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HIDE
 Front Cover
 Introduction
 Erster teil: Die ethnographische...
 Zweiter teil: Die ethnographische...
 Bibliography
 Back Cover














Group Title: ethnographische Literatur u¨ber den Ulanga-Distrikt, Tanganyika-Territorium
Title: Die ethnographische Literatur über den Ulanga-Distrikt, Tanganyika-Territorium
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Permanent Link: http://ufdc.ufl.edu/UF00023300/00001
 Material Information
Title: Die ethnographische Literatur über den Ulanga-Distrikt, Tanganyika-Territorium
Physical Description: p. 150 -185 : ; 25 cm.
Language: German
Creator: Brantschen, Anastas
Publisher: Verlag für Recht und Gesellschaft
Place of Publication: Basel
Publication Date: 1953
Copyright Date: 1953
 Subjects
Subject: Ethnology -- Bibliography -- Tanzania -- Ulanga District   ( lcsh )
Genre: bibliography   ( marcgt )
non-fiction   ( marcgt )
Spatial Coverage: Tanzania
 Notes
Statement of Responsibility: von Anastas Brantschen.
General Note: Offprint from: Acta tropica, v. 10, no. 2 (1953).
General Note: Cover title.
 Record Information
Bibliographic ID: UF00023300
Volume ID: VID00001
Source Institution: University of Florida
Holding Location: University of Florida
Rights Management: All rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier: ltqf - AAB3002
ltuf - AHH5676
oclc - 41373815
alephbibnum - 001561969

Table of Contents
    Front Cover
        Front Cover 1
        Front Cover 2
    Introduction
        Page 150
        Page 151
    Erster teil: Die ethnographische literatur bis 1919
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    Zweiter teil: Die ethnographische literatur seit 1919
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    Bibliography
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        Page 185
    Back Cover
        Page 186
Full Text





ACTA TROPICA

Zeitschrift fr Tropenwlssenschaften und Tropenmedizin
Revue des Sclences Tropicales et de M6decine Tropicale
Review of Troplcal Sclence and Tropical Medicine

unter Mitwirkung erster Fachgelehrter des In- und Auslandes herausgeg4een von
publile avec la collaboration d'4minents specialistes sulsses et 6trangers par
issued in collaboration with eminent Swiss and foreign specialists by

A. BUHLER R. GEIGY A. GIGON R. TSCHUDI
Professoren an der Universitt Basel

Separatum Vol. 10, Nr.2 (1953)






Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt,
Tanganyika-Territorium.
Von P. ANASTAS BRANTSCHEN, O. F. M. Cap.












VERLAG FR RECHT UND GESELLSCHAFT A.G., BASEL



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Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt
Tanganyika-Territorium.
Von P. ANASTAS BRANTSCHEN, O. F. M. Cap.


































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Einleitung.

I. Vorbemerkungen zur Arbeit.

Die vorliegende Arbeit mchte das ethnographische Tatsachenmaterial ber
den heutigen politischen Ulanga-Distrikt (abgekrzt: UD) sammeln und nach
Inhalt, Wert und Bedeutung sichten. Da die Stmme des UD nie im Brennpunkt
des Interesses der Ethnologen gestanden sind, ist bis heute keine bibliogra-
phische Arbeit ber dieses Gebiet erschienen. Einzig in einer Bibliographie der
ethnographischen Literatur des Tanganyika-Territoriums von R. de Z. Hall (42)
sind auch eine Anzahl ethnographische Arbeiten ber den UD angefhrt. Hall
macht jedoch keinen Anspruch auf Vollstndigkeit, und tatschlich ist seine
Liste fr den UD weder vollstndig noch genau in den Angaben.
Da die wissenschaftlichen Verffentlichungen an Zahl und fast durchwegs
auch an Umfang gering sind, mchte diese Arbeit auch das ethnographische
Tatsachenmaterial erfassen, das in nicht-fachwissenschaftlichen Organen, vor
allem in Zeitschriften und Berichten der Missionsgesellschaften, erschienen ist.
Vollstndig durchgesehen wurden die Missionsbltter von St. Ottilien, die
gedruckten Chroniken der Station Ifinga (im Sdwesten des UD), der Missions-
bote, die Jahresberichte, die Provinzzeitschrift St. Fidelis der Schweizer-
kapuziner und die Zeitschrift Seraphisches Weltapostolat (vgl. Bibliographie).
Ferner wurden eingesehen die Missions-Berichte und die Jahresberichte der
Berliner-Missions-Gesellschaft von 1900 bis 1918. Auch die Verzeichnisse der in
Frage kommenden Jahrgnge der Deutschen Kolonialzeitung wurden ganz
durchgesehen; andere nicht-fachwissenschaftliche Organe, wie das Deutsche
Kolonialblatt und die Mitteilungen aus deutschen Schutzgebieten, wurden
nur auf anderswo zitierte Beitrge nachgeprft.
Die kritische Beurteilung wird fr gewhnlich nicht auf Einzelheiten ein-
gehen knnen. Bei umfangreichen und bedeutenden Arbeiten wird eine ein-
gehendere kritische Wertung versucht, aber nur eine allgemeine Inhaltsangabe
geboten. Bei krzeren und unbedeutenden Beitrgen hingegen wird eine ins
einzelne gehende Inhaltsangabe vorgelegt, damit der Interessent sogleich im
Bild sei, ob etwas fr seine Zwecke Brauchbares vorliege oder nicht.
Linguistische Arbeiten, deren brigens sehr wenige vorhanden sind, werden
nur soweit in Betracht gezogen, als sie ausgesprochen ethnographischen Stoff
enthalten. Ebenso wird die spezifische Kulturarbeit der Mission und der Kolo-
nialmchte im allgemeinen nicht Bercksichtigung finden. (Fr die Kulturarbeit
der Mission wrden sich in den letzten 4 Jahrgngen des Missionsboten und
im Jahresbericht 1947 vorzgliche Zusammenstellungen finden.) Die Liste
der einbezogenen Beitrge schliet mit Ende 1951.
Fr die Zitation sei bemerkt: Die erste Zahl weist hin auf die Nummer der
betreffenden Arbeit in der Bibliographie; um Unklarheiten zu vermeiden, wird
bei einigen Artikeln noch a und b hinzugefgt. Die folgenden Zahlen geben die
Seitenzahl (p.) oder die Nummer des Artikels in der Zeitschrift Man (no.)
oder die Heftnummer (Nr.) bei den 10 ersten Jahrgngen des Missionsboten










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 151

an, weil diese nicht paginiert sind. Wenn verschiedene Arbeiten zugleich zitiert
werden, wird ein Strichpunkt zwischen die entsprechenden Ziffern gesetzt. Hin-
weise auf Literatur, die nicht in die Bibliographie aufgenommen wurde, wer-
den in Klammern beigefgt.


II. berblick ber Land und Leute des Ulanga-Distrikts.

Der heutige Verwaltungsbezirk Ulanga, sehr oft auch Mahenge-Distrikt ge-
nannt, liegt im sdlichen Teil des Tanganyika-Territoriums etwa 300 km von
der Ostkste entfernt. Er stellt geographisch ein ziemlich klar umgrenztes Ge-
biet dar. Im Norden werden seine Grenzen vom Ruahaflu bestimmt, im Nord-
westen und Westen vom Iringagebirge, im Sden von einer breiten, sehr dnn
besiedelten Buschwildnis und im Osten von den Flulufen des Mbarangandu.
Luwegu und Rufiji. Der Distrikt umfat ein Gebiet von ungefhr 34 000 km'
bestehend aus der Ulangatiefebene und dem Mahengegebirgsland. Das Gebirgs-
land wird im Osten von den Flutlern des Luwegu und Luhombero durch-
zogen. Gegen Sden hin geht sowohl das Gebirgsland als auch die Tiefebene
ins Songeahochland ber. (Wenn im Laufe dieser Arbeit die Bezeichnung
Ulangagebiet gebraucht wird, ist damit vor allem die Ulangaebene mit den
angrenzenden Hgellandschaften gemeint, ohne aber den brigen Teil des UD
auszuschlieen. Die Bezeichnung Ulangatal hingegen soll den Gegensatz zum
Mahengegebirge ausdrcken.)
Diesen geographischen Gegebenheiten entsprechend ist das Gebiet auch
ethnographisch ziemlich klar nach auen abgegrenzt, stellt aber nach innen
keine geschlossene Einheit dar. In den Upogorobergen, in den Flutiilern des
Luhombero und zum Teil auch in der angrenzenden Ulangaebene wohnen die
Pogoro. Sdstlich von ihnen, am Luhombero und Luwegu, siedelt ein Teil
der Ngindo; der grere Teil dieses Stammes hat seine Wohnsitze auerhalb
des UD. Westlich von den Ngindo, in den Mbarikabergen, hausten bis vor we-
nigen Jahren die Ndwewe. Sie wurden neuestens von der Regierung teils in der
Ulangaebene, teils am Luhombero angesiedelt. Dieser Stamm ist am Unter-
gehen; in der neuesten Volkszhlung wird er nicht mit Namen angefhrt. Lngs
den Ufern des Ulanga sitzt der Fischerstamm der Ndamba. Zu diesen 4 alt-
eingesessenen Vlkerschaften kommen die Mbunga im unteren Teil der Ulanga-
ebene bis hinber zum Ruaha. Sie brachen um 1860 von Sden her ein. Im
oberen Teil der Ulangaebene und im angrenzenden Hgelland von Masagati
und Matumbi setzten sich bald nach dem Durchzug der Mbunga die sogenann-
ten Flu-Bena als Herrenvolk fest. Im stlichen Teil des obern Ulangatales
suchten sich um 1885 herum einige Splitter der Ngoni-Vlker ihre Wohnsitze.
Dann wren noch einige kleine Gruppen von Hehe zu nennen, die eigentlich
zum Iringa-Bezirk gehren, aber aus verwaltungstechnischen Grnden dem UD
zugeteilt wurden. Diese Hehe und die Ngindo ausgenommen, geht das heutige
Stammesgebiet der Ulangavlkerschaften nicht ber die Grenzen des Bezirkes
hinaus. Die Flubena und, wie es scheint, die Ngoni des UD haben sich voll-
stndig von ihren Bruderstmmen gelst. So bietet der UD auch ethnographisch
ein einigermaen geschlossenes Bild. (Zum eben Gesagten vgl. 63, p. 2, 14;
53, p. 431-441; 39, p. 289-295.)
Die Volkszhlung von 1948 bietet folgende statistische Angaben ber die
Bevlkerung des UD:

Pogoro 53 195 Ngindo 9 831
Ndamba 19 032 Ngoni 5 193
Bena 14 802 Hehe 4 222
Mbunga 10 034 Rest 5 019









152 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

ERSTER TEIL

Die ethnogra,phische Literatur bis 1919.
(Der Ulanga-Distrikt deutsches Kolonialgebiet.)

Um zu einem ethnographischen Gesamtbild eines Stammes und erst recht
eines greren Gebietes zu gelangen, sind zuerst eine groe Zahl von Einzel-
aufnahmen erfordert. Wir werden uns zuerst mit diesen ethnographischen Ein-
zelaufnahmen befassen, wie sie als verstreute Notizen oder kleinere Aufstze
vorliegen, und dann mit zusammenfassenden Darstellungen.

I. Notizen und Aufstze.
Die Erforschung und Erschlieung des Ulangagebietes setzte erst im letzten
Viertel des vergangenen Jahrhunderts ein. Die ersten Pioniere waren For-
schungsreisende; ihnen folgten die Vertreter der deutschen Kolonialmacht und
etwas spter die Missionare.

1. Forschungsreisende.
Der erste Europer, soweit heute bekannt, der den UD betrat und auf eine
Strecke hin bereisle, war der Schotte Joseph Thomson. Er hatte Geologie und
Mineralogie studiert und wurde 1878 von der Londoner Geographischen Ge-
sellschaft mit einer Expedition unter Leitung von Keith Johnston ins Gebiet
der ostafrikanischen Seen geschickt. Kaum 100 Meilen von der Kste starb
Johnston. Der erst 22jhrige Thomson bernahm die Leitung der Expedition
und fhrte sie mit gutem Erfolg zum Nyasa- und Tanganyikasee und zurck
an die Kste. Dabei durchzog er den UD vom unlern Groen Ruaha an den
Ulanga (bei Ifakara), von da die Ulangaebene aufwrts bis zum Ruipa (Neben-
flu des Ulanga) und dann hinauf in die Iringaberge. Nach seiner Heimkehr
verffentlichte er seine Beobachtungen und Erlebnisse in einem zweibndigen
Werk, das bald auch in deutscher bersetzung erschien (64). Im Vorwort er-
klrt er ausdrcklich: Mein Zweck war, nur dasjenige zu beschreiben, was
ich selber erblickt hatte (64, p. 4). Er blieb diesem Grundsatz nicht durch-
wegs treu, aber wo er es nicht tat, ist dies meist an der Darstellung ersichtlich.
Der Reise durch das Ulangagebiet widmet er fast 20 Seiten. Es finden sich dort
eine Anzahl kostbarer ethnographischer Notizen, die zum Teil nicht nur erst-
malig, sondern auch einmalig sind. Schon bevor er den Ruaha berschritt,
hatte er ein Zusammentreffen mit den Mahenge (Krieger aus der Gegend von
Ifakara, offenbar Mbunga), die sich gerade auf einem Kriegszug gegen die
Luguru befanden (64, p. 119, 121-123). Er beschreibt ziemlich genau Kriegs-
schmuck und Bewaffnung dieser Leute (64, p. 122), den Abschlu einer Bluts-
bruderschaft mit dem Sohn des Huptlings und das Verhalten der Krieger auf
dem Marsch (64, p. 123). Im weiteren Bericht folgen Ausfhrungen ber Geistes-
art der Eingeborenen (64, p. 137, 141-143, 148 f.), physische Eigenart (64, p.
140, 145), Kampfspiele, Kriegstiinze (64, p. 139, 143), Schmuck, Bemalung und
Kleidung (64, p. 143, 145 f.), Wohnung (64, p. 146 f.), Ackerbau (64, p. 145, 147),
Haustiere (64, p. 147), Gewinnung von Salz aus der Asche von Grsern (64,
p. 148), Genu einer roten Tonerde durch die Frauen (64, p. 146). Einige An-
gaben ber Tod und Begrbnis (64, p. 146) kann Thomson nicht aus eigener
Beobachtung haben (vgl. 64, p. 4); ebenso wird er sich bei den Ausfhrungen
ber Herkunft, Rasse und Sprache der Mahenge (64, p. 143-145) wohl auf
Aussagen der Eingeborenen, auf Bcherwissen und auf eigene Mutmaung
sttzen. Nach seiner Ansicht wren die Bewohner von Mahenge nicht Mafiti
(Zulu-Ngoni), sondern zum grten Teil blo Zuluaffen.










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 153

Thomson brauchte 17 Tage fr den Durchmarsch durch das Ulangagebiet.
Mehrmalige unfreiwillige Aufenthalte, besonders ein viertgiger Halt beim Ober-
huptling Mkomokero, gaben ihm Gelegenheit zu genauer Beobachtung. Seine
Angaben drften darum im allgemeinen zuverlssig sein. Fr einen Vergleich
der Ulangastmme mit den Nachbarvlkern wrde sich auch in den vorausge-
henden und folgenden Kapiteln vortreffliches Material finden. Dem Buch ist
eine Karte mit der Reiseroute beigelegt. Fr eine Arbeit ber die Bewohner
des untern Ulangatales mte Thomson eingesehen werden.
Fast sieben Jahre vergingen, bis sich wieder ein Weier an die Erkundung
des Ulangagebietes machte. Graf Pfeil, der zusammen mit Peters und Jlke aus-
gezogen war, um das sptere Deutsch-Ostafrika (abgekrzt: DOA) fr die Ge-
sellschaft fr deutsche Kolonisation zu erwerben, machte im Winter 1885/86
eine Reise an den Ulanga. Von Nga-homa, einem Dorf am untern Ulanga, fuhr
er mit dem Einbaum fluaufwrts bis Muinga und Mtonondo. -- Beide Ort-
schaften sind auf sptern Karten nicht mehr zu finden. Sein Reisebericht (56)
enthlt einige interessante Notizen ber die Geschichte und die politische Lage
der Stmme am Ulanga, der Mafiti, Bena, Hehe, Mahenge (Mbunga?), Gangi
(Pogoro), Matschonde (Ngoni) und besonders ber die Benasultane Mtengera
und Kiwanga (56, p. 360 f.) sowie ber den Huptling Mtwangira (Dwangire?).
Pfeil drfte sich dabei auf Aussagen der Eingeborenen sttzen; Quellen gibt er
keine an. Mit Kiwanga knnte er persnlich zusammengetroffen sein. Obwohl
seine Angaben nicht ganz zuverlssig sind, drften sie doch wertvolle Finger-
zeige bieten. Auerdem liefert er einige ungenaue Notizen ber Ackerbau (56,
p. 358), Hausbau (56, p. 358, 360, 362), Boote und Bootsfhrung (56, p. 358) und
Ebenholzspeere der Bena (56, p. 361). Die meisten geographischen Eintragun-
gen auf der beiliegenden Karte lassen sich auf spteren Karten nicht mehr veri-
fizieren. Dies knnte vielleicht daraus zu erklren sein, da die Drfer und
teils auch die Flsse nach einem Huptling benannt wurden und deshalb ihren
Namen hufig wechselten.
Den nchsten Beitrag zur Ethnographie des UD liefert die Nyasa-Expedi-
tion des Gouverneurs von Schele. Diese Expedition wurde 1893/94 teils zur Be-
friedung, teils zur Erforschung des Landes unternommen.
Ein Bericht des Gouverneurs, der persnlich an der Expedition teilnahm,
erwhnt Einflle der Ngoni unter Chabruma und Mpepo in den Kilwabezirk
und der Mafiti (offenbar Mbunga) in den Kisakibezirk (60, p. 225), die Hin-
richtung eines Huptlings Rubiki wa Mtua (Mbunga?) wegen berfllen auf
Karawanen (60, p. 226); er berichtet ferner, da Kiwanga und ein Huptling
Magoha um den Schutz der Regierung gebeten htten (60, p. 226) und dafi
die Mafiti und die unterworfene Urbevlkerung des Ulangatales intensiven
Ackerbau betrieben (60, p. 228). Der Bericht eines Offiziers Lieder enthlt nur
einige unbedeutende Notizen ber den Ackerbau der Mafiti im Ulangatal und
ber Gewinnung von Kautschuk in den Buschdickichten des Ulanga (51, p. 272)
Ethnographisch wertvoller sind die Karten, die auf dieser Expedition von
Hauptmann Ramsay aufgenommen und spter von R. Kiepert verarbeitet wur-
den (48). Blatt I, II und III dieser Karten erfassen auch Teile des UD. Es
finden sich dort Eintragungen ber die Ausdehnung der Stammesgebiete, auer-
dem im Kleindruck verschiedene ethnographische Angaben. Die Drfer werden,
wie oben schon bemerkt, meist nach ihrem Huptling benannt. Solche Karten
drften daher gute Anhaltspunkte fr die Erforschung der neuern Stammesge-
schichte bieten. Die Begleitworte von Kiepert zu den Karten enthalten hingegen
nichts von Bedeutung fr die Vlkerkunde. Hier sei gerade eine andere Karte
von Kiepert und Moisel angefhrt (49), die zwei Jahre spter erschien. Sie
war ebenfalls von Offizieren aufgenommen worden. Auf dieser ist der Kara-
wanenweg vom Groen Ruaha an den Ruipa und hinauf nach Iringa einge-










