• TABLE OF CONTENTS
HIDE
 Half Title
 Title Page
 Table of Contents
 Foreword
 Die verfolgung de antiochos...
 Die erhebung. Juda der makkaba...
 Auf dem weg zur unabhangigkeit
 Judaa ein hellenistisches furstentum...
 ProzeB and Wesen des makkabaischen...
 Von Alexander jannaios bis...
 SchluBbetrachtung
 Nachbemerkung
 Zeittafel
 Stammbaume: Das haus der makkabaer...
 Palastina zu zeit der makkabaer...
 Back Matter














Group Title: Makkabaer
Title: Die Makkabaer ; eine darstellung ihrer geschichte von den anfängen bis zum untergang des Hasmonäerhauses
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 Material Information
Title: Die Makkabaer ; eine darstellung ihrer geschichte von den anfängen bis zum untergang des Hasmonäerhauses
Physical Description: Book
Language: German
Creator: Bickermann, Elias
Publisher: Schocken Verlag
Place of Publication: Berlin
Publication Date: 1935
 Subjects
Subject: Jews -- History -- 586 B.C. 70 A.D.
Maccabees
 Record Information
Bibliographic ID: UF00024512
Volume ID: VID00001
Source Institution: The Isser and Rae Price Library of Judaica
Holding Location: The Isser and Rae Price Library of Judaica
Rights Management: All rights reserved by the source institution and holding location.

Table of Contents
    Half Title
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    Title Page
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    Table of Contents
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    Foreword
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    Die verfolgung de antiochos epiphanes
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    Die erhebung. Juda der makkabaer
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    Auf dem weg zur unabhangigkeit
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    Judaa ein hellenistisches furstentum (johannes hyrkanos)
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    ProzeB and Wesen des makkabaischen hellenismus
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    Von Alexander jannaios bis pompeius
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    SchluBbetrachtung
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    Nachbemerkung
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    Zeittafel
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    Stammbaume: Das haus der makkabaer (Hasmonaer) & Die seleukiden der makkabaerzeit
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    Palastina zu zeit der makkabaer (Landkarte)
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    Back Matter
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Biicherei des Schocken Verlags








DIE MA K KABAE R


EINE DARSTELLUNG IHRER GESCHICHTE VON DEN

ANFANGEN BIS ZUM UNTERGANG

DES HASMONAERHAUSES

VON

ELIAS BICKERMANN























1935



IM SCHOCKEN VERLAG / BERLIN


!M.lSiT'Y OFFLORIDA LIBRARIES






































Gedrnckt bei Oswald Schmidt G.m.b.H. in Leipsig










Inhaltsverzeichnis




Die Verfolgung des Antiochos Epiphanes.. .. .. .. .. 8


Die Erhebung. Juda der Makkabier .. .... .. .. .. 22


AufdemWeg zur Unabhaingigkeit .... .. .. .. .. 40


Judia ein hellenistisches Fiirstentum (Johannes Hyrkanos) 49


ProzeB und Wesen des makkabiischen Hellenismus .... 53


Von Alexander Jannaios his Pompeiup .. .. .. .. .. 63


Schlulbetrachtung .. .. .. .. .. .. .. .. .. 71


Nachbemerkung .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 75


Zeittafel .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. .. 76


Stammbaume: Das Haus der Makkabier (Hasmonder) .. 78


- Die Seleukiden der Makkabierzeit .. .. .. .. .. 78


Palastina zur Zeit der Makkabier (Landkarte) .... .. 79










Die Geschichte der Makkabaier umspannt den Zeit-
raum eines Jahrhunderts. Sie beginnt im Jahre
167 v. Chr. in dem Augenblick, als Mattatia, ein Prie-
ster aus dem )Haus der Hasmoniierm um der Tora
willen zu den Waffen gegen die Fremdherrschaft griff,
und sie endet an jenem Sabbat im Herbst des Jahres
63 v. Chr., an dem romische Legionfire den Tempel-
berg erstiirmten und der romische Feldherr das Aller-
heiligste betrat. Der ihn und seine Truppen nach Je-
rusalem geftihrt hatte, war ein Urenkel Mattatias,
Hyrkanos II., der mit dem eigenen Bruder Aristobul
um die jiidische Krone kampfte.
Dieses Ende ist von der moralisierenden Geschichts-
schreibung dem so uniihnlichen Anfang oft gegeniiber-
gestellt worden. Uns soll dieser Gegensatz die Dauer
eines Jahrhunderts vergegenwArtigen, das innerhalb
dervon Gott dem einzelnenMenschenleben gesteckten
Grenzen zugleich viele aufeinander folgende und von-
einander verschiedene Geschlechter aufsteigen und
niedersinken sieht. So umschlieBt auch der Begriff
)die Makkabaerm fiinf Generationen, deren jede ihr
eigenes Antlitz hat. Wenn ihr Jahrhundert dem spai-
teren Beobachter als Einheit erscheint, so liegt das
nur an seiner Kurzsichtigkeit. Wollen wir also die Ge-
schichte der Makkabiier verstehen, so miissen wir auf
Zeiten und Jahre achten, in denen die Ereignisse- bald
langsam, bald wie im Sturz abrollten.







Die Verfolgung des Antiochos Epiphanes

Zu Ende des Jahres 167 v. Chr., es war etwa im De-
zember, wurde auf Befehl des damaligen Oberherrn
der Juden, des Klinigs Antiochos IV. Epiphanes von
Syrien, der Tempel auf Zion entweiht und dem Got-
zendienst iibergeben. Zugleich damit wurde das >)Ge-
setz Mosise durch einen ErlaB des K6nigs aufgehoben.
Die Beobachtung der Vorschriften der Tora, wie die
Beschneidung der Sohne, die Heiligung des Sabbats
und der Neumonde, wurde vielmehr unter Todesstrafe
gestellt. Nicht genug daran, war es den Juden aufer-
legt, den Gottern der V6lker zu dienen. Ihnen wurden
nunmehr an allen Orten AltAre errichtet, und der Be-
v6lkerung wurde aufgetragen, den neuen Gottheiten
Opfer zu bringen. Gerade das dem Juden unreine
Schwein war diesen Gottern die genehmste Gabe. Sie
wurde ihnen auch auf dem Brandaltar des Heiligtums
von Jerusalem dargebracht, auf dem bisher Tag fur
Tag, morgens und gegen Abend, das Opfer fuir den
Gott Israels geschlachtet worden war. Der )>Greuel
der Verwiistunga lag iiber dem Heiligtum und der
Zorn Gottes fiber dem Volke. Niemals vorher und auch
nie nachher war die geistige Existenz Israels so ge-
fhlirdet. War es nicht die letzte Drangsal, jener )Tag
des Herrnm, der so oft von den Propheten angekiin-
digt und angedroht worden war? Uns ist ein Buch aus
der Verfolgungszeit erhalten, das biblische Buch Da-
niel. Inmitten der Triibsal fand ein Seher den Sinn
der alten Verkiindigungen von den Weltreichen, ihren
Kriegen und den Nbten des heiligen Volkes. Sie schie-
nen ihm von seiner eigenen Zeit zu reden. Und so hat
er sie auch fur seine Zeitgenossen gedeutet und den
Ereignissen wihrend der Verfolgung durch Epipha-







nes angepaBt. Er fiihlte das Ende der Zeiten kommen.
Und er erblickte keine andere Rettung fiir das Volk
als den unmittelbaren Eingriff Gottes. Wohl war es
ihm bekannt, dafB die Romer soeben Epiphanes aus
Agypten verjagt hatten und daB sich der Konig auf
dem Feldzuge im Osten befand; und doch wollte er
nicht an die Mdglichkeit denken, die von den Prophe-
ten oftmals verkiindet worden war, daB eine andere
irdische Macht in Erfilllung des himmlischen Planes
den Verfolger niederschmettern werde. Nein, auch
Agypten werde Epiphanes noch erobern, so sagt er
voraus, )und es wird eine Zeit der Drangsal sein, wie
noch keine gewesen ist bis der ))Menschensohn(
mit den Wolken des Himmels kommen wird, um die
Welt in die Ewigkeit zu regieren. Wer dieses Buch
las, der wuBte, daB vielleicht Gebet und Fasten, nie-
mals aber eine menschliche Tat den Gang der Er-
eignisse findern and die Zeit der Glaubensnot kiirzen
kftnnten.
Die Resignation Daniels ist nicht zufifllig. Die Sache
des Judentums schien verloren weil die Juden kei-
nen Eifer zeigten, sie zu verteidigen. Als zwei Jahrhun-
derte spAter der rnmische Statthalter Pilatus die Feld-
zeichen mit den Kaiserbildern in Jerusalem aufstel-
len lieB, zog das Volk zu ihm nach CAsarea und be-
stiirmte Pilatus fiinf Tage und ftinf Niichte, die Men-
schenbilder aus der heiligen Stadt zu entfernen. Und
als die Soldaten des Pilatus mit geziicktem Schwert
die Menge umzingelten, entbloBten die Juden ihre
Nacken; sie zogen den Tod dem Zugestiindnis vor -
und Pilatus gab nach.
Im Jahre 166 dagegen fiillte Jerusalem sich mit Denk-
miAlern des heidnischen Kultes, und die Obersten von
Jerusalem saint den Minnern von Judaa befolgten







gehorsamst den Willen des irdischen Herrachers. Man
richtete die Althire vor den Tiiren der HAuser her und
opferte darauf, um seinen neuheidnischen Eifer offent-
lich zu zeigen. Nur wenige erwiesen sich als standhaft
und iibertraten offen des Konigs Gebot um des Gebots
des lebendigen Gottes willen. Man ergriff sie, sie wur-
den gefoltert, gemartert und getotet.
Zahlreicher waren diejenigen, welche dem Befehl des
Konigs auszuweichen suchten. Ohne offen als Juden
aufzutreten, vermieden sie es doch, am Gotzendienst
teilzunehmen. Um auch sie zu erfassen, bereisten Ab-
gesandte der Regierung Stadt fur Stadt, um zum
offentlichen Abfall zu notigen. Auf dem Markt lieBen
sie jewels einen Altar errichten und n6tigten die her-
beigerufene Bevblkerung, den Gottern zu dienen und
vomr Opferfleisch zu kosten. Viele wiesen das Ansinnen
zurick und nahmen das Geschick von Blutzeugen Got-
tes auf sich. ))Sie werden zugrunde gehen<, sagt Da-
niel von ihnen, durch Schwert und durch Feuer,
durch Gefangenschaft und durch Pliinderung eine
Zeit lang.<
Im Laufe des Winters 166 erschienen die Zwinger zum
Abfall auch im StAdtchen Modein, das auf einem Berg
in der NAhe von Lydda, an der StraBe von Jerusalem
nach Jaffa gelegen war. Als der erste Jude aus dem
Orte an den heidnischen Altar herantrat, um nach
dem Willen des Konigs zu opfern, sprang aus dem
Kreis der Umstehenden Mattatia auf, ein Priester,
dessen Familie in Modein ihren Wohnsitz hatte. Er
erschlug den Mann, da6 er ihn iiber den Altar hin-
streckte, dann den Boten der Regierung, und er warf
auch den Altar um.
Die Legitimitlit des Vorgehens von Mattatia wurde in
der Zeit der Glaubenskiimpfe,im sechzehntenund sieb-







zehnten Jahrhundert, stark umstritten. Man leitete
aus diesem geheiligten Vorfall das Recht des Unterta-
nen her, sich der Obrigkeit in Glaubensdingen zu wider-
setzen. Diese Auffassung seiner Tat, die auch heute
noch ihre Bedeutung hat, wiirde Mattatia selbst be-
fremdlich, vielleicht gefihrlich erschienen sein. In der
Rede, die sein jiidischer Geschichtsschreiber ihm in
den Mund legt, bestreitet er nicht das Recht des Herr-
schers, die Satzungen der ihm untertiinigen Volker zu
findern, er widersetzt sich aber dem Befehl des Konigs,
weildieser demoffenbarten Gebot Gotteswiderspricht.
Es ist nicht der Kampf eines individuellen Gewissens
fiir die Denkfreiheit, sondern ein Konflikt zwischen der
irdischen Gewalt und dem Gesetz des Gottesstaates.
Mattatia stritt fdir die Tora, wie einst Pinchas, als er
Simri erschlug, der es gewagt hatte, dem Baal der
Midjaniter zu dienen (4. Mos.251).
Mit den Augen der weltlichen Gewalt gesehen war
aber die Tat des Mattatia ein Akt des politischen
Terrorismus. Vor der Strafe floh dann Mattatia samt
seinen fiinf S6hnen, Johannes (Jochanan), Simon,
Juda, Eleasar, Jonatan in die Berge Judiias.
In jenen Tagen suchten viele aus Israel die Einode auf.
Um den heiligen Bund nicht zu entweihen, zogen sie
)mit ihren Sohnen, ihren Frauen und ihrem Vieh< in
die Wiiste. Diese Form der passiven Resistenz durch
Flucht war im Altertum within verbreitet. Wenn der
figyptische Bauer durch Steuern gedriickt, der Schuld-
ner von seinem Glaubiger bedrAingt, oder spAiter die
Christen ihres Glaubens wegen verfolgt wurden, dann
entzogen sie sich auf diese Weise dem Zugriff des Staa-
tes, dessen noch recht unvollkommene Organisation
auflerstande war, sie alle wieder zu fassen. Sie verlie-
Ben freilich Haus und Hof und lebten fortan als arm-







selige Vagabunden )nach Art der wilden Tiere im Ge-
birgea, wie es von denMakkabiiernheiBt, aber der Staat
wurde durch Steuerausfall geschidigt und gab schlieB-
lich wieder und wieder nach, indem er Amnestien pro-
klamierte. Inzwischen aber suchten seine Agenten
ihre Hand auf die Fliichtlinge zu legen. So wurde im
Jahre 166 v. Chr. auch in Judia nach denen gefahn-
det, die das Gebot des K6nigs miBachtend sich in den
Schlupfwinkeln der Wiiste verbargen. Die Aufgabe
der Polizei war in diesem Falle durch jene jiidische
(Jbung erleichtert, welche den Heiden als Gipfel aber-
glaubiger Unvernunft erschien: um den Ruhetag
nicht zu entheiligen, leisteten die Juden am Sabbat
einem Angreifer keinen Widerstand. So konnte Pto-
lemaios von Agypten im Jahre 312 v.Chr. sich an
einem Sabbattage ohne Schwertstreich Jerusalems
bemichtigen. Auch jetzt unterlieBen die verfolgten
Fliichtlinge an einem Ruhetag jede Gegenwehr: sie
schleuderten keinen Stein gegen den Feind, vermauer-
ten auch die Hohle nicht, in der sie Rettung gesucht
hatten, sondern starben lieber, um nur das Gottesge-
setz gewissenhaft zu erfiillen, um dessen willen sie
ihre Heimat verlassen hatten.
Mattatia begriff: iwenn wir alle so tun werden, wie
unsere Briider getan haben, und nicht um unser Le-
ben und um unsere Gebote kfimpfen, so werden sie
(die Feinde) uns sehr bald auf der ganzen Erde aus-
gerottet haben. Mattatia und die Seinen beschlos-
sen also, am Sabbattag, wenn auch nicht anzugreifen,
so doch wenigstens sich zu verteidigen. Diese Regel
blieb dann bis in den groBen Aufstand gegen die Ra-
mer (66 bis 70 n. Chr.) in Kraft.
Den Heutigen erscheint diese Interpretation des vier-
ten Gebots als die natiirliche<<. Wie wenig selbstver-







standlich sie in den Tagen der Makkabier war, ersieht
man am beaten daraus, daB das in der Diaspora ge-
schriebene )zweitea Makkabaierbuch den BeschluB
nicht nur verschweigt, vielmehr die Beobachtung des
Ruhetages durch die Juden nochbesondershervorhebt.
Erst im zweiten nachchristlichen Jahrhundert stell-
ten die Rabbinen den allgemeinen Grundsatz auf: der
Sabbat ist dir gegeben, und nicht du dem Sabbat.
Noch bedeutsamer ist aber die Tatsache selbst, daB
Mattatia das Gesetz aus eigener Machtvollkommen-
heit zu deuten gewagt hat. Denn das war in seiner
Zeit das Privileg des Hohenpriesters und seines Rates,
welche Jerusalem und Judaa regierten. Es war der
Hohepriester, dem von Gott ))Gewalt fiber Satzung
und Recht gegeben war, damit er das Volk seine Zeug-
nisse lehre und die Sahne Israels unterweisec. Indem
Mattatia, ein vorher Unbekannter, einer unter Zehn-
tausenden von Priestern, sich entschloB, das her-
klimmliche Gesetz zu deuten, seine Deutung dem
Volke aufzuerlegen, und also in die Befugnisse der
hohepriesterlichen Herrschaftsrechte einzugreifen, er-
hob er sich, vielleicht ohne noch daran zu denken, zu
einer Gegenregierung. Darum ist sein BeschluB zu
einem Wendepunkt in der jiidischen Geschichte ge-
worden. Seine Maflnahme verlieh ihm unmittelbar
die Autoritat eines Fiihrers. Die ))Gemeinschaft der
Frommenc, eine fur das Gottesgesetz eifernde Bru-
derschaft, schlolB sich ihm an, und all die vor dem Un-
heil Fliehenden fiillten seine Scharen auf. Sie, die
Haus und Hof verlieBen, um vom Gesetz ))weder
zur Rechten noch zur Linken abzuweichen(, wur-
den durch jene MaBnahme zu einer Einheit zusam-
mengeschlossen, welche um der Tora willen die Tora
verletzte.







Durch Zulauf verstiirkt, entschied Mattatia sich zu
einer zweiten folgenschweren Handlung. Bisher war
er, wie die anderen Fliichtlinge, den koniglichen Be-
fehlen ausgewichen, um in der Einede den freien
Raum zur Erfiillung des Gesetzes zu suchen. Nun-
mehr beschlossen die Makkabiier, ihren passiven Wi-
derstand durch einen Angriffskampf zu ersetzen. Sie
drangen auf Nebenwegen heimlich in die Dorfer und
riefen die Kampflustigen zusammen, bildeten so eine
Kriegsmacht, zogen mit ihr rings umber, zerstOrten,
wohin sie kamen, die Altare der G(ttzen, erzwangen
die Erfiillung der Tora mit Gewalt (indem sie zum
Beispiel iiberall die unbeschnittenen Neugeborenen,
so viele sie ihrer fanden, beschnitten) und schlugen die
abtrunnigen Gesetzesverletzer. So befreiten sie die
Tora aus der Hand der Heiden, wie ihr Geschichts-
schreiber sagt.
Es waren aber, wie aus diesem Bericht hervorgeht,
Juden und keineswegs Heiden, fiber die der Grimm
der Makkabfier sich ergoB. Eine aktive Minoritat -
]kleine Hilfe< nennt sie Daniel-, versuchte die Schar
der Makkabaer dem Volke sein Gesetz wiederzubrin-
gen. Dieses Gesetz bedeutete keine Neuerung, son-
dern es war die Weisung Mosis. Wie konnte es also
dazu kommen, daB das hartnickige Volk vom Bund
der Viter abfiel, und sich zu den Gottheiten der Hei-
den verfiihren lie8? Warum wurde der Kampf der
Makkabaer zu einem Biirgerkrieg innerhalb des jiidi-
schen Volkes, und nicht die einmiitige Abwehr des
Volkes gegen die von drauflen kommende Verfolgung
des Syrerkdnigs?
Bis auf Alexander den GroBen bildete jedes orienta-
lische Volk eine geschlossene Einheit, die sich von den
anderen deutlich abhob. Natiirlich beeinfluBte auch







in diesem Zustand eine Kultur die andere: das bi-
blische Buch der Spriiche Salomos<< zum Beispiel
enthfilt zahlreiche Gedanken und Aphorismen, die
dem Agyptischen Weisheitsbuch des Amen-em-ope
entliehen sind. Besonders hunter der zweihundertjAh-
rigen Herrschaft der Perser bildete sich eine Fiille von
gemeinsamen Anschauungen und Vorstellungen bei
den verschiedenen Volkern heraus. Es gab aber keine
gemeinsame iibernationale Zivilisation: ein Jude blieb
Jude wie ein Agypter Agypter.
Das finderte sich mit der griechischen Eroberung des
Ostens (330 v. Chr.). Die griechische Kultur war von
Haus aus schon iiberstaatlich, weil die Griechen nie-
mals einen Einheitsstaat bildeten. Im Osten verlo-
ren die griechischen Kolonisten ihre Stammessonder-
heiten so schnell, daiB die in Agypten aufgefundenen
unziihligen griechischen Papyri aus dieser Zeit keine
Dialekte mehr erkennen lassen. Die neuen Staaten
im Osten waren ein Werk des griechischen Volks-
stamms der Makedonen, wie ja Alexander selbst Ma-
kedone war. Ihre Kultur aber war gemeinhellenisch
und blieb sich am Nil und am Euphrat gleich. Die
orientalischen Zivilisationen hingegen waren stets vol-
kisch und religios gegriindet. Als Agypter oder Jude
wurde man geboren, oder man wurde es, indem man
seine Gotter verlieB und den neuen diente. )Dein
Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gotta, spricht
die Moabiterin Rut zu ihrer israelitischen Schwieger-
mutter, als sie ihr folgen will.
Die griechische Kultur war dagegen, der heutigen euro-
piischen Ahnlich, auf Erziehung aufgebaut. Man wur-
de )Hellene{<, ohne seine Gotter und sein Volk gleich
zu verlassen, indem man sich die hellenische Kultur
zu eigen machte. Klearchos, ein Schiiler des Aristote-







