist ein neuer






Unsterblich schoner Ruhm fdr Eure Schbnheir.
O wie begreif ich jetzr den vorgeahncen
Geheimnisvollen Sinn von mir und Diesem!
Die Menschen ierden Cuch Airare bauen,
Und Euer Name wird den Liebenden
Ein Beren sein roll ungeheurer Inbruntr.
Und auch den meinen wird min nennen missen:
Gaston-Roberr Florien, \icorire von \'illiers!
Heut will er ranzen, Ninon, und er grulct uch!
Taumelnd griiC ich Euch und Euer ichbnes
Strahlendes Leben, Ninon. Leber w'ohl!
(Der Graf run I ilters starrnt den reiibten Seitenweg in den Park
hinein. Ninon irrt his an die I 'ebieti.T tnd ; tut' in .iufleriter
Angst hinter ibAm hern

NINON
Mein Gorr... uo uollr Ihr hin.. nichr diesen Weg ..
Dort ist kein Augaing, hier, Ihr mur . .


ZW'OLFTE SZENE

Ninon schbrre gellenid a lt scibrmankt etne Selunde z waschrbe den
beiden I'eieu und taurnelt J.i n z, rit dem wirrr'n obnmicrhligen
Bestrebhn zu lajtnf', den H-auptweg entlan? nacb der Treppe.
Gleichzrtig fligt oben die T. r auf, und der MlIarquis von I izar-
ceaux, Marion, der .larqug s ron Serigne und andere Gistte Ni-
nons eilen in liiast und Schrecken die Treppe hi nab. I "on der an-
deren Seite laufen Diener berbei.


VILLARCEAUX


\'er schrie.'







SMARION
Mein Gotr .

SEV'IGNE
Es schrie doch iemand.

MARION
Ninon, liebsre ...

VILLARCEAUX
Hib- Ihr geschrien-
(Ninon lent rich mirt esch/hssen'n .-ly. Ir, Ibinnenden Armen und
zuruckebem!::m K.f', an den ,larqur;s un %pitpc'a.m wie an
cine Ij'and. D.ini macnl lie mc den emnen Arm eine ungenai.:,
ertias von sic-h abJciebend. Geb.irde nuc' ruckwirts.)

NINON
Es fiel ein Minn'

\ ILLARCEAUX
Marquis
Von Sivignd, ich bitt Euch, ichnell!

SEVIGNE (zu den Dieern)
Nehmr Licht,
Hierher!
(Die Diener whben d:e Srocklaternen aus dent Boden und folgen
mer einem Tril der Girre dem varaneilendn Mlarquir von Se'igne.
Alan during run ailen S eetn n n de Parl. Iun Zett :u Zett
chinminrrn die Laternen durh Jar G.iit.)

VILLARCEAUX
Wa- ist denn nur geschehn;

MARION
So sprich doch!






(Der alte Alart/l.a' d Lirre krwi nmat m etirn AFnleustbter in
dtr Hand oben ans dirr Tr nd steisi ctwar alurssclhaach d'i
TrepPt hinunter.)

D'ESTREE
Wir hdrren einen furchrbar wilden Schrei,
Habt Ihr so laut geschrieen, Ninon? Sagr,
Was isrt
(Der MAarquis vin Sv'igne trill eiliC an Nincni nd I ilarceaux
heran ,nid meldet, mehr zu dsem gerwandt, leise und bst/it)

SEVIGNE
Der Graf von Villiers liegr am Boden,
Den Dolch im Herzen und die Hand am Griff.
Er lhcher . .
(Ninon elitter faist lajnds von drr Sclultir thrc Freundes nacb
hintenitr in stinein Arm. Der alre Alarschall tit nun, obne dre
Meldun Sviergns phbort cu haben, its aif die unterste Stufe pe-
langt. Lr berugtsicb uter die sinkinde Nino, belbt dn Atnml.tch-
ter in dlt Hobe, uin; il.r Gesicti :zi iesltnen, huJ dfrat erstaunt
und e sc reckm

D'ESTRLE
Wird Euch unwohl, liebsie Ninon?





















Druck der Offizin
W.Drugulinin Leipzig






INSEL-VER LAG ZU LEIPZIG


Dichtungen von Ernst Hardt

AUS DEN TAGEN DES KNABEN. Gedichre. Zweite
Auflage. Gehefrcr AM. -.. :, in Pappband Mi. 3..c., in
Pergamenr M. 6.-.
BRIEF AN EINEN DELITSCHEN INS FELD. 6. bis
ic.. Tausend. Mir Titelholzschnirr 'on Walter Klemm.
Gehefrer AM. -.:.
GESANNMELTE ERZAHLLNGEN. ;. und 4. Tausend.
Gehefrer M. 3.-, in Pappband M. 4. :.
GUDRUN. Ein Trauercpiel in ft'nt Akren. I bis I;.
Tausend. Gehefrer M. 3.-, in Leinen M. 4.c..
JOSEPH KAIN7. Verse zu seinem Gedichrnis. Karnonier.
M1. i.;c.
DER KAMPF. Ein Schauspiel in vicr Akren. Zueite Auf-
lage. Gehefter hi. ;.-, in Pappband .M. 4.-.
KONIG SALOMO. Ein Drama in drei Akren. Gehetrer
M. :.;c, in Halbpergament Al. .5so.
SCHIRIN UND GERTRAUDE. EinSchermspiel. -.Tausend.
Gehefrer MI. .-, in Pappband MI. 4.-.
TANTRIS DER NARR. Drama n fint'ALten :9.-;-3.Tau-
send. Gehefrer l. ;.-; in Leinen M. 4..,.
AN DEN TOREN DES LERENS. Eine Novelle. (Insel-
BLcherei Nr. i .' bis 6:. Tausend. In Pappband
Mi. -.-c.
TOTE ZEIT. Drama in drei Akien. Zweite Auflage.
Gehetter MA. 2..c, in Pappband M. ;.-




Full Text

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# • Ernst Hardt Ninon von Lenclos Drama in einem Akt Insel-Bücherei Nr. 218 H^^d,.l!>:.|r::::iPXlf>-.»AV:

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FELIX KIEFER

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ERNST HARDT NINON VON LENCLOS DRAMA IN EINEM AKT INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG

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PERSONEN NINON VON LENCLOS MARQUIS VON VILLARCEAUX VICOMTE VON VILLIERS MARION DE LORME MARQUIS VON SEVIGNE DER MARSCHALL D'ESTREE EIN HAUPTMANN DER REITENDEN GARDE DAMEN UND HERREN DIENER PARIS . HERBST 1660 218

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Der nächtliche Park am Hause der Ninon von Lenclos. Ganz im Vordergrund eine Rasenfläche mit einem großen im Halbkreis sichtbaren Blumenbeet in der Mitte der Bühne. Dahinter läuft quer ein breiter Weg, anfangs von beschnittenen Bäumen iu Kübeln eingefaßt, vor eine flache, seitlich sichtbare Marmortreppe, die zu einer Rampe hinaufsteigt. Von dieser führt eine Glastür in einen runden, im schmalen Schnitt sichtbaren Pavillon mit Glasfenstern, die erleuchtet sind und helle Scheine in den Park hinauswerfen. Hinter dem Weg steht zur Rechten und zur Linken je eine große gerundete Marmorbank mit Rückenlehne , Stufen und hohen Pfeilern zu ihren Seiten. Vorn im Rasen vor dem Pavillon stehen, seiner Rundung folgend, in kleinen Abständen Marmor Statuen. Von dem breiten Hauptwege aus laufen rechts und links zwei Wege in den Park hinein. Man hört die gläsernen Töne eines Spinetts und sieht tanzende Gestalten an den Fenstern vorbeischweben. NINON VON LENCLOS ist sechsunddreißig/ährig zu denken und sechsundzwanzig jähr ig darzustellen. Sie trägt ein goldfarbenes Kleid aus blanker Seide mit weißen Spitzen und — im Vergleich zur Zeit-Mode — schlicht getürmtes Haar. Die Dichter sagen, daß es kastanienbraun gewesen, und schwärmen von ihren schwarzen Augen und den klar und hoch gezeichneten Brauen darüber, von ihren schönen Zähnen, ihren noch schöneren Händen und von ihren Lippen, die sich oft und gern in gütigspöttischem Lächeln aufbogen. — MARION DE LORME steht im Anfang der Vierzig. Sie trägt roten Samt, künstlich verflochtenes Haar und auffallend viel Schmuck. Ein Hauch beginnender körperlicher Fülle beengt ihr lebhaftes Temperament in einer für dieses Alter charakteristischen , nicht unliebenstpürdigen Art und verleiht ihrem Wesen etwas Gemächlich-