154 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

zeichnet. Von ethnographischem Interesse drften auch hier die zahlreichen
Ortsnamen sein.
Nebst der wirtschaftlichen Erkundung und der Kartographie interessierte
sich die Kolonialregierung vor allem um die Schiffbarkeit der Flsse. 1897 gab
Gouverneur von Liebert den Auftrag zur Erkundung des Ulangaflulgebietes:
Hauptmann von Prittwitz hatte den Kihanzi und den Ulanga von der Mndung
des Kihanzi abwrts zu erforschen, Hauptmann Engelhardt den obern Teil des
Flusystems (30, p. 70). Der Bericht von Hauptmann von Prittwitz enthlt nur
einige bedeutungslose ethnographische Notizen: Dwangire ist nicht ein Sultan,
sondern blo ein einflureicher Dorfhuptling (59, p. 278); die Anlage einiger
Drfer am untern Ulanga wird etwas ungenau beschrieben; Ngahoma ist eine
Streusiedelung (59, p. 276). Von geringem ethnographischem Wert ist auch die
Karte, die zu diesem Bericht gehrt (59, Karte 10). Auf der Karte und im Text
werden die Namen zweier Stmme genannt: Die Watainba (Ndamba?) sind
auf dem linken Ufer, die Wapongwa (?) auf dem rechten Ufer des Ulanga bei
Ngahoma ansssig (59, p. 276, Karte 10).
Der Bericht von Hauptmann Engelhardt bietet einige kurze, gute Notizen
iiber die Stmme der Ulangaebene: Die Ndamba sind alteingesessen, leben vom
Fischfang und Reisbau, wohnen in Pfahlbauten am Ulanga, sind unkriegerisch,
ohne Oberhuptling, wurden von den Bena unterworfen, betreiben Krokodil-
und Flupferdjagd mit Harpunen (30, p. 82); die Temekwira (= Flubena) zei-
gen in der ltern Generation noch den Typus der Hehekrieger, sie degenerieren
in der Ulangaebene, betreiben Feldbau und Viehzucht, wohnen in Temben (30,
p. 82 f.); die Mbunga seien von den Zulu unterjochte Ndonde, sie nahmen an
den Mafitieinfllen von 1891/92 teil, betreiben Ackerbau, Fischfang und Jagd,
sie sollen auch in den Landschaften Masagati und Matumbi (oberes Ulanga-
gebiet) zusammen mit den Bena verbreitet sein und seien dort Kiwanga unter-
tan (30, p. 82 f.); Urambo ist ein wichtiger Handelsplatz der Ulangaebene fr
Gummi und Elfenbein (30, p. 82 f.).
Eine hnliche Erkundungsreise unternahm einige Jahre spter Assistenzarzt
Stolowsky von der Station Mahenge aus an die Schugulifiille (Rufijii und von
da den Ulanga aufwrts. Aus seinem Bericht und der beiliegenden Kartenskizze
ist blo erwhnenswert: die Namen einiger Dorfvorsteher; auf dem obern
Ulanga sind sehr groe Einbume im Gebrauch (62, p. 260); Kiwanga und einige
Dorfvorsteher zeigten groes Interesse an der Erffnung einer Wasserstrae
(62, p. 262); Kiwanga besitzt am Ulanga eine zahlreiche Viehherde (62, p. 263).
Damit schliet die Reihe der Forschungsreisenden. Wie man aus ihren Be-
richten ersieht, hatte sich keiner die ethnographische Forschung zum eigent-
lichen Ziel gesetzt, Thomson vielleicht ausgenommen. Es fehlt deshalb an
systematischer Beobachtung, und die Erkenntnisse, die sie der Vlkerkunde
ermitteln, weisen mehr oder weniger Zufallscharakter auf. Trotzdem liefern sie
dem Ethnologen eine Reihe brauchbarer Daten, vor allem fr die Stammesge-
schichte und die materielle Kultur und auch fr die Psychologie der Eingebore-
nen (Thomson). Der besondere Wert dieser Daten liegt darin, da sie erstmalig
sind.


2. Offiziere und Beamte.

Eine zweite Gruppe von Leuten, die einen Beitrag zur Ethnographie des UD
leisten und die man am liebsten als Amateurethnographen bezeichnen mchte,
rekrutieren sich aus Offizieren und Beamten. Schon in der ersten Gruppe waren
verschiedene Offiziere und Beamte dabei; aber whrend ihre Aufgabe in einer
ersten Erkundung des Landes bestand, handelt es sich bei der zweiten Gruppe
um Leute, die die militrische Sicherung und Verwaltung des Landes zur Auf-










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur iber den Ulanga-Distrikt 155

gabe hatten. Deshalb hatten sie die Mglichkeit eines lngeren Aufenthaltes und
damit eines tieferen Eindringens in die Kultur der Eingeborenen.
Als erster legt ein Hauptmann Prince eine Geschichte der Magwangwara vor
(58; Magwangwara = Ngoni in DOA). Er sttzt sich auf die Berichte eines
Arabers und eines Ngoni aus der Knigsfamilie. Fr den UD ist nur ein kleiner
Abschnitt von Bedeutung: Mpepo, ein Verwandter Chabrumas, geriet mit diesem
in Streit und zog mit etwa 2000 Leuten ber den Ulanga zu Mtengera (es ist viel-
leicht sein Sohn Kiwanga gemeint) und siedelte sich dort an. Spter unternahm
er zusammen mit dem Benasultan einen Raubzug gegen Chabruma (58, p. 216).
Laut Stammbaumtafel fand die Umsiedelung 1885 statt (58, p. 224). In bezug
auf Mpepo und die Ngoni drften die Angaben zuverliig sein, in bezug auf
Mtengera, bzw. Kiwanga, stimmen sie nicht ganz. Der Bericht wurde bei den
Ngoni des Songea-Distriktes aufgenommen.
Fr die Stammesgeschichte der Flubena finden sich manche brauchbare
Daten in Arbeiten, die in erster Linie von den Hehe handeln. Zwischen diesen
beiden Stmmen bestehen sehr enge kulturelle und rassische Beziehungen.
1897 beteiligte sich Gouverneur von Liebert an einer Expedition gegen den
Hehesultan Mkwawa. Auf dem Heimmarsch zog der Gouverneur durch das
Ulangatal. Sein Bericht ber diese Expedition (50) enthlt einige unbedeutende
Notizen ber die Bena und ihren Sultan Kiwanga: Die kriegerische Organisation
der Bena gleicht der der liehe; sie degenerieren in der Ulangaebene, flchten
sich vor den Hehe in die unzugnglichen berschwemmungsgebiete. Irrtm-
licherweise bezeichnet Liebert die Bena als Mbunga (50, p. 27 f.). In Iringa
traf von Liebert mit Kiwanga zusammen, der ihm Kriegstnze seiner Leute
vorfhrte. Diese werden kurz beschrieben und eine Charakteristik Kiwangas
geboten (50. p. 37 f.). Ungefihr dasselbe schreibt Frau Prince in ihrem Tage-
buch ber Kiwanga und seine Bena (57, p. 123-125). Sie war Zeugin der glei-
chen Kriegstnze und traf sonst mehrmals mit Kiwanga zusammen. Sie nennt
ihn einen reinen IIehe (57, p. 124) mit einem ausgesprochen jdischen Pro-
fil (57, p. 185).
Sachlich fgt sich hier an, was Hauptmann Nigmann in seinem Buch ber
die Hehe nebenbei von den Bewohnern des Ulangatales, besonders vom Sultans-
haus der Bena schreibt: Das Herrschergeschlecht der Flubena geht auf den
gleichen Stammvater zurck wie das der Hehe; sie haben das gleiche Totem
(55, p. 10, 43); der Benasultan Mtengera wurde vom Hehesultan Njugumba aus
der alten Heimat im Sden von Iringa vertrieben und eroberte das Ulangatal
(55, p. 10 f.); Kriegszge der Hehe gegen die Mbunga bei Kiberege und Ifakara
ca. 1875 (55, p. 11); Kiwanga bezeichnet er als Wambunga-Sultan (55, p. 6),
offenbar weil ein guter Teil seiner Untertanen aus unterworfenen Mbunga
besteht (55, p. 11). In der Angabe der Jahreszahlen drfte Arning (vgl. unten)
genauer sein als Nigmann. Fr vergleichende Studien ber die Stmme der
Hehe und der Flulbena wrde sich in Nigmanns Buch viel wertvoller Stoff
finden.
Einen sehr guten Beitrag zur Stammesgeschichte der Bena liefert Stabsarzt
Arning in einem Aufsatz ber die Hehe. Er erzhlt ziemlich ausfhrlich die
Sage von der Herkunft der Hehe-Bena-Huptlingsfamilie (4, p. 233-235), den
Krieg des Hehehuptlings Njugumba-Majenga mit dem Benahuptling Mtengera,
der nach jahrelangem wechselvollem Kampf mit der Vertreibung der heutigen
Flubena aus den Vorbergen von Ubena und mit ihrer dauernden Niederlassung
im obern Ulangatal endigte. Dabei kommt auch der Zug der Mafiti (Mbunga)
durch das Ulangatal und die Unterwerfung der Ndamba durch die Bena zur
Sprache (4, p. 237--241). Weiter berichtet er ber die Kmpfe des Hehesultans
Mkwawa gegen Kiwanga und gegen die Mbunga im untern Ulangatal und deren
Unterwerfung. Nur Pangalala, der Vater der Sultanin Mkiu, leistete mit einigen










156 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

andern Widerstand (4, p. 51 f.). Arning bentzte eine groe Zahl von Gewhrs-
mnnern aus verschiedenen Stmmen und Volksschichten die wichtigsten
zhlt er mit Namen auf (4, p. 57) -, und er verglich ihre Aussagen mit den
Reiseberichten von Elton-Coterill, Thomson und Giraud (4, p. 85 f.). Daraus
eruierte er die mutmalichen Daten der Hehegeschichte (4, p. 58). Seine Arbeit
darf Zuverligkeit beanspruchen. Dafr spricht auch die bereinstimmung
mit andern Autoren, die ber das gleiche Thema schrieben (vgl. oben; ferner:
15, p. 17-97).
Der gleiche Dr. Arning schrieb 10 Jahre spter einen kleinen Aufsatz ber
die Pogoro (5). In volkstmlichem Plauderton berichtet er einiges ber Stam-
mesverwandtschaft der Pogoro mit den Ndonde und Ndamba, ber Kleidung,
Siedelung und Ackerbau, Einflle der Ngoni und Hehe (5, p. 65), ber die Ein-
stellung der Pogoro zur deutschen Besetzung und zur Mission (5, p. 66). Er geht
kaum auf Einzelheiten ein, und was er sagt, findet sich auch in andern Auf-
stzen ber die Pogoro.
In einem Buch ber Erlebnisse in DOA berichtet Hauptmann Fonck von
einer Strafexpedition gegen die Pogoro fr die Plnderung der verlassenen Mis-
sionsstation Isongo (32, p. 219-228; Isongo vgl. unten). Diese Expedition fand
offenbar im Frhjahr 1899 statt. An ethnographischen Beobachtungen hlt
Fonck folgendes fest: Intensiver Ackerbau; dichte Bevlkerung; die Gumnmiaus-
beute war bis dahin gering, weil die Hndler nicht zugelassen wurden; Dorf-
anlagen, die dem Gelnde ausgezeichnet angeglichen sind; Proviant suchende
Leute werden mit Giftpfeilen empfangen (32, p. 220); die Pogoro sind scheu,
fremdenfeindlich, politisch nicht geeint; sie stehen unter mehreren kleinen
Huptlingen; von diesen sind Mlolle (Mlolere) und Maganga (Liganga)
europer-freundlich (32, p. 221); Verhandlungen und Zug gegen Timaljassis
Felsennest (32, p. 223-226) und Makunganjes Dorf (32, p. 227).
Wertvoller als die eben genannten Beitrge ist eine Kurzmonographie der
Pogoro von Assistenzarzt Fabry (31), der im Jahre 1906 lngere Zeit auf der
Station Mahenge weilte. Nach einigen einleitenden Bemerkungen ber das
Siedlungsgebiet der Pogoro und ihr Verhltnis zu den Nachbarslmmen (31,
p. 197) behandelt er verhltnismig ausfhrlich die materielle Kultur (31, p.
197-200, 218-220), einige Ausschnitte aus der Soziologie (31, p. 220--223) und
sagt knapp einiges ber Religion, Medizin und Zeitrechnung (31, p. 223 f.). Eine
ins einzelne gehende Inhaltsangabe wrde hier zu weit fhren. Wer eine Studie
ber die Pogoro machen will, darf diese Abhandlung nicht bersehen. Die Aus-
fhrungen ber die materielle Kultur sind im allgemeinen recht genau und
wohl auch zuverlssig, einige Aussagen ber soziologische Verhltnisse, z. B.
die Bestrafung der Kinder, wren genauer zu berprfen. Unzuverlissig und
zum Teil falsch sind die Angaben ber die religisen Begriffe. Um eine genauere
Kenntnis der religisen Vorstellungen und auch der soziologischen Einrichtun-
gen eines Stammes zu gewinnen, wre ein lngerer Aufenthalt erfordert. Trotz-
dem bietet diese Abhandlung auf knappem Raum wertvolles Material, das zum
Teil einmalig sein drfte.
Ein Beitrag besonderer Art zur Ethnographie des UD findet sich im Buch
des Grafen von Gtzen ber den sogenannten Maji-Maji-Aufstand von 1905/6
(40). Der Verfasser war zur Zeit des Aufstandes Gouverneur von DOA. Da er
sich nicht persnlich im Aufstandsgebiet befand, und da es ihm vor allem um
eine zusammenhngende Darstellung dieser groen Negerrevolte ging, enthlt
das Werk relativ wenig ethnographische Einzelheiten. Fir die Vlkerkunde
interessant ist die Ursache des ganzen Aufstandes, die Unzufriedenheit der
Huptlinge und Zauberer mit der deutschen Besetzung, die sie als eine schwere
Bedrohung ihrer Macht und ihres Einflusses erkannt hatten (40, p. 28 f.). Noch
interessanter ist die Rolle, die eine Zaubermedizin bei diesem Aufstand spielte.










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 157

Der Genu dieser Medizin, bestehend aus Wasser, Mais und Sorghum, sollte un-
verwundbar machen (40, p. 45 f.). Diese Verheiung, die mit dem Schlangengott
Koleo in Beziehung gebracht wurde (vgl. 40, Index, unter Schlangengott), ver-
mochte bei Stmmen, die bisher als unkriegerisch gegolten hatten, wie den
Pogoro und Ngindo, unerhrten Fanatismus und Todesverachtung zu wecken
(40, p. 47, 109 f.) und zudem ein einmtiges Zusammenhalten zu bewirken
(40, p. 149). Selbst nachdem der Augenschein deutlich genug die Zaubermedizin
als unwirksam erwiesen hatte, vermochte die wiederholt erfolgte Verheiung
neuer, krftigerer Medizin diesen Fanatismus aufrechtzuerhalten (vgl. 40, p. 141,
151 u.a., Index, unter Zauberwasser). Die Stmme des UD, vor allem die
Mbunga, Pogoro und Ngindo, waren am Aufstand stark beteiligt (40, p. 108;
vgl. ferner Index, unter den einschlgigen Stichwrtern). Urheber des Aufstan-
des waren in erster Linie Huptlinge und Zauberer der Ngindo und Pogoro
(40, p. 43); Kiwanga mit seinen Bena stand dagegen treu zur Regierung und
fand im Kampf gegen die Rebellen den Tod (40, p. 138 u. a., Index, unter
Kiwanga). Ebenso waren der Pogorosultan Liganga und die Jumben Lolelo
(Mlolere) und Njela der Regierung treu geblieben (40, p. 174). Im brigen ent-
hlt von Gtzens Werk wenig ethnographisches Material; aber fr das Studium
der neueren Stammesgeschichte der Ulangavlker und der Psychologie der
Naturvlker, besonders des Prophetismus, liefert es ein gutes Stck brauch-
baren Stoffes.
Am Schlu dieses Abschnittes sind noch zwei kleinere Beitrge von Beamten
oder Offizieren anzufhren. Der erste, ein Reisebericht von Leutnant von
Grawert, enthlt einige Notizen ber die politische Lage im Sultanat Kiwangas:
Zu Kiwangas Untertanen gehren Pogoro, Mbunga und Ndamba; er ernennt
die Unterhuptlinge und Dorfvorsteher aus seinen Hehe- (Bena-) Leuten (41, p.
479); die Ndamba machen ihm Schwierigkeiten (41, p. 480); von Ifakara bis an
die Mahengeberge heran herrscht ein Sultan Kidunda (41, p. 480). Der zweite
Beitrag wurde 10 Jahre spter von einem gewissen Herrn von Einsiedel ge-
schrieben. Er gibt ebenfalls einen berblick ber die politische Lage bei den
Stmmen des Militrbezirkes Mahenge: Die Sultane haben wenig Einflu mehr
(29, p. 802); Soljambingo, der Sohn Kiwangas, ist ein bedeutungsloser Sultan,
ebenso die Huptlinge der Ngindo und Ndwewe; einflureicher sind die Sultane
der Mbunga (29, p. 803); die alteingesessene Bevlkerung des Ulangatales wurde
von den Bena und Mbunga unterworfen; die Pogoro in den Mahengebergen
vermochten trotz ihrer Aufsplitterung, dank dem Gelnde, ihre Unabhngigkeit
zu wahren (29, p. 803).
Ein Rckblick zeigt, da die Berichte der Offiziere und Beamten keine
besonders reiche Ausbeute fr die Ethnographie des UD ergeben: Ein etwas
tieferer Einblick in die Geschichte mehrerer Stmme von der zweiten Hlfte
des letzten Jahrhunderts an, eine Kurzmonographie der Pogoro, ein interessan-
ter Beitrag zum Thema Prophetismus (von Gtzen) und einige Notizen zur
materiellen Kultur und zur Soziologie, das ist kurz das Wesentliche.