les, lii0t in einem Dialog seinen Lehrer mit einem glau-
bensstarken Juden zusammentreffen, der die Speise-
gesetze befolgt, und ihn diesen Juden ))einen griechi-
schen Mann( nennen, )nicht nur der Sprache, son-
dern auch dem Geiste nach. Ein Jahrhundert spAter
erkliirte der groBe Geograph Eratosthenes, man solle
die Menschen nicht in Hellenen und Barbaren, son-
dern nach Tugend und Schlechtigkeit sondern.
In den drei Jahrhunderten, die wir ))hellenistisch(( nen-
nen- das ist die Zeit zwischen Alexander dem GroBen
und dem Kaiser Augustus (330 bis 30 v. Chr.) wurde
also die Idee des >Hellenene ein Bildungsbegriff, des-
sen Verkorperung, dem heutigen ))Europaier( ahnlich,
von der Abstammung unabhiingig war. Im hellenisti-
schen Agypten wurde die gesamte Bevdlkerung offi-
ziell in zwei Klassen eingeteilt: die )Agyptera, das
waren die Eingeborenen, und die )Hellenen(, als wel-
che die Eingewanderten, gleich welchen Ursprungs,
bezeichnet wurden. Tatsiichlich hellenisierten sich die
Einwanderer ungemein schnell. Schon im dritten
Jahrhundert v. Chr. wurden in Agypten Synagogen
zu Ehren der griechischen Konige geweiht, und die
Tora (anschlieBend die ganze Schrift) wurde ins Grie-
chische iibersetzt. Was war hellenischer und den Orien-
talen fremder als die Korperkultur? Um 220 v. Chr.
finden wir in einer samaritanischen Siedlung in Agyp-
ten einen Sportplatz ()Gymnasionc), gestiftet von
einem Kilikier, dessen Erbe ein Makedone wurde.
Die hellenistische Kultur war also ihrem Anliegen und
ihrem Anspruch nach allgemeinmenschlich. Ihr ge-
horten die MAchtigen und die Herrschaft in der Welt.
Sie gewiihrte jene Utberlegenheit in der Welt, die durch
das Gericht der Kriege immer wieder bestfitigt wurde.
Sie war allen offen. Ob es diese Kultur annehmenwolle,







war also flir jedes Volk eine Frage auf Leben und Tod.
Die Nationen der alten Welt standen vor der glei-
chen Aufgabe, vor der in der heutigen Welt die Orien-
talen von Tokio bis Kairo stehen: sich die iibernatio-
nale und darum iiberlegene europiische Kultur an-
zueignen, oder aber zu Volkern einer zweiten Klasse,
zu )Fellachen( herabzusinken. Die Aufgabe ist im
Altertum nur von zwei Nationen wirklich gelost wor-
den: von den Romern und von den Juden. Die ande-
ren Vtlker blieben der hellenistischen Kultur ver-
schlossen, sie wirkte bier vielmehr negative; die ein-
heimische Kultur wurde zersetzt und entkraftet. Die
Volker verloren ihre Oberschicht, die im ProzeB der
Hellenisierung den Zusammenhang mit ihrem Volks-
tum zerriB. Ihrer Oberschicht, der )Intelligenz( be-
raubt, blieben zumBeispiel dieAgypterdann um Jahr-
hunderte hinter dem unaufhaltsamen Gang der Ge-
schichte zuriick und erlitten so das Schicksal, Knech-
te fremder Eroberer werden zu miissen. >Aus dem
iigyptischen Lande wird kein Herrscher mehr her-
vorgehen.<
Es war also eine Frage des geschichtlichen Seins oder
Nichtseins fuir das Judentum, ob es fiihig sein werde,
sich die abendlindische Kultur zu eigen zu machen.
In den Tagen der Makkabdier bildete aber, nicht an-
ders als in der Zeit Moses Mendelssohns, das Gesetz
eine Mauer zwischen den Juden und den andern.
Nichts bringt niaher zusammen als die Gemeinsam-
keit des Tisches. Dem Juden erlaubten es seine Speise-
gesetze nicht, vom Essen des nichtjiidischen Nach-
barn zu kosten. Nichts bindet enger als die Bindung
der Ehe. Die Juden erzifhlten mit zustimmendem Lob
die Geschichte eines Vaters, der die eigene Tochter
preisgab, um seinen Bruder von einer voriibergehen-







den Beziehung zu einer heidnischen TAinzerin zu 18-
sen. Einem Menschen des hellenistischen Zeitalters
mul3te diese >Absonderung von den Volkern nicht
anders erscheinen, denn als der Ausdruck eines jiidi-
schen >Menschenhasses(<. Die wohlwollenden Be-
urteiler bemiihten sich, die Absonderung der Juden
aus der Geschichte, etwa durch )die bose Erfahrung
ihrer Verjagung aus Agypten(, zu erklairen und zu ent-
schuldigen; als etwas zu Bejahendes wurde sie indes-
sen niemals von irgendeinem auBlerhalb des Juden-
tums anerkannt. Wenn die Juden den Umgang mit
heidnischen Sklavinnen ablehnten, so erschien dieses
Verhalten selbst einem Freunde der Juden als greu-
liche Absonderung, der er die Frage entgegenhAilt:
>Sind sie nicht Menschen wie du?<
Dem afortschrittlichene Juden multe also notwendig
die Zeit gekommen scheinen, diese Schranken fallen
zu lassen. >In jenen Tagen, heilt es im ersten Mak-
kabijerbuch, atraten in Israel Abtrtnnige auf, die
iiberredeten viele, indem sie sagten: Auf! LaBt uns
einen Bund schlieBen mit den Heiden rings um uns.
Denn seit wir uns von ihnen abgesondert haben, hat
uns viel Unheil heimgesucht. Und diese Rede gefiel
vielen. >>In jenen Tagen, das heiBt hunter der Regie-
rung des Syrerktnigs Antiochos IV. mit dem Beina-
men >Epiphanes( (176 bis 163 v. Chr.). Denn der neue
Konig vertraute dasAmt eines Hohepriesters amTem-
pel von Jerusalem, und damit die Herrschaft in Ju-
dija, den Miinnern ebenjener )Fortschritts-Partei an;
zuerst einem Mann, der sich griechisch lason nannte
(um 175 bis 172 v. Chr.), dann Menelaos (172 bis 162
v. Chr.). Diese jiidischen >>Hellenisten erhielten vom
Konig zunichst die Genehmigung zur Begriindung ei-
ner griechischen Gemeinde in Jerusalem und damit na-







tiirlich die Erlaubnis zur Anlage eines Sportplatzes
(>Gymnasion). Im Jahre 169 wurde dann auf einem
der Hiigel Jerusalems, gegeniiber dem Tempelberg,
eine richtige hellenische Stadt gegriindet, ummauert
and mit Tiirmen geschiitzt. Der Name dieser Stadt
bleibt unbekannt; sie heiflt in unserer tberlieferung
einfach )Akra((, das hei8t odie Zitadelle(. Das Heilig-
tum wurde fortan von dieser griechischen Stadt ab-
hiingig. Das war auch nur natiirlich. Die hellenistische
Kultur hatte verstiindlicherweise zunlichst die hlhe-
ren Schichten ergriffen, die Jerusalemer, die Priester-
schaft. Wenn das Signal zum Beginn der Ubungen
auf dem Turnplatz erging, waren es gerade Priester,
die zu den WettkAmpfen eilten und ihr sakrales Lei-
nengewand fiir die Nacktheit des griechischen Sports
preisgaben. Man hielt nunmehr griechische Auszeich-
nungen flir schOner als vaterliindische und altfriin-
kische Ehren. Man miihte sich ganz als Grieche zu
erscheinen: iiuBerlich, indem man die Spuren der Be-
schneidung durch eine schmerzhafte Operation ent-
fernte; innerlich, indem man an festlichen Spielen zu
Ehren der fremden Gltter teilnahm und sogar Gelder
fiir Festopfer dieser Gotter stiftete.
Aber die Fiihrer der Partei verstanden recht gut, daB
dies alles nur eine Spielerei der ))oberen Zehntausendic
bleiben miisse, solange das Heiligtum unversehrt und
das Gesetz, das die )menschenfeindlichea Absonde-
rung gebot, aufrecht blieb. Wie die Emanzipation des
neunzehnten Jahrhunderts n. Chr. muBte die des zwei-
ten Jahrhunderts v. Chr. mit Notwendigkeit zu einer
Religionsreform fiihren. Die Emanzipation konnte
dem im letzten Augenblick dadurch ausweicheh, dafB
sie das Judentum irreligibs belieBl, weil inzwischen auch
das Christentum fur die europliische Gesellschaft un-







erheblich geworden war. Vergessen wir aber nicht, daB
noch im Jahre 1881 kein anderer als Mommsen, als
er gegen die Antisemiten fuir die Juden eintrat, ihnen
zugleich den dringenden Rat gab, die letzte Schranke
aufzuheben, die sie noch von der europiiischen Welt
trennte, und vermittels der Taufe Volldeutsche gleich
den anderen deutschen Stiimmen zu werden!
Das antike Leben verlief durchaus im Rahmen kulti-
scher Handlungen, welche man erfiillte, auch ohne
daran recht zu glauben. Ein Sportplatz war ohne Idole
der G6tter des Ringes wie Herakles, sowie ohne Stand-
bilder und Verehrung des Konigs undenkbar. Jede
6ffentliche Handlung war untrennbar von einem Op-
ferdienst begleitet und mit einem Gebet verbunden.
Wollte man also, so schien es, die abendlfindische Kul-
tur voll annehmen, dann blieb nichts anderes iibrig als
entweder der Abfall von der viterlichen Religion, der
jede Teilnahme am Gotterkult ein Greuel war, oder
aber eine Umwandlung des alten Gesetzes. Manche an-
tike Juden haben den ersten Weg gewAhlt. Zu ihnen
gehorte zum Beispiel Tiberius lulius Alexander, der
Neffe des alexandrinisch-jiidischen Philosophen Phi-
Ion. Er schlug die militarisch-administrativeLaufbahn
ein, die ihnm iibrigens zu h6chsten Posten gelangen lieB.
Er war zum Beispiel der Stabschef des Titus bei der
Eroberung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr.
lason und Menelaos unterEpiphanes hingegenwiinsch-
ten den andern Weg zu gehen; sie wollten das iiberlie-
ferte Judentum der Zeit anpassen. Sie gedachten die
Zuige der jiidischen Religion zu erhalten, welche auch
dem griechischen Geschmack entsprachen wie die
Bildlosigkeit Gottes aber alles zu entfernen, was
nachAbsonderung, nach )Ghetto( aussah: die Sabbat-
ruhe und den Bart, die Beschneidung und die sonst







nur bei den wilden Volkern noch vorkommende Na-
menlosigkeit des Gottes.
Der Herr auf Zion sollte fortan einen Eigennamen
fiihren, welchen man dem griechischen Freund sagen
konnte, wenn er danach fragte, was flir einen Gott
eigentlich die Leutevon Jerusalemverehren. Der Name
war auf griechisch: Zeus Olympios. Die Juden warren
seit lfngerer Zeit gewohnt, ihren Gott >Herr des Him-
mels zu nennen, oder gar einfach >Himmekl, wie es
zum Beispiel das erste Makkabfierbuch stets tut. Der
Herr des Himmels war aber fur den Griechen eben
Zeus Olympios. Aramiisch sagte man dafiirwohl Baal-
Schemin, hunter welchem Namen alle VYlker Syriens
den Herrscher des Himmels verehrten. Auf diese Weise
wurde jetzt auch der >Judengott( in das allgemeine
Pantheon aufgenommen. Man verehrte ihn nun nicht
mehr im Dunkel des leeren Allerheiligsten, sondern
hunter dem offenen Himmel, in einer Umhegung, so
wie es in den ehrwiirdigsten Heiligtiimern Syriens iib-
lich war und wie es auch dem griechischen Ideal ent-
sprach. Natiirlich war der Kult auch nach der Re-
form bildlos: jeder gebildete Grieche lachte lingst
schon iiber die Vorstellung, daB die Gotter menschen-
gestaltig seien. Aber ein heiliger Stein auf dem Brand-
opferaltar, inmitten des Vorhofes des Tempels, sym-
bolisierte nunmehr die Gegenwirtigkeit des Allmach-
tigen. Alle rituellen Vorschriften des Gesetzes tiber
das Opferwesen wurden aufgehoben. Man bestimmte
nun gerade das Schwein zum Opfertier, weil die Ver-
meidung seines Gebrauchs zu Opfer und GenuB als
das augenflilligste Zeichen der jtidischen Absonderung
erschien.
Seit dem Dezember des Jahres 167 v. Chr. wurde der
Opferdienst auf Zion nach diesem neuen Ritual voll-







zogen. Demselben Gott und an derselben Stelle wie
ehedem, aber in einer neuen, der alten durchaus wider-
sprechenden Weise. Mehr noch: der Gott Abrahams,
Isaaks und Jakobs war nun nicht mehr Alleinherr-
scher in Jerusalem. Die Angleichung an die Religions-
sitten der Griechen war ohne Preisgabe des Monotheis-
mus unmoglich. Man feierte also in Jerusalem auch
die Feiern des Dionysos, vielleicht war auch Athene
hunter den neuen Gottheiten, gewiB waren es die ver-
gottlichten Konige des Herrscherhauses.
Zugleich erwirkte der Hohepriester Menelaos beim
Konig einen ErlaB, der das Verbot des mosaischen
Gesetzes und die Einfiihrung der heidnischen Sitte
verordnete. Dieser Akt entsprach durchaus dem Ge-
dankengang der griechischen Weltverbesserer, die
sich seit Platon immer wieder vorstellten, der Gesetz-
geber sei der Schdpfer des Lebens. Im iibrigen war
das jiidische Gesetz den griechischen geschichtlichen
Grundauffassungen zufolge eine Erfindung Mosis, die
er seinen Anhiingern auferlegt hat. So war es durch-
aus in Ordnung, wenn Menelaos dem Volke nunmehr
sein Gesetz auferlegen wollte. Diese MaBnahmen sind
es, die als die )Verfolgung des Epiphanes in das Be-
wuBtsein der Mitwelt und der Nachwelt eingegangen
sind. Sie eroffnen die Geschichte der Makkabaer.


Die Erhebung. Juda der Makkabaier

Die Manner um Mattatia verstanden nichts von den
))historischen Notwendigkeitene und vermutlich recht
wenig von den Ideen der Reformatoren. Das einzige
was ihnen deutlich war, das war die Tatsache der Ver-
folgung: die Entheiligung des Tempels, die Aufhebung







des Gesetzes und der Zwang zur heidnischen Lebens-
weise. Dagegen wehrten sie sich bis auf den Tod. Als
Mattatia noch im Laufe des Jahres 166 (oder Anfang
165) gestorben war, going seine Fiihrerstellung, wir wis-
sen nicht warum, auf den drittiiltesten unter seinen
lebenden Sohnen iiber: auf Juda, mit dem Beinamen
))Makkabi(. Man nimmt heute meistens an, daB der
Beiname )Hammerm bedeutete.
So wie sein Vater fuihrte auch er zwei Jahre lang den
Kleinkrieg der unerwarteten Uberfille gegen die Ab-
triinnigen, ohne sich indessen an ummauerte Stfidte
oder gar an die Zwingburg in Jerusalem heranzuwa-
gen. Bald tauchte er bei Bet-Horon auf (etwa fiinf
Stunden nordwestlich von Jerusalem), bald bei Mo-
deln, oder bei Mizpa, oder an der samaritanischen
Grenze. )>Sein Name drang bis in des Landes letzten
Winkel, er sammelte sein Volk, das nahe am Unter-
gang war.x
Die Zentralregierung kiimmerte sich zuniichst um den
makkabAlischen Aufstand ganz und gar nicht. Man
muIB daran denken, daB sich das Reich von Agypten
bis zum Persischen Meerbusen erstreckte, und daB der-
artige Aufruhre natiirlich immerwihrend bald hier
bald dort aufflackerten. Der Haufen der Makkabier
- das war eine RAuberbande mehr auf den StraBen.
Juda aber stihlte unterdessen seine Scharen im Gue-
rilla-Krieg, er gab ihnen auch eine feste Organisation,
indem er Oberste bestellte ))iiber je Tausend und je
Hundert und je Fiinfzig und je Zehnc. Es scheint, daB
er etwa iiber dreitausend Miinner verfiigen konnte.
Es ist flir den Verlauf der Dinge wichtig gewesen, daB
die Reformpartei keinen Versuch machte, ihre Kriifte
zu sammeln, um dem Freibeuter ein fiir alle Male das
Handwerk zu legen. Das wird verstlindlich, wenn wir







daran denken, daB ihr die gehobenen Volkskreise an-
geh6rten, die Stfidter und Bewohner Jerusalems; und
die verspiirten keine Lust, den Makkabiern durch die
Schluchten und iiber die steinigen Berge nachzulau-
fen. Die bauerliche Masse des Volkes hingegen blieb
im geheimen dem alten Glauben ergeben. Juda rot-
tete grausam die wenigen aus, die auf dem Lande den
Reformatoren nachgingen, gab aber zugleich der Mehr-
heit die Glaubensfreiheit zurick. Und dann: vor einer
Schlacht fastete seine Schar, sie warf sich SAcke um,
riB die Kleider entzwei und betete inbriinstig zum
Herrn der Heere: )Sieh doch die Vtilker gegen uns
versammelt, uns auszurotten! Wie vermachten wir
ihnen zu widerstehen, wenn Du uns nicht hilfst?<
Konnten etwa aus den Reihen der Reformpartei so
innige Gebete zu der Vernunfterfindung ihres ))Zeus
Olympios< aufsteigen? GewiB nicht. Man hinkte hier
vielmehr auf beiden Seiten. Es ist bezeichnend, dafl,
als die Reformatoren einmal Opfergeld fuir den tyri-
schen Herakles schickten, den Boten das Gewissen
schlug, aund sie das Geld in Tyros statt flir den vor-
gesehenen Zweck flir den Bau von Schiffen stifteten.
Die Neuheiden Jerusalems, die >)Sohne der Akra<<,
suchten also Schutz gegen Juda bei den kmniglichen
Offizieren, denen sie tibrigens durch Hilfstruppen, Stel-
lung der ortskundigen Fiihrer and dergleichen Dienste
zu Hilfe kamen. Juda schlug eine nach der anderen
der Truppen, die gegen ihn geschickt wurden. Als die
Syrer am PaB von Bet-Horon langsam und miihselig
den Bergpfad hinanstiegen, der sie von der Ebene am
Meer nach Jerusalem fiihren sollte, wurden sie von den
makkabiischen Scharen iiberfallen, iiberrannt, und
den ganzenAbhang hinab bisin das Flachlandverfolgt.
Durch diese Niederlage im Gebirge vorsichtig gewor-







den, nahm ein anderes syrisches Heer bei Emmaus in
der Ebene Stellung. Von hier aus konnte man die Wege
nach Jerusalem bequem kontrollieren. Juda, der bei
Mizpa stand, um den Weg nach Jerusalem fiber Bet-
Horon zu schiitzen, fUlirte in der Nacht seine durch
die zahlreichen Unebenheiten des Bodens geschiitz-
ten Scharen siidlich von Emmaus. Der syrische Ge-
neral plante, die Makkabier durch einen iiberraschen-
den Nachtiiberfall zu iiberwiiltigen. Waihrend aber die
Kdniglichen Judas Truppen im Gebirge suchten, iiber-
fiel Juda bei Tagesanbruch das syrische Lager in Em-
maus. Als die syrischen Truppen sich im Laufe des
Tages Emmaus wieder niiherten, sahen sie das in Flam-
men stehende Lager. Sie flohen ins Philisterland. Man
wird diese Erfolge Judas verstehen, wenn man sich
daran erinnert, wie schwer selbst flir moderne regu-
lhire Truppen der Kleinkrieg im Gebirge ist. Die seleu-
kidischen Heere waren aber zum groBen Teil aus Hilfs-
kontingenten der Stiidte und V61ker gebildet, und die
Berufssoldaten, die Soldner, wurden erst fUir wichti-
gere Unternehmungen eingesetzt.
Die Erfolge Judas begannen jetzt, im Herbst 165, die
Zentralregierung zu beunruhigen. Er beherrschte, wie
es scheint, den Weg von Jaffa nach Jerusalem und
schnitt somit die Koniglichen in der Akra von der di-
rekten Verbindung mit dem Meer und also der Regie-
rung ab. Es ist bezeichnend, da6 diesmal die Truppen
- hunter der Fiihrung des Generalgouverneurs Ly-
sias den Weg vom Siiden her, tiber Idumiia, nah-
men. Sie lagerten bei Bet-Zur, einer Festung etwa
dreiBig Kilometer stidlich von Jerusalem, deren Reste
vor kurzem ausgegraben worden sind, und die den
Schliissel zu Judiia vom Siiden her darstellte. Die neue
Taktik erwies sich als richtig. Juda muflte seine Ver-







stecke im Gebirge verlassen und nach dem Siiden eilen.
Nach der jiidischen Tradition hat er hier dann Lysias
geschlagen. Die zufillig erhaltenen Urkunden zeigen
aber, daB die Situation viel komplizierter war, als die
jiidische Geschichtsschreibung uns wissen liBt. Wir
sehen, daB die MakkabAier ihre Abgesandten zu Lysias
schickten, um fiber eine Verstlindigung zu verhandeln.
Lysias versprach, sich flir sie beim K6nig einzusetzen,
)wenn sie ihre loyale Gesinnung dem Staate gegeniiber
beibehielten. Menelaos, amtierender Hohepriester
und Haupt der Reformpartei, schaltete sich in die
Verhandlungen ein und erschien als Vermittler zwi-
schen dem Konig und den Juden. Eine romische Ge-
sandtschaft, die wohl auf dem Wege nach Antiochia
war, nahm sich der Juden an und bewog sie dazu, ihre
Wiinsche schnell zu formulieren, damit sie selbst sie
beim Konig vertreten konnte. Es scheint also, daB
man allseits bemiiht war, zwischen der Regierung und
den AufstAindischen Frieden herbeizufiihren. In der
Tat war Epiphanes mittlerweile in einen schweren
Krieg im Osten verwickelt, die Staatskasse war wieder
einmal leer, und die Frage, ob die Juden nach ihren
Speisegesetzen oder im Widerspruch zu ihnen essen
sollen, muBte der Regierung nunmehr wenig belang-
voll erscheinen.
So entschloB sich Epiphanes dazu, die Verfolgung ein-
zustellen. In einem ErlaB an das Synhedrion und an
die Nation der Judier teilte er mit, Menelaos habe ihm
eroffnet, daB die auf der Flucht befindlichen Juden
- das sind alle Altglaubigen, darunter auch die Makka-
biaer zu ihren legalen Wohnsitzen zuriickzukehren
begehrten. Allen bis zum 29. MArz 164 v. Chr. Zuriick-
gekehrtenwerde daherStraffreiheit gewAhrt und ferner
die Zusicherung gegeben, )daB den Juden der Gebrauch