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Gutmütiges. Der MARQUIS VON VILLARCEAUX ist — tnit wohlhabender Eleganz — vpie ein Standesherr während der Regentschaft gekleidet, der sehr junge MARQUIS VON SEVIGNE dagegen nach der neuesten, von dem jungen Ludwig erfundenen Mode. Er trägt hellblau und viele Spitzen. VICOMTE VON VILLIERS geht soldatisch herb und dunkel nach der im Heere noch waltenden spanischen Tradition, der alte D'ESTREE trägt die weiße Marschallsuniform des dreizehnten Ludwig,

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NINON verläßt den PaviUotJy setzt sich auf das seitliche Geländer der Rampe und preßt mit beiden Händen Blätter der kletternden Ranken auf ihr Gesicht. Sie spricht Wie seltsam . . . süß und seltsam! Meine Sinne Schwärmen wie Falter um ein halb verhülltes Und dennoch helles Licht in mir . . . und draußen, Wo kaum ein Schein hinfällt, da steh ich selber Angstlich und bangend — so wie heimlich Lauscher An fremden Türen stehn . . . und kann nicht hören, Obs innen lächelt oder weint. Mein Gott, Es lächelt wohl . . . und kann auch weinen. — Kann. Doch muß es nicht. ZWEITE SZENE Der Marquis von ViUarceaux tritt leise aus dem Park an den Fuß der Treppe und ruft gedämpft VILLARCEAUX Ninon! NINON Muß nicht! VILLARCEAUX Ninon ! NINON Wer ruft? Ah Ihr! (lächelnd) Ich kam nicht Eurethalb . . . Ich wollte nur ein wenig Kühle atmen Und diese Blätter, die der Nachttau netzt, Auf meine Augen pressen. Denn sie glühen.

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Ja, Freund, sie glühn! (Sie ist langsam zu ihm hinunter getreten und hat seine Hand auf ihre Augen gepreßt.) Und sagt . . . versteht Ihr dies, Daß Gentille-Ninon ihre Gäste flieht, Und Spiel und Tanz, um hier im Dunkel einsam Gefühlen nachzuspähn, die unheimlich Wie große fremde Vögel in ihr flattern . . . Versteht Ihr dies ... VILLARCEAUX (mit verhaltener Erregung) Ich bitt Euch, liebe Ninon, Gönnt diese Stunde mir zu einem Wort . . . NINON Seht, wie das Dunkel auf dem Garten liegt. Die Bäume starren wie aus Stein geschnitzt, Und nicht ein Blatt, das bebte. Dies ist eine Kühle und klare Nacht, Marquis. Bedenkt! VILLARCEAUX Ich bitt Euch, Ninon! — Seht, seit einer Woche War Eure Tür für mich gesperrt, kein Wort Von Eurer Hand kam in mein Haus, kein Gruß . . . NINON Ihr wollt mit mir . . . von Eurer Liebe sprechen . . . ? VILLARCEAUX Wie scheint Ihr kalt! So kalt . . . O sagt doch etwas . . . Ninon, ich bin so jung nicht mehr . . . lo

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NINON Daß Ihr Verwinden könnt das Ende einer Lust, Die ich Euch war! (spöttisch) Mein armer lieber Raoul . . VILLARCEAUX Ninon, Ihr spielt mit mir! NINON Ich spiele nicht! VILLARCEAUX Dann frevelt Ihr, bei Gott! O Ninon, Ninon, So denkt doch an die wundervolle Zeit Der heißgeschenkten und begehrten Liebe. Gedenkt der Nächte, süß und schwül, da unser Staunen an Wonnen wuchs, die überschwenglich! Gedenkt des ersten Tages, den wir lebten: Im Wald von Ruer blühten weiße Veilchen, Das junge Moos war feucht und kühl . . . NINON (xveich) Ich weiß . . . Mit dieser süßen Torheit fing es an . . . (umschlagend) Und währte dann . . . den ganzen Sommer lang. Nicht wahr, Marquis? Den ganzen Sommer doch? Oh, welche lange, welch unendlich schauerlich Erschreckend lange Ewigkeit . . . für mich! Doch jetzt ists Herbst . . . Wir frieren schon ein wenig Und kaufen Pelz! — Marquis von Villarceaux, Ich möcht Euch etwas bitten : Werdet heut Mein Freund! II

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VILLARCEAUX Um Gott, Ninon, was quält Ihr mich! Ich bin kein Knabe, dessen dünnes Blut Beim Winken seiner Dame steigt und fällt Nach ihrem Wunsch . . . ich liebe Euch! NINON Und sprecht, Marquis, mit schöner Würde von der Liebe So wie ein Schäfer aus dem vorigen Jahrhundert. VILLARCEAUX Ninon, süß sind Eure Lippen, Wenn Ihr so höhnt, doch meine Seele weint . . . NINON Mein Freund, Ihr wollt ein göttliches Vergnügen Mit Farben schminken, die Euch edel scheinen, Und tragisch sein um jeden Preis! Dies ist Die Krankheit vieler Männer, wenn sie lieben. Doch ist es Krankheit. Glaubt! (spöttisch) Und sagt nicht Seele, Wenn Ihr die Sinne meint. Die Liebe, Freund, Ist Appetit, ein großer schöner Hunger, Den die Natur in unsren Leib gelegt. Nicht mehr — Und Hunger stillt sich, wie Ihr wißt . Auch stirbt man nicht daran — Was tat ich doch. Als ich noch durstig war nach Eurem Wein, Damals, als Ihr mich trotzig untreu wähntet . . . Wißt Ihr es noch . . .? 12

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VILLARCEAUX Ihr schnittet Euer Haar, Euch Euer wundervolles Haar vom Haupt Wie eine Priesterin . . . NINON (lacht auf) O nein! — Ich Schnitts Und sandt es Euch mit Blumen überdeckt In einem grünen Korb aus jungen Weiden, Wie man dem Liebling morgens Früchte schickt. So tat ich damals, und noch heute freut mich, Daß ich es tat . . . Doch dies ist nun vorüber. Der Strauß von Küssen, Freuden, Lustigkeiten Und Launen süßen Sinns, den wir uns pflückten. Er hängt verblaßt so wie ein Bündel armer Blumen in meiner Hand . . . ich öffne sie . . . VILLARCEAUX Ninon! NINON So glaubt mir doch: es ist vorüber! Sprächt Ihr dies Wort [und einmal sprächt Ihrs sicher], So müßt ich Euch verlieren: ganz verlieren. Und seht, das möcht ich nicht: Ihr seid mir wert! Schon viele gingen so durch meinen Garten, Wie Ihr getan, doch wenigen ward dies : Mir Freund zu sein. Sehr wenigen. Ihr wißt: Es ist die höchste Gunst in meinem Herzen . . , (lächelt) Als Freundin bin ich tugendsam und treu! . . . n

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VILLARCEAUX Man betet Eure Freundschaft an, Ninon, Ich weiß . . . und dennoch raubt Ihr einen Himmel! NINON Im Himmel ist man keusch, Marquis, und sittsam . . . Ich raub ihn nicht . . . ich biet ihn Euch . . . Ihr seht! Heut ist mein Namenstag, man tanzt dort drinnen . . . Geh ich hinein, so bin ich Königin Von tausend Wünschen, welche glühend bitten, Von Huldigungen, Schwüren, süßen Schmeichelein. Und seht, dies alles gilt mir heute nichts. Heut brauch ich einen Freund, Marquis! Hört Ihr? Der Treueste, Saint Evremond, ist fort. Der Herzog von La Rochefoucauld liegt krank Zu Bett, und Moliere . . . liest mir seine Verse . . . Sonst nichts! Ich brauche einen Freund, Marquis . . . Fast möcht ich sagen, daß ich einsam sei. VILLARCEAUX (stürzt sich über ihre Hand) Ninon, ich bin Euch völlig hingegeben! DRITTE SZENE Die Tür des Pavillons öffnet sich, Marion de Lorme tritt auf die Rampe hinaus, hinter ihr der junge Marquis von Sevigne MARION Wie kühl! Ich bitt Euch, gebt mein Tuch, Marquis. NINON (ruft) Marion ! 14

