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Frankfurter israelitisches Gemeindeblatt
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Permanent Link: http://ufdc.ufl.edu/AA00013440/00001
 Material Information
Title: Frankfurter israelitisches Gemeindeblatt
Physical Description: 147 pages
Language: German
Creator: Israelitische Gemeinde Frankfurt am Main
Publication Date: 1930
 Subjects
Genre: newspaper   ( sobekcm )
newspaper   ( marcgt )
Spatial Coverage: Europe -- Germany
 Record Information
Source Institution: University of Florida
Rights Management: All rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier: GS20
System ID: AA00013440:00001

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Srantfutetr fraeUtttf4ts





etmteinbt'tatE

Smtli fe. (gan bte watfidf4en

Die Gemeindemilglieder erhallen das Blatt unentgelltlich.
Prtris der Einzelnummer 50 Pfg. *.* Zustellung durch die Post.
Fernsprecher: Hansa 27544. Postscheckk.: Frankfurt a. M. 33321
Seliriftleitung und Verwaltung: Fahrgasse 146


9. Jahrgang


Anzeigenpreis fiur die 6-gespaltene Nonpareillezeile 40 Pfg.
im Text und auf den Umschlagseiten 60 Pfg. / Bei \'ieder-
holungen Rabatt / Anzeigenvers allun g: Gemeindehauas
Fahrgasse 146 ErdgeschoB.


Frankfurt a. M., Dezember 1930


Dit Scliriftleitung iibernimmt fiir den Inhalt des Gemeindeblatts nur die preBgesetzliche Verantwortung. Nachdruck nur mil Erlaubnis gestallel.


Aus dem Inhalt


Gbttlich und mensdilich (F. Rosenzweig) .
Caesar Seligmann zum siebzigsten Geburtstag
Beitriige von: J. Blan A. Lazarus G. Salz-
herger S. Sdaeuermann L. Baeck M.
Freudenthal B. Italiener M. Dienemann
H. Vogelstein M. Wiener J. Norden -
S. Sntmuel C. G. Montellore II. Stern -
Ai. Snsmann N. Baer E. Mayer.
Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands


Zur ersten Jahrzeit: 8. Kislew (28. November)

G6ttlich und menschlich
Den Aussprechern im Lehrhaus1)
Von Franz Roscnzweig
Dns Wort'), nur die Erwtihlung des Volkes selber sei
von Gott und allies Einzelne im Gesetz sei nur von Men-
sdeun. hat midi betroffen. Ungefihr so hiitte .und habe ich
es vor mir selber audi formuliert; aber wein man von
einem andern seine eigene Meinung hart, wird sie einem
plitlidi problematishd. Kann man wirklich eine so starre
-C'-- aze zeidmen zwisdien dem was g6ttlidi und dem was
ninsdidich ist? wobei .es ja ohnehin klar ist, dass zu Aus-
em:h.iltheit audi ein Gesetz, das Gesetz im Ganzen, gehirt,
d:. Al das sich die gittlidae Wahl in mensdilidhes Wiihlen,
d', Passivitlit des Berufen- und Ausgesdiiedenseins in die
At I'rfitt der shdeidenden und dadurdi entsdieidendcn Tat
umr,,tzt; und nur dass oder wieweit sild dieses Gesetz
ilberhanpt, dieses Gesetz der Erwiihlung mit dem ilberlie-
ferten jildisdien Gesetz decke, nur das ist uns zweifelhaft.
Und zweifelhaft dodi wohl mit jenem editen Zweifel, der
ebtenso bereit ist, sich zum Ja belehren zu lassen wie zum
Nein.
Wia ihd darUiber nadidadite, field mir eine andre Grenze
ein; die zwishden dem, was von Gott ausspredbar und er-
Ifahrbar ist. Ausspredibar, objektiv formulierbar ist da be-
') m Wintersemester 1924/25 fanden im Freien Jiidischen
Lehrhaus Ausspradceabende -der Jugend statt. Einige Teil-
ndtlier beriditeten Franz Rosenzweig, der damils sdion
n;iai mInhr pers6nlich dabei sein konnte, regelmiissig miind-
lid und sdiriftlich. Mit dem hier abgedrudcten Brief an die
vi-'J liluptwortfiihrer (Martin Gollner, Nadium Glatzer,
B,wI E'pstein, Lotte Fiirth) griff er Ende November 1924 in
d'e Df)i- ssion ein. Die hier angesdinittenen Fragen hat
F', i z Hosenzweig spater in einigen seiner Aufsiltze (z. B.
Die; Hllleute und Das Neue Denken) ausfiihrlihd behandelt.
2I Eines der Teilnehmer an der Aussprahde.


Aus dcr Gemeindevertretnng .
Ausspradie: Die Preise ritieller Lebensmittel
Aus den Gemeinden .
Anstalten and Vereine, Versammlungskalender
Veriindcrungen im Personenstand .
Persiinlide Nadariditen .
Gottesdienstlicher Anzeiger .
Statistisdxe Uebersidt .


kanntlidi (nihdt bekantlidi) hbchstens das Allerallge-
meinste, nitmlidi dass er ,,ist", crfahrbar aber ist sehr viel,
unendlich viel. Jenes. Ausspredibare, etwa gar Beweisbare,
verhilt sidi zu dem andern wie die leere Mitteilung, dass
zwei Leute verheiratet sind, oder gar der vorweisbare
Trauscdein zu der allstiindlihden Wirklichkeit der Ehe. Da-
von ist keinem Dritten Mitteilung zu machen, sie gcht nie-
manden etwas an, und dennoch ist sie das Eigentliche, und
jenes Objektive bekommt erst durdi dieses ganz Private,
Unmitteilbare iiberhaupt Inhalt. Sodass sdiliesslidh selbst
jene allgemeinste Tatsache der Elie erst da wirklidi wird, wo
sie aus der objektiven Aussprechbarkeit heraus und in das
Geheimnis der Fest- und Erinnerungstage des Privatlebens
hinein tritt. Genau so ist das, was der Mensch von Gott
erfiihrt, zwar sdiledithin unmilteilbar, und wer davon er-
zlhit, madit sidi liicherlidh; die Sdiam muss auch diese Zwei-
einsamkeit umhiillen; und dennoch weiss jeder, doss dies
Unaussprcdiliche keine Selbstttiusdiung ist (fir die es frei-
lihd der Dritte halten darf wer den Psydiologen vors
Messer liuft, hat es sidi selbst zuzusdireiben, warum
sdiwiitzt er?); sondern die eigcne Erfabrung in ihrer Un-
aussprechlidikeit ist erst, audi hier, die Erfullung und Ver-
wirklidhung der aussprechbaren Wahrbeit. Man muss sie
nur .- machen.
Und nun meine ihd, ebenso wie bet dieser Fille der Er-
fahrungen, von denen dodc immer nur die gilt, die grade
gemadit wird, und -ur dem gilt, von dem sie gemadcl
wird, ebenso liegt die Sadce auch lijr das Einzelne im Ge.
setz. Audi hier ist die Grenze der gott-mensdilidcen Be-
ziehung nicht starr festgelegt; was testliegt. ist auch hier our
die Grenze zwisdien Aussprecdba rem und Unausspredibarem.
Aussprechbar,theologisch formulierbar,so dass audi einChrist
ihn als ,,Glaubensinhalt" verslehen kann, ist jener Zusam-
menhang Erwiihlung-Gesetz; kein einzelnes Gebot, keine


Nr. 4


I I ill I I







Seinzeine Aizwo ist einem. Aussenstehenden, mag er nocd
so' guten Willens und Verstindnisses sein, als ,,religi6se"
Forderung begreillich au .machen. Wibrend uns jener all.
gemeiuste tlieologische Zusammenhang selbst doch erst da
und dann lebendig.wird, wo wit ihn selber als einzelnes
Gebot errullen dizrfen und er aus der Objektivitiit einer
theologischen Wahrheit in das Du des Lobspruhds tritt:
wenn der zur Thora Aufgerufene den vorherigen und nach-
herigen Dank rfir das Gesetz mit dem Dank fdr die.,,natio-
nale" Erwiiblung aus allen Vblkern und die .,religi6se" zu
ewigem Leben in eins sdimilzt.
Die religiose Unbegreilichkeit des einzelnen Gebots ist
auch hier keine Unbegreilichkeit schlehithin. Sowie der
Schiller James' jede ..religibse Erfabrung" religionspsycdo-
logisdi zu kategorisieren versteht und der Schiiler Freuds
sie in die Elemente der alten ewigneuen Geschichte aunost.
so kann der Schilear Wellhausens jedes Gebot zu seinem
S menschlichen, volksgeschichtlichen Urspning bin verrolgen,
der Schller Webers es aus der eigentiimlichen Struktur
dieses Volks ableiten. Wie die psychologisdhe Analyse in
der Selbstiiuschung die Auulsung aller Rtsel findel. so
die historische Soziologie im Massenwahn. Wie dort nur der
innermensdlilche Zusammenhang. so darf bier nur der in-
nervSlkische wirklich sein: ein Selbstgesprich des Volkes,
--- kein Gebot eines Gebieters ist das Gesetz. Wir wissen es
anders, nicht immer und nicht in allem, aber immer wieder
:" und wieder. Den wir wissen es.nur, wenn wir tun.
Was wissen wir im Tun? Gewiss nicht, dass all jene
bistorisch-soziologischen Erklarungen Falsch seen: aber sie
werden zu Aeusserlichkeiten und Nachtriglichkeiten gegen-
liber der im Tun. im rechten Tun, errahrenen Wirklichkeil
des Gebots. Und ebensowenig, ja noch weniger. ist da
Ratum Fir die entgegengesetzle Weisheit, bei der wir uns
wohl in schwachen und leeren Slinden gern beruhigen
machten: dass jene innervrlkischen Erklarungen wabr scien
und dass die verpflichtende Kraft des Gesetzes daraul be-
rube, dass es allein die Einheit des Volks im Raum und
iiber die Zeit gewibrleistet; auch soldie kleinmnliige Klug-
heit liegt hinter und hunter dem Autenblidi des Tuns. Son-
dern in diesem Augenblick wissen wir gar nidits andres
als eben diesen Augenblidc. ihn aber in der ganzen gott-
menschlichen Wirklichkeit des Gebots. aus der wir sagen
diirren: Gelobt seist Du.
Nur so, nur in dieser Unmittelbarkeit ist Gotl im ein-
zelnen Cebot nicht aus-. .sondern nur anzusprechen.
Wer ihn ausspredien michite. dem wird der Unaussprech-
"lide zum linauffindbaren. Die Stimme des Gebieters ver-
nimmt man nur im Gebot. Es ist unmaiglich, bloss vom ge-
S schriebenen Wort her, mag es auch noch so gut sich zu den
eigenen Gedanken fdgen, so an die Vollendung der Schip-
Sung zu glauben, wie man daran glaubt. wenn'man den
SSabbat halten und mit dem .,Und es warren vollendet" ein-
weiben darf. Nicht so als ob das Tun das Vernebmen zur
-unausweichlichen Folge hbtte. Aber man vernimmt anders.
Swenn man im Tun veraimmt. Alle Tage im Jahr mag mir
Bileams redende Eselin ein Mrichen sein; am Sabbat Ba-
S lak, wenn sie aun der ausgehobenen Thora zu mir spricht.
nicht. Was denn? Das kann ich heute nicht sagen; wean ich
es heute. nach-denkend. rersuchen wiirde. so kime auch
no ur eine derart nachtrmigliche Weisbeit heraus. wie die dass
.s. ein Mairchen se.i. An jenem Tage aber, zu dieser Stunde
ist es nun, jedenfalls kein Mlrchen. Sondern das was
mir, wenn idi das Gebot der Slunde, namlich die Obren
S autzumachen, zu erflillen imslande bin, gesagt ist.
47''-'.
W.:,


Das Aussprechbare steht am AnFang unsres Wegs. Dos
ist das Besondere unsrer Situation: wir sollen sie nidit
verleugnen, aber wir miissen uns iiber sie klar sein. Die
des heinischgebliebenen Juden ist eine andre. -lerr ....")
sagle zu einem jungen Mann, der ihm eingestand, er glaube
nidits mehr, liebe aber jede einzelne Mizwo: Du kannst sie
unbedenklich alle halten. nur zur Thora lass Didi so lange
nicht aufrufen. Uins ist grade diese Mizwo. die aus dem
Aussprechbaren ins Linaussprechlidie fUihrt, die unsrer
Liebe zug nglidiste, und hunterr den andern sind uins viele
fremd. Grade zum Ganzen hat .uns unser Weg wieder ge-
rfihrt; aber das Einzelue suchen wir.
Nicht also zwischen GCttlich und Menschlich geht, meine
idi. die Sdieidung zwischen dem Ganzen .und dem Einzel-
nen hier. sondern zwischen einem. dessen Hlerkunrt wir er-
kennen in aussprechbarer. mitleilbarer, formulierbarer Er-
kenntnis, und einem andern, dessen Herkunft wir nidit
minder erkennen, aber nur in unausspredibarer. unmitteil-
barer und unmitlelbarer Erkenninis und was nur so, nur
in dieser Art von Erkenntnis. glaubhart erkannt warden
kann. Ich wiirde nicht wagen. irgend ein Gebot desweaen
well mir noch nicht er!nubt ist. in rechter Weise dnrilrer
zu sprechen: Gelobt seist Du. fir mensdilich zu crkliren
Sowenig wie idc mir die G6ttlidikeit des Conzen. die mit
mit Ihnen gewiss ist, anders vorstellen kann als im Sinne
jener gewalligen Nobelschen FOinminutenprcdigt iiber die
Golteserscheinnng vor Abrahnms Zelt: Und es ersciien
Got dem Abraham : nd er hub seine Augen au .
und siehe da: drei NMenschen.
Es griisst Sie alle Vier Ihr alter, iiber dns junge Leben
im Lehrhaus sehr froher
Franz Rosen zwe g.
) Vner einer Teilnehmerin. der orthodoxen Riditu l.
angehbirig.

Jnhrzeilreier
Am Vorabend der ersten Inhrzeit 'ersammelte sich in
dlem vertranten Arbeitsramni Franz Ro-senwei"s eine kleine
Gemeinde Nachdem dao Abendieebet verriditet war. riditete
E d n a rd St r a ii einize Worte rn die .\nwpeenden ind
teille mit. dass fnrtan das Freie JUii-lisde Lehrhunii nehen
der stain:li',n Bibelstiinde rind tier iihrliihen Nnhel.Vorle-
sint zurn Erinneriinz an seinen Griinder nlliiihrlich ram
lahrzeitta eine Lernstun'le ahlialten were Dantih hielt
Ma rt in Bber den ersten Lehrvnrtran Er i, rdeirti.ile
sich mit dlem ..Formpeheimnis older biblisdhen Fr/,jhtinnien"
tin einem Aursatz dieses Titel- hat lRoenzweig nnch rlie
Grind.irse rder von Buber anrrzelellten Theorie hehan.lelt)
und weies iiherraschiende snracdliche Znirammernhiange an ein-
zelnen ausrewhbillen Slitken dles Thoranexies nnch. vor
allem an den Beridirln Oiber die Welischhprlin' iindl den
Ban des Zelles tder Gegenwort. Indem diese BeiHrrlnen
mnt der grossen Forderung ,,Werdet beilig. denn heilig bin
Ihi" in ZusammenhanT gebradit iwurlen. eursl-ndl ein
.lirchaus ei.enartiges Bild ton der Nadiahlniiin Gottes im
iidischen Sinn. Es gelana Buber. ilurdi den klaren Aulbau
seiner Darstelluns und die Eindrinlidikeit seiner Bewers-
rdhrunig die Zuhirer in seinen Bann 7u zirlien. und so
wurde diese erste Lernsude. an die sidi eiiie urze Aii-
spradice anschloss. zu einer des Anlasses wtvrdigen Feier-
_tunde fir alle. die daran teilnahmen.
Am 29. November wurfle in Anwesenheit der Anrehari-
gen und einig er Freunde der G ra bslein rlijr Franz
nr.senzweig ge-etzt. Die sdchine. von dem Bildhauer Fritz
K ormis geschaffene. liegende Platte knUipft an Kasseler
Grabinalmotive an. sie triit die von Rosenzweig selbst be.
stimmnte lusdirift.
In Hamburg wurde eine Franz Rosenzweig-
Sed a h t n i s st i ftu ng errichtet. deren vorliduig alleinie
Aufgabe die Verbreitung seiner Schriflen ist. Zundichst wird
aur Anregung der Gattin Rosenzweigs die Pentateudch
Lebersetzutng von Buber und Rosenzweig an E-hepnare vert
teilt, die sich wdbreiid des Slerbejnhres verheiratet haben.
- Bestrebungen dhalidter Art siud auch in Fra'nkurt im
Gang.













I


95


CAESAR SELIGMANN

zum slebzigsten Geburtstag
i


geboren am 14 Deznmber IO, in Landau


sell 1o02 Ge'relndeabbiar in Frankiun a. M


,, Hamawdil"

Hymne zum Sabbathausgang
Deutsch von Caesar Seligmann


1. Der da stillen Sabbathfrieden,
Gott in deiner Heiligkeit,
Von des Werktags Diensi geschieden,
Lass uns, rein und schuldbcfieit,
Friedlich unserm Werk uns weihen;
Unsern Kindern schenk Gedeihen,
Gaolt in delner Segensmacht,
Lass sie werden
Wie die Sterne,
Wie die Sterne in der Nachtl.
2. Schon entchwand der Palme Schallen,
Alide going der Tag zur Ruh,
Nachl unimfngt schon Piur und Mlallen.
Herr, da wend ich dir mich zu,
Meinem Lenker, memem Horle,
Der mir kundgelan die Worle:
,,Alles wird zur Ruh gebracht,
Es kommlt Morgen
Und es kommei -
Und es kommet auch die Nacht."
3. Dcines Rechles Sdulen ragen
Wie der Tabor hoch und hehr ;
Vor demn Rechtsspruch misst ich zagen,
Wenn nichl deine Liebe wdr.
Gnadig tdge meine Siinden,
Lass sie wie das Gestern schwinden,
WVe'nn es semen Lauf vollbrachil;
Lass sie schwinden,
Lass sie schwinden
Wie die Wache in der Nacht.


4. Unfer going des Sabbaths Sonne,
Graue Sorge mich beschleicht:
Ist zu Lnde Freud und Wonne,
Wenn der holde Tag entweicht?
Ach, das Ange voller Trdnen,
Ach, die Seele voll vaon Sehnen,
Hab ich ruhelos gewacht,
Ruhelos,
Umrn Gnade flehend
In so mancher bangen Nacht.
5. H6r das Flehen meiner Worle,
Dos zu dir sich ringt empor,
Oeffne mir die Gnadenpforte,
Neig erbarmend mir dein Ohr!
VAIl ron glihendem Verlangen
Bin ich za dir hingegangen,
.Mfeine Seele liebertfacht,
Aleine LocAen
Noch benezIt
Von dem kirhlen Tan der Nachl.
6. Der du in den fichlen Rdumen
Thronest hoheilsvoll und hehr,
.leinem Sinnen, meinem Trdumen.
AleinEm Flehen gib Geh6r:
In des Abends Drmmergrauen
Lass mich die Erlbsung schauen,
Lass in ihrer sel'gen Pracht
Sie erstrahlen,
Sle erstrahlen
Hell in meine dankle Nachi I


7. Gott, dir hab ich mich ergeben,
Deine Hirfe ruf ich an,
Zeige mir den Weg zum Leben.
Fuhre mich des Lebens Bahn,
Der da alle Lebensfaden
Spinnst geheimnisvoll jiir jcden,
Und sie kaum dass wir's gedacht -
Jezh durchschneidest
Zwischen Aiorgen -
Zwischen 1lorgen und der Nacht.
8. Lass mich, Herr, an Leib and Seele
Makellos und fleckenrein,
Und dass nichts zum Heil mir fehle,
Lass mich frozen Glaoubens sein,
Dass der Spolter blind Menge
Ste/s vergebens mich umdrdnge:
,, Wo ist deines Golles Macht,
Dem du singest
Fromme Lieder,
Fromme Lieder in der Nach/ ?"
9. Ach, wie Ton nor sind nwir Armen,
Wie der Ton In TSpfers Hand!
Darum bleibe dein Erbarmen
Unsrer Schdache zageawandl,
Dein Erbarmen, dessen Kunde
Wieder/lnt im Wellenrunde,
Deiner grossen Liebe Macht,
Deiner Liebe,
Die da kindet
Jeder Tag and jede Nachtl


-:


,.AJ


%








Zu Caesar Seligmanns 70. Geburtstag
Von Justizrat Dr. Julius Blau
Vorsitzender des Gemeindevorstands.
Am 14. December 1930 jiihrt sich zum siebzigsten Mal
der Tag, an dem Caesar Seligmann das Licht der Welt er-
blickt hat. Dieser Tag gibt uns Veranlassung, Riicksdiau zu
halten auf das, was Seligmann in den 29 Jahren seit seiner
Berufung nadi Frankfurt unserer Gemeinde und dem Ju-
dentum geleistet, und mit tiefster Dankbarkeit gegen ihn
and die Vorsehung 'es auszuspredhen, dass Seligmann alle
Erwartungen, die an seine Berufung geknipft wurden, in
reidiem Mass erfillt -hat.
Als in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts,
am das im Erlahmen begriffene religiise Interesse inner-
halb der liberalen Riditung unserer Gemeinde neu zu be-
leben, eine Anzahl Manner sich im Freisinnigen Verein
fiir jiidishdes eGemeindeleben zusammensdcloss, ergab sich
gar bald die Notwendigkeit, einen Mann als Rabbiner hier-
her zu berufen, der auf der Hihe religiisen Wissens und
allgemeiner, insbesondere philosophisdcer Bildung stehend
und mit einer packenden Redegabe ausgestattet, audi im
Besitz organisatorischer Begabung, die Flihigkeit besass,
ein reiches Gemeindeleben auch innerhalb der liberalen
Kreise zu entfalten und besonders solhde Gemeindemitglie-
der an die Gemeinde zu fessein, die nur noch in losem
Zusammenhang mit ihr standen. Man hat damals sofort
nadl Hamburg geschaut, wo der junge Seligmann in der
kurzen Zeit von zehn Jahren durch seine Vertrautheit mit
den Stromungen und Bediirfnissen der Zeit auf der einen
und unter pietiitvoller Anlehnung an das historisch Gewor-
dene auf der anderen Seite die Tempelgemeinde und ihre
Jugend um sich zu sciaren und durdc seine aussergewohn-
lid -hinreissenden Reden und vermige seiner hervorragen-
den Lehrbefaihigung das Interesse am Gottesdienst unter
den Gebildeten und Gebildetsten der Liberalen wadczuhal-
ten und zu erwecken gewusst hatte. Nidit leiditen Herzens
schied Seligmann von der ihm lieb gewordenen Wirkungs-
stitte und aus einem Kreis, der dem jungen Fiihrer Dank-
barkeit und Verehrung in reidistem Mass entgegengebracht
hatte; aber, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen,
,,die Aussidit auf den ungleidc grbsseren Wirkungskreis in
der grossen und gescdichtlich hodiberiihmten Gemeinde, an
einer Stelle, wo ein Leopold Stein, ein Abraham Geiger,
ein Nehemias Briill ohne der Lebenden zu gedenken -
gewirkt haben, die Aussidit, in der ihm durdi heimatlidie
Sympathien und Familienerinnerungen teuren Stadt Frank-
furt ein weites iund dankbares Feld zur Betitigung seiner
Krifte zu finden, die Aussicdt, durdi Unterricht an den
oberen Klassen der hoheren Sdiulen einen entsdceiden-
den Einfluss auf die Jugend, unsere Zukunft, ausiiben zu
konnen", hiess ihn, wenn audi wehgestimmt, sidi von Ham-
burg zu trennen, um dem ehrenvollen and mit ehrenvol-
len Bedingungen verbundenen Ruf nadc Frankfurt zu
folgen.
Am 1. April 1902 trat Seligmann sein Amt in.Frankfurt
an. Hier winkte ihm bald eine grosse und ungewohnlidie
Aufgabe. Die voile Teilnahme an dem Gottesdienst der
Hauptsynagoge, der bekanntich im wesentlidien ,hebriiisch
orientiert ist, verlangt ein Mass von Kenntnissen der hei-
ligen Spradie, deren zahlreidie Gemeindemitglieder er-
mangeln. Die Hauptsynagoge reidite zudem nidit aus, um
saimtlidcen Anfragen nach Plitzen an den hohen Feiertagen
zu geniigen, und sie. liegt zudem im Zentrum der Stadt,
also weit vom Westen entfernt, wo ein grosser Teil
namentlihd der. liberalen jiidisdien Bevtlkerung Wohnung
genommen hatte. Ehe die Gemeindeverwaltung jedohd an
den Bau einer Synagoge im Westen und an einen Gottes-
dienst mit einem starken Einsdslag in der Muttersprache
herantrat, wollte sie erst einmal die Bed irfnisfrage prii-
fen and besddloss zu diesem Zwedc die Veranstaltung eines


6 7
freisinnigen Hilfsgottesdienstes in einem Saal im We ten
der Stadt in der fir die im Westen zu erbauende Syna-
goge gedaditen Art. Hierzu bedurfte es in erster Linie der
Ausarbeitung eines entspredienden Gebetbudis. Diese Auf-
gabe wurde Seligmann iibertragen, und dieser unteri!g
sidc ihr und der ganzen Veranstaltung mit solichm ErfBlg,
dass der fiir den Gottesdicnst bestimmte grosse Saul in
zwei aufeinanderfolgenden Jahren die Zahl der PlattLle-
werber .nidct fassen. konnte, worauf sidc die Verwaltuig
zum Bau einer Synagoge an der Kiinigsteinerstrasse, jel.t
Freiherr vom Steinstrasse, entschloss, die im Jahre IJI0
unter Seligmanns hervorragender Mitwirkung eriil'lnet
wurde. Wenn Hunderte his dahin dem Gottesdienst leru-
stehender Manner und Frauen jiidischer Art der Gottesver-
ehrung wieder zugefiihrt und wenn es namentlidi der Ju-
gend der freisinnigen Kreise nunmehr ermiglicht war, in
das praktizierende, das betende Judentum eingefihrt zu
werden, so ist dies idi darf es ausspredien, ohne be-
fiirditen zu miissen, einem Widersprudi zu begegnen -
Seligmanns Werk. Die Gewlihrung einer umfangreidien
sdi6n ausgestatteten Dienstwohnung in der neuen Syna-
goge war das sichtbare Zeidien der Anerkennung uud:
Dankbarkeit der ganzen Gemeinde. Das Gebetbuch, das.
spitter von Seligmann um eine gottesdienstlidie Ordniiing
fiir Werk-, Sabbat- und Festtage vermehrt wurde, ist vor
kurzem in einer zweiten verbesserten Auflage erscdienec
und triigt weiter dazu bei, dem GQttesdienst in der West-
endsynagoge Kraft und Weihe zu geben.
Was Seligmann als Lehrer der Religion in den hiberen
Klassen der Frankfurter Sdiulen geleistet, wie er die hiile-
rer Studien sidi belleissigende Jugend an die Quellen des
Judentums herangefihrt und fir unser Erbgut begeiIlert,
wie er als Nadifolger des unvergesslichen Adler als IRele-
rent fuir den Religionsunterricht, an den hoheren Sdiulen
im Dienst des Vorstands und als Mitglied der stadtisdien:
Sdiuldeputation im Dienst der Vaterstadt gewirkt, int ina
den Annalen der Gemeinde ,und den Herzen ihrer Milglie-
der, gleidiviel welder Riditung, verzeidinet. Diese tar
nidit hodi genug zu veransdilagende Titigkeit im einter-
nen zu schildern, bleibt Anderen hierzu Berufeneren vor-
behalten, desgleidlen seine Wirksamkeit in dem Allgeinei-
nen and dem Liberalen Rabbinerverband, in den grosseil
deutsdi-jiidishden Organisationen, in der Weltorganisation
fiir liberals Judentum und in den vielen, vielen (;re-
mien und Vereinen, die seine kraftvolle Mitarbeit erslrleb-
ten und auf sie stolz sind., Auch auf seine scdriftstelle-
risdie und seine Arbeit in der jiidisdien Publizistik kann
hier nur hingewiesen werden. Mir sei nur nodi vergiismt,
einige Worte uiber den Prediger, Diditer und Beter Selig-
mann zu sagen.
Bei unseren grossen Propheten rund Psalmisten ist er
in die Lehre gegangen. An ihrem Hauche, an ihrem Durds-
drungen- und Besessensein vom Ruadc Hakaudesch, vorn
heiligen Geist, hat seine Seele sich entzindet und sie
fiihig gemadit, jenen Enthusiasmus zu spiiren und auz.u-
zeigen, ohne den grosse Taten nidit erzeugt werden, der
Berge versetzt, der Steinwiisten in blihendes Adcerland
verwandelt und der die Kraft verleiht, audi das Sdhwersde
um der Heiligung des g6ttlidcen Namens willen zu er-
tragen iund Leiden und Verfolgungen zu iiberdauern. lIh-
mer wieder hat er uns das Lidit gezeigt, durch das tuns
helle wird auf dieser ,,duriklen Erde". In seinen wunler-
baren Israelspredigten zumal und in seinen Gebeten -
iih braudie nur auf seine Seelenfeier, seine Bearbeitung
der Awaudoh, seine Sidiraunus- und Sdiauforaus-Gelete
hinzuweisen hat er funserer Verbundenheit mit unqseer
leidens-, aber ruhmreidien Gesdcidite begeisterten und be-
geisternden Ausdruck verliehen und uns in dem Gott unse-
rer Vater unseren Gott erkennen lassen, und er hat ent-
lidi, wie wenig andere, in seinen Sdiriften und Vortrigen
iiber das Verhiltnis von Glauhen ind Wissen es verstan-








den, unsere Religiositiit zu mehren und uns zu Jehren,
unser altes Glaubensgut redit zu wiirdigen und Toleranz
und Mensacenliebe als dos messianische Ziel zu erkennen.
Ehe ich schliesse, muss ich nohd von etwas Kunde geben,
was icd aidct bloss um Seligmanns willen -der Vergessen-
beit entrissen seen machte. Wie wohl nicht allgemein
mehr bekanrt, hatte .der Badische Oberrat der Lsraeliten
es Ende des vorigen Jahrhunderts unternommen, ein Ein-
heitsgebetbuch fiir -den liberalen Gottesdienst in Deutsch-
land zu schaffen. Aus welchen Griinden es erst in jiingster
Zeit gelungen ist, ein solcdes zur Einfiihrung zu bringen,
das iibrigens gleichfalls Seligmann zum Hauptverfasser hat,
kann hier uinerwihnt gelassen, aber der Tatsache soil hier
laut Erwahnung getan werden, dass die poetischen Gebets-
iibertragungen und die Nachdidtungen, die wegen ihrer un-
nachahmlichen Schinheit und Kraft beim Erscdeinen des
Entwurfs des badisdcen Gebetbuchs bei den Kennern Auf-
sehen erregt haben, zu einem grossen Teil von unserem
Seligman herrhhren. Wer je seinen Vater mit dem Lied
,,Hamawdil" den Ausgang des Sabbats hat begleiten bhren,
wird nicht ohne tiefste Riibrung und h6disle Bewunde-
rung fihr Seligmaons dichterisdhe Gaben seine Uebertra-
gung dieses Liedes lesen, und er wird gewiss gern zu ihr
greiren, wenn er an einem stillen Sabbalabend ,,dawenen",
der Viter gedenken will.
Ja. die Frankfurter Gemeinde ist stolz auf ihren Selig-
mann, und wenn er an seinem siebzigsten Geburtstag mit
den Worten des Mussaph-Gebets am Versihoungslag zu
dem Ewigen, unserem Gott und unserem Erlaser, been
wird: .,Herr, verwirf mich nicht in den Tagen des Alters,
wenn meine Kraft sdwindel"', so wird sie mit ibm mit ilen
Worten des gleichen Gebets been: ,,Herr, verwirf uns nicht
von Deinem Angesicht und nimm Deinen heiligen Geist
nicht von uns" in dankbarer Erkenninis, dass Seligmann
es gewesen ist, der siediesen heiligen Geist zu verspiren ge-
lelirt hat und, wills Gott, betreut von der gleichgestimmten
Gattin und umgeben von begabten Kindern und Enkeln
nod lange. lange lebren soil.


