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Group Title: Insel-Bücherei ;
Title: Ninon von Lenclos
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 Material Information
Title: Ninon von Lenclos Drama in einem Akt
Series Title: Insel-Bücherei
Physical Description: 54 p. : ; 19 cm.
Language: German
Creator: Hardt, Ernst, 1876-1947
Publisher: Insel-Verlag
Place of Publication: Leipzig
Publication Date: 1917
 Subjects
Subject: DRAMAS ALEMANES   ( renib )
Genre: drama   ( marcgt )
 Notes
Additional Physical Form: Also issued online.
Statement of Responsibility: Ernst Hardt.
 Record Information
Bibliographic ID: UF00098556
Volume ID: VID00001
Source Institution: University of Florida
Holding Location: University of Florida
Rights Management: All rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier: oclc - 03980157
lccn - 44030665

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Full Text








































x 9I



















Ohr 6ift of
FELID: E7r '


univurritg
of Yloriba
-ibraries





I,
ERNST HARDT

NINON VON LENCLOS



DRAMA IN EINEM AKT


INSEL-VERLAG


ZU LEIPZIG






PERSONEN

NINON VON LENCLOS
MARQUIS VON VILLARCEAUX
VICOMTE V'ON V1LLIERS
MARION DE LORME
MARQUIS \ON SEXIGNE
DER MARSHALL D'ESTREE
EIN HAUPTMANN DER REITENDEN GARDE
DAMEN UND HERREN
DIENER

PARIS HERBST 166c.






IDer njchtliche Park a'u Hjuse der Ni\uon oan Lec,'los. G.irn
ini I ordergrund eine Raenflicbe mit einew gro1jen in Ha!b-
kieis sii.:bajrin Blunmenbeet in der Mlttte der Bihne. Dabintr
lajft quer ein breiter aietg. ainfgs von beschnittenen Braurne,
tu Kuiben ein.-efafit, vor eine flache, sei/ich slrhdtbare A.irmor-
treppe, die z: eiver Ramnpe inaufsteire I I'n ,d.eser fubrt e/ne
GListr i; einen run./en, im schmale, Schrnit sicl'tbaren Pavri'o
nit Glafe'nsxern, die erlcuchtrt n rid iuad belle Scheine in den
Park binaltwerfin. Hinter de'n [I'g sfibt zur Rectrte uj.nd
zur Linken .!e eme grofle geriw.dete Mllirnurbank w.it Rucken-
leine, Stu/l'n utn.d holen P .lderln i uh/ren Setren. forn ,r i
Rajsn var .dew, P.a'iLon itellen, seriier Ruoindu'g fJigend, in
kleinem Abst.d,Jed'lJ Marwnurriituen. I' on deul retten; Hanpt-
aere jus lauf n recl'htr nd li'nks zir'.; iteie i, / dan Park hin.'in.
Mla .i ort ,e g/laernen Tone einei SPi'uet:t itJ s/l'ebt t.azende
Gest.al'ren sn dei Fenst'rn vorbe.scAi'rben.

NI\NO I ON LLNCLOS ist sechstnddreiftrj.ii'rig ze denken
rnd sechstnndziranzie iirig darzustefen. Si, ti alt fei ol.-
fartlenes Kleid atj: blaInkr S.ide mit iril(;en S.ttizen t In. irM
I'e~ eicich :ur Zeit-.\1ade schlirht getauntes Haar. Die
Dicl'ter sagen, daf/ es karranienbraun geerefn, tuld schl'airniei
vou th'ren scl'warzen Augen und Jer k/ar d hllad' Cezeich.'etee
Brauen darid-er, van Shren siwhnen Zj',,en, ibre i noch schuneren
H.ioiden und von thren Lippen, die sict, oftr n.T gern in gurig-
spottischrem L.aclels .aufbosgei. ,.11IRION DE LOR.11E
steht imn Anfang der I'ier:ig. Si t tigt eatn S.lmt, kunstlich
verflochten'er Haar u'id alffjlend viel Schmuck. Lin Hauch
beginnender korperlirber FuUle beengt ibr le iaf'tes Temperarnent
it einer fur .dnere Alter charakteristisclen, nicht un/webens-
wunrdi e': Art und verleiht ibrewn 'esen ertwa Genach!ich-






6utlimigesl. Der IIARLULIS I ON I'ILLA.RCE.AULX is:
- n:it nwolbai.ndter Llegan' wIwe ein Standterlberr rwabremd
,*er Regnt,'acjt eklkiJet, Jdr selr jupnge M.4AR.UIS I ON
SE'IGN .Jag,'gen iac. der neiesitn, von don wlun ge Lud-
ir/ (ifunj.tene llo.de. Er tra.r- beibl/au nd r. i''ie. S/itz,n.
I ICO.lTE 1 ON I ILLIERS gel.t .oidjtiscb betb :,n./ dukel
na.il' der n, Heefe wiib n'walenden spaiwhleii Tradition, der
lhre D'ESTRLE tp.it ite n'ei/;; dlars ulif'itcn Jer drel-
ebten Ludwi-ig.






NINON
verlift den Pivi'iou, sitzt sich-, ant dar ceitliche Gelinder der
Ra'npe un,d prefIt ut beiden H.iv.en Bltter ,der kl/ettenden
R inken auf hr Gesi'cbr Ste spricht
\Vie elrsamn . .suC. und seltiam! lMeine Sinne
Schiwarmen wie Falrer um ein halb verhillres
Und dennoch helles Lichr in mir . und draul en,
\\'o kaum ein Schein hinftllr, di steh ich celber
Angstlich und bangend so wie heimlich L2uscher
An fremden Turen srchn . und kann nichr h6ren,
Obs innen lachelr oder weint. Mein Gotr,
Es lichelr wohl . und kinn auch u einen. Kann.
Doch muC' es nicht


Z\\EITE SZENE

Der ,1l.p ,n v"r.n I iL'Jrce., trill leter ant 'lern Pa k an de,'
Ftff der Ti efpe und n ft ged.i fpft

VILLARCEAUX
Ninon!

NINON
Mubl nicht'

VILLARCEAUX
Ninon'

NINON
\\er ruft' Ah lhr! (Lschelid) Ich kam nichr Eurethalb
Ich wollre nur ein wenig Kiihle armen
Und diese Blatter, die der Nachttau netzt,
Auf meine Augen prcssen. Denn sic gluhen.







Ja, Freund, sie gluhn!
(Sie irt laniJJI,. u ibhm I.inuitet ptet,'n und bat seine Hand ani
ibre Augen gepi t.)
Und sagr . versteht Ihr diei,
DaC. Genrilie-Ninon ihre Gaste fliehr,
Und Spiel und Tin?, um hier im Dunkel einism
Getiihlen nachruspihn, die unheimlich
\\ie groBe fremde \'6gel in ihr liarern ..
\'ersrehr Ihr dies ..

VILLARCEALU\
('11:1 .,e Iliitner ErLi'eun.I,
Ich bite Euch, liebe Ninon,
Gdnnt diese Stunde mir zu einem Wort . .

NINON
Seht, wie das Dunkel auf dem Garten liegt,
Die Baume starren wie aus Stein geschnitzt,
Und nicht ein Blatt, das bebte. Dies ist eine
Kiihle und klare Nacht, Marquis. Bedenkt!

VILLARCEAUX
Ich bitt Euch, Ninon! Seht, seit einer Woche
War Eure Tiir flir mich gesperrt, kein Wort
Von Eurer Hand kam in mein Haus, kein Grul . .

NINON
Ihr wollt mit mir . von Eurer Liebe sprechen .

VILLARCEAUX
Wie scheint Ihr kalt! So kalt . O sagt doch etwas...
Ninon, ich bin so jung nicht mehr . .







NINON
Dal Ihr
Verwinden kdnnt das Ende einer Lusr,
Die ich Euch war! ( iottisch) Mein warmer lieber Raoul .

VILLARCEAUX
Ninon, Ihr spielt mit mir'

NINON
Ich spiele niche'

\ILLARCEALU
Dann frevelt Ihr, bei Gore! O Ninon, Ninon,
So denkr doch an die wvundervolle Zeir
Der heiigeschenkten und begehrren Liebe.
Gedenkr der Nachte, stiL und schwul, da unser
Sraunen an Wonnen wuchs, die iiberschwenglich!
Gedenkc des ersten Tages, den wir lebten:
Im W\ald \on Ruer bliihren weijle Veilchen,
Das junge Moos war feuchr und kihl . .

NINON (wuicrl
Ich wei . .
lMi dieser stien Torheir ring es an . (tmrcHlagend)
LUnd wauh-re dann . den ganzen Sommer lang,
Nichr wahr, Marquis? Den ganzen Sommer doch?
Oh, %welche lange, welch unendlich schauerlich
Erschreckend lange Ewigkeir . fir mich!
Doch jerzt isrs Herbsr .. Wir frieren schon ein wenig
Und kau'en Pelz! Marquis von Villarceaux,
Ich mRchr Euch erwas bitten: Werdet heur
Mein Freund!