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MARION Bist dus? Kind, wir suchten dich! NINON Doch wer steht hinter dir? Es ist so dunkel. (Sie steigt einige Stufen hinauf. Marion ergreift ihr Kleid und zieht es in die Breite.) MARION Ich wollte eigentlich . . . dich raten lassen! (Der Marquis von Sevigne tritt hervor und beugt sich auf Ninons Hand.) SEVIGNE Erlaubt, daß ich die schöne Hand Euch küsse! NINON Marquis von Sevigne ! Seht . . . dieses freut mich. Dies freut mich wirklich! Kommt, Ihr dürfet mir Die Hand noch einmal küssen. Beide Hände. Doch Eure Mutter? SEVIGNE Frau von Sevigne Erlaubte mir — nicht gern — Euch zu besuchen. Sie fürchtet Eure Schönheit sehr . . . und Eure Gedanken über Liebe, wie sie sagt. Doch meinte sie, ich müßte in die Welt, Die große Welt nun treten. Euer Haus, So sagte sie, sei angefüllt davon . . . Und so erlaubte sies. NINON Marquis, ich stritt IS

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Sehr oft mit Eurer Mutter über Liebe . . . Doch konnte sie mich niemals überzeugen. Und große Welt, die findet Ihr bei mir! Saht Ihr Moliere und La Fontaine? SEVIGNE Sie spielten Im vordren Saal. NINON Das heißt, daß Moliere schlechter Und La Fontaine sehr guter Laune ist. Doch meine Schönheit! Seht, Marquis — ich glaube. Wir laufen nicht Gefahr. Mein Herz ist nämlich Ein wenig müde jetzt im Herbst. Doch sollte — Ihr wißt, daß hierin niemand sicher ist — Sollte uns irgendwie ein süßer Taumel Den Sinn verwirren — nun, so wollen wir, Nicht wahr, Marquis, wir wollen dann mit Mut Und ohne Tränen dieses schlimme Schicksal Leben ! (Sie reicht ihm die Hand, die er küßt,) MARION Du süße Ninon ! (küßt sie.) VIERTE SZENE Zwei Diener kommen im Streit mit einem Hauptmann der reitenden Garde von rechts, HAUPTMANN Teufel, schert Euch hinweg, sag ich, vorwärts! i6

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VILLARCEAUX He! Was gibt es? NINON Wer lärmt dort so? DIENER Hier dieser Hauptmann von der Garde der Königin kam vor das Haus Mit einer Handvoll Leute, die zu Pferd, Und einem Wagen, und er dringt darauf, Euch gleich zu sprechen, Herrin. NINON Mich? HAUPTMANN Die Dame Ninon von Lenclos such ich auf Befehl Der Königin. NINON Das bin ich. Sprecht. HAUPTMANN Ich habe Hier dieses Blatt zu reichen, schönste Dame! NINON Gebt her. (Sie liest hastig und bestürzt. Marion und die beiden Marquis beobachten sie mit Unruhe.) SEVIGNE ... Es scheint, daß Ihre Majestät Euch übelwill! 2X8

PAGE 22

NINON (stampft auf) Oh, dies ist unerhört! Ganz unerhört! Das hätt ich nicht erwartet, Daß königlicher Haß so jedes Maß Verlieren kann! VILLARCEAUX Was ist es, Ninon? MARION Sagt! NINON Ich wills euch lesen! Hört: „Der Dame Ninon Von Lenclos wird Befehl, ganz unverzüglich Im sichren Schirme dieses Hauptmanns meiner Garde und seiner Leute sich nach Passy Hinzubegeben in mein Graues Kloster Für Mädchen, welche reuig sind, und dort So lange zu verbleiben, bis wir uns Des Weiteren entschlossen haben.'* MARION Gott! VILLARCEAUX Die Königin vergaß sich doch ein wenig! MARION Was soll man tun . . . ich will den Marschall rufen! (Sie schickt sich an, die Treppe hinauf zueilen.) NINON Nein, Marion. Bleib! t8

PAGE 23

(Zmii Hauptmann) Wenn ich mich weigre, Herr, Habt Ihr Befehl, Gewalt . . . HAUPTMANN Dies ist in meinem Auftrag nicht vorgesehen, schöne Dame, Ich müßte neue Order holen. NINON (mit unbändigem stolzen Trotz) Ah, Dann geht und saget dies der Königin: Ich ließ mit schuldigem Respekt vermelden, Daß ich nicht Mädchen und nicht reuig sei Und drum ein Recht auf Wahl mir vorbehielte, Und diese sei: die großen Cordeliers ! (Leicht) Wird sie gebilligt, mögt Ihr mich geleiten. (Der Marquis von Villarceaux und Marion fahren bei dem Klosternamen zusammen, der Hauptmann verneigt sich.) HAUPTMANN Sehr stolz und witzig seid Ihr, schönste Dame! Ich werde Eure Worte melden lassen. — (Ab.) MARION Ich bitt dich, Liebe, war dies klug? VILLARCEAUX Es wird Die Königin zu Ärgrem reizen, Ninon! 19

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NINON O nein, ich kenne sie! Es lag ihr nur An der Beleidigung. Wie könnt sies wagen, Wie könnte sie! . . . Bedenkt es doch! Ich bin Gewiß, daß es nur eitle Drohung war. (Lächelnd) Ihr seid bestürzt, Marquis von Sevigne? Und Ihr, mein Freund, und du . . . Mein Gott, so denkt doch! SEVIGNE (betreten) Ich weiß, die Königin sprach oft von Euch Mit Zorn zu meiner Mutter, und ich fürchte, Ihr Haß ist jetzt zum Äußersten bereit . . . NINON (lächelnd, spielerisch) Vielleicht, vielleicht, wir müssen warten, Freunde! VILLARCEAUX (ausbrechend) Ich bitt Euch, Ninon, kommt mit mir, verlaßt Paris auf eine Weile ! NINON Freund, ich ging Noch niemals einer Sache aus dem Weg! Auch diesmal dieser nicht! Wir bleiben hier! — Und schweigen jetzt davon, nicht wahr! Auch drinnen! Marion, ich bitte, hörst du! Laßt uns ruhig Den Abend feiern, so, als ob dies nicht Geschah und morgen . . . Gott, wenn ichs bedenke . . . (Lächelnd) Im letzten Grunde ängstigt es mich wenig, Auch eine Zeit in einem Kloster zu Verbringen! (Lacht) 20

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Kommst du mit mir, Marion, kommst du? SEVIGNE Wie wundervoll wißt Ihr das Leben zu Besiegen! MARION (küßt Ninon) Ninon, Gute! (Sie läßt ihre Hände auf Ninons Schultern und wendet den Kopf zu Villarceaux) Herr Marquis von Villarceaux, wollt Ihr mir Euren Arm Zu einem Gang durch Ninons Garten leihn? Wir wollen doch noch etwas uns beraten! NINON Verzeih, doch Villarceaux und ich, wir beide Philosophierten grade, als ihr kamt. Und sind noch nicht zu Ende . . . MARION (lachend) Über Liebe? NINON (abweisend) Nein, über Freundschaft, Marion. SEVIGNE Darf ich, — wenn Ihrs Erlaubt, von Villarceaux, statt Eures meinen . . . (Er bietet Marion den Arm.) NINON (lachend) Bravo Marquis! Beim Namen unsres jungen Königs, so war es recht! Ihr werdet bald Im schönen Dienst der Damen — Muster sein! al

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MARION Ich nehm ihn gerne, Euren Arm! Doch schreitet Langsam mit mir, die dunklen Wege Ninons Sind fast gefährlich . . . NINON (ruft) Marion! Wo ist Plessys? Kamst du allein? MARION Ich kam allein heut abend . . . Ein Herz wird müde. Lieb. Im gleichen Wehen, Das lau und sanft mit schlaffen Segeln spielt, Sehnt es sich fort nach Wind und Abenteuer. Ich kam allein! Hier diesen Weg, Marquis. (Sie biegen in den rechten Seitenweg ein.) FÜNFTE SZENE Ninon bleibt an das Geländer gelehnt und sieht ihnen nach. NINON Die gute Maion . . . VILLARCEAUX Ninon . . . Ihr befählet . . .? NINON (lächelnd, wehmütig) Daß Ihr ein wenig noch bei mir verweilt. Mein Freund, denn Ihr vergaßet zu bemerken. Daß Ninon traurig ist. Gebt Euren Arm. (Sie gehen.) Vielleicht ists Lüge, daß ich traurig bin, Mein Freund. Doch lustig bin ich nicht. Seltsam Verwirrt ist mein Gefühl und Wissen von Mir selber. 22