3. Missionare.

Der Missionar tritt mit einem anderen Interesse an die Eingeborenen heran
als der Forschungsreisende oder Beamte. Er hat zudem meist den Vorteil eines
langen Aufenthaltes am gleichen Ort oder beim gleichen Stamm. Man erwartet
von ihm vor allem Ausfhrungen ber Religion, Magie und soziologische Ein-
richtungen, die missionsmethodische Probleme stellen.
Bis gegen Ende des ersten Weltkrieges wirkten auf katholischer Seite einzig
die Benediktiner von St. Ottilien im UD. Auf protestantischer Seite scheint sich
whrend dieser Zeit berhaupt kein weier Missionar dauernd in diesem Gebiet










158 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

niedergelassen zu haben. Blo einige Auenstationen und Schulen wurden von
der Berliner Mission unterhalten, die sich im Hochland von Ubena. im Sd-
westen vom UD, festgesetzt hatte.
P. Basilius Ferstl ist der erste Missionar, von dem wir einen Bericht ber
den UD besitzen. Er reiste 1896 ungefhr auf dem gleichen Karawanenweg wie
seinerzeit Thomson nach Iringa hinauf. Ethnographisch wertvoll ist in seinem
Reisebericht eine Erzhlung des Huptlings Faeke ber die Geschichte von
Mahenge: Nach ihm ist Mahenge nur ein Name fr das Land vom lRuaha bis
zum Ulanga; kein Stamm nennt sich so (116, p. 106); Einfall der Mafiti oder
Mbunga unter Lupangalala, Unterwerfung der ansssigen Hala, Lulanga,
Egange und Twe, Kmpfe mit den Hehe (116, p. 107); die Lulanga und Egange
sind ber den Ulanga nach Sden in die Berge gezogen und heien nun Pogoro
(116, p. 108). Die Namen der Hala und Twe finden sich in keinem andern
Bericht. Weitere ethnographische Daten: Die Drfer werden nach dem
Huptling benannt, nur Fakara wird nach dem vorbeiflieenden Flu genannt,
weil der Name des Huptlings fr Fremde schwer zu behalten ist (116, p. 133 f.);
gute Beschreibung des Reisbaus am Mgetaflu (116, p. 164 f.); allgemeine, unge-
naue Notizen ber Kleinviehhaltung, Wohnung und Kleidung (116, p. 169).
Im folgenden Jahr (1897) reiste der Apost. Prfekt, P. Maurus lartmann,
von Kilwa aus an den Ulanga und von da sdwrts nach Lukuledi (Songea-
Distrikt). In seinem Tagebuch finden sich einige ethnographische Angaben:
Bevlkerungsdichte in Upogoro; der Stamm der Kipigu, frher am Kipiguflu
wohnhaft, soll sich mit den Pogoro vermischt haben (135, p. 27); Kiwanga und
die Geschichte der Bena (135, p. 27 f.); Sagamaganga (Kiwangas Bruder) und
seine Feindschaft mit Kiwanga; Sagamagangas Tod und Grabsttte; Sagamagan-
gas Schwiegermutter soll nach seinem Tod die Herrschaft an sich gerissen
haben (135, p. 29). P. Hartmann hlt diese Frau irrtmlicherweise fr
Sagamagangas Mutter (vgl. 15, Index, unter Semudodera).
Auf seiner Reise hatte der Apost. Prfekt die Grndung einer Missions-
station in Upogoro beschlossen. P. Basilius Ferstl, der zu Beginn des Jahres
1898 in Isongo (drei Stunden sdlich von Kwiro) diese Station grndete, hat
nichts Schriftliches darber hinterlassen. Dafr hat P. Alfons Maria Adams, der,
vom Nyasasee herkommend, drei Wochen in Isongo verweilte und von dort nach
Kilwa an die Kste reiste, einen ethnographisch wertvollen Bericht niedergelegt
in seinem Buch Im Dienste des Kreuzes (2). Auf der Reise nach Iringa hatte
er schon den UD durchzogen. Er gibt dort eine kurze Charakteristik eines
Oberhuptlings der Mbunga, Mtoahansi (2, p. 13). Im Februar 1898 betrat
P. Adams von Sden her Upogoro. Nach seinem Bericht trennt ein menschen-
leeres Pori (Busch) die Ngoni im Sden und die am Luwegu ansssigen Ngindo
(2, p. 130). Diese charakterisiert er als gutmtig und fleiig; sie wohnen zer-
streut, meist auf bewaldeten Hhen versteckt; sie tragen das Pelele (Lippen-
scheibe; 2, p. 130); sie sind gut gekleidet eine Folge des regen Gummi-
handels -; ihre einzigen Waffen sind Pfeil und Bogen und Messer (2, p. 132).
Auf einem Rindenboot setzte P. Adams ber den Luwegu (2, p. 132). Im Gebiet
der Pogoro, nrdlich des Luhombero, wurden die Htten zahlreicher und grer
und schlossen sich enger zu Drfern zusammen. Zahlreiche Ziegen- und Schaf-
herden und unzhlige Hhner und Tauben zeigten sich, und er wurde zum
erstenmal Zeuge von Hahnenkmpfen, bei denen die Zuschauer Wetten ein-
gingen. Die Bewaffnung der Pogoro besteht aus Bogen und vergifteten Pfeilen,
aus Messer und Beil. Sie werden von den Ngindo und den Kstenbewohnern
als hinterlistig charakterisiert. Ihre Sprache sei sehr verschieden vom Ngindo,
habe aber Anklnge an das Bena (2, p. 134).
Whrend eines dreiwchigen Aufenthaltes in Isongo suchte P. Adams die
Bevlkerung der Umgebung nher kennenzulernen: Die Pogoro in den Bergen










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 159

nennen sich selbst Wegange; sie flohen vor den Ngoni (Mbunga) aus der
Ulangaebene; sie sind den Fremden gegenber noch scheuer und hinterlistiger
als die Tiefland-Pogoro; ihre Waffen sind Bogen und Pfeile, die sie aus dem
Hinterhalt auf Fremde schieen (2, p. 138); sie leben mit den Tiefland-Pogoro
in stndiger Fehde und sind untereinander sehr aufgesplittert; ihre Woh-
nungen sind in Felsschluchten und weiten Bergmulden oder im Gebsch
versteckt; Kleinviehzucht und Reisbau wird intensiv betrieben; Eisen ist sel-
ten; rmere Leute gebrauchen im Feuer gehrtete Holzinstrumente fr den
Feldbau; der Reisbau wird nur mit kleinen hlzernen Handspaten betrie-
ben; Vogelscheuchen und Klappern zur Vertreibung der Vgel sind im Ge-
brauch; die Kleidung besteht aus einem Stckchen Fell oder Zeug; Schmuck
oder Amulette sieht man seltener (2, p. 139). In die religisen Anschauungen
konnte P. Adams keinen Einblick gewinnen; er hrte nur von geheiligten Stt-
ten auf den Bergen, wo Tieropfer dargebracht wrden (2, p. 139 f.). P. Adams
weist sich aus als vorzglicher Beobachter. Er notierte seine Beobachtungen
schon auf der Reise. Sein Buch enthlt vorzgliches Material ber die Stmme
der angrenzenden Distrikte, ber die Hehe, Sangu und Ngoni. Einen kurzen
Bericht ber die Reise vom Nyasasee nach Upogoro hatte er schon vorher ver-
ffentlicht (1). Inhaltlich findet sich aber alles im Buch wieder, ausgenommen
die Angabe, da die Egange sich vor etwa zwei Jahrzehnten in die Berge zurck-
gezogen htten (1, p. 252 f.). Ethnographisch aufschlureiche Eintragungen fin-
den sich auch auf der dem Buch beigelegten Karte, die von P. Adams aufgenom-
men und von Kiepert bearbeitet wurde.
Infolge der unfreundlichen Haltung der Bevlkerung gab man die Station
Isongo bald auf, grndete aber 1902 in der Nhe der neuen Militrstation Ma-
henge die Mission Kwiro.
P. Innozenz Hendle, der Grnder der Station Kwiro, befate sich eifrig mit
dem Studium des Volkes und seiner Sprache. In einem Bericht von ihm (136)
findet sich eine interessante Notiz ber das Opfer von Erstlingsfrchten an
den Pepo (Geist). Durch eine der Denkweise der Pogoro angepate Belehrung
bringt er es zustande, da die Leute (noch Heiden) von weit her die Erstlings-
frchte zur Segnung in die Kirche bringen und sogar erklren, das sei eine
schne Sitte, die alte schlechte wollen sie aufgeben (136, p. 168). Die Ergeb-
nisse seiner Sprachforschung verffentlichte P. Hendle in einer Grammatik der
Pogorosprache (44). Im Vorwort finden sich einige ethnographische Notizen
ber die Verwandtschaft der Pogoro mit den Zutu, einem Stamm im Sden,
auf Grund sprachlicher Verwandtschaft; ferner Notizen ber die Kmpfe der
Pogoro mit den Mbunga; ber die ltere Geschichte der Pogoro habe er nichts
herausbringen knnen, als da sie schon seit Menschengedenken in den Bergen
ansssig seien (44, p. VII; vgl. 1, p. 252 f.). Im Anhang zur Grammatik werden
zehn Erzhlungen in der Pogorosprache und in deutscher bersetzung vorge-
legt, aber ohne nhere Quellenangabe (44, p. 55-72). Ein kleiner Aufsatz
ber Brautwerbung und Hochzeit der Pogoro von P. Hendle erschien im An-
thropos (45). Die kurzen Ausfhrungen ber die drei Stadien der Werbung
und Hochzeit sind wertvoll, weil sie erstmalig und zum Teil einmalig sind; sie
lassen aber an Genauigkeit zu wnschen brig.
In einem Brief aus Kwiro, von P. Eustachius Fuchs, finden sich einige No-
tizen ber das Verhltnis der Tochter zum Vater und die Einstellung der Frau
zum Mann, ber Kinderverlobung mit Preisgabe an den zuknftigen Mann
schon im sechsten Jahr (119, p. 83 f.).
Ausschnitte aus dem Tagebuch vom Bischof Thomas Spreiter halten ver-
schiedene wertvolle Einzeldaten aus der Gegend von Kwiro fest: Ein Weib trgt
einen mit Schnren behangenen Krbis, wie es scheint, als Fruchtbarkeitszau-
ber (198, p. 178); Ameisen werden verspeist (198, p. 179); Haarfrisuren (198,










160 4cta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

p. 180); ein Zauberbaum am Muhuluberg, bei dem man vor allem Jagdzauber
holt; im gleichen Wald wohnt der Geist eines groen Huptlings; sein Sohn
opfert ihm die Erstlingsfrchte, welche die Leute bringen; seitdem die Deut-
schen im Lande sind, soll er seine Macht verloren haben (198, p. 181 ; ein an-
derer Zauberbaum, bei dem nur der Lwe seine Jagdmedizin holt (198, p. 5);
ein weiblicher Dorfvorsteher beim Dorf Ruaha; Kleidung und Schmuck der
Pogoro (199, p. 148).
Von geringerem Wert ist eine Plauderei von P. Eugen Feller iiber die Po-
goro: Charakterzge der Pogoro (115, p. 290-292); ein Mittel gegen Schlangen-
bisse (115, p. 290); Fronarbeit; ungeeignete Behandlung der Kinder (115, p. 291);
Kinderverlobung mit 9 bis 11 Jahren; ein Hochgott, der Sonne, Regen und
Fruchtbarkeit gibt; Opfer an die Geister und an den Teufel(?) (115, p. 292). P.
Feller sieht die Eingeborenen mit europischer Brille.
P. Josef Damm, der eine Zeitlang in Kwiro ttig war, hat 10 Fabeln der
Pogoro aufgezeichnet (109, p. 153-192). Nhere Quellenangaben fehlen. P.
Damm ist auch der Grnder der Station Kiberege (an der Karawanenstrae vom
Ruaha zum Ulanga). Die Chronik von Kiberege, offenbar von P. Damm ge-
schrieben, erzhlt einiges aus der Geschichte der Mbunga (108, p. 14 f.), von
ihrer Wirtschaft: Ackerbau und Fischfang (108, p. 15), und sie gibt ein Ge-
sprch des Missionars mit einem Alten ber die frheren Sitten wieder: Ehe-
bruch kam selten vor, weil er mit dem Tode bestraft wurde (108, p. 16). In
einem geschichtlichen berblick ber die Station Ifakara hat P. Damm einige
fr den Ethnologen brauchbare Tatsachen festgehalten: Groe Kindersterblich-
keit, Abtreibung und Empfngnisverhtung unter dem Einflu des Islam; Zah-
lenverhltnis zwischen den Mbunga und den Ndamba und einiges aus der Ge-
schichte dieser Stmme (110, p. 355); Ahnenopfer; Medizinmannwcsen und
Magie; Puberttsfeiern und Beschneidung scheinen neu eingefhrt; die Mbunga
betreiben Ackerbau, die Ndamba Ackerbau und Fischfang; besondere Methoden
des Fischfanges, vorausgehende Opfer und Meidung der Frauen; Nilpferdjagd
mit Harpunen (110, p. 356); Furcht vor der Rache der Ahnen hlt die Leute
vom Christentum ab; Kinderheirat schon mit 6 Jahren und Geschlechtsverkehr
vor der Reife(110, p. 358).
Die Tagebuchbltter von Abt Norbert Weber, der die verschiedenen Statio-
nen besuchte, geben eine Erzhlung der Eingeborenen ber das Salilal (sd-
lich von Kwiro) wieder. Es war friher eine gefrchtete Geistersttte, weil dort
ein Jger in seiner eigenen Fallgrube verunglckt war. Der Orakelspruch
eines Wahrsagers vertrieb die Bewohner und verhinderte die Neubesiedelung
des fruchtbaren Tales, bis schlielich die Mission den Bann zu brechen ver-
mochte (201, p. 332-335). Die gleiche Erzhlung mit einer etwas anderen
Version des Orakelspruches hatte schon vorher Bruder Petrus in den Mis-
sionsblttern wiedergegeben (190, p. 193-195). Abt Weber beschreibt fer-
ner bis in alle Einzelheiten genau den Verlauf eines Negertanzes, die Musik-
instrumente und die Kostme, die dabei zur Verwendung kamen (201, p. 240
bis 244). Die feine Schilderung wie auch die vorzglichen Photos geben diesem
Beitrag einen besonderen Wert.
Mit Beginn des Weltkrieges versiegen die Berichte aus den Missionen fast
gnzlich. 1916/17 muten die deutschen Benediktiner das Gebiet verlassen.
Wie schon erwhnt, scheinen die Protestanten zur deutschen Zeit keine
Hauptstation im Gebiete des UD erffnet zu haben, sondern nur einige Auen-
stationen und Schulen. Die Berichte des Missionars Schumann, der von Lu-
pembe (Station in Hochubena) aus in Matumbi (Landschaft im Sdwesten des
UD) eine oder mehrere Auenstationen grndete, enthalten verschiedene ethno-
graphische Notizen: Am Ruhuje (Quellflu des Ulanga) gibt es Schutzvorrich-
tungen gegen Krokodile, um Wasser zu schpfen; Frauen besingen ihren Hupt-










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 161

ling; kurze Charakteristik des Huptlings Mugonelulusoli (Gonorussi); Be-
schreibung der Grabsttte Sagamagangas und seiner Verwandten, Opfer daselbst
(61, p. 43); ein weiblicher Huptling Filagunga (Ilagunga) und eine andere Frau
mit Huptlingsrang Sendzenge (Senjenge) zeigen Interesse fr die Mission (192,
p. 118; vgl. 15, p. 82). Eine Regentin Jilagunga (offenbar identisch mit Ila-
gunga) ist mit einem Araber verheiratet, zunchst ohne Wissen des ltesten-
rates; dieser anerkennt sie aber auch nach dem Bekanntwerden dieser Heirat
als Herrscherin (193, p. 63 f.); ihr Bruder Mwanamuhomi steht im Aufstand von
1905/06 auf seiten der Deutschen (195, p. 62, 65), er stirbt whrend des Auf-
slandes (194, p. 410); phantastischer Bericht eines Mannes aus Matumbi ber
den Maji-Maji-Aufstand (195, p. 62 f.). Ein interessanter Beleg zum Thema
Prophetismus (vgl. oben: von Gtzen).
Auer diesen Notizen habe ich in den Missionsberichten der Berliner Mission
zwischen 1900 und 1918 nichts Ethnographisches ber den UD gefunden. Andere
Zeitschriften waren mir nicht zugnglich.
Wie wir sehen, haben auch die Missionare whrend der ersten Periode kei-
nen sehr bedeutenden oder umfangreichen Beitrag zur Ethnographie des UD
geliefert. Es finden sich vereinzelte, zum Teil recht kostbare Notizen und Aus-
fhrungen zu den verschiedenen Hauptbereichen der Kultur vor. Auch zur
Soziologie und zu den religisen und magischen Anschauungen werden eine
Anzahl Einzeltatsachen angefhrt. In bezug auf den Gottes- und Geisterglauben
htte man aber mehr erwartet. Auffallenderweise stammt das beigebrachte
Material zum guten Teil aus Reiseberichten. Es scheint, da die Missionare,
wenn sie einmal lngere Zeit im Gebiet verweilt haben, die Lust und den Mut
zum Schreiben verlieren, sei es, da ihnen die erforderliche Mue und Vor-
bildung fehlt, sei es, da sie sich an die neuen Einrichtungen und Erscheinungen
als an etwas Selbstverstndliches gewhnt haben oder vielleicht auch, weil sie
die groe Flle von oft widerspruchsvollen Tatsachen nicht mehr zu ordnen
und zu beurteilen wagen.


II. Zusammenfassende Darstellungen.

Nachdem wir die Autoren ins Auge gefat, die uns eine Reihe von ethno-
graphischen Einzelaufnahmen geliefert haben, wollen wir an Arbeiten heran-
gehen, die eine zusammenfassende Darstellung versuchen.
Ein umfangreiches und gehaltvolles ethnographisches Werk ber das Nyasa-
Rovuma-Gebiet stammt von Friedrich Flleborn (36). Dieser hatte Medizin und
Naturwissenschaft studiert. Whrend der Jahre 1897-1900 bereiste er als Arzt
der Kaiserl. Schutztruppe und als Teilnehmer einer zoologischen Forschungs-
expedition einen groen Teil des sdlichen DOA. Dabei sammelte er mit groem
Eifer ethnographisches Material. Nach Deutschland heimgekehrt, gab er die
Ergebnisse seiner Forschungen in verschiedenen Publikationen heraus. Ein
Aufsatz ber knstlerische Darstellungen (33), ein anderer ber Krperverun-
staltungen im Sden von DOA (34) sowie ein Werk ber die physische Anthro-
pologie der Nord-Nyasa-Lnder (35) enthalten auch die eine oder andere ethno-
graphische Angabe ber den UD. Da sich diese aber in dem Werk ber Land
und Leute des Nyasa-Rovuma-Gebietes inhaltlich vollstndig wiederfinden,
brauchen jene Arbeiten hier nicht weiter behandelt zu werden. In dem eben
genannten Werk verarbeitete Flleborn mit dem eigenen gesammelten Stoff
alles, was ihm an bisherigen Verffentlichungen ber das Nyasa-Rovuma-Ge-
biet erreichbar war. Nicht nur die fachwissenschaftlichen Zeitschriften, sondern
auch die Mitteilungen der Missionsgesellschaften wurden sorgfltig ausge-
wertet. Seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen erleichterten es ihm,
die oft recht widerspruchsvollen Literaturangaben zur Darstellung eines Ge-