VI LL .\RCE.\UX
rm Gort, Ninon, wa, qualt Ihr mich!
Ich bin kein Knabe, dessen dunnes Blur
Beim \Vinken seiner Dame steigr und talk
Nich ihrem \'unsch . ich liebe Euch!

NINON
Und sprechc,
Marquis, mit schuner W\iirde von der Liebe
So ie ein Schafer aus dem v.rigen
Jahrhunderr.

VILLARCEAL'X
Nin..n, siilC' ind Eure Lippen,
Wenn Ihr so, hohnr, doch meine Seele wein .

NINON
Alein Freund, Ihr uollt ein cg.rrliches 'ergruiien
lMi Farben schminken, die Luch edel scheinen,
Und tragisch sein um jeden Preis! Dies ist
Die Krankheir vielcr l.inner, wcnn sie lieben.
Doch isr es Krankheit. Glaubt!
('F/.,tiftch
Und sagr nichr Seeck,
W'enn Ihr die Sinne meinr. Die Liebe, Freund,
Ist Apperit, ein grol'.er sch'.in r Hunger,
Den die Narur in unsren Leib gelegr,
Niche mehr Lind Hunger still ich, wie Ihr wit .
Auch srirbt man nicht daran \\'a' cir ich doch.
Als ich noch durstig war nich Eurer \V\ein,
Damals, als Ihr mich trotzic untreu wahnrer . .
W~'ifr Ihr es noch . .







VILLARCEAUX
Ilir schnitrer Euer Haar,
Euch Euer wundervolles Haar vom HLaupt
\\'ie eine Priesterin .

NINON (ladhr atfl
O nein! Ich schnirrs
Und sandr es Euch mir Blumen iiberdeckr
In einem grunen Korb aus jungen \'eiden,
\\ie man dem Liebling murgens Fruchre schickr.
So car ich dimals, und noch heure freur mich,
DaI ich es rat . Doch dies isc nun voriber.
Der Straug) von KUssen, Freuden, Lusrigkeiren
Und Launen suCen Sinns, den wir uns plldckren.
Er hangc verblaC.t so wie ein Bdndel warmer
Blumen in meiner Hand . ich otne sie . .

'ILLARCEAUX
Ninon!

NINON
So gliubr mir d..ch: es ist voruber'
Spracht Ihr dies \\orr [und einmal sprachr Ihrs richer].
So miilt ich Euch verlieren: ganz verlieren,
Und sehc, das mocht ich nicht: Ihr seid mir wert!
Schon viele gingen so durch meinen Garren,
\'ie Ihr terin, doch wenigen ward dies:
Mir Freund zu sein. Sehr wenicen. Ihr wili[r:
Es ist die hochste Gunsc in meinem Hcrzen . .
(l. Fchelt
Als Freundin bin ich rugendsam und treu! . .






VILLARCEAUX
Maln beer Eure Freundschaft an, Ninon,
Ich i\eil .. und dennoch raubr Ilr einen Himmel!

NINON
Im Himmel ist man keusch, Marquis, und sittam ..
Ich raub ihn niche . ich bier ihn Euch . Ihr sehr! -
Heur i't mein Namenstai, man ranr dorr drinnen . .
Ceh ich hinein, so, bin ich Konigin
Von riusend \\iinschen, wuelche gluhend birren,
Von Huldigungen, Schwuren, stilen Schmeichelein.
Und sehr, dies 'alles ilt mir heute nichrs,
Heur brauch ich einen rreund, Mi rquis! H6rt Ihr"
Der Treuesre, Saint Etremond, ist fort,
Der Herzog ton La Rochefoucauld liege krank
Zu Bett, und Moliere . liest mir seine Verse . .
Sroncr nights! Ich brauche cinen I rcund, Marquis .
Fast mocht ich sagen, dal, ich ein am rei.

\ILLARC[ALiU (,rr'M:t ;c:' Atcr ine Had)
Ninon, ich bin Euch s,_llii iiingcge ben!


DRITTE SZENE

Die Tier des Pa:-iilens ufftiut Fich, .1:.rii /,. Lorine tritt
j fj die RamEe binaus, winter ilr arirjngte ,ll.ir./ips :'cn
S. :.i"n.:

MARION
\Vie kuh!! Ich bitt Euch, gebr mein Tuch, Marquis.

NINON (s~ft,
Marion!






MARION
Bist dus: Kind, wir suchten dich!

NINON
Doch wer stehr hinter dir" Es isr so dunkel.
(Sir s/eit rieige Stu/fi binauf. ,lartoi erpreift thr Kleid
find :zl't es in die lrehite.

MARION
Ich uollte eigentlich . dich raten lassen!
(Drr .l/arquir vuli S'vigine trail herrv,:r hnd beugt sicb a.uf
tVinuons Ha.I i

SEVIGNE
Erlaubt, dat ich die schone Hand Euch kisse!

NINON
Marquis von Sevigne! Sehr . dieses freur mich.
Dies freur mich wrirklich! Kommt, Ihr dirt'er mir
Die Hand noch einmal kJssen. Beide Hjnde.
Doch Eure Mutter.

SEVIGNE
Frau von Sevignc
Erlaubre mir nicht gem Euch zu besuchen.
Sie fiirchter Eure Schonheir sehr . und Eure
Gedanken ibher Liebe, wie sie sagr.
Doch meinte sie, ich miCre in die \\'elr,
Die grole Welt nun treren. Euer Haus,
So sagre sie, sei angefullr davon . .
Und so erlaubre sales.

NINON
Marquis, ich stritr







Schr oft mit Eurer Mutter iber Liebe . .
Duch konnre sie mich niemals iiberzeugen.
Un grd rr'e \Welr, die kinder Ihr bei mir!
Sahr Ihr Moliere und La Fontaine-
SEVIGNE
Sie spielten
Im vordrcn Saal.
NINON
Das heiCir, dalli Moliire schlechrer
Und La Fonriine sehr gurer Laune isr.
Doch mine Schinheir! Sehr, Marquis ich glaube,
\ir laufen nichr Gefahr. Mein Herz ist nimlich
Ein uwnigt mude jetzr im Ilerbst. Doch sullre -
Ihr uilr, dalC hierin niemand sicher ist -
Sollre uns ircendiie ein s6iler Taumel
Den Sinn verwirren nun, :o swollen wir,
Nicht wahr, Marquis, iir swollen dann mit Mur
Und ohne Trinen dieses schlimme Schicksal
Leben!
(Sir Feicht ibm Iie ltauit,, diie er u..t.e
MARION
Du sliC.e Ninon' (k;,.it sic.


VIERTE SZENE
Zrwii Diew, koinnmen im Sitrat wit eineni Hajpti'n.nn Jer reitcn-
den G.:a/e :o'i rechtr.
HAUPTMANN
Teufel, scherc
[uch hiniwe, sag ich, \orw';rts!







VILLARCEAUX
He! \\'i gibt es:
NINON
Wer lirmr dort so?
DINNER
Ilier dieser Haupcmann von der
Garde der K6nigin kam vor das Haus
Mic einer Handvoll Leure, die zu Pterd,
Und einem \\'agen. und er dringr daraut,
Euch gleich zu sprechen. Herrin

NINON
Mich :
HAUPTMANN
Die Dame
Ninon von Lenclos such ich aut Befehl
Der K6nigin.
NINON
Das bin ich. Sprecht.

HAUPTMA N N
Ich habe
Hier dieses Blatt zu reichen, schdnsce Dame!

NINON
Gebt her.
(Sier iert hastig un.d berrtor:r. 11ajiin uud di beliden .11.rquis
beobachten sie mit Unriube.)
SE'IGNL
Es scheint, dail lhre Mijesti t
Euch ubeliill!






NINON (ii.mj'ft az'q
Oh. dies ist uncrh6rt!
Ganz unerh,.rr! Das hatr ich niche erwarter,
Da., kinilicher Hat. so jedes Macl
Verlieren kann!

VILLARCEAUX
\'as ist es, Ninon:

MARION
Sagr!

NINON
Ich will. euch lesen! Hort.
,.Der Dame Ninon
'on Lernclos wird Befel., ganz unverzuglich
Im sichren Schirme dieses Haupcmanns miner
Garde und seiner Leure sich nach Pas,
Hinzubehel.en in mein Graues KIl-srer
F[ir Aladchen, wrelche reuig sind, Lnd dort
So lange zu verbleiben, bis xwir uns
Des \\eircrn entschlh.ssen haben."

MARION
Gottr

VILLARCCEAUX
Die Kdnigin vergal- sich doch ein wenig!

MARION
\\as soil man run . icli will den Marschall rufen!
(S:, scbhiik s,'h 1au, die Tqelpe bisanifttzedei.)

NINON
Nein, Marion. Bleib!