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(Sie beugt sich aufs Gras.) Seht — ein Glühwurm. Legt ihn in Mein Haar. MLLARCEAUX Kommt. NINON Glüht er? — Freund, mir ist seit vierzehn Tagen wie einer Braut am Hochzeitstag Oder wie einer alten Frau im Traum. — Ich will Euch eine witzige Geschichte Erzählen ... ^ VILLARCEAUX Weint Ihr, Ninon? Seht, Ihr fröstelt . . . NINON Nein nein, mein Freund. Wann weinte Ninon! — Kommt, Wir wollen sitzen. (Sie setzt sich auf die Marmorbank links.) Eine witzige Geschichte will ich Euch erzählen, lacht, Denn sie ist traurig. Oder weint! Und hört Gut zu, mein Freund, es könnte sein, daß ich Diese Geschichte Euch einmal nur erzähle . . . VILLARCEAUX Wie seid Ihr doch erregt . . . NINON Vor vierzehn Tagen Ging ich ins Haus Bourgogne. Man gab Moliere. Ich trug dies helle Kleid, das Ihr so liebt, Doch hatt ich allen Schmuck mir angetan

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Und vieles Gold mir in mein Haar geflochten. Ich kam ein wenig spät, man spielte schon. Und wie nun meine Blicke durch den Saal Hinschweiften, trafen sie auf einen jungen Mir unbekannten Mann. Er lehnte drüben An einem Pfeiler, und er sah mich an. Er war nicht ganz so groß wie Ihr und hatte Rotblondes Haar und Augen, groß und schwarz, Und sah mich an. Dies war nicht seltsam, Freund, Wie dünkt Euch? Seltsam nicht. Nein, ganz natürlich. Und dieser fremde Knabe war sehr schön . . . VILLARCEAUX Bei allen Himmeln, Ninon, Ihr seid grausam! Schenkt mir das Ende der Geschichte. NINON Freund, Ja gab es eines, das zu schenken wäre! SECHSTE SZENE Marion und der Marquis von Sevigne kommen aus dem Seitenvpeg und steigen die Treppe zum Pavillon hinauf. NINON Laßt sie vorbei! MARION Ihr müßt das recht verstehn, Marquis, so große Leidenschaft steht nur In Büchern, die man heute nicht mehr liest. Doch damals sprach der Herzog so zu mir. Denn spanisch war die Mode. Auch in Frankreich. 14

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SEVIGNE Man sagt, er habe nach dem Ruhm von Rocroi Die Lorbeern sich von Ninons weichen Händen Hinlegen lassen, um darauf zu ruhn ! MARION Ja, das ist wahr. Doch Ninon wards zum Leide . . . Der starke Held war . . . allzu schöpferisch. SEVIGNE Ihr meint ... (Sie treten in den Pavillon.) SIEBENTE SZENE NINON Ich sagte, daß der Knabe schön war. Und er war jung ... So jung, daß alle Flammen Rings an den Kerzen sangen vor Entzücken Und niederzuckten auf sein lichtes Haar. Und etwas Fremdes hing an ihm, als sei Sein Blut nicht heimisch hier bei uns, den Leichten, Die mit dem Leben spielen, so, als seis Ein Ball. — Es lag ein Ernst auf seinem Antlitz, Als seien die Gedanken ihm weit mehr Wie Seifenblasen, drin die Welt sich spiegelt. Wahrlich, er war ein Knabe und ein Mann! Mir fuhr ein warmer Hauch so durch die Adern, Daß all mein Blut zu einer Welle schwoll. Die wohl ihr Ufer kannte. — Schmerzts Euch, Freund?! Voreilig seid Ihr. Wartet noch ein wenig. Man fing zu tanzen an, und er war fort. Nach Tagen ging ich wieder hin und sah 25

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Ihn bald im Saal. Er trug den Arm, den linken, Hängend in einem Tuch und schien mir bleich. Und wie es kam und ging, das weiß ich nicht, Mich trieb ein unbeschreiblich zärtliches Gefühl, schnell trat ich hin und fragte: Sagt mir, Seid Ihr verletzt, traf Euch ein Unfall? „Fräulein, Mich biß mein Pferd, als ich ihm gar zu lang Des Nachts beim Fenster einer Dame stand." So sprach er kühl . . . und wandte sich . . . und ging . . . VILLARCEAUX An seinem Arm erkenn ich ihn, es ist Vicomte von Villiers. (Ninon fährt starr in die Höhe und steht einen Augenblick wie benommen da. Dann tut sie einige Schritte auf den Marquis zu und fragt mit ungeheurer gespannter Erregung) NINON Welchen Namen nennt Ihr?! VILLARCEAUX Der Graf von Villiers wars. Er kam im Stab Des Prinzen aus den Niederlanden nach Paris. NINON (mit bebendem Erstaunen) Vicomte von Villiers! Mit dem Prinzen! (Ausbrechend) Gott, das ist ungeheuerlich. Ihr irrt Euch! VILLARCEAUX (verwundert) Ich traf ihn im Gemach der Königin . . . 26

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NINON (setzt fast schreiend ein, dann wird ihre Stim?ne aUmdhlich flehend und füllt sich zuletzt mit Tränen) Ihr irrt, daß dieser schöne Knabe, den Ich sah, Vicomte von Villiers heißt und mit Dem Prinzen kam. Es ist unmöglich! Hört, Ich sage Euch, daß es unmöglich ist! So sprecht und sagt, Ihr irrtet Euch, Mein lieber Freund, sagt schnell: Ich irrte mich. VILLARCEAUX Wie seid Ihr außer Euch! — Nein nein, denn Ihr Beschriebt ihn ganz genau, es ist der Graf . . . (Ninon biegt den Kopf in den Nacken und spricht nach einer kurzen Stille tonlos und flüsternd) NINON Gaston-Robert Florien, Vicomte von Villiers. VILLARCEAUX (unsicher) So wißt Ihr mehr von ihm . . . sagt mirs, ich bitte . . . NINON (ausbrechend) Was tut sein Name Euch, mein Freund! Ich kenn ihn! Oh, dieses ist nicht auszudenken! (Sie wirft sich auf die Bank und verbirgt ihren Kopf in ihren Arjnen. Der Marquis tritt leise zu ihr und fragt ergriffen und bestürzt) VILLARCEAUX Ninon! . . . Hab ich Euch irgendwie erschreckt? Verzeiht . . . (Ninon hebt den Kopf, und ihr Gesicht füllt sich allmählich mit einejn wehen Lächeln.)

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NINON Wie meint Ihr, Freund? — Es kam ein wenig schnell. Daß dieser Name mir entgegentrat. Doch will ich lernen. Oh, wie will ichs gerne Für diesen Knaben tun. Versteht, mein Freund, Ich denk an ihn . . . Und seh ihn vor mir, wie er stand und sprach . . . (Mit wachsender Leidenschafilichkeit) Und brenne vor Verlangen, nachts an seinem Bett dazusitzen, seinen Arm zu hüten. Die heiße Stirn mit feuchten Tüchern ihm Zu kühlen, Lieder ihm zu singen für Den Schlaf, das Licht zu dämpfen und zu wachen. Bis daß er wieder wach — wie wollt ichs gern! (In äußerster Erregung) Ja . . . lacht Ihr nicht, mein Freund? So lacht doch nurf Ich finde mich ein wenig lächerlich! Oder habt auch Geduld mit mir, es geht Gewiß vorüber! — Seht ... ich werde alt! VILLARCEAUX Verworren hör ich Euren Worten zu Und ahne schaudernd fast ein ungeheures Und nicht gemeines Schicksal, das Euch traf. NINON (fest) Nicht tragisch werden, Freund ! Das schickt sich nicht ! . . . Mir fuhr ein Knoten in die Hand zurück. Den einst mein Leben schlug — und den ich fast Vergaß. Ich werd ihn eine Weile halten. Dann schnurrt das Seil — die Hand wird kaum den Druck 28