Aufgabe und Bedeutung der Kasualrede
Von Rabbiner Dr.-. rnold Lazarus
Rabbiner Dr. Seligmann tritt in diesen Tagen in gott-
gesegneter Frische und Ristigkeit an die Sdiwelle des so-
genannten ,.biblischen Alters". Luther sagt in seiner \Vie-
dergabe des bezdglichen Psalmverses von einem Leben. das
diese Zeitspanne umlasst- ..\Venn es kbstlich gewesen ist,
so ist es Muhe und Arbe.t gewesen." Mag diese allbekannte
Liebersetzung auch unzutretfend sein der in ihr ausge-
sprodiene Gedanke ist erhebend. Seine Wahrheit trifft auf
das Wirken dte geistigen Fiihrers unserer Gemeinde zu,
dem wir uns in Dankbarkeit und Verebrung neigen. In
seiner jahrzehnteldngen Arntstitigkeit hat er in der Fulle
se.nes vielseitigen Schaffens Hervorragendes audi auF dem
Gebiet der Seelsorge geJeistet und hier wiederum einen
wesenlrichen Tell seiner Kraft der Aufgabe des rabbinischen
Amtes gewidmet. von der hier gesprodien werden soil.
Nidit was das Synagogenjahr in seinem regelmissigen
Ablauf an Ereignissen und Ideen bring, nicti was die Ge-
samtheit Ganz-Israels angeht, fillt hierunter. Die beson-
deren Vorgdnge im religi6sen Leben der Einzelnen, der
Familien, der Gemeinde. des Vaterlandes sub specie
aelernitatis zu betrachten, zu erfassen und darzustel-
len. ist Sache der Kasualrede. Die nichterne Bezeihdnung
von,,c asu s" = Fall west bei uns Juden bin auf Brissmiloh,
Barmizwoh. Nlhdcheneinsegnung, Trauung, Beerdigung, audi
auf die Proselytenaufnahme oder die Synagogenweihe,
Friedhofsweihe, sowie Amtseinflbrung, Amtsahschied und
Amtsjubilium des Rabbiners und anderer Funktionare der
Gemeinde und scdliesslidi audi auf patriotisdie Gottes-


dienste. Diese hier nidit in aller Vollstandigkeit aufge-
zihllen Ereignisse scheiden sidi deullich in zwei Gruppen.
Die eine umfasst das Dasein einzelner Menschen, zumal in
ihren Beziehungen zur Familie. In der anderen sind be-
sondere Vorkommisse des gemaindlichen oder staallichen
Lebens zusammengestellt. Sie alle sollen mit religidser
Weihe umkleidet werden.
Es geschiehl auf einem doppelten Wege Zunlidhst ist es
fast imnmer die Verwendung eines feststehenden Gebet-
rituals. hdulig in Verbindung mit der Auswirkung altiiber-
lieferter Symbolik. Sie bringen das allgemeingtiltige, objek-
tive Element der religiosen Vorstellungswelt zum Ausdruck
und vollziehen so in jedem ,,Fall" die notwendige Ver-
kniipfung mil der Allgemeinheit. Man kann ihrer nicht
entraten, am wenigsten im Judenturn, dessen Religion einen
ausgesprodien sozialen Charakter hat bei oiler Anerken-
nung der 6gilidikeit und des Redites zum ganz pers6nlichen
Erleben des Einzelnen. Gerade die heutige Zeit will freilihd
ibren Individualismus aucd in der Religion besonders stark
zur Geltung bringen. Um kennzeidinende Beispiele fiir das
bier behandelte Gebiet zu nennen: kaum noch wird,'aus
welchen Grinden audc immer. eine Brismnilbo in der Syna-
goge vollogen: Trauungen werden vielfach im Hause im
engsten. oft gar allerengsten Kreis der Beteiligten gehal-
ten, Beerdigungen inden ,.in der Stille" statt. Begiinstigt
ist die Vorliebe unserer Zeitgenossen, den Zusammenhang
mit der Religionsg e meins c ha ft zu locker oder wo-
mbglich zu 16sen. durdi die neuere Zivilstandsgesetzgebung,
die den staatlidien Organen die Matrikenfuhrung. die Ein-
tragung in das Geburts- und Sterberegiter. wie auch die
Sdiliessung und Scheidung der Ehe ubertragen hat. Es hatte
seinen guten Grund. das_' fruhere Gesdilechter bei uns
Juden'die Kasualrede fast garaidht, im r\e-',itlicden nur
bei den Leidienbegangnisseu he vorragender Manner ge-
kannt hahen. Dem religidsen Erleben. dos tief im Gemein-
sdcaftsbewusstsein verwurzelt war. hat ehedem der kul-
tisdie Vorgang (Liturgie, Symbolik) vollauf geniigenden
Ausdrude gegeben. Aber auch heute wirken f i r das Bei-
bebalten der religiosen Veranstaltungen die Pielit gegen-
iiber lebenden oder verstorbenen Anverwandten, ferner
die konventiunelle Verpflidtung der gesellschaftlidien Sitte,
seLbst audi ein gewisser Aberglaube (wenngleich im Juden-
turn den in Frage kommenden Funktionen jede magisdi-
sakramentale Madit. gehandhabt von priesterlicher Gewalt,
durchaus mangelli. Trotz alledem ist noch viel edites seeli-
sches Bedtirfrns bei uns in weiten' Kreisen vorhanden, dos
uach religiiser Weihe verlangt. Hierfiir wmag als deutlidier
Beweis dio Dankbarkeit gelten. die dem voliziehenden
Funktiondr oft dargebracht wird. Immerhin bedeutet ja die
Heranziehung eines Rabbiners oder anderer Gereinde-
beamten an sidi e.ine Anerkennung des GemeiusLbafts-
charakters der Religion.
,Daruber hinaus tritt an den fungierenden Vertreter der
Gemeinde heute mit umso stdrkerem Forderungscharakter
die friber vernadildssigte Aurgabe in ibrer ganzcn Grbsse
und Schwierigkeh heran, dem .indi vi J ellen Betlirf-
n;s der NMensdien. die es im gegelienvni Ainenbllick angeht,
Rechiung zu tragen und ihren EmpEindungen eigener. sub-
jektiver Art den rihitigen und angemessenen Ausdruck zu
verleihen. Seine Plidit ist es. die jeweilige Besunderhoit
der gegebenen Verhaltnisse klar zu erfassen und das zeit-
Lidc Bedingte in den Zusammenhang des Ewigen hinein-
zustellen. Die Verwertung dieser persunlidien Momente ist
nicht leicht. Mit ihr ist vor allem die Gefahr verkniipft,
dass der Redner kein genaues und sidieres Wissen von
ihnen hesitzt Zumal ii G ri,,gemei.leoll wird er sidi u f die
..Informalionen" der Beeiiteligten selbst oder irgendwelcher
Angehbriger stiitzen maissen. Diese werden nidit etwa mit
Absidit falsch oder ungenau gegeben. Das iber den Alltag
hinausragende Ereignis. besonders der Tod lasst die im


I~" ~~ I 1


, -







Brennpunkt des Interesses stehenden Personen in einem
verklirenden Lidct erscheinen. das den Berichten eine stark
idealisierende Fdrbung verleiht. Hier bedarf es einer ge-
wissen Vorsicht in der Verwendung und Verwerlung der
Ejnzelheiten Geschidte Befragung der A-uiknofterteilen-
den wird notig sein. damit zumal bei mangelnder "Aus-
dridcksahigkeit der Informierenden doch ein moglidist
klares Bild gewonnen. mindestens jede Linwahrhaftigkeit,
selbst auch ULebertreibung des im Crunde Richtigen ver-
mieden wird. D.ieer Gefabr wird der am ehesten und
besten entgehen. der durdc manuigradie. in Jahren, wo-
moglich in zwei und drei Generationen geknbpfte Beziehun-
gen mit dem Kreis. den es angeht. verbunden ist. Zugleidc
als ,.Freund des Hauses" spredien zu kdnnen, ist wesent-
lidiec Erfordernjs. Unsure heilige Spradie. die den ,.Freund"
als ,,Licbenden" bhe-idinet, west uns den rechten Weg.
Den Vertreter der nelginn muss ,,Liebe" zu den Menschen
erfuillen. die sidc an iln wenden. Liebe, die ihn zur .,Ein-
fdiblung" in ihre Empfinilungen. zur ..Sympathie'. zum .,Mit-
erleben" befabig. die ibm .\npassung ermiglicdt. Und wo
einri nalcre older aud, nur entrerntere Freundsdhaft nidit
vorhanden ist, da wird er-t redic der ..Takt", der nichts an-
der-s al, ..Einfubling" .ist, das persbnlidi gewendete Wort
nadilialtli be-inlu-ssen. Die Personlichkeit des Redners, sein
innere- \\eesen is andl bleibt entscdeidend fur die Leistung
der 'ge-.ellten .\Aifgabe. Nur wenn und wo hinter dem ge-
spruichencrn Wort ri-ecues Erleben stebt and wirkt, wird aus
der Secl deI. Spethers. dani der Krafi seiner Religiositdt der
ziuulende I unke iLierspringen, durch den wiederum persiin-
lidich Erleben bei den Zuborern entfadit wird. Lind da nie-
mals ein NleiisJ-i. .jeschweige lenn ein c lMenchenkreis dem
andirrevt .lecdit. miin s ledle Typisierung fernbleiben, jeder
Sdlrm.ialiin,- bei.letie geschoben werden Man hat richtig
ge., I- .Die McNlhien %ind nicht um der Kasuallren, sondern
die Kiasua-lien I t i d iim der Menscden wen iln da." Individua-
lisie uuug nach der tatladilich vorhandenen Stimmung. nadi
dem Bildungsgrail. nach der religidsen EJnstellung der ein-
zelnen und der ir iinigehenrden Schar der Teilnehmer ist
erforderlidi, damit die Seeien aus der Tiefe des beengenden
Alliags und seiner Zeitlidikeit 7ur Weite und H6he des
Ewigen. des Heili-gn. des Gbttlichen erboben. relig.idse und
silllidie Krafte erneuert und gesteigert werden Nicht zu
uber-ehen ist. das- s-,ldie Anpassung ihre starken Bedenken
hat geenuiber der Festigkeit der Standpunktes. den der
Redntr- besit/t und zu vertreten hat. H-Ier gibt es keine
Norm, die do -agl. wieweit er gehen kanu. H.ier entscheidet
das ..Gewi-sen"
.\be, audi die grossen torteile. die dem Seelsorger die
Kasualrede 1i hiOiutige0 Z sit ftir seine Wirksamkeil bietet.
sind iidit zu uibersehen Wieviel aufgeschlossener sind ibm
dodi in soldien Stunden ilie Seelen seiner Zubprer. da ihren
Grund das Sdiicksal. gestrigerte Freude. Eingstlich zagende
Zukiinliterwartung. sdJiteriliche Trauer auflockert. in-
messbar Ist die Zalil der Menscden, selbst seiner eigenen
Geniinde. die sein Wort sonst nie erreicht. denen er aber
als Kasualredner begiepuel. Lind wie mancher Bekenner
einer anderen Religionisgemeinsdiaft stebh ibm dann gegen-
uber. dei ilrige VYoiltlluingen vocw Judentum hat. Wie
viel rruditbare Aulkiarung kann hier gespendet. wie viel
gute Apologelik gelri-tet, wie eindrucksvoll Mission im
besten Sinne des \\ortes nach aussen und auch nach
inneu getrieben ,werden'
Die Kasualrede wird trot? alledem bei mancheim ernsten,
gewis5-enhaften SeelI.orger. nicdt zum wenigsten auch bei
Laien gering geadilet. Schuld an dem Verruf. in den sie
gekommen ist. baben aussere Unzilinglichkeiten. Deren
eine ist die bislang ublidie besondere Bezahlung ibrer
Leistung,.eine Einrichlung. die ainen rein seelisdhen Vor-
gang mit einem bier ganilidi ungeborigen Materialismus
belastet. Das Verlangen von theologischer Seile und die
Einsidit die-er und jener Gemeindeverwaltung hat hier er-


freulicherweise Wandel gesdhaffen und wird hoffentlich bald
ren unwtirdigen Braudi der Sporteln fur den amtierenden
Funktionbr allenthalben beseitigen. Schwieriger ist die
L6sung der Frage, wie in Grossgemeinden von vornherein
die personliche Bqziehung geschaffen werden kann, die in
jedem .,Full" die dringend natige Voraussetzung einer ge-
deihlichen Wirkung fir den Geistlidien und den Laien ist.
Eine Einteilung der allzugrossen Gem.einde in entsprechende
Bezirke ist hier das redite Mittel zur Abhilfe. Audi muss
Sorge getragen werden, dass der einzelne Seelsorger nidit
allzuviel Kasualien zu halten hat, damit ibm neben der
Fulle der iibrigen Amtsplidiclen hierfiir auch die nbtige
Zeit der Vorbereitung bleibt. Mit der Erdrterung dieser
und dhnlicher Fragen. etwa der Unterscdiede, die zwisdien
den Gruppen und Arten der Kasualrelen bestehen, gleiten
wir bereits in den Bereidi ausgespridien herufsmissiger
Interessen. Sie bleibe der rein fadilicren Bebandlung des
ganzen Komplexes orbeha.lten.


Von der Kunst zu predigen
V on Rabbiner Dr. Georg Salzberger
Predigen ist keineswegs die ein.ige, ist nicht einmal die
widitigste Aufgabe des Rabbiners, aud naicht des liberalen.
Religionsunterricht im weitesten Sinne, das Lernen mit Er-
wadisenen and die religibse Unterweisung der Jugend, so-
wie das. was man Seelsorge nennt. ist die .umfangreidiere,
schwierigere. audi Jruditbarere Tatigkeit seines Berufes.
SAber erst durch die Predigt wird er, wenigstens in grisse-
ren Gemeinden, weiten Kreisen bekannt. Sie ist es, die dem
IUrteil der vielen unterliegt. Indes. -i gewiss jeder jidische
Znhorer die Predigt des Rabbiners jedesmal iir sich oder
vor anderen. uistimmend oder ablehnend beurteilt. w.isb-en
die wenigslen doch um die geistige Leistung, die eine Pre-
digt darstellt. Mancder Ahnungslose ienkt sie sidi gar zu
leidit und einfach: als brauche man sie, aun die Kanzel
tretend. nur au.s dem Aermel zu cdihuttcln. wahrend dodh nach
einem Wort Manuel Joels, eines unserer klassischien Pre-
diger, .aus dem Aermel nur Staub gesadittelt wird. Mandier
Naive bewundert im Gegenteil die Leistung des Predigers,
aber was er bewundert, ist das v,,rugliche Geddchtnis
und die Sicherheit. mit denen em Nlensdi eine balbe Stunde
und langer in fcierlhdiem Raum vollkommen frei zu einer
anddditig schweigenden Zuhbrerschaft spricit, als ob nicht
Geddahtnis und Sicherheit in jedem Berufe Sache der
Uebung warren. Das Konnen des Predigers liegt in einer
anderen Riditung. Predigen kBnnen ist eine Kunst, die wie
jede Kunst Anlage und Bildung erfordert: die erstere ist
eine Gottesgabei. die jemand hat oder nicht hat, die andere
ist der AmnteiL den er aus eigener Kraft beisteuert.
Die Pr ed igt ist eine besondere Gattung der Rede, isa
gottesdienstliche Rede, .,Kanzelrede". Sie unterscheidet sidc
von einem Vortrag darin, dass dieser eiu beliebiges Thema
gedanklich entwidcelt .und nebenher tircih die Form etwa,
die Klarheit des Aufbaus und die Schdinheit der Sprache
audi das sthetische Bedirfnis des Hirers ibefriedigt, wih-
rend die Pred.igt mit einer religi6sen Wabrheti an sein
Denkeu. sein Fuihlen and ganz besouders an -e.in Wollen
appelliert. wobei bald mehr das eine, bald mehr das zweite
oder dritte in den Vordergrund geriidct wird. Eine Predigt,
die nidit den Zwed verfolgt, den Willen der Gemeinde zu
sittlidi-religioqem Tiun 7u spornen. tragt ihren Namen zu
Unredit.
Aus dem Leben mu.ss daher die rechte Predigt stammen,
gegenwartiges Leben mit den ewigen Lehren und Forde-
rungen der Religion konfrontieren und so in ein h6heres
Lebeu einmunden. In beidem: im Leben wie in der Reli-
gion muss also der Prediger zuhause sein, um dem reli-
gibsen Schrifttum .seiner Gemeinsdiaft den S t off zu ent-
nehmen, der gerade dieser Zeit und dieser Hirershdaft
lebendig gemadit werden kann und soil. Da das jiidisdh-








religiose Sdirifttum. uber Jahbrausende sich erstreckend,
von gewaltigem Umfang ist. so darf als ein heilsamer
Zwang die alte Sitte gelten. da.ss unser Prediger sein Thema
oder doch seinen Text jewels a-us dem Thora- oder dem
Prophetenabsdinitt des Sabbats oder Festiags entlehnt. So
wird ibm die Sudie nadi einem passenden Gegenstand der
Betraditung erleiditeit .und gleihizeitig die Gefahr voll-
kommen freier Wahl. namljih daul das gleiche Thema brier
zu verfallen. leiditer vermieden. So .audi bleibt jiidiscie
Predigi am ebeslen ihrem Charakter treu, den ibre Stelle
winter Thora. und Prophetenverlesung kennzeicinet: eine
ins NouzeitUldie gewendete Haggada, d. h. Erklirunc u rid
Deutung der Heiligen Sdirift zu sein. Freilich hat d iese
Gebundenheit -an die jeweilige Lektire auch ihre Nadi-
teile. Nidit nur sind mandie Absdinitte der Thora arm an
geeigneten Gedanken. selbst die reidieren ersdioplen siih
im Laufe der Jabre bei haufigem Predigen, wie es in libe-
ralen Synagogen von Grossgemeinden tiblihd ist. Nur ein
immer erneutes liebevolles Sidiversenken in den beiligen
Text samt seinen hundertfdlligen alien Deutungen und
eine immer wadisende Lebenserfahrung mdgen der Gefahr
soldier Erhdi6pfung begegnen. Dabei bandelt es sidi uidic
einmal um viele oder neue Gedanken. Einen wirklidi
neuen Gedanken wird selten ein Prediger vorbringen. seine
Sadie ist es. ,.das alte Wahre". das liingst gefunden, anzu-
fassen und fasslidi zu madien; neu also wird im allgemei-
nen nur die Anknipfung und Anwendung sein. Und ein
Zuviel an Gedanken (znmeist ein Fehler des Anfangers)
wurde dem Wesen und der Wirkung der Predigt ANbrudi
tun: ibre Besonderheit ist vielmebr, einen bedeutenden Ge-
danken auszurihreu und von den versdiiedensten Seiten
zu beleuditen. Soldie Beschrinkung fordert schon die Riick-
sidit auf die Zusammenselzung der Zuh6rersdiaft. Sie nenni
sich Gemeinde. aber was ihr gemeinsam ist, wird hdiwerlicd
das Wissen und das Fassungsverm6gen sein. Darum erhebt
sidi vor dem Prediger inner wieder die Frage: wem
predige idi? Gebildeten oder ungebildeten. religibs-gebil-
deten oder -ungebildeten Mensdien? Instinkt und Erfah-
rung werden ihn danu rdhren, eine mittlere Linie iinzuhal-
ten, wobei der geistig Besitzende niemals leer ausgeht,
aber audi der geistig Ansprudislose etwas nadi Hause trdgt.
Damit ist die Frage der G e s t a I t u n g des Stoffes sdion
beruhrt. Denn es lasst sidi nabezu jedes Thema. soweit es
ins Lidit des Religidsen gerudit werden kana, audi das
schwierigste aur der Kanzel behandeln. w.inn der Prediger
nur versteht, es an Geist.und Herz seiner Gemeinde in an-
sprediender Form heranzubringen. In der Gestaltung des
Stoffes bewahrt sidi alle Kunst, auch die eigenllidie Kunst
des Predigers. Elwas vom Maler und vom Ardiitekten muss
er haben: seinen Gegenstand klar und ungezwungen und
getillig zu gliedern, ibm den passenden Hintergrund oler
Untergrund, die notwendigen Teile und den zusammenras-
senden und krbnenden Absdiluss zu geben, damit jeder
Betraditer mit einer gewissen Spannung folge (Langeweile
isi der Tod audi der schbnsten und gedankentiefsten Pre-
digt) und am Ende mit Befriedigung das Ganze iiberblicke.
Etwas vom Diditer muss er besitzen: einen geliuterlen Ge-
sdhmadc fiir die Schonheit und Wiirde der Spradie. die ja
das einzige Ausdrudcsmittel audi seiner Kunst ist, einen
untrdglidien Takt fir Worle und Wendungen. die an hei-
Liger Statte gebraudit und nidit gebrauhdt werden diiifen,
ein nidit geringes Mass an Phantasie unil daber einen Re;ch-
turn von Bildern und Gleidinissen. Nidit zuletzt ein sidie-
res GefUhl darir. dass seine Predigt nicht als ein Freniles
in diesen Gottesdienst hineingestellt werden darr, sonrlern
dessen Ganzem naiirlidi eingegliedert sein und organi'dr
aus ibm heraiswadisen muss. Nur so entgeht der Rabbiner
der Gerahr eine Predigt zi halten. die so older Ahnlihd audi
der Pfarrer halien kdnnte.
,,Allein der V o r t r a g ist des Redners Cliick" h6r mannn
die Wagner-Naturen nodi heute sagen. Nun, selbst Fansts


Famulus will mit diesen Worten nidit bebaupten, dass im
Vortrag allein die Wirkung einer Rede liegt. Aber auf
der anderen Seite lehnt der Faust. der erwidert: ..Es tragt
Verstand und rediter Sinn mit wenig Kunst sidch selber
vor' die Kunst des Vortrags eben damit nicht ganzlidi ab.
Eine Rede ist eben keine ,,Sdireibe" und eine Preiigt
keineVorlesung, weshalb zumeist gelesene Predigten nidit ent-
fernt den Eindruck machen wie gehbrte. Ja. ta otz Faust-Goethes
ironisdiem Einsprudi inlditen wir meinen, dass es biswellen
nidis sdiaden kdnnte, wenn ,.ein Komidiant" einen ,.Pfar-
rer" lehrte. Denn soil seine Predigt die gewiinsdite volle
Wirkung tun. so muss er die Mittel hierzu nach aller Mag-
lichkeit vervollkommnen. Wenn man sie akustisdi nidit ver-
stebt, geht audi die beste Predigt verloren. Er muss lernen,
seine Stimme redit zu braudien. in riditiger nWeise ind zur
rihdiigen Zeit Atem zu holen. nidit zu laut und nidit zu leise,
aber audi nie.mals eintonig. bald langsam. bald la-dier, aber
immer deutlich und womdglihd audi phonetisdi sdidn zu
spredien. Etwas vom Musiker muss der Prediger haben,
den Sinn fur Rhythmus und fUr die Klangfarbe und den
Tonfall der Stimme. Wohl ibm, wenn ein freundlidies Ge-
sdcidc ibm ein krhftiges, woblklingendes und tragendes Or-
gan mitgegeben hat. Aber audi werm I-, versau't ist. kann
durdi zwedcmissige Behandlung der Natur nadihelfen. Das
soil nun beileibe nidit heissen. dass er die Natur verfal-
sdien und gekinstelt spredien sollte. Nidits beleidigt das
Ohr eines niodernen Zuhibrers mehr als falsdies Pathos, wie
denn audi sein Auge durch einstudierte Gesten irriLiert
wird. Sdiliditbeit und Naturlidikeit sind die unerlhsslidi-
sten Bedingungen eines guten Vortrags. Umso starker wird
das Pathos wirken, wenn es wahr und edit als religibse
oder sittliche Leidenschaft ,,aus der Seele dringt und mit
urkraftigem Behagen die Herzen aller Hdrer zwingt."
'Wahrheit und Editheit ist der Masstab fir die Per-
sonlichkeit. Diese ist wie in aller Kunst so audi in der
Predigtkunst das Entsdieidende. Mit erstaunlidiem Fein-
gefuhl erkennt die Gemeinde sehr bald, ob es dem Pre-
diger Ernst ist mit seiner feierlicden Rede, ob er die Kan-
zel besteigt um sich und seine Kunst hBren zu lassen, oder
ob hbn jedesmal die edle ..Shdeu var der Gemeinde" und der
heiligen Sadie bewegt, weno er zu reden anhebt, ob das,
was er predigt. seiner innersien Ueberzeugung entstammt,
ob das was er lebrt audi dem was er lebt entspridft. Und
nur wo Persbnlihdeit und Ausdruck der Personlidikeit sich
decken. wird die Predigt ihren Zweck erreidien, m6gen aucd
nodi so viele sie ,,sdbn'' oder ,,nidit sddon" befinden. So
widhtig ein grtindlihdes Wissen um die Religion, ihre Quel-
len. ibre Geschichte und Gegenwart. so wrinsdienswert eine
reidie und geliegene allgemeine Bildung des Predigers ist,
ersi sein Erfillt- und Durhddrungensein von dem Ver-
trauen auf einen lebendigen Gott und von der Liebe zu-den
Mensdien. von der Begeisterung fir den Reichtum und die
Grbsse der eigenen Religion. fiir Vergangenheit und Zu-
kunit der eigenen religibsen Gemeinsdiaft schaffen am Ende
dodh lie herzwarme Atmosphare, die jeden, der soldien Pre-
diger hbrt und sieht. ergreifen muss. Dabei wird der ge-
reifte Prediger sidi nidic einbilden, dass seine Gemeinde,
durdi sein Wort innerlihd gewandelt, des Gotteshaus ver-
lasst. Aber er wird. soil er nicht erlahmen, nidit den Glau-
ben aurgeben, dass hie und da ein Wort wie ein Samenkorn
auf fruhdtbaren Boden f llt, Wurzel sdilligt und einstmals
Frdit trtigt. Als guter Padagoge, der er sein muss, wenn er
aii Menschen erziehlidi wirken will, wird er den Glauben
an das Gute. das in jedem sdilummert und gewedtl werden
kann. trolz aller Enitausdiungen zum Ansporn immer er-
neiier religidser Belehrung. Erbauung und Erziehung sich
Serilen lassen.
SD;ese Betraditung ist als Dankund Huldigung an den
Pieiliher gelndit. tier wie wenige hunter den lebenden Rab-
Iiaii-ri die Kunst der Predigt besitzt: Caesar Seligmann.







Ein Schiiler des grossen Meisters Manuel Joel, hat er des-
sen philosophische Gedankentiefe 'und Klarheit sich zum
Vorbild genommen. Durch emsigen Fleiss, durch ungew6ihn-
liche Intelligenz und ein ncidenswertes Gedchdtnis hat er
sich ein tiefes und ausgebreitetes Wissen auf allen Ge-
bieten jiidischer and allgemeiner Bildung zu eigen gemacht.
Wie er dies Wissen nun in der Predigt verwertet und
verarbeitet. das stempelt ihn zum Kiinstler. Man muss ihn
an Sabbaten, zumal an Feiertagen predigen h6ren, um ru
erfalren. weldi starke. im Grunde dodi geheimnisvolle
Wirkung von seinen Predigten ausgebt. Ob er von Israels
grosser Sendung redet, ob er von dem Problem der Wil-
lensfreiheit, ob er liber die sittlich-religi6sen Schiden un-
serer Zeil oder fiber die messianisdie Hoffnung spricht,
immer weiss er den Hbrer von Anfang an in den Bann
seines Wortes zu schlagen und his zum Ende zu fesseln.
inmer wider iberrascht und berausdit er durdi die sou-
verdne Beherrsdcung der Spradie und durdi einen ddite-
risdien Reilitu n von Bildern und Gleichnissen. Immer spiirt
man auils einen Worten den weltaufgesdilossenen, klugen
und besoitnenen Mann. Was aber unzfihlige Male eine ganze
Gemeinde in gewaltigem Scdw-une mitreisst, das ist die
glihende Begeisterung eines gotterfiillten jiidischen Her-
tens und die alles verstehende Giite einer glaubigen Per-
sonlidikeit. Er nennt sidh gerne einen Optimisten. Er ist
es. Es ii ias tapfere. zuversidctlida-rrohe ..Und dennohd".
das ihn durch die Jahre angestrengtester Arheit hindurdi
wanrlungl-rihig und jung erhalten hat. Wenn er, der treff-
liiie Prtlagoge. im heitern Marcdenton vor KRndern predigl,
daun lut man einen k6stlidien Blick in sein eigenes kindlicd
gebliebene- Herz. Mage an dem allverebrten Meister sidc
das Prophetenwort bis ins hbcdate Alter bewahrheiten:
.,Knabei e.niuden und ermatten. Jninglinge straucheln. die
aur Gott vertrauen. ge\innen immer neue Kraft. sie geben
und ermniden nicht. sie eilen und ermatten nicht "


Die Steull ng d(es
kantors im neuzeitlichen Gottesdiensl
o n b rk an tr S. Scleuermann
Zu allen Zeiten bildete der religiise Gesang enmen
maditvollen Bestandteil in der jiidiscden Gottesverehrung.
Die Liederdiditungen in der Bibel wurden nicdt nur ge-
lesen, sondern man kleidete sie in eine Melodie und um-
gab sie oft mit dem Rhythmus des Tanzes Wie sanges-
rreudji und sangeskundig das alte Israel war. ersehen wjr
an der vielfadien Anwendung dieser ,,natiirlicden Aeusse-
rung des mensdilicden Gefiihls". Man sang beim Wasser-
schdpfen am Brunnen. der \NdAdter in der Nadit liess seine
Liederweisen ertdnen. dem Acerrmann erlaiditerte das
Lied seine miibevolle Arbeit, mil Gesang zog man in den
Kampf, in Liedern feierten die Heimkehrenden den Sieg.
Der Hochzeitsfeier gab das Lied seine frohen Akkorde, und
mit seinen klagenden Klingen stand es an der Totenbahre.
So offeabarte das alte Israel seinen Sinn and seine Liebe
fir Musik und Gesang. die in allen Schattierungen wie
ein Fluidum die ganze Gescidate Israels durdastrdmen. Zwar
versdcwand diese Sangesfreudigkeil mit dem Falle des
Tempels und des jiidischen Staates, Gesang und Tanz wurde
von den Rabbinen verboten. ja der in Sura wirkende
Schulvorsteher Ray lehrte: Das Ohr, das Gesang hbrt, soil
ausgerissen werden. In der Praxis scdeint man jedodi die-
sem strengen Verbot nidit immer Folge geleistet zu haben,
denn wir h6ren zur Zeit der Gaonim w.ieder von Gesang
im Gotteshaus und zum ersten Mal von Vorbetern, Cha-
sanim, weldie die Gebete und die meist selbstverlassten
Piutim vortrugen and damit der Gemeinde Befriedigung.
Erhebung und Erbaung braditen. Viele der grossen mittel-
alterlidien Gelebrten sdaiitzen den Gesang der Vorbeter
sehr hodc. dodi feblten dem gottesdienstlichen Gesang audi
nihdt die Feinde, und kein geringerer als Maimonides war


es, der die Piutim nicdt nur ihrer dichferisdien Form
wegen hassle, sondern weil sie gesunge.n wurden und da-
her nacd seiner Auffassung der Andacht hindernd im Wege
stehen und die Mensdien vom Wege zur moralisdien Voll-
kommenheit ablenken wiirden.
Natiirlidi legten die Vorbeter grossen Wert auf einen
lieblicden, gut ins Ohr fallenden Vortrag, der als bei Gott
angenehm betrachtet wurde und ..selbst die Engel rum
Wettgesang" mit den irdisdien Siingern bewegte. Nidit
wen.ige dieser Sanger zur Ehre Gottes warren sicd aucd des
Wertes und der Wirkungen ihrer Leistung bewusst, wie wir
aus einer Mitteilung des Immanuel Romi um das Jabr 1300
errabren. Dort riihmte sich ein Vorbeter mit folgenden Wor-
ten: ,,Weun ich die grosse Keduscda, einen Jozer oder die
Keroba singe, dann werden auch die Hartesten nmit fortge-
rissen, wenn ich am Versahnungstage vorbete, die hMegilla
an Parim lese, En Komocdo an den Wallfahrtsfeslen oder
einen Psalm vortrage. dann ziltern die Gewaltigen olb mei-
ner Stimme. und wenn ida die KlageLieder zu Gehbr bring.
dann bleibt kein Auge triinenleer." Wir seen hieraus, dass
sdion um diese Zeit nidit mehr a-uf das Gebet, sondern viel-
mehr auf den Vortrag oder gar auf den Vortragenden das
Hauptaugeamerk geridatet wurde. Die Vorbeter liessen
ihrer Fantasie freien Lauf, und so entstand nadi und nahd
das Virtuosentujn im Synagogengesang, dae zum Schaden
des Gottesdienstes in vieleGeneinden verpifanzt wurde. Na-
tiirlidi gab es audi Kanforen. die Talent und einen natiir-
lichen Geschmack .besassen und besonders durdi ibre eigen-
artigen Rezitative. das sogenannte ,,Sagen" ibre Znhbrer
binrissen und zu religi ser Sammlung anregten. Aber im
allgemeinen fehlte diesen Vertretern des gottesdienstlicden
Gesanges das kunstlerisdie Bewniissse.in und mit diesem
das kiinstlerische Gewissen. was jedodi wieder seinen
Grund hate in den damaligen Zeitverhiltnissen und in der
sdcwacien Teilnahme unserer Vorfahren an der Entwick-
lung des Gesanges als Kunst. Geregelter Gesang und
iussere Form wurden iiberhaupt nicdt gepfegt, da die
Pllege der Mtusik sdion als das Zeidien einer gewissen
Emanzipation betracdtet wurde und daher in Ghetto keine
Statte finden konnte So verslehen wir, dass unser Gottes-
dienst, trotz seiner sdibnen. reinen Gebete von Andersglbii-
bigen verhhdint and gearing geschiitzt wurde
Erst einem Salomon Sulzer war es vorbehalten, die un-
rhythmisdien. regellosen, verschinrkelten Melodien in har-
monische. musikalisdi wertvolle Gebilde unizugestalten
und dabei den sdcdnen Fluss der reinen Melodie und das
eigenartige. edit jiidiscde Gepriige zu bewabren. Er hat es
verstanden. heilige Wiurde. fromme Andacht und feierlidae
Still in das Gotteshaus zu verpfanzen. insbesondere durch
Verwertung und Verwendung all des Traditionellen, was
den Gemeinden s-it undenklaren Zeiten -dichtzbar und truer
war .und ein unentbehrlicder Bestandteil des Gottesdienstes
geworden war. Den lirsprung dieser sogenannten traditio-
nellen jdidisdien Melodien hat die Forscdung bis jetzt aller-
dings nodi nidct entdedit. da ihr die historisdien Ueber-
lieferungen oder sdiriftlidie Au.fzeicdnungen Fehlen, die als
sidiere, tatsidilidie Grundlage zu weiteren klirenden For-
diungen iiber Tonart, Charakter und Tonfolge dieneri k6nn-
ten. Aus der biblisdien Zeit findet sidc keine Spur von
jtidisdien Melodien. Philo und Flavius Josephiis erwahnen
in ihren Sdcrifien nur, dass Solo und Chor sidi in die Ge-
slnge teilten, aber iiber Inhalt und Art derselben geben
audi sie keinen A'ufsdhluss. Ebensowenig ist es uns m6glici.
aus den Neginos der Thoravorlesung, dem sogen. Trop das
Wesen der synagogalen Gesange zu entziffern. Wohl stam-
men aus dem arabisch-jiidiscden Bildungskreis einige mu-
siktheoretisdien Traktate in hebriisdier Spradie. dodh be-
zieben sie sidi fast aussdaliesslidi auf die weltlidae Musik.
Nur der in Mantua lebende Salomone Rossi madite den Ver-
such. die Musik seiner Zeit auch der Synagoge dienstbar zu
inaden. Wir konnen daher mit unserer Untersudiung erst







dd fortfabren. wo wir festen Boden hunter den Fissen spii-
ren, d. h. wo uns auf Grund von Dokumenten die Ergriin-
dung des Wesens unserer synagogalen Melodien miiglich
ist. Hierbei finden wir zwei Arten von Gesingen: den
polnischen, Chasonu. genannt, der verschiedene ,,Stei-
ger", wie Mogen owaus-Steiger, Ahawoh rabbo-Steiger und
andere geschaffen hat, und den aschkenasischen Ge-
sang, welcher die Melodien fUr Gebete mit einer frBhLiche-
ren Stimmung lieferte, die man Njgunim misinal oder
me'injonoh .nenni. Als speziell jildisch muss vor allem ande-
ren der sogenannte Ahavo rabbo-Steiger angesehen werden,
da er nicht in den Melodien bezw. Skalen anderer Vdlker
vorkoimmt und viele Komponisten, wie Rubinstein, Gold-
mark u. a. sich dieser Skala bedienten, wena sie jiidische
Klangfarbe erzielen wollten. Es steht jedoch ausser Zwei-
fel, dass der steigerrumssige Gesang im Laufe der Zeit
mannigfacfe Veriinderungen erlitten hat und heutzutage
keine reine Stilform uiehr darstellt. Denn jede musika-
lische Form ist Form der Kultur ihrer Zeit, und je nadi
der Art der produktiven Krifle des Zeitalters erhalten
diese Formen ihr Geprdge. Die franzbsische Revolution
brachle auch in die musikalischen Formen eine neue
Gestaltung, die sich in den Werken von Mozart, Beet-
hoven und Schubert zu erkennen gibt. Es ist ganz natirlidi,
dass auch der Kantor sich diesen Einwirkungen nicht ent-
ziehen konnte, und dass er je nach seiner persinlichen Ein-
stellung in kiinstlerisdier Vollendung neugestaltend das
vermittelte, was seine Gemeinde mit den gleichen Worlen
zu demselben Gotte in andditciger Slimmung betete. Lm
neuzeitlidien Gottesdienst muss er es also verstehen, seinem
Gesang jenen Ausdruck zu verleihen, der den noch so be-
kannien und so oft gesprodhenen Gebeten simmer wieder
neue Bedeutung gibt. Wenn er nidit selbst im tiefinner-
sten Herzen mitfhilt, was er betet, wean ibm die kiinstle-
iische Ekstase fehlt, wird er nie imstande sein, seine Ge-
meinde zur Andacht zu erheben. Wie in friiheren Zeiten
muss er heute noch fhhig sein, durch seinen Vortrag Freude,
Sdunerz, Hoffnung und Sehnsucht zu erwecken und Herz
und Seele hbher zu stimmen. Er muss mit einem Worte als
kiinstlerische Persintichkeit ganz selbstverstiindlidi religids
sein.
Zur Erreichung dieses hohen Zieles bedarf es jedodi
wicdtiger Voraussetzungen. Vom modernen Kantor muss
natUirlidie Begabung, Sciinheit der Stimme, musikalisdies
Empfinden und Kenntnis des traditionellen Chasonus unbe-
dingt verlangt werden. Durdc sadigemisse Aushildung
muss die Scblnheit der Stimme gefbrdert und deren ver-
ndinfiger Gebraucd geiibt werden, sodass bei reiner und
verstiadljdier Aussprache des Textes der Einklang zwischen
Wort und Ton hergestellt wird. Mit dem hebraischen Wis-
sen muss eine allgemeine welllidie Bildung verbunden sein.
die es imni erm6glidit, die diditerisdie Idee eines Gebetes
an der Wurzel zu erfassen und sie musikalisch zu inter-
pretieren. Diese Uebertragung der Diditung in eine lyiisdhe
Erlebnis-Spbdre ist .umso widitiger, well viele unserer Glau-
bensgenossen die Gebetsprache leider nicht mehr verstehen.
ja viele sogar nihdt einmal in der Lage sind. dem 'lixte .zu
folgen. Hier mus, der Ehrgeiz des Kantors darin bestehen.
das Gebet und die Musik auf einen migliihst reinen Zu-
sammenklang zu bringen und dadurch das Unverstandene
.erstdjidlidi und den Sinn des Gebetes fuhlbar zu machen.
Nur so kann der eigentlidie Zweck des Vortrages, Andadit
und Erbauung beim Zuhbrer zu wecken. erreidit werden.
Weldhen unbescireiblidien Zauber muss z. B. die Melo-
ilie de! Kol nidre auf jedes jiidische Gemut ausuben. das
an diesem Abend die Beruhrung flitl mit der Well des Rei-
nen und einen leisen Hauch des Gottlichen versptirt Der
I'ext bleibt fast unbeacdtet, die Melodie und der ergrej-
fende Vortrag sind es, die den HSrer bezaubern und in ihm
die tiefslen und sehnsichtigsten religiisen Geffible aus-
losen. Ein nichtjiidischer Dichter neant das Kol nidre ..die


trauiigste und zugleidi erhabenste Melodie, die gesuugene
Mldrtyrer-Gesdcichte eines ungliidklidien Volkes."
Ja, in uunseren hebriiischen synagogalen Gesiingen pul-
siert jiidischer Geist und judisdies Empfinden, wodurdc sie
vermBgen, auf Geist und Geftihl veredeind, erhebend und
trbstend zu wirken. Ganz Josgelist von 'ihrer religidsen Be-
deutung stellen sie ein Stick jiidisches Seelenleben dar,
in ihnen lacht und weint die jiidische Lndividualiltt, sie er-
zahlen von Kimpfen und Leiden langer Jahrhunderte und
versetzen uns mit einem Schlage in ferne, fremde Welten.
Am Kantor und an seinen kiinstlerischen Qualititen liegt
es, durdc seinen Gesang die Jugend zu begeistern, die In-
differenten nachdenklidi zu stimmen 'und die ganz Ent-
fremdeten ihrem Heimatboden wieder zuzuftihren. Dem
Vorbeter muss seine Kunst heilig sein, er muss durchdrun-
gen sein von dem Ernst seines Amtes und muss seine Be-
friedigung und sein Glicd darin suchen und finden, andere
begliicken zn k6nnen. Dies kann er trotz hochgespannter
Yorderungen an sein kiinstlerisches AusdrucksvermSgen
uihit durch selbstindige konzertmissige Vortragswirkungen
erreichen, sondern bei Ausschaltung aller veriusserlicdenden
Darstellungsmittel durdc riickhaltlose innerste Gefiihisoffen-
barung. Nur so wird er dazu beitragen, dem Synagogenge-
sang und der jiidischen Gottesverehrung ihre alte Geltung
wieder zu verschaffen. Dann ward ibm auch der Erfolg
sicher sein. seine Hirer fiber das blosse Geniessen hinaus-
zaheben zu religibsem Erleben und Schaffen.