(Z'LI HaN'll tann)
\Venn ich mich nveigre, Herr,
Habt Ihr Befehl, Gewai . .

HALUPTMANN
Dies i;r in meinem
Aufirag nichr sorgesehen, schone Dame,
Ich mi6Cte neue Order holen.

NINON (nit u .iianti i st.''en Tiot:l
Ah,
Dann gehr und sager dies der Konigin:
Ich lielG mir schuldigem Respekr vermelden,
DaB ich nichr M;Adchen und nicht reuig sei
Und drum ein Recht auf \\'2hl mir vorbehielte,
Und diese sei: die grog-en Cordeliers!
'Le,'-lNii
\\'ird sie gebilligr, moct Ihr mich gelriten.
(Der Alarqu:is vn I'/taicraux i'.d ,n11.tun .fabre Iei i den
Al~stti n.ne,' :zusamt.en, .t,; Haupw.tnan Lertnicir sick.)

SIAUPTMANN
Sehr srolz und witzig seid Ihr, schbnste Dame'
Ich urrde Eure \'orre mclden lassen. -


MARION
Ich bitr dich, Liebe, war dies klug'

VILLARCEAUX
Es wird
Die Kbnicin zu Argrem reizen, Ninon!






NINON
) nein, ich kenne sie! Es lg ihr nur
An der Beleidigung. \Vie k6nnt sies wagen,
\,ie k6nnre sie! . Cedenkr es doch! Ich bin
GewilV,, daLi es nur eitle Drohung. wir. (Licbel.d
Ihr seid bestiirzt, Marquis \on Se\ignc-
Und Ihr, mein Freund, und du ..
Mlein G:,'t, so dcnkt doch!

SEVIGNE (lbe, etlv
Ich %ieif., die Konigin prich oftr von Euch
Mir Zorn zu meiner Mutter, und ich tfrchre,
Ihr H1iC isr letr7 zum Aul:ersten berei . .

NI NON /lache/nd, sp:ele irch)
V'ielleichr, vielleichr, wir mdscen warren, Freunde!

V'IL A RCE AUX lusbrecilendJ
Ich birc Euch, Ninon, kommr mit mir, serlalr
Paris auf eine \\eile!

NINON
Freund, ich ging
Noch niemalS einer Sache au; dem \'eg!
Auch diesmal dieser nichr! \\ir bleiben hier! -
Und schweigen jerzt dison, nichr \%ahr! Auch drinnen!
NMrion, ich birte, hori, du! LaCir uni ruhig
Den Abend feiern, so, als ob die, nichr
Geschah und morgen . Gorr, enn ichs bedenke . .
(Lache/lnd)
Im lerzren Grunde angsctig es mich \enig.
Auch eine Zeit in einem Klosier zu
Verbringen! (Lacd.t







Kommsr du mit mir, Majri'on, kommsr du:


SEVIGNE
W'ie ~undervull wil't Ihr das Leben -u
Besiegen!

MARION (kigj; .\T'wi
Ninon, Gure!
(Sit el]t ibre HInde ant, iNinons S lbtNe n inid irntdet de;
Kif .zu I .'/lz, ceau.x)
Herr Marquis
von \illjrceau\, wilcir Ihr mir Eurern Arm
Zu einem Gang durch Ninons Garten leihn-
W'ir swollen duch noch ertas uns beaten!

NINON
'er7eih, duch \'illarceauL urnd ich, wiir beide
Philusophiercen grade, als ihr kamr,
Lind sind nuch nichr zu Ende . .

,MARION (/.lcl'er.'.
Uber Liebe'
NINON (ai ritn.iiD
Nein, uber Frcundschaft, Mlari,_n.

SEVIGINF
Dart ich, wenn Ihrs
Irlaubt, r:on 'iliarceau', strtt Eures meinen . .
(Er eter Mlario, den .4)f;.,

NINON (/al.,eul'()
Braso Marquis! Beim Namen unsres jurngen
Konigs, so uar es rechr! Ihr werdet bald
Im schiinen Dienst der Damen Muster sein'







MARION
Ich nehni ihn gerne, Euren Arm! Dich schreiter
Lingsam mir mir, die dunklen \Vege Ninons
Sind fasr gef.hrlich . .
NINON (riflt
MAlri..,n' \Uo ic Plessvs?
Kamst du allein:
MARION
Ich kni allein heur abend .
Ein Her, wird made, Licb. Im ileichen \Vehen,
Dis lu und sintr mir Ishlaffen Segeln spielr,
Sehnr es sich ftrt nich \\ind und Abenteuer.
Ich kani allein! Hier diesen \\'e Malrqlais.
(St.' le,-en in Je'i rei 't.' Scit,', Trr "n.)


FUNFTE SZENE
',';';u l'abit an Ji.s G' ;./'r ek'ltbut i, vd si'eb.t i nein nach.
NINON
Die gure Maion
\ILLARCEAL\
Ninon .. Ilhr bethlet . .
NINON (!'.ic i.c l, ;'lt ,.ticj
Dai, Ihr ein wienig n':,ch bei mir vernr\'ilr,
lMein Freund, denn Ihr vergaCLer cu bemerken,
Dia Nin..in rrurig ist. Gebr Euren Arm. (Sie gelen.)
Vielleichr isrs Luge, dJi, ich rraurig bin,
Alcin Freund. Docl lustig bin ich nichr. Selrsin
'erirrr isr mein Gefuhl and \\'ien ,in
NMir sclber.






(Sit be.g t si'l a.fts Grar.)
Sehc ein Glihuurm Legr ihn in
Mein Hiar.
\ ILLARCEAU\
Kommc.
NINN()N
GlIihr er? Freund, mir 1rt seit ierzehn
Tagen wie eincr BrIut am Hoclhzeirstai
Oder wiie einer alen Frau ini Traum. -
Ich wiill Euch cine wit:zie Geschichre
Erzahlen . .
'ILLARCEAUX
\'einc Ihr, Nincon' Sehr, Ihr r.istct . .

NINON
Nein nein, mein Freund. \ann weiite Ninon! Kommt,
\'ir %iollen sitzen.
(Sii' s5'tc iich at\',lie Jarmnrbank links;)
Line witziic'e
Geschichre uill ich Euch erzhblen, lachc,
Denn ise ist rauriL. Oder weint! Lnd horc
Guc zu, mein Freund, es konine sein, daJC ich
Diese Geschichre Euch cinmal nor erzlhle

\ILLA\RCE.\AL
Wie seid Ihr doch errege ..

N I N () N
V ,r \ierzehn Tagen
GingL ich Lns 11aus Bourgogne. Mln iab Moliire.
Ich rrug dies helle kleid, das Ihr so licbr,
Doch hare ich allen Schmuck mir angeran






Und vi:lc; Guld mir in mein Haar geflcchren.
Ich kam min wenig spit, man 'pielre schun.
Lind wie nun meine Blicke durch den Saal
Hinschweiftren, trafen cie auf einen jungen
Mir unbekannren Mann. Er lehnre druben
An einem Pteiler, und er sah mich an.
Er iwar nicht ganz so LgroC wie Ihr und hatte
RriblIndes Haar und Augen, prrlI, und schwarz,
iUnd sah mich an. Dies w'ar nichr celrsim, Freund,
W\'ie dunkr Euch? Seltsam nkchr. Nein, ginz nariirlich.
Lind die;er Fremde Knabe war sehr schon .

VILLARCEAUX
Bei allen Hlimmeln, Ninon, Ihr seid graucam'
Schenkt mir das Lnde der Geschichre.

NINON
Freund,
Ja gab c; eine,. das zu schenken iJre'


SECHSTE SZENE
Alarion u.,d ,er Alarqih vyon Sc':'ignu I .on'entI ,tin dern Sciten-
irg lin,i steigi ,./lie let'pe :ti ; P.:ikL.on b'.nau'.

NINON
LaCt sie ,orbei!
MARION
lhr mulct das rechr verscehn,
Marquis. sI:r gr.:.Ce Leidenscha'r srehr nur
In Buchern, die man here nichr mehr liert,
Doch damals sprach der Herz-o s zu mir,
Denn spanisch war die Mlr'de. Auch in Frankreich.






SE \IGNE
Man sa,r er habc nach dem Ruhm %on Rocroi
Die Lorbeern sich von Ninons weichen Hinden
Hinleoen lassen, um dJraut zu ruhn!
MARION
ja, das ist wahr Duch Ninon %,irds zum Leide . .
Dec starke Held war . llzu schdpferisch.
SEVIGNE
Ihr meinr .
(Sie trtoi in ./1'i; P.A iA .'c.,;.