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Nachfühlen — und es ist vorbei! (wehmütig) Wir leben So leicht, mein Freund! VILLARCEAUX Doch sagt mir, Ninon, bitte, Ich weiß nicht, ob ich Euch auch ganz verstand . . . NINON (schwingend) Noch mehr? O nein, ich hasse Deutlichkeiten! Habt Ihr noch nicht genug? Ich sollte meinen! Auf, auf, Marquis, wir wollen lustig sein: — Das Leben ist ein Spiel . . . mit ernsten Dingen. ACHTE SZENE Marion kommt auf die Rampe hinaus und ruß MARION Ninon! NINON Ja Marion ja, ich komme nun! MARION Die Sarabande! Alle warten wir Auf dich! Du mußt sie tanzen! NINON (auf der Treppe, fast bacchantisch) Gott, das ist Das Rechte! Tanzen! Kommt, Marquis, ich will Euch Heute die Sarabande tanzen, wie Ihrs Noch nie gesehn! Man sagt, ich tanze gut, So kommt und schaut mir zu! (Zu Marion) Laß mich voran! 29

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(Beide gehen in den Pavillon, gleichzeitig setzt die Sarabande ein. Von rechts kommt in größter Eile ein Diener und steigt zum Pavillon hinauf.) VILLARCEAUX Wie wunderlich war dies, wie seltsam Ninon . . . Verliebt und mütterlich . . . (ruft dem Diener nach) Was gibt es? He! DIENER Ein Offizier der Königin steht vor Dem Tor und wünscht die Herrin gleich zu sprechen. (Will weitergehen.) VILLARCEAUX Des Nachts? Hast du gesagt, daß sie ein Fest Und Gäste hat? DIENER Ich sagt es. VILLARCEAUX Gut, so geh Und melde, aber leise, hörst du, leise ! (Der Diener geht in den Pavillon, ViUarceaux steigt die Treppe hinauf.) Die arme Ninon! Königlicher Zorn Scheint unerbittlich. Niemand warnte mich ... NEUNTE SZENE Die Tür des Pavillons wird mit großer Hast aufgeschlagen, und Ninon stürmt mit einem Teil ihrer Gäste in äußerster Erregung 30

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auf die Rampe hinaus. Auch der alte Marschall d'Estree ist bei ihr. NINON Kommt alle mit mir! Kommt! (Zu Viüarceaux) Habt Ihr gehört, Anna von Osterreich hat eine neue Schmach mir ersonnen. VILLARCEAUX Seht, ich warnte Euch. ERSTE DAME So habt Ihr sie erzürnt? MARION Sie kann es nicht Verzeihn, daß Ninons Leben anders lief Als ihres einst mit Herzog Buckingham. NINON Vernehmt es denn, daß Ihre Majestät Anna von Osterreich, Regentin Frankreichs, Gendarmen zu mir schickte, hier vor dieses Haus, in verfloßner Stunde, mit Befehl, Mich schleunigst fortzuführen in ein Kloster Reuiger Mädchen . . . (Bewegung unter den Gästen.) ERSTER HERR Welch ein toller Einfall! ZWEITER HERR Man sollte ihn dem jungen König melden.

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Bravo ! Wer tuts ? ZWEITE DAME MARION ERSTER HERR Ich! DRITTE DAME Doch was ward daraus? NINON (zornig) Ich ließ mit schuldigem Respekt vermelden, Daß ich das Recht der Wahl mir vorbehielte! D'ESTREE Wie stolz, wie stolz, Verehrte! ZWEITE DAME Nun . . . und jetzt? NINON Kommt wohl die Antwort! (Zum Diener) Geh und bring den Boten. (Ängstlich und erregt) Hier will ich bleiben, und ihr bleibt bei mir! Nicht wahr, ihr bleibt doch alle dicht bei mir?! (Sie wendet sich zum Marschall d'Estr'ee und fährt mit weicher Liebenswürdigkeit fort) Nur Ihr, Herr Marschall . . . wenn es Euch verdrießt, Daß grad bei dieser Sache wer Euch sieht Und dann bei Hofe schwatzt, so geht hinein . . . Es kränkt mich nicht . . . 32

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D'ESTREE Ich bitt Euch, Ninon! Nein. Ich will mich mehr nach vorne stellen. So! NINON Das dank ich Euch! (lächelt) Ihr seid galant! SEVIGNE Er kommt! MARION Still! ZEHNTE SZENE Vicomte von Villiers^ den linken Arm in der Binde, kommt von zwei Dienern mit Stocklaternen geleitet, den Hauptvoeg entlang bis an den Fuß der Treppe, wo er sich tief verneigt und, mit der rechten Hand über seinen Kopf nach der linksseitigen Krempe fassend, den Hut in einem großen ruhigen Bogen vom Haupte nimmt, NINON Vicomte von Villiers . . . Ihr! — Fast könnte dies Mich schmerzen! VILLIERS (leicht aufbebend) Könnt es das, mein Fräulein?! Doch ich Bin Bote nur, weil eine gute Nachricht Zu bringen war. Erlaubt, daß ich sie melde: Wie Euch bekannt, beliebts der Königin Bisweilen abends nach dem Mahl in ihrem Schlafzimmer noch zu plaudern. Wenigen Erweist sie diese feine Gunst. So heute. Ich nenne nur den Prinzen, meinen Herrn, ai8 3 3

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Die Königin von Schweden, welche jetzt Bei Hof zu Gaste ist, die Frau von Motteville, Den Kardinal und Fräulein von Manzini. Und es geschah, daß Euer Name fiel. Da wandte sich die Königin und sagte So laut, daß jedermann es hören mußte: Der Prinz von Frankreich, welcher Euch gekannt, Als er noch Herzog von Enghien sich nannte, „habe ihr eben so viel Gutes und Schönes von Euch erzählt, daß sie es aufrichtig bedauern müsse, einer so allgemein geschätzten und bewunderten Persönlichkeit Ungelegenheiten bereitet zu haben." Der Prinz von Frankreich, der mein Herr, rief schnell : Man müsse Sorge tragen, daß Euch diese Gütigen Worte auch zu Ohre kämen. Und sah mit so viel Absicht ringsumher. Daß ich hervortrat und um gnädige Erlaubnis bat, das Zimmer zu verlassen. Sie ward erteilt, denn Ihre Majestät Die Königin war nun so gütig, noch Zu äußern: ungern wüßte sie sich Feinde. ERSTE DAME Wie schön ist solche Größe der Gesinnung! VILLIERS Die Majestät von Schweden, Königin Christine, rief mich dann: Ich sollt Euch grüßen. Sehr gern und oft erinnre sie sich Eurer Und des Gesprächs, das sie mit Euch gehabt. Und sendet Euch mit ihrer Gunst dies Tuch. 34

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(Er reicht ein kleines Sp'ttzentasche ntuch hinauf. Ninon nij/Jtnt es mit einer starren Bewegung des Arms und läßt ihn wieder hängen. Villiers tritt rückwärts zurück — es entsteht keine Pause.) Es sei ein nordisch Muster, das sie selbst An langen Dämmerabenden gestickt Und herzlich gern von Euren schönen Händen, So sagte sie, gestreichelt wissen möchte. — (Ninon bleibt unbeweglich, Villiers verbeugt sich) Mein Auftrag ist zu Ende, Fräulein. NINON Deutet, Herr Graf, mein Schweigen mit der großen Freude An dieser Botschaft. (Lächelt) Seht, ich bin noch ganz Verwirrt. Hier stand ich voller Furcht vor rauhen Worten aus rauhem Mund — und dann kamt Ihr . . . In solcher Sendung. Herzlich freut es mich, Daß Ihre Majestät so huldvoll war. Den Irrtum Ihrer Meinung einzusehn. Es ehrt mich auch. — Ich werde streben, daß Die Königin von meiner tiefempfundnen Erkenntlichkeit erfährt. Herr Marschall, bitte, Nicht wahr, Ihr sprecht gelegentlich davon . . . Es ziemt sich nicht, daß ich unmittelbar Der Antwort mich erkühne. Meiner hohen Zärtlich verehrten Gönnerin Christine Von Schweden schreib ich selbst. — So bleibt Nur noch der Bote zu bedanken. Graf Von Villiers, u^ollet die Gelegenheit Nicht rauben! Heute feiert man ein Fest Bei mir . . . darf ich Euch bitten zu verweilen? 3)