Als Abirurint ('l.79)


Die Engel und die Fronunen
Von Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin)
Am Anfang des Midraschs zum Buche Leviticus, sowohl
im Rabba, wie in den beiden Tanchumas, vergl. aucd
Rabba zu Gen. 28. 12 und zu Num. 13, 1 ist uns eine
Predigt des Tandinc bar Chanilai. aus dem Beginn des
ineiten Jahrhauderts, uberliefert. In der Art, wie sie be-
sonders die Sdiule von Tiberias aiisgebildet hatte, geht die
Predigt von /wei Bibelsatzen. als Texten. au-!. die fur
einander die Erliauterung bieten swollen, von dem Salze
Leiiticus 1. I ..Der Ewige rief den Moses und sprach zu
ibm vom Stiftszelt aus" und dem Psalmsatz 103, 20 ,,Preiset
den Ewigen, ihr seine Boten, Helden an Kraft, die ihr sein
Wort but. ru hbren auf die Stimme seines Wortes."
Der Inhalt der Predigt mit seinem deutlidien Gedanken-
gange kann -in kurzem dargelegt werden:


x-







Wer sind diese Boten, diese Helden, die in unserem
Psalmsatze zum Lobe Gottes aufgerufen werden? Die Gei-
ster der oberen NWelt .konnen hier, nicht gemeint sein. Von
ihnen spricht der folgende Psalmsatz: ,,Preiset den Ewigen,
a 11 e seine Heere, ihr seine Diener, die ihr seinen Willen
tut." Fir sie ist das Attribut ,,alle" kennzeidinend; denn
sie verharren insgesamt in dem stetigen, gleichen Gehor-
sam gegen den gottlichen Willen, keiner ist vom andern
darin unterschieden. Ihr Wesen, das des einen wie des an-
deren, ist es so. Den Menschen auf Erden kommt dieses
Merkmal ,,alle" nicht zu; nicht ihr Wesen, sondern Wille
und Entsdceidung jedes Einzelnen ist es, das Wort Gottes
zu tun, und zu ihnen spricht daher Gott und sie h6ren Gott
im eigentlichen Sinn, ihnen erst gilt Gottes Gebot. Sie sind
es, von denen unser Psalm es sagt: ,,hr seine Boten, Hel-
den an Kraft, die ihr sein Wort tut, zu horen auf die
'Stimme seines Wortes."
Daher b"f in unseren Rabba-Ausgaben ist in .,- zu
verbessern sind die Boten Gottes, die ,,Engel", von deneu
unser Psalm spridrt, die Propheten. So manches Bibelwort
beweist es, dass die Propheten als die Boten Gottes be-
zeichnet werden (Num. 20, 16; Richter 2, t; Haggai 1, 13;
II Chr. 36,-16.); ein Wort Jochanans, des Schulhauptes, auf
das unser Prediger sich beruft, sagt, dass sie wegen ihres
Berufes, ihrer Sendung so heissen. Und ,,die Helden an
Kraft, die sein Wort tun" sind die Geredten. Sie sind in-
dertat die Starken; denn sie erfiillen gegen den Vorteil
und unter Opfern das Gebot Gottes, durdi sittliche Ent-
scheidung und Kraft iiben sie das Gute. Sie stehen da-
daurd h6her als die ,,Boten des Dienstes", diese Wesen der
h6heren Welt. Unser Satz kann darum dem Volke Israel
gelten, das zun Sinai hingetreten war, das zuerst sagte:
,,wir wollen tun" und danach: ,,wir wollen htren", so wie
es hier geriihmt list: ,,die sein Wort tun, um zu h6ren auf
die Stimme seines Wortes." Und vor allem gilt er durdc
seinen Sdiluss dem Moses; er war berufen und &iefihigt,
,,die Stimme seines Wortes zu horen". Der Satz, ,,Der Ewige
rief Moses und sprach zu ihm vom Stiftszelt aus" erhalt
so seinen ganzen Sinn erst durch unseren Psalmsatz.
Es scheint zuniichst, als diente diese Predigt einem, viel-
leicht geistreichen, exegetischen Spiel. Aber man wiirde sie
missverstehen iund verkennen, wollte man das oder nur
das in ihr finden. Aus ihr spridct in Wir]lihdkeit der Ernst
eines Kampfes um die religiise Eigenart des Judentums.
Das Thema unserer Predigt ist durdi die Frage gegeben,
wer hiher stehe, der Fromme oder der ,,Engel", der Sphi-
rengeist. Es ist interessant, dass diese Frage fiber unsere
Predigt hinaus ihren gesdiichtlidien Weg hat; sie hat das
ganze Mittelalter besdchftigt, sowohl im Islam, wo sie eine
Streitfrage zwischen Asdcariten und Mutasiliten war, als.
auch im Judentum in seiner philosophisdien wie seiner my-
stischen Richtung; mit Bezug auf sie polemisiert z. B.
Abraham ibn Esra gegen Saadja. Aber hier in unserer Pre-
digt hat sie ihren besonderen Platz. Um sie und damit un-
sere Predigt zu verstehen, ist es notwendig, sidc das ge-
danklidle Gebiet au vergegenwirtigen, aus dem sie hervor-
gekomnen ist.
Die stirkste Madct in der zu Ende gehenden antiken
Religion war die modernisierte Astralreligion. Im babylo-
nisdcen Kulturkreise war sie herrsdiend gewesen, sie war
dann.: vor allem durch Posidonius, mit der alten grie-
chisdien und rTimischen Mythologie verwoben 'nd zur Re-
ligion des imperium romanum gemacit worden. Was an ihr
die Geister anzog, war, dass sich in ihr eine Vereinigung
von Religion und mathematischer Astronomie, von Glaube


und transoendenter Musik darzubieten schien. Die alten
Gotter waren nun zu beseelten kosmischen Maichten, zu
Astralgeistern,. zu Wesen der Sphirenharmonie geworden;
ihre Wirklichkeit, ihre Bedeutung und ihre Macht schienen
wissenschaftlich dargetan zu sein. Im Judentum wollte. in
Aehnliches seinen Raum gewinnen; bald sollte hier den
,,Gittern der V6lker", als solchen Gestirnigttern, eine Rea-
litdit unter dem eineh Gotte gewiihrt sein, bald sollten sie
die ,,Engel" sein, yon denen die Bibel sprach. In dem apo-
kryphisdien wie dem niidraschisdien Sdcrifttum ist es deut-
licd erkennbar, wie die Versuchung jener astronomischen
Religion in diesen beiden Formen nahe herantrat. Die Ge-
fahr, die dem Charakter des Judentums darin drohte, kann
nidit untersdhitzt werden. Die Einheit Gottes und die Un-
mittelbarkeit des Menschen zu Gott waren in Frage ge-
stellt; denn diese ,,Gbtter der V6lker", die der eine and
andere so zugestehen woldte, waren doch G6tter neben-
Gott, and diese neuen ,,Engel" waren doch Mittelwesen
zwischen Gott und dem Menschen.
Von um so grosserer Bedeutung ist es, dass diese Ge-
fahr klar erkannt wurde, und dass sich der unbeirrte Wider-
stand erhob. Schon Jochanan hatte gegen das Lehrhaupt
von Sepphoris, Chanina bar Chama den Gnundsatz vertre-
ten, der dann massgebend wurde, dass Israel nur Gott, aber
keinem durch Gestirne bewirkten Schicksal untertan sei. Der
entscheidende Gedanke wird dann, in der Spradce und dem
Stil der Zeit, durdc unseren Prediger Vollzogen. Er nimmt
den Gestirngeistern die .religiise Wiirde des Platzes
zwischen Gott und dem Menschen dadurch, dass er den
frommen Menschen iiber sie, also in wesentlichere Niihe zu
Gott stellt. Die religiise Bedeutung von Mittelwesen
zwischen Gott und dem Menschen wird ihnen dadurch ent-
zogen, dass ihrer Kraft geringere Geltung zugesprochen
wird als der Kraft menschlidher Entscheidung zum Guten.
Sie haben nmr nodc ihren Platz im Kosmos, aber nidit mehr
in der Beziehung des Mensdhen zu Gott. Der Idee von der
Einheit Gottes and von der Unmittelbarkeit des Menschen
zu Gott ist damit ;ihre Bestimmtheit wiedergegeben.
Das ist das deutliche Thema dieser Predigt des Tanchum
bar Chanilai. Das Wissen um das eigentlich Religiose des
Judentums spridit aus ihr. In der Erfiillung des Gebotes
wird eine Erhabenheit gefunden, die h6her ist als die der
beseelten Sternenwelt. Oder mit anderen Worten: das mo-
ralische Gesetz in uns ist hier mehr noch als der gestirnte
Himmel iiber uns.


An Caesar Seligmann
Von Rabbiner Dr. Max Freudenthal (Nfirnberg)
Niirnberg, zum 14. December 1930.
Lieber Freund! Dass Du nunmehr die 70 erreicht hast,
ist kaum glaublidc fiir den, der Deine geistige Frische iand
k6rperliche Ausdauer kennt. Fir mic ist diese frohe Tat-
sache erst recht verwunderlich, wenn ich mir vergegenwiir-
tigen soil, dass es nun schon fast 4Y2 Jahrzehnte her sind,
seitdem idh am Seminar zu Breslau Dir zum ersten Mal
vor Augen trat. Diese Stunde lebt noch so frisch in meinem
Gedicitnis, als ob es western gewesen ware. Von ihr aus
zieht sichdie Strecke unserer engen Verbundenheit bis heute
b hin and da sie nun schon so lange wiihrt, so muss ich wirk-
lidi an Deine 70 glauberi. Wenn idh diese Strecke von unse-
rer Lehrzeit damals Du standest schon am Ende, ich am
Anfang derselben bis heute iiberschaue, so lodct es, aus
Deiner gesamten inneren 'und ausseren Lebensentwicklung,
die anlisslidc Deines Geburtstages Gegenstand verscdieden-
artiger Betraditungen sein wird, dasjfenige Moment heraus-







zuheben and in seiner Entfaltung zu betraditen, das uns
in jener Stunde und an jener Stitte zuerst zusammenfiihrte
und das von dort aus aufs starkste beeinflusst wurde, nim-
...cld die_Art .ind_ Weise 'unserer wissensdcaftlicd-theologi-
schen Strebungen.
Das Breslaner Seminar fiihrte damals wie noch heute
seine Jiinger in alle Gebiete der jiidischen Wissenschaft ein.
SDas Interesse der Hirer war nattirlidc nidct allen diesen
Fichern in gleiheam Masse zugewandi. Je nach Veranlagung
und Begabung, aber audi je nach dem Stand der Bildung
und Erziehung, den der Jiingling von Hause aus besass und
bei seinem.Eintritt in das Seminar aufwies, war die Freude
wie auch der Fleiss ungleichartig auf die einzelnen Zweige
verteilt. Ebenso ungleidcartig wirkten die Persinlichkeiten
der verschiedenen Seminardozenten auf uns ein. Fir Dich
wie audi fiir midh stand im Mittelpunkt des Lehrerkolle-
giums und infolgedessen audc des wissensdcaftlichen Inter-
esses Heinrich Graetz, ider noch immer uniibertrof-
fene Historiker des jiidischen Volkes. Wir sind ihm fiir alle
Zeit von Herzen dafiir dankldar geblieben, dass wir uns
seine Sditler und mehr noch im haufigen persinlichen ver-
trauten Verkehr auch seine jungen Freunde nennen durften.
Anlsslich seines 100. Geburtstages im Jahre 1917 haben wir
seine Pers6inlichkei.t und seine Leistungen in Aufsitzen um-
rissen und audA Du hast in dem Deinen in unserer liberalen
Zeitschrift darauf hingewiesen, ,,wie gross and von welch
fruchtbarer Anregung Graetz als Gelehrter und als Lehrer
war, wie er es verstand den wissensdaaftlichen Forschungs-
trieb in seinen Hirern zu wecken und sie mit seinem im-
pulsiven Temperament zu wissenschaftlichen Arbeiten an-
zutreiben. Vielen seiner Schdiler, so fiigtest Dii hinzu, war
er ein Freund, und wem er einmal Freund geworden war,
der konnte seiner sich nie verleugnenden, stets bereiten
Freunrdschaft sicher sein." Diese Freundschaft ha!ben auch
wir erfahren und verdanken dem Meister zugleich den Sinn
fiir das Historische and die Freude an geschichtlidaen Dar-
legungen. Die ungehinderte Freiheit geistiger Entwicklung,
welche das Seminar seinen H6rern gestattete, schuf freilich
von friih auf eine kritische, Ensiellung zu den Lehrern wie
zu ihren Lehren. Zu dem Grundsatz ,,in verba magistri
jurare" haben wir uns niemals bekannt, und als Du die
,,Gesdichte dei jiidisdcen Reformbewegung" schr.iebst, hast
Du Dich nicht gescheut von diesem hochverehrten Lehrer
S und Forsdcer zu erkliren, dass der 11. Band seiner grossen
jiidischen Geschichte, dieses noch immer unbestrittenen Stan-
dardwerkes, einseitig parteimlissig' beeinflusst war, cdass die
Bilder einer Reihe von fiihrenden Pers6nlidckeiten der Neu-
zeit verzerrt und entstellt seen. Dies Urteil ist zutreffend,
and wer Graetz so genau kannte wie wir, weiss, wieviel
Menschliches dabei dem grossen Historiker mit unterlaufen
ist. Im iibrigen hat er selber sich ebenso wenig gescheut
historische Urteile, die sich spiter als unwahr erwiesen,
abzuaindern and zuriickzunehmen. Diese Offenheit aber ver-
bunden mit Sachlichkeit und Objektivitiit zeidinet in er-
freulicher Weise Deine wissenschaftliche Darstellung idieser
ganzen Periode atus. Sie gibt in ruhiger und auch dem Geg-
ner gerecht werdender Abwlgung ein Bild der verschieden-,
artigen Persinlicdkeiten und Anschauungen, welche die.neu-
zeitliche Entwicklung in alien jiidisdcen Lagern hervorge-
bradit hat, and fiihrt die Geschichte -der Reformbewegung
von der Zeit der ersten Aufklirung bis in 'unsere Tage hin-'
ein. Dieses Dein Werk wird immer seinen guten Platz hunter
den Darstellungen jtidischer Spezialgesdcichte haben.
Fast noch starker als das Seminar wirkte auf uns das
Leben ausserhalb desselben, die innigen freundschaftlichen
Beziehungen innerhalb und ausserhalb unseres theologi-
schen Kreises, der rege Verkehr in hodcstehenden jiidisdcen
Families, die vielen Anregungen, die wir aus der lebhaf-
ten geistigen und kiinstlerischen Bewegtheit der schlesisdcen
Hauptsta.dt empfingen, vor allem aber der Umgang mit
dem Manne. der durch seine Pers5nlichkeit ein iiberragen-


der Vertreter dieser Gesamtkultur war, Manu el J o I.
- Wer auch immer das Gltick hatte, ihm niiher treten zu diir-
fell, mnterlag nicht bloss gleidc den Fernerstehenden seinem
Zauber, sondern fand in ihm zugleidc ein Vorbild wissen-
schaftlicher Strebung iund praktischer Haltung, das ihm den
Weg fir die eigene Zukunft wies. Von seinem Einfluss auf
Dich hast Du selber gesprochen, als wir aniiisslich seines
100. Gehurtstages 1926 sein Andenken mit Darstellungen
seines Lebens und seiner Religionsauffassung ehrten. Du
schniebst zum Schlusse: ,,Liebe und Verehrung haben mir
die Feder gefiihrt. Idi schAtze mich gliicklich, dem Manne,
der mich in meinen Werdejahren seiner Freundschaft ge-
wiirdigt, den idh wie einen Vater geliebt und dem ich ein
grosses Stiick meiner geistigen Entwicklung zu verdanken
habe, ein Denkimal dankbarer Erinnerung haben widmen
zu kinnen." Der Einfluss, der von diesem allverehrten
Manne auf seine Jiinger ausging, bezog sich vor allem auf
die Vereinigung von Wissensdcaft und Praxis, die er selber
in so wrunderbarer Harmonie besass. Seine Gelehrsamkeit
umfasste Philosophie und Theologie in allen Breiten and
Tiefen. Aber sie trug keine Spur von Weltfremdheit; im
Gegenteil, seine grossartige Schriftsteller- und Redekunst
bestand in der Verschmelzung seiner wissenschaftlichen Ar-
beit mit den Bediirfnissen des Tages. Das offenbarte sich so-
wohl in seinen tiefsdhiirfenden Abhandlungen.wie audi in
seinen formvollendeten Predigten. die stets weltanschau-
liche Fragen behandelten oder beriihrten und scdon aus die-
sem Grunde iunimer in die Tiefe gehen und aus der Tiefe
schipfen mussten, aus demselben Grunde aber sich vor allem
an die Gebildeten hunter seinen Horern ridcteten und .nie-
mals mit billigen Phrasen an die Gefiihle der grossen Masse
riihrten. Dasselbe Bild zeigen Deine Abhandlungen und Pre-
digten. Die Sprache Joels und die Deinige sind freilich ganz
verschiedener Art. Blinded Nachahmung ist eben kein Zei-
chen echter Jiingerschaft. Jofls Sprache war ganz sdclicht,
einfach, verstandesgemlss; die Deinige ist poetisch, ge-
schmickt, gemiitvoll. Aber das Prinzip ist das gleiche: sich
mit GrUindlichkeit und wissenschaftlidcer Vertiefung .in einer
fiir gebildete Kreise beredcneten Sprache Uiber die bedeut-
samen kulturellen Erscheinungen der Zeit im Verhiiltnis zu
Religion und Judentum auseinanderzusetzen. Ein ganz be-
sonders beredtes Zeugnis hierfiir sind die 5 Vortrage iiber
,,Judentumn and moderne Weltanschauung", die Du 1915 ge-
halten und herausgegeben hast. Sie liegen ganz in der Linie
der Joelsdcen Arbeitsweise. Wie Joel sich mit den philo-
sophischen Ideen besdciiftigte, die .s ei ne Zeit bewegten, so
hast D u darin die Probleme unserer Tage, die moderne
Naturwissenschaft, den Pantheismus, die Lehren von Scho-
penhauer und Nietzsche, sowie die ethische Kulturbewegung
in tiefgehender und doch anziehender und verstindlicher
Besprechung vom jidisdc-religiisen Standpunkt aus er-
irtert. Das Biichlein wird immer.mit zum wissenschaftlidcen
Riistzeug der jiidischen Religionsphilosophie gehuiren. Auch
Deine Predigten tragen iihnlichen Charakter, und wenn die
Predigten Joels zu der kleinen Zahl religi6ser Reden ge-
hiren, die, auch, wenn die Persinlichkeit des Redners nicht
mehr lebendig dahintersteht, ihre Wirkung auf den Leser
nidit verlieren, so darf dieser Vorzug in gleicher Weise
einer Reihe Deiner Predigten zugesprochen werden, die Du
weiteren Kreisen zuglinglich gemacht hast.
Was Dich aber in wdssensdcaftlidier Hinsicht ganz besonders
stark jederzeit bewegte, das war das Sehuien nadi einer wissen-
schaftlichen Begriindung u n s e r er religibsen Anschauing,
niimlidc des religi6sen Liberalismus. Dieser Wunsch ist uns
noch nicht in ErfUillung gegangen, aber Du hast auf die-
sem Gebiete wenigstens von neuem die Initiative durch
die Begriindung der ,,Zeitsdhrift fiir das liberal Judentum"
ergriffen. Uns er liberals Judentum ist ein anderes als
das unserer beiden Meister Graetz .und Jol. -Graetz war
zwar ganz antiorthodox gesinnt, aber, wie ja zur Geniige
aus seinem Geschichtswerk hervorgeht, ein ebensoldcer Geg-







ner der Reform. Er lebte in schlicter religiiser Weise,
hielt die iiblidcen religibsen Foranen, ohne sich viel damit
zu beschweren, und hatte an der Fortentwicklung der reli-
gi6sen Praxis kein besonderes Interesse, da seine wirklichen
Interessen v6llig den historischen Fichern zugewandt wa-
ren. Joels Anschauung war gleichfalls weit von jeder Ortho-
doxie entfernt; wenn er sich dazu iusserte, geschah es mit
behaglichem und ladielndem Spott. Aber fiir den radikalen
Liberalismus seiner Zeit und besonders fiir den seines Aniti-
poden Abraham Geiger war audi er nicht zu haben.
Bei der schon erwihnten Gelegenheit seines 100. Geburts-
tages haben wir beide, Du und idc, ganz unabhangig von-
einander, aber in gleicher Erkenntnis dieser harmonischen
PersSnlidikeit darauf hingewiesen, wie seine liberalen An-
sdiaunngen wissensdiaftlich wohl aus der historischen Ent-


Als Ein]jhrig-Freiwilliger (1887)


Skdclung des Judentums herausgewachsen waren, praktisch
aber in eben dieser Harmonie ihre Grenzen fanden, die er
als Mensch in sidi trug und -die er auch in der Ausiibung
,eines Amtes immer zu wahren suchte und wisste. Dem
religiisen Sturm und Drang seiner Zeit stellte er als seine
Losung entgegen: ,,die Vergangenheit fortdilden, nicit fort-
sdiaffen". Damit hat aber aud er wie Geiger die Weiter-
entwicklung des Liberalismus auf den Weg der W issen-
s c I a f t gewiesen, auf die Notwendigkeit, den wissenschaft-
lidhen Nachdeis der MSglidhkeit and der Bereditigung einer
Fortbildung der Vergangenheit zu erbringen. In unserer
,.Zeitschrift fiir das liberal Judentum" sollte sowohl die
Popularisierung der jiidisc-liberalen Religionsauffassung
als audh ihre wissensdcaftliche Begriindung im einzelnen
ein en Platz finden und eine ganze Reihe von Aufsatzen, die
sie bradite, hat in der Tat beiden Absichten gedient. Du
sellbst hast, obwohl Du in der p raktischen Durchfiih-
rung des Liberalismus mehr auf der Seite .des energischen
Abraham Geiger als des bediihtigen Manuel Joel stehst,
wissenschaftlich DiAc doch grundsitzlich stets im
Sinae Joils ausgesprodcen. Schon in der Einfiihrung zu aun-
serer Zeitschrift hast Du erklirt: ,,Wir wollen Judentum,
keiu selbstgeschaffenes subjektives Gebilde . Wehe
der Religion, die aius ihrer Muttererde Geschiicte sidc los-
reisst und an Stelle des positive Glaubens eine Fiille sub-
jektiver Meinungen setztl Wehe der Religion, die das ge-
sdichttlich Gewordene und sich Bewahrende mutwillig zer-
stirt"! Dass die Zeitsdirift in ihrer Entwicklung dann doch
starker nach der praktischen als nach der wissensadaftlicen


Seite sidc neigte, lag an den ausseren zwingenden Ver-
hiltnissen. Zuerst forderlei die ..Richtlinien". deren Ent-
wurf ion Dir aisging, gegenuber den heftigen Angrifien
von.nidtliberaler Seite. ja sogar audi von scheinliberaler
Seite ihre Verteidigung. Dann versdhob der Weltkrieg die
religi6sen Interessen auf andere mit ihm zusammenhin-
gende Gebiete, und endlich gabot die immer starker sich
ausbreitende Bewegung des Zionismus Stellungnahme nnd
neue Aspekte von liberalen Gesichtspunkten aus. Unter
allen diesen Zuriickdringungen hat die wissensdcafiliche
Bearbeitung der liberalen Fragen geitten aund leidet nohd
immer. Wir iniissen uns damit abfinden, dass die kommen-
den Gesdiledter diese Aufgabe zu 1isen haben werden;
wir d ii r f e n uns damit abfinden, da nach dem bekannten
Spruche der Viter es wohl dem Einzelnen ziemt ein Werk
zu beginnen, ja sogar ihm, nicht das Recht zusteht sich ihm
zu entziehen, aber nicht die Pfliht obliegt es zu vollenden.
Fiir Didi darf es noch dazu ein begliickender Gedanke sein,
dass Deine Lebensarbeit in sich doch ein Ganzes bildet, weil
sie einem einheitlidcen grossen Ideal gedient hat.
Dieses begliickende Gefiihl darf Dich an Deinem 70. Ge-
burtstag ganz erfiillen und ihn aus Dir selber heraus zu
einem Ehrentage nachen. Ich wiinsche, von ganzem Freun-
desherzen, dass alles, was ihn froh erfiillt, noch recht lange
in Dir lebendig bleiben und unter Gottes Beistand audi
nod recht lange sich schopferisch auswirken mbge. Dein
Dr. Max Freudenthal..


Drei Sabbathgebete
Von Rabbiner Dr. Bruno Italiener (Hamburg)
I.
Himmlisdcer Vater! Aus der Unruhe des Lebens sind wir
hierher gekommen in die Stille *dieser Statte. Fiir eine
kurze Weile haben wir die Arbeit aus .der Hand gelegi.
Der Alltag fiilt vo-n uns ab. Es wird Sabbath urm uns. es
wird Sabbath in uns. Hilf uns, o Gott, dass wir Iden Frieden,
dass wir die Weihe dieser St jiine festlialten: hilf uns, dass wir
nicht versinken im i e.rkiag. sondern empor blidkend ,u Dir
finden in aller Unruhe die Ruhe, in all dem Zer-treuenIlen
die Sammlung, in all dem Alltaglidcen die Heiligung.
A men'
II.
Himmlisdier Vater! Der Sabbath halt seinen Einzug. Emi
Zeichen hast Du ihn genannt, ein Zeichen ist er auf unserem
Lebenswege, ein Zeiden von Dir: dem Ewigen in der Welt
des Verginglichen, dem Heiligen in all dem Niedrigen und
Alltaglidcen. In einer rediten Sabbathstunde finden wir
Dich, und da wir Dich finden, finden wir uns. Hilf uns, dass
wir Dich a:ud heute finden. Lass uns nicht vergessen, dass
audi wir Juden Zeichen sein sollen: Menschen, deren Taten
draussen im Leben zeugen von der Arbeit ihrer Seele hier
an dieser Stitte, Mensdien, die unablissig streben aus der
Enge in die Weite, aus der Niedrigkeit zur H6he, aus dem
Kampf zum Frieden. Amen!
III.
Als ein Bote yon Dir, o Gott, kommt der Sabbath von
Wodce zu Woihe zu uns Menshden. Was uns .sonst da
draussen bewegt: Arbeit, Kampf, Alltag fiir eine kurze
\\eil-h fallt es von uns ab. Sabbathstille umfiingt uns. Ein
I' i igt. ragt hinein in unser Leben. Y nT3 einen
Bund mit dem Ewigen hast Du den Sabbath darum genannt:
Er bindet uns vergiingliche Mensdaen an ein Dauerndes,
ein Ewiges. Eine recate Sabbathstunde heiligt die Seele.
Mbge sie auch quns heiligen. mTbre sie uns helfen, das Ahnen
des Ewigen draussen im Alltag festuhbalten. in den fllditi-
gen Wedisel der Tage ein Linvergdnglidies zn tragen und
so unser ganzes Leben z211 injhen zu cvini'm Ililr 'Lr'-.
einem Bunde mit dem E E,-.' Ame n e'







,Als der Tempelhau vollendet war"
Von. Rabbiner Dr. Max Dienemann (Offenbach a. M.)
Man denke nidit, wenn von alter jiidisdcer Predigt die
Rede ist, an ,die uns heute geliufige Form. Die alte jiidisdie
Predigt hat in -der Form keinerlei Aehnlichkeit mit der
heutigen. Sie ist zuntidist nur und sie will audi nichts
Anderes sein, Auslegung der heiligen Schrift, sehr oft
dabei niAdt einmal Auslegung ,eines A bs c h nitte s, um
seinen inneren Sinn, seinen Zusammenhang .darzulegen, son-
dern Auslegung eines V e r s e s. Und auch dieser Bibelvers
wird nidit nach seinem wirklichen, inneren, dem gewollten
Sinn der ganzen Erziihlung, ,der Gesetzgebung gewertet, er
Swird oft ohne Riicksicht auf den inneren Zusaminmenhang
behandelt, als sei er ein fur sidi allein Stehendes, Selbstan-
diges; man legt ihn mit souveriiner Freiheit aus, bezieht
ihn auf Ereignisse, auf die er von Haus aus niemals ge-
miinzt war, setzt ihn in Verbindung mit anderen Bibel-
versen, mit denen er an -sid keinerlei Beziehung hat. Kurz,
es ist nicht die niiadterne, sachlidhe Erklirung und Deutung,
wie sie uns als die einzig m6gliche ersdieint, sie trtgt
einen ausgesprochen phantastischen Zug an sich; und zu-
gleiic ist ,sie von riihrender Naivittit. Zeit und Raum ver-
sdiwinden, versdiwimmen in einander. Man trigt kein Be-
denken, Pers6nldickeiten aus ddem Zeitalter der pentateuchi-
schen Erziihlung zum Beweis ihrer Behauptungen einen
Vers aus den Propheten oder den Ps'almen zitieren .zu
lassen, man sdheut sich nidit, Gott selbst seine Werke durdc
einen Bibelvers, gleichgiltig aus weldaem Teil, bekrdftigen
zu lassen. Deutlidi merkt man, dass dem Prediger der
Bibelvers n i c h t die Grundlage seiner Ausfiihrungen
ist, sodass er aus ihm seine Gedanken ableiten und ent-
wickeln wiirde, sondern .dass er die Gedanken, die er ent-
wickeln will und die in ihm schon eine feste Form ge-
wonnen haben, an den Bibelvers anlehnt; er ist ihm die
willkommene Autorit t, mit der er seine Mahnung, Forde-
rung, seinen Tadel oder sein Lob bekri.ftigt.
Diese alte Predigt ist audc weit von dem Intellektualis-
muis entfernt, der in der moderneh Predigt .selbst da noch
durchisdimmert, wo sie liingst iiber den Rationalismus ihrer
neuzeitlirden Anfinge hinausgewachsen und ins Irrationale
gewandelt ist, wo sie im wesentlidaen Stimmung und Ge-
fiihl erzenugen und eine Seelenhaltung begriinden will. Der
Intellektualismus der alten Predigt ist da, wo er vorhan-
den ist, von einer ganz anderen Art, er zeigt sich in einem
gewissen iiberrasdienden Witz, denn man scheut sidi niiht
im Geringsten, eine, oft komisdce, Situation zu erfinden und
aus ihr dann die Gedanken entspringen zu lassen, die man
vortragen will, der nadifolgend wiedergegebene Midrasdc
ist.auf einem soldien Einfall aufgebaut, er zeigt sich in
der Art, wie man scheinbar auseinanderliegende Elemente
mit einander verbindet und zu einander in Beziehung setzt,
in der Art, in der man das Phantastisdce als scheinbar ganz
selbstverstindlidi in einer natiirlichen Logik ohne jedes Be-
denken .darstellt und dabei voraussetzt, dass aud der Hirer
die Verbindung und die logisdae Verkniipfung als wirklidi
begriindet ansehen wird.
Man hat nattirlida kaum mehr gesdilossene Predigten
in ihrer ganzen Ausdehnung, nur den Extrakt bewahrt der
Midrasdh auf, gleichsam Stenogramme der alten Predigt; aber
audi aus ihnen kann man jene oben skizzierte Art ablesen,
audc aus ihnen kann man ablesen, wie man annahm, dass
der H6rer die leiseste Andeutung verstehen wird, jede
Nuance einer gewagten Deutung richtig erfassen, selbstlin-
dig welter verarbeiten und den innersten Sinn selbst finden
wird.
Die hier folgende Predigt kniipft an an den Vers, mit
welchem die Erziihlung von der Einweihung des.Heiligtums
in der Wiiste beginnt, an den Vers: wajhi bejaum kallauss
mausheh ,And es war am Tage, da Mose mit der Aufstel-
lung der Wohnung fertig war." Der Prediger nimmt sich die


Freihat, das Wort wa-jehi unabhangig von seinem Wort-
sinn zu deuten; der Wortsinn ist: ,und es war", er aber
nimmt das ,,und" bedeutende ,,wa", verbindet es willkiir-
lich mit dem Jod der zweiten Silbe ,,jehi", sodass es klingt,
als hitte jemand ,,waj = wehe, wehe" gerufen und baut
darauf seine Deutung auf. Sie findet sidi in versdciedenen
Variationen im Tanchuma und im Midrasc rabba zum
4. B. M. Kap. 7 Vers 1; aus ihrer Vergleidiung ergibt sidc
der folgende Text:
,,Es heisst: ,,wajehi", ,,waj haja", ,,ein Wehruf erscholl".
Wer hat dies ,,Wehe" ausgeru.fen? Rab Abin sagte: ,,wenn
es eerlaubt ware, so etwas auszuspredien, der Heilige gelobt
sei er, hat soldc ein ,,wehe" ausgerufen. Zum Vergleidc: ein
K6nig hatte eine zinkische Frau; einst .sagte er zu ihr:
mach' dir- ein pupurnes Gewand. Sofort fing sie mit der Ar-


Als hunger Rabbiner (1884)


beit an; solange sie mit der Arbeit an dem Gewand besdaiif-
tigt-war, zankte sie nicht. Als nun nach einiger Zeit die
Arbeit vollendet war, gab sie aes zum Wmisdcer, dann rich-
tete sie es scdan her und brachte es zum K6nig. Kaum sah
es der K6nig, fing er sofort zu schreien an: ,,wehe, wehel"
Sagte seine Frau zu ihm: was denn, mein Herr? idc habe
mir soviel Miihe gegeben, nahd Deinem WRunsd zu handeln,
und Du hast darauf keine andere Antwort, als ,,wehe,
wehe" zu sdireien? Sagte der Konig. Deine Arbeit geftillt
mir sehr, aber solange Du mit ihr besdliftigt warst, hattest
Du keinen Sinn fir Zank und Keifen, jetzt aber, wo Du
wieder frei und unbesdiiftigt bist, habe idA Angst, Du
wirst wieder mit Deinem Geziink anfangen, und darum
mein ,,wehe". So audi der Heilige, gelobt sei Er. Israel hatte
alle Augenblicke etwas wider Gott, bei jeder Gelegenheit
murrte es; da forderte Gott von ihm, es solle das Heiligtum
bauen; solange Israel mit dem Bau des Heiligtums be-
sdAcftigt war, hatte es keinerlei Klagen and Unzufrieden-
heit, nun da das Heiligtum fertig dastand, sagte Gott: jetzt,
da -die Arbeit beendet ist, wird Israel wieder mit seinem
Murren und seiner Unzufriedenheit kommen, darum: ,,waj-
hi bejaum kallauss, eein ,,Wehe" ersdcoll am Tage der Be-
endigung".
SEine andere Erklirung: Wer rief dies ,,wehe"? die
Erstgeborenen, weil nun die Priesterwiirde von ihnen ge-
nommen war. Denn solange das Heiligtum nodi nicht er-
richtet war, ,durfte man auf jeder Anhlhe opfern, und der
Dienst oblag den Erstgeborenen, jetzt aber mit dem Heilig-
tum going aller Dienst auf die Priester iiber, deshalb klag-






ten die Erstgeborenen mit dem ,,Webe"-Ruf: .,waj-hi be-
jaum kallaus cin ..Wehe" ersdioll am Tage der Beendi.
gung".
Eine andere Erklarung: \\er rief das ..wehe"? die Engel
des Diensles. Sie saglen. nun. da Gottes Heiligrum erridctel
ist, wird der Heilige. gelobt sei Er, uns verlassen, zur Erde
herniedersteigen. dort wohnen and seine Herrlichkeit drun-
ten unter seinen K.indern ruhen lassen. Da beruhiigle sie
der Heilige. gelobt sei Er. und spradi: ihr braicht drum
keinen Kumnier /u haben. meine Nlajesta t weilt stiandig
drobcn bei euch. denn so heist e ..dein Glana ist gelegi
niber die H.immel" IPsalm 2: bei eciii-pn Lehlie die Haupt-
sache ist die uberirdisdie Welt. denn so heisst es ,,sein
Glanz bedeckt die Hinimel und sein Lob erftillt die Ere'"
IHabakuk 3. 3). zuerst ist der Himniiel genannt und danii
erst die Erde, also ist er das widitigere. Aber, sagen die
Weisen. mil cinem nidilig:'ii Trost hat et sic getr6stel.
wenn man von Golt so reden darl: umniekehrt. die wahre
Wohnung der gottlidien NMajestat ist drunten aur Erden,
denn so heisst eu: ..sein Glanz ist auf der Erde und in
Himniel" IPsalm 14S. 131. ziitrst kommt die Erde und daiiii
der Himmel. sie ist das widitigere. daruni der ,.Wehe"rnr
der Engei. ..waj--hi bejaiim kalauss, ein W\ehe ersdioll ain
Tage der Beendigung"
Noch eine andere Erklarung. wer rief das ,.wehe"? die
V6lker der Well. Sie spradien: sdion als das Heiliptu nochd
nicht stand nind der Heilige. geloht sei Er, noch nidit unter
den Kin lern Isrlel. nohnte. fihlle Er sich diirdi ie rcfulli
und ribrte ilire Kriege, um wieviel mehr erst nun. da sie
ihm das Heiligtum erridilet haben uund er unter ihnen
%tohnt. dati. iim hr ..Wehe"ruf. ..aij-hi bejasum kalan';s eiir
..Wehc" ersdioll am Tage der Becndigung".
So ie1i alle Predigt. Sie hal nidit ei n Thema, das 'on
den ver-diiedene.n Seiten her beleuchlet wird und in semen
Verzweigungen. seinen Haupt- uind Nebenwegen verfolgt
wird. die Gerdanken schweifen von einem Gegenstanil
umn andern. Wcelche Gefiihle will der Prediger in seinen
lIirern erwecden' \Welche Gedanken will er vermitteln'
\\Weldic, i't der F r 6mi m m g k e i t wr e r t. welder li e r In-
hall, dlirdi den liese Predigt zur j idi;schen wird'
Mit der ersten Deutung, in der der seltsame Vergleidi
mitl der rankisdien Frau ausgesponnen wird. will der Pre-
dicer sarpen: Ntir die Ta t hefreit den Nensdchen \on un-
rruditl,.iren Gedanken und Griibeleien. niir in der Tat
befreit er sldh \on den Zweifeln. dlie ait seinen Erlebnis-
een und au; tldr Betraihtung des WeltenlauFes in ibm sich
r-rheb-ii. aiis dem Widersprich. der in ibm gegen Gottes
\ellenrein meant aufsteigt. Nur in der Ta sie sei was im-
mer. wenn sie inu als Gelior-am pege.n eine innerlicdit er-
fulllte Forlerinigr '_c ulil wird, gclanz-t der Mensch zum Fr.ie-
den der Seele und :uti Ausgeglichenheit und Gelassenbeit
'erwirklidiing ist spezifisdle Note jiidisdier Frommigkeit.
Die zweite Deutung. die oun dem Schmerz der Erstge-
horeuen uhber .d'n Ve'rl-ust des PriestcrMmtes aurgeht. er-
'wedkt. Jd 'ie sihd an1 Hbiler riditet, die wissen. dass iu-
/wisdien audi dla Redit dcs .\lronstajumes aidf Vollzug des
Oprers mut demn Fall des Tempels. gesdicwundern ist. das Be-
wuusstsein oil dem allgroeeinen Prieslerlum aller: jenes
Bewtistsein, dts eine de r Gr inrderfahli'run i en und Vorau s.
setiungen jiidisdier Friimmigkeit ist.
Die nrichsle Dentung. die ion der F.ulcht der Engel aus.
geht. gibt ini Gewande iler Legende Antw'ort auf dlie viel
umstrittene Frage. was ist da, iithligere. vworauf soil das
Sinnen des; Mensdieii mehr gerichtet sein. lie Erde older da,
Le.berirdi-;die' Mit NaditruckL und betontlr Deutlidikeit
fhllt die Ent cheilunig fur .die Erde. Hier kImni t wiedlerun
ein spezilisdier Inhall j uid ischer Fr6mmigkeit zum Aus-
dr kdi. denn es ist Eigenart jiidisdier Religiosilht .als Ziel
und Aulgabe des Menschen nicht die ewige Seligkeit de,.
himmlischen Lebens anzusehen, sondern die Ordoung d ie -


ser Welt als Gottesreich der -Liebe und der Gereditig-
keit. Zugleich aber reisst dler Prediger den Hbrer aus den
Gefahren heraus, die mit dieser Hinwendung zum Irdischen
veibunlen seiu kdnnen, dem Hdrer. dessen Bibelkenutnis
,ilid Bibelfestigkeit vorausgesetzt wird. kann nicht verbor-
g'n bleiben, das- die Hervorhebang des Verses. der die
Erde vor dem Himrnel nennt. njdit ohne Willkiir ist. leicht
kann er selbst ieben tielen Vcrsen der gleichen Wertung
iudi andere iln seinci Ge.landtnis rinden. die den Himmel
\or der Erde ineneii: iiI1 also twird er selbst die Wahrheit
finden. die die eigentlidi judlisdie ist. class beide Elemente
'ler Relig.iositi-it. da. Irdischl eriditetc unl das Ueberirdisdi-
geriditete nebeneinander in roller Glieditwertigkeit und in
einer untreiinbaren Verbinding slehen miissen.
Die ,ierte and letzte Deutung ist scheinba r eine
chauvinislische. nationalistscdie, dem Selbstgettihl des Juden
schmneidielnde: s c he in b r fadit sie seinen Stolz an und
liisst ihn ein besnnileres Verbundensein Gottes mit ilim
emplinden. Aher lda ist nur .scheinbar. Denn dem denken-
den Horer muss ja snofort zun Bewusstsein kommen. dass
las Heiligtum langst 7erstorl ist. das, also wenn Goltes Ma-
jestit an ein Hans gebunden ware. er par nidit mehr in
Israel weilte. So ird seiu Denken. ihm iinbewusst, durch
die Deutung dahin gefuhrt. zu erkennen. dass Gott der
ganzen Welt zugehi rt. dass er aller \'V lker Gott ist. und
dass der Jude darum unalbhangig von jedem Haus und Tem-
pil die Schcdhinah inni-tten Israels wei.s und sie in Israel
fcsthalten mulr. Und am Ende bleibt von der Deutung in
seinem Gedditnis der trostende Glaiube haften. dass ..Gott
Israels Kampf in der Welt fihrt".
So erfdllt diese alle Predigt die grosse Aufgabe der
| ildisdien Predigt. Triistung zu spenden, Gotteserkenntnis
.'i mchre-n, ligenart jditlischer Frimmigkeit zu benennen und
uber dti, froiime Ce'iihl zuir Frommen Ta t hinzuleilen.
Ihre N\ i-lderlgabe li'nd Erkliriiiing an dieser Stelle am Be-
ginn des Festtarzes. an dem der V\er, aur den sie sich stiitt.
im Gotte-haiis vorgelesen wir.l. sei Ehrung des Mannes. in
lessen Flibrerleictun. innerhalb des zeituenbssischen dent-
schen Judentum-, die Kraft un.l Glut der Predigt ind durch
sie die Erwrc-kunng zi jiidisichem Bewuistsein iind frommer
Tat wahrlidi nicht dla: Letzte ist.