SIEBENTE SZENE
NINON
Ich sagte, dil: der Knabe schun war.
Lnd er war jung . S lung, dia: alle I'lammen
Rints an den Kerzen 'an-en vor Entzucken
Und niederzuckren au sein lichtes Haar.
Und crwas Frcmdes hing an ihm, als sei
Semi Blur nichr heimisclh hier bei uns, den Leichren,
Die mit dem Leben spielen, so, ils seii
Ein Ball. Es lag ein Ernst auf seinem Antlirz,
Als eien die Gedmnken ihm Leir mehr
\\ie Seitenblisun, drin die \Welr sich spiegel.
\Wahrlich, er war em KnabL und ein Malnn!
Mir fuhr cin iwarmur Hauch so durch die Adern,
Dai.l all mein Bluc zu einer W'elle schw:.ll,
Die wohl ihr Ufer kannre. Schmerzts Ench, Freund?!
Voreilig seid Ihr. \\arret noch ein wenig
.Mn fing zu tanzen an, und er war fort.
Nach Tagen going ich uieder hin und sah







ihn bald im 51i1. Er trug den Arm, den linken,
Hjngend in .inem Tuch und schien mir bleich.
Und vie es kim und ging, das \veiGl ich nichr,
Mich trieb ein unbeschrtiblich z7rtliches
Gefihl, schnell ratr ich hin und fragre: Sagr mir,
Seid Ihr verlerzr, traf Euch ein CUnfall?
,,[ r.ulein,
Mich hiC, mein Pterd, als ich ihm gir zu lang
Des Nichrs beim Fenster einer Dame srand.."
So sprach er kGhl . und \andre sich .. und going ...

VILLARCEAUX
An seinem Arm erkcnn ich ihn, cs iEt
Vicomte .on V illiers.
(N\non fi.brt itarr in die Huble tinl. site'l ei.en Aujenblick wie
bi.,,O'ilme'l daj. Daun tt sit einige Sci,'bltte at/f i'en .l.r q.huis
t..nd frat rwit nifhlnet'rer es.'.,.;nnter Errieift.ng)

NINON
\\elchen Namen nennr Ihr.!

\'ILLARCEAUX
Der Gratf on Villiers wars. Er kam im Stib
Des Prinzen aus den Niederlanden nach
Paris.

NINON (.'nit /tbeienn Erstaunenn)
Vicomte von Villiers! Alit dem Prinzen!
l.-lusbt c1,el d)J
Gort, dis isc ungeheuerlich. Ihr irrt Euch!

\'ILLARCEAUX (werwundert)
Ich trat ihn im Gemich der nigin . .







NINON
(sjet fwist cb.reie',d ein, d.Jnu rwij ilre Stimnne amiblicb
flehend uind fiL't rich zulet:t wit TrF'ie;i)
Ihr irrr, dali dieser schine Knabe, den
Ich sah, \icomr e von Villiers heil' und mit
Dem Prinzen kim. Es ist unm,'glich! Ilore,.
Ich sage Luch, dACi es unm.-glich isr!
So sprecht und sat, lhr irrrer Euch,
Mein lieber Freund, iag schneil: Ich irrre mich.

\ ILLARCEAUX
W'ie seid Ihr iaulIer ruch! Nein nein, denn Ihr
Beschriebt ihn ganz genau, es ist der Gr . .
(ns':non big.i /ni K/.f in ,.l, \.,en :'.t t spri,.'t narch einer
knrzen S ti' rt.di!ul an..i fit'rtr .!i

NINON
Gascon-Roberr Floriln, Vicomre vnri Villiers.

VILLARCEAULX urtsiwrerI
So uwil. Ihr mehr von ihm .. s.ig mirs, ich bi . .
NINON aasbiechen.id)
Was cut sein Name Euch, mein Freund! Ich kenn ihn!
Oh, diesL- ist nichr auszudenken'
(Sic mirf't ich aif die B.itk and v.'rlirgt ibren Kopf in ibren
Arn.'n. De'r 1Marqui! tritt le,'ie :zi ibr un.? fragi ergri.Jfen i.1d
bestui zti
VILLARCEAUX
Ninon! ..
Hab ich Euch irgend'wie erschreckt? \'erzeihr ..
(\inon I'ebt en Kif./; ii'i. ibr Gericl ti.lt sicb a.inhlich mtr
einein wereen Lichl'ln..)






NINON
\'ie meint Ihr, Freund? tLs karm in wenig schnell,
Dal, dieser Name mir enrgcgenrrrt.
Doch will ich lernen. Oh, wie will ichs gerne
Fur diesen Knaben run. Veriehr, mein Freund,
Ich denk an ihn ..
Und seh ihn vor mir, wie er riard und sprach . .
('.llit racji'en.er Loeide .,.ichlh (,*irt
Und brenne vOr V\'rlanen, nachts 'an seinem
Betr dazusitzen, seinen Arm zu hdren,
Die heile Srirn mir Ceuchren Tichern ilim
Zu kLuhlen, Lieder ihm zu singen t'ir
Den Schlaf, das Licht zu dJmpftrn und 7u wachen,
Bis d-aC, er wieder i ach wit wiIlc ichs gern!
(1P..ti, v ru wey E i ortia'.)
Ja . lachr Ibr nichr, mnein Freund: So lachr doch nut!
Ich finde mich ein rwcni Icherlich'
Oder habt auch Gcduld mir mir, es gehr
Gewil'. voriiber! Seh ... . h erde alt'


VILLARCEAL'U
Verworren heir ich Luren \\,-rten zu
LUnd ahne sch.udernd fasr ein ungeheurcs
Und nichc gemeines Schicksal, das Euch trat'.

NINON (f/ t)
Nichr tri isch iwerden, Freund! D-i', chickr sich nicht! ..
Mir fulhr ein Knocen in die Hiand ,urick,,
Den einst mein Leben schlug und den Ich tiat
\ertaCl. Ich werd ihn t;ne \\'eile halren,
Dann schnurrc das Sell die Hand wird kaum den Druck







Nachfuhlen und es ist virbei! (wrrdwutig) Wir leben
So leicht, mein Freund!

\'ILLARCEAUX
Doch sagt mir, Ninon, birre,
Ich weell nichr, ob ich Euch auch ganz \erand .

NINON (scri miugrsd)
N-ch mehr: 0 nein, ich hasse Deurlichkeiren'
Habr Ilir noch nicht genug' Ich sollre meinen!
Aut, aut, Marquis, wir wollen lutig cein: -
Das Leben icr ein Spiel . mit ernsren Dingen.


ACHTE SZENE
Mlas ion komn:r at. i.he Rampe binanjs rind ift
MARION
Ninon!
NINON
Ja Mario.'n ia, ich komme nun!

MARION
Die Sarabande! Alle wrrten wir
Aut dich' Du mulrt sie ranzen'

NINON (atf der Ti eppe, J..it bacchbaiscl')
Gcirr, di, ist
Das Rechrc! Tanzen! Kommr, Marquis, ich will Euch
Heute die Sarabande tanzen, wie Ihrs
Noch nie gesehn! Man sagr, ich ranze gur,
So kommr und schaur mir zu!
(Zi Marion)
LaCi mich voran!






(Bri'te gel/en in ,/n Pr.'itL', gkicirc'bz,,i set:t diie Sarabanaic en.
I ?,n rel'ts kmin.it in F .ter EL"e ,in Diewr uin. st'eigt -1n,
PaviL'on brnanf..
VIL LA RCE AX
\Wie uunderlich .ir dies, ,ie selrtsm Ninn .
\'erliebr und mLtrerlic .
(rnft Jim.a Di.tner nlall)
Wa's eibr es- He!

DILNER
[in Oftizier der kunihin stret vor
Dem Tor und wrinschr dic Herrin gleich zu sprechen.
(Wi l r/rei etel.en.)

V ILLARICE[AU\L
Des Nachts" Hast du vesagt, daC. sie ein Fesr
L'nd G(Cte hit
DIENER
Ich saj r e;.

VILLARCEALUX
Guc, so geh
Und melde, aber leise, hbrst du, leise!
(Der Dtieer gel't i't ,e' PartL',,, I tlajC'aicea stagt dih Tret/pe
/'ina:,q.)
Die arme Nincn' K')nigdliher Zc rn
Scheini unerbittlich. Niemand airnre mich .


NEUNTE SZENE
Die 71,r di/ ParL' ,ns ir, rr. gil e/.'.-;r Ha. t ait: eschla.'en, :,dr
sinoiu s/til ?,mit ,inewa I"'Il i/.ir e G.rCte in a:.-jfe; iter Et' egaun,






anf die Rampe hinant. .ii. d'er alit 11jascha d'Estr,;e ist
bei iltr.

NINON
kommt alle mit mir! Kommt!
(Zu I 'lL'ar'eau v)
Habc Ilr Mehirt,
Anna von Osterreich hat eine neue
Schmach mir ersonnen.

VILLARCEAUX
Sehr, ich warnre Euch.

ERSTE DAME
So habc Ihr sie erzurncr
M ARION
Sie kann es nichr
X'erzeihn, dil Ninons Leben anders liet
Als ihres einsr mic Herzo, Buckinhjam.