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VILLIERS Wenn Ihrs erlaubt, mein Fräulein, tu ichs gern! (Ninon steigt zu ihm herab, die Diener stoßen die Stocklaternen in den Rasen und entfernen sich.) NINON Seid mir willkommen, lieber Graf. — Ihr findet Wohl auch Bekannte unter meinen Gästen. Den andern will ich Euch noch einmal nennen: (mit erhobener Stimme und einer großen Armbexpegung) Der Graf von Villiers ! (Der Graf verneigt sich vor den Gästen und diese, außer dem Marschall d'Estree und Villarceaux, vor ihm. Dann kommen einzelne Gäste herab und umdrängen Ninon. D'Estree reicht dem Vicomte die Hand, Villarceaux verneigt sich kühl vor ihm.) MARION Liebe Ninon, sieh, Ich freue mich ! (umarmt sie.) D'ESTREE Seid herzlich auch von mir Beglückwünscht. Dieses flicht ein schönes Blatt In Eure Kränze, Ninon. NINON (reicht ihm die Hand) Werter Freund. SEVIGNE Erlaubt! (küßt ihr die Hand.) ERSTE DAME Wie gnädig hat die Königin Die frühre Strenge Euch versüßt, wie huldvoll! 36

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NINON Ich dank Euch. — Allen. Ja, ihr freut euch mit mir. Ich weiß. Das macht mich doppelt froh. Doch laßt Nun unsre Freude in die Tänze fließen, Die dies Ereignis stürmisch unterbrach. Wir können sie nicht schöner nützen, Freunde! Öffnet die Tür, Marquis von Villarceaux! SEVIGNE (reicht Marion den Arm) Ich bitte, Fräulein, kommt! (ruft innen) Musik! (Die Gäste gehen langsam in den Pavillon.) NINON Und jemand Verkünde auch im Spielsaal, was sich hier Ereignet, sonst erzürnen wir sie bitter! (Zu Villarceaux, welcher als letzter wartend an der Tür bleibt) Ich komme, Freund! (Villarceaux geht hinein und schließt die Tür,) ELFTE SZENE Ninon wendet sich und tritt dicht vor den Vicomte. Ihre Stirnme und ihre Bewegungen haben zunächst etwas Scheues, Zages, Tastendes, fast Mädchenhaftes. NINON Herr Graf von Villiers, Euch Möcht ich nun danken. Euch! — (Sie streckt ihm zag die Hand entgegen.) Küßt mir die Hand! Und was macht Euer Arm? Habt Ihr noch Schmerzen? 37

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VILLIERS . . . Wie gütig seid Ihr doch um ihn besorgt . . . Nein. Ich darf ihn schon bewegen. (Er nijHmt den Arm aus der Binde.) Da! NINON So gebt Mir diese Hand. Hier biß das Pferd? Hier oben, Nicht wahr? Das garstige Tier, wie könnt es! Pfui, Es muß ein böses Tier gewesen sein. Ihr habt es hoffentlich gewechselt, Graf? VILLIERS O nein, dies Pferd und ich sind alte Freunde, Ich bracht es nach Paris aus meiner Heimat. Es war bisher mein bester Freund, mein Fräulein! NINON Und dennoch biß es Euch, wie seltsam — Sagt, Herr Graf, Ihr kamt mit unsrem Prinzen nach Paris und teiltet vordem die Verbannung? VILLIERS Ich bin seit einem halben Jahr im Dienste, Fräulein. Als ich die Niederlande kaum Erreicht, versöhnte sich der Prinz mit der Regentin — und wir sattelten die Pferde. NINON Doch früher? — Seht, Herr Graf, wenn Ihr die Kühle Nicht fürchtet und der Tanz nicht allzusehr Euch lockt, war ich Euch dankbar, wolltet Ihr 38

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Hier bei mir bleiben und ein wenig mir Von Euch erzählen. Diese Nacht ist schön Und klar. Vielleicht die allerletzte, die uns Noch Sterne zeigt. Kaum spürt man Tau im Gras. Seht: meine Hand blieb trocken. Wollt Ihr, Graf? VILLIERS Wie gütig sprecht Ihr doch zu mir, mein Fräulein . . . Kaum kann ich glauben, daß Ihr ernstlich wünscht. Von meinem Leben etwas zu erfahren. Auch wüßt ich nicht, was drinnen reizvoll war! NINON Doch doch! Ihr müßt es tun. Dies ist ein Zoll, Den ich von neuen Freunden stets erhebe . . . Ihr spracht von Eurer Heimat. Liegt sie fern? (Sie setzt sich.) VILLIERS Ich wuchs im Norden auf, in einem Schloß Der Normandie. Von meinen Eltern weiß ich . . . Doch sagt, mein Fräulein, sagt mir, ists Euch Ernst? Mir ist so sonderbar, daß einer kommt Und mich nach meinem Leben fragt. Was liegt Euch dran . . . und mir wirds schwer, davon zu sprechen. NINON Doch bitt ich Euch! Ist es so hart, die Laune, Die eine schöne Frau uns merken läßt, Zu stillen? Lieber Graf, man sei galant! VILLIERS Nun spottet Ihr! O sprecht wie früher. Fühlet, Daß Eure Güte mich bestürzt. Noch niemals 39

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Sprach eine Frau zu mir, wie Ihr heut abend Sprächet und neulich abend. Glaubt, daß wenn Ich zögre, dies nicht Kälte ist. Glaubt mir. Ich will mein Leben vor Euch niederlegen. Wie ein Verkäufer einen Teppich breitet, Doch furcht ich sehr, es ist nicht weich genug. , NINON 1 . . . Nun seid Ihr liebenswürdig, Graf. VILLIERS Ich sagte, Daß meine Eltern nicht von mir gekannt. Als ich ein Knabe war, glaubt ich sie tot . . . Und meine Mutter ist es wohl. — Vielleicht. Sie war mit meinem Vater nicht verbunden Durch ein Gesetz. Dies weiß ich nun . . . und darum Ward ich, wie's solche Kinder sind, recht einsam. Ob ich vermute, wer mein Vater ist . . . Wollet nicht fragen . . . Nennen werd ich ihn Wohl niemals so — da ist es einerlei. Still wuchs ich auf, gehütet von bestellten Hütern. NINON Von diesen sprecht mir, Graf. Erzählt Mir viel ... VILLIERS Versteht: sie waren freundlich stets Mit mir und sorgten gut für mich, doch etwas Fehlte in meinem Leben, das ich nicht Zu nennen weiß. Ihr wißt, daß Kinder seltsam 40

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In ihrem Fühlen sind . . . Oft wacht ich weinend Des Nachts in meinem Bette auf und sehnte Mich so nach irgend etwas, daß ich schrie Und um mich biß, wenn wer mir nahen wollte. In andren Nächten lag ich reglos da Mit offnen Augen, und am andren Morgen Fand sich, daß meine Kissen oft so naß Von Tränen waren wie ein Tuch, das man Im Fluß gefischt. Dann wieder hatt ich Träume Voll wilder Seligkeiten, und Gesichte, Die meine Wangen heizten wie im Fieber. — Doch schrecklich war nun morgens das Erwachen, Mein Gott, wie schrecklich war der gleichen Tage Endlose Kette, als ich älter ward. Ich weinte seltner, hatte keine Träume Und fühlte alle Dinge wie umflossen Von einer dumpfen Bangigkeit und Trauer Um etwas, das gewesen oder das Noch kommen sollte. Kennt Ihr Alpe, da man Laut ruft und keine Stimme hört, nach etwas Fassend ins Leere greift, in tote Luft, Schreitend nicht vorwärtskommt und endlich vor Entsetzen, Qual und namenlosem Schauder So aafschrein will, daß fast der Schädel birst, Und dann die eigne Stimme meilenfern Wie einen Hilfeschrei und Todesruf Verhallen hört? So schien mir damals dieser Mein eigner Leib tief in sich selbst verbannt Zu sein und um ihn eine große Leere, Drin Schemen schwankten so wie stumme Fische. Dann kam die Zeit, wo man mir Waffen gab 41

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Und auch mein Pferd ... Um Gott, mein Fräulein, weint Ihr? NINON Ich höre Eure rührende Geschichte Und denke allerlei . . . (mit leidenschaftlicher Innigkeit) Nicht wahr, nun liebtet Ihr Euer Pferd, und preßtet Euren Kopf An seinen braunen Hals; und Euren Degen, Den stelltet Ihr des Nachts an Euer Bett Und träumtet von Gefahr und Abenteuer, Einsam in Eurem keuschen Knabenbette!? VILLIERS So tat ich wirklich, Fräulein! (Er schrickt auf und wendet sich nach den Büschen um,) NINON Graf, was habt Ihr? VILLIERS Mir war ... als rühre jemand hinter uns An diese Zweige. NINON Nein, Ihr täuschtet Euch. VILLIERS Mir ist so seltsam schon die ganze Zeit, Als wäre irgendwo ein Dritter noch Und hört' uns zu. NINON Nein, nein, mein lieber Graf, 42