ihrer eigenen Speisen und Gesetze zustehen solle, wie
in friiheren Zeiten(. Die Verfolgung war damit be-
endet. Der ErlaB erwfhnt die Makkabier mit keiner
Silbe. Er wird als ein Akt koniglichen Wohlwollens
formuliert, der durch Menelaos angeregt worden sei.
Diese Formulierung konnte indessen denwahren Sach-
verhalt nicht verschleiern. Das Ende der Verfolgung
bedeutete eine Niederlage des Menelaos, der ihr An-
stifter war, und einen Erfolg der Makkabiier, der den
Zeitgenossen phantastisch erscheinen muflte. Noch
einmal siegte David fiber Goliat. Wenn der Seher
Daniel noch ein Jahr vorher keine andere Hilfe er-
blicken konnte, als die durch einen wunderbaren Ein-
griff Gottes in das Geschehen, wenn Juda seinen Erfolg
mit zufiilligen Leuten errungen hatte, denen oft die
notwendigste Bewaffnung wie Schwerter und Schil-
der fehlten, wie konnte man da das Ereignis anders
deuten, denn als die Bestitigung der Fiihrerschaft,
welche die Makkabier ergriffen batten!
Juda verhielt sich von Anfang an als der gesetzmiBige
Fiibhrer seines Volkes. Er entlieB dem Gesetz (5. Mos.
20 5) entsprechend aus seinen Scharen alle, die ein
Haus gebaut oder ein Weib gefreit oder einen Wein-
berg gepflanzt batten oder die furchtsam waren. Seine
Leute sonderten gewissenhaft Erstlinge und Zehent ab,
die aber nur im Heiligtum hitten dargebracht werden
k5nnen, in jenem Heiligtum, das noch immer in den
Handen der Reformpartei war. Denn die Wiederher-
stellung der Gewissensfreiheit durch Epiphanes hatte
nur der Verfolgung ein Ende bereitet, nicht aber der
Herrschaft des Menelaos und seiner Freunde. Und es
war natUirlich nicht zu erwarten, daIf die ihre Stellung
freiwillig rAumen wiirden.
Juda entschloB sich, ilmen die Herrschaft mit Gewalt







zu entreiBen. Die Vberlieferung liiaBt uns leider im un-
klaren dardiber, wo er und die Seinigen den Sommer
164 zubrachten. Es ist anzunehmen, daB die Mehrzahl
seiner Leute nach der Amnestie zu ihren verlassenen
Hiusern und Feldern zuriickgekehrt war. Damit er-
klart es sich wahrscheinlich, daB Juda erst gegen Ende
des Herbstes, nach dem Abschlusse der Landarbeiten,
von neuem in die Geschichte eingriff.
Zu Ende des Jahres 164, etwa Anfang Dezember, sam-
melte er wieder )das ganze Heerm und besetzte in
einem Handstreich plotzlich Jerusalem. Um die Mdg-
lichkeit eines solchen Vberraschungserfolgs zu begrei-
fen, muB3 man wissen, daB die Zentralregierung im
Jahre 168 die Stadtmauer Jerusalems hat schleifen
lassen; sie wollte auf diese Weise die Stadt ganz in Ab-
hiingigkeit von der Zitadelle, der >Akra( halten. Eben
dadurch aber wurde es Juda vier Jahre spifter msg-
lich, sich so leicht in den Besitz von Jerusalem zu
setzen.
Die erste Tat des Eroberers war die Reinigung der Hei-
ligen Stadt von den Spuren des Gotzendienstes und
anschlieBend die Wiederherstellung des Gottesdien-
stes im Tempel. Es war nach dem jiidischen Kalender
der 25. Kislew, auf den Tag also drei Jahre nachdem
das erste heidnische Opfer durch die Reformpartei auf
dem Brandaltar dargebracht worden war, als Juda in
der Morgenfriihe zum ersten Male wieder das vom Ge-
setz vorgeschriebene tigliche Tamidopfer in der alten
Weise vollzog. >Da fiel das ganze Volk auf das Ant-
litz, beugte sich und segnete himmelwiirts Ihn, der Er-
rettung gewAihrt hatte.< Acht Tage lang feierte man
die Neuweihung des gereinigten Altars. Und dann setz-
ten ))Juda und seine Briider und die ganze Gemeinde
Israels fest, die Tage der Altarweihe Jahr fuir Jahr







acht Tage lang zu ihrer Zeit, niimlich vom 25. des
Monats Kislew an, feiernd zu halten in Freude und
frohlichem Beginnen. Diese Feier, nach deren Vor-
bild jede Kirche ihr jAhrliches Weihfest halt, ist unser
Chanukka, was wortlich >Einweihung<< bedeutet. Die-
ser Name ist aber erst seit dem ersten Jahrhundert
n. Chr. belegt. Urspriinglich nannte man das Fest, aus
bisher unerkannten Griinden, a>das Hiittenfest (Suk-
kot) des Monats Kislewc, so zum Beispiel in einem offi-
ziellen Schreiben der paliistinischenJuden an die Aigyp-
tischen vom Jahre 124 v. Chr.
Indem Juda und die Seinen dieses Fest einsetzten,
erklArten sie sich fUr das wahre Israel. Dariiber hinaus
war es eine Tat von weitreichender Bedeutung: alle
bisherigen Feste waren in der Schrift vorgeschrieben.
Niemals war in Israel eine Feier von menschlicher Hand
eingesetzt worden. Selbst die Wiederherstellung des
Heiligtums nach dem babylonischen Exil hatte keinen
AnlaB zur Festsetzung eines Gedenktags gegeben. Ju-
das Vorgehen stellte eine Neuerung dar, fur die es in
Israel kein Vorbild gab. Hingegen entsprach sie genau
dem Brauch der Volker. Es war bei den Griechen iib-
lich, daB eine Generation ein Ereignis der eigenen Ge-
schichte fur so wichtig hielt, daB sie ihre Erinnerung
fir alle Zeiten festhalten zu sollen glaubte. Juda
ahmte also eine Einrichtung seiner Feinde nach, zog
sie aber zugleich ins Judentum hinein. Das war der
erste Schritt auf dem Weg, dessen Begehung die hi-
storische Mission des Hasmoniierhauses werden sollte:
die hellenische Sitte ins Judentum einzufiihren, ohne
das Judentum preiszugeben. Niemand feiert mehr die
griechischen Feste, welche Juda Vorbild waren. Aber
der achtarmige Leuchter, wieder ein Symbol, das eine
heidnische Sitte nachahmt, brennt am 25. Kislew







fiber die Erde hin in Lfndern, deren Existenz Juda
unbekannt war- in Sidney wie in New York, in Berlin
wie in Kapstadt. )>Es ist ein Erlser, es ist ein Retter
Israels.<<
Herr von Jerusalem geworden, erbaute Juda sogleich
hohe Mauern und feste Tiirme um den Berg Zion, er
legte Truppen in die Befestigungen, um den Tempel
zu schiitzen, befestigte dann auch Bet-Zur, welches,
wie schon gesagt worden ist, den Weg nach Jerusalem
vom Sfiden her deckte. Zu Anfang des Jahres 163 wur-
de Juda also der Herr Judiias, nur die Akra blieb den
Konigstreuen Zuflucht und Zitadelle.
Wir wissen nicht, weshalb die Kreise um Menelaos sich
diese ganze Zeit fiber so sehr passiv verhielten. Wahr-
scheinlich war die Garnison zu schwach, um selbstin-
dig vorzugehen, und die Zentralregierung kiimmerte
sich wie immer wenig um die Angelegenheiten Judias.
Im iibrigen erlitt Epiphanes um dieselbe Zeit in Per-
sien eine schwere Niederlage bei dem Versuch, ein
orientalisches Heiligtum im Bergland zu plindern und
lag in Ispahan krank darnieder.
Epiphanes starb dann auch zu Ende des Winters 163
v. Chr. in Ispahan. Um dieselbe Zeit began Juda nun-
mehr die Belagerung der Akra, wobei bereits das iiber-
legene Kriegsgeriit der groBen Heere jener Zeit, Ge-
schiitztiirme und Belagerungsmaschinen aller Art,
Verwendung fand. Juda, vor vier Jahren noch ein un-
bekannter Fliichtling, war nunmehr, wennschon ohne
Amt und Titel, zum Herrscher fiber die Nation der
Juden geworden. Aus der Akra gingen dringende De-
peschen an die Zentralregierung. Die Reformpartei
beschwerte sich mit vollem Grund dariiber, dafB die
Regierung sie, die Gruppe der Konigstreuen, immer
wieder im Stich lasse. )>Wir waren willing, deinem Va-







ter zu dienene, sagten die Boten dem neuen K6nig
Antiochos V. Eupator, ))und nach seinen Geboten zu
wandeln, und aus diesem Grund sind unsere Volksge-
nossen uns feind geworden. Wer irgend von uns er-
griffen wurde, wurde getbtet und unsere Habe wurde
gepliindert.
An der Spitze der neuen Regierung stand als Reichs-
verweser der gleiche Lysias, mit dem Juda vor einem
Jahre verhandelt hatte und der den Juden sein Wohl-
wollen versprach, wenn sie loyal blieben. Inzwischen
hatte Juda den Frieden gebrochen und die ibm ge-
wiihrte Verzeihung beniitzt, um sich als Herr von Ju-
diia festzusetzen. In Antiochia entschloB man sich,
mit den Makkabiern ein fiir alle Male aufzuraiumen.
Im Sommer 163 zog Lysias selbst an der Spitze eines
Heeres von Berufssoldaten durch Idumia nach Jeru-
salem zum Entsatz der Akra. Der Weg wurde ihm
durch die inzwischen von Juda besetzte Zitadelle von
Bet-Zur versperrt. Lysias leitete die Belagerung die-
ser Festung ein, und Juda, der seinem Vorposten zu
Hilfe eilen muBte, unterbrach die Belagerung der Akra.
Das war der erste Erfolg des Lysias. Vor Bet-Secharja,
mittenwegs zwischen Jerusalem und Bet-Zur, wo das
Gebirge ins Plateau iibergeht und demnach die Ent-
wicklung grbBerer Streitmassen erlaubt, stieB Juda
eines Morgens auf das ihm iiberlegene Heer des Ly-
sias, das in seinen Reihen auch Reiterei und sogar
zweiunddreiBig Elefanten hatte, Waffengattungen
also, die den Makkabiern iiberhaupt fehlten. Die auf-
gehende Sonne spiegelte sich in den vergoldeten and
ehernen Schildern der schweren Infanterie der Syrer,
))so daB die Berge von ihnen erglinzten und strahlten
wie Feuerlampenz. Vergeblich opferte sich Judas
Bruder Eleasar, der, um sein Volk zu retten, in die







Reihen der Feinde stiirmte und den grbl3ten Elefan-
ten angriff, auf dem er naiverweise den (unmiindigen)
KInig vermutete. Das Tier field durchbohrt und zer-
driickte den Helden. Das Heer Judas aber wurde aufs
Haupt geschlagen. Bet-Zur kapitulierte.
Unbehindert erreichte das kanigliche Heer nunmehr
Jerusalem und began den befestigten Berg Zion zu
belagern, wo Juda und die Seinigen Zuflucht fanden.
Im antiken Kriege ohne Verwendung von Explosiv-
stoffen bildete jede Mauer, jeder Turmin ein Hindernis
fuir den Angreifer. Man zog es daher vor, den Belager-
ten auszuhungern, statt eine Erstiirmung zu wagen.
Es war der Sommer eines Sabbatjahres, in dem nach
biblischem Gesetz nicht gesiit wurde. Es gab also keine
betrfichtlichen Vorriite auf Zion. Die Truppen Judas
zerstreuten sich, ein jeder in seine Heimat. Nur eine
kleine Schar der Treuesten blieb hunter Judas Fiih-
rung auf Zion eingeschlossen. Judas Leben war ohne-
hin verwirkt. Und dann, so diirfen wirvermuten, glaub-
te er fest, daB der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs
ihn nicht verlassen werde. Juda wartete also in seiner
verzweifelten Lage auf ein Wunder und das Wunder
trat ein. In untheologischer Sprache ausgedriickt: die
ZAhigkeit Judas ergab die Mdglichkeit, eine giinstige
Wendung der Lage abzuwarten, die ja doch immer
eintreten kann, da das Leben so unabsehbar verwik-
kelt ist.
Die Rettung der auf dem Berge Zion eingeschlossenen
Makkabiier war durch den letzten Willensakt des im
persischen Ispahan sterbenden Epiphanes bewirkt.
Der Konig hatte niimlich, als er nach dem Orient zog,
seinen in Syrien zuriickgelassenen unmUindigen Nach-
folger der Obhut des schon afters genannten Lysias
anvertraut, der nach dem Tode des Ktnigs auch die







Regentschaft iibernahm. Auf seinem Sterbebett er-
nannte Epiphanes jedoch einen anderen General mit
dem Namen Philipp zum Reichsverweser. So kam es,
daB Lysias, etwa imn Februar 162, wihrend er mit der
Belagerung Zions beschiiftigt war, die Nachricht er-
hielt, da6 Philipp an der Spitze der Orientarmee sich
Antiochia niihere, um die Herrschaft an sich zu reilen.
Nun hatte Lysias griiBte Eile abzuziehen. Darum
schloB er mit dem eingeschlossenen Juda schnell einen
Frieden.
Der>)Friede< stellte sich formal betrachtet einerseits als
eine Kapitulation Judas und andererseits als ein Gna-
denerlaB des Konigs dar. Faktisch war seine Grund-
lage aber eine Verabredung zwischen Lysias und Juda,
die eineWiederherstellung derVerhfiltnissein Judlia, so
wie sie vor Epiphanes waren, bezweckte. Der erwiihn-
te GnadenerlaB des Konigs war an Lysias adressiert
und verkiindete feierlich den Verzicht auf die Politik
des Epiphanes. >Da wir gehbrt haben, schreibt der
neue Konig, daB die Juden mit der Hinleitung zum
Griechentum durch meinenVater nicht einverstanden
sind, sondern ihre eigene Lebensweise vorziehen und
die Duldung ihrer gesetzlichen Briiuche erbittena, be-
schlieBt er, >in dem Wunsch, daB alle Untertanen des
Reiches in Ruhe ihren Geschfiften nachgehen konnen,
den Juden >ihr Heiligtum zuriickzugeben. Sie sollen
die Verfassung haben, wie sie zur Zeit ihrer Vorfahren
bestand.
Ein Jahr vorher hatte die Regierung in die Duldung
der jiidischen Religion eingewilligt. Jetzt wurde die
Herrschaft der Tora voll wiederhergestellt. Nach dem
ErlaB des Jahres 163 durften diejenigen Juden, die es
wiinschten, dem jiidischen Gesetz Folge listen. Durch
den neuen ErlaB des Jahres 162 wurde die ganze Na-







tion wieder auf dieses Gesetz verpflichtet. Erst da-
durch war der Sieg des glaubigenJudentums vollendet.
Jahrhundertelang feierten dann die Juden die Wie-
derkehr dieses Tages (28. Schwat), >an dem Kbnig
Antiochos von Jerusalem fortgezogen ware.
Der Friede des Jahres 162 hatte zweierlei Folgen. Ein-
mal bedeutete er das Ende der Reformpartei. Ihr
Haupt, der bisherige Hohepriester Menelaos, wurde
auf des Konigs Befehl hingerichtet, )da er Urheber
des ganzen Unheils war, indem er Epiphanes iiber-
redete, die viiterliche Verfassung der Juden aufzu-
hebene. So lautete die Begriindung des Urteils. Die
Reste der Reformanhiinger, die in der Akra noch ihre
Zuflucht fanden, hatten inzwischen jeden Zusammen-
hang mit dem Judentum verloren. Die Reformatoren
waren zu Abtriinnigen geworden.
Andererseits erschien auch die Aufgabe der Makka-
bfier als zu Ende geftihrt, nachdem die Regierung die
Reformpartei fallengelassen, das altglAubige Juden-
tum als das allein giiltige anerkannt und somit den
Zustand vor den MaBnahmen des Epiphanes wieder-
hergestellt hatte. Die Rebellion der Juden schien ge-
genstandslos geworden und damit beendet zu sein.
i)Gestehen wir ihnen zu, da.f sie nach ihren eigenen
Gesetzen leben mbgen, wie es friiher war. Denn nur um
ihrer Gesetze willen, die wir vernichtet haben, sind sie
so voller Zorn und haben sie all das getan. Diese Er-
wiigung der Berater des jungen Konigs erwies sich als
richtig. Juda wurde von seinen AnhAngern verlassen.
Die Regierung bestellte einen neuen Hohepriester,
einen Angehorigen des bisherigen Hohepriesterhau-
ses mit dem Namen Jakim, der seinen Namen in Alki-
mos hellenisierte. Sie lieB sogar eine Versammlung der
Schriftgelehrten einberufen, damit diese nach voll-







zogener Priifung feststelle, daB Alkimos tatsiichlich
legitimer Fiirst sei. Gerade die >Chassidim, die
)Frommen((, ein durch seine Strenggliiubigkeit be-
kannter Kreis, der sich seinerzeit als erster Mattatia
angeschlossen hatte, erkannte letzt als erster Alkimos
an. Er herrschte fortan, durch eine k5nigliche Truppe
unterstiitzt, iiber Judlia, und seine Macht erlaubte es
ihm, daB er ohne Bedenken sechzig von den )From-
men((, die sich widerspenstig zeigten, hinrichten las-
sen konnte. Auf dem Zion wurde von da ab wieder
tiiglich das Brandopfer fiir den regierenden Konig dar-
gebracht.
Juda floh zunfichst wieder ins Gebirge. Als es aber in
Antiochia zu einem neuen Umsturz kam Anti-
ochos V. wurde von seinem Vetter Demetrios I. ge-
stiirzt machte Juda sich die Gelegenheit zunutze.
Er erschien neuerdings in Jerusalem, bemiichtigte sich
des Heiligtums und verwehrte Alkimos sogar den Zu-
tritt zum Altar. Judas Anhiinger behaupteten niim-
lich, daB Alkimos sich zur Zeit des Epiphanes freiwil-
lig befleckt, niimlich, ohne gezwungen zu sein, an
heidnischen Festen und Opfern teilgenommen habe.
War er also jetzt bef'higt, den Dienst Gottes zu ver-
sehen? Es war eine Gewissenfrage, die zwischen den
Strengen und den GemnBigten ausgefochten wurde,
ainlich der, die spliter einmal in der christlichen Kir-
che wihrend der Verfolgungen entstand: Gibt es eine
Vergebung fur die Abgefallenen? Die verschiedene
Beantwortung dieser Frage fiihrte bekanntlich zu
zahlreichen Schismen in der Kirche und zur gegensei-
tigen Exkommunizierung der Parteien. Es ist also
nicht verwunderlich, daB Juda und die Seinigen Alki-
mos nicht anerkennen wollten, auch nachdem eine
von der Regierung zusammengerufene Versammlung







von Schriftgelehrten sich ffir das Recht des Alkimos
ausgesprochen hatte.
Diesmal going der RiB durch die jiidische Nation also
ganz anders als in den Tagen des Epiphanes. Man stritt
nicht mehr um die Geltung der Tora, sondern darum,
ob Alkimos berechtigt sei, als Hohepriester zu fungie-
ren. Genau so wie in den kirchlichen Auseinanderset-
zungen verwandter Art neigte die iiberwiegende Mehr-
heit der laxen Auffassung zu und erkannte Alkimos
an. Auch der Kreis der ))Chassidim((, der >Frommen(,
der seinerzeit Mattatia eine sichere Stiitze war, ver-
lieB jetzt Juda. Fiir die Makkabier wurden nunmehr
bisherige Freunde zu Feinden, zu )Abtrinnigen(<. Der
Biirgerkrieg began von neuem. Juda zog wieder aus,
er durchstreifte das ganze Gebiet von Judiia und nahm
an seinen Feinden Rache, um die )Abtriinnigen zu
strafen, die ihm schlimmer als Heiden erschienen.
Zweimal going Alkimos an den k5niglichen Hof, um
die Hilfe der Regierung gegen die Makkabiier zu er-
bitten, ))die das Reich nicht zur Rube kommen lassen
und durch ihre Torheit unsere ganze Nation so elend
machen. Demetrios I. war aber durch ganz andere
Schwierigkeiten voll in Anspruch genommen, beson-
ders durch den Aufstand des Satrapen Timarchos, der,
von den Romern unterstiitzt, dem Herrscher Mesopo-
tamien entrissen hatte. Endlich entsandte der K6nig
doch einen seiner Generfile namens Nikanor mit dem
Auftrag, die Makkabier gefangenzunehmen. Nikanor
versuchte zunichst, sich der Person des Juda durch
List zu bemAichtigen; nachdem der Versuch aber
milglhickt war, riickte er aus Jerusalem mit seinen
Truppen in die Gegend von Bet-Horon, wo Truppen
aus Syrien zu ihm stieBen. Er selbst fiihrte von Je-
rusalem her das Aufgebot der kanigstreuen Juden







und muBlte darum zu seinem grBlten Unwillen seine
Absicht aufgeben, Juda am Sabbat anzugreifen. Das
war etwa im Marz des Jahres 161 v.Chr. So schnell
hatte sich die politische Situation geandert. Es war
erst vier Jahre her, seit die Regierung die Beobach-
tung des Ruhetages mit dem Tode bestraft hatte, und
diejenigen, welche den Sabbat heiligen wollten, Hilfe
und Zuflucht bei Juda suchten. Jetzt marschierten
sie Seite an Seite mit heidnischen Soldaten, um Juda
zu ergreifen und dem Tode zu iibergeben. Bei Adasa,
nordwestlich von Bet-Horon, eine und eine halbe
Stunde nordlich von Jerusalem, wo der Weg sich im
Gebirge verengt, kam es zum Treffen. Die Scharen
Judas erwiesen sich wieder den stadtischen Aufgebo-
ten weit fiberlegen. Nikanor blieb auf dem Schlacht-
feld, sein Heer floh. Ein zweitesmal besetzte Juda
jetzt Jerusalem und das Heiligtum, und wieder lieB
er den Tag seines Sieges (den 13.Adar) in den Fest-
kalender aufnehmen. Das war eine Demonstration,
durch die dargetan werden sollte, dafl Juda und die
Seinigen allein das wahre Israel darstellen. Zum er-
sten Male in der Geschichte Jakobs war ein Tag des
Bruderkampfes zum Freudenfest erkliirt worden. Die
Pharisier folgten spater dem Beispiel und miBbrauch-
ten zuweilen die Rolle der Festtage, indem sie anti-
sadduziische Gedenktage festsetzten. Alle diese Feste,
auch der Nikanortag, sind inzwischen vergessen. Der
Historiker darf aber darauf hinweisen, daB sowohl
Juda wie die Pharisaier, indem sie auf diese Weise
Feiertage einrichteten, bewuBlt oder unbewul3t das
Vorbild der Griechen nachahmten.
Der Sieg iiber Nikanor machte Juda im Marz 161 wie-
der zum Herrn des Landes. Er war nicht der einzige
Rebelle im Reich. Der Fiirst von Grolarmenien, der