NINON
V'ernehmr es denn, diC. Ihre Alajesrir
Anna von Oscerreich, Regenitin Frankreichs,
Gendarmen zu mir schickre, hier vor dieses
Ilaus, in vcrtloLCner Scunde, mir Cetehl,
Mich schleunigsr tirrzufuhren in ein Klourcr
Rcui.er Madchen . .
(Bencg,.ng ,n'ter dei Ga.ire )

ERSTER HERR
W elch ein caller Eintall!
ZWEITER HERR
Man sollte ihn emn juncen Kdnig melden.






ZWEITE DAME
Bravo!

MARION
Wer rurs ?

ERSTER HERR
Ich!

DRITTE DAME
Doch iwas ward daraus'

NINON (zoinhT)
Ich licF. mit schuldigeim espekr vermelden,
DaCL ich das Rechr der \Wahl mir L:rbehielre'

D'LSTREE
\Vie stolz, wie scolz, Verehrce!

ZWEITE DAME
Nun ... und jetzt"

NINON
Ko.mmr wo'h die Anrwort!
(Zbun DieierL
Geh und bring den Boren.
(.4lyfrt.lich ind erregt)
Hier will ich bleiben, und ihr bleibc bei mir!
Niche wahr, ihr bleibe d:,ch alle dichr bei mir?!
(Sir,' wen.let sicd :urn .lIarscball 'ErI tree ,i.l fjiart wit welcher
L ieb usAr ri tgkeii .t;'r)
Nur Ihr, Herr Marschall . wenn es Euch verdrielr,
DaF. ,grad bei dieier Sache wer Euch ;ieht
Und dann bei Hofe schwarzr. so geht hinein ..
Es krankt mich nichr ..






D'ESTREE
Ich birr Euch, Ninon! Nein.
Ich will mich mehr nach vorne stellen. So!
NINON
Das dank ich Euch! (lice!) Ihr seid Jilanr!
SEV' IGNE
Er kommr!
MARION
Still!

ZEHNTE SZENE
I'icm1ete :,on ilieh s, Jd,. li ke' Ant in .kr in't.ie, l:o int von
=wet' Dinieon sntt .Stl.tere'n geleiter, Jen H.li.,ti rwe ent-
lauig /t e ,eut FtErl ,ler T, 'e;pe, iw er sieb t:e/ ver'eigt an.!,
Eit .fir ret'lten Han.d t;.e se'I'teJ Kt ,tf nah i j r hkikseitigen
AKe.mp t'jasetl, J,n .i :a n ,inem cn gro.flen Il'i.en BoLye'n vo
HII.npte ta/.So'et.
NINON
Vicomte %on Villiers . Ihr! Fasi konnte dies
Mich schmerzen!
VI LLIERS (I, i-bt at.j'bm ti/.lj
k6nnt es das, mein Fraulein : D,,ch ich
Bin Bote nur, weil eine gure Nachrichr
Zu bringen war. Erlaubr, daC, ich sie melde-
\Vie Euch bekannr, beliebts der Konigin
Bisweilen abends nach dem Alahl in ihrem
Schljfzimmer noch zut plaudern. \\'enigen
Erweist sie diese Feine Gunsr. So here.
Ich nenne nur den Prinzen, meinen Herrn,






Die Kinigin %on Sch\.eden, % elche ierzt
Bei Il.f zu Gaste ist, die Frau von Motte'.ille,
Den Kardinal Ind Frjulein 'on lanzini.
Und es geschah, d.', Euer Name fiel.
Da i3-nJdre sich die K,.,ninin und iaIreL
So laur. dJil iedermann es h.i.ren mulcre:
Der Prinz s ,:n Frinkreich, \elcher Luch gekannr,
AI. er n:och Herzog von En.hien sich n'iance,

,,babe ihr tben s. Liel Gutes und Schines 'on Euch er-
zjhlr, dal', sie es au'richlti bedauern musse, einer so all-
gemein geschJtiten und bewunderren Fersonlichkcit Un-
gelegenheiten bereicer zu haben."

Der Prinz \on Frankreich, der mein Herr, rieC schne!l:
Man musse Sirge tra.cen, dal, Euch diese
Guricen \\brre auch 7u )Ohre kamen.
Und sih mit so icl Absichr ringsumiher,
Dal' ich hervortr.ir und um gnadige
Erlaubnis hbt, das Zimmer zu verlassen.
Sie \iard erteilt, denn Ihre AT.jestir
Die Koniin war nun so, pit;g, noch
Zu aulern: ungern iuiil re sce sich Feinde.

LRSTL DAILY
\.ie schon ist s,.,Iche GroL.c der Gesinnurig!

VILLIERS
Die AlIjeCstt ion Schweden, Konigin
(hristine, riet mich dann: Idi s..lIk Euch grul'en.
Sehr cern und ot't erinnre sie sich Eurer
Lind des Gesprachs. das sie mit Euch gehbtr.
Und senerd [uch mit ihrer Guinst dies Tuch.






(Er eichA' tin; kleines S.itzcnas ent n/h /l. 'an. AiNw i ,mnt
es wit emer st.np ren Bewegng tes Arms und Lijt !:n trieder
hingen. I il/lies trirr ruckw.irts z'rsck es entsret keine P.aue.i
Es sei ein nordisch Mu;~er, das sie selbsr
An langen Dammerabenden gestickt
Und herzlich gern von Eurtn sch6nen Handen,
So sagre sie, gesrreichele ,ii;sen m6chre. -
(Ninc'n l s'I t uh'bex, _. icb. I !'./i/'i ver e.,' t -/
Mein Autfrjg ist zu Ende, Frzulein.

NINON
Deuter,
Herr Graf, mein Schwrigen mri der grolen Freude
An dleser Bocschatr. (Lac/hii Sehr, ich bin noch ganz
V'erwirrr. Hier rtind ich roller Furchet or rauhen
Worren aus rauhem lund und dann kam hr .
In solcher Sendung. Htrilich treur es mich,
Dali Ihre Alajestrt so huldvoll iwar,
Den Irrrum Ihrer Aleinung einziuehn.
Es ehrr mich auch. Ich werde screben, daj;
Die Konigin von meiner rief'mpfundnen
Erkennrlichkeir ertahrr. Herr arschill, bitrre,
Nichr t %hr, Ihr sprechr elegenriich dav'c-n
Es ziemr sich nichE, dil, ich unmirtelbar
Der Antworr mich erkuhne. Meiner hoben
Zartlich verehrten Gdnncrin Christine
Von Schweden chreib ich selbst. So ldleihr
Nur noch der Bore zu bed3nken. Great"
\'on \illiers, roller die Gelegenheir
Nicht rauben! Heure fciert min tin Fesr
Eei mir .. darf ich Euch bitten zu verweilen?






VILLIERS
Wern Ihrs erliubt, mein Fraulein, ti ichs gern!
(Nin;' st-iqt zc iAln herab, *i/e Diener stuffen die Stocklaternen
in den Rasie umi entfel ,'in sich..)

NINON
Seid mir willkommcn, licber Grta. Ihr indet
Wohl auch Bekannrc unter meinen Gastcn.
Den andern %will ich Eucl noch einmil ncnnen:
(mit erhul-ener St;ritne :'ul elter gro.let Airmewega\ig)
Der Graf ton \'llers!
(Der Graf verneit sic', vor Jde t GCaten n,.! .he'c, .urijer dem
Marscl.ja!/ .'lie Iun i, I'nci 'e c, tvr itD.a. Da,: k einene
einszele Gastie beiab tin.'i ie,,ra.,tgen Ninun. D'Ese,., retcht
dem f icounte die Hl:ud, I 'l//rireau.x verneigt ibhm.j
MARION
Liebe Ninon, sieh,
Ich freue mich! (ui,'arent sie.l
D'EST'REE
Seid herzlich auch von mir
Beglucki tinschl. Diese's lichr ein schones Blatt
In Eure Kr;nze, Ninon.
NINON ('i,ihr iin ; Xe Hand)
\'errer Freund.
SEVIGNE
Erlaubr! (kil;t r; .tie H.and.)
ERSTE DAME
\Vie gnjdig hat die Ko-nigin
Die fruhre Strenge Euch versiCr', wie huldvoll!






NINON
Ich dank Euch. Allen. Ja, ihr freur euch mit mir.
Ich weeii. Das machc mich doppelt froh. Doch lafir
Nun unsre Freude in Jie Tji'ne flieCen,
Die dies Ereignis strirnmich unrerbrach.
W'ir konnen sie nichr schl.ner nurzen, Freunde!
Offnet die Ttir, Marquis von Villarceaus!

SEV1GNE (reit'ht Mario, den Armi
Ich bite, Fraulein, kormmr! (rqJ] imen) Musik!
(Die Gaste gbehn lanrjsam n s en PaviLon.D

NINON
Und jemand
Verktinde auch im Spielsaal, was sich hier
Ereigner, sonst erziirnen ,ir sie bitter!
(Zu I stiarceau.v, welcher ials /izter wrartend as ,ier Tr- bl/eilt)
Ich komme, Freund!
(1 il/arceautx ebt been niui sci/ieft die Tur.)