Frbuirnigkeit
\ tn Rubbiner Dr. Ilerinann Vogelslein (Bres-liu)
Eine der selbstvers tanlidien Voraussetznngen allies wir
immer gearteten religidsen Lebeus ist Frammigkeit. In
einer .bekannten l \' un.dervollei Stelle hat Goethe das Ge-
fuhl des Frommseins gekennzeichnet und als lewas allge-
mnein Mensicliiches angesprochen. Lind wenn nadi Hunm-
holdt die TieFre tind die Art der Sehnsucht. die ihn begel-
-lert. der Masstab ist fir ilie Idealitat emnes Charakters.
so kann man an Inhalt und Art dieser Sehnsucht nach deii
Linendlidien und Unbedingten. n.ach Gott. an Inhull -nid
Kraft dieses Frommseins die Reinheit indl H1-he dei Reli-
gion erkennen.
Aber Religion i-rldangt mehr als fromlnmes Empliniien
\ndbditig sdich -irmen ist leciiter al, gut hanleln jedles
noch so grosse und reiine Gefuhl erliert seinen Wert. wenn
es sich nicht ,im Tun dissert. Daraus erwidichs wiederum
die Gerahr. dass mani fir Uinnies-bare, die grdssete odei
geringere lNMnge Jus-eier Haiiiinlgen als MNasst.ib der
-'rbmmigkeit ansieht. und dass nian RiB-ligion a ind reliiio-e
Bet:itigaung \on der Gesarumheirt le, Le.ens tind der L-lern.-
iusserungen lst.
Alle personliJte Religios.l tat wirkt sich inl bestiimmiil
Form aus. und diese Form ist wierdernm durch die Gernein-
schaft bedingt. der dieser bestimmte Mensch angebhait. Das
gilt audi dann. wenn der einzelne sidc religi6s sdirof
gegen seiue Gemeinschiat stellt. Denn audi Ablehnuug


.'"


...- -,







und Bekimpfung ist ebenso wie Anerkennung und Unter-
werfung durch die Beziehung gegeben. Geschichtlich sind
diu vershiedenen Phasen von der unbedingren Biudung
an die Gemeinschaft bis zur vdligen Individualisierung der
Religiositit in ihrem Auf .und Ab in mannigfachster Nian-
cierung ,u beobachten. Denn die Synthese pers6nlicher uuid
Gemeinsdhaftsreligion m1uss immer wieder von neuem re-
sucht werden. und dies Problem wird umso \erwickelter.
weil ein andres mit ibm immer verschlungen .ist. die Frage,
ob Religion ein g6ttlidies Gebol ist, dem der Mlensdh ,ich
einfach. ohne zu fragen, zu fligen hat, oder ob sie ein Be-
durfen des Menschen ist. der Inhalt und die Erfiillung
mensdclidier Sehnsucht.
Die Heilige Schrift wie die jiidische Gesdhichte zejgt ver-
sdiiedenarlige Typen jiidischer Fromi.igkeit, die wieder-
ium Aehnlidchket nit nichitiidischer Frajmmigk'eit und Ver-
sdhiedenheil ron ihr .aufweisen. Uebereinstimmen.d sind alle
Formungen Jidisdier Frdmmigkeit, wie weit sie auch aus-
einander gehen migen, in der Grundlegung. dem olttes-
begriff und dem Mlensdcheitsbegriff des Juidenunms, dessen
leligids-revolutionArer Charakter hier erkennbar ist Fs
ist nidit nor die Lehre von dem einen Gott, sondern zu-
gleidi die Lehre. dass dieser eine Gott der Heilige ist, das
uinbedingt vollkommene iiberwelllidie Wesen. dessen Wal-
ten sich aber in clieser Welt offenbart. Und unabl6islicd von
dieser Gottesidee ist die Idee der Gontesebenbildlichkeit
des Mensdcen. dessen Aufgabe es ist. so zu iverden. wie
Gott ist. Die Nadieiferung Gottes, der Wandel in den
Wegen Gottes ist daher der eigentlidce Inhalt aller Frim-
migkeit. Mit Opfer und Cebet und dusserer Verehrung
geben wir ihm nichts und pehmen ibm nights, wenn wir es
ihm weigern. sondern uns selbst geben ocler nehmen wir
dndurch. indeni wir uns selbst in unserm Streben starken
oder sdiwdicen. Nihdt weil Cott in seiner Allmadit es von
uns fordert. sollen wir from sein, sondern Gott fordert
es von uns, well es dem liefsten Sinne unsres henschen-
tums entspridit.
Es ist bezeichnend. dass die hebriische Sprache nidit
ein einzelnes Wort fur den Begriff fronnm kennt. sondern
dass dieser Begriff voll umschrieben wird durch drei Worte
verwandlen ind doch verschiedenen Inhalts, von denen
allerdings gelegentlihd jedes einzelne zur Bezeidinung des
Frommen gebraucht wird Und es isl ferner ciarakteristisdi.
dass zwei dieser Worte die Nacheiferung Gottes bezeich-
nen Wenn im Talmud empfoblen wird. den 145. Psalm tig-
lich zu been. so gesdiieht es nidit sow.ohl um der Lobprei-
sung Gottes willen als vielmehr in erster Reibh, wegen des
17. Verses, der Golt geredit auf .alien Wegen und liebevoll
in allem Tun nennt. Diese beiden Eigenshdaften werden
von dem Frommen gefordert. Niemand ist from, der
nihdt Recht iind Liebe gegen die anderen Menschen Ubt
So erhalten die beilen Worte p'~s und loln ganz von
selbst liber ihre 'urspriingliche Bedeutung hinais die Be-
dentung from. Das ist die grosse Lehre der Propheten.
die den Kaimp gegen die immer wieder eindringende
heidnische Formenrrammigkeit gerfhrt haben Nicht gegen
die Form an sich wandten sie sidi. Sie waren viel zu tiefe
Menschenkeoner, als doas sie nihdi den Wert der Fornien-
spradie richtig gewdrdigt bitten. Aber dagegen haben sie
mit aller Wucht ,angekiinprt, class man in iusserer Form
Sinn und Inhalt der Religion und der Frimmigkeil er-
hlickte. Sie verwerfen Opferdienst und Festfeier. woisen
die Mensdien aus dem Tempel. wenn nicht Recht unrd Liebe
geiibt wird. Sitflidikeit mit liusserer Friimmigkeit verbun-
den ist. Wenn das Volk sein Unredit Gott gegeniiber suh-
nen will. gilt Micha die Antwort, dass Cott nidits andres
fordert als Recht tun. Liebe iiben und demiitig wandeln
mit Gott.
Dies Wort Michas gibt das dritte Kennzeichen der Fr6m-
migkeit, den demiltigen Wandel mit Golt oder anders aus-
gedriidkt .die Cottesfurcht. Denn der Wandel in den Wegen


Gottes ist nicht aus verstandesmassig gewonnener, ausgeklti-
gelter Lebre der Sittlichkeit, sondern aus dem tiefinner-
lichen Bewusstsein Gottes, aus der hellen Glut reinen und
starken Gefiihls geboren. Die Gottesfurdit der Propheten
ist nicdt heidnisdie Angst vor der iibermichtigen Gottheit.
sondern freudige Ehrfurcht und ehrfurditsvolle Freude.
die aus der innigen Verbundenheit mit Gott quillt. Darum
gibt es fdr alle Schduld keine andere Sbhne als Umkehr
-om Bdsen, Riickkehr auf den rechten Weg, den Weg Got-
tes. als innere Wandlung. Mit Recht bemerkt die talmu-
dische Schrifterkldrung zum Bucde Jona, dass nidit Fasten
und Trauern. sondern die Umkehr vom basen Tlun die Ver-
zeihung Gottes ftir Ninive erwirkt. Und die Prophetenrede
des babylorischen Jesaja. die charakterstisdi fiir das
Judentum am Vers6hnungstage im Cottesdienst vorge-
lesen wird. verwirft tiussere Bussiibung und verlangt Recht
und Liebe. Das ist Frdmmigkeit. Das ist die Antwort, die
in den Psalmen auf d.i.e Frage gegeben wird, wer vor Colt
treten darf.
Aus dieser Gesinnung wdchst das Gefdhl innigster per-
sunlicher Verbundenheit mit Gott heraus, diese Unab-
hlingigkeit von allem iusseren Schicksal. diese Sidierheil
audi in tiefster Nol, dies Gefuhl, dass mit Gott alles Andre
gleidigiltig .ist. Aber es wichst audi das Verlangen heraus.
alles Erleben und alles Ersehnen vor ihn zu tragen. Daraus
ergibt sich dann ein reinerer unil hiherer Sinn des Gebets.
Was im Gebet als Bitte ausgesprochen wird. das ist so
recht erst Aufgabe fir das eigne Streben. und die Bitte
zu Cott ist nidits als die Bitle um Stirkung des Willens
und der Kraft rum Culen. Daftir ist kenozeichnend das
Privatgebet am Ende der Tefilla. das w6rtlidi dem 34.
Psalm entnommen ist, nur dass der Psalmist an den Men-
sdien die Mahnung richtet. seine Zunge vor Bssem, seine
Lippen vor Trug zi hdten, wihrend unser Cebet die Bitte
in Gott ridilet.
Diese jiidische Frommigkeit ist darum niemals lebens-
verneinend gewesen. sondern sie will im Lehen bewiihrt
werden, und sie ist niemals blosse SynagogenfrBmmig-
keit gewesen. Sie Fordert die hbuslidie Andacht. well sie
das gesamte Alltagslehen sublimieren und die ewige Ver-
kniipfung des Heiligen mit dem Profanen immer von neueni
herstellen will. Das .bedingt die Wandelbarkeil im Behar-
len und das Bebarren imn Wandelbaren. Jedes Gesdilechd
muss von neuem den Weg suchen und den Ausdruck seines
Gottesbewusstseins.


Religionsverkiindigung als Beruf
Von Rabbiner Dr. lMax Wiener (Berlini
Das Wort Beruf und die Sache. die es bezeicdnet, ent-
stammen einem religidsen EmpGindungskreise. und es hartet
ihnen gewiss noch etwas dem einstmaligen Pathos Verwandtes
an. indem die innerlich gefiihle Neigung dem autoritativen
Ruf und der Unterordnung unter seinen Befehl gleidigesetzt
wird. Aber die Tendenz des modernen Geistes scheint sich
dodi von solcher Verinnerlidiung des Berufsgedankens im-
mer weiter zu entfernen. Und zwar ist es nicht bloss die
steigende Medianisierung und Technisierung, weldie die
innere Anteilnabme an der rationalisierten Tagesarbeit fir
die meisten Menschen unmoglich machie und im Werk nur
den Weg zum unmittelbaren w.irtschaftlichen Zwedk sehen
less. Auch die ihnlidce Spezialisierung innerhalb eigentlidi
geistiger Arbeit konnte wohl einseitig Flhigkeiten zu be-
sonders gesteigerten Leistungen hohziiciten: aber dos, was
einem Bernf alteu Schlages seine gleichsam religiase Weihe
gab,die Befriedigung derSeelein der verantwortlichen Pro-
duktion eines vergleidisweise umfassenden Werkganzen, ist
nunmehr kaum zu erreicden. Der Beruf ist -so darf man sageni
- auf die ganze Organisation der zusammenarbeitendcen Men-
schen iibergegangen. Das Berufsmensdcentum. das man hiufig
beklagt, meintin Wirklidikeit Spezialistentnim: und die Leb-


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losigkeit, die man an diesem bedauert, besteht eben darin,
dass die vonle Regsamkeit und Bewegtheit des Menschen
sidt kaum in irgend einem heuligen Berur ersdiipfen kann.
\Vovon man /u dem zwingenden, aber durdc Eraraiiing be-
.l;ililgin Sdiluss gelangt. dass grade ini Zeitalter de,
.diroffsten Lcbe-nskampfs und der stdrkslen Bcrufsverfr-.ine-
rung Ifr die seelisdie Totalitht die daseinerhallende Tiitg-
keit glcidigultig. huiserliic geworden ist, jenseits wirk-
lichcr Intere iertlheit ldes Gemtites liegt.
Eine eigene Stillung nehmen in dicser Well der Klnst.
ler, older Philosoph ein. derienige Gelebrte. der sidi uidit
vbllig in der Analyse --ines engen Spezialbezirks verbraiidit
sondirn iu mnehr oder minder bedeutamnen Synthesen vor-
zudringen %ermag. lhnen alien ist das KbnstlerisdAe, das
diripferisdi Bildende eigen; und indem sidi so im Berni
wirklidi -in Innere ciI sett, wesensnimasig der Mensch in
,sein Work hInineiv,-gs-,n .ist. w-ird die Arbeit zum Selbst-
zweck, weil der arbeitende- Mensdi sich als Selbstzweck
empfindet. Jedenfalls ist erreicht, dass die berufliche Titig-.
keit die Seele erfiillt, weil sie die Hingabe der Pers5nlich-
keit braucht. Es steckt da etwas von Manifestation der Ge-
sinnung drin, von einem Hinausleben des eigenen Ich in die
Welt der Dinge.
Hier liegt die Beriihrung mit dem Berufe des Theologen,
des professionsmiissigen Religionsverkiinders. Allerdings
nur eine Beriihrung, nicht edn Zusammenfallen. Denn das
Eigentiimlidic des Religionsdieners besteht darin, dass er
von Amts wegen der Verkiinder eines Ideals ist and in
seiner persinlidien Lebensgestaltung der Vertreter, der
Ausfiihrer dieses Ideals sein soll. Hier ist die erste, viel-
leicht die Kardinalsdiwierigkeit, namlich von Berufs wegen
ein Ideal und noch dazu das denkbar h6chste, umfassendste,
das des reinen Wandels vor Gott, aufzustellen und zu
lebcn. Denn jene Verkiindigung muss ohne eine ihr -ent-
sprediende eigene Wirklichkeit vollkommen sinnlos, ja ge-
radezu aufreizend und abschreckend ersdheinen. Vielleidit
mii.dte man unsrer Behauptung von der Eigenartigkeit die-
o.r Stellung den Beruf des Richters oder des Erziehers ent-
er-nenhalten, die doch auch personliche Lebenshaltung und
hrufliches Leisten in Uebereinstimmung zu bringen haben.
Die Idee des Rechts sollte erhaben genug erscheinen, umI
ihr,-n Handhaber unaufh6rlich sittliche Selbstkritik an sicb
uILcn zu lassen. Indessen steht diese Idee des Redits -
,Indi sehr weit im Hintergrunde- hinter den praktisdh ein-
-dilaiigen GesetzbUiihern und technisden Regeln, deren
riditige und zwedcmiissige Anwendung schliesslich allein
Ceiln Aufgabe ist, so dass das Volksgefiihl instinktiv rich-
tig irteilt, wenn es von dem richterlidcen ,,Beamten" wohl
-i.- besonders sorgsame Respektierung des fiir alle 5ffent-
lidchit Funktionire mehr oder weniger Ideutlich empfunde-
nen Sitterikodex verlangt, im iibrigen aber Amt von Per-
'on sdieidet. Und auch fiir den Lehrer, der als Erzieher
Peri-inlidikeiten bilden and nicht nur Wissensstoff vermit-
teln soll, gilt vor allem als Aufgabe, dass er ein bestimm-
(es ind objectives Ziel zustande bringt; die tednische Lei-"
.lung seines Arbeitserfolges steht voran. Sie hat gewiss
i:-bhen der fachlichen Begabung eine sittliihe Qualifikation
.,nr Voraussetzung, an die besondbrs strenge Masstibe ge-
lecl werden, indem jade Erziehung Gesinnungsformung
ikt Aber es handelt sidc in dieser Arbeit doch nicht um jene
AberIlutheit und Unabdingharkeit des sittlidh-religipsen
dlI-nls schlehthiin, als dessen Vertreter der Verkiinder der
feli-.ion auftritt.
lI nsere alten Rabbiner haben ihrem Namen die Bezeidi-
iunn-: der Kleine, der Geringe vorangestellt, was jeden-
f.ll das Gefiihl einer feinen Scham ausdriidct. Jeder on-
1',inrlige ennste Menshd hat Empfind'ung fiir den Abstand,
der zwischen der persinliih gelebten Wirklichkeit und
ihrem vollkommenen Muster besteht. Er mag sihd je nach
der Erregbarkeit seiner moralischen Anlage mehr oder
weniger beruhigend mit der leidigen Scwiidhe des Men-


sdien iiber diese Kluft hinwegtrdsten. Dem chri.stlichen, dem
lutherisdien Theologen wird sein Dogma diesen Trost sogar
weitgehend erleichtern. Aber iiber solche Niiancierungen hin-
weg bleibt doch der ernste Tatbstaind. dass der Lehrer der
Religion den Sinn seines Amtes hervorragenderweise in per-
sinlidAem Vollzug der gepredigten Lehre erblicken muss.
Es liegit hierin wie mir scheint die schwierige Anti-
nomie der religi6sen Verkiindigung als eines Amtes, eines
Berufes im Zusammenhang mit allen andern Professionen
innerhalb unsrer arboitsteiligen Gesellsdcaft iiberhaupt ver-
borgen. Man verdecke sich diese Schwierigkeit 'nicht, indem
man etwa eine unstatthafte Nivellierung vornimmt, aufzeigt,
wie der heutige Rabbiner als Religionslehrer im tehnischen
Sinne eines.Fachlehrers, als Sozialpleger, als Seelsorger, als
Vortragsredner, als Aufklirer gegeniiber Judenhass, viel-
leicht audi als wissenschaftIicher Forscher oder Verbreiter
volkstiimlichen Wissens eine Fiille von Arbeitszweigen in
sich vereinigt, von denen jeder einzelne nhdi Methode, Ab-
sidct und Inhalt grosse Aehnlichkeit mit anderen gar nidht
im theologischen Gerudie stehenden Hantienungen besitzt.
Didse Atomisierung sdhafft nicht die Tatsache aus-der Welt,
dass das geistige Band, das sie alle zusammenhilt, doch
eben von einer Gesinnung her geschlungen wird, die in
seinem persiinlicen Leben ausstrahlen muss. Ueberall sonst
ist die 'Sadiverstiindigkeit das Wesen iberuflicder Arbeit;
hier ist sie allein die technisdhe Voraussetzung fiir eine
innerliche Qualitlit, weldhe die ganze Weite des Daseins
iiberhaupt durchfluten muss, die es zu verantworten hat,
dass es letztens da iiberhaupt keinen Untersdcied zwisdien
private und amtlichdn Leben geben kann.
Der Prophet ist ein Mann gewesen, der die h6disten For-
derungen dem W.illen der Menschen vorhalten durft.e, weil
der unmittelbar erlebte Gott sie ihm offenbarte und ihn mit
anentrinnbarer Gewalt zwang, sie zu verkiinden. Oh er
diese Gebote selbst vorbildlich erfiillte, kommt fiir ihn als
das Geffiss der gittlichen Offenbar ung nicht einmal mit sol-
cher Selbstverstlindlidckeit in Frage, wie die rationalisti-
schen Theologen des Rabbinismus es meinen. Der Heilige
stellt einen andern Typus im reliagiisen Lebenskreise dar
Er ist herausgelst aus dem Zusammenhang durchschnitt-
licher Hantierung in der Welt, ist trotz aller iiberfliessen-
den Liebe und Selbstaufopferung in Wahrheit asozial, ein
Virtuos einseitiger Versenkung in das Gattliche, in grund-
siitzlicher Askese den Sinn der ,,Welt", ihre Geltung min-
destens fiir seine Person verneinend, die natiirlichen auf
die Weltlidckeit gekeehrten Triebe nur nutzeind, indem er
sie bewusst land kunstvoll in seiner eigenen Person tiber-
windet, ausrodet. Er mag ein Begnadeter, edn Genie der
Fr6mmigkeit sein, aber- indem er diese Frimmigkeit
niht- im Zusammenhang des allgemeinen Daseins der
Menschen verwirklicht, sondern ihr auf der eigenen
jene weltlidhe Sphiire iiberh6henden Ebene seine Stitte
hereitet, auf die ihm die Mehrzahl gar nicht folgen darf, ist
er nidit der Verkiinder, der Propagator eines religitisen
Ideals, sondern lediglich-persinliche Darstellung, die mit
seinem Leben abgesdilossene Offenbarung einer religiisen
Einseitigkeit. Er ist nicht so sehr sittlich zu werten, als dass
er vielmehr ein Stiick der in dieser Welt siihtbar gewor-
denen g6ttlichen Jenseitigkeit bedeutet, wie ja den Heiligen
die veritablen Wunder als den Gott besonders Nahen aus-
weisen., So etwas fehlt auch nicht giinzlich im judentum. -
Der geistliche Herr des katholischen Christentums, zum
Kirchenfiirsten aufsteigend, empfaingt seinen religiosen Cha-
rakter von dem Amt, das als organischer Bestandteil einer
gottgestifteten Institution gedacht, an deren realer Wunder-
barkeit mittelbar teilnimmt. Grundsitzlich verschwindet hier
das menschlich Eigene hinter. dem von oben Gegebenen und
Gesetzten. Insofern steht der geweihte Priester dem Pro-
pheten gleich. Was sie unterscheidet, idas sind die vershie-
denen Lebensstufen der Religion, deren Ausdruck sie bil-
den. Der Prophet steht am Anfang, im Aggregatzustand







der Feueratissigkeit, der Biegsamkeit.und Formbarkeit. Er
bestnmmit die Richtung von Gott her, welche die Tradition
atinuimmt, yerfestigt, weiterleitet. Hiermit beginnt das Amt
dle Priesters.
(Dass das im Judentum nach dem Abwelken des alten
priesterlichen Dienstes zur Aufgabe aller Glieder der Volks-
gemeinde wurde, beweist nur, dass den Pharis iern der
Sieg einer -ollstandjgeu Demokratisierung des Priestertums
gelang. Nicht.hat dieses aufgehoirt, sondern das Religions-
gesetz, fiir alle verbindlidi, machte alle zu Priestern.)
Der Priester kann Politiker sein, wie audc der Prophet
es war. Dieser ist es aus dem. Bewusstsein unmittelbarer
ottilhdier Sendung heraus. Darum fordert er oft das den
Menschen praktisch unmdglich Sceinende, die Hunde in
den Schoss legen, wiihrend der Feind die Tore berennt.
Der Priester sieht sein religi6ses Ideal eingehiillt in der
Form der ihn tragenden Institutionen, die von Gott ge-
geben ist and darum nicht zerbrochen werden darf, um
des in ihr sich bergenden g6ttlichen Gates willen. So tritt
er ein in die Kilmpfe der Welt, handhabt deren Waffen in
majorem Del gloriam. Das Problem: Moral und politisdies
Machtstreben, schon in weltlichen Hiindeln fiir den reinen
Ethiker brennend, erhebt sich hier in seiner ganzedx Schiirfe;
and es ist gewiss die Reaktion des sittlichen Gewissens in
einem grossen Teil der Menschheit, die nights davon wissen
wollte, dass der Zweck die Mittel heiligt, dass der Glaube
an die Gottlichkeit einer Institution ins Wanken geriet, die
um Gottes willen sidc mit alien Bedenklichkeiten ,des poli-
tischen Machtstrebens- belud.
Man kann diiesen Ausgang so deuten, dlass die in prie-
Ssterlider Politik zum Ausdruck kommende Versachlichung
des religiasen Ideals, seine Ablsung von der gesamtper-
sanlichen Haltung und Lebensfihrung der homines religiosi
in die Briiche going: ein eindrucksvoller weltgeschicdtlicher
Beleg dafiir, dass nur die Einheit von Verkiindigung und
V\llzib-hung im Ernstfall ,den Sinn des ReligiSsen erfiillt.
Das Judentum, wie das rabbinische Bewusstsein es,er-
fasst, definiiert den Gehall des goltwohlgefLilligen Daisens
in iiniglich-strestloser Beobaditung der anscheinend so klai
and umgrenzt in ihrem .\nsprudc und ibrer Bedeatsankell
uns vor die Seele gestellten ihlIizt \Weii, Saadia, tal-
inmdische Gedankengtinge aufnehmend, die Frage nach dem
Wert eines Menschen vor Gott, nach seiner Aussicht auf
die Seligkeit, damit beantwortet, es kame auf die grdssere
oder geringere Zahl der ausgefiihrten Gebote an und da-
nach einen arithmetisdcen Kalkiil anstellt, so klingt das
wohl drger, als es gemeint ist. Man mAchte es eher als eine
Unbeholfenheit des Alusdrucks nehmen, als Ungelenkheit,
mit runden Worten sagen zu k6nnen, was eigentlich das
Ganze, das Geschlossene einer Persnlichkeit ist. Es liegt
da schwerlidc ein besonders krasses Beispiel fiir die uns
Juden von den christlidcen Theologen vorgeriickte ,,Atomi-
sierung" Ider sittlichen Personlichkeit durch das Gesetz vor,
als dass vielmehr die Hingabe des ganzen Menschen an den
in den Mizwot sich ihm enthjillanden g6ttlichen Willen ver-
langt wird. Badija ibn Pakuda hat das schon besser zu
sagen verstanden. Wie dem aber auch sei, wir Heutigen,
gleichgiiltig, ob gesetzestreu oder anders gesinnt, erkenne-n
jedenrall an, dass nicht die Zahl der ausgefiihrten Satzun-
gen die Pers6nlicdkeit konstituiert, sondern dass ihre
Einheit und Selbstheit es ist, welche den Willen auf d as
Gebot, welches d e n Geboten vorausgeht, dirigiert.
Die tree Hingabe an die religi6sen Satzungen, der Ge-
horsam gegen ihre Regein k6nnen also die ladstet.le Forde-
rung nicht erleichtern, dass der Religiise und vor allem
ier Religionsdiener eine Persiinlidikeit-sein muss. Sie in
ihier Einheit und -elblt,-idicrheit muss den Vollzug der
Mizwot als wirkllih i.ldln Ilinern entfliessend glaubhlFrt
inaden, nidit dass iniil-kehut Gesetzesgehorsam die reli-
giose Pers6nlichkeit schaflt, gleidianm aus den Handlungen
rusammensetzt. Immerhin ist ein gewisser Untershied zwi.


schen einst und jetzt nicht zu iibersehen. Der .alte Raw isl
zuallererst der ewige Student im Gesetz, der schliesslidi
Kenner wird und dann Lehrer sein darf. Wuhl ist bier
jene heikle Tatsadce nicht ganz aus der Welt geschatft, dass
ein lebendiger Mensh als ein Stick realisierten Ideals gel-
ten soil. Aber -der Sdcwerpunkt liegt doch wo andrrs. Denn
er ist vor allem der Gelehrte; sein Handwerkszeug ist die
Lehre, um deren tiefe Durchdringung er ringt. Ei hat e- un-
mittelbar mit dem Gold des g6ttlichen Wortes zu tln. liilI
wo er es in prakjischer Einzelentsdieidung ausmunit. ist er
doch nidcts andres-als ein Richter, der das Gtselrzbud annf
die wirklichen Fille des Lebens anwendet. Er hat sidl wohl
auch mehr als Jurist denn als Theologe einptfndien: als
Jurist des g6ttlichen Gesetzes, das hinsictlidi seiner Ver-
bindlidckeit keinen Untersdiied zwisdien M Ial unrld litus
kennt. Er besitzt an diesem Gesetz die konklretcii Hilf-tel-
lungen, die ihm in jeder Lebenslage den Eritcheid fur
andre, aber auch fur sich selbst an die Hand gebten. .Man
erwartet von ihm, und er selbst braudit on sidi nidiit
andres zu erwarten, dass er ein sdiarfsinniger. ziu\e laus--
ger und kundiger Gesetzesausleger and versthindjier Ent-
scheider sei. Und gegeniiber diesem konkreten und klaren
Anspruch an seinen Beruf tnitt das eigentlidi Personlide
zuriick, obwohl es gewiss nidht fehlen darf.
Das ,ist heute fiir den jiidischen Relipgitons\ti kindei
and sicher nicht bloss fiir den liberalen Rabbiuer, ander-
geworden. Er ist Prediger, dodc wohl Sittlichkeitiprediger.
als solcher mit der ganzen Schwierigkeit, mit dem gerad.le
dem Wachen und Ernsten natitrlichen Widerstreben b,--
biirdet, laut und unverhiillt ein Master vc.n rli..ws sitt-
licher Lebensfihrung mit Worten aufzustellen. Die Gerihr
jenes Redens, das durdc .seinen Gegensatz zu cirl-n H-la.-
deln charakterisiert ist, tut sih idamit vor iLi inu -oller
Grbsse auf. Sie erscheint als eine doppelte: er-triic .larinm.
dass von Berufs wegen Worte geliefert weiden. urn l ren
Erffill-ung sich mindestens ein Wille, nimlidc der dl- Spie-
diers, deutlich und-einwandfrei bemiihen muss, also in der
Harmonisierung von Lehre und Leben. Zwei:en. dariin. ..lai
das Reden und Bereden von hohen und hibd-ten Dringen,
von erhabenen Forder.ungen und Idealen das Inmtrumnint
dder Rede selber leicht abnutzen kann. Damit ist Jas gE:-
meint, was im Volksbewusstsein das ,,Predig1in mit cirnem
ratalen Beiklang versehen hat. Man bedenke, .0 1weldi -e-
waltiger Aufgabe gerade der predigende Spredier _-tcht.
Das Reden im allgemeinen als Mittel des \eikehi.s /,i-
schen den denkenden *und wollenden Mensci:-en ehlt -c-inemn
Sinn nach auf etwas Bestimmtes, indem man j:r niiid ar-eu-
blickliher Lage etwas Konkretes vom andern will. Es hat
ein praktisches Ziel; ein Vortragender hat ein r-b,-tiimmtes
Thema zu behandein, dessen Umrisse oder alluemeine- Ridi-
tang sich aus dem Kreise ergeben, zu dem er sprldtl. und
aus dem geistigen Gebiet, aus dem er etanas vermitteln
will. Nur der Prediger kann iiber alles redeny Subbat umn
Sabbat, Fest um Fest steht ihm -die ganze Welt ,fcln. uber
die er in religi6ser Niiancierung sidc verbreiten soil W\ir
brauchen da noch gar nicht an den ungeheirren AnspIuch
zu denken, .den diese Forderung an ihn stellt. al- \ielnehr
an die drohenden Klippen, die auch ein Gesd'leitei, geistig
Bewegter und pidagogisch Einsichtsvoller oft nicl aini-drliif-
fen wird: die allzu grosse Allgemeinheit seintc Ge.Ilankcn-
fiihrung. Die Umgebung, in der er spricht, ii,: Slimniung.
die sie einhiillt, die Einbettung .der Predigt in die ewig
selbigen wie Gebet und Schriftvorlesiung vorp.traL.-i:eiie
Ideen der Religion scheinen der scharfen Umrrei-,inn- lines
bestimmt formulierten Gegenstandes wenig gulnstl Dei P-re-
diger spridct beispielsweise uiber Erziehung, uber Nati.na-
lismus, fiber Wohltiitigkeit auf der Kanzel eine Viertel-
oder halbe Stunde, er wird damit oft, weil er seine Gegcn-
stainde den allgemeinsten religiisen Prinzipicii einoidnen
will, viel weniger leicht, selbst wenn er an sidi was zu
sagen hat, zu eindeutigen konkreten Formulierungen ge-
*







laugen, als im Vortragssaal die gleichen Probleme behan-
delnd. Vielfadi glaubt er, dem im Gotteshaus eiue Gemeinde
von o\llig unhomogener Art, vom gebildetsten bis zum -un-
wisseudsten und cinfalligsten Hdrer gegeniibersteht, eine
Mittellinie liehen zu swollen, auf welder sein Wort zu alien
gelangt, ,,jedem etwab gibt". Das Resultat wird leidit das
sein, dass an sdch beadillidi- GedankeuansAtze im Allge-
meinslen verdampfen. Hier liegt die Quelle eiuer spezilisch
theologiscfen Salbaderel, welcher der Beste erliegen kanu,
wenn er nicht vou vorneherein seiL Thema in sdcroffer
ielbsldisziplin uufs engste begrenzt uud die Perspektiven
ins Uneudlidae, mbgen sie nodi ,o heilig und erhebend sein,
abschneidet.
Man kann eine \ellhusdiauung predigeu. cdalirnm aber
ikt's, wenn das ,,Predigen" zur \eltansdiauung wird. Und
dieses Scdid~sal bediolit denjenigen, der mit grossen Worteu
nidct sparsam, ja geizig umzugehen wei.i. Anders ergibt sidi
ftr ibn das tragisdie Verhangnis, dass er, dessen Daseins-
sphare gerade dei suhawerste Ernst seiu mus, sidi dein
Leabensebene sdiaffl, auf der wabhe Wirklichkeir zerflattert
und aile Dinge dic zerfliessenden Kouturen einer uugreif-
baren homiletuLditj Reuliiat aunebmen. Dieser Isolierung
\om wirklidieu Lebeu kann nur dadurdi vorgebeugt werden,
dass das Predigeu, das leider emen gani ungebihbrich brei-
ten Raum im mwuderuen Rabbinerberur eingenommen hat,
wieder aur elue beschridene Rolle. beschrankt wird. Es soil
der gelegentlidie Ausdruck der seelsorgerlichen, pidagogi-
schen, sozialen Arbeit. des religiusen Denkens und Sudien,
2.ein, nicht aber umgekehrt die Hauptsache, neben welcher
das andre teht. W\ir reden hier nur hunter dem Gesidits-
punkt des rabbiniscden Berufs und von .dessen Ruckwirkung
auf die Per.uonidikeit seine, Trdgers. Die Frage uadc der
Bedeatung der Predigt und ibrer Notwendigkeit im Gottes-
dienst bleibt unberthrt. Jedenfalls ist der Gefahr enigegen-
zufreten, dass der Mann. der der .littelpunkt des Lebens
einer Gemeinde sein soll. durch das eigene in verkehrte
Riditung geratene Amt des redilen Sinnes seines Berufes
beraubt, ja. was north sdilimmer ist, in der ernsten Eeluli-
gung seiner Persd6nidikeit erschiittert wird.
Ohnedies droht iltm Vereinsamung. Das Volk siehl seine
Taligkeit, audi wean es sie schaizt, als elwas an, das fern-
ab von der realen Substanz eigentliihen Lebens ist. Das ist
ourermedilicd. Brauich jemand in den alltiglidien An-
Iregen den Arzt oder Anwalt, den Kaufmann oder Ted-
niker. so sind es klar zu itbersdhauende und wagbare
Dinge. die deren Eingreifen notwendig madden. Der Ver-
kehr nmil seineu selhbtverstandlidhen Erfordernissen ordnet
jene Berure in dos von alien mitgelebte Daseinsgauze enm.
Llud es ist auch nicht sdiwer fesizusteUea, weil praktisdi
rortwahrend ru erproben. ob die einzelnen Vertreter der
genannien Berufe ihre.Sadie gut machen oder idcht, ob sie
den eindeutigen Forderungen des berullidien Verkehrs ge-
niugen. Soldie Hantierungen schaffen nicdt our wdirklicd
prakiithde Lebensgemeiuscdaft zwisdcen dem Arbeitenden
uud dem. der seine Arbeit im realsten Sinue braudct. son-
lern sie bewirken, da es sidi um tedhaiscde Leistungen
hlaudelt, deren mehr oder minder gutes Gelingen leicht ein-
zu-.ehen, zugleidi eine wohltatige-Konkurrenz als die Vor-
aussetzung der Gemeinscdaft son Berufsgenossen. Dem Au-
walt stehl der Anwall gegenilber, dem Arzt der zu hei-
lende Kranke, dem Gewerbetreibenden der Rivale, der bes-
ser oder billiger liefert. Das allies mahdt den Kampf des
Lebens aus, aber in diesem Ringen .ums Dasein liegi zu-
gleidi die Gemeinsdiaft der Kimpfeuden. Von dem allen
ist unser Beruf ausgesdilossen. Gewiss hat auda er gute
und weniger gute Vertreter, belieble und minder -beliebte.
Aber die' Geistigkeit. die er verlritt, selbst die Praxis, in
der er sich betitigt, schlingt nicdt jenes Band um ibn und
um die, die ihn in Ansprudi nehmen; die religidse RediUtit,
die ihn mit der Gemeinde verkntiplt, ist nicdt von der glei-
chen Realittit schaffenden Kraft wie bei den Profanberufen.