Statthalter von Kommagene und vor allem Timar-
chos, der Satrap von Medien und Babylonien, fielen
vom Konig Demetrios I. ab. Das war dadurch erleich-
tert, daB der Senat von Rom ihm seine Anerkennung
versagte, seine Gegner fbrderte und schlieBlich sogar
mit Timarchos ein Biindnis schloB.
Was wuBte Juda von Rom? Das Erste Makkablier-
buch liiBt ihn von dem groBen Ruhm des Volkes der
Romer horen, daB sie stark und miichtig seien und daIB
sie fuir alle diejenigen sich einsetzen, die zu imhnen hal-
ten und mit allen, die zu ihnen kommen, Freundschaft
schlieBen. Das mochte ihm genfigen. Genaue Kennt-
nis der einzelnen Tatbestfinde ist fuir entschiedenes
Handeln manchmal gar nicht notig, ja oft hinderlich.
Juda wuBte, daB eine remische Gesandtschaft ihm
einmal (im Jahre 164; oben Seite 26) schon geholfen
hatte und daB die Romer )Konige einsetzen und Ko-
nige stiirzen nach ihrem Beliebenc. Er schickte seine
Gesandten nach Rom. Sie wurden freundlich aufge-
nommen und der Senat, der, wie erwiihnt, auf jede
Weise Demetrios I. Schwierigkeiten bereiten wollte,
bewilligte das Biindnis, welches freilich nicht mit Juda
und seinen Briidern, sondern mit der )Nation der Ju-
den geschlossen wurde. )Als die Juden, sagt ein an-
tiker Historiker, avon Demetrios I. abfielen und die
ramische Freundschaft suchten, erhielten sie als erste
hunter allen Orientalen die Freiheitsbewilligung; die
Romer spendeten groBziigig aus dem fremden Eigen-
tum.( Auf jeden Fall wurden die Juden zum ersten
Male seit dem Exil als eine unabhfingige Macht aner-
kannt, und zwar von denjenigen, welche die Herr-
schaft fiber die Welt innehatten.
Christliche Theologen wunderten sich spAter oft dar-
fiber, daB der gotteifrige Juda allen Mahnungen der







Propheten zum Trotz mit einer heidnischen Macht das
Biindnis schloB und bei ihr sein Heil suchte. Man muB
sagen, daB ihre Verwunderung begriindet ist. Die
Makkabiier taten wieder einen Schritt, der sie der
heidnischen Welt niiherte, sie paBten das glaubige Ju-
dentum wieder einmal der Sitte der VOlker an.
Es ist glaubhaft, daB das r6mische Biindnis, dieser
hochste Erfolg Judas, die unmittelbare Ursache sei-
nes Niederganges wurde. Die seleukidische Regierung
konnte ruhig zusehen, wenn ein Bandenfiihirer zeit-
weise Erfolge hatte, und die giinstige Zeit zum Drein-
schlagen abwarten. Wenn aber Juda Roms Schiitz-
ling war, erschien es notwendig, schnell einzugreifen.
Die Gesandten Judas kehrten etwa Ende des Som-
mers 161 nach Jerusalem zuriick. Im ersten Friih-
lingemonat des niichsten Jahres, sobald die Regen-
zeit zu Ende war, zog der kbnigliche General Bakchi-
des an der Spitze einer reguliren Armee und in Beglei-
tung des Alkimos liber GalilAa nach Jerusalem. Wie
stets waren die Berufssoldaten den Freischaren der
Makkabiaer qualitativ weit iiberlegen. Als die Syrer
sich naherten, lief der groBte Teil des makkabaischen
Aufgebotes, das dreitausend Mann ziihlte, davon. Nur
achthundert Mann blieben mit Juda. >Das zerriB ihm
das Herz.cc Freunde rieten ihm auszuweichen, und
dieser Rat war strategisch zweifellos verniinftig. Er
zog aber den Schlachtentod vor und fiel kiimpfend.
)Ganz Israel hielt um ihn schwere Totenklage, trau-
erte um ihn lange Zeit, sie sprachen: Wie ist gefallen
der Starke, Israels Retter!(c
Israel hat Juda bald vergessen. Im Talmud wird er
gar nicht erwAhnt. In der ))Megillat Antiochose, einer
nachtalmudischen (und recht geistlosen) Erzdilung,
welche im Mittelalter am Chanukkafest gelesen wurde,







sind Mattatia und Johannes Hyrkanos, dessen Enkel,
aber nicht Juda die Hauptfiguren. Erst im Mittelalter
wurde Juda durch die nach den Schriften des Jose-
phus Flavius verfertigte hebriiische Kompilation des
aJosippon< wieder zum Helden flir die Juden. Die
christliche Welt, die die Makkabiierbiicher in ihre Hei-
lige Schrift aufgenommen hatte, ehrte inzwischen Juda
als das Vorbild des Rittertums. Noch heute kann man
auf dem Hauptmarkt von Niirnberg das Standbild
Judas sehen. Mit acht anderen Helden (insgesamt drei
Heiden, drei Juden, drei Christen) schmiickt seine
Gestalt den ))Schonen Brunnent<, ein Meisterwerk der
Ritterzeit (1385).


Auf dem Weg zur Unabhlingigkeit

Juda fiel im April 160 v. Chr. Nach seinem Tode >)ka-
men alle Abtriinnigen im ganzen Lande Israel aus
ihren Verstecken hervor, alle Frevler wurden launt<<.
Man spiirte die Anhiinger Judas im ganzen Lande auf
und richtete sie in groBfer Zahl hin. Ein von den Syrern
eingerichtetes System der Besatzungen sorgte fiur
Ruhe und Ordnung im Lande. Jonatan, Judas Bru-
der und Nachfolger, wurde wieder ein simpler Banden-
fiihrer, der bald in der Wiiste Tekoa, bald in Transjor-
danien Zuflucht suchte, und von dessen Taten in dieser
Zeit nicht viel mehr zu berichten ist als der tberfall
auf einen arabischen Hochzeitszug zur Rache fiir den
Tod seines Bruders Johannes. Endlichwurde er um 156
des Riuberlebens miide. Auch er machte seinen Frie-
den mit der Regierung, stellte Geiseln fur sein Wohl-
verhalten und erhielt als Wohnsitz Michmas, einen Ort
westlich von Jericho. Hier beganan er das Volk zu







richten, dasheil3t er war von der Regierung als Scheich
des Dorfes anerkannt. Das war der verdiente Lebens-
abend vieler orientalischer Bandenfiihrer im Alter-
turn und auch spAiter noch, denen auf diese Weise eine
sichere Pfriinde gewihrt wurde. )Das Schwert ruhte
in Israel.(
Die Geschichte findet die Makkabiier erst acht Jahre
nach dem Tode Judas wieder. Es waren die Syrer
selbst, die Jonatan aus seinem Schlaf in Michmas er-
weckten. Im Jahre 152 v. Chr. trat niimlich gegen den
regierenden Konig Demetrios I., den Sieger fiber Juda,
ein Pratendent mit Namen Alexander Balas auf. Er
landete in Akko, und die Garnison trat zu ihm fiber.
Die Bedrfingnis des Demetrios war groB. Denn der rO-
mische Senat hatte Alexander anerkannt, und die KO-
nige von Agypten, Pergamon und Kappadokien un-
terstiitzten ihn. Die Anwerbung von S6ldnern im Aus-
land wurde Demetrios dadurch ungemein erschwert,
wenn nicht unm6glich gemacht. Der Konig brauchte
sofort zuverlissige Truppen. Was lag da niiher, als
sich an die kampflustigen jiidischen Untertanen zu
wenden und hier die notigen Kampfer anzuwerben?
Man soil sich niimlich die Juden der Makkabfierzeit
nicht nach den heutigen vorstellen. Die Gebirgsjuden
Palastinas vor zwanzig Jahrhunderten waren rauhe
Bauern und Hirten, in ungastlichem Lande aufge-
wachsen, durch ihre Kiihnheit und kriegerische Grau-
samkeit bekannt, die gleich den Arabern und neben
ilhnen das Kulturland durch ihre Ziige in Schrecken
versetzten. Sobald sie hunter Jonatan am Meer FuB ge-
faBt hatten, finden wir sie auch als Piraten. Alles in
allem ausgezeichnete Soldner, ihrem Diensteid treu,
unbequem nur wegen ihres vielen )Aberglaubens, wie
der stumpfsinnig erscheinenden Sitte, alle sieben Tage







einmal voile Ruhe zu beobachten, einer Gewohnheit,
deren Sinn kein Grieche zu begreifen vermochte.
Durch einen unverzeihlichen Fehler der Zentralregie-
rung fehlte aber jetzt dem Judentum ein legitimer
First. Nach dem im FriiUling 159 erfolgten Tode des
Alkimos war kein Nachfolger ernannt worden. Jetzt
gab es nur einen Mann, der die natige Autoritat unter
den Juden besaB, um ein Heer fiur Demetrios I. auf-
stellen zu konnen. Das war Jonatan, Bruder des Juda
und sein Erbe. Demetrios gab Jonatan die Vollmacht,
Truppen zu sammeln. Jonatan ergriff natiirlich die Ge-
legenheit, um zuerst seine eigene Stellung zu sichern,
indem er Jerusalem besetzte und Zion neuerdings be-
festigte. Nur in der Akra und in Bet-Zur blieben sy-
rische Besatzungen. Natiirlich versuchte nunmehr
Alexander Balas den jiidischen Fiihrer auf seine Seite
hiniiberzuziehen. Jonatan forderte seinen Preis, und
er wurde ihm gewiihrt. Am Laubhiittenfest des Jah-
res 152 v. Chr. legte er, von Alexander Balas ermAch-
tigt, das heilige Gewand des Hohepriesters an. Juda
hatte erbittert gegen den Hohepriester Alkimos ge-
kiimpft, weil er )unrein(( war. Acht Jahre spiiter er-
hob sich Jonatan zum Hohepriester, obwohl er gar
nicht zum Geschlecht der Zaddokiden gehSrte, denen
das Amt zustand. Es war vielmehr eine Sitte der Grie-
chen, dafB der Priester von der weltlichen Gewalt seine
Stellung erhielt. Wieder einmal paflten diejenigen, die
fiir die Tora kiimpften, das Gesetz den GebrAuchen
der Volker an, wiihrend der dem Blut nach legitime
Hohepriester in einem in Agypten errichteten After-
tempel den Dienst verrichtete.
Der phantastische Aufstieg Jonatans, der in wenigen
Monaten im Herbst des Jahres 152 v. Chr. aus einem
kleinen Bandenfiihrer der Hohepriester des Tempels







in Jerusalem und der Fiirst Israels wurde, eroffnet
einen Abschnitt in der Geschichte der Makkabier,
welcher mit dem bisherigen Ablauf ihrer Schicksale
wenig Gemeinsames hat, auBler die Einheit der Familie.
Das Lebenswerk Judas war es, die drohende Helleni-
sierung des Judentums und die Preisgabe der Tora
zu verhindern. Das gelang ihm, und damit war auch
sein Leben erschbpft. Jonatan unmd nach ihm seine
Nachfolger, sein Bruder Simon und dessen Nachfah-
ren, werden dagegen versuchen, den Hellenismus dem
Judentum anzupassen. Unter ihnen wird Judia ein
hellenistisches Fiirstentum.
Das war zunfichst dadurch bedingt, daB Jonatan
sich in die groBfe Politik verwickelte. Er tat es zuniichst
vielleicht nur aus Not. Als Fiirst Judiias war er ge-
zwungen, zwischen den Priatendenten, die seine ganze
Regierungszeit lang um die syrische Konigskrone
kimpften, seine Wahl zu treffen. Aber dadurch wurde
Judiia zum ersten Male seit der Zerst6rung des ersten
Tempels und dem babylonischen Exil (586 v. Chr.)
wieder ein aktives Mitglied der Vlkerfamilie.
Jonatans erste Aufgabe war es also, sich zu halten.
Dazu muBte er die politischen Stramungen beobach-
ten, mit den Heidenfiirsten verkehren, aber auch das
Blut der Juden fuir die Sache des einen oder des ande-
ren Priftendenten opfern. Er wurde seleukidischer Be-
amter, Stratege und Bezirksoberst(, er erhielt einen
Hoftitel und trug den Purpur eines >Freundes des K6-
nigs(. Er schickte der Regierung einmal dreitausend
Mann zu Hilfe, um den Aufstand inAntiochia zu unter-
driicken. Sie steckten dieStadt in Brand; toteten jeden,
der nur in ihre Hinde field, und pliinderten nach Belie-
ben. Man kann sich vorstellen, wie gem diese Bauern
und Hirten die heidnische Stadt brandschatzten.







Zweitens suchte Jonatan seine Stellungin Jerusalem zu
befestigen. ErhattenatiirlichvieleFeindein Judia, die
ihn beijeder Gelegenheitvor der Regierungverklagten.
Dann blieb in seinem Riicken immer noch drohend die
griechische StadtAkraund ihre Zitadelle. Erversuchte
sie bald mit Gewalt einzunehmen, bald der Regierung
abzuhandeln; aber die Konige in Antiochia hielten,
sobald sie zur Macht kamen, an diesem Besitz lest, der
ihnen jederzeit erlaubte Jonatan zu kontrollieren.
Endlich going er darauf aus, sein Fiirstentum abzurun-
den; bezeichnenderweise suchte er vor allem den Zu-
gang zum Meer. Sein Bruder, der ebenfalls eine Wiirde
verliehen erhielt und zum Statthalter des damals
nicht jiidischen Kiistengebiets aufriickte, nahm die
Gelegenheitwahr, eine jiidische Besatzung in die heid-
nische Stadt Jaffa zu legen, um den Abfall der Stadt
zu einem Thronpritendenten zu verhindern.
Es ist an dieser Stelle iiberfliissig, die Kriegsziige und
politischen Kombinationen darzustellen, an welchen
Jonatan und nach seinem Tode (er wurde Ende 143
von einem syrischen Thronpratendenten gefangenge-
setzt und ermordet) sein Bruder und Nachfolger Si-
mon teilnahmen. Sie schlugen Schlachten als Beauf-
tragte bald des einen, bald des anderen Seleukiden ge-
gen dessen Gegner und fanden stets einen Grund, den
Umstiinden entsprechend die Treue zu wechseln. In-
zwischen bauten sie ihre Hausmacht in Judla aus.
Auf diese Weise gelang es ilhnen, alle wichtigen Fe-
stungen wie Bet-Zur, Geser und endlich die Akra in
Jerusalem diese am 23. Ijar (etwa Mai) 141 in ihre
Gewalt zu bekommen. Zahlreiche andere Hauptleute
hatten es in dieser Zeit in derselben Weise verstanden,
zwischen den KOnigen und Gegenk(nigen lavierend
sich Fiirstentiimer in Syrien zu begriinden.







Das Werk des Jonatan und des Simon unterscheidet
sich aber in zweifacher Hinsicht von dem ihrer Neben-
buhler. Erstens traten sie zeitlich friiher auf als die an-
deren, die erst mit der niichsten Generation folgten.
Dann und insbesondere: die Makkabfier begrundeten
nicht nur ihre personliche Vormacht, sondern erwei-
terten damit die Macht ihres Volkes. Ihr Fiirstentum
ist national, besser gesagt religids bedingt. Als Simon
Geser oder die Akra gewann, verdraingte er die heid-
nischen Einwohner, reinigte den Ort von )Befleckung(
und besiedelte ihn mit Juden.
Die Ergebnisse der Wirksamkeit von Jonatan und Si-
mon kann man danach folgendermaflen zusammenfas-
sen: Im Jahre 152, als Jonatan zum Hohepriester ein-
gesetzt wurde, waren die Grenzen Judiias im Osten
der Jordan und das Tote Meer, im Westen etwa der
Meridian von Modemn, im Norden etwa Bet-Horon und
Bet-El, im Siiden Bet-Zur. Jonatan gewann drei Be-
zirke von Siidsamarien dazu, darunter Lydda und
Ekron. Simon erwarb die groBe Ebene, die Meeres-
kiiste von Jaffa bis Askalon und im Siiden Hebron.
In fiinfzehn Jahren wurde der Umfang des Jerusalem
unterthinigen Gebietes etwa verdoppelt; nicht nur das
Gebirge, sondern auch das fruchtbare Flachlandwurde
nunmehr jiidisch, und Jerusalem hatte seine Hiifen.
Politisch erfolgte die Emanzipation von der Herr-
schaft des seleukidischen Oberherrn. Im Mai 142 er-
hielt Simon die voile Abgabenfreiheit fiir Israel. )Da-
mit war das Joch der Heiden von Israel genommena;
man began offentliche Urkunden nach den Jahren
Simons zu datieren. Ein Jahr spiter wurde die Akra,
die hellenistische Stadt, und die Zitadelle in Jerusalem
eingenommen. Im Jahre 139 erhielt Simon das konig-
liche Privileg, (Kupfer-)Miinzen im eigenen Namen zu







priigen. Am 18. Ellul, etwa im September des Jahres
zuvor (140 v. Chr.), war in der Versammlung )der Prie-
ster, der Oberen des Volkes und der Altesten des Lan-
des von den Juden und den Priestern< beschlossen
worden, da3B Simon fuir immer ihr Fiihrer und Hohe-
priester sein sollea. Bisher war die legal Grundlage
der Macht der makkabaischen Fiirsten die konigliche
Bestallung. Nunmehr beruhte die Vorherrschaft Si-
mons und seiner Nachfolger auf dem Beschlusse des
Volkes selbst; Simon nahm daher einen neuen Titel an:
)Fiirst des Volkes (Ethnarchos). Damit aber das
Volk in seinem Leichtsinn sich nicht eines anderen be-
sinnen kUnne, wurde in demselben BeschluB bestimmt,
dalB es niemandem gestattet sein solle, ohne Simons
Zustimmung dieses Gesetz zu Andern oder Versamm-
lungen zu veranstalten.
Aber alle diese Erfolge verdankten die Juden mehr als
der eigenen Kraft der Geschicklichkeit ihrer Fiihrer,
des )schlauen Jonatan (so wird wohl sein Beiname
Affusc zu deuten sein) und seines Bruders und Nach-
folgers, des Ethnarchen Simon. Jonatan und Simon
machten ihre Eroberungen als Beauftragte der syri-
schen ThronprAtendenten, deren Anhlinger ihnen die
Tore der widerspenstigen Stadte bffneten. Nur auf
diese Weise war es zum Beispiel Jonatan moglich, eine
Stadt wie Gaza, die sonst jahrelang zu belagern ge-
wesen wire, einfach durch Verwiistung ihrer Umge-
bung unterwiirfig zu machen. Das bedeutete aber nur,
daB die Stadt sich dem durch Jonatan vertretenen
Konig Antiochus VI. anschloB, und keineswegs, dafl
sie sich den Juden preisgab. Soweit also Jonatan und
dann Simon die gewonnenen Stiidte behielten und
durch ihre Besatzungen sicherten, war es klar, daB es,
sobald die ThronkAmpfe der Seleukiden zu Ende kii-







men, notwendig sein wiirde, die Eroberungen ihren le-
gitimen Oberherrn zurfickzugeben. Jonatan und Si-
mon spekulierten darauf, daB der PrAitendentenkrieg
nie enden werde. Im groBen und ganzen sahen sie
richtig, aber eine voriibergehende Konsolidierung der
Seleukidenmacht beraubte die Makkabfier trotzdem
ihrer Gewinne und zwang Johannes Hyrkanos, den
Sohn und Nachfolger Simons, die ganze auswAirtige
Politik des Hauses und damit auch den inneren Auf-
bau des Fiirstentums grundsAtzlich zu andern.
Im Jahre 139 erschien ein neuer Thronpritendent in
Syrien, Antiochos VII. Sidetes, ein Sohn jenes Deme-
trios I., der den Widerstand Juda ha-Makkabis gebro-
chen hatte. Er mufite gegen Tryphon kAmpfen, einen
General, der sich zum Konig proklamiert und den bis-
herigen Herrscher Antiochos VI. (einen illegitimen
Enkel des Epiphanes) beseitigt hatte.
Antiochos VII. bestAtigte schon auf dem Wege nach
Syrien alle bisherigen Privilegien des Simon und ge-
wihrte ihm auBerdem das Recht, selbst das Kleingeld
ffiir sein eigenes Land( zu priigen. In Syrien ange-
langt, stellte er aber sogleich an Simon das Ansinnen,
ihm entweder die Stiidte auBerhalb Judiias, wie Jaffa,
Geser und, bezeichnenderweise, die Akra in Jerusalem
auszuliefern oder tausend Talente Silber als einmalige
Abfindungssumme zubezahlen. Simon erwiderte: Wir
haben weder fremdes Land noch fremdes Gut genom-
men, sondern das Erbe unserer Viiter, dessen einmal
unsere Feinde sich ungerechterweise bemAchtigt hat-
ten. Wir aber halten, da sich uns eine giinstige Gele-
genheit geboten hat, unserer Viiter Erbe fest. Nur
fuir Jaffa, das niemals judiiisch war, und fUir Geser hot
er eine Abfindung in der Hohe von hundert Talenten
an. Er stellte also, wenn auch nicht ganz konsequent,







dem Rechtstitel des Konigs sein historisches Anrecht
auf das Land der VAiter entgegen.
Antiochos VII. war durch den Kampf mit Tryphon be-
schfiftigt und konnte daher zunfichst nur einen seiner
Feldherren als Befehishaber des Kiistenstriches ent-
senden, um eine weitere Expansion der Juden zu ver-
hindern. Sein General Kendebaios hatte als Opera-
tionsbasis lamnia (Jawne) und erbaute dann noch die
Festung Kedron (heute das Dorf Qatra) zwischen
Jawne und Asdod. Von hier aus machte er Einfille
ins jiidische Gebiet, die von den Makkabfiern mehr
oder weniger gliicklich abgewehrt und durch Gegen-
ziige gerAcht wurden. Erst im Sommer 134, schon
nach dem Tode Simons, der etwa im Februar von sei-
nem eigenen Schwiegersohn ermordet worden war,
riickte Antiochos VII. selbst mit seiner Armee gegen
Jerusalem, wo inzwischen Johannes (Jochanan) Hyr-
kanos, der Sohn und Erbe Simons, die Regierung iiber-
nommen hatte. Wie immer versagte das jiidische Auf-
gebot dem kUniglichen Soldnerheer gegeniiber. Schon
im November stand Antiochos vor Jerusalem und lei-
tete die Belagerung ein. Ein Doppelgraben schnitt
nunmehr Jerusalem von jeder Zufuhr ab. Wie so oft
bei den Stadtbelagerungen im Altertum, verjagte Hyr-
kanos die >)Nichtkombattanten(< aus der Heiligen
Stadt, um weniger Esser ernfhren zu miissen. Eben
darum aber wies Antiochos sie zurtick, und sie irrten
nunmehr zwischen den beiden Heeren. Erst zum Laub-
huittenfest, im Herbst 133, nahm Hyrkanos sie wieder
in die Stadt auf. Er ersuchte dabei Antiochos um einen
siebentAgigen Waffenstillstand des Festes wegen. An-
tiochos willigte ein und schickte sogar Opfertiere, an
denen es natiirlich in der belagerten Stadt mangelte.
Auf diese Weise wurden Verhandlungen eingeleitet.