ELFTE SZENE
A'inon wen,de sic' tud trit Jtcht *.'or len I cointe. Ihre Srnn-
me unrId re Bewrreungeri baben z-uv.ac, t etrr.as Sceriier, Zages,
Tasteerdes, ist .1 lJ,ichbe,7saft's.

NINON
Herr Graf von Villiers, Euch
M6chr ich nun danken. Euch' -
(Sic strickt thbn zJag .e Htlanu entgegyen..
K'ilrr mir die Hand!
Und was rracht Euer Arm' Habt Ihr noch Schmerzen:






VILLIERS
\i . \ grig seid Ihr doch um ihn bL'orr . Nein.
Ich darF ihn schon bewiegen.
(Er '.in:t .n in ati dJer B;,n./e'.)
Da!

NINON
So gebr
Mir diese tHand. Ilier biL, das 'tFerd- Hier oben,
Nichr \wahr? Das garstige Tier, uie konnr es! Pfui,
Fs mulC ein b6ses Tier geween sein.
Ihr hihr es hoTfenrlich gewechlelt, Graf?

VILLIERS
( nein, dies PFerd und ich sind alre Freunde,
Ich bracht es nich Paris aus nreiner Heirmar.
Es iar bisher mcin bester Freund, mein Fraulein!

NINON
Und dennoch biGC e LEuch, wie selisam Sagr,
Herr Graf, Ihr kamr mic unsrem Prinzen nach
Paris und icillter ordcm Ji Verbannung-

VILLIERS
Ich bin seir cinem halben Jlhr im Dienste,
Fraulein. Als iih die NiLcderlande kaum
Erreicht, vers6hnre sich der Prinz mir der
Recentin und wiir iarrelren die Pterde.

NINON
Dr:ch fruher? Sehr, Herr Graf, wenn Ihr die Krile
Nicht 'tirchrec und der Tanz nicht allzusehr
Euch iockt, war ich Euch dankbir, wollcer Ihr






Hier be! mir bleiben und ein uenig mir
\'n Euch erzihlen. Dir~e Nacht ist schon
U .d klir. \ielleichr die llerlcrtre, die uns
No:h Sterne zeigr. Klum spurt min Tiu im Gras.
Seh-: meine Hjnd bliel rrocken. \Vollt Ihr, Graf"

V1LLIERS
Wie gurii sprecht Ihr doch zu mir, mein Fraulein .
Kium kann ich clauben, dlf, Ihr ernstlich idnschr,
Von meinem Lcben ernias zu erfahren.
Auch IwuClr ich nichr, \ is drinn:n rt:izv,.ll wii r!

NINON
Doch doch! Ihr mirc es run. Dies ist ein Zoll,
Den ich von neuen Freunden srers erhebe . .
Ihr sprichr von Eurer Heimrt. Liecc Iie tern"
(Sie Swr f c/fi'.
VILLIERS
Ich .uijchs im Noren iu', in tincm Schll?'
Der Normjndie. V\on meincn Eltern il. ich .
Doch sa2r, mein Fraulein, sait mir, ists Luch Lrnsr:
Mir ist so sonderbar, dai einer Lommi
Und mich nich meinem Leben friLr. \\'is liegt
Euch dran . und mit ir rds schLwer, dJavn ,u sprechen.
NINON
Doch bitr ich Euch! 1st es so harr, die Liune,
Die eine schone Frau uns merken lajCt,
Zu srillen" Lieber Graf, man sei pglanr!
VILLIERS
Nun sporter Ihr! O sprechr ,ie firuher. Fihler,
Dalj Eure Gute mich bestirrr. Nuch niemals






Sprach cine Frau zu mir, wie Ihr heuE abend
Spracher und neulich bend. Glauht, daC wenn
Ich ziigre, dies nichr Kjite ist. Glaubt mir.
Ich will mein Leben \.r Euch niederlegen,
\ie ein \erk'utfer einen Teppich breiter,
Doch ftrclih ich sehr. es ist nichrt weich i enug.

NINON
. . Nun seid Ihr liebensw6rdig, Graf.

VILLIERS
Ich sagre,
Da. meine Elern nicht von mir gekannr.
Als ich ein IKnibe iar, glaubt ich si rot . .
Und meine Mutter isr es w,.hl. Viellcicht.
Sie w\ir mit meinem \'Vaer nicht verbunden
Durch cin Gesect. Dies ,eiCl ich nun . und darum
\\'ard ich, wiec's silche Kinder sind, recht einsam.
Oh ich lermure, ter mein \'rer is ...
\o'llct nicht fragen . Nennen u erd ich ihn
\\'ohl niemils so di ist es eincre i.
Still wvuchs iih aut, gehuter von bestellren
Hfirern.

NINON
V'on diesen sprechr mir, Grat' Erzahlt
Mlir iel . .

VILLIERS
Versrteht: ic iwaren freundlich sters
Alit mir und nrgren gut fur mich. doch etwas
Fehlre in meinem Leben, das ich nicht
Zu nennen well. Ihr wilft, dal. Kinder seltsai






In ihrem Fuhlen sind . Oft uacht ich weinend
De< Nachts in meinem Berre auf und sehnre
Mich so nach irgend ertia, daft ich schrie
Und um mich biL', Lenn wer mir nahen nollre.
In andren Njchten la| ich reglo' da
Mit offnen Auten, und am andren lMorgen
Fand 5ich, dAl) meine Kissen oft 'o nalt
\'on Tr;nen warren wie ein Tuch, das min
Im FluC. gerischr. Dann wieder hart ich Traume
\'oll wilder Seligkeiren, und Gesichte,
Die meine \angen heizren wie im Fieber. -
Doch schrecklich %,ar nun morgens dis Erwachen,
Alein Gott, wic schrecklich var der gleicher Tage
Endlose Kettc, jls ich alter wird.
Ich weinte scliner, hatre keine Traume
Und t'ihire alle Dinge wie umllossen
V'on einer dumpfen Bangickeit und Trauer
Um etwas, das gewesen oder das
Noch kommen .solre. Kennr ihr Alpe, da man
Laur ruft und keine Stimme h6rc, nach ertias
Fassend ins Leere greitr, in tore Luft,
Schreirend nichr vorwartskommc urnd endlich vor
Entsetzen, Qual und namenlosem Schauder
So autfchrein will, daj faair der Schadel birst,
Und dann die eiene Stimme meilenfern
\'ie cinen Ililfeschrei und Todesruf
'erhallen horr? So schien mir damakl dieser
Mein eigner Leib rief in sich selbsr verbannr
Zu sein und um ihn eine groL'le Leere,
Drin Schemen schwankren s'., wie srumme Fische.
Dann kam die Zeit, iin man mir W\aten gab






Und auch mein Pferd . .
Um Gorr, mein Friulein, sneint Ihr?

NINON
Ich hdre Eure rdhrende Geschichre
Und denke allerlei . .
(mit lei.'nsd/'.;/J;/c.ir t nitgkcitI
Nichr wiahr, nun liebret
Ihr Euer Pferd, und preltret Euren Kopf
An seinen braunen Hals; und Euren Decen,
Den stellter Ihr des Nachrs an Euer Ber
Und traumter von Gefahr und Abenreier,
Einsam in Eurem keuschen Knabenbetre!.

VILLIERS
So tar ich wirklich, Fraulein!
(Er sh,'ii'krt ./ft :,'.1 ,rired lr 5ic, ';Alc- dlen B.,schen ,'n.)

NINON
Graf, was hibr Ihr'
VILLIERS
Mir war . als ruhre jemand hinter uns
An diese Zweige.
NINON
Nein, Ihr r.iuchter Euch.

VILLIERS
Mir ist so selrsam schon die ganze Zeir,
Als wi.re irgendwo ein Dritner noch
Und h;irt' uns zu.
NINON
Nein, ncin, mein lieber Graf,







\Vir sind hier ganz allein, allein hier vor
Einander, ich und Ihr, und niemand hbrre Euch.
Es knistern wohl die Zweige nur . Min Gont,
\Vie war mein Leben anders ls das Eure .
Diewell Ihr winter nachos in Eurem Bett,
Hib ich gelacht. Die gin;e \\'el wiar mir
Ein lichter Garten \oller sui!er Frachre,
Die ich nach Lust gepiluckr, gekoster und
NMch Lust veruorfen habe . Graft, ie schmerzlich
Ist doch von zweien Leben der \ergleich,
\V'cnn sie eininder w, verichieden waren,
\Vie Eures hier und wie das meinie.