Acta Tropica X, 2, 1953 11










162 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

samtbildes zu verwerten und mancherlei berichtigend und ergnzends hinzuzu-
fgen. Das erste und letzte Kapitel des Buches bieten die Reisebeschreibungen;
in den ibrigen acht Kapiteln kommen die einzelnen Distrikte zur Behandlung.
Um Wiederholungen zu vermeiden, schliet er an jedes Kapitel Ausfhrungen
ber bestimmte ethnographische Themata an, die zusammenfassend auf den
ganzen Sden von DOA Bezug nehmen. (Zum eben Gesagten vgl. 36, p. VII-X.)
Der Textband wird ergnzt durch einen Atlas mit 119 Lichtdrucktafeln und zwei
Karten. Das Photomaterial ist vorzglich.
Auf einer Expedition gegen die Hehe durchzog Flleborn 1897 zweimal den
siidlichen Teil des Ulangatales (vgl. 36, p. 15, 17, Karte I). Diesen Teil des UD
behandelt er auch in seinem Werk (36, p. 174-185). Er verarbeitet in diesem
Abschnitt oder in den ethnographischen Exkursen alles, was bis dahin an Lite-
ratur ber diesen sdwestlichen Teil des UD vorhanden war wenigstens
habe ich nichts entdeckt, das er nicht angefhrt htte und ergnzt es durch
seine eigenen Beobachtungen. Zu diesem Eigengut gehrt, wenigstens teilweise,
eine gute Charakteristik des Benasultans Kiwanga (36, p. 178--180), eine genaue
Beschreibung der verschiedenen Huserformen im obern Ulangagebiet (36, p.
180-183) sowie Notizen ber den Fischfang der Ndamba (36, p. 184 f., 519,
529). Sehr gut ist die Stammesgeschichte der Flubena dargestellt im Zusam-
menhang mit der Geschichte der Stmme, die das Hochplateau Uhehe-Ubena-
Usangu bewohnen (36, p. 200-213); weniger vollstndig hat er die Berichte ber
die Einwanderung und Ansiedlung der Mbunga-Ngoni im Ulanga-Gebiet zu-
sammengefalt (36, p. 135 f.). Auerdem finden sich durch das ganze Werk zer-
streut in den thematischen berblicken zahlreiche wertvolle Angaben iiber die
Ulangastmme, ausgenommen die Pogoro, deren Gebiet er ebenso wie den
nrdlichen Teil der Ulangaebcne nicht in sein Werk einbezogen hat.
Das Werk Flleborns stellt fr den Ethnologen eine Fundgrube erster Gte
dar. Tatschlich sttzen sich ethnologische Arbeiten, soweit es um den UD
geht, fast nur auf Flleborn. Die klare, bersichtliche Darstellung, die kaum zu
bertreffende Vollstndigkeit der angefhrten und verarbeileten Literatur und
die sehr ausfhrlichen und genauen Register machen das Werk zu einer reichen
und zuverlssigen Quelle der Vlkerkunde fr das sdliche DOA vor 1905.
Fr eine erste Orientierung ber Land und Volk des UD wird das *Deutsche
Koloniallexikon, herausgegeben von Gouverneur Schnee, gute Dienste leisten
(27). Obwohl es erst 1920 erschien, lag es doch schon bei Ausbruch des ersten
Weltkrieges zum groen Teil gedruckt vor, und der Rest stand im Satz. Die
Beitrge ber die einzelnen Stmme beziehen sich vor allem auf die Stammes-
geschichte. Die Literaturangaben sind nicht vollstndig.
Ein Werk ber das Eingeborenenrecht in Ostafrika (3), das zwar erst 1929
erschien, soll doch noch in diesem ersten Teil zur Sprache kommen. Denn das
meiste Material dazu wurde schon vor dem ersten Weltkrieg mit Hilfe von
Fragebogen gesammelt. Bernhard Ankermann verarbeitete die eingegangenen
Berichte und die einschlgige Literatur, die bis 1926 erschienen war. Aus dem
UD lag nur ein einziger Bericht von der Militrstation Mahenge ber die Mbunga
vor (3, p. 2, Bericht 25), und dieser gehrt, wie Ankermann sagt, den diirftigen
Berichten an (3, p. 2). Fr die Stmme des UD bentzte er zudem die schon ge-
nannten Arbeiten von Flleborn (36), Fabry (31) und Hendle (45). Das Werk
wahrt vielleicht mehr, als man es von einem Ethnologen wie Ankermann er-
warten wrde, einen berichterstattenden Charakter. Wer es fr bestimmte
Einzelfragen einsehen will, mu beachten, da das Namen- und Saclregister
die Autoren- und Stammeszitate nicht erschpfend anfhrt (3, p. 373), und da
deshalb das betreffende Kapitel ganz durchgesehen werden mu.
In der Einleitung (3, p. 3 f.) setzt sich Ankermann mit einer Abhandlung
ber ostafrikanische Rechtsbruche von Charles Dundas auseinander (28). Diese










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 163

Abhandlung war 1921 im Journal of the Royal African Institute erschienen.
Zu den von Dundas benutzten Quellen gehrten auch die oben genannten Be-
richte, die whrend des Krieges in englische Hnde gefallen waren. Er begngte
sich damit, in der Einleitung zu seiner Arbeit zu sagen, da er das Glck gehabt
habe, eine Anzahl deutscher Schriftstcke in die Hand zu bekommen, ohne jede
weitere Angabe ber den Ursprung der Berichte. Mit gutem Recht macht ihm
Ankermann das zum Vorwurf.
Dundas kannte in Tanganyika nur wenige Stmme aus eigener Erfahrung.
Das Ulangagehiet kannte er jedenfalls nicht nher. Denn die Mbunga bezeichnet
er meist als Wabunga, zuweilen aber als Wabungu. Auf der beiliegenden
Karte (28, p. 216) werden sie jener Gegend, wo tatschlich die Mbunga wohnen. Die Bungu sind aber ein von
den Mbunga durchaus verschiedener Stamm, der am Rukwasee wohnt (vgl.
63, p. 14). Es kann sich hier nur um die Mbunga handeln, da ihm ber die
Bungu kein Bericht zur Verfiigung stand. Es sei noch bemerkt, da die Bena und
Ngoni, die fters in der Arbeit genannt werden, nicht jene des UD sein knnen,
da die entsprechenden Berichte die Bergbena und die Ngoni des Songea-Distrik-
tes im Auge hatten. Das gleiche gilt von Ankermanns Werk. Die Abhandlung
von Dundas weist wenig persnliche Arbeit auf; sie ist wenig bersichtlich
und enthlt kaum etwas, das sich nicht bei Ankermann wiederfnde.
Ankermann erklrt, da er nicht den gesamten in den Berichten enthaltenen
Stoff verarbeiten konnte. Das gilt auch vom Bericht ber die Mbunga (54). Ob-
wohl er recht mager ausgefallen ist, enthlt er verschiedenes iiber die Rechts-
bruche der Mbunga, das im Buch nicht verwertet wurde. Wer sich um die
Mbunga interessiert, wird mit Vorteil nicht blo Ankermanns Werk, sondern
auch diesen Bericht einsehen. (Die als Manuskriple gedruckten Berichte be-
finden sich im Anthropos-Institut.)
Die zusammenfassenden Darstellungen von Flleborn und Ankermann
haben unser Wissen um die Stmme des UD mit wesentlich neuen Einzelkennt-
nissen bereichert, und sie haben diese Kenntnisse auch in gewisse Zusammen-
hnge gebracht. Trotzdem haben diese Arbeiten mehr ethnographischen als
ethnologischen Charakter. Wir knnen also fr die ganze erste Periode keine
eigentliche Monographie ber die Stmme des UD buchen und ebensowenig
ein ethnologisches Werk, das uns die Stellung der Ulangastmme innerhalb
eines weiter gespannten Rahmens aufzeigen wirde.


ZWEITER TEIL

Die ethnographische Literatur seit 1919.
(Der UD britisches Mandatsgebiet.)

Nach dem ersten Weltkrieg bernahm eine neue Kolonialmacht die politi-
sche Verwaltung des ehemaligen DOA, und neue Missionare zogen in die ver-
lassenen Stationen des UD ein. Es brauchte Jahre, bis wieder geordnete Ver-
hltnisse hergestellt waren. Da ist es verstndlich, da keine Flut von ethno-
graphischen Publikationen erschien. Auch fir diese Periode wollen wir ver-
suchen, zunchst die ethnographischen Einzelaufnahmen zu sammeln.

I. Notizen und Aufstze.
Unter den verschiedenen Berufsgruppen, die Beitrge zur Ethnographie des
UD liefern, stehen whrend dieser Periode zahlenmig die Missionare voran.
Die Gruppe der Offiziere fllt ganz weg, und die Zahl der Forschungsreisen-
den und Beamten, die sich ethnographisch bettigten, ist sehr klein.

11*










164 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

1. Missionare.
Der grere Teil des UD wurde nach dem ersten Weltkrieg den Schweizer-
kapuzinern zur Missionierung bertragen. Die Stationen auf dem linken Ulanga-
ufer, die zunchst der Apost. Prfektur Iringa zugeteilt wurden, kamen erst
1932 hinzu. Das Matumbiland, im Sidwesten des UD, das bis 1926 politisch
von Songea aus verwaltet wurde, blieb bis heute den Benediktinern unterstellt.
Im Sommer 1921 betraten die ersten Kapuziner das Ulangagebiet.
In der ersten Zeit sind die Berichte der Missionare ber die Eingeborenen
so allgemein in den Angaben, da der Ethnologe kaum etwas damit anfangen
kann. Aber mit der Zeit werden die Angaben doch genauer und ausfhrlicher,
und wenn man die Berichte grndlich durchkmmt, ergibt sich im Lauf der
Jahre eine umfangreiche Ausbeute von ethnographischem Stoff. Um einige Ord-
nung in diesen Stoff zu bringen, werden wir die Autoren etwas nach Stationen
gruppieren.
Die Schlsselstellung des UD stellt die Station Ifakara dar. Etwas weiter
nrdlich steht die kleine Station Kiberege. Im Gebiet dieser beiden Stationen
sind die Mbunga und Ndamba ansssig. P. Guido Kppeli, der zuerst in Ifakara,
dann in Kwiro und Sali und zuletzt in Kiberege ttig war, hat eine Anzahl klei-
nerer Beitrge zur Ethnographie des UD geliefert. In Kiberege lie er durch drei
Katechisten die wichtigsten religisen und sittlichen Anschauungen der Mbunga
zusammenstellen (144). Nach einigen einleitenden Bemerkungen ber die Ein-
stellung der Alten, Priester und Medizinmnner zum Missionar (144, p. 35) wird
in Form von Katechismusfragen vorgelegt: Daseinszweck des Menschen, Ahnen-
opfer; Gott, seine Eigenschaften und sein Wohnsitz (144, p. 35 f.); die Geister,
ihre Ttigkeit und Verehrung; Schpfung, Erhaltung der Welt und Vorsehung
(144, p. 52 f.); Tod, Jenseits; Sittengesetz (144, p. 84 f.). Christliche und moham-
medanische Anschauungen drften hineinverwoben sein. Etwas unverflsch-
ter wirkt der Bericht eines Katechisten ber die Praxis der Regenmacher in
Kiberege (146). Recht wertvollen Stoff enthalten die protokollartigen Auf-
zeichnungen einer Anzahl Verhre und Gerichtsentscheide, die P. Kppeli eben-
falls durch zwei Katechisten machen lie (145a; 145)b): Vorenthaltung des
Lohnes (145 a, p. 41); Ehezwist, weil die Frau den Biergelagen nachgeht 145 a,
p. 41f.); Nichtbezahlung des mahetu und des kihoka (145a. p. 55f.;
mahetu = Totengeld, das der Mann beim Tode der Frau an die Verwandten
zahlen mu; kihoka = Opfergeld fr die Geister, das beim gleichen Anlal zu
zahlen ist); Ehescheidung, weil die Gatten einander nicht mehr wollen 1145 a,
p. 56 f.); Mihandlung von Frau und Kindern im Rausch (145 a, p. 85 f.): Ehe-
scheidung wegen Mihandlung der Frau (145 a, p. 86-88); Mihandlung der
Frau und Beschimpfung des Schwiegervaters (145 b, p. 14 f.); Scheidung wegen
Krankheit des Mannes (145 b, p. 27 f.). Richter war Hassan, der Sohn des
Mtoahanji, Sultan der Mbunga. (Zur heutigen Organisation der Eingeborenen-
rechtspflege in Tanganyika vgl. G. Winkelmann, Die Eingeborenenrechtspflege
im britischen Mandatsgebiet Tanganyika. Zeitschr. vgl. Rechtswissenschaft, 53,
1939, p. 327-359.)
Vereinzelte ethnographische Notizen finden sich auch in den Tagebuchblt-
tern P. Kppelis aus der Zeit, wo er in Kwiro war: Speiseverbot und Verbot, sich
auf einer Bahre tragen zu lassen (140); Blutsbruderschaft eines Missionsschrei-
ners von Kwiro mit einem Ulangafischer, Zeremonien beim Abschlu und Ver-
pflichtungen (141); Gott fllt herab, eine Redensart der Pogoro, wenn der
erste groe Regen kommt; Gott schlft das ganze Jahr, wenn ein Gewitter
ausbricht, dann ist er erwacht, sagen die Eingeborenen von Ifakara (142,
p. 106 f.). Ebenfalls in Kwiro hat P. Kppeli zwei Mythen aus dem Mund eines
Katechisten in den Pogorobergen aufgezeichnet: Verlust der Unsterblichkeit,
weil die Verjngung durch Enthutung verhindert wird (143, p. 20 f.); Turm-










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 165

bau-Mythus (143, p. 51 f.). Die Deutung dieser Mythen von P. Kppeli ist nicht
annehmbar, sie enthlt aber einige brauchbare Hinweise.
In die Schweiz heimgekehrt, versuchte P. Kppeli als Redaktor des Mis-
sionsboten eine kurze Zusammenstellung der religisen und sittlichen An-
schauungen der Pogoro (147): Gott und die Ahnengeister (147, p. 67 f.); das
Verhltnis der Menschen zu den Ahnengeistern, Strafen fr Vergehen (147,
p. 69); Ahnenkult (147, p. 70 f.); Sndenbekenntnis vor dem Priester; Opfer-
mahl und Opfertrank (147, p. 72). Leider fehlen genaue Quellenangaben. Es ist
schwer zu sagen, was Anschauung der heidnischen Pogoro ist und was auf
fremde Einflsse zurckzufhren ist oder vielleicht vom Verfasser hineinge-
deutet wird. Im Jahresbericht 1945 gibt P. Kppeli einen kurzen zusam-
menfassenden berblick ber die Stmme des Apost. Vikariates Dar-es-Salaam,
der aber nichts Neues bringt (148).
Das eigentliche Zentrum der katholischen Mission im UD ist schon seit der
Benediktinerzeit die Station Kwiro im Gebiet der Pogoro. P. Wolfram Meyer,
der lngere Zeit dort wirkte, machte auf Anregung von Europa her den Ver-
such, das Thema Erziehung im Heidenland systematisch zu behandeln (187).
Leider fiel diese in ihrer Art einmalige Arbeit allzu kurz aus. Interessant sind
besonders die Ausfhrungen ber das Spiel der Pogorokinder (187, p. 54 f.). -
In einer Plauderei ber das Missionsleben hinterliel der gleiche Autor einige
Notizen ber die Beerdigung des Sultans Mlolere in seinem eigenen Haus (186,
p. 125), ber unvernnftige Behandlung der Kinder und Kranken, und er er-
whnt Tnze in Mondnchten (186, p. 154 f.).
Mehrere sehr wertvolle Beitrge zur Ethnographie des Missionskreises Kwiro
stammen von P. Aquilin Engelberger. Er verfgt ber eine vorzgliche Be-
obachtungsgabe, aber ein Einschlag von Ironie beeintrichtigt zuweilen die ge-
naue sachliche Darstellung. Der grte Teil seiner Arbeit liegt in zwei umfang-
reichen Manuskripten vor. Das eine berichtet von Schul- und Pastorationsrci-
sen um Kwiro. Das andere ist ausschlielich der Ethnographie der Pogoro
gewidmet. Dieses sehr wertvolle Manuskript umfat 19 handgeschriebene Hefte.
Hier folgt nur die Inhaltsangabe von schon verffentlichten Artikeln: Neger-
trume (111), ihre Bedeutung fr den Pogoro und ihre Deutung durch den
mbui, gezeigt an einem konkreten Beispiel (111, p. 316-319; der mbui,
wrtlich Grovterchen, ist Sippenpriester, Medizinmann, Wahrsager, Regen-
macher, Interpret der Ahnengeister und Friedensrichter in einer Person. Vgl.
114, p. 87. Zum Medizinmannwesen in Ostafrika vgl. E. Huxley, A sorcerer's
apprentice: a journey through East Africa. London 1948); Behandlung einer
Frau durch den Medizinmann, um zu Kindersegen zu kommen (113, p. 10 f.);
Behandlung von Tobschtigen (113, p. 12); ein sehr wertvoller Bericht aus dem
Mund eines ehemaligen Dorfvorstehers ber den Geisterkult der Pogoro und
die Ttigkeit des mbui (114, p. 86-90); eine Reise ins Gebiet der Ndwewe
(112, p. 165-171); die Reste dieses Stammes gehen auf in den Pogoro, Ngoni
und Bena (112, p. 165); Opfergaben an die Ahnen unter einem Baum, um einen
gnstigen Platz fir eine neue Siedelung herauszufinden (112, p. 167, 170 f.).
Einige kleine Artikel mit ethnographischem Inhalt von P. Jesuald Loretz sind
fr den Ethnologen in den Angaben etwas zu allgemein und zuweilen etwas zu
poetisch: Ein Opfer des mbui an die Ahnen fr eine gute Hirseernte (157);
Unmigkeit in Speise und Trank, unzweckmige Ernhrung der Kinder und
ungleichmige Ernhrung der Erwachsenen, Trinkgelage der Pogoro (158);
Kleidung der Pogoro, frher Lendenschurz aus Baumrinde, die heutige Kleidung
unter dem Einflu der Zivilisation (159).
P. Matern Marty schrieb einen Aufsatz ber das mwiko (Verbot) der Neger
(178). Er fhrt eine grere Zahl von Meidungsgeboten an. Beim Versuch, sie
zu klassifizieren und zu deuten, trifft er nicht berall das Richtige. Wertvoll










166 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

sind die Angaben ber Aufstellung und Aufhebung der Verbote (178, p. 92).
Leider fehlen genauere Quellenangaben. Er drfte vor allem die Pogoro im Auge
haben; eingehends erwhnt er ausdrcklich einige Verbote der Mbunga (178,
p. 90).
Ein Artikel von P. Fridolin Fischli weist auf die verschiedenen Grnde hin,
warum die Neger hufig ihren Wohnsitz wechseln (118): berdru am alten
Wohnsitz, Streitigkeiten, Krankheit und Tod von Sippenangehrigen, Raubbau
am Boden, wilde Tiere, Geisterfurcht, die Einstellung zur Mission. Nhere Orts-
angaben fehlen.
Eine Plauderei von Sr. Valentina Grber gibt einen Einblick in die Einstel-
lung der Neger (Pogoro) zu den Epileptikern (124). Sie werden gefrchtet und
ausgestoen.
Die Missionsrztin Dr. Adelheid Schuster liefert eine sehr anschauliche und
ethnographisch interessante Schilderung einer Treibjagd auf einen Leoparden,
der in Kwiro zwei Menschen gettet hatte (196). Besonders zu erwhnen ist der
Glaube der Pogoro, da gewisse Zauberer sich durch Essen von Menschen-
fleisch in Lwen verwandeln knnten (196, p. 27), die Verwendung der Trommel
bei verschiedenen Anlssen (196, p. 28) und die Behandlung des toten Tieres
(196, p. 48).
Sdlich von Kwiro, ebenfalls im Stammesgebiet der Pogoro, wurde 1928 von
P. Kunibert Lussy die Station Ruaha gegrndet. P. Lussy war vorher kurze Zeit
in Ifakara und in Sali ttig gewesen und wirkte dann fast zwei Jahrzehnte in
Iluaha. In der letzten Zeit vor seiner Heimkehr in die Schweiz weilte er in
Kwiro, wo er systematisch an die Sammlung ethnographischen Materials ging.
Seine zahlreichen Aufstze ergeben einen relativ umfangreichen und wertvollen
Beitrag zur Kenntnis der Ulangastmme, besonders der Pogoro. Den Deutungen
gegenber, die er zuweilen versucht, mu man kritisch sein. Der Inhalt seiner
Arbeiten bezieht sich auf die verschiedensten Bereiche der Kultur: Eine Mond-
finsternis bei den Mbunga in Ifakara (162); einige allgemeine Angaben ber
diesen Stamm (162, p. 240 f.); Kriegslieder beim Tod eines Vornehmen (162.
p. 241); die Auffassung, ein Untier wolle den Mond verschlingen; Lrm und
Geschrei sollen das Untier vertreiben, geht zuletzt in die Mond-gomni ITanz-
lied) ber, die beim Vollmond von den Frauen gesungen wird (162, p. 242). -
Ein Besuch in einem Hehedorf am Ruipa, das zum UD gehrt (166); skizziert
kurz die physische und charakterliche Eigenart dieses Volkes (166, p. 92 f.). -
Ethnographisch interessant ist eine Plauderei ber Fallen der Ndamba und
Pogoro (161; ber Fallenjagd in Afrika vgl. E. Keller, Verbreitung der Fallen-
jagd in Afrika. Zeitschr. f. Ethnol. 68, 1936, p. 1-118). Mehrere Artikel han-
deln vom Feldbau der Pogoro (164, p. 81; 165, p. 271-274; 172, p. 54-56); im
Feuer gehrtete Ackerbaugerte werden erwhnt (164, p. 81; 165, p. 271); Gro-
viehzucht bei den Pogoro in frheren Zeiten (172, p. 51). Ferner kommen
zur Sprache: Tanzanlsse, Musikinstrumente, Gesnge (165, p. 274-2761; Gast-
recht (165, p. 276); Zuflucht zu den Geistern und zum Teufelstanz bei Trocken-
heit (165, p. 276 f.). Eine Schmiede in der Nhe von Ruaha wird kurz beschrie-
ben (169, p. 18). Weitere Aufstze handeln ber Jugendweihe und Braut-
schaft, Absperrung und Behandlung der Mdchen beim Eintritt der Reife bei
den Pogoro (163, p. 3 f.; 175, p. 51-58); Dienstehe bei den Ndamba (175, p. 52)
und Beschneidung bei den Ngindo (175, p. 56) werden erwhnt; Hochzcilsfeier
bei den Pogoro (176, p. 69 f.); Polygamie und Los der Witwe (176, p. 74-76);
Besuch bei der Mutter, wenn die junge Frau ein Kind empfangen hat (170,
p. 277); Vaterrecht, aber zugleich bedeutsame Stellung des Mutterbruders (vgl.
170, p. 277, 280 f.): Strafen fr Ehebruch in alten Zeiten, Ohrabschneiden, Ein-
graben der beiden Schuldigen bis zum Hals und Vcrhungernlassen (170, p. 237
bis 239); Sippenfehden und Blutrache vor der Ankunft der Europer (170, p. 239