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Wir sind hier ganz allein, allein hier vor Einander, ich und Ihr, und niemand hörte Euch. Es knistern wohl die Zweige nur . . . Mein Gott, Wie war mein Leben anders als das Eure . . . Dieweil Ihr weintet nachts in Eurem Bett, Hab ich gelacht. Die ganze Welt war mir Ein lichter Garten voller süßer Früchte, Die ich nach Lust gepflückt, gekostet und Nach Lust verworfen habe . . . Graf, wie schmerzlich Ist doch von zweien Leben der Vergleich, Wenn sie einander so verschieden waren, Wie Eures hier und wie das meinige. VILLIERS Ja, Euer Leben, Euer rauschendes Lebendiges, wie träumt ich damals doch Von Eurem Leben und von Euch in süßer Verschwiegner Knabentrunkenheit, wie war Mir Euer Name doch ein großes Wunder Voll Glanz, Geheimnis und voll Lieblichkeit. NINON Was sprecht Ihr? Wußtet Ihr denn irgendwie Von mir, als Ihr ein Kind, ein Knabe wart? VILLIERS Wenn ich des Abends müd nach Hause kam Von Jagd und Ritt und eingebildeter Gefahr, ging ich sehr oft im Schloß hinab In einen Saal, wo das Gesinde saß. Zwar fühlt ich jene Menschen so wie fremde Mir nicht verwandte Tiere, doch ich liebt es. 43

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Sie anzuschaun und ihnen zuzuhören. Und einmal war da eine neue Magd, Die wohl hier in Paris im Dienst gewesen, Und diese sprach von Euch und sang beim Spinnen Lieder, darinnen Euer Name wie ein Amen Der Liebe jede Zeile süß beschloß. Und diese Lieder priesen Eure Schönheit Und Eurer Liebesabenteuer stolze Berühmte Zahl wie Siege eines Königs. Und diese Magd erzählte auch, daß Ihr Nächst Anna von Bourbon die schönste Frau In Frankreich seid, und klüger noch als alle Frauen in Frankreich seid, und jeder Mann Mit seinem Leib und seiner Seele Euch Verfallen sei, so Ihr ihn angeblickt. NINON Die Dichter fanden Stoff in meiner Jugend Zu dummen Liedern, ja, ich weiß es. VILLIERS Fräulein, Ich liebte diese dummen Lieder damals! Mein Geist umgab Euch so mit Herrlichkeiten, Daß Ihr wie eine Königin durch meine Träume hinschrittet, stolz und märchenhaft, Und Euer Name bald der Name wurde Für was das Kind vermißt und was der Knabe In scheuer namenloser Sehnsucht wünschte . . . NINON "Wie seltsam dies . . . mein Gott. 44

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VILLIERS Man sang ein Lied Auf Euch, Ihr kennts gewiß, die grausame Ballade von dem Rittersmann, der seine Vielliebe Mutter schlug, da Eure Laune Ihr Herz als Futter Eures Hündchens wünschte. Und denkt, auch dies begrifFich! Ja, dies Opfer Schien mir der schönste Sieg der Schönheit Ninons. Mein Gott, wie fällt mir alles ein! — Einmal Da kam ein Knecht von draußen in den Saal Und neckte sich mit einem hübschen Mädchen Um einen Kuß, und dieses rief im Scherz: ,,H eilige Ninon, hilf mir." Seht, mein Fräulein, Am andren Morgen ritt ich dann zum Händler Und suchte unter seinen frommen Bildern Nach einer heiligen Frau, und diese kauft ich. Hing sie zu Häupten an mein Bett und nannte Statt ihres Euren Namen, wenn ich bat. NINON Wie witzig wißt Ihr zu erzählen, Graf . . . Dünkts Euch nicht seltsam, daß es nun so kam? Daß Ihr hier bei mir sitzt und mir erzählt Von einem Knaben, der von Ninon träumte . . . Und dieser Knabe wäret Ihr . . . wie seltsam . . . Und ich bin Ninon . . .! (Lächelnd) Gott, das Leben ist So sonderbar verflochten oft . . . Nicht wahr? Doch lassen wir den Knaben nun mit seiner Heiligen Dame, die mir wenig gleicht, Mein lieber Graf — und sagt mir etwas von Den Niederlanden. 4J

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VILLIERS Als ich sie erreichte, Schliff unser Regiment die Eisen, und Man lebte nur dies eine Wort: Paris! Und dieses Wort ergriff mich wie ein Fieber. Ich sah und hörte nichts und dachte nur: Paris! Paris! und träumte nur Paris! Paris malt ich mir aus mit heißen Sinnen Auf langen Ritten in der Mittagssonne; Und wenn ich abends einschlief, war Paris Der letzte Laut, den mein Bewußtsein fand. Denn diese Stadt schien mir das Herrlichste Auf Erden, banger Wünsche endliche Erfüllung Und meines Lebens Sinn und Ziel zu sein. NINON (lebhaft) Wie kann ich das verstehn, wie gut, wie gut! In dieser Liebe, Graf, kenn ich mich aus. Sagt mir . . . und welchen Eindruck machte Euch Paris? VILLIERS (sehr zart) Paris! . . . ich sah nur Euch, nur Euch, Mein Fräulein. NINON (lächelt) Seht . . . wie höflich könnt Ihr sein Man merkt, daß Ihr von Hofe kommt, Herr Graf, Geschickte Artigkeiten sind jetzt Mode! Doch etwas Wahres ist daran, daß diese Stadt und ich blutsverwandt und eines Wesens In unsrem Herzen sind. Wir nehmen beide Das Leben leicht und wie ein flüchtig Spiel. 4^

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Und dieses muß man uns zugute halten, Mein lieber Graf, denn manchmal tun wir unrecht. Gott, wir sind oberflächlich — dies Paris Und ich! . . . Langweil ich Euch, mein lieber Graf, Wollt Ihr nicht lieber tanzen, als hier draußen Schwatzen mit einer alten Frau? — Auch ich Bin drinnen eine Sarabande schuldig. — VILLIERS (kurz und hart) Ich danke, Fräulein, denn ich tanze nie. — Ihr saht, ich tanzte auch in jener Nacht nicht. Da mich mein Pferd vor Eurem Fenster biß. (Ninofj schnellt in die Höhe, mit zornigem Entsetzen) NINON Seid Ihr besessen, Graf, vor meinem Fenster! VILLIERS (leidenschaftlich) Wißt Ihr es nun? Ich liebe Euch. NINON Schweigt still! VILLIERS Ich liebe Euch, und diese Kühnheit, daß ichs Sage, erwürgt mich fast . . . NINON Um Gott, seid still! VILLIERS Ninon, ich liebe Euch . . . NINON So schweigt doch still, Mein lieber, guter Graf. 47

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VILLIERS Seit ich Euch sah, Mit aller Leidenschaftlichkeit des wachen Durch Euch erweckten Lebens. Dies mein junges Tosendes Blut hat immer Euch, nur Euch Gekannt, als es noch schlief . . . NINON Mein Gott, mein Gott! VILLIERS Ja, rufet Gott, ich liebe Euch, und mich Verlangt nach Euch, wie uns nach Gott In Not und Pein. NINON (heftig befehlend) Ihr rast, ich bitt Euch, schweigt! Ich wills! VILLIERS Ich flehe, Ninon, hört . . . NINON (in verzweifeltem Zorn) Seid Ihr Ein Knabe, welcher abenteuert? Bracht mich Ein Zufall da auf Euren Weg, und meint Ihr nun, daß die berühmte Ninon Ziel Und höchster Ruhm auf Liebespfaden . . . Nein, O nein, so steht es doch nicht, Graf von Villiers ! Wenn Euer Blut Euch jetzt zu Frauen treibt. So geht an einen richtigen Ort, es gibt Wohl viele in Paris! (Sie bricht auf die Bank nieder. Heftig und weinend) So geht doch, Graf! 48