Und er fiihlt im Kreise der Kollegen sich aufs engste mit
ihnen zusanmeengesdilossen wesentlich dadurch, dass eine
eigeue Fremdheit ihu von den Aussenstehenden trennt.
Wirkt er als Eiuziger in einem Orie, so offenbart sich ibm
innerlidi diese Einsamkeeit noch starker und verlangt alle
Kraft des Wdlens, sidi in dem eigeuen Beruf zu behaup-
ten, der wirklidi Berufung sein muss, um diese notwen-
dige Starke zu verleihen.
Das wird das Letzte und Entscdeidende sein. Nur als
Berufung kann dieser Beruf sich behaupe.u. Wir haben
hier fast aussdiliceslidi Bedenken, Sdnwienrgkeiten und Ge-
rahren aufgezdhlt Linuberwindlida oind sie nicht, aber so
sichtbar und uahnend, dass sie wie uns weuigslens
scheini dem Maun, der sein Leben dU solice Arbeit setzl,
alle seine Tage hindurch die Idee seines Amtes als person-
liches Problem vor die Augen zwingen. Es wird sein Werk
aicit libmen, sondern tiefer und ernster machen. Dean
schlielich ,besitzt er eins, ,as heutigen Tages fast ver-
schwanden ist: er dart uud soll n,ein gauzes Leben eiussetzen
mit der Arbeit, der er sidc 0ou fnuher Jugend an hinge-
geben hat, Wenn diese Zeilen za Ciisar Seligmauns 70. Ge-
burtstage nedergesdirieben sind, so geschieht es, weil wir
in ibm einen Mann seen. der diese Einheit zwisdien Leben
und Arbeit zu innerlidier Vollenduiig gebradi hat. So
konnte ibm das Arbeiten zu-m Werk werden, sum Lebens-
werk, dem er seine Seele eingehaucht hat.


Freindengesetzgebung in der Thora
\ oi, Rabbi nnr 1)r. Joseph Norden (Elberfeld)
Scharfe Be.stimmungen erlisst die Thora Uber die Be-
handlung der Bewohner Palgslinas bei der Eroberung des
Landes durch die Israeliten. Die sittlicd entarteten Kanaani-
ter, vor deren verworfenen Handlungen so eindringlicd ge-
warnt wird, swollen hunter keinen Umstanden jm Lande ge-
d.uldel werden; sie aind ausnahmslos des Landes zu ver-
weisen. ,,Du sollst mit ihnen und mit ihren Gbttern kein
Buondnis sihliessen. Sie sollen nicht in deinem Lande wohnen,
sie konnlen didi sonst zur Stinde gegen mihd verleiten, weuu
du ibren G6ttern dienst, so wird dir dies zum Failstrick
werden."'i Uind an anderer Slelle: ,.Wenn ihr den Jordan
uberscireitet in das Land Kanaan, so solit ihr alle Bewoh-
nmer des Landes vor euch austreiben und alle ihre Gitzen-
bilder vernichteu: alle bhre Gusshilder sollt ihr vernicdleu
und alle ihre Opferbdheu zeistiren.'-) Das sind scharle Be-
-timmunrgen, die die Thora getrotlen hat, amn da- heilige Land
von dem Gdtzendienst mil allen da-mjt verbundeuen Greuel-
taten grdindltid zu saubern.3)
So scdarf die-e Verordaungen aber auch sind: sie be-
zlehen sidi ausdiliesslich aul die ZeiL der Eroberung Pa-
Idatinas. In sdiarfrtem Gegensatz zu ihnen stehen die Vor-
,diriften iiber diejenigen Niichtjuden, die sich dann spiter
Iru heiligen Lande niedc lassen, und von denen nidit etwa
lerlangt wird. dass sie zum Judentum iibertreten, sondern
uur, dass sie der 6ufentlhdien Gotzenanbetung entsagen und
-,idi im tibrigen den Vorsdiriften allgemein mensdilidier Ge-
sittungo untenrerfen. Es sind das jene Vorsdiriften, *die
im nadibbLischen Shirifttum als ,,Die sieben Vor -
schriften fur die Nachkommen Noahs" be-
ekhinet werden. nimlich. Verbot des Gdtzendienstes, der
Blutsdiande, des Mordes, der Gotteslislerung. des Raubes
und der Tierqualerei, sowie Befolgung des Staatsgesetzes.
Frem.de, die sich durch Befolgung dieser
o rsch r.i ten als w i rdig erw eisen, in ein em
Kulturstaat zu leben. sind den Einheimi-
schen vollkommen gleichgestellt und ge-
niessen alle Rechte. die den Einheimischen
zustehen. ,.O Gemeindel eine Satzung gelte fuir eudi
-I 2 B Moe- 23. 32 (
4l B. M 1. 5, 51 i
B1 Das Budi Jo-ua bterlhletl reilidi. lIns die Bectimniungen nur tel.
-.eise zur AUtiUUhrung gelangi sund.








und fir den tbei euchi weilenden Fremdling; als ewige
Satzung gelte es fur eure Geschlechter: wie ihr, so soil der
Fremdling vor dem Ewigen sein. Eine Lehre und ein
Recht gelle fur eucd und ftir den Fremdling. der bei
Luch weilt.'4 Und dasselbe an einer andern Stelle: .,E in
Redit gelte fir euhd: der Fremdling soil wi.e der Eimhei-
misdie sein; denn ich bin der Ew.ige, euer Gott."l)
Aus dieser Gleichstellung des Fremden mit dem Ein-
heiinsdien ergibt sich. dass das Redht d0s Fremden in
keiner Weise verktirzt werden arf. ,,Den Fremrdling soilst
lu nicht bedrucken: ilir w istset docd, w.ie es dem Fremdling
/U Mute i.-t. denn Frrmndlinge waret ihr imi Lande Aegyp-
ten.'"0 ..WVenn sich ein Fremdling bei dir aulhalt in eurem
Lande. so sollt ihr ihn nidit bedriicken.'') .,Du sollst das
Credit eines Fremdlings oJer einer XV.IsC nidcht bcugen und
sollst las Kleid einer Witwe nidit pfinden."l i. Eine
feierliche Verwunschluno g i ,rd gegen den
ausgestoss.en. der sich gegen diese Vor-
.chriften ergeht: .,Verfluch t sei, der das
Rechi eines Fremdl.ings, einer Waise oder
einer Wit we beugt: und das ganze Volk
spr oche: ,.A me n."1') .,Du sullst den armen und bediirf-
tigen Tageldhner nidht hedrucken, mag er zu deinen Briidern
geharen oder zu deinen Fremdlingen, d.ie -.ich in deinem
Lande in deinen Toren aruhalten. Am selben Tage soilst du
ibm seinen Lohn ge.beu, ehc die Sonne untergeht, denn er
ist arm .und triigt danadc seir Verlangen; auf dass er nidit
deinetwegen zur Ewigen rufe und an dir eine Siinde
hatee."') Aucd in das \elbot. tlem arinen Sdiuldner Zinsen
abzutehmen. wird ider Frem.dling einbegriffen: ,,Wenn deiu
Bruder vcrarmt und seine Hand bei dir sinkt, so soilst du
ihn aufredit halted, audi den Fremdling und Beisass, dl.iss
er neben dir leben kann. Du sollst nidht Zins unld W\udce
uon ihni iehmen. sondern sollst diih fdirchten vor deinein
Gott. dons d-in Bruder neben dir leben kann.""L
Doch nicht gen.ug, dass dem Fremdling
ke.in iUnrecht geschehen darf, dass jede
Hirte. jede Bedriickung, jede Uebervor-
teilung ihm gegentiber genau so strong
v e ot en ist wie gegeniaber dem Einhei-
mischcn: geht die Thora i either und v e-
langt. den Fremdling jnit Liebe und FUir-
or r 7 ii u ni g b I.' i Goai ist der Be ihiitzer aller wirt-
,.diarfldi Schwachen.... .. er Iiebt den Fremdling. dass
er ibm Brot und Kleidung gibt. Ihr sollt den Fremdling
lieben: denn Frendl.inge %arel ilir in Lande Aegypten.'"'I
lnd an anderer Stelle: ..Wie der Einheimische hunter eauh
,'oll r-idi der Fremdlind i sein. der bei eudch weilt. und Idu
,ollst ihn lieben wie dic -elbst, dean Fremdlinge waret ihr
im Lande Aegypten: idc biln i.er Ewige. euer Gott."'") E..
ist hodhst bedauerlidh, dass das wunderbare Gebol der
Frendeuliebe \on manhder diristlihien Se;te missdeutet
wird. dass man seine Grbsse herabziidrticken sucht durdi
die Behauptung. die Fremidenliebe sei nur zi denjenigen
Fremden geboten. die sidi zum Judentuni bekannt haben
Da3,s diese Behauptung widersinn;g ist. zeigt I e r man n
Co hen durdi den Hinweis auf die Berrundu.n;. ilie der
Gesetzgeber seiner Vorschrift beifihgt: ..Denn Fremdlinge
waret ihr im Lande A\eg pten." .,\Waren". fragt Cohen. ..el-
wa audi die Israeliten Proseiyten heim Isisdienst? Oder
warren sie nur aussatzige Fremdlinge ulnd absoluter Ab-
stheu der .\egypter?"") An diese lieblose Bewertung und
die laranu, entspringende lieblose Behandlung sollten die
Jiilen deIke n; dann wtirden sie es sidherlidi niemals hunter.
i 4., I M i'. 15 r
[ I M 24 22
"I B M I 2. 8
BI RB M 19. 3'-
'i 3 1 Mf 24, I:
lo 27 1 )
'" isla 24 14 r
SI 3 B. M 25.*3' I1
1:1 5. B N 10. 18 I
'' B m I, 4..
'I leroinani Cohelicn Jjuilsdaic Sdrtier.. Balid I. S 179.


lassen, den Fremden, der seinen Wohnsitz in ihrer Mitte
genommen, als gleidiwertigen Mensdien zu betradilen und
zu behandeln.
Aus dem allgemeinen Gebot der Freindenliebe ergeben
'ich dana die einzelnen Vorsdiriften, die dem Fremdling
gegeniber zu beaihteu sind. E r soll A n s p r it c h
ihaben aut saimtliche Wohlfahrtseinrich-
tu agent i. n Fallen der Bedurftigkeit soil es keinen Unter-
.chied geben zwi-sdien Einheimisdien und Fremden. Der
Fremd.- soil semen Anteil erhalten in der Zehntenabgabe
firi die Armen: ..Nadu Ablaiul von drei Jabren sollst du den
ganzen Zehnten \ou deinem Ertrage in jenem Jahr heraus-
geben und in deinen loreu niederlegen. Dann soil der
Lewit kommen, leun ei hat dodi keinen Land-Anteul nodi
Erbbesitz bei dir. und der Fremdling, die Waise und die
Witwe, die in deinen Toren sind. und sollen essen und salt
werden. auf dass der Ewige, dein Golt. didi segne, bei
allem Tun, dos deine Hand verriditet.'"") Xiermal wird in
der Thora daas Gebot eingeschdarl, die Nacilese auf dem
Feld utd im Weinbeig den wirtsdiafttich Shdwachen zu
uberlnssen. und jedesmal wird zu diesen audi der Fremd-
ling gezahbit "
Audi sonst Gnden wir die Gleichstellung des Fremden
mit dem Einheimisdien. So bei der Einricht-ung der Zu-
fluhdtsstadte. die im alten Israel fir diejenigen zum Aufent-
balt dienten, die unvorsatzlidi einen Mensdien getolet bat-
ten und in jenen Stdtedn Sdcutz vor dem Blutrdcher Fan-
den. ..Fdr die Kinder Israel und fdir den Fremdling und
den Be.isaseu in ihrer Mitte sollen diese sedis Sildte als
Zufludit dienen."' Dass der Fremde ail der Sabbatruhe tell
hattR, ist aus dem Zehnbebot alllgenimin Lbkannt Es wirdl
.unch an anderer Stelle hervorgehoben: ..Sedis Tage sollst
lii deine Arbeiten veridite.n, am siebenten Tage aber sollst
dli feiern, damit ruhe dein Ocds und dein Esel und damit
inmnial aUfalmine der Soho leii er Mag.l und rdei Freinidliig."'')
\ber nidit nur das: audh an der Freude der Festiage soil
der Fremde seinen Anted haben,"' und auch bei andern
freudigen Anlissen soil er hinzugezogen werden, so bei der
Darbrinugung der Erstlingsrruhdte.""i
Der Grosszugigkeit und Weitherzigkeit,
die aus diesen Geboten der Fremdenliebe
zu uI ns spreechen. kin nenu w i r u nsere a uf-
ric h t ig e Bew u nd run g u i e h t vers a gen. Und
u nsere Be wunde ai n erhh t sich noch bei
dam Gedan k en d nra n. dass aile diese Be-
sti n m u n gn .sch b on in g r au e r Vor z eit getrof-
fen warden sind. wahrend heutigeu Tages
in den \erschiedensten L ndern die an-
Sas rigen Fremden liber so manche Benach-
teiligung u nI Zuru ekset z ng Klage zu
u h r en h a be Angesicits der edlen Humanitat, die
ins aus den Vorsdchrften uber die Lieabe zum Frendling
entgegenweht. mus- uns der alte Streit der Phiollogen
ladierlidi und kleinlidi aninuten, der Streit dartuber, ob .in
dem Sat, ..Liebe deinen Nidisten wiie didh sellst" das Wort
rea', der Ndchste, nir den Volksgenenus bedeutet, oder ob
audi andere Krei.e nit einbegriff-n sind. Es hot sogar den
.\A sdiein.al ob ao n ler betreffenden Stelle~ I nidit ganz ailge-
mean der Nlituenscdi genmeint ist. soudern der Volksgenosse.
Denn in denuselben Satz heisst es vorher: .,Du sollst didi nicht
ridden und sollst nidit naditragen den Kindern deinea Vol-
ku-": und zwei Sdt/e vorher wird gesagt: .,Du sollst nidit
alc Veticumder onmhergehen winter deinen Volksgenossen.'')
Von den Bezichtingeni rum Fremden ist dort eben nodi
gar keine Rede Dann aber. wenige Satze spiter. treten in
Erganziing der vorangegangenen Satze die Bestimmungen
I'i I 1 M II rl
1" N M o10. 1, F.. ilu 23. 22. .aIs 2 h. 5 B. M. 21. 19-22
1 N i l M 0i
1 2 MNI. 23. 12.
"I 5. B M Il. 11. it.' ih. 14
I t ln I I
Bi B NI 19. I-
1"I dIns. V. 16







iiber den Fremden auf. Jetzt wird in einer Form, die jedes
Missverstiindnis von vornherein ausschliesst, die Forderung
der Liebe ganz ausdriicklich auf den Fremdling ausgedehnt.
Zu dem Gebot der Liebe zum Nahesteh.en-
den tritt des Gebot der Liebe zum Fern-
stehendea : ,,Wie der Einheimische hunter eudi soil euch
der Fremdling sein, der bei euch weilt; du sollst ihn lieben
wie dich selbst."23)
Nun finden wir in der Thora ,allerdings einige wenige
Stellen, die beim ersten Anblidk mit dean Gebot der Frem-
denliebe im Widerspruch zu stehen sdAeinen; diese Stellen
bediirfen daher unbedingt der Aufklirung. Es handelt sich
da rum drei Stellen, an denen ganz offensihitlich ein Unter-
sdcied gemadit wird zwischen Juden und Nichtjuden. Die
eine Stelle handelt von'dem Verbot des Zinsnehmens; dieses
Verbot soil nur dem Juden gegeniiber gelten. Die zweite
Stelle spricht von dem Gebot fir den Gliiubiger, dem
zahlungsunfihigen Sdhuldner im siebenten Jahr, dem Erlass-
jahr, die Schuld zu erlassen; auch diese Vorsichift soil nur auf
den jiidisdcen Schuldner Anwendung finden. Endlich soll
das Gebot, dem Sklaven nach secsjiihriger Dienstzeit oder,
wenn vor Ablauf der sedis Jahre ein Jobeljahr eintritt,
sdion in diesem Jahr die Freiheit zu schenken, nur auf den
jiidischen Sklaven Anwendung finden.
Was die beiden ersten Vorschriften anlangt, so erklart
sich alles auf einfachste Weise, wenn wir niur genau auf
den Text der Thora achten. Die Thora unterschei-
det namlich zwei Arte.n von Fremden: den
gir und den nochri. Ein g r ist in der Thora ein
Fremder, der sidc im heiligein Lande niedergelassen hat
und wie schon oben bemerkt sich zwar nicht zum
Judentum bekennt, wohl aber sich den noachidischen Ge-
boten unterworfen hat; es ist der Il a n d s f r e de. Der
nochri dagegen ist ein Fremder, der sich nur voriiber-
gehend im Lande Israel aufhilt aus beruflichen oder irgend
welchen anderen Griinden; es ist der A us landsfr e md e,
der, well er nicdt die Absicht hat, dauernden Wohnsitz im
heiligen Lande zu nehmen, auch nicht daran denkt, sich
den Landesgesetzen zu unterwerfen.24) Von dem ger, dem
Inlandsfremden, haben wir gesehen, dass ihm keine Zin-
sen fiir geliehenes Geld oder geliehene Nahrungsmittel ab-
genommen werden diirfen. Anders verhiilt es sicd mit dem
nochri, dem Auslandsfremden. In bezug auf ihn wird gesagt:
,,Du sollst von deinem Bruder keine Zinsen nehmen, weder
fiir Geld, noch fiir Nahrungsmittel, nod fiir irgend etwas,
das man auf Zins leihen kann. Von dem Auslander (nochri)
darfst du Zinsen nehmen, von deinem Bruder aber darfst
du keine Zinsen nehmen."25) Es liegt auf der Hand, dass
hier von einer Benachteiligung des Nidctjuden auch nicht
im entferntesten die Rede sein kann. Wi ll man wirk-
lich im Ernst verlangen, dass die Thora
die Verginstigung des Zinsverbots auch
aul Angeh6rige fremder Linder hitte aus-
dehnen stolen? Das konnte doch nur dann
g;eschehen, wenn bei anderen V6lkern das
gleiche Zinsverbot herrschte, wenn es auch
dort untersagt war, irgend einem Schuld-
ner Zinsen abzuverlangen; das war aber nicht
der Fall. Es ist also ganz selbstverstindlidi, dass diese Vor-
schrift nur denen zu gute kommen konnte, die sich selbst
an sie gebunden fiihlten, also den Juden und den gerimn,
den Inlands[remden, niemals aber den nochrim, den Aus-
laadsfremden, die nicht im Traum daran dadcten, nun auch
ihrerseits einem Juden Geld oder Geldeswert ohne Zinsver-
giitung zu leihen.
Genau so verhilt es sich mit dem Erlassen der Schul-
den. Dariber lesen wir: ,,Nadc Ablauf von sieben Jahren
sollst du einen Erlass stattfinden lassen. Und so verhilt es
"3s das. V. 14.
's) a. hieruber die lihdtvollen AusfUhrungen in Mich a e G u t l-
man n. Das judentum und seine Umwelt, besonders S. 20 r. und 5. 43 ff.
5) 5. B. M. 23. 20 f.


sidc mit dem Erlass: Jeder Glituhiger soil das Darlehen,
das er seinem Niihsten gegeben hat, erlassea. Er soil seinen
Niahsten and Bruder nicht mahnen, denn man hat einen
Erlass ausg'erufen dem Ewigen zu Ehren. Den Auslinder
(nochri) darfst du mahnen; was du aber von deinem Bru-
der zu fordern hast, soil deine Hand erlassen."2") Es ver-
steht sich doc.h ganz von selbst, dass diese
humane Vorschrift nur auf diejenigen aus-
gedehnt warden konnte, die sich ihren
Schuldnern gege.ntiiber zu gleicher Riick-
sichtnahme verpflichtet fiihiten. Es wdre
ja geradezu hirnverbrannt, wolte das Ge-
setz den Juden vorschreiben, ihren nicht-
jiidischen Schuldnern die Schuld zu s:trei-
chen, wahrend die Nichtjuden i-hrerseits
ihre Ausist nde bei ihren jiidischen'SchIld-
nern'riicksichtslos eintreiben kbnnten.
Nicht ganz so klar liegen idie Dinge bei demn biblischen
Gebot der Sklavenentlassung na& sechs Jahren, bezw. bei
Eintritt des Jobeljahres. Hier namlich wind zwischen In-
landsfremden und Auslandsfreamden kein Untersdcied ge-
madit; vielmehr gilt die Pflidct der Freilassung ausschliess-
lich jiidischen Sklaven gegeniibdr. ,,Sklaven und Sklavin-
nen, die dir gehdren von den V6lkern, die rings um euch
wohnen von ihnen diirft ihr Sklaven und Sklavinnen
kaufen. Auch von den Kindern der Beisassen, die sidi bei
eucd aufhalten, diirft ihr welche kaufen, and von ihrer Fa-
milie, die sich bei euch befindet, .die sie in eurem Lande ge-
zeugt haben; die diirft ihr aum Besitz haben. Und ihr diirft
sie vererben auf eure Kinder nach each, dass sie .sie als
Eigentum besitzen, and diirft sie so dauernd zu Sklaven
haben. Aber iiber eure Briider, die Kinder Israel da
sollst du nicht, einer iiber den andern, mit Hiirte herr-
scden."27) Hier wird also gestattet, Nichtjuden, nicht nur
Auslandsfremde, sondern *acud Inlandsfremde als Sklaven
zu besitzen ohne die Verpfichtung, sie nach besimminter Zeit
freizugeben, wihrend umgekehrt dem ger, dem Inlands-
fremden, die Verpfliditung obliegt, den jiidisdcen Sklaven
-zu der vom Gesetz vorge-cnirebenen Frist ziehen zu las-
sen. Der im Hause eines Inlandsfremden dienende jiidischie
Sklave soil, so wird gefordert, ,,im Jobeljahr frei aus-
-g4ten. er and seine Kinder mit iihm." ,,Denn," so fiigt die
Schrift hinzu, ,,mir geharei die Kinder Israel als Knechte,
meine Knechte sind sie, der ich sie herausgefiihrt habe -aus
dem Lande Aegypten."28) So wird hier allerdings ein
Unterschied gemadht zwischen Juden und Nichtjuden: In
jiidiischen Kreisen sollte eine dauernde Sklaverei nidct ge-
duldet werden. Gegen das Halten fremder Sklaven iir un-
begrenzte Zeit schritt das Gesetz nidit ein, wohl darum,
we il es in jenen alten Zeiten ausg es chlossen
gewesen wire, die Sklaverei mit Stumpf
und Stiel auszurotten. Daraus der ,Bibel
einen Vorwurf zu machen, ist dochwahr-
lich nicht berechtigt, wenn wir bedenken,
wie viele Jahrhunderte spifter die Skla-
verei bei den' verschiedensten Volkern
noch eine glatte Selbastver.stindlichkeit
war, wenn wir.u. a. an die blutigen Kiimpfe
denken, die in Amerika noch im vorigen
Jahrhundert um die Abschaffung der' Skla-
verei au sgefochten wurden, bis endlidc i. J. 1865
das Reprisentantenhaus in Washington mit einer Mehrheit
von iiber zwei Drittel Stimmen die allgemeine Absdhaffung
der Sklaverei beschloss.
Den Vorwurf der Inhumanitat werden wir der Bibel
aber um so weniger machen, wenn wir ins Auge fassen, was
das Schrifttum iiber die B e h a ndlung der Sklaven aus-
sagt. Kann es etwas Humaneres geben als die biblische Be-
4I Jdas I. 1--3
"'; 3. B. M 25, 44--66.
"I das V. 54 f







stimmung: ,,Du sollst einen Sklaven nidit seinem IIcrrt
auslierern, der sidi vor seinem Herrn zu dir gelliictet hat.
Bei dir soll er wohncn in deiner Mitte in dcm Ort, den
er erwiihlen wird in einem deiner Tore, wo es ihm gefiillt;
du sollst ihn nicht bedriidken"?29)' Wenn sdion der unbe-
kannte Sklave, der dern Juden nidits geleistet hat, in so ein-
dringlidier Weise der Giite und Sdionung anempfolilen
Swird: um wie viel nehr wird d.em Sklaven gegeniiber
Mensdhlichkeit geboten sein, der im Hause des Juden seine
Arbeit verrichtet.30) Man halte einmal dem gegeniiber die
:.entsetzlichen Grausamkeiten, die die amerikanisdie Schrift-
stellerin Harriet Beecher-Stowe in ihrem Werke
,,Onkel Toms Hiitte" (crschienen 1852) aufgededct hat, die
entsetzlidcen Grausamkeiten, mit denen die dcristlidcen
Sklavenhalter in Amerika die ungliickliden Sklaven pei-
nigten: und man wird die Humdnitiit der vor drei Jahrtau-
senden gegebenen biblischen Vorsdiriften nach Gebiihr zu
sdhiitzen wissen.
Jcder, der nicht durch Vorurteile ge-
blendet ist, wird zugeben miissen, dass
die Thora in ihrer Fremdengesetzgebung
eine weitherzige Gesinnung an den Tag
legt, die hiochste Anerkennung verdient.


Haggada und Fortschritt
Von Rabbiner Dr. S. Samuel (Essen)
Wo immer die Halacha, ihrer'Aufgabe gemass, sich den
verwidcelteren und notgehorenen Zustiaden anpassen musste,
war es zweifellos ihre Absihdt, der neuen Lage nach bestem
Wissen und Willen gerecdt zu werden, soweit es irgend
ohne allzuweite Entfernung vom Sdiriftworte hanging. Ob
aber das Neuere immer das Bessere war, blieb fraglich. Oft
sollte das erweiterte Gesetz einer gewissen Laxheit der
Sitten, einem Schwinden alter Glaubwiirdigkeit und Treue
entgegenwirken, oder die Fiktion einer Gesinnung auf-
geben, auf die ein Thoragebot oder -verbot gegriindet war.
Kein Mensch war mit dem Erlischen seiner Aussenstinde
im Erlassjahr mehr gesinniingsmaisig einverstanden; da-
rum setzte Hillel den Prosbul ein. Wenige bequemten
sich zur Schwagerehe aus briiderlichem Geiste; darum nahm
die Ablbsung derart iiberhand, dass man sie zur Regel
machte. Eine Linie der Entwicklung ist auch in der Halacha
zu verfolgen; ob es immer die aufwiirtsfiihrende Linie war,
bedarf von Fall zu Fall der Priifung.
" Anders in der Haggada. Sie hat nidicht neues Rehdt zu
schaffen, das sofort angewandt.werden muss, um sich desto
'schneller wieder abzunutzen. Sie suhdt grade das Ueberzeit-
liche zu erfassen, leuditet mit dem feineren Gefiihl einer
fortgeschritteneren Zeit in ,den alteh Wortlaut un.l die tiefe-
ren Griinde des Gesetzes hinein, und was die Hauptsache
ist: sie ist nicht beschrlinkt auf die eigentlichen Vorschriften
und Satzungen. Ihr Gebiet ist auch der erzahlende, der
prophetisdie und dichterische Teil der Thora, ja der ganzen
heiligen Schrift. Darum erweist sie sich als ein miichtiger
Hebel des F o r ts ch ritts im Judentum. Und dies in drei-
fadier Hinsicht. Sie fiihrt zu feinerem, ii s t he t i s c h e m
Verstiindnis; sie vertieft die e t hi s c h e n Forderungen; sie'
reinigt den G 1 a u b en selbst.
Fiir alles ein paar Beispiele. Es entgeht der Haggada,
d. h. der iilteren Predigt und Schriftauslegung nidit, dass
der Leser iiberall einen inneren Zusammenhang und Fort-
schritt erwartet. Daher das Bestreben der sog. Semidict, d. h.
der Versuch, innerlich begriindete Uebergiinge zwischen vie-
len Schriftabscdnitten zu schaffen, die solche vermissen las-
sen. Die Versuche sind oft recdt abenteuerlich, man mag
bessere an die Stelle .setzen; aber die Idee: a u s Einem
2o9) B. M. 23, 16 f.
8o) Das nur dem jildischen Skinven gerenliber geltende Verhot, ihn
mit HTirte u7 hehnndeln, ift gleidibedentend mit dem Verhot. ihn ilber
d'e sechs Inhre. bew. fiber den Eintrilt des Jnhielihres liinans im
Dirent .7n hehalten. Vfn einer nnderen Hlirfe der Behnndlung kann nand
,lem einfadien Wortsinn schledhterdings keine Rede sein.


G is.t ist cine wahrhaft kiinstlcrisdic. Hierher geihren
die vielfachen Beziehungen, die durch die Wali der glcidien
Ausdriidce zwisdien den entferntesten Bibelstelten uft Uiber-
rasdhend hergestellt werden. Stark gewertet wird die An-
ordnung der Worte und ihre Antithetil; es ist z. B. nidit
das-Gleidie, wenn Isaak den Jakob, oder wenn Balemin
Israel gesegnet sein liisst; denn nur Isaak lasst seine Worte
wirklidi mit Segen ausklingen (I. B. M. 27, 29 gcgeniiber
IV. B. M. 24, 9). Das reiche Zeremoniell, die orienialisdie
Hdflichkeit in Gebirde, Anrede, Gruss und Verkehr, sie
werden herausgehoben und zur Lebensform des neten Men-
schen erhoben. Die Roheit der Spradle wird gcgeeiselt
'(vergl. I. B. M. 27, 31 die Frechheit Esaus); die Dezenr dler
Rede iiber alles gelobt; wird aoch sogar von gewi..en Tie-
ren nur gesagt: dass sie ,,nicht rein" seen! (I. B N.
7, 2). Die Ideen eines Schiller von der Erzichiiiun des
Menschen durch das Schdne zum Guten unsere l-lggada
ist bereits von ihnen erfiillt.
Der Vertiefung der ethishen Forderungen dient diese
jedodi in noch huherem Masse. Audi die Haladia ist ge-
wiss auf Veredlung und Verfeinerung ahgestelll; wir er-
innern nur an Strafzumessung und Strafvollzug. Allein nidlt
immer kann sie gewisse Fesseln der rcligiisen Form ganz
abstreifen und sidi frei entfalten; wortir auf dus Elie- und
Sklavenrecht verwiesen werden mag. Der Haggada aber
gelingt, was der Halahda versagt ist. Ein einziger Ausdruck,
z. B. adam, geniigt ihr, um aus-ihm die grosse Lehre der
Gleichheit aller Menschen vor Gott abzuleiten
(vergl. Sanh. fol. 59a zu III. B. M. 18, 5); ein einziges Suffix
z. B. ,,meine" Knechte sind sie (III. B. M. 25, 42), um die
F r e'i h ei t aller von jeglichem Mensdienjod zu fordern,
zundiist der Kinder Gottes, die dessen Jodi auf sidc neh-
men; der Wedisel in der Aufziihlung etwa der S3ihne Ja-
kobs, um die B r iderlichk eit hervorzuhcben, die kei-
nen Zank um die Rangfolge duldet. (Man hat jiingst in
literarischen Kreisen die gesdimadclose Rundfrage gemadit:
wie erklirt sich das Versagen der 10 Gebote? und Arnold
Zweig hat ein solches im Ueberwiegen der Verbote finden
wollen, die nun pinmal die Menschen zum Uebertreten
reizen.) Wer die Haggada zum Dekalog eingehender
priift, wird bald erkennen, welch' reidie ethisdie Entwidc-
lung sich an jedes seiner Worte kniipft. Mediilta und die
verschiedenen Pesikta-Sammlungen sind ganz davon erfiillt.
Aus dem dritten der Zehnworte leitet die Haggada das sehr
modern anmutende Verbot des Missbraudis eines Amtes
zum eigenen Vorteil ab; geisselt sie die reservation mentalis
beim Schwur, ebenso wie die Heuchelei des FrSmmlers. In
dem vielverkannten zehnten Worte nimmt sie die Verwen-
dung vershdiedener Ausdriidce (diamad und hissawo) zum
Ausgangspunkt einer psyhdologischen Er6rterung, die der
Ethik ganz neue Quellen ersdiliesst. (Siehe Mediilta zu
Jitro. Pesikta rabbati cap. 24).
Letzlihd sei darauf hingewiesen, dass wir den Einfluss
der Haggada zur Liuterung religiiser Vorstellungen gar-.
nidit hoch genug veransdilagen konnen. Bekannt ist die
Deutung des R. Jochanan bar Sakkai zur Parasdia Chuk-
kas (IV. B. M. 19, 1), wo die Herstellung des Siihnewassers
mit der Asdie der roten Kuh ihn darauf fiihrt, dass man bei
geheiligten Brtiuchen dasWie und Warum niicht erhellen kinne,
und sich mit dem Vorhandensein begniigen musse. Diese
Essentialittit ist ganz ins Irrationale gebettet, und immer
wird dieses in der Religion seinen Raum neben dem Ratio-
nalen behaupten. Klarer iiber den Wert der Symbolik kSn-
nen wir Modernen nicht sein, als es die Haggada war. Nicht
die erhobenen H ii n d e M o s es haben den Sieg Israels iiber
Amalek herbeigefiihrt, sondern die auf Gott verwiesenen
Herzen der schon verzagten Streiter; nidit die auf hohen
Stab gesetzte eherne Schlang e, sondern der aiu Gott,
den Helter geriditete Blick hat die vom Gift des Schlan-
genbisses Fiebernden gerettet: besides sind bekannte Aus-
sprilche eines Haggadisten. Die Bildersprache der Bibel, ins-




*rW%- .


besondere die Gerahren der Vermenschlichung Gottcs, aber
audi die Krassheit mandier Wunderberidile wurden you der
Haggada im Sinne des Fortsdiritts bebandelt und ihrer Ge-
fihrlidikeit entkleidet. Zu dem Wunder aller Wunder, der
Hernbkunut Gotles aiid den Sinai behufs Verkiindung des
Zelinworts. bemerkt R. Jose (Mediilta z. St.) in caller Niidi-
ternhcil: nicinals ruhr Elia zum Himmel, nie Gott herb
zum Sinai; denn der Himmel bleibt der Ilimmel Gottes,
wie es im Psalm 115, 16 stebt.
Ilier begegnen wir einer vorwirtsdrdngenden, religidsen
Kilinheit, wie sie unsern Jubilar auszeidhuet; sie ist und
bleibe das Kennzeiden seines Fiihrertums.