Hyrkanos muBte kapitulieren. Der Konig bestiitigte
in den Verhandlungen jedoch die Autonomie der Ju-
den und Hyrkanos in seiner Stellung; die Mauern von
Jerusalem wurden aber geschleift. Hyrkanos muBte
Geiseln stellen, Tribut zahlen und auf alle Eroberun-
gen der Makkabher auBerhalb Judaas verzichten. So-
gar Geser wurde ihm genommen. Im Jahre 130 muBte
er mit dem jiidischen Aufgebot den Konig in dessen
parthischen Feldzug begleiten. Das Werk Jonatans
und Simons schien mit einem Schlage vernichtet. Je-
rusalem war wieder eine abhingige Stadt wie in den
Zeiten von Epiphanes und Demetrios I., nur der Hohe-
priester war nicht aus dem legitimen Geschlechte, son-
dern ein Enkel des Mattatia, der vor dreifBig Jahren
den Aufstand gegen den GroBonkel des Antiochos VII.
begonnen hatte.


Judaa ein hellenistisches Fiirstentum

(Johannes Hyrkanos)

Antiochos VII. fiel in seinem parthischen Feldzug (129
v. Chr.). Eine neue Epoche der Thronwirren began
im Seleukidenreich. Die Praitendenten hatten jetzt
keine Autoritiit mehr; jede Stadt, jeder Tyrann fiihrte
seine Politik aufeigene Rechnung. Die Zeit des Lavie-
rens, die Zeit der Taktik Jonatans und Simons war
vorbei. Auf dem Thron der Makkabiier saB jetzt der
Vertreter einer neuen Generation, Johannes Hyrka-
nos, dessen griechischer Name anscheinend Alexander
war. Er war schon nach der Verfolgung geboren: man
warf ibm spiiter vor, daB seine Mutter hunter Epipha-
nes in Kriegsgefangenschaft geraten und daB daher







ihre Ehe mit dem Priester Simon nach der Sitte un-
zulissig gewesen sei. Er war noch ein Kind, als sein
Onkel Jonatan im Herbst 152 Hoherpriester wurde.
Die Macht zu besitzen war ihm also eine Selbstver-
stfindlichkeit. Unter seinem Vater war er Statthalter
von Geser. Der Glaubenskrieg hingegen, die Kiimpfe
mit der Reformpartei, der HaB gegen die griechischen
Bedriicker, all das, was die Sohne des Mattatia trotz
allem bhis zu ihrem letzten Tag beseelte, erschien
ihm so fremd und fern wie der Jugend von 1935 der
August 1914.
Johannes Hyrkanos wurde ein hellenistischer Fiirst
wie seine Zeitgenossen und Konkurrenten Zeno Koty-
las im transjordanischen Rabbat Ammon (heute Am-
man), Erotimos, Kanig der Nabatier, und wie sie
sonst hieBen. Jeder von ihnen strebte danach, sein
Fiirstentum zu erweitern, ohne sich im geringsten um
die Seleukiden zu kiimmern. Auch Hyrkanos wurde
von den Seleukiden vallig unabhAngig, )weder als Un-
tertan noch als Freund hat er ihnen irgend etwas ge-
leistet<. Im Gegensatz zum Onkel und zum Vater
wollte Hyrkanos durchaus auf eigenen FiBflen stehen.
Die erste Bedingung dafii, war aber ein kampffdihiges
Heer. So vorziiglich das jiidische Aufgebot im hei-
mischen Gehirgsland war, so wenig vermochte es in
der Ebene, insbesondere gegen Berufsheere, die von
den griizisierten StAdten der Kiiste angeworben wur-
den. Wie sollten auch die primitive bewaffneten j udii-
schen Hirten gegen diese schwerbewaffneten Soldner-
heere zu FuB und zu Pferde standhalten konnen, so-
bald der Kampf aud dem flachen Lande vonstatten
going, )wo es keinen Stein, keinen Kiesel, keinen Zu-
fluchtsort gab die Kiiste, die er durch den Friedenspakt von 133 ver-







loren hatte, wiedergewinnen, und keine Protektion
eines ThronprAtendenten vermochte ihm nunmehr
die Tore der griechischen Stiidte zu offnen. Also mu1f-
te auch er ein Berufsheer organisieren, das heiBt frem-
de Soldner anwerben. Gleich nach dem Friedens-
schluB des Jahres 133, so erziilte man, offnete er das
Grab Davids und holte die dort angeblich verborgenen
Schiitze, um Truppen zu dingen. Die Zeit des Volks-
konigtums der Makkabdier war damit zu Ende. Der
First besaB eine dem Volke fremde, nur ihm person-
lich geharige Wehrmacht.
Mit diesen Sildnern, aber natiirlich auch den Heer-
bann des Volkes einsetzend, gelang es Hyrkanos, in-
nerhalb von fiinfundzwanzig Jahren, Judfia zur bedeu-
tendsten Kriegsmacht Syriens zu erheben. Der Gang
seiner Eroberungen ist schlecht bekannt. Oft genug
mag er Schlappen erlitten haben. Aus zwei remischen
Dokumenten seiner Zeit erfahren wir zum Beispiel,
daB die Juden im Jahre 132 eine Intervention Roms
erbaten mit dem Ziel einer Riickgabe )von Jaffa, den
Hiifen (das hei8t den Landungsplhitzen zwischen Jaw-
ne und Gaza), Gazara, Pegai und anderer ihrer Stadte
und Ortschaften, die Antiochos mit Waffengewalt wi-
der den SenatsbeschluB genommen hate. Es handelt
sich um den Krieg gegen Antiochos VII. Aber noch
um 110 beschweren sie sich wieder in Rom, daB An-
tiochos IX. ihnen )Festungen und Hiifen und Land
abgenommen habea. Bald gelang es Hyrkanos, diese
Haiifen( wieder zu gewinnen, und die Juden erbaten
noch einmal vom remischen Senat den Schutz ffiir ihr
Land und ihre Hiifena. Man ersieht daraus, wie heftig
die Kaimpfe gerade um den Zugang zum Mittelmeer
zwischen den Juden und ihren Gegnern waren. Auf
jeden Fall saBen die Juden um die Jahrhundertwende







fest an der Kiiste. Im Hinterland erstreckte sich das
Reich des Hyrkanos bis zum Karmel. Es gelang ihm,
die verhaBlten Samaritaner zu bezwingen. Ihr Tempel
auf dem Berg Garisim wurde zerstort. Galilia wurde
dem Fiirstentum einverleibt und Alexander Jannaios,
dem jiingeren Sohn des Hyrkanos, als Wohnsitz zuge-
wiesen. Im Siiden wurden die Idumier unterworfen.
Sie nahmen die Beschneidung und die Tora an, wur-
den bald ganz Juden. Als Hyrkanos starb, iiberliefl er
seinem Sohn und Nachfolger Juda Aristobulos ein Ge-
biet, das sich vom Norden Galiliias his Massada, vom
Meer bis zum Jordan erstreckte. Aristobul regierte nur
einJahr (104bis 103). Ihm folgte sein Bruder Alexander
Jannaios. Er setzte die Politik seines Vaters fort und
fi'hrte unausgesetzt Kriege gegen die nachbarlichen
Stiidte und Fiirsten. Bei seinem Tode (76 v. Chr.) stand
die ganze Kiiste (mit Ausnahme Askalons) von der
Grenze Agyptens bis zum Karmel hunter seiner Herr-
schaft. Er gewann Transjordanien, das damals zahl-
reiche bliihende griechische Staidte beherbergte. Pa-
liistina war ))von Beerseba bis Dan( wieder jiidisch ge-
worden. ))Das Land zwischen Gaza und Libanon hei8t
Judiaa(, schrieb ein griechischer Geograph der Zeit.
Die biblischen Prophetien des Gliickes und des Wohl-
standes schienen sich zu erfiillen. Aber sie verwirk-
lichten sich, nachdem Judiia ein hellenistisches Fiir-
stentum, seit Aristobulos ein hellenistisches Konigtum
geworden war. Das gab die Kraft zu Eroberungen, das
war aber auch der innere Grund fuir die Aufl3sung des
neuen Reiches.







Prozefi und Wesen


des makkabiiischen Hellenismus

Wir konnen heute diese Hellenisierung nur noch an
einzelnen Ziigen wahrnehmen. Die sind aber bedeu-
tungsvoll genug fur denjenigen, der die Einheitlich-
keit des geschichtlichen Lebens erfassen will und es
vermag.
Ein erstes Anzeichen der )Assimilation( ist die An-
gleichung der eigenen Namen an den Geschmack der
Umwelt. Die Fiihrer der Reformpartei nannten sich
statt Jeschu -lason, statt Onia- Menelaos, der Hohe-
priester Alkimos hieB eigentlich Jakim. Wer kennt
diese Doppelnamigkeit nicht, ein Name fur die Syn-
agoge, der andere fiir das Standesamt, nach dem Ty-
pus Samuel-Sigmund?
Die Makkabiier trugen dagegen zuniichst later hebrii-
ische Namen: Mattatia, Sohn Jochanans, des Sohnes
von Simon, nennt seine Kinder Jochanan (Johannes),
Simon, Juda, Eleasar, Jonatan. Die Mitkiimpfer hie-
Ben Joseph, Asarja, Mattatia, Juda. Freilich, wenn
man Gesandte nach Rom chicken muBte, also Leute,
die in griechischer Rede gewandt waren, heiBen auch
sie lason und Eupolemos. Aber schon Simons Schwie-
gersohn hieB Ptolemaios und die Sohne desJohannes
Hyrkanos, Simons Enkel, hatten schon wieder Dop-
pelnamen Aristobulos-Juda; Antigonos, Alexander-
Jannaj (Abkiirzung von Jonatan). Johannes Hyrka-
nos und Aristobulos prfigten ihre Miinzen nur hebril-
isch, Jannaj s Miinzen sind schon zweisprachig beschrif-
tet, auf hebriiisch: Kotnig Jonatana, auf griechisch:
)des Ktnigs Alexandere.
Diese Miinzen wurden seit etwa 100 v. Chr. gepriigt.







Aber schon vierzig Jahre vorher, noch inmitten des
Kampfes mit den Seleukiden, hatten die Makkabiier,
welche gewohnlich als grimmige Feinde und Zerstirer
hellenistischer Kultur aufgefal3t zu werden pflegen,
die Zugehorigkeit der jiidischen Nation zur hellenisti-
schen Welt proklamiert. Das geschah um 143 unter
dem Hohepriestertum Jonatans.
Seit Alexander waren die Griechen Herren des Orients.
Nattirlich bemiihten sich nunmehr die Volker und die
Stiimme des Ostens, vermittels einer mehr oder weni-
ger geschickten Genealogie sich an die hellenische Na-
tion anzuschlieBen und ihre Verwandtschaft mit dieser
zu behaupten. Das galt gewissermaBen als Eintritts-
billet in die eurcpiiische Kultur. So batten zum Bei-
spiel die pisidiseae Stadt Selge, die lydische Siedlung
Kibyra in Karien, besides >)barbarische Mischsiedlun-
gen im siidwestlichen Kleinasien, sich flir spartanische
Kolonien erklirt. Das phonizische Tyros meldete im
Jahre 126/125 den Delphiern offiziell seine Verwandt-
schaft mit ihnen. Derartige Ableitungen wurden durch
die Tendenz der griechischen Wissenschaft gefordert
und erleichtert, mehr oder weniger naiv alle neuen
Volker an die schon bekannten anzukniipfen. In der-
selben Weise fligte man im Mittelalter die neuentdeck-
ten Stamme in den Rahmen der biblischen VYlker-
tafel (1.Mos.10) ein. Die griechische Gelehrsamkeit
also hatte die Juden auf Grund irgendeiner iiberspitz-
ten Kombination mit den Spartanern in Verbindung
gebracht. Das war schon um 170 v. Chr. bekannt. Ia-
son, der Fiihrer der Reformpartei, floh, als er von Me-
nelaos verdringt worden war, nach Sparta und erbat
dort >um der Stammverwandtschaft willena Gast-
freundschaft.
Sobald aber der Makkabiier Jonatan, so unerwartet Ho-







hepriester und Haupt der Judenheit geworden (S.42),
fester im Sattel sail, schickte er (etwa im Jahre 143)
eine Gesandtschaft nach Sparta, um die urtiimliche
Bruiderschaft zu erneuern. Sein Schreiben an )>die
Briider Spartaner ist uns erhalten. Jonatan berief
sich dabei auf einen von ihm in Abschrift mitgeteilten
Brief eines spartanischen K6nigs an ))Onias, den Ho-
hepriesterm. Dieser spartanische Brief ist eine offen-
kundige Falschung, von irgendeinem Literaten im
Dienst Jonatans fabriziert. Im Geiste der kosmopoli-
tischen Philosophie der Epoche wird dort im Namen
der Spartaner den Juden erklart: >Euer Vieh und euer
Besitz gehort uns und das Unsrige gehort euch<. Vor
allem aber teilt der angebliche Spartaner mit, es habe
sich )in einer Schrift uiber die Spartaner und die Juden
gefunden, daf3 sie Briider seen, und zwar aus dem Ge-
schlechte Abrahams(.
Die Filschung ist nicht sehr geschickt, aber sie folgt
durchaus dem Geist der Zeit. Man erfand damals gem
alte Urkunden, um neueste Freundschaften zu begriin-
den. In allen Filschungen und Fabeleien dieser Gat-
tung sind es aber stets die Barbaren, die eine helle-
nische Abstammung beanspruchen: Romulus, der Be-
griinder Roms, stammt von Aineas, einem Helden der
Ilias. Fiir die jiidische Falschung ist es bezeichnend,
daB hier das Verhiltnis umgekehrt ist: die Spartaner
werden an den biblischen Erzvater angekniipft.
Hier offenbart sich das Wesen und die Bedeutung des
makkabiischen Hellenismus deutlich greifbar. Die
Reformpartei wollte die Tora dem Griechentum an-
gleichen, die Makkabier wollten die hellenische Kul-
tur der Tora einverleiben. Es war ein der Europaisie-
rung Japans vergleichbarer ProzeB, das Gelehrte be-
sitzt, die iiber Boticelli schreiben und mit Ehrlich das







Salvarsan erfinden, zugleich aber im Jahre 1935 offi-
ziell das g6ttliche Souveriinitiitsrecht des Mikado ver-
kiindet, weil dieser direkt von der Guttin der Sonne
abstamme.
Diese Anpassung des Neuen an die Bibel, diese Riick-
sicht auf die einheimische Tradition charakterisiert
die unter den Makkabfiern erfolgte Hellenisierung und
unterscheidet sie von der rationalistischen Assimi-
lation, welche die Reformpartei anstrebte. Betrach-
ten wir zum Beispiel den VolksbeschluB vom Jahre
140 v. Chr., der dem Makkabiier Simon die Herrschaft
iibertriigt. Es ist ein durch und durch hellenistisches
Dokument. Es muBI auch griechisch konzipiert ge-
wesen sein. Auf jeden Fall hat es durchaus die Form
eines griechischen Ehrendekrets, die im Hebriiischen
schlechterdings unmaglich ist. Eine unendlich lange
und uniibersichtliche Periode gibt die Motivierung des
Entschlusses, der dann in einem Nachsatz formuliert
ist. Die Idee eines derartigen verfassungstiftenden Ak-
tes selbst ist rein griechisch; in der Bibel lfiit sich kein
Vorbild dafiir finden. Nach den hebriiischen Vorbil-
dern muBfte man die allgemeine Verpflichtung des Vol-
kes durch einen Schwur zugunsten Simons erwarten.
Aber selbst in dieser Urkunde, wo ein Verbot f'ir jeder-
mann ausgesprochen ist, sich in Purpur zu kleiden oder
die Goldspange zu tragen, also die Abzeichen des helle-
nistischen Fiirstentums zu gebrauchen, wo die Nation
Simon die Herrschaft aus Dankbarkeit fUir seine Taten
anbietet und er sie annimmt, wird noch immer genau
zwischen der vorangehenden Priesterschaft und dem
Volke geschieden, und die Herrschaftsiibertragung an
Simon erfolgt hunter dem Vorbehalt, )hbis ein zuver-
liissiger Prophet auferstehen wird<<. Denn man weill,
daB die Prophetie jetzt erloschen ist, daB aber nur eine







gottliche Offenbarung das ewige Gesetz fUr Israel ver-
ktinden kann, nicht eine Volksversammlung.
Oder werfen wir noch einmal einen Blick auf den Brief
Jonatans an die Spartaner. Er will die Verwandtschaft
der Juden mit diesem griechischen Volk verkiinden.
Aber er betont zugleich, daB >die heiligen Schriften in
unseren Hinden den Juden den Trost bringen und
daf die Hilfe vom Himmel die Juden aus der Hand
ihrer Feinde rette<. Und er teilt naiverweise den
Spartanern mit, daB3 die Juden ihrer in den Gebeten
gedenken, >wie es pflichtgemiB und geziemend ist, der
Briider zu gedenken<. Man kann sich vorstellen, daB
die Spartaner iiber dieses Sendschreiben ziemlich ver-
wundert sein muBten. Ihre Antwort enthfilt nur eine
diplomatisch h3fliche Empfangsbestiitigung.
Ein drittes Beispiel: Fiir jede Eroberung suchte man
im Altertum, wie es auch heute geschieht, nach einem
passenden Rechtstitel. Nach den griechischen An-
schauungen war der erste legitime Eigentiimer eines
Territoriums flir immer berechtigt, es zu beanspru-
chen, wenn es ihm inzwischen durch Gewalt entrissen
worden war. Die Gegner der Makkabiier in den grie-
chischen Stidten Phoniziens und Paliistinas behaup-
teten also zur Zeit der makkabiiischen Eroberungen,
dafB die Juden gar keinen Anspruch auf Palfistina ha-
ben ktinnen, da sie Einwanderer sind, welche die Ka-
naanier vertilgt haben: >Seid ihr nicht ein Volk von
Riubern?<< Es ist ungemein bezeichnend fUr die Hel-
lenisierung des Judentums hunter den Makkabiern,
daB die Juden diesen Streit ohne weiteres aufnahmen,
das heilt die griechischeOffentlichkeit als den Schieds-
richter in der Sache anerkannten. Es ist wichtig, daB
sie dabei auch das hellenische Rechtsprinzip der Geg-
ner akzeptierten. Waihrend die Bibel auf jede profan-







rechtliche Begriindung des Anspruchs auf das Land
verzichtet und das Recht der Juden auf Kanaan aus
der gbttlichen VerheiBung ableitet, versuchten die Ju-
den hunter den Makkabfiern ihr Anrecht auf das Heilige
Land historisch zu begriinden. Aber, und das ist cha-
rakteristisch fiir die Art ihrer Hellenisierung, sie wand-
ten das neue Prinzip auf die Bibel an. Sie erklirten
zum Beispiel, daB Palistina urspriinglich zum Rechts-
anteil Sems gehort habe, dann aber von Kanaan auf
riiuberische Weise besetzt worden sei, oder sie identi-
fizierten Sem mit Melchizedek, dem Priesterfiirsten
von Jerusalem, und wollten auch dadurch beweisen,
daB Palistina Sems Erbteil war, und so weiter. Es
fiel ihnen aber zum Beispiel gar nicht ein, dem grie-
chischen Historiker Hekataios folgend, alle Einwainde
der Gegner mit der Behauptung zu erledigen, daB Pa-
liistina zur Zeit der jiidischen Einwanderung vollig un-
bewohnt gewesen sei. Die Griechen beriefen sich bei der-
artigen Landstreitigkeiten stets auf die Schriften der
Historiker, auf alte Dokumente und sonstige Schrift-
stiicke, oder auch auf Homer; wenn aber irgend etwas
darin einer Partei nicht paBte, erklArte sie die betref-
fende Stelle fUir interpoliert. Die Juden iibernahmen
die griechische Art zu argumentieren, aber die einzige
Quelle des Wissens bleibt fUir sie die Heilige Schrift,
auch wenn die gegen sie spricht.
Diese von den MakkabAiern und unter den Makka-
biern begonnene Anpassung der hellenistischen Zivi-
lisation an die Tora hat in ihren Auswirkungen jene
Gestalt des Judentums geschaffen, die dann fuir Jahr-
hunderte, teilweise his zur Emanzipation Geltung be-
hielt. Das Judentum der nachmakkabAiischen Zeit ist
pharisAisch. Das Pharisiiertum aber, das zum ersten
Male zur Zeit des Johannes Hyrkanos erwilhnt wird,







welcher ein Schiiler der Pharisiier war, ist zum Teil
gerade durch die tbertragung einiger herrschender
Ideen des hellenistischen Zeitalters in die Welt der
Tora gekennzeichnet.
Die PharisAier oder >Peruschimr wie die Bezeichnung
hebraisch lautet, sind die Abgesonderten, die sich
von den Heiden und auch von den anderen Juden
trennen, um Heiligung zu gewinnen. Parusch wird bei
ihnen zum Synonym von kadosch, heilig. Sie sind nicht
die einzigen, die sich absondern. Die Essfier, eine an-
dere Richtung, welche iibrigens die Ideen und Lebens-
formen des griechischen Pythagoriiismus in das Juden-
tum eingefiihrt zu haben scheinen, wollten nicht we-
niger als die Pharisiier )heilig( sein, bemtiihten sich
darum sogar noch ausdriicklicher als diese. Sie erstreb-
ten aber dieses Ziel nur f'ir sich selbst, fur die Mitglie-
der ihres Ordens, die Pharisaer hingegen wollten das
ganze Volk erfassen, und zwar durch Erziehung. Ihr
Wunsch und Wille war es, daB ein jeder aus Israel
durch das Studium der Tora Heiligkeit erwerbe, und
ihr Leitwort war: >Stellet viele Schiiler auf.
Das alles ist dem biblischen Israel fremd. Die Prophe-
ten erwarten die Umkehr unter der Wucht der Ereig-
nisse, als Folge der prophetischen Ermahnungen und
gottlichen Ziichtigungen, nicht aber als Frucht eines
Studiums. Noch fur Jesus Sirach, der am Vorabend
der Verfolgung des Epiphanes sein Weisheitsbuch nie-
derschrieb, ist der Schriftgelehrte ein vornehmer Mann
und auch ein reicher Mann. Ein Handwerker, ein Bau-
er vermag nach ihm nicht Gelehrsamkeit zu erwerben.
)Wer kein Geschfift hat, wird weise, wie aber kann
weise werden, wer den Rinderstachel fiihrt?z sagt er.
Die Pharisaer wollen aber alle der Tora zufUihren. >)Die
Krone der Tora ist vor jedermann hingelegt. Fuir