VILLIERS
Ja, Euer Leben, Euer riu-chcnde
Lebendiges, wie traumt ich dimial doch
Von Euren Leben und vor. Euch in suLCer
Verwchtie.,ner Knabencnrnkenheic, wie war
Mir luer Name doch ein gro es \\under
Voll Glanz, Geheimnis und voll Lieblichkeit.

NINON
Was sprechr Ihr?: l'uirte Ihr denn irgendwie
\'on mir, als Ihr ein kind, ein Knabe ware?

VILLIFRS
\1'enn ich des Abends mud nach Hause kim
Von Jagd und Ritt und eingebildteer
Get'hr, gino ich sehr oft im Schloi, hinab
In einen Saal, wo dJs Gesinde saG..
Zwar fTihlt ich jene llenschen so wice fremde
Alir nicht verwandre Tiere, doch ich liebt es,






Sie anzuschaun und ihnen zuzuhoren.
Und einmal war da eine neue lMgd,
Die wohl hier in Paris im Dicnst Igeesen,
Und diese sprach vn Euch und sang beim Spinnen
Lieder, darinnen Euer Name wie ein Amen
Der Liebe jede Zeile suC. beschloCC.
Und diese Lieder priesen Eure Schi6nheit
Und Eurer Liebesibenrcuer stole
Beruhmre Zahl wie Siiege eines Kr;nigs.
Und diese Ma-ad erzhilre auch, dil. Ihr
Nchsr Anna \on Bourbon die schonsre Frau
In Frankreich seid, und kliger noch als alle
Frauen in Frankreich scid, und jeder Mann
Alit seinem Leib und seiner Seele Euch
'erfallen sei, "o Ihr ihn angeblickr.

NINON
Die Dichrer fanden Srtff in meiner Jugend
Zu dummen Liedern, ja, ich wieir es.

VILLIERS
Fraulein,
Ich liebte diesel dummen Lieder damals!
lein Geist umgab Euch so. mit Herrlichkeiren,
Dat. Ihr riie eine Kb.nigin durch meine
Traume hinschrirrer, rsolz und marchenhatr,
Und Euer Name bald der Name \iurde
Flir \was das kind vermiC'r und was der Knabe
In scheuer namenloser Sehnsuchr wuinsche . .

NINON
\\ie seltsam die . mein G.:r.







VILLIERS
Man sang ein Lied
Aut Euch, Ihr kennrs gei'i.i, die grausarme
Ballade von dem Ritrersmann, der seine
Vielliebe Mutter schlug, da Eure Laune
Ihr Herz als Futter Lures Hundchen %,unschre.
Und denkt, auch dies begriff ich! Ja, dies Opter
Schien mir der schr.nsre Sieg der Schnheir Ninons.
Mein Gortt, wie fallt mir alleys ein! -- inmal
Da kam ein Knecht von draulen in den Sail
Und neckre sich mit einem hLbschen Madchen
Um einen Kut., und dieses riet im Scherr.
,,Heilige Ninon, hilt rmrir." Seht, mein Frulein,
Am andren Morgen ritt ich dann zum Handler
Und suchre unter seinen trommen Bildern
Nach einer heiligen Frau, und diese kau'r ich,
Hing sie zu Haupren an mein Bertt und nannre
Srtarr ihres Euren Namen, wenn ich bar.

NINON
\Vie wirzig wilo.r Ihr zu crzahlen, Grat. .
Dunkrs Euch nichr selrsam, daC, e nun s.i kam?
DIC. Ihr hier bei mir sirzt und mir erzjhlt
'on eincm Knaben, der von Ninn triumre .
Und dieser knabe warer Ihr . vie seltsam . .
Und ich bin Ninon . .! (Lj.ic'd':. Gore, das Leben ist
So sonderbar verflochren -Ft . Nichr rwhr-
Doch lassen wir den Knaben nun mit seiner
Heiligen Dame, die mir wenig gleichr,
Mein licbtr GraF und sict mir ertas von
Den Niederlanden.







VILLIERS
AIN ich sie erreichre,
Schliff unser Regiment die Eien, und
Mln lube nur dies eine \\'ort: Paris!
Und dieses \Wort ergriff mich uie ein Fieber.
Ich sah und horte nicht und dichte nur:
Paris! Paris' und traumte nur Paris!
Paris malt ich mir aus mir heilen Sinncn
Auf langen Ritrtn in der Alitgrrisonne;
Und 'wenn ich abends einschlief, .wr Paris
Der letzre Ljut, den mein Be'wu'r-tein Cand.
Denn diese Stadr schicn rrir das Ilerrlichste
Aut Erden, bjnger \\ insche endliche Erfullung
Und meines Lebens Sinn und Ziei ;u sein.
NINON (/t.l.fit)
\\ie kann ich di v\erstehn, Vie ic ur, .ie gur!
In dieser Liebe, GraF, kenn ich mich ius.
Sat r mir . und welchen Eindruck michte Luch
Paris?
VILLIERS ,ir :,an
Paris!... ich sji nur Euch, nur E cli,
Mein Fraulein.
NINON (.'.l;lc./
Sehr .. wie h.;flich kLnnt hr sein .
Man m.rkt, djaC Ihr \-.'n H.t.c konmmr, Herr Graf,
Geschickte ArriLgkeiren sind icr r Mode!
D i_.ch eta s \\ahres isr dirin, dal:, diese
Sradr und ich blutsver\mindr und eines \\esens
In unsrem Herzen sind. \\ir nehmen beide
Das Leben leicht und vie ein flichtig S[piel.







Und dieses mul, man uns zugure hilren,
Mein lieber Graf, denn manchmal run wir unrechr.
Gott, wir sind oberflchlich dies Paris
Und ich! ... Langcil ich Euch, mein lieber Graf,
\'ollr Ihr nicht licber ranzen, als hier drauC en
Schiwatren mir einer altern Friau Auch ich
Bin drinnen eine Sarabande schuldig. -

VILLIERS ((.*,: tin. ,.,t)
Ich danke, Fraulein, denn ich ranze nie. -
Ihr sahr, ich ranzre auch in jener Nachr nichr,
D: mich mein Pferd vwr Eurem Fenster biC..
( 'iVno: sclne'tt i, JI, Ho.,e, i..t '; 1 :'iem., En.set:rn

NINON
Scid Ihr besessen, Graf, vor meinem Feniter!

VILLIERS i ehini.ic/'t'[il.)
\'iC.r Ihr es nun- Ich liebe Euch.

NINON
Sch VILLIERS
ich liebe Euch, und divse Kuhnheir, daii ichs
Sage, erwiiret mich fast .
NINON
Um G:orr seid still'
V ILLIERS
Ninon, ich liebe Euch . .
NINON
So schweirL doch still,
Mein lieber, curer Graf.







VILLIERS
Seit ich Euch sih,
Mir caller Leidenschaftlichkeir des wachen
Durch Euch erweckten Lebens. Dies m-in junges
Tosendes Blur har immer Euch, nur Euch
Gekannr, als es noch schliet .

NINON
Mein Gorr, mein Gorr!

VILLILRs
Ja, ruter Go.cr, ich liebe Euch, und mich
'erlangt nach Euch, wie uns nach Gore
In Nor und Pein.
NINON (lifti lefet'lend.ll
Ihr raur, ich birr Euch, schueigr!
Ich wills!
VILLIERS
Ich fiehe, Ninon, h rt...

NINON (in vercwfil-/temn Zorni
Seid Ihr
Ein Knabe, welcher abenreuert: Brichr mich
Ein Zufall di auf Euren \We', und meinr
Ihr nun, daCi die berimhmie Ninn Ziel
Lnd h6ichsrer Ruhm auf Liebespaden . Nein,
0 nein, so srehr es doch nicht, GraCt von Villiers!
\'enn Euer Blur Euch ierzr zu Frauen rreibr,
So gehr an einen richcigen Orr, es gibe
\%.ohl iele in Paris!
(Sie liLci.t .nif Sie i..k nie.ier. H/f'iq tnd wrtiniJd)
So eeht doch, Gra'!






VILLIERS
Vergebr, vergebr mir, Friulein, meine kuhnheir.
Ihr dijrfr mich schweigen heiBen. gehen heilen,
Doch eines durt'r Ihr nichr: mich miCversrehn!
Ich liebe Euch mit aller Heiligkeit
Des keuschecten Gefuhls in mir und bebe
Vor Euch so u ie ein Frommer vor der Hosrle.
Die Priesterhinde fern im Golde halren.

NINON
O Eure Stimme ... Eure Stimme . .

VILLIERS
So liebt
Ihr meine Srimme" Gotr, dann will ich sprechen
Die Tag und N.chre lang ohn Unterlab,
Als ob mich Tl.d beim ersten Schweigen irate .
UnJ was Ihr uollt! Die grolen Verse des
Corneille will ich in einem Arem singen . .
Und uas Ihr wollt. Auch meine Liebe, Ninon!
Denn uenn ich 'prach. so war es Eure Gire
Und Freundlichkeit, die iie ein Sonnenschein
Mich locked tra .