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VILLIERS Vergebt, vergebt mir, Fräulein, meine Kühnheit. Ihr dürft mich schweigen heißen, gehen heißen. Doch eines dürft Ihr nicht: mich mißverstehn! Ich liebe Euch mit aller Heiligkeit Des keuschesten Gefühls in mir und bebe Vor Euch so wie ein Frommer vor der Hostie, Die Priesterhände fern im Golde halten. NINON O Eure Stimme . . . Eure Stimme . . . VILLIERS So liebt Ihr meine Stimme? Gott, dann will ich sprechen Die Tag und Nächte lang ohn Unterlaß, Als ob mich Tod beim ersten Schweigen träfe . . . Und was Ihr wollt! Die großen Verse des Corneille will ich in einem Atem singen . . . Und was Ihr wollt. Auch meine Liebe, Ninon! Denn wenn ich sprach, so war es Eure Güte Und Freundlichkeit, die wie ein Sonnenschein Mich lockend traf . . . NINON (steht auf) Ihr foltert mich zu Tode! VILLIERS Frech war ich nicht, bei Gott, ich war nicht frech! NINON Doch rasend, rasend! 218 49

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VILLIERS Rasend, Ninon, ja, Vielleicht, denn seht: Ich liebe Euch und taumle So wie ein Trunkener in wilder Laune Durchs Leben, das durch Euch lebendig ward. Ich liebe Euch, und Eurer Schönheit große Unbändige Gewalt hat den Verstand Mir ausgedörrt, so lieb ich Euch. NINON (wirft sich in die Kniee) Mein Knabe, Mein süßer Knabe, seht, auf meinen Knieen Fleh ich Euch an: O sprecht nicht weiter! Ich habe große Schuld vor Euch und sterbe, Wenn Ihr nicht schweigt! VILLIERS (bedeckt sein Gesicht mit seinen Händen, bebend) Steht auf, ich schweige gern, Nur stehet auf! NINON (steht auf, ruhig) ... Es ist in meinem jungen Tastenden Leben eine Zeit verflossen, Da Euer Vater so zu mir von Liebe, Von seiner Liebe sprach, wie heute Ihr . . . Und er war glücklicher. VILLIERS (maßlos) Ninon, ich weiß Von Vätern und von Söhnen, die sich wütend Mit Dolchen trafen um dieselbe Frau . . . 50

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NINON (in dußerßer Erregung) Nein, nein . . . Mein Gott, Ihr windet mit Gewalt Mir Euer eignes Schicksal aus den Händen. Ich kann nicht mehr! Es lebt ein Knabe wo In Frankreich, Graf, den ich gebar und fortgab, Weil ich nicht wußte, wie man Mutter ist, Und weil sein Vater ihn zu hüten wünschte Statt meiner, die ein Kind von Sechzehn war. Und dieser arme Knabe trägt durch imsres. Des letzten Königs Gnade diesen Namen: Vicomte von Villiers, Euren Namen, Graf. (SüUe.) VILLIERS Wie seid Ihr schön, mein Gott, wie seid Ihr schön. Ihr sagtet etwas . . . Und ich hört es auch. NINON Begreift Ihr nun den ungeheuren, frevlen. So schauerlichen Wahnwitz Eures Rasens? Mein armer lieber Knabe! Gerne hart ich Den Abgrund Euch verhüllt, an den uns beide Das Schicksal riß. VILLIERS Ihr sagtet, daß . . . Gewiß, Nim wird man bald ein neues Lied auf Euch Und Eure Schönheit dichten. Seht, es kam Ein Mann, und der war Euer Sohn, und kam Und liebte Euch und starb daran. So schön Seid Ihr! Ihr spracht vom gleichen Blut in Euch Und mir. Doch Blut wäscht Blut. Dies ist ein neuer 51

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Unsterblich schöner Ruhm für Eure Schönheit. O wie begreif ich jetzt den vorgeahnten Geheimnisvollen Sinn von mir und Diesem! Die Menschen werden Euch Altäre bauen, Und Euer Name wird den Liebenden Ein Beten sein voll ungeheurer Inbrunst. Und auch den meinen wird man nennen müssen: Gaston-Robert Florien, Vicomte von Villiers! Heut will er tanzen, Ninon, und er grüßt Euch! Taumelnd grüß ich Euch und Euer schönes Strahlendes Leben, Ninon. — Lebet wohl! (Der Graf von Villiers stürmt den rechten Seitenweg in den Park hinein. Ninon irrt bis an die Wegbiegung und ruft in äußerster Angst hinter ihm her) NINON Mein Gott ... wo wollt Ihr hin . . . nicht diesen Weg . . . Dort ist kein Ausgang, hier, Ihr müßt . . . ZWÖLFTE SZENE Ninon schreit gellend auf schwankt eine Sekunde zwischen den beiden Wegen und taumelt dann, mit dem wirren ohnmichtigen Bestreben zu laufen, den Haupt weg entlang nach der Treppe. Gleichzeitig fliegt oben die Tür auf und der Marquis von Viäar^ ceaux, Marion, der Marquis von Sevigne und andere Gäste Ni' nons eilen in Hast und Schrecken die Treppe hinab. Von der an^ deren Seite laufen Diener herbei. VILLARCEAUX Wer schrie? 52

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MARION Mein Gott . . . SEVIGNE Es schrie doch jemand. MARION Ninon, liebste . . . VILLARCEAUX Habt Ihr geschrien? (Ninon lehnt sich mit geschlossenen Augen, hängenden Armen und zurückgebeugtem Kopf au den Marquis von Villarceaux wie an eine Wand. Dann macht sie mit dem einen Arm eine Ungewisse, etwas von sich abschiebende Gebärde nach rückwirts.) NINON Es fiel — ein Mann! VILLARCEAUX Marquis Von Sevigne, ich bitt Euch, schnell! SEVIGNE (zu den Dienern) Nehmt Licht, Hierher! (Die Diener ziehen die Stocklaternen aus dem Boden und folgen mit einem Teil der Gäste dem voraneilenden Marquis von Sevigne. Man dringt von allen Seiten in den Park. Von Zeit zu Zeit echimmern die Laternen durch das Geäst.) VILLARCEAUX Was ist denn nur geschehn? MARION So sprich doch! n

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(Der alte Marschall cCEstree kommt mit einem Armleuchter in der Hand oben aus der Tür und steigt etwas altersschwach die Treppe hinunter.) D'ESTREE Wir hörten einen furchtbar wilden Schrei, Habt Ihr so laut geschrieen, Ninon? Sagt, Was ist? (Der Marquis von Sevigne tritt eilig an Ninon und Viüarceaux heran und meldet, mehr zu diesem gewandt, leise und bestürzt) SEVIGNE Der Graf von Villiers liegt am Boden, Den Dolch im Herzen und die Hand am Griff. Er lächelt . . . (Ninon gleitet fast lautlos von der Schulter ihres Freundes nach hintenüber in seinen Arm. Der alte Marschall ist nun, ohne die Meldung Sevignes gehört zu haben, bis auf die unterste Stufe gelangt. Er beugt sich über die sinkende Ninon, hebt den Armleuchter in die Höhe, um ihr Gesicht zu kescheinen, und fragt erstaunt und erschreckt) D'ESTRtE Wird Euch unwohl, liebste Ninon? 5*4

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Druck der Offizin W.Drugulin in Leipzig

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INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG Dichtungen von Ernst Hardt AUS DEN TAGEN DES KNABEN. Gedichte. Zweite Auflage. Geheftet M. 2.50, in Pappband M. 3.50, in Pergament M. 6.—. BRIEF AN EINEN DEUTSCHEN INS FELD. 6. bis 10. Tausend. Mit Titelholzschnitt von Walter Klemm. Geheftet M. —.25. GESAMMELTE ERZÄHLUNGEN. 3. und 4. Tausend. Geheftet M. 3.—, in Pappband M. 4.50. GUDRUN. Ein Trauerspiel in fünf Akten. 11. bis 15. Tausend. Geheftet M. 3.—, in Leinen M. 4.50. JOSEPH KAINZ. Verse zu seinem Gedächtnis. Kartoniert M. 1.50. DER KAMPF. Ein Schauspiel in vier Akten. Zweite Auflage. Geheftet M. 3.—, in Pappband M. 4,—. KÖNIG SALOMO. Ein Drama in drei Akten. Geheftet M. 2.50, in Halbpergament M. 3.50. SCHIRIN UND GERTRAUDE. Ein Scherzspiel. 3. Tausend. Geheftet M. 3. — , in Pappband M. 4.—. TANTRIS DER NARR. Drama in fünf Akten. 29.-3 3. Tausend. Geheftet M. 3.— ; in Leinen M. 4.50. AN DEN TOREN DES LEBENS. Eine Novelle. (InselBücherei Nr. 13.) 51. bis 60. Tausend. In Pappband M. —.70. TOTE ZEIT. Drama in drei Akten. Zweite Auflage. Geheftet M. 2.50, in Pappband M. 3. — .

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