Sirach, wie fur das biblische Judentum, wie fUir den
ganzen Orient ist es selbstverstindlich, daB nur der
Fromme weise ist: )Alle Weisheit kommt von dem
Herrn(. Die Pharisfier machen sich dieses Prinzip voll
zu eigen, sie fiigen aber hinzu, daB die Frommigkeit
lehrbar und nur durch die Lehre zu erwerben sei. Folg-
lich mull das ganze Volk die Tora lernen.
Das ist aber eine hellenische, wenn man will eine pla-
tonische Idee: den einzelnen Menschen und so auch
das Volk durch Erziehung neu zu formen, damit es
die ihm gestellte gottliche Aufgabe zu erfiillen imstan-
de sei. Der Hellenismus bringt die erste abendliindische
Epoche der allgemeinen Volksbildung. Die Hellenen
und die griizisierten Orientalen sammeln sich um die
iiberall verstreuten ))Gymnasia(, welche Sportplatz,
Schule und Klub zugleich sind. Im spAthellenistischen
Alexandria, wie in der griechischen Gemeinde der Re-
formpartei in Jerusalem gewhihrte erst eine Art ))Ma-
turitiftspruifung die Biirgerrechte.
Die Pharisiier machten sich diese Idee und diese Ten-
denz der hellenistischen Welt zu eigen, indem sie dabei
an den seit Esra iiblichen 6ffentlichen Vortrag der Leh-
re ankniipften. Ihr Ideal war es aber nicht, den grie-
chischen ))gentleman( zu formen, sondern das Wort zu
erfiillen, womit die Offenbarung am Sinai beginnt:
>Ihr sollt Mir ein Reich von Priestern und ein heiliges
Volk seinc.
Dieses Ziel war gewiBl alien Juden gemeinsam. Die
Pharisiier unterschieden sich von den anderen da-
durch, daB sie es durch Erziehung erreichen wollten
und daB sie diese Erziehung des Volkes nicht auf die
Tora Moses beschriinkten, sondern demVolke viele Sat-
zungen auferlegten, die in der Tora fehlten, so zum Bei-
spiel die Regel, die Hiinde vor jedem Essen zu bespren-







gen. Jedes einmal schriftlich fixierte Gesetz erfordert
naturgemifB Ergfinzungen und liBt Platz fuir Deutun-
gen. Eine Richtung im Judentum der makkabiiischen
Epoche, die Sadduziier, wollte die gesetzlichen Nor-
men auf das in der Tora ausdriicklich Enthaltene be-
schriinken. Sobald die Tora jenes oder dieses nicht
vorschrieb oder verbot, wollte sie keine weitere Rege-
lung. >Das allein sei maBgebend, was geschrieben
stehee, behaupteten sie. Die Erziehungsidee der Pha-
risier erforderte es hingegen, daIf die Tora zeit- und
sachgemiiB fortentwickelt unmd erginzt werde. Als die
Quelle flir die Ergiinzung betrachteten die Pharisfier
dabei die Tradition oder wie sie spiiter sagten, die
miiundliche( Lehre, die sie der geschriebenen Tora
gleichstellten. Diese eigentiimliche Idee, das Her-
kommliche, die )Halacha, neben die Schrift zu stel-
len, ist wieder griechisch. Es ist die Idee des )unge-
schriebenen Gesetzes, das sich nicht auf dem Stein
oder auf dem Papier darstellt, sondern lebendig im
Handeln und Treiben des Volkes hervortritt. Wahrend
aber die Idee in der griechischen Welt oft dazu diente,
das geschriebene Gesetz zu entwerten, nimmt das Pha-
risfiertum sie auf, um )einen Zaun um die Tora zu er-
richten.
Auf diese Weise ist es dem makkabaischen Hellenis-
mus gelungen, geistige Bewegungen aufzufangen, die
sonst das traditionelle Judentum zertriimmert hitten.
Die hellenistische Umwelt des Judentums war zum
Beispiel durch eine neue Offenbarung ergriffen, welche
die Frage des Basen auf Erden laste: die Vergeltung
komme nach dem Tode, der Frevler werde bestraft,
der Gerechte belohnt und zu neuem Leben erweckt.
Der Bibel sind alle diese Vorstellungen fremd, ja sie
scheinen ihr zu widersprechen, denn die Tora verheifBt







Lohn und Strafe noch in diesem Leben. Die Saddu-
zAer lehnten darum die neue Lehre auch ab und ver-
hohnten die pharisaiische Lehre von der Auferstehung.
Hiitten sie allein das Judentum maBgebend reprAsen-
tiert, es haitte entweder hinter der Zeit bleiben und er-
starren miissen, wie es mit den Samaritanern gesche-
hen ist, die auch den neuen Glauben verwarfen, oder
die Zeitstromung hatte das Judentum iiberflutet und
die Tora unterspiilt. Die Pharisfier machten sich hin-
gegen die hellenistische Lehre von der Auferstehung
zu eigen, unterstellten sie aber den Grundsitzen der
Tora. Was bei den Heiden die Folge eines mehr oder
weniger zwangsliiufigen Vorgangs war, erscheint bei
den Juden als das Schalten eines freien glttlichen
Willens. Nach der Darstellung des Flavius Josephus
hiingt die pharisaische Lehre fiber das kiinftige Leben
von der griechischen Lehre der Pythagorfier ab. Bei
den PythagorAiern muBte aber jede Seele automatisch,
je nach ihrem Verdienst, nach dem Tode zu neuem
Leben zurickkehren. Die Pharisiier hingegen ersetzten
diese schicksalsmAiBige und allezeit wirksame Notwen-
digkeit durch die Einmaligkeit des letzten Gerichtes,
dessen Tag und Sinn von Gott bestimmt wird, und
fiigten so den neuen hellenistischen Gedanken in das
Gefiige der biblischenVorstellungen ein. Inihrerneuen
Form ist die ibernommene Lehre von der Auferstehung
ein charakteristisches Stuck des jiidischen Glaubens
geworden und steht neben dem biblischen Monotheis-
mus in seinem Mittelpunkt. So beten wir noch heute:
>Gesegnet Du, o Herr, unser Gott und Gott unserer
VAter, Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jaa-
kobs ... Du bist mAchtig in die Ewigkeit, Herr, Du
bists, der die Toten belebt<.







Von Alexander Jannaios bis Pompeius

Nach ihrem eigenen Bild wollten die Pharisier das
ganze Volk Israel umgestalten, um es dem Sinaigebot
entsprechend zu einem )heiligen Volk(< zu machen.
Sie traten daher mit einem Totalitiitsanspruch auf
wie keine Partei vor oder nach ihnen. Im Hause wie
auf der Strale war jede Bewegung des Frommen ge-
regelt. Die Pharisiier schrieben vor, am Sabbat einen
Knoten weder zu kniipfen noch zu losen, sie schrieben
aber auch vor, in welchen Fallen diese Regel Ausnah-
men zulasse: eine Frau zum Beispiel darf die Binder
der Haube auch am Sonnabend verknoten. Eine der-
artige Totalitiit in der Erfassung des Lebens eines Vol-
kes ist nur dann erreichbar, wenn das Volk eines Sin-
nes mit der beherrschenden Richtung ist und weil es
das ist. Zur Zeit des Flavius Josephus, also um die Zeit
der Tempelzerstdrung durch die Romer (70 n. Chr.),
war diese geistige Einheit von Bewegung und Volk er-
reicht. Obwohl die Pharisaier iiber keinerlei staatliche
Zuchtmittelverftigten, hatten sie, so erzAhlt Josephus,
einen solchen EinfluB, daB das Volk ihnen auch dann
zustimmte, wenn sie gegen einen Kdnig oder einen Ho-
hepriester etwas zu sagen hatten. Alle gottesdienst-
lichen Handlungen, Gebete wie Opfer wurden nach
ihren Anordnungen vollzogen. Sogar die SadduziAer
muBten sich, so oft sie zu Amtern gelangten, noch
so widerwillig und gezwungen, an dasjenige halten,
was die Pharisfier sagten, weil sie andernfalls vom
Volke nicht geduldet worden wiren. Um das Jahr
100 v. Chr. kiimpften die Pharisiier aber erst um diese
geistige Herrschaft iiber Israel, und ihr Totalitiitsan-
spruch muBlte sie daher notwendig in einen Konflikt
mit den Makkabiiern verwickeln. Der ideale Staat,







sagt Platon, ist nicht anders zu verwirklichen, als
wenn Konige Philosophen oder Philosophen Konige
werden. Dasselbe Dilemma stand vor den Pharisaiern:
entweder muBten die Makkabier pharisiiisch werden
oder sie muBlten den Pharisfiern weichen.
Das Auf und Ab dieser Auseinandersetzung zwischen
dem Staat und der religiosen Bewegung verliuft nach
unseren Quellen folgendermaBen: Johannes Hyrka-
nos (134 bis 104) war zunfichst ein Freund und Schiiler
der Pharisfier. Er lieB es zu, daB sie ihre Gebote und
Verbote dem Volke auferlegten. Spiter wandte er
sich von ihnen ab, angeblich weil er von einem Phari-
saier personlich gekrinkt worden ist, er ))verbot bei
Strafe die Beobachtung der von ihnen aufgestellten
Gesetzesbestimmungen und schloB sich den Saddu-
zAern an. Infolgedessen richtete sich der HaB des Vol-
kes gegen ihn und seine S6hne<<.
Man darf sich diese Pharisaier aus der Zeit um 100
v. Chr. nicht nach dem Bild der friedliebenden Lehrer
von Jawne vorstellen, die zwei Jahrhunderte spAiter
die Eintracht predigten. Die Pharisiier stellten damals
noch eine kiimpferische Bewegung dar, die zu hassen
verstand.
Als Alexander Jannaios von den Arabern um 90 v. Chr.
besiegt wurde, fliichtete er nach Jerusalem. Die mili-
tiArische Niederlage gab den Feinden der Regierung
wie so oft die Gelegenheit, das Volk aufzuwiegeln. Es
began ein Biirgerkrieg, der sechs Jahre dauerte. Von
Jannaios befragt, was sie wollten, antworteten die
Aufstaindischen: seinen Tod. Sie riefen gegen diesen
Urenkel des Mattatia einen der letzten Seleukiden
Demetrios III. zu Hilfe. Bei Sichem trafen die Heere
aufeinander. Demetrios forderte die S6ldner des Jan-
naios auf, mit ihm, dem Hellenen, gemeinsame Sache







zu machen. Jannaios wiederum versuchte die Juden,
welche mit Demetrios waren, zum Abfall zu bewegen.
Demetrios siegte. Das Soldnerheer des Jannaios wur-
de vernichtet. Aber ein Teil der jiidischen Bundesge-
nossen des Demetrios fiel aus Mitgefiihl fuir den be-
siegten Juden vom heidnischen Sieger ab. Demetrios
zog auBlerLandes, und Jannaiosvermochte den Wider-
stand niederzuzwingen. In Jerusalem feierte er seinen
Triumph in einem Gelage mit seinen Kebsweibern.
Achthundert Kreuze waren vor ihren Blicken aufge-
richtet worden, um die gefangenen Aufstandischen
daran zu schlagen, wiihrend die Frauen und Kinder
vor ihren Augen hingeschlachtet wurden.
Es ist nicht leicht zu sagen, ob der Aufstand das Werk
der PharisAer war oder ob andere Elemente die von den
Pharisaern geschiirte Unzufriedenheit fur ihre Zwecke
benutzen wollten. Der Talmud iiberliefert ein viel-
deutiges Wort des Jannaios: )>Fiirchte die Pharisaer
nicht und nicht diejenigen, die keine Pharisaer sind,
sondern die Gefi'rbten, die den Pharisaern gleich
scheinena. Wie immer es sich verhalten haben mochte,
verfolgten die Pharisaer spAiter die Ratgeber des Jan-
naios.
Das geschah schon unter der neuen Regierung. Jan-
naios iibertrug sterbend (76 v. Chr.) die Konigswiirde
seiner Gemahlin Alexandra-Salome und soll selbst den
Rat gegeben haben, den politischen Kurs zu andern.
Sie ernannte ihren altesten Sohn Hyrkanos II. zum
Hohepriester und vertraute die Regierung den Hin-
den der Pharisaier an. Ihre von Hyrkanos I. seinerzeit
aufler Kraft gesetzten Verordnungen wurden wieder als
giiltig eingefhfirt. Alexandra hatte nur den Namen,
die Pharisaer aber die Macht des Konigtums.
Zur Macht gekommen nahmen die Pharisder nunmehr







Rache an den Beratern des Jannaios, die ihm. die Kreu-
zigung der Gefangenen empfohlen hatten, und lieBen
sie hinrichten. Man fragt sich, in welcher Weise die
PharisAer die Staatsmaschine handhabten. Es scheint,
daB Alexandra die Schriftgelehrten ins )Synedrion<<,
den Staatsrat, eingefiihrt hat, wo friiher nur die vor-
nehmsten Priester und Angehbrige des Laienadels sa-
Ben. So wurde es den Pharisiern hunter Fiihrung Si-
mon ben Schetachs moglich, ihre Gegner mit den
Machtmitteln des Staates zu iiberwailtigen.
Die antipharisiische Opposition gruppierte sich hunter
Alexandra um ihren zweiten Sohn Aristobulos. So-
bald die K6nigin gestorben war (67 v. Chr.), began
ein offener Krieg zwischen Aristobulos und seinemBru-
der, dem legitimen Thronfolger Hyrkanos II. Aristo-
bulos siegte. Hyrkanos verzichtete auf den Thron, ver-
suchte aber bald wieder, die Krone mit Hilfe der ara-
bischen Nabatier zuriickzugewinnen, denen er einige
Erobertmgen des Jannaios zuriickzugeben versprach.
Sein Vertrauter und Antreiber zu diesem Kampf war
der IdumAer Antipater, der Vater des kiinftigen Ko-
nigs Herodes. Im Friihjahr 65 saB Aristobulos auf
dem Tempelberg, von Hyrkanos und seinen arabi-
schen Bundesgenossen belagert, und man handelte
zwischen den Parteien um den Preis der Opfertiere,
die fuir den Dienst im Heiligtum notwendig waren.
Inzwischen finderte sich die Karte der Welt. Rom, das
seit langem den Ereignissen im Orient gleichgfiltig zu-
sah, wurde durch Eroberungen des Konigs Mithridates
von Pontos aufgerfittelt. Im Jahre 66 besiegte Pom-
peius den pontischen Konig und bezwang den Arme-
nier Tigranes, der zu jener Zeit auch fiber Syrien
herrschte. Als Scaurus, der Beauftragte des Pompeius,
nach Damaskus kam, hUrte er vom Bruderstreit in Je-







rusalem. Er eilte hin, und seine Berechnung bewfihrte
sich. Beide Parteien boten ihm Geld an. Er entschied
sich flir Aristobulos. Das Wort des Romers geniigte,
um die Araber zu veranlassen, daB sie die Belagerung
aufhoben.
Aber Scaurus war nur der Vorlilufer eines GrOBeren.
Im Friihjahr 63 kam Pompeius seller nach Damaskus.
Wieder erschienen die jiidischen Parteien vor ihm.
Pompeius schob die Entscheidung hinaus. Aristobu-
los fiirchtete aber, der Romer kbnnte sich zuletzt doch
fuir Hyrkanos aussprechen, den eine zahlreichejiidische
Gesandtschaft unterstiitzte. Durch sein ungeschick-
tes Benehmen verlor Aristobulos auch schnell das Ver-
trauen des Pompeius, der nunmehr befahl, Jerusalem
zu besetzen. Die Anhianger des Aristobulos weigerten
sich, die Romer einzulassen, die Partei des Hyrkanos
Iffnete ilhnen aber die Tore der Stadt. Die Truppen
des Aristobulos, der inzwischen von Pompeius gefan-
gengesetzt worden war, sammelten sich wieder auf
dem Tempelberg. Pompeius began, von Hyrkanos
unterstiitzt, die Belagerung. Im Herbst 63 wurde die
Festung erstiirmt, und die Verteidiger wurden nieder-
gemacht. Aber selbst mitten im Gemetzel setzten die
Priester ihren Opferdienst am Altar vorschriftsmiiBig
fort, ohne sich um die Furie des Biirgerkrieges zu kiim-
mern. Um den Altar herum wurden sie von Romern
hingeschlachtet.
Die eigentliche Geschichte der Makkabiier ist damit
zu Ende. Judiia wurde ein Vasallenflirstentum der R6-
mer. HyrkanosII. stand an der Spitze, aber nicht mehr
als Konig, sondern nur noch als Hoherpriester. Als sol-
cher verlor er das gesamte nichtjiidische Gebiet, die
Eroberungen des Hyrkanos I. und des Jannaios. Sein
Fiirstentum umfal3te noch Judiia, Samarien, Galiliia







und Idumia, war aber durch die von Pompeius befrei-
ten Kiistenstidte vom Meer vollkommen abgeschnit-
ten. Auch Transjordanien going den Juden zum groBten
Teil verloren. Hyrkanos II. wurde dann im Jahre 40
von den Parthern gestiirzt, die sein Neffe Antigonos
anfiihrte. Drei Jahre spliter wurde auch Antigonos
von den R6mern besiegt, und Antipaters Sohn Hero-
des mit der Regierung Judiias beauftragt. Herodes
heiratete Mariamne (Mirjam), eine Enkelin Hyrka-
nos II. und ernannte im Jahre 35 ihren Bruder Aristo-
bulos zum Hohepriester; aber schon im nichsten
Jahr lieft er ihn beseitigen. Im Jahre 30 lieB er auch
den greisen Hyrkanos hinrichten, der seit seiner Nie-
derlage als Privatmann in Jerusalem lebte. Im nachsten
Jahre t6tete er auch Mariamne, weil er sich von ihr
betrogen glaubte. Dann kam die Reihe an Mariamnes
Mutter Alexandra; im Jahre 25 lieB er noch die ent-
fernten Verwandten des Hyrkanos aufspiiren und hin-
richten. Damit war das Haus der HasmonAier bis auf
die letzten Reste vernichtet, gelSscht aus dem Buch
des Lebens.
Seit Josephus Flavius pflegen die Historiker den Nie-
dergang des Hauses inneren Zwistigkeiten zuzuschrei-
ben. >Hyrkanos und Aristobulos waren Urheber die-
ses Ungliicks Jerusalems. Dadurch haben wir die Frei-
heit verloren, sind wir Roms Untertanen geworden.(<
Andere behaupteten, auf Alexandra falle )die Schuld
daran, daB die Herrschaft, die mit solchen Miihen und
Gefahren erworben worden war, bald verlorenging(,
denn sie habe nach dem Willen der Feinde des Hauses,
niimlich der Pharisfier, regiert und die wahren Freun-
de der Dynastie abgestoBen. Das ist nattirlich naiv.
Nachdem Pompeius einmal in Syrien erschienen war,
konnte die Unterwerfung Jerusalems nicht mehr auf-







gehalten werden. Die Auseinandersetzung zwischen
Hyrkanos und Aristobulos rettete vielmehr Jerusa-
lem vor einer Katastrophe. Denn die Romer erschie-
nen nunmehr in Judia als Bundesgenossen wenigstens
einer unter den jiidischen Parteien.
Noch wichtiger aber war es, daB das Pharisiertum in-
zwischen zu einer Entfremdung zwischen dem Volk und
der Dynastie gefiihrt hatte. Vor Pompeius erschien in
Damaskus auch eine Gesandtschaft der Juden, die
ihm erklirte, Rom sei von alters her der Protektor der
Juden gewesen, die dabei die Autonomie genossen
hatten. An ihrer Spitze habe ein Hohepriester und
nicht ein Konig gestanden. Die jetzigen Herrscher,
namlich die Makkabier, versklaven das Volk und zer-
storen die viiterliche Verfassung. Sie halten sich nur
durch Terror und indem sie sich auf ihre Soldner stiit-
zen. Genau in der gleichen Weise erbaten die Juden
spifter, nach dem Tode des Herodes, daB keiner der
Herodianer zum Konig eingesetzt werde, sondern daB
es ihnen gestattet werde, ohne Konig nach den Geset-
zen der Viter zu leben.
Es ist leicht einzusehen, daB die folgerichtigen Phari-
sAer mit diesen Vorstellungen sympathisieren muBten.
Ihnen muBlte es so erscheinen, daB gerade eine Fremd-
herrschaft, welche die jiidische Autonomie achtet und
die Tora als das verpflichtende Gesetz des Judentums
anerkennt, sie in ihrer Erziehungsarbeit nicht hindern
werde; eben darum, weil sie fremd ist, und daher nur
um den piinktlichen Steuereingang und um die poli-
zeiliche Ordnung besorgt sein, im tibrigen aber das
innere Leben des Volkes auBerhalb ihres EinfluBkrei-
ses lassen werde. Nach Josephus bewarf einmal das
Volk Alexander Jannaios am Laubhiittenfeste mit
den zum Ritual des Tages gehorigen Etrogim, weil er