Der Liberalismus
und die religiise Zukunfi
Von Claude G. Montefiore (London)
Hat dos Judentum irgendwelchen religiasen Einfluss
in der Well besessen, seit es das Christentum geboren hat?
Einzelne Juden haben einen soldien Einfuss ausgeiibt, wean
audi vielleidit eher mittelbar als unmittelbar. Wir aile
wissen, wie die Juden in der Philosophie, in den Wissen-
sdiurlen, in hebraischer Grammatik und Bibelexegese
ihre Rolle in der religiBsen Gesdcichte Europas gespielt
hnben. Hat aber das Judentum als Canzes. ils selbstindige
Religion \iel oder iberhaupt irgendweldien EinOuss ge-
hnbt? Dies ist nidit leidit zu sagen. Sdion die Existenz un-
seres strengen und' eigenttmlidien Monotheismus mag ihre
Wirkung aur die Entwicklung des Christentums gehabt
baben, wenu auch sehr wenige Christen ihn wahrnahmen,
wenn sogar sehr wenige Christen zugeben wiirden. dass
irgendeine derartige \\ irkiing talsidclich beslanden hat. Der
GCegenstand ist scdwierig und wiirde viel Raum fiir cine
angemessene Erbrternag fordern. Aber selbst wean die
wahre Antwort verneinend sein miisste, selbst wenn das
Judentum als ein Ganzes, als eine selbstindige und beson-
S dere Religion seit Konstanlin geringen oder gar keinen
Einfluss au Europa gehabt hiitte, so miisten wir daram un-
seren Glauben an unsere be.sondere religitse Mission nidit
aurgeben. Wir mussen nidit nolwendig glauben. dass unsere
Aurgabe, soweit es sidi urn die Aussenwelt handelt. vor
nounzehnhundert Jahren zu Ende kam, und dass keine Zu-
kunft religiasen Wirkens vor uns liegt. ,,[hr seid meine
: Zeugen, spricht der Her'". Dies ist die bezeidinendste Lehre
des Judenlums. Der Glaube, dass uns eine noch nicdt ganz
S volleudete religiose Aufgabe oder Mission auferlegt wurde.
Sist eine bezeiciendere jiidiscie Lehre als sogar die Lehre
von der gtillichen Einheit. Von dieser Lehre durchdrun-
gen zu sein ist ein Akt des Glaubens. Sie ist ganz unbeweis-
bar. Es gibt philosophisdce Argumente u[r die Exislenz und
Einheit Cottes. Es gibt keine soldier Argumente zur
Stiitzung der Lehre, dass Juientum und Juden in der au-
kiinftigen Entwicklung der Religion in Europa oder Ame-
rika noch ein Werk zu verrichten haben. Millionen von
Menschen glauben an Einen Gott: nur Juden glauben an die
S.M mission Israel s". Es ist sciledilbin ein Akt des Glau-
bens. ein unbeugsamer Akt des Glaubens. denn Gesdiidcte
und Ansdiein sind, im ganzen genommen, durdicus gegen
uns. Wean wir aber-audi nur wenig fir unseren Glauben
aurzuweisen haben, so wagen wird dodi, zu ihm zu stehen.
Und wenn wir ibn wirklidi nicht behielten, so wiirden viele
Svon .uns nidat linger Juden bleibeu wollen.
Die Welt mag all sein4 aber die zivilisierte Mensdhieit
Sist jng. ,,Tausend Jahre sind in deinen Augen wie eihe
; Wache in der Nacht". Wir slehen zu der Idee der Aulgabe,
die nur nohd titiger oder kraftvoller durcdgefiihrt werden
muss, als es bisher der Fall war. In einem volleren Sinn,
in einer nodi zu offenbarenden Weise muss das Judentum
i eine Universalreligion werden. Wenn es nocd in
Smandien Bezichungen nur eine national Rqligion ist, so
IS..._: o


4 -.
4
halten diejcnigen von uns, welche glauben, dass die Tage
der nationalen Religionen roriber sind, zum Judentmm,
weil wir an seinen wesenhaften Universalismus und an die
universalistisdien Entwicklungen glauben, weldie die Zu-
kunrt fur es bereit hilt.
Niditsdestoweniger muss die Mission nidht auf genau
dieselbe Weise aufgerasst werden, wie von unseren Vor-
rahren. .,Und der Herr wird Kinig sein liber die Erde: an
jenew Tag wird der Herr Einer sein und Sein Name einer".
Weun nun alle Bewohner der Erde Mohammedaner oder
unitariscde Christen warden, wire dann die Prophezeiung
Secharias und die Mission des Judentums eriillt? Und wenn
nicht, warum? Audi hier liegen Fragen, in die idi nidit ein-
treten kann. Viellcidit babe idi damit unserem lieben
Freund Dr. Seligmann das Thema flr einen seiner aus-
gezeichneten Aulsatze gelierert.
Wer kann die Zukunft vorhersagen? Idi stelle mir vor,
dass wir alle in unseren Visioned der Zukunft zurtickhol-
tender sind als unsere Vorfahren in biblisdien und talmu-
disdien Zeiten. Wahrsdieinlida glauben sehr wenige von
uns, dass dereinst alle Menschen Juden oder forblose
,.Theisten" werden. Trotzde.m mag Raum fir jidischen
Einfluss bleiben. Ja nocd mehr, der Umfong .und Zweck un-
serer Zeugensdiaft ist jetzt wie ida behaupten .michte -
niel weiter als der Prophet es erfasst haben kann. Denn
wir haben Stellung zu nehmen ebensosehr gegen Athels-
mus und Pantheismus, wie gegen Irrltmer (als die sie ups
ersdieinen) des orthodoxen Christentums. Oh und inwie-
wreit unsere Nachkomtnen tiitgere Prediger und Missioiire
jUdischer Lebren werden miissen. ist ungewiss. Aber so-
wohl in Religion wie in Moral wird die jiidisdie Lehre an-
gegriffen. und es ist an uns. sie rmit unserem Leben, un-
serer Feder und mit miinddicher Rede au verteidigen. Es
ist nidit der Pentateuch, dessen Vorkiimpfer wir sein
miissen: es ist etwas viel Grasseres. Es ist die Idee -vom
Sittengesetz, die Lebre Goethes, die iir die Moral nidit
weniger wie fiir die Kunst gilt: ,,Und das Gesetz nur kann
uns Freiheit geben". Gott als die Quelle und Biirgsdcaft
der Reditlidikeit: dieser Gott ist es, dem wir zu dienen,
und den wir zu verkUndigen haben: der redhilidie und hei-
lige Goll der Propheten und Psalmen. Unser Glaube muss
sein, dass in den religiisen Giirungen und Wandlungen der
Zukunft Gelegenheiten kommen werden, wo das Judentum
vielen als Leuchtreuer und Halt voranleuditen wird; es
wird Zeiten geben, wo hingebungsvolle Juden lihig sein
werden. die reinen Lehren rhes Judentums zu lehren und
zu verbreiten. Es wird Platz fur dos Judentum da sein, wenn
die Juden beret sind und eifrig dalUr wirken, dass das Juden-
tum ihn einnimmt. Aber damitdas Judentum ihn einnehmen
kann, anissen .die Juden in Europa leben und Europler
sein; oder in Amerika und Amerikaner sein. Ihr Judentum
niss sicd mit den Zeiten ausdehnen und entwickeln: das
Jiudentum der Zukunrt, das in den Personen seiner Anhiin-
ger seine Mission neu ergreifen rund erfillen soil, kann nur
liberals Judenlum sein.
TAus dem engllsdeer; Manaskrlpt von E. A..)

HAusliche Gebete
Von Rechtsa.nwalt Heinricl Stern (Berlin)
Hodiverehrter, lieber Freundl
Wenn Sie diese Uebersdirift lesen, wird ein Ladicln tiber
[hr Gesicht gehen: der alte Forderer prtisentert seine alle
Forderung! Aber seit den unvergesslidcen Stunden, die wir
aui der diesjahrigen Londoner Wellkonrerenz zusammeiver-
leben durrien, steht die Bedeutung des Betens und Beten-
k6nnens nocd eindringlicder als sonst vor unserer Seele,
eine Forderung und Sehnsudit zugleihd. Und gerade die, die
das Unabweisbare des Sidi-Aurschwingens zu dem ewigen
Urgrund allies Seins als ein Gebot und ein GlUid zugleicd
eupfinden, miisscn bekenuen, dass wir liberalen Judqn,

... .. ,'..:V
z. -; ,: ... ..
. . ... .







wenigstens wir doutschen liberalen Juden, die sdibprerisdhe
Krart noch nicht wiedergefunden haben, Gebete zu rormen
lin'unserer Muttersprache, wie es die Meister unseres Gotles-
dienstes in der beiligen Sprache vermoditen. Und idi mine,
gradee der Mann, der fUr die Sederfeier in tausende libe-
Toler Iliiuser unsere IIagada wieder zum Leben erweckte,
wir'd diesen Wunsdc nadi lebendiger hiiuslidier Andudit
nidit our verstchen, sondern er ist aucd dazu berufen, der
Sehirrudit Gestalt zu geben.
Lessen Sie midi et.was ins Einzelne gehenl
Do ist zunildist das Gebet des Kindes, morgens und
abends. Gewiss, wir lessen es des ,,Sdi'iua" spredien, den
$atz des Bekenntnisses; ihn swollen auch die Kleinen nach-
sprechen, die ihn noch nidil versleben, damit sie lcrneu,
sich einzurfgen in die Ketie der Ucberlieferung. Aber, -
selbst wenn sic den Sinn verstchen lernen -, ein Bekennt-
nis ist kein Gebet, des Kind will bitten und dauken, und
haben wir ein solches Gebet des Diikes rUr die Itlglich
ueu erwachende und ein Sdiiitz- und Birtgebet fir die ins
Sdilafdunkel versinkende Kindesseele? Es muss ein jiidl-
sches Beten sein und dodi leicht fasslidi, wie die alien
Morgen- und Abendgcbete unseres deutsdien Volkes. Wo
sind sic?
Dann dos Fnmiliengebet hei Tisch. Neben dem kurzen
Alllagsgebet felt aich das Gebet. welches der Vater am
Freitaganend, am Eingang des Festes nach der gemein-
samen ahlilzei spredien kann. Ein Gehet Ubrigens, das man
auch bei estlicher Gelegenheit unter Erwadisenen spredien
soil. etwa beim Bruderimahl in der Loge. Dos traditionelle
Tischgehel ist viel zu lnng, enthlilt audi mandies, was unser
GemUt nidil anklingen liisst. Sdiuffen Sie dem Vater. dem
Baal-ha-Bajiss den reierlidhen Ausklang round Aufsdiwung
nach gemeinsamem Mahll
Und dann die Feiern der Frenrle and der Traner da-
heim. Was beten wir in der Sukkoh, was beim Channuka-
Lidit, was beim Ausgang des Jam-Kippur, was in der Shdi-
woh und zur Jahrzeit? Nidit jedem, nein den wenigsten
ist es gegeben. selbst die Worte zu firden, die Bricke sind
nach oben. Wo sind die Diditer. die Lehrer juiidisen
Stamms, doss sie uns den "Weg fiibren?
Mit der griSs1le Einrlrik. den mir die nene Verhindnng
mit unsern englisdien Freunden pgerehen hat. ist, dass sie
beten wollen und konnen. War Lily Montagu an jedem
Mor.en in ihrem Heim helen sah und hlirlte emprand. wie
sie Kraft sdilpfte ous den stillen Miinten des Tagesbe-
ginns, do sic sidi in Golt versenkle mit eigenreformten
Worten und durdi die Worte der Psalmen und Propheten.

Aich bei uns gibt es nodi jnnge Mensdicn, nidit nur
Kinier dem Alter nahd. die 711 ott streben, die den Tog
beginnen oder sdiliessen m3idcen mit Geilanken. die aus
dem Alltng fiihren. Wo sind die, die uns die Schdtze hchen
helren. lie so reich in unserer religi6sen Diditnng rnhen?
Wir baben wenig Wissende. nher gar vide Sudiende. die
finden zu lassen Pflidit und Lohn der Fiihrer ware.
Sie sind hent 70 Jnhr alt. Doss idi vor Sie diesel grosse
Anfgahe hinsfelle, soill Ilnen zeigen, wie hoind ich den
Wert Jhrer Pcrs6nlitckeit fiir ins alle cinsdi.itze. zugleidi
aber auch, doss idi Sie fir Jung genig halte, dieses Wer-
kes Herr zu werden. Madifle Cott Thnen die Kraft geben,
zu dem Videln, dos Sie uns gesdienkt hnlen, nodi den
herrlichsten Schilnsstein zu rigen: die dentsdien liberalen
Juden auf dem Fittich des Gebetes hinzuriihren zum
.Ewicnl


Optimismus
Von Margarete Susmann (Frankfurt a. NM.)
Dem verehrlen Meister, der midi vor vielen Jahren
als erster in dos Wissen um jtidische Dinge einfilirte.

Optiniismus ist ein in unscrer Zeit seltsam klingendes,
entlegenes, ein uns fast verwehrtes Wort. Nidit nur doss
die grossen Kat-strophen der letzten Jahrzchnte mit den
Strumen von Leid, die sie liber die Menisden aiisgegossen
haben, es w der Spradie der Mensdiheit rast ausgeldscit
haben es war audi lange rorher sdion durdi dos geistige
Graben von Generationen, das allies Dunkle, Abgrundharte
im Menschendasein aufgewihlt and ans Lidit gezogen
hatte, in seiner eigentlidien Bedeutung entwertel; und das
Wort des grossen Leibniz von der .,besten der Welten" war
zu einem ebrfarditig bestaunten Kuriosum geworden. -
Selbst Nietzsches gewaltiger Salto morale aus dem Nidits
in die schipferische Urlust, mit dem er liber den grdsslen
Pessimisten der modernen Welt hinwegzuspringen strebte,
konnte nicht mehr im eigentlidien Sinne Optimismus
heissen; denn der Boden von dem aus jener Sprung ge-
schah, war keineswegs die beste der Welten war iiber-
haupt nicit eine irgendwie besdaaffene Welf sondern cben
das Nichits jenes bodenlosen Abgrundes, den Sdiopenhauer
unter allem Leben aufgerissen halle, und den zu tiber-
bradten kein menschlidcer Geist je ausgereicht hat.
Und dennoch gibt es eine Form des Optimismus, die
riese ganze furcdibare vom modernen Denken entsdileierte
Nacht des Nidits Uberlebt hat und von alien 'ormen eines
spiien Pessimismus zwar auTs sdiwerste gefibhrdet. aber
nicht grundsdtzlich iiberwunden werden koante. Dieser, der
echte. der wirkliche und radikale Gegner des Pessimismus,
des modernen europfiisdien, wie jedes Pessimismus iiber-
haupt, der keine Antwort der neuen Zeit, keine persbnlidae
Weltanschauung. sondern ein miihtiges liberpersdnlidies
Wissen aus der Friihzeit der Menschbeit war, ist denn auch
von Schopenhauer selbst mit sehr tierem Instinkt, aber auch
mit noci tieferem Missverstehen als soldier erkannt und
ausgesprocden worden. Den Juden, dem jidisdlen Volk als
soldiem hat Schopenhauer ..rudilosen Optimismus" vorge-
worren. Was kann mit diesem cigentiimlidien Wort gemeint
sein? Wusste denn der grosse Philosoph nidits von dem
jiidischen Schicksal? Hatte nicht das jiidisdie Volk mehr
und Furditbareres gelilten als jedes andere? Ist nidat seine
Lebenssitualion selbst. die von ibm erwihblte und von ibm
aur sich genommene Situation das Leid und das Verblciben
im Leid? Hat es nicht allein hunter allen Valkern, die es
umgaben, die Erl6sung im Hier und Jeizt, wie sie aus ibm
selbst hervorirat, abgewiesen und sicd in die reine mensch-
licde Ursitualion des Leides gestellt? Hat es nidit an Stalle
der ins Irdisdie eingekehrten G6ttLidikeit, die den Menschen
die Erde aus der Fremde zur Heimat machete, on der reinen
Transzendenz seines Gottes festgehalten und Seinem Gebot
gemLss jede Darstellung Seiner im irdisdcen Sloff ver-
schmiiht? Hat es so nidit anstelle der gesicherten Vergangen-
heir die ewig offense Zukunft, an Stelle der erfiillten Er-
innerung an ein fir alle dagewesenes Heil die reine, our
durch es selbst zu verwirklichende loffTnung erwiihit? Wie
kann man diesem Volk, das urn seines Gottes willen das
Leiden auf sich genommen hat. durchaus und riir immer
ein Fremdling auF Erden zu bleiben,. Optimismus vor-
werfen?
Und doch hat Sdhopenhauer im Letzten richtig gesehcn,
- richdig gesehen in einer Tiefe, von der er selbst nidits
zu ahnen vermodite. Denn dass er dem jiidisdcen Volk


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diesen Optimismus zum Vorwurf madit, dass er ihn gar
einen ruchlosen nennt, das zeigt, dass -er ihn hunter alle
anderen Optimismen einreihte d. h. fiir ihn: hunter, die dem
Pessimismus gegeniiber weit flacheren, irdischeren und nied-
rigeren Weltansdcauungen. Denn von seiner iiber dem
Abgrund hiingenden, rein. atheistischen Welt aus
konnte er unmiglich diese andere Art des Optimismus be-
greifen. Der letzte ihm zuginglidce Optimismus war der
kontemplative- eines Plato, eines Leibniz, eines Spinoza
und Hegel, in dem eine lidhte Vernunftordnung die Welt
der triiben und verworrenen Wirklihdkeit durdaglinzte;
und dieser Optimismus war fiir ihn mit der Vernunft als
Grundlage der Welt notwendig erlosdien. In dem jiidisdien
Optimismus aber stiess er auf eine solche Gewalt und gar
nidct aufzul6sende. Widerstandskraft des Wirklidcen, es
fehlte ihm zugleidh, um ihn zu verstehen, so ganz der Be-
griff und selbst die Ahnung von seiner Wurzel, dass er ihn
von sid aus folgeridhtig als einen ruchlosen verurteilte. Denn
er being in seiner Betraditung notwendig jenen dem mo-
dernen Denken natiirlidien Fehler, der jede jiidische Le-
benstiusserung entwurzelt und in ihr Gegenteil verkehrt:
er sah- den jiidischen Mensdien und das jiidisdle Leben
ohne Gott. Damit aber zerrinnt alle jiidisdce Wirklichkeit,
wie die Farben und Formen eines Bildes zerrinnen, wenn
man unter ihnen die tragende Leinwand fortzieht. -

Der Frage, was mit dem Wort Optimismus im Zusam-
menhang des jiidischen Daseins gemeint ist, wie der, ob
iiberhaupt Optimismus in irgend -einer Gestalt in einer zer-
riitteten Welt wie der unseren miglidc ist, muss eine an-
dere noch tiefer gelegene 'Frage vorausgehei: Wic ist Op-
timismus iiberhaupt fir sterblidhe Wesen m6glidi? Denn
in der Verglinglichkeit aller Dinge und .unserer selbst, in
der wir uns finden und um die wir wissen, sind wir so un-
l]slidi an das Leid gesdimiedet, cdass der sdclichte deutsche
Sprudi: ,,Id komm, ida weiss nidct woher, Ich geh, ida weiss
nihdt wohin; Mida wundert, dass ida so frhhlidi bin", fiir
alle Menscen und Zeiten giiltig das Wunder ausspridct,
dass Freude unter Wesen unserer Lage und unseres Schick-
sals miglidc ist. Optimismlus aber ist nicht nur die Freude
selbst: er ist die Festsetzung der Freude als des eigent-
lichen Grundgesetzes des mensdilidaen Daseins; er ist Aus-
druck reinen menschlidien Yertrauens zu Welt und Leben.

Und nun spring erst mit ganzer Kraft die Frage auf:
wie konnte gerade der Jude, der zwiefach Heimatlose, der
doppelte Fremdling auf Erden, der gleidasam die Last des
Mensdiensdcicksals in seiner Entscheidung-noda einmal auf
sidA genommen hat wie konnte gerade er zur Freude,
zum Vertrauen zum Leben und zur Welt, zur Festsetzung
des Lebensgrundes als'Freude kommen? Wie konnte er zu
dem alien menschlidien Jubel tibersteigenden Jubel der
Psal'men vom 96sten his zum 100sten, zu .le; Inbiinin-
stigen Freude seiner' Sabbathe und Feste, zu dem Tanz
Davids vor der Bundeslade, den d.ie friihen Chassidim in
ihren Gebeten wiederholen wie konnte er zu dieser Leiden-
sdiaft der Freude, zu diesem Glauben an die Freude im Gesetz
und an das Gesetz in der Freude kommen? Die Antwort ist
einfadi und klar: Diese Haltung kann nur daraus ver-
stindlidi werden, dass die Freude des jiidisdaen Volkes aus
derselben Quelle staanmt, wie seine Entscheidung fiir das
Verbleiben im Leid. Dieselbe Gewissheit, die es .jedes, audi
das hhdiste Bild und Gleidinis Gottes im Irdischen ab-
lehnen and das Warten auf den Messias bis zum Ende der
Zeiten als sein Teil erwahlen less dieselbe, die es die
Erlasung als gesdiehene nidit annehmen, sondern als ihm
selbst im Dunkel seines Daseins SdAritt fiir Schritt zur Ver-


wirklichung iibergebene verstehen less, dieselbe Gewiss-
heit ist die Quelle seiner himmelanbrennenden Freude..
,,Das Volk, das im Finstern wandelt, siehet ein grosses
Lidit." Es selbst lebt im Dunkel, in irdisdier Finsternis,
nidit in ihm: vor ihm, iiber ihm in unendlicder Ferne ist
das grosse Licht. Aber es ist keine blosse Ersdceinung; es
-ist in Beziehung zu ihm; es ruft und leitet; es ist ein Ziel.
Auf dieses Ziel ist jeder Punkt des jiidischen Weges be-
zogen; dies Lidct iibergliinzt jeden Scdritt der dulMen
Wanderung. Die Gebete, -die Sabbathe, die Feste sind nur
ein helleres. Aufflammen der Punkte, auf deren jeden das
ferne, unsichtbare, das mehr als sidatbare Liact fillt. So
entziindet sidi in ihm die ganze lange -Nadat des Weges
diurda alle Generationen hindurda immer wieder neu und
lodert auf in der Flamme unsterblidcer Freude.
Von aussen und airs weiter Ferne ist dieses Leuchten nur
mit -fast blinden Augen zu seen auc wenn es. die
Augen eines grossen Weisen sind. Darum vermodite
Sdiopenhauer die sdalichte Wahrheit nicht zu erkennen: Wenn
wirklida das jiidisdae Volk, wie er es.ihm vorwirft, das
schlechthin optimistisdae Volk ware, so ware das der grisste
uind paradoxeste Triumph seiner Bestimmung iiber scin
Schicksal. Und dem entspricht es, wenn nada dem Tal-
mud ivon dem himmlischen Richter an jeden vor ihm er-
scheineuden Menscden des leidgepriiftesten Volkes die Ent-
sdaeidungsfrage gestellt wird: ,,Hast du gehofft auf das
Heil?" Denn damit ist die Hoffnung selbst zur absoluten
Forderung geworden, in der Hoffnung des jiidisdaen Men-
sdAen liegt seine Bewahrung; das Festhaltenknrinen an der
Hoffnung ist der Priifstein fiir seine Erlisbarkeit.
Damit ist der Optimismus als tiefster Sinn des jiidisdaen
Daseins geheiligt.

Ein Brief
Von Nelly Baer (Frankfurt a. M.)
Lieber Herr Doktor!
Wenn es Menschen gibt, deren Werk man, von ihnen
selbst abstrahiert, gewissermassen anonym wiirdigen kann,
so liegt, glaube ich, im Gegensatz hierzu Ihr Wesentlidaes,
Ihre Stirke darin, dass was Sie sdiaffen, so sehr Ausstrah-
lung Ihrer Pers6nlichkeit ist, dass das Werk nidit denkbar
ist ohne das warme Herlblut, dem es sein Werden verdankt;
deshalb .midite ich hinter all dem, was als Entpers6nlichtes,
Gegenstiindlidies von Ihnen zu sagen ware, iiberall -Sie
selbst sudcen.
Als Sie vor einigen Jahren Ihr 25jiihriges Amtsjubilium
begingen, als nach all den Anspradien Sie' selbst das-Wort
zu einem Riickblick der Dankbarkeit. ergriffen, da. war es
nidit Ihre Gemeinde, waren es nicdt die, die mit Ihnen ar-
beitteten, deer Sie zuerst gedaditen, sondern Ithre Sdiiiler;
denen die ersten Worte galten. Dieser Ihrer eigenen \\We-
tung entspredaend, will idi zuerst von der Schnule reden,
.und da tritt ja audi die Unmittelbarkeit Ihres Wirkens,
Ihrer Wirkung vielmehr am meisten zu Tage. -
Vor einiger Zeit fragte idi Sie einmal, ob sidc der Typ
der Jugend, wie Sie sie durch die Generationen hindurrch,
in beinahe fiinf Jahrzehnten, zu Sciilern gehabt, sehr ge-
lindert habe, ob Sie ida meinte vor allem bei den Mid-
dien nicht da den besten Einblick in die ungeheure Wand-
ling, die dodi vor sidi gegangen ist, gehabt hlitten. Ihre
Antwort war: Nein, eigentlich waren es immer dieselben. -
Idi war zunadist verbliifft. Ida fragte midi, wie das miglich
sei. Und fand nur eine Erkliruing: Das, was Sie diesen ver-
sdaiedenartigen Menschen zu sagen hatten, muss so tief
hunter die Oberflidie gehen, dass es durch allies Zeitlida-Be-
dingte hindurch und allem angeblichen Niedergang zum
Trotz ein Ewiges, Allgemeines beriihrt. Und Sie selbst







miissen so jung and der Zeit aufgeschlossen sein, dass Sie
in jeder Zeit den Schliissel finden zu diesem Zeitlosen.
SWenn ich, um mir dies klarer zu madien, mir Ire -Re-
* ligionsstunden vor Augen fiihren will, ist es sehr
schwer, das Wesentlidce:in \'orte zu fassen. Wir empfanden
sie als anders als alles andere in der Sdiule. Es gab eigent-
lich kein Gebiet des Lebens, das nicht in das Pensum passte.
Wir haben damals sowohl den Trompeter von Sakkingen,
wie. Montesquieu durch Ihre Anregung gelesen, sogar an
Kant wollten wir uns heranwagen. Und fir die, die durch
die Indilferenz des Elternhauses auf die so heiss ersehnte
Einsegnung verzichten 'mussten, waren Ihre Stunden wie
edrte Kronfirnan.e]n5tiiiiist]:-' in denen-man anit allem Er-
griibelten auspacken kointe und-in einem Alter, in dem
man so vieles zu fragen und in Zweifel zu ziehen hate,
sidc nie sdieuen musste, auch das Gewagteste zu fragen.
Erst heute, wenn ich erwadcsene Menschen treffe, die in
seeldsdcer Unklarheit nach Ausspradie suchen, wird mir
bewusst, wie gut wir es batten; wir sind nie von Ihnen mit
einer schablonierten Antwort abgespeist worden. Sie haben
jeden wohl meist auf sidc selbst, auf die eigene Verantwor-
tung zuriidck verwiesen, aber man fiihlte, dass die eigenen
Schwierigkeiten Ihnen nidit fremd waren, und man hatte
.glichid itig das Gefiihl eines Haltes da-in, dass man in
Ihnen trotz des Mutes zur Frage die Harmonie des Lebens
spiirte. Wieweit dies alles in Jiidisches geklaidet war?
W-ie Sie das tatsiichliche Wissen nidit in den Mittelpunkt
des Unterridits stellten, sondern zur selbstverstiindlichen
Vorausse-tung nahmen, so war das jiidische Fiihlen und
Bewusstsein weniger Lernstoff, als .\Aiasphlire. Und diese
Atmosphere bradite es mit sich, dass wir, die wir meist
aus so ganz dem Judentuni entfremdeten Familien kamen,
hiebraidi lernten, jiidisdie Feste hielten, an jiidischen Auf-
gaben mitarbeiteten nidct zeitweise, s.l.rin2e wir unter
Ihrem unmittelbareni Einfluss standen, sondern inzwisdien
in -den eigenen Fumilien, din eigenen Wirkungskreis.
Nidit weniger als lhre Sdiiler empfindet Ihre Gemeinde
hinter Ihren Worteni Ihr eigenstes Wesen. Wenn Sie, zumal
an den hohen Feiertagcn. in der Einleitung zu .einer Pre-
digt eine Welt des Schreckens und der Finsternis, eine
relt der W\ir, il und der qualvollen Frage nach einem
Sinnr zu malen suchen, dann liegt in dem Augenblidc, in
dein Sie Ihr ,,Und dennoch" sagen, in dem ,,Nein, so kann
es nicht sein" das Geheimnis Ihres Wesens offen, Ihr ganzer
O pti mi s mu s, der nicht blind ist allem gegeniiber, was
hiisslidi.ist und schwer; was sicd einean zu leichten Lebens-
bejahen entgegenstellen kinnte, der aber ganz ohne Re-
signation einfach. nicit aindeA kaun, auts innerstem Instinkt,:
als aus der eigenen .setlisdhen Gesundheit heraus froh zu
sein und die Welt froh anzitsehen. Und ich glaube, dies ist
der Schlussel nicdt nanr.zu lbri-' Lebens.Taffasi.un die Sie
die Denker :ller Zeiten, die dle Pe,,;triitimimu- lehrnl. von
dn .spilgricdli-thliiin Philiisoi-p' iln li /u Nietzcsdi, zu;
Schopenhauer, StIi, IJb.'i, und. Ibsen verabscdeuen, alle
\\eltbejaheir iri jiidiscdeni :Iiim lieben liisst,, es-ist audi,
meine ich,_-der Schdiissel au Ihrer igc "ni:-i R:.;:.. ii i tia;it. ist,
S.lleichi F,,rrni wie Inthalt dieserR Ill-'ii ittl Verzeihen Sie,
wenn ichi da zu deuten sudie, wo jedes Deutein lid Tasln
ja.nur zu einer halben Wahrheit fiihren kann. Aber das
ist sider, dass '.dieser Ihr. Optimismus, Ihi Be-th iis.l
dturdi die Iel.i.iisbih liiinil. Quell Ihrer Talkaltt iat.
.Der innere Z. u in ieini.-haiii zwisdien Optimismus, demi
Gla ilb'bel an die /.ukintt ,inl l an die Kraft des eigenen
\\Wllei- a:l I dem Libc..ilimlli,. der aus der- Kial des eige-
ne W\\',llens heraus erstarrte Form 1.e"i-s;itedieben irind
eigen-es Neue aull' -iun kann, braudit hier niidt tlieo etls.li
erorteit zu werden er ist praktisch in Ihnen verkilrpert
Die.sem Zusai 1imen0cLini1 i \crdankt Ihr Gebetbuch sein Wer,-;
den. das Sic vour \we Jahrzehnten schufen und das heute
nidht nur in llirer eigenen Getinei.le benutzt wird, ni-dht
nur in lhrei Spradie, .ondern dessen Verse und Texte dean
entspredhcnden sdiwedischen Kultus zugrundeliegen, dieser


Zusammenhang brachte es mit sich, dass das neue Einheits-
,gebetbucd, das Ihrer geistigen Arbeit sein Werden aber so
sehr audi Ihrer praktisdien Initiative seine Einfubrung
verdankt, sich durchsetzte.
Wenn wir aber die besondere Betonung des W .i I I e s
als typisch fiir Sie ansehen dass Sie ,,Wille zum Juden-
tum" als Formel fiir die Triebkraft des liberalen Juden
aufstellten, gibt dazu noch mehr Bereditigung dann wird
uns noch ein anderer Zusammenhang klar, 'der wohl wich-
tig ist fiir Ihre. inner Entwickl.ung. Durch Ihr Wissen von
der Starke des Willens sind Sie, wohl erst. in der Reife
des Alters, auch zuaeinem Wissen vom Einfluss des Willens
auf jede Entsdieidung, auf jeden Standpunkt der Mensdien
gekommen und haben gelernt, das dadurch Bedingte, nicht
durch Vernunft iu Widerlegende jedes Standpunktes, bei
sidc wie bei anderen, zu sehen. Wie Sie zur Zeit Ihres
Kampfens, zur Richtlinienzeit, sidcerlich unbeschwert durch
solche psychologisdche Erwiigungen, kralt Ihres Willens
sidi durchsetzten, so gibt Ihnen ;die nunmehrige Erkenntnis
von der Bedingtheit der Parteinahme die Fihigkeit, ver-
mitteind zu wirken in den Organisationen, die Kinder
Ihrer Sturm- und Drangzeit sind, zu versihnen zwiscden
den Gegensatzen, Briicken des Verstiindnisses zu bauen und
so selbst vom Erschaffenden zum Erhaltenden zu werden.
Lieber Herr Doktor, ich weiss, dass etwas in Ihnen sich
wehrt gegen Ihre 70 Jahre, .die iussere Tatsache nicht als
Inner-Endgiiltiges hinnehmen will und kann. Und Sie selbst
wissen doch auch am besten, dass das oben Gesagte keine
Wandlung zur Ruhe bedeutet; dass es fiir Sie keine Ruhe
miissiger Ernte gibt, dass immer neue Aufgaben aus den
alten wachsen, weil das Gewordene nie endgiiltig und das
Leben immer miditiger ist, vor allem aber, weil wir, Ihre
Gemeinde, Ihre Gesinnungsgenossen, Ihre Schiler von einst
und jetzt, wir alle Sie brauchen, aus der Erkenntnis dessen,
was Sie in Ihrem Referat auf der Londoner Weltkonferenz
des liberalen Judentums in die Worte kleideten:
,,Ein innerlihd begeisterter Mensch hat nodi immer Be-
geisterung wecken kinnen; allies Grosse in der Gesdichite
der Menschheit ist durcd soldien Enthusiasmus enstanden."
Nelly Bae r.

Aus dem Notizbuch eines Predigers
Von Dr. Eugen Mayer
In vielen Synagogen findet .sich fiber dem Thorascdrein
die Insdcrift: ,,Wisse vor wem du stefist!" Vielleicht sollte
man diese Aufforderung auch auf manchem Predigerpult
anbringen. Zwar sagt das ostjiidisdie Sprichwort: ,,Jeder
bal-darsdian darschenf fir sich", aber im Osten ist der Ab-
stand zwisdien dein ,,Darschai" und seinem ,,Oilom" bei
weitem nicht so gross, wie im Westen zwisdcen dem' Geist-
lidien und seiriem andaditigen Zuhbrer. Gerade weil hier
diese Spanne sidc herausgebildet hat, weil wir nicht de
jure, aber de facto die Scheidung zwisdien Klerus und
Laien zu iibernehmen scheinen, gerade deshalb wird der
Prediiger iiber seine Gemeinde nadidenken miissen, be-
vor er liber seine Predigt nachdenkt; nur dann .wird er
die Gemeinde in jedem Sinn ,,ansprechen".

Gei.steswissensdiaftliche Erkenntnisse erlangen zuweilen
erst dadaurdc allgemeine Glaubwiirdigkeit, dass sie in den
exakten Wissensdliaten eine Parallele findei. Wir wissen
seit einiger Zeit, dass gewisse Gasgebilde gegeniiber den
Molekeln, aus denen sie bestehen, sidc als etwas Neues'
duatie-llen: wir wissen, dass die Zahl 4 nocd etwas andere:
ist, als nur 2X(2 oder 1+3, niimlich eben 4 an und ftir sidi
Die Gruppe ist also zwar an das Substrat ihrei Teile ge-
bunden, aber sie madit sich selbstiindig. Dies ist vielleidit
die kiirzeste Formel fur das alte Begriffspaar: Gesellsdiaft
und Einzelwesen. Was.folgt da.raus fir den Prediger? Er
hat die Gemeinde in der doppeltei Eigenscaft' des Gan-






zen und seiner Teile vor sihd. Er spridit zu der Cemeinde,
aber nur der Einzelne verniimmt ihn. Seine Aurfgbe muss
also sein, durch das Medium des Einzelucn hiudurhd auf'
das Ganze zu wirken. Oder anders: sein Wort soil sidi
wie ein ing um die Einzelnen legen und sie zum Ganzen
formen. Nun kann er aber trotidem, wenigstens in der
grossen Gemeinde, nidht die Individuen als solche visieren.
Es bleibt ibm daher nur die Miiglidikeit, einen Quersdchitt
zu ziehen, der miglidist viele trifft. Hier Liegt die sdiwie-
rigste Aufgabe des Predigers unserer Zeit, und hier ist zu-
gleith zu einem Teil das haiulige Versagen der Predigt be-
grundet. ,,Wem hat er daniit etwas gegeben?" das ist die
Fragel

Die Entwicklungsgesdtichte der jiidischen Predigt weist
nidit entfernt so viele Varianten auf wie die diristlidie.
Diese war immer ein Abbill der jeweiligen Weltepodie,
sie hatte oft genug die Weltgeschichte zu bestimmen:
Kreuzzuge. Reformation. Aber es ist bezeidinend, dass sie
mit Luther wieder zu ihrem ersten Ausgangspunkt, der
von den Juden Ubernommenen Schrifterkiiirung. zuriid-
gekehrt ist. Bei der jfidischen Predigt siud die Stilwand-
lungen weuiger bedeulsam; audi hat sie erst split eine
zentrale Stellung im Gottesdienst erlangt. In manhden
Gemeinden wird nodi jelzt nur zweimal im Jahr gepredigt.