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 167

bis 242, 277--281); die hufigsten Krankheiten bei den Schwarzen (173, p. 69
bis 72); rzte, der mbui (173, p. 72 f.; das Amt des mbui vgl. oben), der
mganga (173, p. 73; mganga = der eigentliche Arzt), der mchawi (173,
p. 73; mchawi = Zauberer im schlimmen Sinn); Geburtshilfe und Kinder-
pflege (173, p. 73 f.); die Berufung zum mbui und Einfhrung in sein Amt
(170, p. 240); ein mbui, der von Geistern besessen sein will (169, p. 19 f.); --
religise und sittliche Anschauungen der Ulangastmme (174, p. 83-86), Hoch-
gott (174, p. 83 f.), Ahnengeister (174, p. 84 f.), Gebote und Verbote (174, p. 84),
Einstellung zur christlichen Religion (174, p. 84-86); Geschichte des Sul-
tanates im Ruahatal seit 1900 (167); eine Notiz ber Sultan Mbinji (164, p. 80);
Angaben darber, was fr Stmme auf dem Gebiet der verschiedenen Missions-
stationen ansssig sind (vgl. 171, p. 6-32); eine Notiz ber die Grabsttte eines
Oberhauptes der Mloleresippe (171, p. 9) und des Sultans Kiwanga (171, p. 24);
es wird erwhnt, da die Sultanin Kihu (Mkiu vom Stamm der Mbunga, vgl. 4,
p. 51) wegen Teilnahme am Aufstand von 1905/6 gehngt wurde (171, p. 27); --
Erzhlungen der Pogoro (168). Zu diesem letztgenannten Beitrag gibt P. Lussy
eine vorzgliche Einfhrung (168, p. 44-48). Die vier Mrchen und zwei Fa-
beln, die dann wiedergegeben werden, vermitteln zusammen mit den wertvollen
Erklrungen des Autors einen sehr guten Einblick in verschiedene Bereiche des
Stammeslebens. Der Ursprungsort der einzelnen Erzhlungen wird angegeben.
Eine Inhaltsangabe wrde hier zu weit fhren. Fr eine Studie ber die Pogoro
mte diese Arbeit eingesehen werden.
Eine vorzgliche Abhandlung iber Pfeil und Bogen der Pogoro von P. Lussy
erschien in den Acta Tropica (52). Die einleitenden Notizen ber die Pogoro sind
kritisch aufzunehmen (52, p. 135). Die einzelnen Teile von Pfeil und Bogen wer-
den genau beschrieben (52, p. 135-137), ebenso das Pfeilgift, seine Verwendung,
Herstellung, Prfungsmethoden und Wirkung (52, p. 137-144). Eine Zeitlang
herrschte unter den Frauen der Pogoro eine Manie, durch Essen von Pfeilgift
Selbstmord zu begehen (52, p. 143). Pfeil und Bogen wurden nicht nur fr die
Jagd, sondern auch zum Kampf verwendet (52, p. 143 f.). In einem Nachtrag
legt Prof. T. Reichstein dar, was bisher chemisch ber das Pfeilgift bekannt ist
(52, p. 144 f.).
Ein weilerer Aufsatz vom gleichen Verfasser stellt die Einleitung zu einer
greren Arbeit ber die Pogoro dar (53). Er beginnt mit einem knappen ber-
blick ber Lage, Klima, Flora und Fauna des Pogorolandes. Eine Liste von
Sugetieren und Vgeln in der Pogorosprache ist beigefgt (53, p. 431-435).
Dann geht er kurz ein auf Physis und Sprache der Pogoro und bietet dazu wie-
der eine Auswahl von Pogoronamen (53, p. 436-439). Er schliet mit einem
Blick auf die Nachbarn der Pogoro. Einige seiner Angaben ber sie sind neu
(53, p. 440-441).
Eine Plauderei von Bruder Ferdinand Holenstein ergnzt und besttigt die
Ausfhrungen von P. Lussy ber den Ackerbau im Ruahatal (137). Es wird
aber nichts wesentlich Neues gesagt.
Von der Station Luhombero im Stammesgebiet der Ngindo berichtet P. Cele-
rin Sthelin einen sehr interessanten Gerichtsfall: 10 Ngindofrauen wurden an-
geklagt wegen Giftmord, Leichenschndung und Kannibalismus zu Zauber-
zwecken. Drei wurden berwiesen und verurteilt (200; hnliche Flle vgl. Mis-
sionsbltter von St. Ottilien 14, 1909/10, p. 169 f.; Globus 95, 1909, p. 243 f.; 196,
p. 27).
Westlich von Kwiro, an den Auslufern der Mahengeberge, liegt die Station
Sofi. Der Sofibach, der durch das Dorf fliet, trennt das Gebiet der Pogoro und
der Bena. Im weitern Umkreis dieser Station waren frher auch Ngoni, Ngindo,
Mbunga, Ndwewe und Ndamba ansssig, so da wir hier einen Treffpunkt aller
Slmme des UD vor uns haben.









168 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

P. Philemon Maytain, der als Oberer diese Station leitete, hat verschiedene
ethnographisch recht interessante Berichte und Aufstze geschrieben. Er ist ein
guter Beobachter, der sich vor allem auf das Charakterstudium seiner Leute
verlegte. Leider macht er meist keine nhern Angaben ber Ort und Personen.
Eine Plauderei ber Aberglauben enthlt einige Notizen ber Meidungsgebote
gegeniber bestimmten Personen (179). Eine andere Plauderei ber den Gesang
der Neger (183 a, b) birgt recht viel brauchbaren, zum Teil einmaligen Stoff.
Der Titel Gesang der Suaheli ist etwas irrefhrend. Der Autor hat vor allem
Leute aus dem Ulangagebiet im Auge, zum Teil freilich auch Trger von der
Kste. Selber nicht Fachmann auf dem Gebiet der Musik, plaudert er iber die
verschiedenen Anlsse, bei denen der Neger singt, und ber Inhalt und Form
des Gesanges. Besonders erwhnt seien: Die Ngoni sind vorzgliche Singer und
Jodler (183 a, Nr. 8); versteckte Redensarten (183 a, Nr. 11); Tanzlieder und
Teufelstanz (183 b, Nr. 6); Musikinstrumente (183 b, Nr. 6). Der Aufsatz gibt
zugleich einen guten Einblick in die Psychologie der Neger. Die Geschichte
eines Negermdchens aus Itete (es drfte zum Stamm der Mbunga gehren) ist
eine gute Illustration fr die praktische Eheauffassung der heidnischen Einge-
borenen (185, Nr. 10, 11). Zwischen Vater und erwachsener Tochter bestehen
Meidungsgebote (185, Nr. 10). Zwei Berichte ber Schul- und Pastorations-
reisen ins Flugebiet des Luwegu und Luhombero enthalten eine Reihe von
brauchbaren Angaben: Geschichtliches ber die Ndwewe (180; 181, p. 241); Gift-
mischerei und Zauberglaube; Pepo-Kult, See des Pepo (180); Charakterzge
der Ngoni; ihre Wohnung, Kleidung, Siedelung und Ackerbau wird verglichen
mit den Ndwewe und Pogoro (181, p. 270 f.); kurze Individualcharakteristik von
zwei Ngonihuptlingen (181, p. 272-274).
In einem lngern Aufsatz macht P. Maytain den Versuch einer Charakteristik
seiner Schwarzen (182): Charakter allgemein (182, p. 4-6); Verstand, prakti-
sche Geschicklichkeit, Tpferei (182, p. 6 f.), Schlauheit (182, p. 7-9), Unfhig-
keit zu abstraktem Denken (182, p. 9-13), Grnde dafr sind Reifezeit. Jugend-
weihe und Hanfrauchen (182, p. 10 f.); Phantasie (182, p. 13-18), unklare Vor-
stellung von den Geistern (182, p. 14), bis 17), Erzhlkunst (182, p. 17); Triebleben (182, p. 18-21), Einflu der Er-
ziehung (182, p. 19 f.). Der Aufsatz enthlt wohl wenig, was fr den UI) typisch
wre, ist aber eine vorzgliche Illustration zum Thema Erziehung bei den
Primitiven. Ein Aufsatz ber Kleidung und Schmuck stellt die Fortselzung zum
eben Behandelten dar (184). Er gibt einigen Aufschlu ber Kleidung, Frisur
und Schmuck in frheren Zeiten und heute unter dem Einflu der Zivilisation.
Wichtig ist eine Notiz ber Rindenkleider (184, p. 9). Beide Aufstze sind wert-
voll fr das Studium der Psychologie der Primitiven. Die Beschreibung geht zu
wenig auf Einzelheiten ein; subjektive Ansichten des Verfassers drften eine
Rolle spielen.
Der Mitarbeiter und Nachfolger von P. Maytain war P. Ansgar Hine. Er
hatte zuerst in Kwiro gewirkt und dort die Ausstzigen betreut.
Beobachtungen aus Kwiro: Fliegende Termiten sind ein Leckerbissen, wer-
den mit Netzen gefangen; bei Totenklage und Trauer werden die Kleider bis
auf einen schmalen Lendengrtel ausgezogen (125); der Aussatz geht nach An-
sicht der Eingeborenen immer auf Verletzung eines Tabu zurck, einige auf-
schlureiche Angaben ber Tabus (128).
Berichte aus Sofi: Blutsfreundschaft, genaue Beschreibung der Zeremonien
beim Abschlu, sie kommt hufig vor (126); Pflege und Erziehung des Kindes
im Ulangagebiet (129) zu allgemein in den Angaben; Jenseitsvorstellungen
(132), Opfer zur Besnftigung der Ahnengeister, Verwandlung in ein Tier bei
den Ndamba und Ndwewe (127, p. 265); Behandlung von Besessenheit (127,
p. 266 f.; es scheint sich um eine Art Hysterie zu handeln); Behandlung von










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 169

Kranken, der Krankheitsgeist soll durch schlechte Behandlung des Kranken aus
der Sippe vertrieben werden (133); Ttigkeit des mchawi (Zauberer), ein
Giftmord (130), und Ttigkeit des mbui (131). Ein interessanter Beitrag
zum Thema Prophetismus ist der Bericht ber das Vorgehen eines gewissen
Ngoja, der im Auftrage Gottes die Neger von der Zauberei abschrecken will.
Die Prozedur ist mit einer Beicht verbunden. Der Bericht gestaltet einen
Blick in die Zauberpraxis der Eingeborenen (134, p. 25-28; zu diesem Bericht
vgl. M. G. Marwick, Another modern anli-witchcraft movement in East Central
Africa. Africa 20, 1950, p. 100-112; H. C. Baxter, Introduction to Witchcraft
in Africa. Tanganyika Notes and Records 18, 1944, p. 69-76).
Einen hnlichen, etwas ausfhrlicheren Beitrag ber einen Propheten des
Schlangengottes Songo liefert P. Oswin Baumann. Der Prophet, der aus dem
Sden von Tanganyika stammt, war eine Zeitlang in der Gegend von lfakara
und einiger anderer Ulangastationen ttig und erfreute sich eines groen Zu-
laufs (101; ber Prophetismus in Afrika vgl. B. G. M. Sundkler, Bantu prophets
in South Africa. London 1948; ferner K. Schlosser, Propheten in Afrika. Braun-
schweig 1949).
Ein weiterer Missionar, P. Oskar Keler, schrieb von der Station Sofi aus
mehrere Berichte mit einigen sehr interessanten und andern brauchbaren ethno-
graphischen Beobachtungen: Neuaufteilung des Landes nach Stmmen zum
Zweck der indirekten Verwaltung, die Situation vorher und nachher (150:
151, Nr. 5); zwei Tierfabeln ohne nhere Ortsangabe (149); Charakter der
Ngoni, Dankbarkeit, Trunksucht (151, Nr. 5); bei den Ndamba besteht die eigen-
artige Sitte, da der Mann einen schweren Ungehorsam der Frau durch Selbst-
mord rcht, wenn ihn nicht die Verwandten davon abhalten (151, Nr. 6); die
Ndamba und Pogoro glauben, da die Geister der Verstorbenen sich in Tiere
verwandeln (es drfte sich wohl nur um ein Wohnen im Tier handeln); die
Ndwewe wollen das Angesicht der Verstorbenen im Jahresbiergelage sehen
(151, Nr. 6; iber Jenseilsvorstellungen der Afrikaner vgl. B. Ankermann, Toten-
kult und Seelenglaube bei afrikanischen Vlkern. Zeitschr. f. Ethnol. 50, 1918,
p. 89-153); ein mbui erklrt, eine Frau sei gestorben, weil sie eine Medizin
Gottes gegessen htte (151, Nr. 6); der mbui wird befragt bei Krankheit und
Tod von Angehrigen; unter den verschiedenartigen Erklrungen, die er dabei
gibt, ist Giftmischerei ein hufig angegebener Grund, ebenso der Zorn der
Geister; ihre Vershnung ist eine gut bezahlte Angelegenheit des mbui, die
oft lange hingezogen wird; zwei sehr aufschlureiche Beispiele von Eingebore-
nen, die das Schwindel aufdeckten (152, Nr. 11); der mbui verklagt sie beim Gericht, wird
aber verurteilt (152, Nr. 12); bei Hungersnot gebietet die Sitte, die noch vor-
handenen Vorrite mit den Angehrigen zu teilen; diese wird aber von vielen
umgangen; man nimmt bei Hungersnot Zuflucht zu den Geistern durch eine
vom Huptling verordnete sechstgige Arbeitsruhe, durch Fasten, Wallfahrten
ins Pori und Opfer an die Geister (153); der Missionar treibt einen Teufel
aus, wo es sich um Besessenheit im Sinn der Theologie zu handeln scheint
(154). P. Keler macht fr gewhnlich recht genaue Angaben ber Ort und
Personen.
P. Erhard Segmller, der in Sofi und auf der Nachbarstation Itete ttig war,
berichtet von einigen Ehefllen (197). Interessant ist ein Fall, wo ein Dorfvor-
steher am Ulanga (wahrscheinlich ein Bena) die Annahme des Brautgutes hin-
ausschiebt, um den Schwiegersohn in Abhngigkeit zu erhalten (197, p. 51 f.;
vgl. 15, p. 308, 325).
Die erste Station am linken Ufer des Ulanga von Ifakara aufwrts ist Mofu.
Bruder Tobias Schibig schildert eine Lwenjagd in jener Gegend und lt dabei
einige verwertbare Notizen einflieen ber Absperrung der Mdchen im Reife-










170 lActa Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

alter bei den Ndamba, ber Organisation und Verlauf einer Treibjagd und das
Verhalten gegen das tote Tier (191, p. 27-30).
Weiter oben am Mgeta, einem Nebenflu des Ulanga, liegt die Station
Mchombe. Marzellin Kaniki, ein schwarzer Christ aus dem Gebiet dieser Sta-
tion, legt seine Ansicht ber die Wahrsagepraxis der einheimischen rzte vor.
Er erklrt sie fr bewute Schwindler (139).
Am Kihanzi, einem weitern linksseitigen Nebenflu des Ulanga, stand die
infolge Umsiedelung aufgehobene Station Merera. P. Franz Xaver Luchsinger
erzhlt von dort die Geschichte eines afrikanischen Freiers, die einen flchti-
gen Einblick in die Werbung bei den Ndamba gestattet. Dienstehe bis zu zehn
Jahren kommt vor (160).
Der letzte Obere dieser Station, P. Gustav Nigg, berichtet von ihrrr Aufhe-
bung (189). Er gibt dabei eine gute Charakteristik der Ndamba (189, p. 23-25)
und lt uns einiges aus der neuesten Geschichte dieses Stammes unter den
Huptlingen Undole, Sokole und Makua erfahren (189, p. 25-27). Der Bericht
erlaubt auch einen Blick in die Umsiedlungspolitik der Regierung. -- P. Nigg,
der frher in Kwiro arbeitete, schrieb dort einen kurzen Aufsatz iiber die Ge-
schichte der Sultansfamilie Mlolere und die heutige Amtsfihrung eines Pogo-
rosultans (188).
Die nchste Station gegen Sden, Mpanga, liegt am Flu gleichen Namens.
Hier wirkte lange Zeit P. Medard Baumgartner. Er schrieb zwei Artikel ber
die Flubena, die im wesentlichen nur einen Auszug aus Culwicks Buch (vgl.
unten) darstellen. Da sie nur fr Missionszeitschriften bestimmt waren, hielt
P. Baumgartner es offenbar nicht fr ntig, auf die Quelle hinzuweisen. Der
erste Artikel ber den Ahnenkult der Bena (102; vgl. 15, p. 98-130) bringt nur
wenige eigene Ergnzungen von P. Baumgartner. Das letzte Abschnittlein ber
die Trennung von Oberpriesteramt und weltlicher Gewalt steht im Widerspruch
zu Culwick (vgl. 15, p. 101-115). Der Missionar drfte sich hier im Irrtum be-
finden. Der zweite Artikel ber das Medizinmannwesen bei den Bena 1103; vgl.
15, p. 116-121) enthlt etwas mehr Eigengut des Verfassers.
An weitern ethnographischen Daten aus andern Artikeln von P. Baumgartner
sind zu nennen: Kurze Charakteristik der Ndamba (104, p. 220); Herstellung
von Bier und Bambuswein in Masagati (Landschaft um Mpanga), Einflu des
Biergenusses auf Geist und Charakter der Eingeborenen, Bedeutung fiir das wirt-
schaftliche und soziale Leben (105); die Blutrache bei den Negern -- ohne n-
here Ortsangabe (107); Grnde fr die Rache sind ungerechte Gerichtsent-
scheide, eigentliche Rachsucht, die Unmglichkeit Klage zu fhren, zu milde
Strafen durch das Gericht (107, p. 9 f.); heute wird die Blutrache praktiziert
durch Gift, Eigentumsschdigung und Verwinschung, besonders der Ahnen des
Gegners (107, p. 10 f.). Eine Plauderei ber die Namen der Neger verrt einiges
ber die Namengebung und Namensnderung und bringt eine kurze Liste von
heidnischen Namen auf Swahili und Pogoro (106).
Ein Aufsatz von P. Prosper Lussy beschreibt einige Bruche der Bena bei
Werbung und Hochzeit (177). Er besttigt und ergnzt in einigen Eiazelheiten
die Ausfhrungen Culwicks ber diesen Gegenstand (15, p. 297-384); der Mis-
sionar ist aber unabhiingig von Culwick.
Mitten im Flugebiet des oberen Ulanga wurde die Station Biro erbaut, die
seit ihrer Grndung von P. Friedbert Gabriel betreut wurde. Von ihm liegen
mehrere Aufstzlein von recht wertvollem ethnographischem Inhalt vor. In
einem Bericht ber Wanderseelsorge im Busch (120) ist die Rede von Werbung
und Dienstehe im Ruhujegebiet (Quellflu des Ulanga; 120, p. 238-240); zahl-
reiche Flle von Besessenheit und Teufelstanz werden erwhnt (120, p.
240-242); der Missionar erklrt ein Speiseverbot als aufgehoben und hat Er-
folg damit (120, p. 241; vgl. 178, p. 92). Drei weitere Artikel handeln ber die