als Sohn einer Kriegsgefangenen der priesterlichen
Wiirde unwiirdig gewesen sei. Das entsprach einer pha-
risaiischen Deutung der Vorschrift iiber die Priesterehe
(3. Mos. 217). Die Pharisiier durften mit Recht erwar-
ten, daB fremde Herrscher sich in all diesen Dingen
peinlich nach der Meinung der Schriftgelehrten rich-
ten warden, wiahrend ein jiidischer Konig, wie es bei
den Makkabliern war, auch das innere und religi6se
Leben des Volkes nach seinen eigenen Vorstellungen
und nicht immer nach dem Gutachten der Gesetzes-
lehrer wiirde gestalten swollen. Tatsfichlich ermoglichte
und forderte dann gerade die rtmische Herrschaft die
Ausbildung des pharisiiischen Judentums in hohem
MaBe, bis es dann zu dem groflen Konflikt der beiden
ungleichen MAchte kam, in dem das jiidische Volk sein
Land verlor, um eine geschichtliche Dauer zu gewin-
nen, wie sie keinem antiken Volk sonst gewiihrt war,
auch nicht ihren Besiegern, den Romern.
Wer wird heute entscheiden wollen, ob waihrend der
Krise nach dem Tode Alexandras die einen oder die
anderen unter den jiidischen Politikern recht behiel-
ten? Im Kampfe zwischen Aristobulos und Hyrkanos
wollten die Anhfinger des letzteren einen Wundertilter
namens Chonia veranlassen, daB er Aristobulos feier-
lich verfluche. Chonia trat aber mitten zwischen die bei-
den Parteien und sprach: ))O Gott, du Konig des Alls,
da die jetzt um mich stehen dein Volk sind, die Bela-
gerten aber deine Priester, so bitte ich dich, du wollest
weder jene gegen diese erhoren, noch erfiillen, was
diese gegen jene erflehen<<. Kann der Historiker heute
anders als im Sinne dieses Gebets iiber diejenigen ur-
teilen, die beim Untergange des hasmoniiischen Hau-
ses haBerfiillt gegeneinander standen?
Aber er darf aus dem Fortgang der Geschichte fest-







stellen, da6 gerade diese Entfremdung zwischen dem
Volk oder seinen Teilen und der Dynastie fiir das Juden-
tum von einer groBen und in den Folgen heilsamenWir-
kung war. Denn die Unterwerfung im Jahre 63, durch
welche die Juden abermals Untertanen einer fremden
und heidnischen Macht wurden, erschien nun nicht
mehr als eine national und religiose Katastrophe, die
an der Zukunft der Nation und an dem Wohlwollen
Gottes zu zweifeln genotigt hAitte, sondern als die ge-
rechte Strafe fuir eine Dynastie von Usurpatoren. In
den um diese Zeit verfaBten apokryphen OPsalmen
Salomos(< erscheinen die Makkablier als Frevler, die
sich gewaltsam auf den Thron gesetzt haben, der nicht
ihnen, sondern dem Gesalbten aus Davids Haus von
Gott verheiBen war. Der SproB Davids, der verhei-
Bene Messias, wird die Herrscher einst zerschmettern
und die Heiden vertreiben; nicht aber mit irdischen
Mitteln, wie die Makkablier tun zu konnen vermeinten,
sondern durch Gottes Hand. >Seine Hoffnung steht
auf den Herrn, wer vermag etwas gegen ihn?<<
Mit dem Ende der Hasmonlier beginnt die messia-
nische Periode der jiidischen Geschichte.


Schlujibetrachtung

Die Makkabier haben Israel aus der griechischen Ge-
fahr errettet. Diese Gefahr war aber doppeldeutig.
Die Makkabiier beseitigten sie, indem sie einen Helle-
nismus vertilgten, dann aber einen anderen Hellenis-
mus begiinstigten.
Der Hellenismus war eine iibernationale, auf die Ver-
nunft begriindete und vernunftglaiubige Kultur. Seine
unmittelbare Wirkung auf die von ihm ergriffenen







Volker war daher iiberall eine das Herkommen zer-
setzende. Wenn einem makkabiischen Juden das grie-
chische >Gymnasion<, in dem nackte Jiinglinge sich
dem Sport hingaben, ein Greuel war, so beklagte Cato
in derselben Zeit, daB die natiirliche Schamhaftigkeit
der R6mer durch das hellenische Turnen untergraben
sei, und noch in der Kaiserzeit sagt ein altfrinkischer
Romer: )Die Auflosung der Sitten stammt vor allem
von der (griechischen) Kbrperkultur<<. Das Wort >Hel-
lenismusm ist in den MakkabAerbiichern der Ausdruck
fUir das Antijudische. Aber bei dem romischen Dichter
Plautus (gestorben 184 v. Chr.) ist pergraecari (etwa:
sich vergriechenc) soviel wie )verlottern(, und noch
der GroBvater Ciceros pflegte zu sagen, je besser ein
Romer Griechisch konne, desto sicherer sei er ein
Schurke.
Die Begegnung mit der aufklirerischen und universel-
len Kultur des Hellenismus konnte nur dem zum Gu-
ten gedeihen, der mit ihr wie Jakob mit dem Engel
rang, sich nicht iiberwinden lieB und ihren Segen er-
zwang, indem er sich darin nicht verlor, sondern sich
gestirkt aus ihrer Nihe zurtickgewann. Das glickte
im Altertum nur zwei Volkern: den R6mern und den
Juden. Den Romern, weil sie die Beherrscher auch
der hellenischen Welt wurden. Freilich verloren sie
manches dabei, so zum guten Teil ihre national Reli-
gion, indem sie die eigenen G6tter durch die griechi-
schen ersetzten. Den Juden gliickte es, weil ihrWissen
um die Einzigkeit Gottes und seine Weltherrschaft,
also die Einzigartigkeit ihres Glaubens ihnen den inne-
ren Halt bot und sie von der Welt absonderte.
Die Absonderung allein hitte ihrer Natur nach nur
das Gewonnene zu konservieren, nicht aber Geist und
inneres Leben zu bereichern vermocht. Auch manche







andere orientalische Volker, wie zum Beispiel dieAgyp-
ter, verschlossen sich dem Hellenismus; das fiihrte
aber nur dazu, daB sie rickstiindig wurden, und ihre
fiihrende Schicht, von der hellenischen Kultur ange-
lockt, der Nation verlorenging.
Auch Jerusalem drohte ein gleiches Schicksal. Die lei-
tenden Manner des Judentums gingen zur fremden
Kultur iiber. Die Welt des Hellenismus lud sie zu Gast,
und sie setzten sich mit an den Tisch. Die Tora aber
behinderte dieses glanzvolle Freundschaftsmahl durch
ihre Vorschriften fiber das Heilige und das Profane.
Die gesellschaftlich fiihrende Schicht in Jerusalem
entschloB sich daher, die Sonderheit des jiidischen
Glaubens und Glaubenslebens aufzuheben und, wenn
es natig wire, auch Gewalt anzuwenden, um so das
Judentum zu einer philosophischena Form des Hei-
dentums umzugestalten. Das war die Partei der >Re-
former(.
Dagegen erhoben sich die Makkabiier. Sie verteidig-
ten den Gott der Viter gegen die erfundene Gottheit
der Reformatoren. Durchihre Erhebung haben sie dem
Judentum seine Einzigartigkeit und Dauer, der Welt
aber den Monotheismus erhalten. Der Sieg der Makka-
biier und ihre Herrschaft (seit 152 v. Chr.) bereitete dem
antijiidischen Hellenismus ein Ende fuir immer.
Damit war aber die Auseinandersetzung mit dem Hel-
lenismus nicht beendet. Denn er blieb die universelle
geistige Macht, ihnlich der abendliindischen Kultur
in der heutigen Welt, der kein Volk sich verschliefBen
konnte, wenn es leben und sich behaupten wollte. Vor
allem hitte die AbschlieBung den Bruch mit der da-
mals schon zahlreichen Diaspora bedeutet, die in der
griechischen Welt zerstreut war und daher notwendig
den Hellenismus aufnehmen muBte.







Mit den Makkablern beginnt also die innerjiidische
Anpassung und Aneignung des Hellenismus in Palai-
stina. Man iibernahm Ideen und Begriffe der neuen
Zeit und der neuen Kultur, ohne damit die eigene gei-
stige Welt preiszugeben. Das geschah auf zweifache
Weise. Einmal hat die durch die Makkabfier herbeige-
fiihrte innere Festigung des Volkes es ermoglicht, daB
Vorstellungen und Einrichtungen unveriindert aufge-
nommen werden konnten, die vorher als bedrohlich
erschienen oder tatsiichlich eine Bedrohung darstell-
ten. Johannes Hyrkanos wollte keine seleukidische
Besatzung in Jerusalem zulassen, weil ein Zusammen-
leben der Juden mit den Fremden unmoglich sei. Er
selbst stellte aber ein Heer aus fremden Soldnern auf.
Das )Gymnasion( in Jerusalem war zu den Zeiten des
Epiphanes dem Judentum ungemein geffihrlich. Zu
Philons Zeiten driingten die Juden in Alexandria sich
zu Wettspielen, ohne damit vom Judentum irgend
etwas preiszugeben; und die von Herodes in Jerusa-
lem errichteten Theater, Amphitheater und Hippo-
drome wurden spiiter selbst von den orthodoxen Ju-
den besucht.
Auf der anderen Seite machte man sich hellenistische
Vorstellungen zu eigen, nachdem man sie zuerst ent-
giftet hatte. Das Rezept war ein sehr einfaches: man
fiigte das Neue in das System der Tora ein und verwer-
tete das Neue, um dem Gott der Viiter besser als his-
her zu dienen, und nicht dazu, um sich ihm geschickter
zu entwinden. Die Bewegung der Essfier zum Beispiel,
die seit der Wende des zweiten vorchristlichen Jahr-
hunderts erwilhnt wird, und bei den Juden h6chst an-
gesehen war, ist durch und durch ein hellenistisches
Gewichs auf palfistinischem Boden. In der Organisa-
tion, in den Sitten und Gebrijuchen ahmten die Esslier







die griechische Sekte der Pythagoraer nach. Sie ver-
warfen fUir sich selbst sogar das Opferwesen des Tem-
pels. Aber das alles ordneten sie der Tora ein. Sie nah-
men die vAterlichen Gesetze zu Lehrmeistern, studier-
ten eifrig die Tora, ehrten Mose nichst Gott, schick-
ten dem Tempel ihre Weihegeschenke und nahmen im
r6mischen Kriege das Martyrium auf sich, nur um die
dem Juden verbotenen Speisen nicht genieBen zu
miissen.
Auf solche Weise konnte das Judentum durch neue
und fremde Ideen bereichert und dadurch vor jener
Erstarrung gerettet werden, der in derselben Zeit zum
Beispiel die sich dem Hellenismus ganz und gar ver-
schlieBende Religion der Agypter verfiel. Wenn heute
das Abendland und der Islam an die Auferstehung
glauben, so ist das eine vom makkabiischen Juden-
tum aufgenommene, spiitervom Christentum und vom
Islam weitergegebene Vorstellung des hellenistischen
Geistes.
Die Makkabier hatten also das Judentum der griechi-
schen Zeit vor der Auflosung wie vor der Erstarrung
gerettet. Esistihre Tat, daB der GottAbrahams, Isaaks
und Jakobs auch der unsrige bleiben konnte und ge-
blieben ist. >)Meine Hilfe ist von IHM her, der Himmel
und Erde gemacht hate (Ps. 121).


Nachbemerkung

Die Geschichte der Makkabier ist uns vor allem aus
den griechisch geschriebenen (oder erhaltenen) >)Bu-
chern der Makkabaerm (I und II) und aus den Werken
des Flavius Josephus bekannt. Der Talmudenthiltnur
sehr wenig dariiber. Seine Welt des Gottesstaates ist








nicht die der makkabliischen Kfimpfe. Eine gute Uber-
setzung der Makkabaierbiicher fehlt noch. Eine gelun-
geneAuswahl aus dem ersten Buch der Makkabfier gibt
das vierte der >Jiidischen Lesehefte des Schocken
Verlags. Aus der wissenschaftlichen Literatur sei bier
nur der zweite Bandvon Eduard Meyers >>Ursprung des
Christentums< genannt. Die Begriindung fiir die oben
gegebene Darstellung der Verfolgung des Epiphanes
wird man in meinem Buch )>Der Gott der Makkabaier(
finden, das bald im Schocken Verlag erscheinen soil.
Uber die Pharisier vergleiche man die Arbeit von Leo
Baeck >> Die Pharisiier (Biicherei des Schocken Ver-
lags,6). Fiir die hiervorgetragene Auffassung desPhari-
saiertums und der Hellenisierung des palistinischen Ju-
dentums werden Belege an einem anderen Ort gegeben.

Paris, im SpAtherbst 1935. Elias Bickermann





Zeittafel
Die in Klammern gesetzten Seitenzahlen verweisen
auf die Darstellung im Buch

330: Alexander der Grofle erobert das Persische Reich
und somit Palastina (S.15)
3. Jahrhundert: Palastina unter der Herrschaft der Pto-
lemaer von Agypten
200: Antiochos III. von Syrien erobert Palistina
187-176: Seleukos IV. Philopator. Die Weisheit des Jesus
Siracho
176: Antiochos IV. Epiphanes
175-172: Jason Hohepriester. Beginn der Hellenisierung
Jerusalems (S. 18)








172-163: Menelaos Hohepriester
169: Erster aigyptischer Feldzug des Epiphanes. Tempel-
pliinderung
168: Rom erobert Mazedonien. Weltherrschaft Roms be-
griindet
168: Zweiter Aigyptischer Feldzug des Epiphanes. Griin-
dung der Akra in Jerusalem (S. 19)
167 (Ende): Tempelschindung. Beginn der Verfolgung (S.7)
166: Erhebung des Mattatia (S.10)
165: Erfolge Judas (S.23). Das Buch Daniel. Feldzug
des Lysias (S.25)
164 (Friihjahr): Ende der Verfolgung. AmnestieerlaB des
Epiphanes (S. 26)
164 (Ende): Tempelweihe (S.28). Einsetzung des Cha-
nukka-Festes (S. 30)
163: Tod des Epiphanes (S.30). Feldzug des Eupator.
Niederlage Judas (S.31)
162 (Anfang): FriedensschluB (S. 33). Hohepriester Alki-
mos (S.34)
161: Judas Sieg iiber Nikanor (S.37). Biindnis Judas
mit den Romern (S.38)
160 (Friihjahr): Tod Judas (S.40)
159: Tod des Hohepriesters Alkimos (S.41)
152 (Herbst): Jonatan Hohepriester (S.42)
146: Zerst6rung Karthagos durch die R5mer
142 (Ende): Tod Jonatans (S.44). Simon
141 (Friihjahr): Eroberung der Akra (S.45)
140: Simon Ethnarch (S.45)
134: Tod Simons (S.48)
134-104: Johannes Hyrkanos I. (S.51)
134/3: Antiochos VII. bezwingt Jerusalem, bestitigt je-
doch die Autonomie (S.49)
133: Beginn der Revolution der Gracchen in Rom
104-103: Aristobulos (S.52)
103-76: Alexander I. Jannaj (S.53)
76-67: Salome Alexandra (S.66)
63: Pompeius erobert Jerusalem (S.67)








Das Haus der Makkabaer (Hasmonder)
(167-29 v. Chr.)
Mattatia (gest. 166)
I I
Jochanan Simon Juda Eleasar Jonatan
(Johannes) (142-134) (gest. 160) (gest. 163) (152-142)
(gest. 159) |
Mattatia Juda Johannes Hyrkanos I.
(gest. 135) (gest. 135) (134-104)

Juda Aristobulos Alexander Jannaj = Salome Alexandra
(104-103) (103-76) (76-67)


Aristobulos Hyrkanos II.
(67-63; gest. 49) (63-40; gest. 30)

Alexander Antigonos Mattatia Alexandra
(gest. 49/48) (40-37) (gest. 28)
I I

Aristobulos III. Maramne = Herodes
(gest. 35) (gest. 29) (37-5 v. Chr.)

Die Seleukiden der Makkabderzeit
Antiochos III. der GroBe (233-187)
I
Seleukos IV. Philopator Antiochos IV. Epiphanes
(187-176) (176-163)

Demetrios I. Soter Antiochos V. Alexander I.
(162-150) Eupator Balas 1
(163-162) (150-145)
Demetrios II. Nikator Antiochos VII. Antiochos VI.
(150-145) (138-129) und Tryphon2
(145-138)
1 Balas gab sich foir einen unehelichen Sohn des Epiphanes aus. m Der
unmiindige Antiochos VI. wurde von einem Mann namens Tryphon auf
den Thron erhoben, der zuerst in seinem Namen den Kampf gegen Deme-
trios II. fibhrte.









PALASTINA ZUR ZEIT
DER MAKKABAER
-S--EBIEE J1RUSAIES uml67v.j16
-..GEBIE.SIMNOS umn 140v.C6u
m-."REBH IiEALEXANO[R3ANNAJ.76vi.C.












B1CHEREX DES SCHOCKEN VERLAGS

Die Buicherei des Schocken Verlags wm in nma h-
lichem Aufbau aus dem fast unikbersehbaren und hnufig unruglinglichen
jiadischen Schrifttum aller Lander und Zeiten in sorgffiltiger Auswahl daes-
jenige darbieten, was den suchenden Loser unserer Tage unmittelbar an-
zusprechen vermag. Die alte hebriaische Literatur, deren Lebendigkeit sich
grade in kritischen Zeiten bewahrt, soil durch einnvolle Auszige und an.
gemessene Obertragungen, sowie durch zweisprachige Ausgaben dem heuti-
gen Leser erschlossen warden. Aus dem zeitgenossisehen jildischen Schrifttum
werden dichterische und erorternde Arbeiten aufgenommen, die in gedrangter
Form Giltiges mitzuteilen haben. Verschollene oder nicht gebahrend be-
kannte Werke der jingeren Vergangenheit werden in Neudroeken heraus-
gegeben. Hinzu kommen in wachsendem MaB Bficher belehrenden Inhalts.


1Die Trastung Israels. An. Jeschajaha, Kapitel 40 his 55. He-
braisch mit der Verdeutschung von Martin Baber und Franz Rosenzweig. I
Diese sechzehn Kapitel des Jesaja-Buchs haben im jadischen BewunStein,
in Exegese und Liturgie seit je ihren Ort als dae Trostbuch Israels ge-
habt. eWas diese Ubersetzung for den Juden leistet, ist hier besonders
intensive zu ftbhlen. Das ist so stark, daB anuch der Unwissende der Tin-
schung erliegen mag, das Urwort unmittelbar anzu vernehmen.4 (Efraim Friseh)

2 Jehuda Halevi: Zionslieder. Hebraisch, mit der Ver-
dentachung von Franz Rosenzweig und seminen Anmerkungen. I Von den
Dichtungen des unbestritten gr6Bten hebruiischen Dichters sind in diese
Auswahl 21 anfgenommen, die von Israel and Zion handeln. sBei einer
schlechthin vorbildlichen Treue und Genauigkeit gegentlber dem Original ist
die enorme Musik des Dichters, die Graoe und Tiefe seiner Inbrunst, dae
Pathos seiner mAchtigen Sprache ungewohnlich im Deutschen verwirklieht.e

3 Joseph und seine Brtider. Ein altjidischer Roman. Her-
aungegeben von Micha Josef bin Gorion. / Die vorliegende Fassung folgt
im wesentlichen dem Sefer Hajaschar (Buch der Redliehen), einem hebri-
ischen Volksbuch des Mittelalters, in welchem so vieles, was in naohbibliecher
Zeit frommer Glaube, Phantasie und rtiokgewandte Sehnsucht an den groSen
Gestalten der Vorzeit welter gedichtet, getraumt und gedeutet hat, so-
sammenstrimt. Die Erziblung ist von groller Einfachheit und Seohnheit.

Martin Buber: 100 Chassidische Geschichten.
Die Reihe fifhrt von Gott fiber Dienst und Weg, Sainde und Umkehr,
Einfalt und Demut, Mensehen- und Kreaturenliebe, Lehren und Lernen, Leid
der Person und der Gemeinschaft hin zur Erl6sung. *Es ist eine Theologie,
die mitten in der Welt wohnt, spannungslos und selbstverstandlich, als in
dem einzigen ihr zukommenden Hanu. Wie sich aus dem natirliohen Le-
ben das geistig Bedeutungsvolle auslast, ist demlitig and kistlich Sugleich.e

In Pappe gebunden M 1.25 / Doppelnummern M 2.50








BCHEurZE DES SCHOCKEN VEBLAGS

5 S. J. Agnon: In der Gemeinschaft der Frommen.
Sechs Erzahlungen aus dem Hebriischen. I In den Agnonschen Ge-
schichten entfaltet sich dichterisch die Gemiltswelt des Chassidismus. Die
Grenze vom Gewbhnlichen sum Wunderbaren ist in ihnen durch die milde
Fille eines gliubig erfahrenen Alltags fberbrickt. *Solcher Alltag mag in
der Wirklichkeit schwinden, der Diohter Agnon laSt seine inner Vollstan-
digkeit und Erfulltheit noch einmal lebendig werden.e (Efraim Frisch)

6 Leo Baeck: Die PharisAer. Ein Kapitel jadi.cher Ge-
schichte. I Hier liegt endlich von berufener juldischer Seite eine gemein-
verstindiiche, klare Darstellung jener umstrittensten Ersebheinung der jf$-
dischen Geschichte vor, die nicht nur im Hinblick auf die alte religionege-
schichtliche Auseinandersetzung und die aus ihr sich ergebende Tagespolemik
von Bedentung ist, sondern dartiber hinaus for das geistige Wesen auch
des modernen Judentums ale bestimmender Faktor gewertet warden mull.