Die Predigt zielt auf ein Doppeltes: auf Erbauung und
Belehrung. Eine Predigt, die nur erbauulih sein will, wird
im allgemneinen heule als wenig erbaulihd enipfunden. Also
muss die Belehrung im Miltelpunkt stehen, und die Er-
bauung mag von selbst kommen, sozusagen als Exsudat.
Aber wie soil die Belehrung besthaffen sein? Kann man
wirklirh wabllos einmal fiber Hillel und das audere Mal
fiber Ghandi predigen? Wo sind die Grenzen der Aktuali-
tiit? In dem Budi ,,Eiue Frau allcin" von Agnes Smedley
steht der Satz: ,,Der Geistlidie .predigte iiber Golt
und den Himmel, von der Erde aber schwieg er". Er snil
nicht von der Erde sdiweigen, aber audi nur mit Adwadhl
von ihr reden. In I. S. A. hielt ein Rabbiner eine I sch-
Hashdanapredigt liber ,.Sdiotar und Sdioffr", und ebenda
veranstaltete ein Baptiscenprediger Bibelvortriige unter dem
Tilel ,,Abende mit den grosseu Athlelen der Bibel"; Unter-
tilel: Simson, der starkste Mann der Welt; Jakob, Cham-
pionriuger: Enodi, Langstreckenliiufcr; David, Diskuswer-
rer usw. Das ist nidit elwa eiue Erfindung unserer Zeit:
der Frankfurter Pfarrer Mosdie (gest. 1791) predigle ,,Ueber
den unausspredhlicden Segen des Kartoffelbaus".
*
,.Weisung fordert man von seinem Mund" (Maleachi 2.7).
Die jhilisdie Gemeinde erwarlet von ibrem Prediger
religitse Weisung in dem ganz bestinimlen Sinu der Be-
lelirung. Sie ist keine Sdiulklasse, aber aucd kein litera-
risdies Krainzdien. kein politisdier Klub. Es gallt eine Zeit-
lang als besonders sdcick, fiber neue Romane und Theater-
stidte, fiber wissensthaftliche und technisdie Errungenschaf-
ten zu predigen unrd von da aus eine BrFide zu den Leb-
ren des Judentums zu sdilagen. Diese Art Aktualiltt mit
Bindestridi ibt mist von Uebel, schon weil sie notwendi-
gerweise zur Ober'niddlichkeit verleitet, im Politisthen
iberdies zur Neutralitiit. Viel niiber liegt es fir den Pre-
diger, von dem zu sprechen, was er wirklith weiss, und
was die Gemeinde meistens nicht weiss: vom Judentuin in
all seinen Ersdicinungsrormen, seiner Gesdicitde, seinemn
Sdirifttum. seinem Sittengesetz, seiner Aufgabe, seinen
Sagen, Gesiddten und Gleichnissen. Wesentlihd ist nur das
Einzelne, mit Allgemeineem ist niemand geholfen. Ohne dos
klcine Eiinmaleins ist keine Inlinitesimalredinung m6glihi
Die Inneuansichl muss stets das Primiire sein, sie muss
Text und Ton angeben. Von da aus mag dann der Blidc
auf die religidsen, sozialen, politisdhen Probleme des Ju-
dentums und der Zeit gericdtet werden.


118
Die Unerschdpfidikeit des Scdrirtworts kUnnte man als
das homilelisdie Wunder bezeidineu, wenn man sicht, wie
der jeweilige Wochenabsdinitt der Thorn gehorsam den
Text lierert fir allies, was in jiUdischen Haus, in der jildi-
sdicn Welt sidi ereignet. Hier liegt zugleidi die grosse
Gerahr der Kasualrede: die Verallgemeinerung statt der
Vereinzelung. Auf der Riickkelir von einer Beerdigung:
.,Nun, wie hat er gesprodcen?" ,,Heft 4, Nummer 7, alte
Frau ohne besondere Keanzeichen." Und was alles muss
der arme Barmizwaknabe, das Liebe Kind, in dieser Stunde
in seine Seele prtigeni
*
Darf die Predigt witzig scin? Von dem grossen Rabbi
Akiba sind Beispiele dufiir iberliercrt. Audi in unserer
Zeil kommt es vor: der Rabbiner einer kicinen suddeut-
sdhen Gemeinde Isein Name ist audi Dr. Seligmaan leuer)
halle gehbri, dass in seiner bis dahin geseizesircuen Ge-
meinde eia sdlwarzes Sdialeiu names Abraham im Holel
zum Engel einwandfrei trefa gegessen hate; worauf in
der niidasten Preiigt en passant auf den Wandel der
Zeiten hingewiesen wurde: in der Vorzeil kamen die
Engel zu Abraham und speisten bei ibm, heute geht
Abraham zum Engel. Die Ortseinwohner haben gerade
diese Predigt nach 50 Jahren noch nicht vergessen.

Der Rabbiner einer mittleren Gemeinde hat im Jahr
etwa 40 gottesdiensllidie Ansprachen und 50 Kasualreden
zu hallen, ohne die Reden in Vereinen und bei Tagungen.
Das madit in 30 Dicnstjahren 2700 Predigten. Wenn jede
Predigt nur drei eigene Cedanken enthallen soil, so er-
gehen sidi 8100 Gedanken. So viel bhben simllidce Phi-
losophen der Weltgesdudite nidit aufgebracht. Ceterum
censeo: Schriftwort. Quellen und alles was dazu gehirt.

Die Kanzel ist nur aus praktisdien Griinden erhtiat; sie
kann sdion deshialb nidit als Zwisdiensture zu .,,liheren
Splairen" betraditet werden, weil bei diesem Ausdruck dos
Eigenschartswort cine moralisdie und nidct etwa eine rluni-
lithe Dimension darstellt.

Von alien Prediglen zieht die Moralpredigt am wenig-
sten. Trotzdem die sdainste aller Prediglen steht in
einem englisdien Sinnsprudh aus dem IS. Jahrhundert:
.,lr we do well here, we shall do well there,
I can tell you no more if I preach a whole year."


Im Vorstand des W eltterbandes /fr liberates Judentanm (19261
nit Claude G. AMoniepore and The Hon. Laty Alon tag






119

Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands


Neuwahl der Gemeindevertretung.
Auf Grund des R 2O der Gemeliudciei lasung und der
13 und 41 del Wahlurduung gebcii wir bekauut. dass tin-
nerhalb tier zulidssigel Flist uur eiu \\abliuosdilag eijige-
reidit wordenu ib. Die iu diesem W\'lvouidhlag bezetdineten
Persoieu gelLen ouue ouruaime eiuer ubahihudlunu al.
gewiiblh.
Die Gemcindeverlrelung bestebt demnadi fir die Zeit
von 1. Jduuar 1931 bis 31. December 1935 aus folgeudeu
Persuoen:
I. Dr. Richard Merzbach, Reditsanwall.
2. Nap ltal Fromm, Kuulinauu.
3. J Iu us Si u on, Iteditsau\n alt.
4. 1-iuu Stefauie Forchheimer, geb. Fialla,
Elherau.
5. Dr. LEduard Strauss, Chemiker.
6. 1 elii x M e y e r, Kaulmauu.
7. Dr. I udul Geiger, Iechlsauwall.
8. Ilugou lechl, Kdulauuu.
9. Dr. Julius Man kiewi z, Bankier.
10. 11 ei rich Rot hschi Id, kdutuloi n.
11. I rau Flora G u geb. Plaul, thelrau.
12. Dr. Arthur Hoseubluat, lteditsauwalt.
13. I ugo 1ess, Mleizgeimeister.
14. Dr. A i c el Gru e b u u m, Redjtsanwalt.
13. 'rau Lulu uloch-Neustud Lhelrau.
lb. J d k ob Lob Go ite in. kIulioiun.
17. e r d i u a a d St i e e 1, Kaul aiiii.
18. Dr. Ludw g Sc hubeL r ltedilsanwalt.
19. 1 rau J u h a u a B a e r, geb. L rmwer, EL-efrau
20. J c u b D r u g e r, Kutulouuu.
21. Dr. Max l ai uze r, Arzt.
22. ai eg u au d Le v i a lelzgermeister.
23. K a r Adle r. Kaulmaun.
24. Dr. Paul Arn ber g, Referendar.
2>. Albert Coh n, Kaufmann.
26. Dr. Ernst Freimanin, Arzt.
27. Ur. Arthur G ull i ner, tudienrat.
28. eiu rich Gerli c Kaulujauu.
29. Ui. I' runz oil 1, lIedikteur.
30. Samu el ol f Quadra t. Knufmanu.
31. Dr. II u go iI of f I' a it i, IHedt-,aLn ait.
32. Abraham iRoseuwasser, koulmaniJ.
3.. is L ie s e K ali Glasermueister.
34. Frau Else K at z, geb. Strauss, Lbelrau.
33. Alex Jacobsohu bn. Kaulfaimu.
36. Dr. 1 e i u e r M a y e r, liedltsanwalt.
Zu Lrsatzleuleu siud gewihblt:
1. tur i'ir. 1, 4, 5, 7, 9. 11, 13, 15, 17, 19. 21, 23, 25. 27,
29. 31, 33, 33 und 36 der Hauptliste.
1. Dr. Georg K I e i n, Arzl.
2. i i c Ii rd 3c r o t t e it I I I. Kaulmann
3. Albert Le v y Mh ob r, Kaurmatn.
4. F rit z St c k el in a che i, B.ia kprokurisl.
5. Dr. Al fred t r u s, Z hiin rzlt.
o. \ g ii s t La u il s Le r g, Kualmann.
7. Ot t o Frit z Au er b a c ,. Buukprokurist.
8. Dr. P a u I IH a h a, lieditsainwalt
9. 1- r i z M u iI z e r. KilX n IIIn,,nnI.
10. Dr. Fri iz Oppenhei e r. Reditannwalt.
II. I rau O lga Co li. geb. Jull&, ElielraI.
12. Dr. Na I a n IRose n t a Iteditsuniialt.
13. Dr. NM a x Sa lo o at u. Sliulieirat.
14. ller bert Josep lt, Dipl.-Ing.
I I' e I i .)' c I a in ) e r g. Kniial inannii
16. Dr. Selmar Spier, Reditsainwult.
17. I r i t z N a Lt a iI. Ilegiei uniisbj.u sister.
I N f Il n n S n r e t z k i. O eliei k iiror.
19. Frau Dora Edi ige r, geb. Mever, Eliefraii.
2J.jo. u epu 11 a a s e, ,Aputhlliker.
21. Dr. 11 igo Ster I editlrnwalt.
22. W e rner o c li ei iner, Itelerendar.
23. Ar r As I be i m e r, Kanul niniiii.
und zsar Nr. 9. 14. lb. 21. 22 unid 23 soueit sie nicht hereits
als Soider-Ersatzvertreter (s. u. I1--\ zu ordentlichen Ge-
ineinalevertrctern aiifgerTidt sein sullIen..
UI. Ftir Nr. 13 der llaiiptlisle
F r i I z M i n i e r. Kaiiimiann
.inl solaniii lie uuter 1 Nr. I-8 .und 10-23 geoannten
Erinazvertreeir.
III. Fair Nr. 23 uinl 36 der IIaniptli;te
I. Dr. Sel mar Spier. Redilsonwalt.
2 Dr" II1 in n Ster n. Reditsaiiwalt
und sodann die unter I Nr. 1-15, 17-20, 22-23 ge-
nanteun trsat~lscrtreter.


IV. Fiir Nr. 31 und 35 der Ilanptliste
1. We rner o ch e i m e r. Referendar
2. A r I u r A s h e ii e r, Kaiulnidil
und sodadi die unter 1 Nr. 1-21 geuiauten Ersatz-
N i tireer.
1. 1-ur I\r. 33 der Hauptlisle
II c r e r Joseph, Dipl.-Ing.
unJ suolaun die uuter 1 Nr. 1-13, 15-23 genanuten
Lis l e\li Lreler.
VI. I' or jr. 2, o. u1. 14. IS, 22, 26. 30, 34 der Hauplliste:
1. J u I i u W e r e r, Kuululaiin
2. Dr. J use 1' r u k, lieditlsaio alt
3. ua i d Rosenwal d, Diiekor
4. Leo NI. Goldscl1mn id 1. Kaduliann
5. J ose Kli b uns k y, Ileditsiiwalt
6. LC i d i in K I d au sue r Kaulmanu
7. A I lb e r I D a % i Kauuliian
8. I rl ID leu in Pose n, Aerztin
9. u a i I i L e %i g a r d, b iul
10. h il im Jakob Iotheube rg, Kaufmann
11. Ca r I W ei 1, Kaulmaun
12. A do If Dor Izau au, Kaufmann
und zi \ar Nr. b. 7, t und 10 su\ieil sie nidit bcreits als
Sunder-Li-trutvertreter (s. a. \ 1-11.) zu ordetulidiei
Gc.eniic deteriie eru aulgeridikt seiu soliten.
VII. l'ur Nr. 22 der lia uptlisie
A I be rt Da vi d, Kufmainn
und sodLa.ni die uuler \1 Nr. 1-6, 8-12 genannten
Lisaittiectreter.
V1iI. l'ur Nr. 30 der Haoupliste:
I. C haim K I a usn e r, Kaurniann
2. Chaim Jakob iHolheuberg, Kaufmann
und sodaiiii die .unter VI Nr. 1-5. 7-9, II und 12 ge-
ndollmUlc Lis'lt Lrcl r r.
IX. I'ur Nr. 34 (I er Ilaupiliste:
Frl. Dr. HI e u y -' ose n, Aerztin
.und sudjiia die uuter VI Nr. 1-7 uud 9-12 genannten
Eis tzverlreter.
X. I ur Nr. 3. ., 12. 16, 20, 24, 2S. 32 der Hauptliste:
1. Be n j a i in K o Ii ih Ka fiaii an
2. S a Ii Ka u ma a nn, Kaufmaun
3 Dr. Karl 1F renkel, Ait
4. Flaiu Lnmilie Darmstlhdter, Ehefrau
5. Adolf I oth ot Kaulmniain
6. Jakob W\odowsky KJufmann
7. Konsul Erich M ok r au e r-, Kaulmann
8. 1-1 a i R1 u d a w, Kaulnian
9. Dr. F ritz illn i er. irtsdiartsberater
und zwar Nr. 8 lediglidi als Ersalt lur Nr. 29 und 32,
ferner Nr. 5 als Ersatz fair Nr. 24 jewels der
llnJpltlisle and sodann die unter X Nr. I-4 uid 6, 7
und 9 geiaunlen Ersatzvertreter.

Kultussteuer der Lohnsleiierpnlichtigen.
Unter Bezu nliahnie auf unsere Bekaniitnmdiiing vom
13 Nlarz 193u tGemeindeblatt Nr. vomrn April 1930) madden \ ir
.Jarauf aurueirksam. 'lass driejenigeu Lolinsituerpniditigen,
..lie einEi loi -n SteI erzel tel erhalten haben. die Kiultis-
steuer fur ilas z we it e Hali j a r binnen einer \ odie,
r\m 15. No emil.er 193u ab n die auf demn Steuerzettel le-
zeidinete Sladisdle Steuerkasse zu entriditen batten Bei
Einzahlunm durdi die Post i-t die Hehebuchnummer on/u-
gcl>en. Be, niduit frisntemasser Zabluog cntstehen im Bei-
troilrungs, erfabren Kosten.
Fraukfurt a. N, 30. November 1930.
Vorsland der Israelitisdien Gemeinde.

Anmeldung von Trannogen.
Jede Trauung Luu,s, weun sie vuu einem Gemeinde-
rablliner vollzogen werden soil, minldetens z wei
\ochen vor dem Termin im Gemeindebtiro,
Fuhrgas-e 146. Zimmer 37, unter Vorleguing der standes-
amilidien Papiere und unter Angabe der Zeit uud des
Ories der Feier augemeldet werden.

Anmeldong von Barmizwa-Knnben.
Die Anmeliluig fur den bdrinizr a-L.nterridit geschieht
far die Gemeindesyingagoeu im Gemeinde b ro. F hr-
gace 146. Zlmnier 37. Die Anmelulung soil mindes bens
fun I l on a e vor der eier erfulgen: bei geringen \or-
kenniinisen ist ihre Aumeldung sdron 6 hlonate vorher
rJt'-m.
Fur die Sy nagoge Un erl indau ist lediglid dlie
Inan-prutiinahme des Ilerrn Cemeinderabbiners auf dem
Gemeandeburo auzumelden.


.I







Bekanntmachungen des Friedhofsamtes.
MeJdung von Sterbeffillcn.
Bei vorkommenden Sterbef ii llen ist umgehende Be-
nadiriditigung des Fr ie d hof samt e s (Feruspr. Zeppelin
Saumelnummer 52041) erforderlidi. Soweit die behdrdlldien
Formalitaten (iirztlidh ausgefiillter 'lodessdein, Anmeldung
beim zustaiidigen Polizeirevier und Standesamt )nidit von
den llinterbliebenen erledigt werden kdnnen, wird dies auf
Wunsdi vom Friedhofsamt besorgt. Die Vorlage dieser Do-
kumente ist Vorbedingung fiir die Festsetzung der Be-
erdiguug.
Friedhofsgiirtnerei.
Das kriedhofsamt der Israelitischen Gemeinde ist durdh
die mit alien neuzeitlidaen Anlagen ausgestattete Fried-
hofsgirtnerei in der Lage, siimtlidie vorkommenden g t rt -
Snerischen Arbeiten auf den Friedhafen der Ge-
meinde auszufiihren. Es iibernimmt die Neubepflan-
zu- g der Grabstiitten mit Efeu, Sedum, Immergriin
und Blumen, sowie deren dauernde und jahrweise
P fI e g e. Fadimihnnisdae Beratung und Kostenberechnungen
werden gebiihrenfrei durdi die i'riedhofsgiirtnerei, Edcen-
heimer Landstr. 238 (Fernspr. Zeppelin 52041 und 52042)
oder durdi das Gemeindebliro, Fahrgasse 14b, Ziinmer 37,
(Fernspr. Ilansa 27544) zur Verfiigung gestellL
Die Gemeindemitglieder werden gebeten, sidA bei Bedarf
an Topfpflanzen und Schnittblumen der auf den
Friedhofen befindlidien Verkaufsstellen zu bedienen. Nifhere
Auskunft erteilen die Pfortner. Mit Riicksicht auf das Ver-
kaufsverbot am Sonntar werden die Friedhofshesudier re-
beten, ihre Blumenbestellungen bis sphitestens Freitag nadh-
mittag in der Friedhofsgirtnerei aufzugeben.
Auf dem neuen Friedhof an der Ecken-
heimer Landstrasse werden laut Gemeinde-
beschluss alle glirtnerischen Arbeiten in
eigener Regie des Friedhofsamts der Ge-
meinde ausgefiihrt
Nagelung der Sarge auf dem Friedhof.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Gemeindemitglieder,
dass nach einem Besdiluss der Beerdigungsbriiderschaften
vom 8. November d. J. die Nlgel nidct mehr unter die Teil-
nehmer an der Beerdigung verteilt werden, sondern dass
das Nagein der Strge ausnahmslos von den Mitgliedern der
bciden Briidersdiaften vorgenommen wird.
Gesangskriifte gesucht.
Fiir den liberalen Filialgottesdienst im Philartbropin
werden zu den kommenden holien Feiertagen musika:isch
gelildete Damen und Herren gesudit. Meldungen an den
Chorleiter, Herrn Kapellmeister Mor. Meier, S6mmering-
strasso 10 I. crbeten.
Sprechstnnden der Gemeinderabblaer.
Rabbiner Dr. 11 off fu a n n, Borneplatz 1b,
Fernspr. llansa 22024, 15-10 Uhr
Rabbiner Dr. 11 o r o v it z, Stauferstr. 30,
Fernspr. Maingau 77 963, 15-16 Uhr (auller Mitt-
wodi)
Rabbiner Dr. L a z a r s, Cronberger Str. 30,
Fernspr. Maingau 79 482, 15-16 Uhr
Rabbiner Dr. Sal z b e r ge r, Esdiersheiiner Landstr. 67,
Fernspr. Zeppelin 56 920, 16-17 Uhr.
Rabbiner Dr. b e i g m an n Friedridistr. 29,
Fernspr. Maingau 71 124, 17-18 Uhr.
Andere SpredicLiten k6nnen telephonisdi vereinbart werden.
Gemeindebibliolhek (Bornestrafle 54).
Biidierausleihe: Montag bis Donnerstag 12-13, 16-17 Uhr,
Freitag 12-13 uad Sonntag 9-10 Uhr.
Lesezeiten: Dienstag und Donnerstag 19-21 Uhr, Samstag
und Sonntag 10.30-13, Sumstag 15.30-18 Uhr.
Die Gemeindemitglieder werden gebeten, von den reidien
und vielseitigen Bestainden der Bibliothek; vor allem auf
dem Gebiet der neuesten populirwissensdiaftlidien und
Unterlilltungsliteratur, regen Gebrauic zu machen. Auda
Biicerspenden sind erwiinuldt.
Museum jiid. Altertiimer, Fahrgasse 146.
Gesellsdaitt zur Erlorsdiung jiid. Kunsidenkmiiler E. V.
Besuchszeiten: Sonntags vorm. 10-1 Uhr und Werk-
tags nachm. 3-4 Uhr.
Die Kultabteilung des Museums jiidisdier Alter-
tiumer ist villig neu aufgestellt und durdi eine Reihe neuer
Gegenstinde erweitert. Die neue Ausstellung kann nunmehr
besiditigt werden. Fir groflere Gruppen, Vereine und Sdiu-
len empriehlt sidc die Besiditigung m6glidist auflerhalb der
offiziellen Oeffnungszeiten nadh vorheriger telephonischer
oder persinlidier Anmeldung.


Eine Anzahl Postkarten mit Abbildungen von besonders
interessanten Stiicken im Museum sind jetzt neu herausge-
kommen und beim Pfortner zum Verkauf ausgelegt. Preis
fiir I Karte 10 Pfg., fir die Serie mit b Karten 50 Pfg.
Zuwendungen,
Der Bibliothek wurden Biicherspenden von den
Herren Dr. Eduard Baerwald, Dr. Ernst Blau, Dr. Arnold
Lazarus, Dr. Eugen Mayer und Regierungsbaumeister Fritz
Nathan i berwiesen.
Herr Karl Bendit stiftete sieben silberne T ifel-
chen fiir die Westendsynagoge.


Sdcluss der amtlidzen Anzeigen.


An die Leser
In Jeder Nummer des Gemeindeblatts sind viele
leistungsfthige Firmen mit Anzeigen ihrer Erzeug-
nisse verzeichnet. Unsere Gemeindemitglieder bitten
wir, das Gemeindeblatt dadurch zu tordern, dal sie
bei Einkftien, bel Vergebung von Arbelten und der-
gleichen unsere Inserenten beriicksichtigen und hier-
bel auf die Anzeigen In unserem Blatt Bezug nehmen.

S Aus der Gemeindevertrctung I

Sitzungsbericht von Biirodirektor I. Meye.r.
Sitzung vom 12. November 1930.
In Anwesenheit von 4 Mitgliedern des Vorstands und
25 Mitgliedern der Gemeindevertretung eriffnete der Vor-
sitzende, Herr Dr. Richard Merzbach, die Sitzung.
Er gedenkt zuntiicst des verstorbenen Beerdigungskom-
iiissars, Herrn Saly Ad er, welcher der Gemeinde viele
Jahre in. aufopferuder Weise gedient und seinen verant-
wortungsvollen Dienst mit besonderem Takt versehen habe.
Die Gemeindevertretung werde das Andenken dieses be-
wtlhrten Beamten in Ehren halten.
Ferner gedenkt der Vorsitzende des heimgegangenen
Mitglieds und zeitweiligen Vorsitzenden des Vorstands der
Hauptsynagoge, Herrn Samu el Freudenberger. Er
hebt die Verdienste hervor, weldie sich der Verstorbene um
die Gemeinde in langjihriger ehrenamtlicher Tiitigkeit er-
worben hat und wiirdigt die Achtung gebietende Pers6nlich-
keit des Heimgegangenen, der sich weit Uiber Frankfurt
hinaus grosser Beliebtheit erfreute. Die Gemeindevertre-
tung werde seiner nicht vergessen.
Die Anwesendcn hatten sidi zu Ehren der Dahingesdhie-
denen von iliren Sitzen erhoben.
Es wird nunmehr in die Beratung der vorliegenden Vor-
lagen eingetreten.
Die Wahl von Ersatzmitgliedern in den Gemeinde-
v o r s t a n d wird vertagt. Mit der Priifung der vorgelegten
Jahresrechnung fiir 1928/29, sowie der Kranken-
ha u s rechnung fiir 1929/30 werden die Herren Albert
Cohen und Felix Meyer betraut. Von dem Bericht des G e-
fiungnisseelsorgers fiir die Zeit vom 1. April bis
30. September wird Kenntnis genommen. Die infolge der
neu geschaffenen Krankenhausordnung notwendig gewordene
Neuwahl desKrankenhauspflegamts wird vertagt.
Es sind eine Anzahl von Widmungen und S p e n de n zu ver-
zeidinen: von den Herren Julius Blodh und Emil Carl
Oppenheimer gemeinschaftlich ein gerahnites Relief von
Borne, von Frau Justizrat Kallmann eine kiinstlerisch aus-
gefiihrte Gliickwunschadresse an Rabbiner Leopold Stein,
von Herrn Willy Hess durch Vermittlung des Herrn Rabbi-
ners, Dr. Lazarus Autogramme von Cr6mieux, Berthold
Auerbach und Dr. Gustav Karpeles, von Herrn Julius Gold-
schmidt eine Pultdecke fiir die Synagoge am Birneplatz.
Der Vorsitzende spridct den Stiftern den Dank der Ge-
meindevertretung aus.
Eine Vorlage betr. die Angleidiung des in der Gemeinde-
verfassung vorgesehenen Wa hla lte r s, an das Wahlalter
fiir die Wahlen zum Preussischen Landesverband wird der
Verfassungskommission zur Vorberatung iiberwiesen. Eine
Eingabe des MUdchenklubs betr. die Erh6hung der
fiir das laufende Jahr bewilligten Subvention wird nach
kurzer Debatte, in welder grundsaitzlich zum Ausdrudk
kommt, dass iiber die etatmiissig fur die Unterstitzung der
Jugendorganisationen bewilligten Betrage in diesem Jahr
nidct hinausgegangen werden k6nne, zur nochmaligen Be-
ratung der Verteilungskommission iiberwiesen. Eine liingere
Aussprache verursachte die Interpellation des Herrn
Dr. Frenkel namens der Fraktion der jiidischen Volks-
partei, weldce den Vorstand darauf aufmerksani macht, dass
-die Preise gewisser rituelter Lebensmittel wie
Fleisch, Gefliigel, Mildh, Pessadiwaren, stark tiberhiaht sind







und den Haushalt der rituell lebenden Gemeindemitglieder
doppelt schwer belasten. Die Fraktion halt es fiir mnglich,
namentlich den Preis fiir rituell geschlachtetes Fleisdi er-
heblidi zu senken und fragt, was der Vorstand in dieser
Sache zu tun gedenkt. Herr Dr. Frenkel begriindet die In-
terpellation und west darauf hin, dass es dringend erfor-
derlidi ist, die Monopolpreise der unter Ritualaufsicht
stehenden Betriebe mit allen Mitteln zu driicken, nachdem
sidc diese freiwillig zu einem fiihlbaren Preisabbau bisher
nichdt verstehen konnten. Gemaindevertreter Le vit a er-
lMutert hierzu die Sdlwierigkciten bei der rituellcn Fleisch-
versorgung namentlich dann, wenn geschlachtete Tiere in
grosserem Masse trefo werden und versichert, dass ein
Preisabbau in dem rituellen Metzgergewcrbe so bald als
irgend m6glich kommen werde. Namens des Vorstands er-
klirt sihd Herr Willy M a i nz zur sofortigen Beantwortung
der Interpellation bereit. Die Angelegenheit sei -seit einer
Reihe von Jahren sowohl im. Vorstand als auch in der Ri-
tualkommission Gegenstand eingeheinder Beratungen, fisher
mit negative Erfolg. Die Aufsiditsmetzger hlitten zwar die
Verpfidctung iibernommen, fiir Kosdchrflaisch keine h6heren
Preise als die Innungspreise zu nehmen und diese Verpflidi-
tung audi eingehalten. Sie seien jedoch im Gegensatz zu
ihren iibrigen Fachkollegen nicht unter die von der Innung
vorgeschriebenen Maximalpreise heruntergegangen. Es were
seit langem erwogen, wie diesem Zustand abzuhelfen sei.
Bed den Pessacdwaren sei ein Preisabbau besonders schwie-
rig, weil hier zwei Firmen fiir ganz Deutschland die Preise
bestimmten und es bisher verstanden hit'ten, ihre Monopol-
stellung auszuniitzen. Vorstand und Ritualkommission seien
bemiiht, eine L6sung dieser Fragen zu erzielen. Nachdem
Herr Emil Carl Oppenheimer vom Gemeindevor-
stand noch den.Standpunkt der rituell gefiihrten Anstalten,
besonders des Krankenhauses der Gemeinde dahingehend,
priizisiert hatte, dass das Krankenhauspflegamt kiinftig zur
Selbsthilfe schreiten werde, wenn sidi die in Frage stehen-
den Lieferanten nicht zu weitgehenden Preisermissigungen
bereit finden wiirden, wird auf Antrag des Herrn R e c h t s-
Sn w alt Simon zur Priifung dieser Angelegenheit eine
gemiscdte Kommission mitdem Rechte der Zuwahl von
Sadiverstiandigen und Intefessenten eingesetzt und der Vor-
stand gebeten, seine Delegierten ia diese Kommission zu
entsenden.
Hieran schloss sich eine ni c h t 6 f fe n t I i c h e Sit z u n g.


| Aussprache.


Die Preise ritueller Lebensmittel.
Es ist bekannt geworden, dass in der letzten Sitzung der
Gemeindevertretung (vgl. auch den Sitzungsberidht
in dieser Nummer. Sdiriftl) iiber .die Preise der rituellen
Lebensmittel verhandelt wurde. In weiten Kreisen der
rituell lebeiden Gemeindemitglieder herrsdit seit langem
Erregung iiber die Preispolitik, die auf diesem'Gebiet von
einigen Monopolfirmen getrieben wird. Der von der Ge-
mdinde eingesetzten Kommission kann nur empfohlen wer-
den, einmal eine statistische Erhebung dariiber zu
veranstalten, wie sich die Preise der Aufsiditsfirmea zu
denen der nichtjiidisdcen Firmen verhalten. Einsender
dieses hat z. B. festgestellt, dass in einem Aufsiditsgesdciift
das Pfund Pbkelfleisch mit RM 4.40 und' das Pfund gesalzene
Zunge mit RM 6.40 beredinet'wird, wihrend die entspre-
chenden Preise in einem erstklassigen niditjiidischen
Gesdilift RM 2.80 fur das P6kelfleisdc und RM. 4.80 fir die
Zunge betragen. Bei derartigen Preisunterschieden darf man
sich in heutiger Zeit nicht, wundern, wenn der eine oder
andere Fam.ilienvater sicd beim Bezug seiner Waren nicht
mehr auf Aufsichtsgeschifte besdrainken kann. Auch ist be-
kannt, dass -man in der ntheren Umgebung Frankfurts in
Orten mit durchaus zuverldissiger Schechita prima Ochsen-
fleisch fir 0.90 das Pfund beziehen kann, wiihrend es liier
RM 1.30 kostet. Ebenso krass liegen die Dinge auf dem Ge-
biet der Pessachwaren, wo das Monopol .nodi viel
stlrker in die Ersdceinung tritt.
Ware es nidit mSglich, durdih irgendeine Organisation
iach Art der K o ns um v e e d n e diesen unhaltbaren Zu-
standen ein Ende zu machen? Wenn eine solche Organisation
Sgrossziigig und fiir ganz Deutschland aufgebaut wiirde,
dann wire zugleidi audi mancher tiichtige z. Zt. stellenlose
Kaufmann unterzubringhn. Die Fiihrer des konservativen
J~udentums haben alles Interesse daran, dieser Frage ihre
ernsteste Aufmerksamkeil zu widmen and anstelle jahre-
langer Verhandlungen einmal energisch durchzugreifen.
Ein Familienvater.