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 171

Ndamba der Biromission: Kulturwandel (121); Fischhandel (121, p. 37 f.; 123,
p. 95); Einflu von Schule und Mission (121, p. 38 f.); Proheehe und Dienstehe
(121, p. 39); Siedlung der Ndamba (122), Stammes- und Sippenorganisation
(122, p. 76 f.); das Verlangen des Ndamba, einer Siedlung als Grnder seinen
Namen zu geben, ist stark (122, p. 77); Aufsplitterung der Sippe und Freiheits-
liebe (122, p. 78 f.); die Arbeit der Ndamba (123), Fischfang mit Angel, Harpune,
Fischspeer (123, p. 92) und Reuse (123, p. 92-95). Netzfischerei war bis in die
neueste Zeit wenig verbreitet (123, p. 95); Reisbau (123, p. 12--14); Arbeits-
teilung (123, p. 12); Schneckenhuschen werden als Sicheln gebraucht (123, p.
12); Flupferdjagd und Organisation von Jgerznften (123, p. 14 f.); Bffel-
jagd; das Gewehr ist Gemeingut der Sippe (123, p. 15).
Ganz in der Siidwestecke der Kapuzinermission liegt die kleine Station
Taweta. Die Berichte von P. Thomas Lanter aus dieser Gegend halten einige
ethnographisch interessante Tatsachen ber die Bena fest: Eingeborene frch-
ten die Rache der Ahnen des Missionars, wenn sie sich an seiner Erkrankung
schuldig machen wrden (155, p. 26); Ziegen, Schafe, Bier und Mehl werden den
Ahnen geopfert (155, p. 28; vgl. 15, p. 123, wo gesagt wird, da die Bena keine
Ziegen opfern); Zufluchtnahme zum Medizinmann um Regen (155, p. 28); Be-
fragung des Wahrsagers beim Tod der Kinder auch durch Christen unter dem
Druck der Verwandten (155, p. 29 f.). Der gleiche Missionar berichtet spter
von der Station Igota, die am Rande der Ulangaebene zwischen Ifakara und
Kwiro liegt, ber einen Fall von Giftmischerei mit Hilfe von Krokodilsgalle
(156; vgl. W. Joergens and G. G. Rushby, Crocodile Gall. Tanganyika Notes and
Records 18, 1944, p. 99 f.).
Das Hgelland Matumbi. im Sdwesten des UD, gehrt zur Mission der Bene-
diktiner von St. Otlilien. Schon bevor die einzige Station dieses Gebietes, Ifinga,
1931 gegrndet wurde, berichtet P. Ferdinand Fichtner von einer Schulreise
in diese Gegend. Dabei flieen einige ethnographische Notizen ein: Reis ist
das Brot der Eingeborenen (117, p. 18 f.); Fischfang wird mit harpunenartigen
Speeren, mit Reusen und mit einem betubenden Gift aus dem Saft einer Pflanze
betrieben (117, p. 19); die Mdchen wollen nur Mnner, die einen hohen Braut-
preis zahlen (117, p. 19).
Sonst fand sich nichts Ethnographisches ber diese Station in den Mis-
sionsblttern. Dagegen ergibt der letzte Bericht der Chronik dieser Station, der
von P. Octavian Hueppi geschrieben wurde, eine gehaltvolle Ausbeute (138):
Dienstehe, Probeehe zum Erweis der Fruchtbarkeit, Zusammenleben vor der
Reife, Mdchenmangel, Einflu der Alten und der Sippe bei der Heirat (138,
p. 157); drei Arten von Besessenheit kommen vor, Kiarabu, Mandilo: und
,Kingindu.; es handelt sich um eine Art epidemisch auftretender Hysterie, die
besonders arbeitsscheue und melancholische Frauen befllt; die Eingeborenen
und Mohammedaner nehmen die Austreibung mit Trommel und Medizin vor;
der Islam macht daraus ein Propagandamittel; der Missionar hatte Erfolg mit
kaltem Wasser und durch Ausfragen der Teufel (138, p. 158 f.); Wahrsagerei
und Zauberglaube, ihre Auswirkung auf die Geisteshallung des Negers (138,
p. 159); Brautgut in bar; Kampf des Missionars gegen die Kinderehe (138, p.
159 f.); Einstellung der Neger zur Umsiedlungspolitik der Regierung (138, p.
161); Stellung der Frau in der Ehe, Nachkommenschaft ist eine Sippenangelegen-
heit, Ehestreitigkeiten werden in die ffentlichkeit gezogen (138, p. 162); der
Tod der Sultanin Senjenge wird erwhnt (138, p. 163); es soll einen Geheimbund
von Medizinmnnern und Wahrsagern im Ulangagebiet geben; als Bezahlung
erhalten sie Erstlingsfrchte; die Medizinmnner schlieen sich zu Gruppen zu-
sammen, die sich scheinbar bekmpfen, damit werden Mierfolge erklrt; Sa-
kramentalien im Kampf gegen den Zauberglauben (138, p. 163 f.).
Damit schliet die Reihe der Missionare, von denen ich gedrucktes ethno-










172 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

graphisches Tatsachenmaterial aufgefunden habe. Kurz vor dem ersten Welt-
krieg grndeten die Lutheraner im Ulangatal die Auenstation Kipingo (in der
Gegend von Sofi). Sie ging nach dem ersten Weltkrieg wieder ein, wurde aber
neuestens wieder erffnet und von einem dnischen Missionar betreut. Wie
aus den Berichten der Kapuzinermission hervorgeht, wurden auch verschiedene
Schulen und Auenposten von Hochubena her unterhalten. Ob in den Zeit-
schriften und Jahresberichten dieser Missionare Beitrge zur Ethnographie
des UD zu finden wren, kann ich nicht sagen, da ich keine solche Zeitschriften
einsehen konnte.
Versuchen wir die ethnographische Ausbeute aus den Berichten der Missio-
nare whrend dieser zweiten Periode zu berschauen, so stellen wir fest: Der
Beitrag der Missionare zur Ethnographie des UD ist ziemlich bedeutend an
Umfang, weniger bedeutend an Gehalt. Wir finden vereinzelte Notizen zu fast
allen Sachgebieten der Kultur. Um bestimmte Gegenstnde verdichten sich die
Belege; aber oft handelt es sich um Wiederholungen. Eingehendere Arbeiten
htte man jedenfalls zum Thema Religion erwartet. Sowohl ber den HIoch-
gottglauben als auch ber den Ahnen- und Geisterkult vernehmen wir verhlt-
nismilig wenig. Weitaus am hiufigsten kommt Medizinmannwesen, Zauberei
und Besessenheit zur Sprache; aber auch hier sucht kaum einer tiefer einzu-
dringen. Recht zahlreich sind die Beitrge zum Thema Werbung, Hochzeit und
Ehe. Unter den Stmmen, mit denen wir bekannt gemacht werden, treten die
Pogoro hervor.


2. Forschungsreisende und Beamte.

Wie es scheint, wurden in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, wenn
wir von der Arbeit des Ehepaares Culwick absehen (vgl. unten), keine wissen-
schaftlichen Forschungsreisen von einiger Bedeutung in das Ulangagebiet unter-
nommen. Erst im Sommer 1949 machten einige Forscher des Schweizerischen
Tropeninstitutes unter Leitung von Prof. Rudolf Geigy einen Studienaufenthalt
von einigen Monaten im Gebiet von Ifakara. Obwohl ihre Forschungen in erster
Linie auf medizinischem und entomologischem Gebiet lagen, hat Prof. Geigy
auch der Ethnographie des UD einige wertvolle Beitrge geliefert. Ein Aufsatz
ber Albinismus bei den Stmmen des UD (37) enthlt einige fr den Ethnolo-
gen interessante Angaben iiber das Verhalten der Eingeborenen zu den Albinos.
Frher wurden sie meist als Kinder lebendig begraben oder sonst beseitigt, auch
heute noch findet eine Frau mit totalem Albinismus keinen Mann (37, p. 64. 67).
In einem zweiten Aufsalz beschreibt Geigy die Beschneidung eines jungen
Bantunegers (38). Einleitend macht er einige Bemerkungen ber die Bevlke-
rung von Ifakara. Die Beschneidung soll bei den Ndamba und Mbunga erst
durch den Islam eingefiihrt worden sein, wird aber heute auch von den Hei-
den oft vorgenommen und von den Frauen sogar als Bedingung fir gehen der Ehe gefordert. Bei den Pogoro hat sich die Beschneidung nicht
eingebrgert, bei den Ngindo soll sie in vorislamischer Zeit schon vorhanden ge-
wesen sein. Eigentliche Reifefeiern bei Mnnern seien im UD wohl nie in ausge-
prigter Form vorhanden gewesen und existieren heute berhaupt nicht mehr
(38, p. 357). Diese letzte Aussage ist nicht ganz zutreffend (vgl. 15, p. 342 f.).
Geigy beschreibt dann bis in alle Einzelheiten genau die Operation und nach-
folgende medizinisch-magische Behandlung. Er macht genaue Angaben ber
den Ort und die beteiligten Personen (38, p. 358--366). Der Beschnittene ist ein
Mohammedaner. Die genaue Beschreibung und die vorzglichen photographi-
schen Aufnahmen machen den besonderen Wert dieses kleinen Beitrages aus.
Eine weitere Abhandlung ber Mdcheninitiationen im UD verfate Prof.
Geigy in Zusammenarbeit mit Prof. P. Georg Hoeltker (39). Die drei Stmme der










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 173

Pogoro, Mbunga und Ndamba werden einbezogen. Die einleitende Orientie-
rung ber die ethnische Gruppierung sttzt sich auf andere Autoren. Einige
Angaben drften zu verallgemeinernd sein. Obwohl ein bedeutender Einschlag
von Steppenjgerkultur bei diesen Stmmen vorhanden sein mag, drfte man
sie kaum dem Typus dieser Kultur zurechnen (39, p. 292). Ebenso ist die Aus-
sage, da im UD die Reifefeiern bei Mdchen unblutigen Charakters wren
(39, p. 293), nicht fr alle Ulangastmme zutreffend. Die eigentliche Abhand-
lung verarbeitet einerseits Aufzeichnungen eines Missionars aus dem Gebiet der
Pogoro, anderseits eigene Beobachtungen und Originalaufnahmen von Prof.
Geigy im Gebiet von Ifakara. Fir die Beobachtungen bei den Pogoro wrde
man sich genauere Ortsangaben wnschen. In den ergnzenden Ausfhrungen
ber die Feiern in Ifakara drften wohl die unterscheidenden Merkmale zwi-
schen den Initiationen der Pogoro im Mahengegebirge und jenen in Ifakara
zu wenig beachtet worden sein. Die Beschreibung der in Ifakara beobachteten
Feiern und das umfangreiche Photomaterial ist jedoch vorziglich. Die Abhand-
lung ist ein sehr wertvoller Beitrag zur Erforschung der Reifefeiern im Ulanga-
gebiet. Unter dem inhaltlichen Gesichtspunkt wre noch die Schilderung des
Sippenfestes (39, p. 307-310) und der groen Ngoma (39, p. 312-314) beson-
ders zu erwhnen, ferner die Ausfhrungen ber Schwangerschaft und Geburt
(39, p. 314-320), speziell die verzgerte Geburt, Frhgeburt und Tod einer
schwangern Mutter der Leib der Mutter wird geffnet und das Kind neben
der Mutter begraben (39, p. 320).
Von den Beamten, die seit dem ersten Weltkrieg im UD ttig waren, hat ein
gewisser Hodgson zwei recht umfang- und inhaltsreiche Aufstze iber die Flu-
bena und die Ndamba hinterlassen. Nhere Angaben ber den Autor konnte
ich nicht ermitteln. Wie es scheint, weilte er whrend lngerer Zeit als Beamter
im Ulangagebiet.
Der Titel des ersten Aufsatzes Some Notes on the Wahehe of Mahenge
District ist irrefhrend (46). Aus dem Inhalt ergibt sich klar, da es sich hier
nicht um die kleinen Gruppen von Hehe handelt, die politisch zum UD gehren
(vgl. oben: Einleitung), sondern um die Flubena, bzw. die herrschende Schicht
dieses Stammes, die selber als Hehe gelten wollen und tatschlich mit den Hehe
kulturell nher verwandt sein drften als mit den Bergbena (vgl. die Autoren,
die ber die Stammesgeschichte der Flubena berichten; ferner G. G. Brown
and A. B. Hutt, Anthropology in Action. London 1935). Hodgson behandelt kurz
Stammesgeschichte (46, p. 37-40), Stammesorganisation (46, p. 40-43), Krieg-
fhrung (46, p. 43 f.), Rechtsbruche (46, p. 45--48), Gebruche bei Geburt,
Reife, Werbung und Verheiratung, Tod und Begrbnis (46, p. 48-56) und
macht einige Angaben ber Medizin (46, p. 56 f.), Rauchen (46, p. 57 f.) und Mel-
ken (46, p. 58). Der Autor hat hier eine Menge wertvolles Material zusammen-
getragen. Leider macht er keine nhern Angaben ber seine Quellen. Er scheint
sich auf Aussagen der Eingeborenen und auf eigene Beobachtungen zu sttzen.
Da er sehr zahlreiche einheimische Bezeichnungen anfhrt, mu er lngere Zeit
mit den Leuten bekannt gewesen sein. Fr eine vergleichende Arbeit ber die
Flubena mte dieser Aufsatz verwertet werden.
Vielleicht noch wertvoller, weil es sich zum guten Teil um einmalig festge-
haltene Daten handelt, ist der zweite Aufsatz von Hodgson ber Jagdbruche
der Ndamba (47). Einleitend erklrt er, da. er schon mit verschiedenen afri-
kanischen Stmmen Bekanntschaft geschlossen habe, und da er speziell bei
den Ndamba Nachforschungen ber Jagdbriiuche gemacht habe. Er macht
einige allgemeine Bemerkungen ber Geschichte, Siedlungsgebiet, Nahrung und
Waffen der Ndamba (47, p. 59). Dann schildert er etwas ausfhrlicher die
Vorbereitung zur Elefantenjagd (47, p. 60 f.), die Jagd selber und die Heim-
kehr von der Jagd (47, p. 62-65). Es folgen Notizen ber Flupferdjagd (47,










174 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

p. 65), ber Hunde, Fallen und besondere Jagdmethoden (47, p. 65-69), ber
Jagdbruche und magische Praktiken (47, p. 69 f.). Beide Aufstze von Ilodg-
son sind eine wertvolle Stoffsammlung; das Material ist etwas geordnet, aber
nicht eigentlich verarbeitet.
G. W. Hatchell, wohl auch ein Beamter, der aber wahrscheinlich nicht im
UD titig war, machte den Versuch, aus den Aussagen von Eingeborenen die
Geschichte der Ngoni im Tanganyika Territorium zu rekonstruieren. Seine Ar-
beit erschien zuerst in Man (43 a), spter etwas gekrzt, mit kleinen nderun-
gen in der Schreibweise der Namen in Tanganyika Notes and Records > (43 b).
Hatchell sttzt sich auf Berichte alter Leute in Songea und anderswo 143 b,
p. 69), die er zwischen 1920 und 1930 aufnahm. Neu und aufschlureich, wenn
auch nicht gesichert, sind einige Angaben ber die Mbunga. Sie sollen eine
Mischrasse aus Ngoni und Ndendeule darstellen, die sich in der Gcgend des
Mbungaberges (Songea-Distrikt) gebildet hatte. Nach der Ermordung ihres K-
nigs Mputa waren sie nach Mahenge ausgezogen (43 a; 43 b, p. 70 f.). Von Mpepo
(Huptling der Ngoni im UD) wird ungefhr dasselbe gesagt, was seinerzeit
Hauptmann Prince herausbrachte (vgl. oben). Nur wird er hier als Bruder des
Chabruma bezeichnet; tatschlich waren sie Vettern (43 b, p. 71; vgl. 5t, p. 216,
224).
In diesem Abschnitt wren noch eine Anzahl grere und kleinere Aufstze
der beiden Culwicks zu behandeln. Da aber diese Arbeiten zu einem guten Teil
Ausschnitte oder Ergnzungen zu ihrem Hauptwerk, einer Monographie der
Flubena, darstellen, werden sie im nchsten Abschnitt zur Sprache kommen.