7 Aron David Bernstein: VSgele der Maggid.
Eine Novelle. I Um die von innerem Glanz erfilllte Geschichte zweier
iebender Midchen und ihrer Umgebung baut sich in der Novelle das Leben
einer jildischen Gemeinde vor hundert Jahren im deutachen Osten auf. Mit
bezaubernder Anmut ist dem Dichter diese Schilderung gelungen. Im Gegen-
satz an den spiteren Auflagen geht diese VerSffentlichung auf die erste on-
gleich echtere and lebensnihere Fassung mit ihrem sJudendeutsch zurlck.

8 Das Haus Israel. Aun den Schriften von David Koigen. Her.
ausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Ernst Hoffmann. I
Der russisch-judische Philosoph Koigen, der von 1919 his 1921 an der Uni.
versitit in Kiew lehrte und dann nach Deutschland fliachtete, wo er 1933
starb, ist hier mit einer Auswahl aus seinen Schriften vertreten. Er sucht eine
aus der geschichtlichen Wirklichkeit geschopfte Antwort auf die Frage, die
dae Dasein desJudentums Juden und Niohtjuden auf Schbritt und Tritt aufgibt.

9 Das Leben des Flavius Josephus. Aus seinen eigenen
Aufzeichnungen zusammengestellt und Oibersetzt von Emanuel bin Go-
rion. I Aus den Schriften des Josephus hat der Herausgeber eine Lebens-
geschichte gehoben, die zugleich ein Bild von der Zeit vor dem Untergang des
jadischen Staatswesens vermittelt. sWie immer auch dieser jadische Julius
Clsar ala Charakter in der Geschichte fortlebt, diese seine Kriegsschilderung
sollte unserer Jugend in gr5ltem AusmalB ugingig gemacht werden.e

10 Sprichwarter und Redensarten deutsch-jadischerVor-
zeit. Aufgezeichnet und nach Wort und Sinn erklart von Abraham
Tendlau. / Zu jedem Sprichwort gibt Tendlau eine kleine Wort- und Sinn-
erkliiruang, wobei er auch auf die Etymologie, auf die Verwandtschaft mit
Ahnlichen Sprichwbrtern anderer Volker usw. eingeht und die Zusammen-
hange mitdem jidischen Schrifttum erbrtert. Diese Erliuterungengeben einen
einzigartigen Einblickin jldischeOberlieferung und volkestimlicheDenkweise.

In Pappe gehunden M 1.25 /Doppolnummern M 2.50









BVCHEREI DES SCHOCKEN VERLAGS

Martin Buber: Erz!lungen von Engein Geistern und
Dimonen. I Die sechs Geschichten stammen mit einer Aunahme auns
der gleichen Zeit, in der Buber an seinen ersten chassidischen Bachern arbeil
tete. sEin seltsamer Zanber schwebt Ober diesen Erzihlungen, aber er geht -
und das ist dae Soehne nicht von den Engeln, Geistern und Damonen aus,
sondern von den Mensechen, die imhnen begegnen. Und darum haben uns Juden
die Geschichten von Engeln, Geistern und Dimonen etwas an sagen.s

12 Von der Franckfurter Juden Vergangenheit
(Sitten und BrIuchen). Aus Johann Jacob Schudtas sJdische Merck.
wilrdigkeitene (Frankfurt und Leipzig anno 1714) ausgewahlt und mit einem
Nachwort versehen von Efraim Frisch. / Wir verdanken Schudt ein kriftig
anschauliches Bild des jaidischen Wesens im Frankfurter Getto nach den Stair.
men des 30jilhrigen Krieges und damit eine einzigartige Darstellung von
j6dischem Leben in Deutschland im Jahrhundert vor der Emanzipation.

13 Von den Juden Jemens. Eine Anthologie. Geeammelt,
fabersetzt und herausgegeben von S. D. F. Goitein. I Aus Bfachern,
Handschriften und mfandlichen Mitteilungen hat der Verfasser diesel An-
thologie zusammengestellt, die dem deutschen Leser sum erstenmal einen
Einblick in die Welt der Jemeniten gewihrt. Auf knappem Raum fahrt
sie in den Geist und das real Leben einer Volksgruppe ein und bring
diesen weit versprengten Stamm des jildischen Volkes dem Leser nahe.

14 S. J. Agnon: Und das Krumme wird gerade.
Eine Erzfihlung. I Beim ersten Erscheinen dieses Buches schrieb Martin
Buber: *Agnon ist berufen, ein Dichter und Chronist des jildischen Lebens
au werden; des einen, das heute stirbt und sich verwandelt, abet auch des
anderen, werdenden, unbekannten. Galizier und Palistinenser, Chassid und
Pionier, trigt er in seinem treuen Herzen die Essenz beider Welten im Gleich.
gewicht der Weihe. Soil ich sagen, wie wir ihn schitzen? Wir lieben ihn.e

15 Ludwig StrauB: Botschaft. Zw lf Gesohichten Lud-
wig StrauB fafSt das Erlebnis seiner Einsamkeit in karge und strange
Gleiohnisse; ihm wichat der Stoff nicht willing su. Seine Spraehe, die
sich dem chronikalischen Deutsch Kleistens und Arnims nfihert, erffinet
xaehtvoll die Trauer eines Herzens fiber sich selbst. Um StrauB breitet
sich die Einsamkeit der Verhannung; nur dort, we or jildisohes Leben eich-
net, fthlt man, als Ahnung, die Heimat und ihren Trost.t (Heins Politser)


16 Martin Buber: Zwiesprache. Ein Traktat vom dialo.
gischen Leben. / Buber zeigt in die"r Schrift, daB eas wel Grundarton
mensehliohen Labens gibt, das Dialogishe und des Monologisohe. sKenner
des Schifttuma Martin Bubmri warden sich hier, in diesen knappen klaren
Kapitain, eindringlieher und enteehiedener ale je angesproohen und ge-
stellt fhalen vielleicht ale Gegner, aber deann zur Zwiesprache mit dem
Gegner, wnn anders ale wirkliohe Leeer des Bachleina sind. (Ernst Miehel)

In Pappe gebunden M 1.25 / Deppelnummern M 2.50








BCCHERBI DES SCHOCKEN VERLAGS

17 Karl Wolfskehl: Die Stimme spricht. codicht /
Wenn aus der Seele dieses Dichters schlichte, psalmengleich straw.
mende Worte radikaler Umkehr und Einkehr hervorbrechen, Gebet, Be-
kenntnis and VerheiBung, Anfruf und Weisung Gottes an sein Volk, Worte
der Stimme, die aus der Ewigkeit in die Zeit gesprochen sind wie sollten
wir nicht mit letter Ergriffenheit, mit einem Erschauern aus der Tiefe
der Seele unseres Volkes selbet dieser Dichtung lauschen.e (Marg. Susman)

18 GeShichtenbuch ausdemm jdisch-deutschen Maafebuchaus-
gewaidt and fbertragen von Ludwig Stranu. /s Das Baohlein stellt sich
naeh StranB' eigenen Worten die Aufgabe, den heutigen Leaser an innigerer
Beasehftigung mit dem Erzlhlungsgut jfidisch-deutscher Vberlieferung an-
suregen. Seine Ubertragungen lesen slich wie deutsche Volkserzahlungen,
etwa aus der Zeit des Johann Peter Hebel, an den der Ubersetzer vielleicht
dachte, und wahren doch gldlcklich den ursprflnglichen Reis des Originals.e

19 Franz Kafka: Vor dem Gesetz. Ausgewahite Er-
azihiungen und Aphorismen. /sUnter den Zeugen unserer zerrissenen
und leidenden Zeit, hunter den jiangeren Brddern der Kierkegaard und Nietz-
sche wird das erstaunliche Werk des Prager Dichters weiterleben. Er war
zum Grilbeln und sum Leiden begabt und zugleich besall er in seiner
Kunst einen Zanbersehlassel, der uns nicht blol Verwirrung und tragische
Visionen erschlossen hat, sondern auch Schdnheit und Trost.s (H. Hesse)

20 Hermann Cohen: Der NAchste. Vier Abhand.
lungen fiber dasVerhalten vonMensch zu Mensch nach der Lehre des
Judentums. Mit einer Vorbemerkung von Martin Buber. I Die zu einem
Ganzen gefflgten meisterlichen Abhandlungen des Philosophen unterriobten
den Leser fiber einen after und auch haute wieder in Frage gestellten Zen-
tralpunkt der jadischen Lehre. Das mitenthaltene *Gerichtagutachten fiber
die Nichntenliebe im Talmuds dflrfte heute im besonderen willkommen sein.

21 Martin Buber: Des Baal-Schem-Tow hunter.
e weisung im Umgang mit Gott. / In diesemn Buch sind die als Zitate in
Schriften von Schilern und Schtllerssehfllern erhaltenen Worte des Stifters
der ehassidischen Bewegung gesammelt. Es sind Bruchstficke ans den Reden
eines Menschen, der selber kein Buch geschrieben hat, das konzentrierteste
literarische Dokument seines religi6sen Denkens. Diese suweilen unerhbrt
khhnen Worte und Gleichnisse sind von Buber meisterhaft treu flbertragen.

22 Die Josefslegende in aquarelierten Zeichnungen eines un-
bekannten Juden der Biedermeierzeit. Mit den zugehdrigen Schrift-
stellen in der Verdeuntchung von Martin Buber und Franz Rosenzweig und
mit einer Einleitung von Erna Stein. / Die auf eoehs losen Tafeln mehrfarbig
abgebildeten Zeichnungen geh6ren einer bisher unbekannten Gattung jfdi.
scher Volkskunst an. Sie vereinen ursprflngliohe Naivitit mit einem fiber-
raschenden Sinn far Farbe und Form und einer aundrucksatarken Originalitat.

In Pappe gebunden M 1.25 / Doppelnummern M 2.50









BCHEREBI DES SCHOOKRN VERLAGS

23 Rejte Pomeranzen. Ostjodische Schwanke und ErsIh.
Iungen, gesammelt von Immanuel Olsvanger. / In diesen Stacken
tritt das Volk selber vor dem Leser auf, so wie es lst, ungesohminkt und un.
verachleiert, mit seinen Eigenheiten und Fehlern, seiner Not und seinem
Lachen. Dem Herausgeber ist es geglickt, die dem Volksmund abgelaushbten
Stfcke in der ganzen Frische und Farbigkeit ihrer unnachahmllohen Eruibler.
kunst festauhalten. Fufnoten und Glossar erschliefen den jiddischen Text.

24 Vom Garten Eden, der Arche Noah und dem weisen KS.
nig Salomo. 77 Geschichten von Pflanzen und Tieren. Neu erzihit von
Rahel und Emanuel bin Gorion. / Aus dem groBen Schatz der an die hebra.
ische Bibel anknilpfenden Geschichten von Tieren und Pflansen haben die Ver-
fasser siebenundsiebmig for Kinder nachersiibt. Die aufgenommenen Stfcks
sind dem Verstindnis selbst vorachulpflihtiger Kinder xuganglich und er-
weisen ihre Echtheit dadurch, daB se auch Erwachsenen Frende machen.

25 Der Sabbat. Sein Abbild im jdischen Sehrifttom, seine Ge-
schichte und seine heutige Gestalt. Von Morits Zobel. I Dieses Buach
6 ist sine umfassende dokumentarisehe Vernffentlichung fiber den Sab-
bat, wie sie unseres Wiasens noch in keiner Sprache fisher vorge-
legen hat. Es ist dem Verfasser gelungen, auf 200 Seiten eine mafgebende,
im Systematischen vollstindige Darstellung zu geben, die bis auf das rein
Halachische (Gesetzliche) die Gesamterecheinung des Sabbats beachrelbt.


27 Rabbi Mosche ben Maimon. Ein systematischer Quer-
s ohnitt durch sein Werk. Ausgewihlt, obertragen und eingeleitet von
8 Nahum Norbert Glatzer. I Die in diesem Band gegebene Zusammen-
stellung ist far Menschen bestimmt, denen der Zugang zu den Quellen
erschwert ist. Sie swollen durch dieses Buch des Werk des Maimonides in seinen
wichtigsten Gedankengingen kennen und verstehen lernen: seine Religi-
onsphilosophie, seine Ethik, seine jaldische Pflichten- und Glaubendehre.

29 Des RabbiMosche b.Maimon MoreNewuchime
2(Fahrer der Verirrten) im GrundriB. Answahl, Ubertragung und Ein-
leitung von Alexander Altmann. / Dem Versuch, dem fernerstehenden Laien
eine Einflhrung in die Grundgedanken des philosophischen Hauptwerkes des
Rambam zu geben, dient diese Verffentlichung. Das an und for sich sehr
schwierige Buch ist hier im GrundrifB ausgesogen, und zwar in solcher Weise,
daB der Aufban und die Hauptgedanken for jedermann verstindlich warden.

30 Jiidische Volkslieder. Auegewiblt, aus dem Jiddischen,
oibersetzt und erliiutert von Ludwig StrauD. I Die jiddischen Volks-
lieder geh6ren an den wichtigaten Schapfungen des jldischen Volksgeistes
im Osten. In den Anmerkungen wird auf das Aufdecken der Zusammen-
hinge zwisehen deutscher und jiddischer Volkslieddichtung Wert gelegt, umrn
an den Wandlungen, die deutsche Motive im jiddischen Gedicht gefunden
haben, den besonderen Charakter der jiddischen Volkslieddichtung su erhellen.

In Pappe gebunden M 1.25 / Doppelnummern M 2.50








BIECHEREI DES SCHOCKEN VERLAGS

21 Abdias. Eine Erszblung von Adalbert Stifter. Mit einem Nach-
wort von Margarete Susman. I *Adalbert Stifter geh6rt nz denjenigen
dentschen Dichtern, die mit dem Ernst des wahren groflen Kunstlers dem
meonshlichen Problem des jidieahen Exil-Daseins inmitten der europlischen
Kulturwelt ehrfiirchtig n&her getreten sind und versucht haben, ihm dich.
terisch Ausdruck zu verleihen. In ihrem Nachwort snucht Margarete Susman
das destere Lebensschicksal des Juden Abdias zu deuten.s (Der Israelit)

32 Die zehn Martyrer. Ein Legndenkreis. Aus den Samm-
lungen von Micha Josef bin Gorion. / Der letzte Versuch, ein jadisches
Reich zn schaffen, war geseheitert, und die Hand des Siegers lastete schwerer
als je suvor auf dem unterdraclkten Volke. Heilige Minner liellen ihr Leben,
damit das religifse und geistige Gut bewahrt bliebe, welches zugleich das
Mittel gewesen ist, dasVolk durch ein langes Exil hindurch an erhalten. Die Be.
richte flber diesel Martyrien finden sich einzelnim Talmud und frflhen Midrasch.

33 SalomonMaimon: Geschichte d.eigenenLebens
(1754 his 1800). / Fur uns Heutige ist dies Buch ein unschatzbares
34 Dokument aus der Zeit, in der die intensive Begegnung der damals
noeh abgeschlossen lebenden Juden mit dem geistigen und gesellsohaft-
liehen Leben Deutachlands sich eben anbahnte. Die Ereignisse der Zeit treten
uns als die leidenschaftlieh erfahrenen Lebensstationen eines ungewohnlichen
Mensehen entgegen, dessen Schilderung schon die Zeitgenossen begeisterte.

35 Philon von Alexandrien: Von den Machterweisen
Gottes. Eine seitgenassische Darstellung der Judenverfolgungen
hunter dem Kaiser Caligula. Obereetzt, bearbeitet and eingeleitet von Hans
Lewy. / AIs Fthrer der jidischen Gesandtschaft vor Caligula trug Philon
die Verantwortung fir das Schicksal der alexandrinischen Judenheit.
Diese Nihe an den Ereignissen verleiht seiner Darstellung eine Unmittel-
barkeit und inner Spannung, die in antiken Geschichtswerken selten ist.

36 Midraschim der Klage und des Zuspruchs.
Ausgewihlt, abersetet und mit einem Vorwort versehen von Max
Dienemann. I In der bier vorliegenden Sammling, einer Art moderner
sKinae, sind Midraschsticke vereinigt, die um Trauer und Niederbruoh des
Einzelnen and der Gesamtheit kreisen. Ihr Auegangspunkt sind meist Er-
eignisse der alten jildisohen Geschichte: die beiden Tempelzerstirungen,
die Bedrohung in der persischen Zeit und die hadrianisohe Verfolgung.

37 Ernst Simon: Chajjim Nachman Bialik. Eine
Einfahrung in sein Leben und smin Work. Mit einigen tYbersetzungs.
38 proben und Gediehbtanalysen. / Mit' diesem Buch liegt die reste zu-
sammenfassende Monographie Ober Bialik vor, den Diohter der jf-
disehen Wiedergehurt, der zur gleichsam symbolischen Gestalt ihrer Epochs
geworden 1st. Ans eindringlicher Analyse der Dichtungen und Schriften
warden Verlauf und Riehtung diesems shopferlsoben Lebens orsohlossen.

In Pappe gebunden M 1.25 / Doppelnummern M 2.50









BUCHEREI DES SCHOCKEN VEBLAGS

39 Ludwig August Frankl: Nach Jerusalem. Ein
9 Reisebericht aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. / Frankl,
Arzt, Schriftsteller und Politiker, zugleich einer der bekanntesten Ersehei-
nungen des Wiener Vormarz, reiste 1856 his 1857 nach dem Orient, um
im Auftrage einer Stiftung in Jerusalem eine Schule an grfinden. Aus sei-
ner zweibindigen Reisebesehreibung vereinigt dieses Buch die lebendigen
und aufschluBreichen Berichte fiber Palastina und orientalieches Judentum.

40 Die Geheimnisse der Schbpfung. Ein Kapitel au
dem Sohar. Von G. Scholem. I Zum ersten Male wird in diesem Band
die wirklich authentische ungekurzte Obersetzung eines der wichtigaten
Absehnitte aus dem Sohar, dem klassischen Hauptwerk der Kabbala vor.
gelegt: seine Deutung der Schapfungsgeschichte. Neben die .bersetzung
tritt eine ausfikhrliche Abhandlung fiber Gehalt und Wesen des Sohar, des-
sen Entatehungsgeschichte in zwingenden Darlegungen sichergeatellt wird.

41 Ludwig StrauB: Land Israel. Gedichte. / Die Ent-
scheidung vieler Tausende deutscher Juden ffr Pallstina in dieser
Entscheidung fordernden Zeit, die Begegnung mit dem altneuen Land,
seiner Wirklichkeit und seinem Ansprach, hat in Ludwig Straunl den
Dichter gefunden. In herb-unsentimentalen, formstrengen Gedichten liist
er das Land mit seinen Stitten, Landsehaften und Jahreszeiten erstehen,
erhalten Not und Hoffnung des Aufbruehs ihren dichterischen Aundruek.

42 Gesprache der Weisen. Aus talmudisch-midraschischen
Texten mitgeteilt von Nahum Norbert Glatzer. / Auoh nachdem
sie als *Talmude sehriftlich festgehalten war, blieb die tberlieferung der
Rabbinen stmandliche Lehree, und das Gespriich ist eine der Grundformen,
in denen sie erscheint. Glatzer gibt eine nach den Hauptgegenstinden der
Lehre geordnete, streng systematische Zusammenatellung solcher Gespriiche
und dazu eine bei aller Kfirze gut unterrichtende Einfihrong in den Stoff.

43 Martin Buber: Deutung des Chassidismus.
Die chassidische Bewegung ist der unumasttBtliche Erweis der durch
swei Jahrtausende des Exils ungebrochenen religidsen Lebendigkeit und Ge-
staltmachtigkeit des Judentums. Die drei Arbeiten, die bier vereinigt sind
und von denen die dritte bier sum erstenmal in Buchform erscheint, zei-
gen, was diesel Bewegung in der geistigen Gesechichte der Menschheit be-
deutet, und geben nu ahnen, was sie fur ihre geistige Zukunft bedeuten kann.

44 Aron David Bernstein: Mendel Gibbor. Eine
Novelle. / Wie sVdgele der Maggide so ist auch diees Bernsteinsche
Erzablung vor allem als innige Schilderung deutech-judischen Gemeinde-
lebens in der groBfen Umbruchszeit liebenswert. Im Mittelpunkt steht die
Figur eines typisch juidisch gepriigten Naturburschen, der durch mannig-
faltige Hemmungen hindurch schliefllich den Weg vom polizeilich verfolgten
Hausierer zum Bauern findet. Die Bearbeitung ist von Hans Bach besorgt.

In Pappe gebunden M 1.25 / Doppelnummern M 2.50









BVCHEREI DES SCHOCKEN VERLAGS

45 Wege nach Zion. Reiseberichte und Briefe aus Erez JiB-
rael in drei Jahrhunderten. tbersetzt und herausgegehen von Kurt
Wilhelm. / Aus Aufzeichnungen jildischer Palistinawanderer verschiedenster
Herkunft ersteht hier ein lebensvolles Bild von der Bemahung des schlich-
ten Juden um Pallistina und von seinem alltiglichen Dasein im Lande.
Die Sammlung erschlieBt eine within unbekannte Epoche des judischen
Palistina: die Zeit der Tlrkenherrsechaft his zur Mitte des 18. Jahrhunderts.

46 Ferdinand Gregorovius: Der Ghetto und die
lJuden in Rom. Mit einem Geleitwort von Leo Baeck. / Der Fort-
bestand einer Gemeinde von Juden neben den Triimmern der Pracht ihrer
einstigen Bezwinger hat den berihmten Geschichtsschreiber Roms von frih
an gefesselt und bald zur Darstellung ihrer sLeidensgeschichtes bewogen. Aus
antiken und christlichen Quellen hat er ein im ganzen sehr eindrucksvolles
Bild von den Schicksalen der altesten jadischen Gemeinde Europas gestaltet.

47 Elias Bickermann: Die Makkabdier. Eine Darstel-
lung ihrer Geschichte von den Anfingen his zum Untergang des Has-
monferhauses. / Dem Bederfnis nach einer iibersichtlichen und gemeinver-
stindlichen, dabei strong wissenschaftlichen Darstellung der makkabiiischen
Geschichtsepoche kommt dieses Buch des besonders sachkundigen Verfas-
sers in hervorragender Weise entgegen. Wohl noch nie sind die zukunfts-
bestimmenden Momente in den Ereignissen so klar dargestellt wordenwie hier.


In Pappe gebunden M 1.25/ Doppelnurmern M 2.50




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