NINON (ilt.t auf.,
Ihr foltert mich zu Tode!

VILLIERS
Frech Uar ich nichr, bei Gout, ich war nicht frech!

NINON
Doch rasend, rasend!






VILLIERS
Rasend, Ninon, ji,
Vielleichr, denn cehr: Ich liebe Euch und raumle
So wie ein Trunkener in wilder Laune
Durchs Leben, das durch Euch lebendig ward.
Ich liebe Euch, und Eurer Schiinheir groC.e
Unbindige Gewalr har den \'erstand
Mir ausgedirrr, so lieb ich Euch.

NINON wrirft stch isr di.' Kniee)
Mein Knabe,
Mein siiler Knabe, sehr, auf meinen kniee.
Fleh ich Euch an: O sprechr nichr %weirer!
Ich habe groCe Schuld vor Euch und sterbe,
Wenn Ihr niche cchweigt'

VILLIERS
(beeckt re.n Gesicbt wit seine's H.inden, bebend)
Sreht aut, ich schweige gern,
Nur stehet aut!

NINON (t.'ht a,.i/ rt.big)
. Es ist in meinem junger.
Tastenden Leben eine Zeir \erflossen,
Da Euer \'arer so zu mir von Liebe,
Von seiner Liebe sprach, wie heure Ihr ..
Und er war glucklicher.

VILLIERS (mafllos)
Ninon, ich uweil
Von Vitern und von Sohnen, die sich wiirend
Mit Dolchen rrafen ur dieselbe Frau ..







NINON i .in Juferjflr Erregungi
Nein, nein . ein Corr, Ihr winder mir Gewalt
Mir Euer eignes Schicksal aus den Hinden.
Ich kann nichr mehr! Es lebt tin Knabe wo
In Frankreich, Gra', den ich gebar und fortgab,
Weil ich nichr w'ulre, ie man Mutter ist,
Und ueil sein Varer ihn zu htiren wiinschte
Starr meiner, die ein Kind von Sechzehn war.
Und dieser arme Knabe rrLgt durch unsres,
Des lcrzren Konigs Gnade diesen Namen:
Vicmrte \on Villiers, Furtn Namen, Graf.
(SrtiLe.)

VILLIERS
W ie seid Ihr schcn, mein Gorr, wie seid Ihr sch6n.
Ihr sagrcr errwas . nd ich hort es auch.

NINON
Begreift Ihr nun den ungeheuren, frevlen,
So schauerlichen \'ahnwirz Eures Rasens?
Mein warmer lieber Knabe! Gerne hbrt ich
Den Abgrund luch scrhtillr, an den uns beide
Das Schicksal rib.

VILLIERS
Ihr sagter, dal . GewiJ,
Nun wird man bald ein neurs Lied auf Euch
Und Eure Schonheir dichren. Sehr, es kam
Ein Mann, und der war Euer Sohn, und kam
Und liebre Euch und srarb daran. So sch6n
Seid Ihr! Ihr sprachr vom gleichen Blur in Euch
Und mir. Doch Blur wascht BluE. Dies ist ein neuer






Unsterblich schoner Ruhm fdr Eure Schbnheir.
O wie begreif ich jetzr den vorgeahncen
Geheimnisvollen Sinn von mir und Diesem!
Die Menschen ierden Cuch Airare bauen,
Und Euer Name wird den Liebenden
Ein Beren sein roll ungeheurer Inbruntr.
Und auch den meinen wird min nennen missen:
Gaston-Roberr Florien, \icorire von \'illiers!
Heut will er ranzen, Ninon, und er grulct uch!
Taumelnd griiC ich Euch und Euer ichbnes
Strahlendes Leben, Ninon. Leber w'ohl!
(Der Graf run I ilters starrnt den reiibten Seitenweg in den Park
hinein. Ninon irrt his an die I 'ebieti.T tnd ; tut' in .iufleriter
Angst hinter ibAm hern

NINON
Mein Gorr... uo uollr Ihr hin.. nichr diesen Weg ..
Dort ist kein Augaing, hier, Ihr mur . .


ZW'OLFTE SZENE

Ninon schbrre gellenid a lt scibrmankt etne Selunde z waschrbe den
beiden I'eieu und taurnelt J.i n z, rit dem wirrr'n obnmicrhligen
Bestrebhn zu lajtnf', den H-auptweg entlan? nacb der Treppe.
Gleichzrtig fligt oben die T. r auf, und der MlIarquis von I izar-
ceaux, Marion, der .larqug s ron Serigne und andere Gistte Ni-
nons eilen in liiast und Schrecken die Treppe hi nab. I "on der an-
deren Seite laufen Diener berbei.


VILLARCEAUX


\'er schrie.'







SMARION
Mein Gotr .

SEV'IGNE
Es schrie doch iemand.

MARION
Ninon, liebsre ...

VILLARCEAUX
Hib- Ihr geschrien-
(Ninon lent rich mirt esch/hssen'n .-ly. Ir, Ibinnenden Armen und
zuruckebem!::m K.f', an den ,larqur;s un %pitpc'a.m wie an
cine Ij'and. D.ini macnl lie mc den emnen Arm eine ungenai.:,
ertias von sic-h abJciebend. Geb.irde nuc' ruckwirts.)

NINON
Es fiel ein Minn'

\ ILLARCEAUX
Marquis
Von Sivignd, ich bitt Euch, ichnell!

SEVIGNE (zu den Dieern)
Nehmr Licht,
Hierher!
(Die Diener whben d:e Srocklaternen aus dent Boden und folgen
mer einem Tril der Girre dem varaneilendn Mlarquir von Se'igne.
Alan during run ailen S eetn n n de Parl. Iun Zett :u Zett
chinminrrn die Laternen durh Jar G.iit.)

VILLARCEAUX
Wa- ist denn nur geschehn;

MARION
So sprich doch!






(Der alte Alart/l.a' d Lirre krwi nmat m etirn AFnleustbter in
dtr Hand oben ans dirr Tr nd steisi ctwar alurssclhaach d'i
TrepPt hinunter.)

D'ESTREE
Wir hdrren einen furchrbar wilden Schrei,
Habt Ihr so laut geschrieen, Ninon? Sagr,
Was isrt
(Der MAarquis vin Sv'igne trill eiliC an Nincni nd I ilarceaux
heran ,nid meldet, mehr zu dsem gerwandt, leise und bst/it)

SEVIGNE
Der Graf von Villiers liegr am Boden,
Den Dolch im Herzen und die Hand am Griff.
Er lhcher . .
(Ninon elitter faist lajnds von drr Sclultir thrc Freundes nacb
hintenitr in stinein Arm. Der alre Alarschall tit nun, obne dre
Meldun Sviergns phbort cu haben, its aif die unterste Stufe pe-
langt. Lr berugtsicb uter die sinkinde Nino, belbt dn Atnml.tch-
ter in dlt Hobe, uin; il.r Gesicti :zi iesltnen, huJ dfrat erstaunt
und e sc reckm

D'ESTRLE
Wird Euch unwohl, liebsie Ninon?





















Druck der Offizin
W.Drugulinin Leipzig






INSEL-VER LAG ZU LEIPZIG


Dichtungen von Ernst Hardt

AUS DEN TAGEN DES KNABEN. Gedichre. Zweite
Auflage. Gehefrcr AM. -.. :, in Pappband Mi. 3..c., in
Pergamenr M. 6.-.
BRIEF AN EINEN DELITSCHEN INS FELD. 6. bis
ic.. Tausend. Mir Titelholzschnirr 'on Walter Klemm.
Gehefrer AM. -.:.
GESANNMELTE ERZAHLLNGEN. ;. und 4. Tausend.
Gehefrer M. 3.-, in Pappband M. 4. :.
GUDRUN. Ein Trauercpiel in ft'nt Akren. I bis I;.
Tausend. Gehefrer M. 3.-, in Leinen M. 4.c..
JOSEPH KAIN7. Verse zu seinem Gedichrnis. Karnonier.
M1. i.;c.
DER KAMPF. Ein Schauspiel in vicr Akren. Zueite Auf-
lage. Gehefter hi. ;.-, in Pappband .M. 4.-.
KONIG SALOMO. Ein Drama in drei Akren. Gehetrer
M. :.;c, in Halbpergament Al. .5so.
SCHIRIN UND GERTRAUDE. EinSchermspiel. -.Tausend.
Gehefrer MI. .-, in Pappband MI. 4.-.
TANTRIS DER NARR. Drama n fint'ALten :9.-;-3.Tau-
send. Gehefrer l. ;.-; in Leinen M. 4..,.
AN DEN TOREN DES LERENS. Eine Novelle. (Insel-
BLcherei Nr. i .' bis 6:. Tausend. In Pappband
Mi. -.-c.
TOTE ZEIT. Drama in drei Akien. Zweite Auflage.
Gehetter MA. 2..c, in Pappband M. ;.-




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