II. Eine Stammiesmonographie der Flubena.

In den dreiiger Jahren treffen wir im UD zum erstenmal zwei ethnologisch
geschulte Feldforscher an der Arbeit. Mr. A. T. Culwick hatte in Oxford ein Di-
plom der Anthropologie erworben. Er bernahm 1931 den Posten eines District
Officer in Kiberege. Seine Gattin G. M. Culwick hatte ebenfalls eine ethno-
logische Fachschulung durchgemacht. Gemeinsam gingen sie an die Erforschung
der Ulangastmme, vor allem der Flubena. Die Ergebnisse ihrer Forschung
verffentlichten sie in ihrem Buch Ubena of the Rivers (15). Auerdem er-
schienen zahlreiche grere und kleinere Aufstze in verschiedenen Zeitschriften.
Ein erster kleiner Aufsatz ber die Flupferdjagd der Ndamba (7i bringt
einleitend einige allgemeine Angaben ber Geschichte und Wirtschaft dieses
Stammes. Dann folgt eine genaue Beschreibung der Harpunen und Jagdmetho-
den, die bei der Flupferdjagd zur Anwendung kommen. Diese Beschreibung
findet sich wrtlich wieder im Werk ber die Bena (15, p. 172-174), die von
den Ndamba die Flupferdjagd bernommen haben. Verschiedene andere Auf-
stze finden sich ebenfalls sozusagen wrtlich wieder in der Monographie ber
die Bena, so eine Abhandlung ber das Brautgut bei den Bena (14; vgl. 15,
p. 140 f., 299-326), ein Referat ber religise und wirtschaftliche Sanktionen
der Bena, gehalten am Internationalen Anthropologenkongre in London 1931
(18; vgl. 15, p. 104 f., 115, 214-216, 220, 184--187, 265 f., 279 f.), ferner zwei
kleine Aufstze ber den Wandel, den ein Musikinstrument durchmachte (23;
vgl. 15, p. 403 f.), und ber die Hacke bei den Bena (8, vgl. 15, p. 293-295).
Das Werk ber die Flubena, das 1935 erschien, stellt das Ergebnis einer
zweijhrigen, wie es scheint, grndlichen und intensiven Feldforschung dar.
Es war den beiden Forschern im Laufe dieser Zeit gelungen, das Vertrauen
der Eingeborenen zu gewinnen. Ein Beweis dafr ist die Tatsache, (la Mr.
Culwick ins Stammesheiligtum zugelassen wurde. Mrs. Culwick durfte als Frau
in verschiedene Bereiche Einblick nehmen, die einem Manne verschlossen ge-
blieben wren. Von groem Vorteil war es auch, da unter den Alten des









.1. Brantschen, Die ethnographische Literatur iiber den Ulanga-Distrikt 175

Stammes schon seit Jahren das Verlangen lebendig war, ihre Stammesgeschichte
und Gebruche aufzeichnen zu lassen, damit sie nicht der Vergessenheit anheim-
fielen. Daher zeigten sie eine groe Bereitschaft, den Forschern behilflich zu
sein. Da sie dabei manches in ein gnstigeres Licht zu stellen suchten, ist wohl
denkbar. Obwohl auch viele Leute aus dem gewhnlichen Volk ausgeforscht
wurden, gehrten die Gewhrsleute doch vor allem der Knigsfamilic oder den
oberen Schichten des Stammes an. Man wird deshalb mit gewissen Einseitig-
keiten rechnen mssen.
Die Autoren setzten sich das Ziel, in ihrem Werk nicht so sehr eine erschp-
fende Studie als vielmehr ein ausgeglichenes Bild vom Leben und von der
Welt eines Bantustammes zu bielen. Dieser Aufgabe sind sie, soweit ich es
beurteilen kann, gerecht geworden. (Fr das eben Gesagte vgl. 15, p. 5).
Die ersten vier Kapitel machen uns vertraut mit der Geschichte des Stam-
mes, im besonderen des Herrschergeschlechles. Das zweite Kapitel wurde vom
gegenwrtigen Stammesoberhaupt, Mtema Towegale, selbst geschrieben. Die
Geschichte der Wanderung dieses Stammes und die damit verbundene Anpas-
sung an eine neue Wirtschaftsform Reisbau und Fischfang treten an Stelle
von Hirsebau und Viehzucht ist sehr interessant. Die folgenden Kapitel zei-
gen, wie diese Anpassung sich vollzogen hat. Ausfhrlich und grndlich wird
die soziale Organisation in ihrer vertikalen und horizontalen Gliederung und
das wirtschaftliche Leben des Stammes dargelegt. Auch die brigen Bereiche der
Kultur kommen im Lauf der Darstellung zur Behandlung. Etwas kurz kommt
im Verhltnis zum Ganzen die Religion weg und die geistige Kultur berhaupt.
Vom Erzhlgut des Stammes wird, abgesehen von der Stammegegeschichte, so-
zusagen nichts vorgelegt. Gesang und Tanz werden in einem kurzen Kapitel er-
ledigt. Das Buch schliet mit einem Ausblick auf die Zukunft des Volkes.
Gelegentlich finden sich auch Hinweise auf die Nachbarstmme, besonders im
geschichtlichen Teil. Es ist schade, da das Sachverzeichnis nicht vollstndig ist.
Die Verfasser spielen im allgemeinen die Rolle des Beobachters und hten
sich, Probleme aufzuwerfen oder Theorien zu entwickeln. An einigen Stellen,
wo sie diesen Standpunkt verlassen, scheinen sie mir weniger zuverlssig. Z. B.
in der Frage, welchen Einflu Religion und Sitte auf die praktische Lebensfh-
rung des einzelnen Bena ausben, drften die Autoren zu stark geneigt sein,
den religisen Sanktionen ihre Wirkkraft abzusprechen (vgl. 15, p. 208-210,
215-220). Man vermit in solchen Fllen genauere Angaben ber die Gewhrs-
leute. Die schon vorhandene Literatur wurde blo zur Klrung einzelner ge-
schichtlicher Fragen bentzt.
Das Werk ist als Ganzes eine umfassende, grindlich durchgearbeitete Mono-
graphie der Flubena. Die im allgemeinen klare und sachliche Darstellung
scheint auf zuverlssiger Forschung zu grnden.
Die Aufstze der beiden Autoren, die in der Folgezeit erschienen, brachten
wertvolle Erginzungen zu ihrem Hauptwerk. Ein Artikel von Mrs. Culwick be-
schreibt die Tpferarbeit einiger Benafrauen (24). Es handelt sich um eine
Momentaufnahme, die sehr gut die Einzelheiten wiedergibt. Ein Aufsatz,
von beiden Autoren gezeichnet, hlt eine medizinisch interessante Tatsache
fest: Mit Hilfe gewisser Medizinen, die zum Teil eingenommen, zum Teil einge-
rieben werden, bringen auch Frauen, die schon lngere Zeit kein Kind mehr
hatten, die Muttermilch wieder zum Flieen, um auf diese Weise verwandte
Kinder zu ernhren, die ihre Mutter verloren haben (19; vgl. 15, p. 389-392).
Zweimal erschien in Man unter der Rubrik Correspondence eine Einsen-
dung der beiden Autoren ber die Stammeserbstcke der Bena (13; 16). Es wird
dort die Frage aufgeworfen, ob auch bei andern Stmmen Afrikas hnliche Ob-
jekte bekannt wren; es wird aber nichts Neues gesagt, das ber die Dar-
legungen im Buche hinausgehen wrde (vgl. 15, p. 109-111). Eine weitere










176 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

Einsendung von Mrs. Culwick ber die ungleiche Zahl von Knaben und Md-
chen (25) und ein Aufsatz von beiden Autoren ber die Entwicklung der Be-
vlkerungszahl im Ulangatal (21) ergnzen das letzte Kapitel des Buches ber
die Zukunft der Bena. Eine Abhandlung ber die Ernhrungsweise im Ulan-
gatal (22) gibt einen guten Einblick in die Wirtschaft der Eingeborenen und
zugleich einige Hinweise auf andere Fragen, die mit der Ernhrung zusammen-
hngen, wie Tabus (22, p. 57) und Medizinmannwesen (22, p. 60 f.).
Eine Arbeit ber die Ansichten der Bena zur indirekten Verwaltung> (20)
zeigt, wie die gewhnlichen Stammesglieder die Gegenwart der Europer als eine
unabnderliche Tatsache betrachten und die Manahmen der Regierung mit
einigem Murren hinnehmen; das Stammesoberhaupt hingegen und die brigen
Leiter des Stammes wrdigen und bejahen die Vorteile der britischen Ver-
waltung.
Eine theoretische Errterung ber das Studium des Kulturwandels 17) setzt
sich ber die Vorteile und Schwierigkeiten auseinander, den Kulturwandel in
einem Gebiet zu studieren, wo er erst krzlich eingesetzt hat, wie dies im Ulan-
gatal der Fall ist. Es finden sich dort einige interessante Angaben ber die
verschiedenartige Verwendung des Geldes, ber Handel und Verkehr im Ulanga-
tal (17, p. 166 f.).
Ein Aufsatz hnlicher Art befat sich mit dem Studium des Kulturwandels
in bezug auf die Ehe bei den Stmmen des Ulangatales (10). Ethnographisch
bietet er kaum etwas Neues. Die statistischen Unterlagen sind etwas mager und
darum die Resultate kaum zuverlssig, aber doch anregend zum Studium.
Ein kleiner Beitrag von Mrs. Culwick ber das Briefschreiben in Ulanga
zeigt, wie ungeschulte Eingeborene eine magische Vorstellung mit dein Brief-
schreiben verbinden (26).
Neben diesen Arbeiten, die vor allem die Bena und zum Teil auch die bri-
gen Bewohner des Ulangatales im Auge haben, ist noch zu nennen: eine Einsen-
dung von beiden Autoren ber die Behandlung von paralytischen Fllen (Be-
sessenheit) bei den Mbunga (12), ferner zwei Aufstzlein von Mr. Culwick. Im
ersten gibt er eine genaue Beschreibung einer Flte, die er von einem alten
Pogoro-Medizinmann erhalten hatte (9). Die Deutung der knstlerischen Dar-
stellung auf dieser Flte durch den Alten ist ethnographisch sehr interessant.
Das zweite Aufstzlein ber die Honigjger der Ngindo (11) erschien zuerst
in Man und spter in wrtlicher Wiedergabe in Tanganyika Notes and Re-
cords. Das Wenige, das hier ber die Gewinnung des Honigs und nebenbei
ber den Charakter der Ngindo gesagt wird, ist fr den Ethnologen sehr wert-
voll.
Die Culwicks haben an Umfang und Qualitt bei weitem den bedeutendsten
Beitrag zur Ethnographie des UD geleistet. Ihre fachliche Vorbildung, der lange
Aufenthalt im Gebiet und dazu die Zusammenarbeit von Mann und Frau waren
die gnstigen Voraussetzungen dazu.

111. Der UD in H. Baumanns Vlker und Kulturen Afrikas.
In diesem letzten Abschnitt mchten wir noch Arbeiten ins Auge fassen, die
innerhalb eines weiter gespannten Rahmens auch den UD behandeln. Zusam-
menfassende Darstellungen, die speziell die Stmme des UD zum Gegenstand
haben, gibt es berhaupt keine. Verschiedene vlkerkundliche Arbeiten ber
Ostafrika und ebenso eine Reihe von Verbreitungsstudien, die meist ganz Afrika
einbeziehen, erwhnen wohl einzelne ethnographische Daten aus dem UD. Sie
sttzen sich dabei meist auf Flleborn oder auf eine andere schon angefhrte
Quelle. Soweit ich gesehen, frdern sie aber keine wesentlich neuen Erkennt-
nisse ber die Ulangastimme zutage. Darum scheint es mir nicht ntig, sie hier
anzufhren oder nher darauf einzugehen. Eine Ausnahme macht Hermann










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 177

Baumanns Werk Vlker und Kulturen Afrikas (6). Eigentlich wre auch sein
frheres Werk Schpfung und Urzeit des Menschen im Mythus der afrika-
nischen Vlker (Berlin 1936) hier in Betracht zu ziehen. Da aber die dort
erarbeiteten ethnologischen Zusammenhnge in Vlker und Kulturen auf
weiterer Basis noch besser herausgearbeitet sind, wird es gengen, nur auf das
zweite Werk einzugehen. Auch in Vlker und Kulturen hat Baumann dem
UD zwar keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Aber seine Ausfhrungen
bringen doch wertvolles Licht in die vlkerkundlichen Zusammenhnge des UD.
Vor allem das Kapitel Die Kulturen Afrikas (6, p. 23-71) ist in dieser
Hinsicht sehr aufschlureich. Zu den Kulturen, deren Einflubereich sich auch
ber den UD ausdehnt, gehren nach Baumann: die Steppenjgerkultur (6,
p. 28-35, 191), in beschrnktem Ma die osthamitische Kultur (6, p. 35, 41,
189) und vor allem die altnigritische Kultur (6, p. 50-56, 191). Hier wre
nun auch die mutterrechtliche Bantukultur (6, p. 41-46) anzufhren. Bau-
mann zieht jedoch die Grenzen fr diese Kultur zu weit sdlich. Nach der
Karte (6, p. 42) und seinen Ausfhrungen zu schlieen (vgl. 6, p. 123-143,
189-194) wrde der UD nicht mehr zum Verbreitungsgebiet dieser Kultur ge-
hren. Tatschlich sind aber bei den Pogoro, Ndamba und Bena mutterrecht-
liche Zge stark, wenn auch nicht vorherrschend, vorhanden. Im brigen wer-
den sich bei solchen Erscheinungen nie ganz scharfe Grenzen ziehen lassen.
Es geht ja Baumann in diesem Kapitel auch nur darum, die Kulturen Afrikas
in den groen Umrissen vorzulegen.
Mehr ins einzelne gehen die Ausfhrungen ber die verschiedenen Kultur-
provinzen. Den UD rechnet Baumann zur Rukwa-Provinz (6, p. 189-194,
Karte 7). Nur die Ngindo teilt er der Sambesi-Angola-Provinz zu (6, p. 127 f.)
oder auch der Ostkslen-Provinz (6, p. 196). Was die Zugehrigkeit des UD
zur Rukwa-Provinz angeht, wren die gleichen Vorbehalte anzubringen wie
oben. Wenn man den Einflu der mutterrechtlichen Bantuku!tur in Betracht
zieht, ist der UD zur Sambesi-Angola-Provinz zu rechnen; wenigstens von
den Pogoro und Ndamba drfte das gelten, whrend die Bena, obwohl ein be-
deutender Einschlag von Mutterrecht unverkennbar ist, mit den ihnen stamm-
verwandten Hehe und Sangu zur Rukwa-Provinz zu zhlen wren. Der Ulanga-
flu drfte als die ungefhre Grenze anzusehen sein. Wenn man den UD als
Grenzgebiet von zwei oder vielleicht drei Kulturprovinzen ansieht, so versteht
man leicht, da nicht alle Zge hier zu treffen sind, die Baumann als charak-
teristisch fr die Rukwa-Provinz anfhrt (6, p. 189-194), und da sich an-
derseits manche Eigenarten vorfinden, die er dem mutterrechtlichen Element
in der Sambesi-Angola-Provinz zuschreiht (6, p. 123-143).
So bringt Baumanns Vlker und Kulturen Afrikas wertvolles Licht in die
Ethnographie des UD und wirft zugleich Fragen auf, die den Weg zu neuer
Einsicht bereiten. Dieses Werk weist am besten die vlkerkundlichen Zusam-
menhnge auf, in die auch der UD einbezogen ist.

Schlu.
Nachdem wir das ethnographische Tatsachenmaterial gesammelt und im ein-
zelnen gesichtet haben, ergibt eine zusammenfassende berschau ber die Eth-
nographie des UD ungefhr folgendes Bild:
Baumanns Werk sagt uns gewissermaen a priori, welche Kulturen inner-
halb des UD ihren Einflu geltend machen. Wieweit seine Hypothesen fr den
UD zutreffend sind und wo die genaueren Grenzen dieser Kulturen oder Kultur-
provinzen durchgehen, kann erst eine eingehendere berprfung des Tatsachen-
materials festlegen. Das bis dahin zu Tage gefrderte vlkerkundliche Material
ist aber noch sehr unzureichend. Eigentlich systematisch geforscht wurde nur
beim Stamm der Bena. Von den brigen Stmmen sind fast nur Daten bekannt,

Acta Tropica X, 2, 1953 12










178 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

die an der Oberflche liegen, Einzelerscheinungen, die bald diesem, bald jenem
Beobachter in die Augen fielen. Es liegen wohl einige wertvolle Anstze zu mo-
nographischen Darstellungen verschiedener Einzelfragen vor. Aber eine syste-
matische Feldforschung oder eine fachmnnische Verarbeitung des vorhande-
nen Stoffes durch einen Ethnologen ist Ankermanns Arbeit vielleicht ausge-
nommen noch nicht in Angriff genommen worden. Viel brauchbarer Stoff zu
einer solchen Verarbeitung liegt vor ber die Pogoro. Bedeutend weniger steht
uns ber die Mbunga und Ndamba zur Verfgung. Sehr wenig wissen wir von
den Ngindo, Ngoni und Ndwewe.
So vermochte diese Arbeit nur zu wenigen ergiebigen Quellen den Weg zu
weisen. Die vielen andern im Verzeichnis angefhrten Beitrge liefern dem
Ethnologen einen relativ geringen Reinertrag ab. Trotzdem hoffe ich, la sie
Missionaren und andern Interessenten Anregung und Hilfe zu weiterem Studium
und Forschen bieten wird.


Bibliographie.

Die folgenden bibliographischen Listen umfassen die Autoren und Arbeiten,
die in dieser Abhandlung ausdrcklich besprochen wurden, nicht aber jene,
die blo nebenbei erwhnt oder zitiert sind. Die Arbeiten, die in Organen der
Missionsgesellschaften erschienen, werden in einer besonderen Liste vorgelegt.
Autoren aus katholischen Missionsgesellschaften sind mit dem vollen Vor-
namen angefhrt, da dieser innerhalb der Gesellschaft gelufiger ist als der
Familienname.
Wertvolle Photos und Zeichnungen sind durch (illustr.) vermerkt. Ergn-
zungen irgendwelcher Art sind eingeklammert.


A. Arbeiten, die nicht in Missionszeitschriften erschienen.

Abkrzungen und Erklrungen:
DKB = Deutsches Kolonialblatt.
JRAI = The Journal of the Royal African Institute.
MadS = Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten.
TNR = Tanganyika Notes and Records.
Diese Zeitschrift wird nach Heften, nicht nach Bnden numeriert;
die Zahl vor dem Jahrgang gibt die Heftnummer an.


S1. Adams, P. Alfons Maria, OSB, Vom Nyassasee nach Upogoro und Donde.
MadS 11, 1898, p. 251-253. (Karte).
S2. Adams, P. Alfons Maria, OSB, Im Dienste des Kreuzes. Augsburg 1899.
(Karten).
3. Ankermann, B., Das Eingehorenenrecht. Ostafrika. (Das Eingeborenen-
recht. Hrsg. von E. Schultz-Ewerth u. L. Adam) Stuttgart 1929.
4. Arning, W., Die Wahehe. MadS 9, 1896, p. 233-246; 10, 1897, p. 46-60.
5. Arning, W., Upogoro. Deutsche Kolonialzeitung 24, 1907, p. 65 f.
6. Baumann, H., Vlker und Kulturen Afrikas. In: Baumann, H., Thurnwald,
R., Westermann, D., Vlkerkunde von Afrika. Essen 1940.
7. Culwick, A. T., Hippo Hunting amongst the Wandamba of Tanganyika
Territory. Man 32, 1932, no. 326.
8. Culwick, A. T., The Hoe in Ulanga. Man 34, 1934, no. 5 (illustr.).
9. Culwick, A. T., A Pogoro Flute. Man 35, 1935, no. 39 (illustr.).










.. Brintschen, Die ethnographische Literatur iber den Ulanga-Distrikt 179

10. Culwick, .I. T.. A Mcthod of Studying Changes in Primitive Marriage. JRAI
65, 1935, p. 185-196.
11. Culwick, A. T., Ngindo Honey-hunters. Man 36, 1936, no. 95 (illustr.).
(Der gleiche Artikel, nicht illustr.) TNR 5 ,1938, p. 66 f.
12. Culwick, A. T. and G. .M., Treatment of Fits by the Wambunga. Man 34,
1934, no. 156 (illustr.).
13. Cuilwick, A. 7'. and G. M., Tribal Heirlooms among the Wabena of the
Ulanga Valley. Man 34, 1934, no. 188.
14. Culwick, A. T. and G. AM., The Function of Bride-wealth in Ubena of the
Rivers. Africa 7, 1934, p. 140-159.
- 15. Culwick, A. 7'. and G. 31., Ubena of the Rivers. London 1935.
16. Culwick. A. T. and G. 1.. Branched Iron Stands. Man 35, 1935, no. 105.
17. Culwvick, A. T. and G. 1... Culture Contact on the Fringe of Civilisation.
Africa 8, 1935, p. 163-170.
18. Culwick, A. T. and G. 31., Religious and Economic Sanctions in a Banlt
Tribe. The British Journal of Psychology (Gen. Section) 26, 1935, p. 183-190.
19. Culwick.. A. T. and G. M., Fostermothers in Ulanga. TNR 1, 1936, p. 19-24.
4.20. Culick.. A. T. and G. 3M., What the Wabena think of Indirect Rule. The
Journal of the Royal African Society 36, 1937, p. 176-193.
.21. Culwick. .. T. and G. MA., A Study of Population in Ulanga, Tanganyika
Territorv. (Separatabdruck ohne Seitenangabe aus:) Sociological Review
94-30. 1938 & 31 1939.
22. Culwvick. .~ai nd G. M., A Study of Factors Governing the Food-supply in
Ulanga, Tanganyika Territory. The East African Medical Journal 16, 1939,
p. 43-61.
23. Culwick, G. MI., Degeneration of a Wind Instrument. Man 34, 1934, no. 138.
24. Culwick, G. M., Pottery among the Wabena of Ulanga. Man 35, 1935, no.
185 (illustr.; Korrektur zur Numerierung der Figuren vgl. Man. 36, 1936,
no. 50).
25. Culwick. G. M., Monogamy and the Ratio of Sexes. Man 36. 1936, no. 13.
26. Culwick, G. MA., Letter-writing in Ulanga. TNR 5, 1938, p 79.
27. Deutsches Kolonial-Lexikon. (Hrsg. H. von Schnee) 3 Bde. Leipzig 1920.
28. Dundas, Ch., Native Laws of some Bantu Tribes of East Africa. JRAI 51,
1921, p. 217-278.
' 29. Einsiedel. von. Der Militrhezirk Mahenge. DKB 24, 1913, p. 802-806.
4.30. Engelhardt, Meine Reise durch Uhehe, die Ulanganiederung und Ubena
ber das Livingstone-Gebirge zum Nyassa. Beitrige zur Kolonialpolitik und
Kolonialwirtschaft 3, 1901/02, p. 69-89.
-%,31. Fabry. H., Aus dem Leben der Wapogoro. Globus 91, 1907, p. 197-200, 218-
224 (Kartenskizze; illustr.).
l32. Fonck, H., Deutsch-Ost-Afrika. Berlin 1910.
33. Flleborn, F., ber die Darstellung der Lebensformen bei den Einge-
borenen im Sden der deutsch-ostafrikanischen Kolonie. Zeitschrift fr
Ethnologie 32, 1900, p. 511-533 (illustr.).
34. Fiilleborn, F., ber kinstliche Krperverunstaltungen bei den Eingebore-
nen im Sden der deutsch-ostafrikanischen Kolonie. Ethnologisches Notiz-
blatt 2, 1901, p. 1-29 (illustr.).
35. Flleborn, F., Anthropologie der Nord-Nyassa-Lnder. (Deutsch-Ost-Afrika,
Bd. VIII) Berlin 1902.
36. Flleborn, F., Das Deutsche Nyassa-Ruvuma-Gebiet, Land und Leute.
(Deutsch-Ost-Afrika, B. IX) Berlin 1906 (Atlas mit 119 Tafeln & 2 Karten).
37. Geigy, R., Totaler und partieller Albinismus bei Bantu-Negern des Ulanga-
distrikts in Tanganyika. Acta Tropica 7, 1950, p. 63-67 (illustr.).

12*










180 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

38. Geigy, R., Beobachtung einer an einem Bantuneger vorgenommenen Be-
schneidung in Tanganyika. Acta Tropica 7, 1950, p. 357-366 (illustr.).
39. Geigy, R. und Hltker, G., Mdchen-Initiationen im Ulanga-Distrikt von
Tanganyika. Acta Tropica 8, 1951, p. 289-344 (illustr., bersichtskarte).
t40. Gtzen, Graf von, Deutsch-Ostafrika im Aufstand 1905/06. Berlin 1909.
441. Grawert, G. von, ber die Bereisung des Bezirks Mahenge vom 17. Nov.
bis 18. Dez. 1903. DKB 15, 1904, p. 478-480.
42. Hall, R. de Z., A Bibliography of Ethnographical Literature for Tanganyika
Territory. TNR 7, 1939, p. 75-83.
43aHatchell, G. W., The Angoni of Tanganyika Territory. Man 35, 1935. no. 73.
43bHatchell, G. W., (der gleiche Artikel mit einigen kleinen nderungen) TNR
25, 1948, p. 69-71.
S44. Hendle, P. I(nnozenz), OSB, Die Sprache der Wapogoro. Berlin 1907.
45. Hendle, P. I(nnozenz), OSB, Brautwerbung und Hochzeit bei den Wapo-
goro. Anthropos 7, 1912, p. 252 f.
46. Hodgson, A. G. 0., Some Notes on the Wahehe of Mahenge Districl, Tanga-
nyika Territory. JRAI 56, 1926, p. 37-58.
47. Hodgson, A. G. 0., Some Notes on the Hunting Customs of the Wandamba
of the Ulanga Valley, Tanganyika Territory, and other East African Tri-
bes. JRAI 56, 1926, p. 59-70 (illustr.).
48. Kiepert, R., Karte der Nyasa-Expedition des Gouverneurs Freiherrn v.
Schele. Nach den Aufnahmen von H. Ramsay whrend der Expedition
1893/94. Blatt I-IV. MadS 7, 1894, Karte 9-12. Begleitworte zur Karle der
Nyasa-Expedition, MadS 7, 1894, p. 296-305.
49. Kiepert, R. und Moisel, M., Neue Aufnahmen deutscher Offiziere in Ussa-
gara, Ugogo, Uhehe und Mahenge. MadS 9, 1896, Karte 2. Begleitworte zur
Karte Neue Aufnahmen . . MadS 9, 1896, p. 43-48.
150. Liebert, E. von, Neunzig Tage im Zelt. Berlin 1898.
S51. Lieder, G., Beobachtungen auf der Ubena-Nyasa-Expedition. November
1893 bis 30. Mrz 1894, MadS 7, 1894, p. 271-277.
52. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Die Waffen der Wapogoro. Acta Tropica 4,
1947, p. 135-145 (illustr.).
1 53. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Die Wapogoro (Tanganyika Territory); Noti-
zen ber Land und Leute. Anthropos 46, 1951, p. 431-441 (illustr.. Karten-
skizze).
54. Mahenge, Mil.-Stat., Wabunga. Beantwortung des Fragebogens ber die
Rechte der Eingeborenen in den deutschen Kolonien. Berlin (o. ..; Manu-
skript).
55. Nigmann, E., Die Wahehe. Berlin 1908. (G> iT^'
1- 56. Pfeil, Graf J. von, Die Erforschung des Ulanga-Gebietes. Pelermanns Mit-
teilungen 32, 1886, p. 353-363 (Karte).
57. Prince, M., Eine deutsche Frau im Innern von Deutsch-Ostafrika. 3. Aufl.,
Berlin 1908.
*$58. Prince, T. von, Geschichte der Magwangwara nach Erzhlung des Ara-
bers Raschid bin Masaud und des Fussi, Bruders des vor 3 Jahren verstor-
benen Sultans der Magwangwara Mharuli. MadS 7, 1894, p. 213-224.
59. Prittwitz und Gaffron, G. von, Untersuchungen der Schiffbarkeit des Ki-
hansi und eines Teiles des Ulangaflues. MadS 11, 1898, p. 255-283.
1 60. (Schele, Freiherr von,) Bericht ber die Expedition des Gouverneurs von
Deutsch-Ostafrika in das Gebiet des Rufidji und Ulanga, am Nyassasee und
in das Hinterland von Kilwa. DKB 5, 1894, p. 224-230.
61. (Schumann, C.,) Aus dem Bereiche der Missionen und der Antisklaverei-
Bewegung. DKB 12, 1901, p. 42-44.










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 181

62. Stolowsky, Erkundung der Wegeverhltnisse zwischen der Station Ma-
henge und Kungulio am Ulanga. MadS 16, 1903, p. 253-263.
63. Tanganyika Territory, Atlas of the Tanganyika Territory. 2. Aufl., Dar-
es-Salaam 1948.
164. Thomson, J., To the Central African Lakes and back. London 1881. (Karte).
(Deutsche bersetzung) Expedition nach den Seen von Central-Afrika in
den Jahren 1878-80. 2. Aufl., Jena 1886. (Es wird nach dieser bersetzung
zitierl.)


B. Arbeiten, die in den Zeitschriften, Jahresberichten und Chroniken
der Missionsgesellschaften erschienen.

Abkrzungen und Erklrungen:
Chronik der Kongregation von St. Ottilien.
Die in loser Folge erscheinenden Chroniken der einzelnen Sta-
tionen werden seit 1923 gedruckt.
MBI = Missionsbltter. Organ der St. Benediktus-Missionsgenossen-
schaft zu St. Ottilien.
St. Ottilien 1897 ff. Die Jahrgnge beginnen bis 1903 und seit
1923 mit Januar, in den Jahren dazwischen (1903/04-1921/22)
mit Oktober. Seit 1941 erscheint in der Schweiz eine eigene
Zeitschrift: Missionsbltter. Monatsschrift der Benediktiner-
missionare. Uznach.
MBo = Missionsbote der Schweizer Kapuziner in Afrika. Ingenbohl
1921 ff., Olten 1934 ff.
Der MBo erschien zuerst in loser Folge mit Angabe der Jahres-
zahl und der Heftnummer, aber nicht paginiert. Darum wird
bei der Zitation die Heftnummer hingesetzt. Vom 11. Jahr-
gang an (Okt. 1930) wird auch die Seitenzahl angegeben. Seit
1934 beginnt der Jahrgang mit Januar, vorher mit Oktober.
St. Fidelis. = Stimmen aus der Schweizerischen Kapuzinerprovinz. Luzern
1909/10 ff. Cne sie-J
SW = Seraphisches Weltapostolat des Hl. Franz von Assisi. Illustrier-
te Monatsschrift ber das Missionswerk des Kapuzinerordens.
Mnchen 1925 f., Alttting 1927 ff.
JB = Die Schweizer Kapuziner in Afrika. Jahresbericht. Luzern
1923 ff., Olten 1932/33 ff.
MBer = Missions-Berichte der Gesellschaft zur Befrderung der evan-
gelischen Missionen unter den Heiden zu Berlin. Berlin 1836 ff.
JBBer = Jahresbericht der Gesellschaft zur Befrderung der evangeli-
schen Missionen unter den Heiden zu Berlin. Berlin 1824 ff.

SY. 101. Baumann, P. Oswin, OFMCap, Songo. MBo 30, 1950, p. 20-29 (illustr.).
102. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Gottes- und Ahnenkult bei den Wa-
bena. MBo 16, 1936, p. 147 f. (Der gleiche Artikel in SW 13, 1937, p 28-30).
103. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Medizinkult der Wabena. MBo 16,
1936, p. 163-165.
104. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Auf apostolischer Fahrt im Fluge-
biet des Ulanga. SW 13, 1937, p. 215-223, 251-259.
105. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Die Verheerungen des Alkohols bei
der schwarzen Rasse. MBo 17, 1937, p. 115-118.
106. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Plauderei ber die Namen bei den Ne-
gern. MBo 19, 1939, p. 11 f.










182 Acta Trop. X, 2, 1953 Ethnographie

107. Baumgartner, P. Medard, OFMCap, Blutrache bei den Negern. MBo 20,
1940, p. 9-11.
S108. (Damm, P. Joseph, OSB,) Chronik von Kiberege. MB1 15, 1910/11, p. 13-18.
109. (Damm, P. Joseph, OSB,) Fabeln und Sagen der Wahehe, der Wapogoro
und Wayao. MB1 15, 1910/11, p. 153-192.
k 110. (Damm, P. Joseph, OSB,) Geschichte der Mission Ifakara. MBI 21, 1916/17,
p. 353/361.
111. Engelberger, P. Aquilin, OFMCap, Negertrume. SW, 10, 1934, p. 316-319,
335-339.
112. Engelberger, P. Aquilin, OFMCap, Eine Missionsfahrt. MBo 14, 1931, p.
165-171.
113. Engelberger, P. Aquilin, OFMCap, Lose Bltter. JB 1939/40, p. 9-17.
114. Engelberger, P. Aquilin, OFMCap, Die Geisterhaine und ihre Betreuer. MBo
29, 1949, p. 86-90.
v 115. Feller, P. Eugen, OSB, Kwiro. MB1 21, 1916/17, p. 289-296.
VA 116. (Ferstl,) P. Basilius, OSB, Ein Spaziergang nach Lhehe. MBI 1, 1897, p.
103-110, 129-140, 163-169.
117. Fichtner, P. Ferdinand, OSB, Schul-Safari. MB1 33, 1929, p. 17-19.
118. Fischli, P. Fridolin, OFMCap, Wodurch ist das Nomadenleben unserer Ne-
ger bedingt? MBo 19, 1939, p. 6 f.
119. Fuchs, P. Eustachius, OSB, Kwiro. MB1 11, 1906/07, p. 82-84.
120. Gabriel, P. Friedbert, OFMCap, Wanderseelsorge im Busch. SW 12, 1936,
p. 237-242. (Der gleiche Artikel in MBo 16, 1936, p. 52-57.).
121. Gabriel, P. Friedbert, OFMCap, Biro: Die Wandambamission. JB 1919, p.
37-39.
X 122. Gabriel, P. Friedbert, OFMCap, Die Siedlung der Wandamba MBo 31,
1951, p. 76-79.
X 123. Gabriel, P. Friedbert, OFMCap, Die Arbeit der Wandamba. MBo 31, 1951,
p. 92-95; 32, 1952, p. 12-15.
124. (Grber,) Sr. Valentina. Das Heim fr die Epileptischen bei der Missions-
station Kwiro. MBo 15, 1935, p. 185-188.
125. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Bilder aus dem Missionsleben. MBo 1924,
Nr. 10.
126. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Die Blutsfreundschaft der Neger. MBo 7, 1927,
Nr. 12.
127. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Aus dem Glaubensleben der Neger. SW 3, 1927,
p. 265-267.
128. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Ansicht der Neger ber die Entstehung des Aus-
satzes. MBo 8, 1928, Nr. 5.
129. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Des Kindes Pflege und Erziehung in Afrika.
JB 1928, p. 14 f.
i 130. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Aus dem Negerleben. SW 5, 1929, p. 45-47. (Der
gleiche Artikel in MBo 8, 1928, Nr. 8).
X 131. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Aus dem religisen Leben der Neger. SW 5,
1929, p. 47 f. (Der gleiche Artikel in MBo 8, 1928, Nr. 7). ; .
/ 132. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Seelen in Not. MBo 15, 1935, p. 163 f.
133. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Aberglaube ttet die Liebe. MBo 18, 1938, p. 91.
S;'i1: Q 34. Hne, P. Ansgar, OFMCap, Besinnliches zur Fastenzeit. MBo 24, 1944, p.
24-28.
-135. Hartmann, P. Maurus, OSB, Die Reise des apostolischen Prfekten in das
Innere der Prfektur Sd-Sansibar. MB1 2, 1898, p. 25-31.
S136. Hendle, P. Innozenz, OSB, Aus Kwiro. MBI 8, 1903/04, p. 168.
'137. Holenstein, Br. Ferdinand, OFMCap, Was und wie die Neger pflanzen.
MBo 12, 1932, p. 81-83.
SJ : *, ..'










A. Brantschen, Die ethnographische Literatur ber den Ulanga-Distrikt 183

138. Hppi, P. Octavian, OSB, Chronik der Missionsstation Ifinga vom Sept.
1939 bis 1. Mai 1947. Chronik der Kongregation von St. Ottilien 1949, p. 155
bis 165.
139. Kaniki, Mlar-ellin, Was ein Schwarzer von den einheimischen rzten denkt.
MBo 28, 1948, p. 78 f.
140. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Die Missionen der Schweizer Kapuziner. MBo
1922, Nr. 6.
141. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Aus dem Tagebuch des Missionrs. MBo 5,
1926, Nr. 3.
142. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Aus dem Tagebuch eines Schweizermissionrs.
SW 3, 1927, p. 102-112.
143. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Zwei Bruchstcke der Urberlieferung aus
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144. Kppeli. P. Guido, OFMCap, Aus dem Heidenkatechismus der Wambunga.
MBo 20, 1940, p. 35 f., 52 f., 84 f.
145a Kppeli, P. Guido, OFMCap, Vor dem Sultans-Gericht in Kiberege. MBo
20, 1940, p. 40-42, 55-57, 85-88.
145b Kppeli, P. Guido, OFMCap, (Fortsetzung von 145a) MBo 22, 1942, p. 14 f.,
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146. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Mvua: Regen. MBo 22, 1942, p. 89-91.
147. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Die Wapogoro und ihr Gott. MBo 24, 1944,
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148. Kppeli, P. Guido, OFMCap, Die Bevlkerung unseres Apostolischen Vika-
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149. Keler, P. Oskar, OFMCap, Negergeschichten. MBo 7, 1927, Nr. 11, 12.
150. Keler. P. Oskar, OFMCap, Jahresbericht der Missionsstation Sofi. MBo 8.
1928, Nr. 9.
151. Keler, P. Oskar, OFMCap, Was ein Missioniir auf Schulreisen denkt und
erlebt. MBo 9, 1929, Nr. 5, 6.
S152. Keler, P. Oskar, OFMCap, Wahrsagerei in Afrika. MBo 9, 1929, Nr. 11, 12.
153. Kepler, P. Oskar, OFMCap, Dankesbrief eines Missionrs. MBo 10, 1930,
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154. Keler, P. Oskar, OFMCap, Aus dem Pori (Busch): Eine Teufelaustreibung.
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160. Luchsinger, P. Franz Xaver, OFMCap, Boy Apollinari. MBo 15, 1935, p.
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161. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Fallen der Wandamba- und Wapogoroneger.
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p. 1-5.
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166. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Bei den Wahehe. MBo 12, 1931, p. 92-94
(Fortsetzung).
167. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Geschichte des Sultanates im Ruahatal. St. Fi-
delis 19, 1932, p. 111-113.
168. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Erzhlungen der Wapogoro-Neger. SW 8,
1932, p. 44-48, 83-86, 106-108, 154-156, 171-174, 210-213, 243-245.
169. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Von Htte zu Htte. SW 10, 1934, p. 18-21
(Fortsetzung).
170. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Wildwuchs aus alten Zeiten. SW 11, 1935,
p. 237-242, 277-281. (Der gleiche Artikel in MBo 15, 1935, p. 149-152, 168-
170, 180-183; 16, 1936, p. 4-7).
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172. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Landwirtschaft. MBo 28, 1948, p. 51-56.
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174. Lussy, P. Kunibert, OFMCap, Afrikanische Seelsorge: Einleitung. MBo 29,
1949, p. 83-86.
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p. 51-58 (illustr.).
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177. Lussy, P. Prosper, OFMCap, Werbung und Heirat bei den Bena. MBo 30,
1950, p. 58-61.
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k/ 180. Maytain, P. Philemon, OFMCap, Auf Apostelpfaden. MBo 1925, Nr. 12.
(Schlu mehrerer Folgen).
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gemeinde von Sofi. SW 2, 1926, p. 238-242, 270-274.
182. Maytain, P. Philemon, OFMCap, Der Neger. JB 1927, p. 3-21.
K 183a Maytain, P. Philemon, OFMCap, Gesang der Wasuaheli. MBo 7, 1927, Nr. 7,
8, 11.
183b Maytain, P. Philemon, OFMCap, (Fortsetzung von 183a) MBo 8, 1927,
Nr. 1, 3; 1928, Nr. 4, 5, 6, 8, 9.
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10, 11.
186. Meyer, P. Wolfram, OFMCap, Skizzen aus dem Missionsleben. St. Fidelis
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189. Nigg, P. Gustav, OFMCap, Die Ruinen von Merera. JB 1946, p. 20-31.
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199. Spreiter, Mgr. Thomas, OSB, Die Reise des hochwrdigsten Bischof Tho-
mas Spreiter nach Matumbi und Kwiro. MBI 13, 1908/09, p. 145-151.
200. Sthelin, P. Celerin, OFMCap, Teufelswege. MBo 28, 1948, p. 14 f.
201. Weber, Abt Norbert, OSB, Besuch in Sali. MB1 16, 1911/12, p. 225,-252 (illu-
striert).



















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Die Acta Tropica erscheinen bandweise. Ein Band umfat 4 Hefte
zu je 96 Seiten (Format 17,5 X 25 cm) und kostet Fr. 42.50 (Einzel-
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