Aus den Gemeinden


Deutschland.
Berlin. Da der Anregung angesidits der Not der Zeit und
der ungeheuren Mittel, die der Wahlkainpf versdilingt, die
Wahlen fiir die Repriisentantenversammlung und den
,,Preussisdien Landesverband Jiidischer Gemeinden" zu ver-
sdcieben, nicht stattgegeben wurde, finden die Wahlen nun
doch statt. Die Konferenz des lnitiativkommitees der
,,Jewish Agency", weldche am 18. XI. in Berlin statt-
fand, war von Mitgliedern aus alien Teilen des Reiclies,
sowie von zahlreidien Gisten besucht. Unter dem Vor-
sitz von Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn hielt der Reichsvor-
stand der ,,Hauptstelle fiir jiidische Wander-
f ii rsor g e" und -der ,,Vereinigten Zentrale fiir jiidisdie
Arbeitsnachweise" am 16. XI. seine diesjiihrige Tagung ab.
Die von der ,,Jungjiidischen Friedensgemeinschaft" unter
dem Namen- ,,Hillel-Sdiule" begriindete ,,Schul e d es
Fried ens" will zur Verwirklidrung des prophetischen
Friedensideals beitragen. Sie wurde kiirzlidc durch eine
kleine Feier er6ffnet. Die Ausstellung ,,Kun s t u n d
Form", bei deren Eroffnung Professor Dr. Paul Tillidi-
Frankfurt a. M. einen Vortrag tiber die Beziehungen
zwischen religiasem Erleben und kiinstlerischem Gestalten
hielt, enthalt auch eine Anzahl moderner jiidisdier Kult-
gerite. Mit einem Nadiruf auf den kiirzlidi verstorbenen
Professor Dr. Eduard Baneth eroffnete Dr. Chanoch
Albedc, der Vorsitzende des Dozentenkollegiums der ,,Hadi-
sdcule fiir die Wissenschaft des Judentums" das neue Se-
mester. In seiner Anspradhe betonte Dr. Albeck, ddas lie
ausserordentliche Zunahme der HSrer augenblicklidi 140 -
das so notwendige Zusammenarbeiten von Ddzentcii und
H6rer stark beeintraditige. Kiirzlich wurde das Olga
Stern-Haus des Jiidisdien Frauenbundes, eine von
Director J. Stern zum Andenken an seine verstorbene Gat-
-tin-- zu ihren Lebzeiten eine bekannte Sozia!arheite.in
und Wohltaterin in feierlicher Weise eingeweiht. In
einer vom ,,Deutsdcen Bund zum Schutze der abendluin-
dischen Kultur" einberufenen, von etwa 5000 Personen be-
suchten Versammlung sprach gegen den B o 1 s c hw i s-
mus nach Vertretern christlicher Konfessionen Rabbiner
Dr. Rosenthal-K1ln. Seine Ausfiihrungen eruteten grossen
Beifail; Am 28. X. hiitte Hugo P r e u ss, der vor 5 Jah-
ren verstorbene Schipfer der Verfassung des Deutschen
Reihdes, seinen 70. Geburtstag begehen k6nnen. Aus An-
lass des 60. Geburtstages Jacob Rosenheims, des
Prisidenten der Weltorganisation ,,Agudas Jisroel", veran-
staltete .die Berliner Ortsgruppe der Aguda eine Feier, in
deren Mittelpunkt ein Vortag von Dr. Maximilian Landau


KAISERSTRASSE 27
Ecke Neue Mainzerstrasse.






fiber ,,Jacob Rosenheim und sein Werk" stand. Im Alter
von 67 Jiliren ver.laili Dr Joa n nnes Stanjek, der
I-erausgeber der ..litleilungen des Vereins zur Abwehr des
Aniisemilikinus". Ilni. einem .ler besten Kenner des Anti-
semitismus uin. seiner Liiniatur, verJanken wir die Auf-
ileckung ties Shwindels der .,Weisen yon Zion". Staatsrat
J d c o ) T i t e I. der \ orsite'nde des ..Verbandes russischer
Juclen in Deuitlisdan '. ei.rer der gris-len Wohltiter seiner
inrnlge niic~tefln, /u einenm gutei feile audi in europiischen
lHduptstadlien im Elend leienden Glaubensgenossen, vol-
lendeii e am 13 XI. se-in S Lebensjrhr; aus diesel Aniass
wiirdlen dcm hodi verdieneln Manne zahlreiche Ehrungen
aidi sejten, weiter Krci'ei des deuntdienr JudleAtuins zutei].
- .\Am 24l.Xi w.iII- der bekanite Journalist Dr. Isidor
K Iau, a n. ilr fruhere Leiter des poliuLiten Teils im ,,Ber-
liiier i-Taebltll". 9o Jalire ali. Im Alter von 73 Jahren
r-rstarb der .\liplilolog- uncd Hisloriker Professor Dr.
Mar ilt Sc i a e r. Er war NMilitliid ties Sdiulvorstandes
tier Jdilihten C;trn-ielinie urn, erwarb sidi audi auf dem Ge-
hlete dIt' judl.sdien \\ohlalhrirtweseiis hervorragende Ver-
ilien.te. Der %or enirien Tagen verstorbene Redchtan-
wilt Dr. .\r 1l r \V o I f gall als anerkannte Autoritiit
atdf iern cGeiebiie des rlihealerwesens und des Urheber-
redites. DIe Pianitliu A lice Jacob-Loevenson
h"lt il NI emlber in \ielen stirdle;itdien, franzdsisdien und
Sdiwcizet- Siiltlen Vortriige uber judiiche Musik. .Die
G e nIi I i d a Ieali I e n in Badunr und Mecklenburg, sowie
lie W\ail'n lum Danie'iger Volk-tag zeigen ein noch weite-
t.-. Steigen deI nationailozialitisdien Welle. An der
tlinnrit-rlu Berlin landen nalionalso/ialistische Demonstra-
tIlneltaltt. obel)l einige ilische Stulenten misshandelt wur-
den In Sommereilneister )-31i) studierten an den reichs-
Ic utschen Ho chschu len 132.(190 Personen; 4.972, also
3.7":, iwren Jiiden Breslau. Die Bestrebungen der Par-
teifubrer. bei den W\ahlen zir Reprasentantenversamm-
lung und iiiin ,,Pi ouijsidit-en Lanlesverband Jiidischer Ge-
mcinden" sidi nuf eine gemoins.ame Liste zu einigen, sind


von Erfolg gekriint worden. Tm Aller von 85 Johren ver-
starb Salomon Wiener (Valer von Frau Rabbiner
Horovitz in Frankfurt a. M ). jahrzelinlelnng Gemeinlevnr-
,teher und Magistratsmitglied in Kattowitz, eiie fihrende
Persbnlidikeit im nstileutsdien Jiideniim Caub. Bei
antisemitisdien Aussdireitliiagen des Salihllelms %,urdeu
(lie judisdien Besiiter des Hotel Grunwald gesdiddigl: cine
Tochter starb infolge der \Aiiiegungen. Dresden. In der
letzten Sitzung der Reprlisenlanitenversamimliiung der jiidi-
schen Gemeindie wurtle die Kultusiteier fur las Jahr 1930
auf 133'%` der Reidiseinkonmmenstener 1929 [eslgesetzt. -
Frankfurt a. M. Unter dem Vorsitz von Jistizrat Dr. Julius
Blau lagte am 26. XI. die Bezi kskonlrrcenit der ..J ew is-h
Agency fiir Deulsdilaud". Nadi e.iinehicnden Referaten
von Direktor Oscar Wiassei maun-Beriin und Dr. Adolf
Frielcmaiin-.Liibterdam iwurde besdilossei. trotz der sdhwe-
ren Enttiiischun-. weldie die Erklruiig tier englischen
Regierung uber ihre /iikun[tipe Politik in Pulisiina alien
Palistinafreundeu bereilet lal. die Aibeit unbeirrt und nitf
verstirkter Energie [ortzituetzen. Aul Vorschlag von Dr.
Franz Wolf wurde ein Be/airksausd.Iuss der Jewish Agency
fiir Siid' und Westdeutschland gegrindet, mit dessen Lei-
tung Justizrat Blau betraut wurde. Die Land- und Amts-
richt. rin Fra-u Dr. Hedwig Brann wurde zur Land- und
AmtsgeriditsrEtin ernannt. Sie ist die erste Jiidin, welche in
Deutschland einen etatmiissigen Richterposten bekleidet. -
Hannover. Im Verban-dstage des ,,Pieussischen Landesver-
bands jiidischer Gemeindei" wird der Wahlkreis Hannover-
Schleswig-Holstein von 2 Liberalen, 2 Konservativen und 2
Volksparteilern vertreten sein. -- Jena. In Anwesenheit des
thiiringischen Unterrichtsministers Dr Frick und des Flih-
rers der deutschen Nationalsozialisten, Adolf Hitler, hielt
der Rasseforscher Dr. Hans Giinther an der Universital
seine Antrittsvorlesung tiber ,,Zusammenhang und Entwick-
lung der in Deutschland vertretenen Rassen." Karlsruhe.
Unter dem Vorsitz von Dr. Jacob Marx hielt der Landes-
verband Baden des ,,Centralvereins deutscher Staatsbiirger


Kanal- u. Wasserbau-Gesellschaft%


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sorgt fOr Instandhaltung der Kanal- und Wasser-


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Der FrunklurlerKanlor
SAMMLUNG der traditionellen Frankfurter synagogalen Oesinge
von FABIAN OGUTSCH, weil Oberkanior der Synag,,ne am BIrne-
platz zu Frankfurt a M. Geordnet und einmeleitet von J. B Levy
Herausegegeben vom Vorstand der Israelitis( hen G(meinde Frankfurt-M
Prets RM. 20.-
Das vorliegende Werk ist nicht nur bedeutsam filr die in Frankfurt
tihigen Vorbeter, es ist lIU die tEforchung-und wisenscalaftlche
Durrhdringung dies slddeutschen ,.Ch.snnus von bleibendem Wert,
em Denkzeichen, das den Nanmen seines Sch6plers weitertrigt und
ihm Ewig.eit verleiht.
Zu beziehen durch die Musikalienhandlungen oder direct von
J. Kauffmann Verlag / Frankfurt a. M.

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jidisdien Claubens" eine gutbesudite Tagung ab. Kassel.
L)er VI uuklci KlsdsL'l uiid %' ilbabjdcl \ird .l11U er-
b a n d s id des ,,I-' ieu i-,die l..jnuuc~ el bi ds jddisdier
(GeieiuJeu durdi 1 Lieidi e, 2 IluiisLrjI.nie uud I hill-
gield der Judlsdilcu u\ iksp.Ji al l beiiclIii Ciiil. Wegeu
besdiluipl'uug Uer judisdi-cu lteligiou \iuide der lledakleur
der LeILrnU ilit ,,U r r b rI l III ', der NliiuuisOLU isd
oUl'oifdU6c ierlemdiiu. zu ciner GeldsLiale %un laU Mark
ve uileill. beireuaiuui hilie in euller leilasunmluiig behlup-
tel, dass die Jiuisdieu iei'l uiei nidIikusOdiL'Ius Ie'Icidi ur
dew L erkauul in Luliale \eisiuclneCiia durlen. Koln.
lu die i'itpraieulduien\ rtiiilllliUnL1 der judisilen Genieiude
wuruieu j Libeiule, kuun 'ridinie, 2 \ okspuriLeler und
eiu Augeh6iuger der lliieelpilei geiiabll. alundlcn. Der
vor kurzeru gob'rundie ,%,\eiLiu lur judlisdie Nluseeu" hat
sich zar Auliaue de~ielli, die in Uuoern beindiidieii judi-
sdien &uuskLdlute der \erlianieiUUheiit zu sanmuein und der
: Na.c.eit ~u erijtlen. i Pmuiens. Zum idiluolger des
verszoibeueu beiiuksrabbineis. Ui. Eugeni Ale)er nurde
Rabbitier Dr. ULgobert 1ie'llhaus-Htl-ii.rlbeiy o6ewahli. -
Treunilz. Auf dew judisdien I'ricdbul %,uiden neiidi von
Bubeunljlad zablieiate Grabsteine mit Hlakeinkrvu/.til be-
scimiert und audi das Grabmal des Kaufmaunis Julius ill-
ler, deseieu hodiaerziger Slliung die Stadt liebmitz ibr
Burgerbelm verdankt, besudelt. Diese Tat versciite die Be-
vilkerung in starke Erregung, und die national.l.uZualsliidie
Ortsgruppe sah sich genotigt, eine BelohnunA lur die Er-
greifung der Tiater aulizuseien, wobei sie belouIe., ilas die
,,Natiiuinasoziaiisiidie ArblneCipartei keine Deukiinlaldiai-
der in ihien Heilien dulde." Als Tiiter enipupplenl sidi
3 junge Leute, die zugaben, eingeschriebene Mhlglieler der
Origi uppe 'lrebuilz der NSDAP. zu sein. iirzburg.
Das Galsspiel des hebriiisden T''heaters ,,Habiia'" gub den
- Auass zu nationalsozialistisdcen DemonstraLioacn.
Amerika.
Argentinien. Wie das Biiro der ,,Jewish Colonisation
Association (ICA)" in Paris bekannti gibt, sind die judisdien
Koionien von den Unruhen der SeptemiberrevoluIun \oll-
komumen versdiunt geblieben. lhre materielle Lniwiddlung
adireitet ungeltindert fort. Audi die kulturellen und sozia-
leu Einridiiungen, die Bibliolthikn, WohlIuhrris-, Sporiver-
eiiiiguiigen und dergleidien. \eldie fur das Leben uiid \er-
bleileu in den Kolunien \on grosser Bedeulung sind, neh-
men an Umlang und lnteinsiat der Arbeit loilgcseizt zu.
New Yoik. Line Konlerenz der jiidisdien F a r m e r be-
sdiloss die Grudiiung von Kooporuiven zur Hlebung der
wirtsdial'idien Not. Lin \un elwa 50000L Personen be-
sudites Massenimeeting, bei weldiein u. a. der
bekannie Chicagoer Philanthrop Julius Rosenwald und der
New worker Buigermeibter JauIes \\ulker spiadieu, erhob
Protest gegen das neue Staiement der englitdien Regie-
rung betreIfs ibrer Pal'istinupolirlk und ver.anige ein Ein-
greifen der Bundesregielung. Audi in anderen st;adten der
Union w.urden dhblidie Piotestversammunungen veraasiallet.
Uebriges Ausland.
London. Die englisdie Regierung beschloss, 1500 Arbei-
tern die Einwanderuiig nadi P a I is tin a zu gestalten. -
Auf der I'agung des Aktions-Comilees der Zioniisldcheni Or-
ganisation wurde besthlossen, den XV' I.:Z i o n i s t e n k o n -
gress fiit Anlang Februar 1931 einzuberulen. Vorlciurig
wurde eine aus 5 Milliedlern bestehende Kommiission mit
der Beialung und Unterstiltzung Professor \\ejzmanns und
der Exekulvie bei politisdien Aktionen beaufiragt. A uf
einem Bankett zu Ehren der Gesellsdiaften ..ORT'" und
..OSE" spradien u. a. Professor Albert Eins ein und
'Beinard Shaw. Eine hierbei veranstaltete Sammlniiiing er-
gab den.Betrag von 4900 Pluiil. Der friiheie llighb Com-
missioner of Palestine, Sir Herbert S amuel I \rurde
iam 6. XI. 60 Jahre alt.. Lloyd George crorfnete am
17. XI. im englischen Unterhaus die Debatte uber die zu-
kiinftige. P al ii s t i n a P l I i t i k der britisdien Regierung.
Auf eine Anfrage des Fiihrers der konservativen Pariei
and ehemaligen Ministerprisidenten Baldwin. ob die Re:ie-
rung ibre Politik beziilich Palistinas zu lindern beabsidi-
tige, antworieie Ministerprisident MacDonald. dass seine
Regierung an dem Mandate festhalten werde. Im Oberhaus
erhob der ehemalige \'iekonlig von Indien, Lord Redding,
gegen die englisdie Regierniig ldie Anklage, sie babe weder
den Juden noch den Arabern Palastinas Geredhtigkeit zuceil
werilen lassen, worauf Lord Paiiioor im Namen der Re-
gierung diese Anklage als ungeredilfertigt zuridckwies. -
In einem Sdireiben an den Prhsidcnten der ..Zionistitdien
\Veltorganis.alion". Dr Chajin \'eizmann, betonie dI
Ebrenpriisident der ..Jewih Ag.enr)". Baron Edlnond de
Rothsdiild. dass die Erklriiing der britisdin Regierung
beziiglidi ihrer ziikdnftigen Pulitik in Palrisuna deni Wnrt-
laaut und dem Geiste des Palu liua-ilMndaLes widerspriiche.


Das gleidie erkliarlen zwci der bervorragendsten englisdien
hlt-LiSt e.eelllIen, air JuLin biiiuu uud der frulicle Luld
L Ljju,e.iur \ iLUuu[L lidirbluIII Mluskau. Die nl den judi-
slueal uiouieu taer Kilui uld der UKliul lur uie :Aunu-..at
\'ciuguale r ladJl betirtgL in dieseuw junue iii.O.'u hl, luI
\urjJ.r wdr sie un DOJ geriniier. Laris. DLr lwerika-
Un.ui-judliUle .iusiuJdusu Licile A I be r I Ii I un Wenauer
dunial ,erCilueu \un 3dspeudieu bedurltigeu juiigeu LetLen
Ud, iLlbulluul au deu LUnieiSen~ueu L)un, i\uiiL), t'drlt uud
..idIsiLUnig eliWogluii liatie, %,urue zuui LuiLudukiur der
ulnielrsIIt INauc) eiinuaiu. lin Aiter %uu iu Jdhien
\ei ui.ed der beruhbuit bdklerioluge uud Mildibeiier fu-
teuis, ProFes ur H1 a l k i e, der Lihinder der
Suiutzimpluug ge;cu Choleii. Uer urbidiena geuui le uer
kUUSerl\LiCiieu L\IuilUg iULIciuiUal des JuideluUbi-, au uud
\ar U. a. .lltigned uer \CltiUliguUg der ,,LLUwHeCe Liud'.
U) ,oul 1Prulr-e ur I-lllkHiie i.iuI aun in der ,,Aliiau(e
isrLed c e l lluieblZ elei enrlg bedatigie, hiuter'liies cr Oudl
szieu gaulLe \eiujugeu inu nuli ,uu i;j liiitluunen ldirei-
zci t- iti eUae ULde ,,rll, \ereiu der deuLsNleIu judeu', uud
zi'r unt der belillll LluUn dbIis 1Sie, Llubes ladge zur Ulller-
hdiuunig ouU ,.Jeu3i\%ul inl UJleuiupda \ciuendel weitue
suijeu. mIBa. urr SeCllell I UIU .,ilubeubeu'" uide dem.
LJiuler Nlua brod der itbalsedlius, kindlie statulpieis lur
Liieilur \eilieunn. %uni ,thau. 1ie ubi tier A bge-
1.o rd u eten des judisdieu rei dlueutsklubs im poluiuiLen
ScjUW s1t 'on Ij aut 8 Ludu'egaCtlg1ei; inlolgL-dera~s u kdhii
er keiiie I'-dktiou melir biiueii, uj lur emie suidie eine
tinuldesizail %uu iu Aubeurduieitu erloiderlidi it. Lu die'en
.? judisdieu Abeo'rdUeieii kouuiieli LuodL 4 hiiib n \.lldie
der %un dem h ilusdiall l'isudski ,elurlieu Gruppe uugenu-
reu. Au der betaiitiung der nu Aiier Von I i L) J d u r en
er-ltorb'cueun Flu 3dileindel Hl-isldkunn nblnien 3 Gene-
rIauueu iurer Nadikuinucu tell. icen. 1- ur acrzibditu
bii. i-Il uud die ubrigeu osleireidiisdien Bisiole bezcidi-
neu In ihreu Hlirieubiielen an die oslei'reidiidie.n Kditio-
liken deu N a t oualo i a s m us ais ,,beldni,dien,
uLerIltzten Nadionaliuuus". LInier deal Namen ,.\er-
baudsiegoun heimadireuer Juden Oesierre lis" hbt sidi eiue
1 i ru w e h r I u r in a ti o gebildet, urm dis Lieberhiud-
nelinen des AutisemilWmus in den oaterreidiisdnen ileim-
\ebieu zu verbindein. Auf elue Beschwerde des
Vulsiandes der Vileuer israelmhdieiu ult.-iibeueiude wenca
der aaiinsemitisdicu Aeunsei uiien des juiiIulllnlll ers
Dr. Iluebur erkldrieu Bundeskanzier lauguiu uud Aussen-
mitiiter Ur. beipel, dass die oste reidu-sdie legieruiig audi
%,eileibin den Juden dieselben ltedile zuerkeunenu erde
wie den A\gehurigen der beiden diriallihden Konlessliolen.
- Au der liudsdicule Iir \\elthandel fauden kurzlidi a n-
tisemitische Ausschrei tungen stait, in deren
Verlauf l ehrere judisdie Studenten sdthwere \erletzungen
erlitteu. Amu 2. X1. wurde der bekannte MusiksdiilLtiel-
ler und Irulheie \ertreter der Mluskwi\ssensdialt an der
LItuieisjIdt \ ien, llufrat ProI essor Dr. Guido Adler,
;u Jahre alt. Nebeu anderen bedeutendeu Verken, wie
einer au.,gezeidineien Monograplne uber Guta Mldhler.
hat er d-is ,Haudbudi der NMusikge-,diidite", dus allgemein
als eines der Siandard-\\ei ke der musikalisdieu Liiratur
gilt, \eilaat. Der Oberbibliothekar an der Llniveisiitas-
bibliotuek. Hohfat Dr. i t ha t 1 o I z n a n n d.-i vor
kurzem im Alter on 7Lu Jahrei 'erstorben ist, hat sicd
durdi seine iierai hisloridien d ll iflen und l,esoideri, dui di
seine goru-.ei. in Gemieinsdialt mit den lui dlidi Liedien-
steintsdieo Bibliolhek r iloliat Dr. Hlinnes Bohllta heraus-
gegebenen \\erke ..Deaitidies Anoniien-Lexikoii undi
..iout-dies Pseudunyinei-Lexikon'" einen bedeutenden Na-
men in der bibllorapbrisdieu \\ell ere\orbeu. Demn be-
iuhmien judisdie Segelllieg r obert K ro i fel d
e uide die iniei nation le Fliegertrophbe lur 1929, die
hodile Fliegerusuzeidinung. erhiehen und von flein Pra-
sidenten der internationalen Liga Ifi Aviatik, dem anme-
rlkaui.dien i illioudr Cliitort B. Haiiion. ubei reidit. Dem
Vertreter der Bakieriologie und Biologie ou der LIUiiersitul
\\ien. Professor Dr. Ca r Li andstei n c r. vurde der
ilie jahri;e Nobelpreiis fur NMedizin verliehen. Land-
,teiner it der Begrundci der Blultgruppenlehre. weldie
fur die ourensisdie NMedizin von h6disier bedilutung gewor-
den mit Wilna. Am 9. X1. verslarb iw Alter \on 70 Jahrenu




FI







der Sdiriftsteller uind Literarhistoriker Samuel LSb Zitron.
Der Verblichene hat sich vor allem durch seine bedeutsame
Arbeit iiber die hebriisdie Presse grosse Verdienste er-
worben. Ziirich. Anlisslich der Feier des 75jiihrigen Be-
stehens der Schweizer Tedlnischen Hochsdiule wurde dem
beriihmten Physiker Professor Dr. Albert Einstein die
Wiirde eines Ehrendoktors der Naturwissenschaften ver-
liehen.
Palistina. Am 5. XI. wurde der Grundstein zu einer
jiidischen Arbeitersiedlung an der Budct von Haifa
gelegt. Der Ora ge n e x po rt aus dem heiligen Lande
indiesem Jahre wird auf 2Y Millionen Kisten geschiitzt. -
Im Jahre 1929-30 betrugen die Einnahmen des ,,Jiidi-
schen Nationalfonds" 5538000 M. Diese Summe
iibertrifft die in jedem der zwei letzten Jahre gesammelten
Gelder um ein bedeutendes; sie verteilt sich auf 62 Lander.
- Der am 23. X. verstorbene Ardcitekt Baurat A exan-
der Baerwald, der eine grosse Anzahl 6ffentlicher
Bauten erriditet aund auf Veranlassung des Hilfsvereins der
deutsdcen Juden seinerzeit das Technikum in Haifa erbaut
hat, hat nur ein Alter von 53 Jahren erreicht.

Richtigstellung.
In dem in der letzten Nummer verbffentlidcten Aufsatz
,,Rahol Varnhagen und Boerne" ist durdi ein
bei der Korrektur unterlaufenes Versehen in Anmerkulg 4
Geheimrat Theodor Neubiirger als der Arzt Boernes be-
zoidinet, wiihrend es riditig heissen muss: Dr. med. Jo-
hann Georg Neuburg (1757-1830).


Anstallen ind Vereine I


Verein Hauptsynagoge.
Freitag, den 19. December veranstalten wir im Rahunen
des regelmissigen Freitagabend-Gottesdienstes in der Haupt-
synagoge eine Chanukka-Kind e r f ei e r, verbunidn mit
einer Feier zu Ehren des 70. Geburtstages des Herrn R a b b.


FUr die -

Diat-Kuche
Ist der neue

SENKINGJ
in vorzllgllcher Weise geeignet.
Alle Plelschspelsen und zahllose andere Oerchfe
lassen sich in Ihm zubereiien ohne Jeden
Zusatz von Fe.t, nur im eigenen 6aft
HMchste Bek6mm ichkeiti
Leichtes:e Verdaulichkeill
Delikates'er Wohlgeschmackl
Der neue Senking-Gasherd ermb5ltcht es,.
u u back n. beaten und zu rifl en im
gi,,ninen Oren und zu glelcher Zeit.
Dies ?ric l Fraj E Feurer in in'eressan:en Vor-
Irnrunqen jeden D.enstaq u. Donners-
tag 4 Uhr I1, unsrerem iesch1lfisloKal
Am EschEnhelmer Tor 3

E. HAGE &Co.


Dr. S eli gm ann. Unsere Mitgliedermii Kindern. die Plafz-
inhaber der Hauptsynagoge, sowie alle Gemcindemiiglieder
sind freundlidist eingeladen.
Verein Westendsynagoge.
Am Sonntag, den 14. December veranstaltet der Verein,
verbunden mit 'dem Chanukkagottesdienst, um 18 Uhr in
der Westendsynagoge zu Ehren des 70. Geburtstags von Herrn
Rabbiner Dr. Seligmann eineh Ju gen df e tgottes dies t,
bei dem siimtliche Funktionen -von Jugendlichen ausgefiihrt
werden.

Chor der Synagoge B6rneplatz.
Am 16. November d. J. fand die G e ner a v e rsa mm-
l u ng des Svnagogenchores statt. Der Vorsitzende, Herr
Le w i s o hn, berichtete i.ber die Tiitigkeit des Chores im
verflossenen Jahre. Wenn auch die gesanglichen Leistungen
unvermindert den vollen Beifall der S) inago"eubesudier ge-
funden haben, so sei im Interesse des idealen religiosen
Zwed;es, dennoch ein unablissiges Streben nach Veredelung
und Vervollstiindigung ,der GesLnge notwendig. Bei der
hingebungsvollen Tiitigkeit -seiner freiwilligen Mitglieder
und seines ausgezeichneten Dirigenten, Herrn D r. E h r e n-
r e ic h, k6nne dem Wirken des Chores ein nocd h6heres
Ziel gestedct werden. Der Rerroent setzte sidi nahddriicklid
fiir eine numerisdie \e:tlarkunlg des Chores ein und er-
innerte hierbei wieder an die im Jahre 1932 in Aussicht
stehende Feier des 50jiihrigen Bestehens des Chores und
der Synagoge am Bbrneplatz. An -die sehr eindrucksvollen
Ausfiihrungen des Herrn Lewisohn schloss sich eine D i s-
k us sion an, die das sehr rege Interesse der Chormit-
glieder am Chore bekundete. Bei der anshdliessenden Vo r-
standswahl wurde eine Erweiterung des Vorstands be-
schlossen, .der sich nunmehr aus den Herren A. Lewisohn,
Gottfried Levi, Albert David, Joseph Fiebermann und. Leo
Heuberger zusammensetzt. In Vertretung des Synagogei-
vorstandes war Herr L. G r iin eb au m ei sdienen, der irm
Namen des Vorstandes dem Chore die weitgehendste Un-
terstiitzung zusagte. J. F.


S Prakiische

_ Chanuka-Geschenke


OPTIKER GRABE & SOHN
Inhaber: ALBERT GRABE
FRANKFURTAM.
12 OPERuPLATZ 12
n8chst d. Kullisenhaus
Neuhelten In Augengifser
a I


RADIO
SPRECHAPPAR&TE
SCHALLPLATTEN
ZubehBr, (11ilhlamp-n, Taschenlamren und
Biaerien, Akku-Ladestelle, sitmlliche Re-
paraturen fUr Radio und Sprechappaiate.
Ultrapton-Haus, Oed'rweg 43
Inh.: Georg Leyezapf


-. T --PL-w

Pilier


~ ~







Rabbinisdhe Lehranstalt ,,Jesdiiwa"
Die Eriffnung des Wintersemesters fand
am 11. Marcheschwan (2. November) statt. Im grossen HSr-
saal der Anstalt hatten sidi die gesanme Hirersdhaft, das
Lehrerkollegini. sowie zahlreiche Herren des Kuratoriums
vernmmciiilt D,-r Leiter der Rabbinischen Lehranstalt, Herr
Gemeinderabbiner Dr. J. Lo f fm a n n zeidinete in seiner
Rede die hohen Ziele, welche die Rabbinische Lehranstalt
sidi steckt und die nur ,dann erreicht werden kinnen, wenn
jeder einzelne H6rer in hingebungsvollem Eife: seine ganze
Kraft dem Studium der heiligen Lehre widiie. In der Rab-
binisdien Lehranstalt swollen die einstigen Wegweiser und
Fiihrer des gesetze'streuen Judentums heranwadisen. So sei
ihr Ziel ein doppeltes: die Harer mit griindlidiem, tief
fundiertem Thorawissen auszustatten und sie zu ch irakter-
starken, im Boden -des thoratreuen Judentums festvcrwur-
zelten jiidischen Pers6nlichkeiten heranbilden. Die Worte
des Leiters der Anstalt, die von einem Mitglied des Kurato-
riums in einigen Punkten ergiinzt warden, madcten auf die
H6rerschaft sichtlich tiefen Eindrudc.
Im Wintersemester studieren an der Rabbinisdhen Lehr-
anstalt 65 H i rer, von denen 23 aus Deutschland stamen.
Der Unterridit, der sidch auf samtliche Disziplinen des bib-
lisda-rabbinischen Sdirifttums erstreckt (Hebr. Grammatik,
Pentateuch mit Kommentaren, Bibel, Mischna, Talmud mit
Kommentaren, Dezisoren) findet vorwiegend in den Vor-
mitlags-tunden statt, wiihrend der Nadimittag fiir die Vor-
bereitung ulid die Wiederholung des durcigenommenen
Stoffes hunter Leitung eines der Dozenten bestimmt ist.
Fir einige besonders begabte und eifrige Sdiiler sind


Unterriditskurse .eingeriditet, in denen unler Lcitung vnn
StudieSiiten fiir das Abiturientenexamen vorbereitet wird.
Tranerfeier.
Anlisslich des Hinsdieidens des Herrn Fritz Sond-
he im e r s: A.; der seit der Reorganisation der Rabbinisdion
Lehranstalt ,,Jeschiwa", als Mitglied des Kuratoriums wirkle,
fand am Sonntag. den 23. November im grossen Lehrsnal
der Anstalt eine Trauerfeier statt, zu der sidi die gesamte
Horerschaft, das Dozentenkollegium, die Mitglieder des
Kuratoriums. sowie zahlreiche Verwanate und Freunde Dahingesdiiedenen eingefunden hatten. Nachdem der Leiter
der Anstalt, Herr Gemeinderabbiner Dr. Hof f m a nn aus
dem letzten. Absdinitt des Traktates Pea vorgelernt hnate,
ergriff er das Wort zu einer Gedenkrede, um in ergreifen-
den Worten die Pers6nlidikeit und das vielseitige Wirken
des Verblidhenen zu zeichnen. Mit dem von dem Leiter der
Anstalt vorgetragenen Kaddisdi-Gebet schloss die sdilidite
Feier, die bei alien Anwesenden einen tiefen Eindruck
hinterless.

Stundenplan der hebriisdien Spradischule.
Kindergruppe :
Montag und Mittwdch 17%-18% Uhr
Dienstag und Donnerstag 18-19 Uhr
Erwachs ene:
Gruppe 1 Montag und Donners ig 20-21 Uhr
Gruppe 2 Dienstag 21Y-22 Uhr
Gruppe 3 Montag und Donnersta; 19-21 Uhr


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der Vereinigung fur dJas lbernle Jiideniim. Berlin. wurle
wilhrenrd ies ganzen lahres Gedrnnkenaisltausdi gepInnzen.
Bei ter Loniloner W\ellknirerenz lies sich der Verein dliirdi
Herrn Dr. D. \\armlhrinn veilreten: an der Bresinner Tia-
g tn, nilimen die Herren Rdlbliner Dr. Selihmann. Dr. Rii-
,d l Geizer und Dr. Ilin'o HInlfinann teil. In Bndpenheiin
witr'le ein Vortra' von Herrn Dr. Ridinrrd MNlerrlid vr-
antulletl. Die Vnrlrrige in den Bezirksgriipnen hnllen leiler
n;dit den gewfiinidlen Errolg Im laiirnden Jihr soil ein
V\nrtrabsnben l der Bezirkqsriippe Sadisenihauien slallfin-
den. anich ist beabsichdigs diiirh werileren Aiiliii n dier Be-
zirksrilppen eino intensive Mitarbeir der lgliieder zu
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Die sonsligen Vere.inarbeilen konnlen im Hinblidc auf
die lebl)ulte lutigkeit der Synadgogenllerciue eine gcwlse
Einsdlriilikunig errubren. Audi bradiceu d.e Wahlvorberci-


nitnTen 7rnno'n IlnfiL r ine Knn7Pnfrofinn nnr die Wahlen
rm; ;rCh. Dndcl w-;rl sidi drr Verein nunmelir wirder r;inen
AralrhP in in <;ikereni \lncr 7tiwenrlnrn kinnrn. Infrilre
dpr wirrlsdnrfli(i,'in 'Vp iiltil;ice war lpidrer eine eCtwi-so
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nnalint iinil vnr allem on niierhitilidi rlirlidi vorz.irna'en
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Rl ilnerin nirtl einen viel riissrercn Ziilrerkreis rewiindllt.
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ge'en Pinen Berir 711 enlrdtirclen Diejeni.en. dlie wirklidi
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sdilidites Mlileiuinderiein, als Trageu dates andercn aus der
gr6sseren Fesiigkeir des ei-enen Grundes.
Selbtkersidudhlch behandelte die Vorraogende andi den
Berur der Muller udl die Sdiwierigkeiten der Eruiehung
in einer Zetu ohne Ideule, zu denen man erziehen kdinne.
Audi tie ort Iragisdce Problemalik, die in der Vereiniigung
von Beruf uud lutlersdiart licgt, wurde gesireifi und
mandhe andre. nidit "eniger brennentle Froge, aur die ein-
zugehue der Rauum verl)ieiel. Lleber mandies biline man bei
weuiger vorgesdirillener Zeit nodi lange diskutieren magen.
Dr. Ada Heinemann.
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Frauen und Middchen. die liber rreie Zeit verflgen uind
ihre Suiinden gerne iulzbringend auslhllen, werden gebeten.
ebrenanitlidi unsere Arbeit au teilen. Wer hunter Einsatz
seiner Persdnlidikeir und mit Liebe titig ist. wird einen
sdidnen Sinn seines \ irkens aulTinden und sidi belohut
dfhlen. A uskun rt dber Arbeilen auf allen sozialen Ge-
bieten er(eileu Orts-riippe Frankrurt a. NM. ties Jiih diden
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stelle Langestrasse 3.
Jugenddicnst.
Die Zenfralstelle Jugenddienst (nadigehende FUrsorge)
des JUdischen Frauenbundes Frankfurt a. MN. will alien
alleinstehenden Jugendlichen eine heralende
H e If e r i n zur Seile stellen. Anrragen und Mitteilungen an
die Gesdidfrsstelle Frankfurt a. M., Langestrasse 3, tragen
zur Erreidiuug dieses Zieles bei.
Wohnriume der Weiblichen Fiirsorge.
Seit Jahren bietet die Weibliche Flrsorge im Erwerb
stehenden Frauen und liidchen zu billigen Preisen eine
\Vohn-Unterkunrt. die ibren Insassen zu eineni Heim ge-
worden war. Um dies zu erreicden, waren zwekmiissige


W'ohnraum
.Wohnnng und Wohngegend selbstverstlindliche Voraus-
seizungen. Beide warren bei der Grundiing der Wohnriinme
im Jnhre 1913 vorhanden. Im Laufe der leltlen Jnhre hat-
ten sidi aber unbehebbare Misstinde herausgestellt, (lie ein
liingeres Verbleiben in den alien Riiumen uumijglidi
maditen.
Bevor eine Verlegung ins Auge gefasst wurrie, er"ab sidi
die Frage. ob angesichts der vielen z. Zt. in Privatlhiidsrn
freislehenden Zimmer die Existenzbereditigung der Wohn-
raume nodi bejaht werden k6nnte. Die ernste Priifung die-
er Frage bradite das Ergebnis, dass die Wohriiame bheute
und grade heute Lesonders nolwendig sind, soduss
sie neu errichter. wverden miissleu, wenn sie nidit bestiii-
den. denn audi dannals bei ibrer Griindung war es nidit
der Mangel an Privatzimmern, der sie enisteben less Es
war der WunJsh, im Erwerb stehenden Frauen und M.id-
chen, die losgelbst von ihrer Familie in der Grossiadl l eben,
bei geringen Ausgaben ein ,,zu Hause" zu sdiaffen. das sie
bei den gegebenen Bedingungen wohl nur selten in eine-m
Privathaus finden kBiinen. Der Kamnr uim die wirisdiart-
licde Existenz lisst den Wert des Itilickbules, den cin zu
Hause bitet.e als Gegengewidit vor allem fiir Jugendlidie
ei heblidi steigern.
Aus diesen Griinden hat sich die Weiblldie Fiirsorge
trotz grosser Sdiwierigkeiten entschlossen, die Verlegung
tier \Vohnriiume vorzunehmen. Es ist ihr gelungen, im
Haus, B ickerweg 26, geeignete Riuume zu Gnden, die
hiibsih und wohnlich eingerichtel worden sind und m=nhr
zeitgeitiissen Komrort bieten. Freundlidic NM1bel in krfiri-
gen Faiben vermiltela eincn freudigen Eindruck der be-


haglidien Zimmer. Er wird durdc Bilder- und Pflanzen-
sdmiick erhohi, und eiu gerilumiges Wohnzimmer liilt zu
gemirtlidiein Ziismmiienisein ein. dem es in den reien Suii-
den der Mieterinuen dieuen sol.


.. SdMlafraum
Nocd mehr als seither werden in Zukunrt Freitag-
Abende und Festtage lestlich begangen werden. lNandierlei
Pliine liegen ausserdem vor, deren Auslihrung die \\olin-
raume zu einem kleinen littelpunkt jiidisdien Lebens wer-
den lassen kdnnerf. Uod wir brauthen soldier ,,Punkte'" heuto
mehr denn jel
Paula Nassauer-Niedermayer.
Altersheim.
Die Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jidischen
Frauenbun de s beabsiditigt in Bhlle die Erriditung
eines rituell gefuhrten Altersheims ftir .\Anehbrige des jil-
dischen Mittelslauds. dessen Pnlegesalz M. 450 bis NM. 5.-
tiiglicd nidal Ubersteigen soil. Es it an die Eriiiietung einer
grossen Wohnung oder eines Hduschens gedadit. das in
Einzelzimmer fur Ehepaare oder Einzelpersonen eiigeteill
wird. Zur Ausliibrung des Planes sind zunIdist gentiend
Anmeldungen von ernsthaften Inleressenten uotig, die be-
reit wiren. ihr Zimmer selbst zu m6blieren. Sie werden
um genaue Mitleilungen an die Geschld isstelle der
Ortsg r u p pe, Langestrasse 3, gebeten. (.\nm. d. Sdirirtl.)
Dieser Plan hat nidits zu tun mit eineui dhnlidien, ktirzlith
hier unler der Rubrik ..Aussprache" erbrterten Projeki, dus,
wie wir horen. unler der Flibrung des Herrn Joseph Sdwvab
seiner Verwirklichung enigcgengeht.
,,Isupa".
Ein Kennwort, das jedrem jUdischen Mitbdirger geliurig
sein sollle. Es handelt sich um ein altes Werk der Men-
schenliebe, das sdon reidien Segen gespendet art im Laure


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von fiinf Jahrzehnten, das aber in der heutigen und niich-
sten Zeit mehr als je berufen ist zu h c lfen, einem der
bittersten Menschenschicksale zu begegnen: dem Hung e.r!
Die Israelitische Suppenanstalt hat eine
den gegenwartigen Zeitverhiiltnissen gut angepasste Ak-
tion, grossziigigster Art in ihrem Effekt, bescheidenster Art
in den \on ihr gestellten Anforderungen, in die Wege ge-
leitet. Fine Speisung -fiir den Armen .belliuft sich auf
20 Pfennig e. Je nach seinen Verhaltnissen soil der
Einzelne monatlich eine gewisse Anzahl von .Speisungen
geldlich iibernehmen und diese kleine Verpflichiung auf
die Dauer von 5 Jahren z/iaign. Daneben ist die M6g-
lichkeit gegeben, die von iuhe-r her bekannte und viel
getibte Sitte, nicht oder weniger Bemittelte bei sidi
speisen zu lassen, in gleidrer Weise ab z ul sen.
Es bedeutet dies fiir *die, heutzutage oft stark in
Anspruch genommene Hausfrau und Haushaltung eine Ent-
lastung, fiir den oder die zu Vernflegenden eine Erleidite-
rung psydiischer Art, wahrend der edle Zwede voll gewahrt
bleibt. Schliesslich bietet sich bei den zahlreichen Ereig-
nissen und Erlebnissen jedes Mensdhen die schdnste Ge-
legenheit, ohne fiihlbares Opfer eine edle Tat zu vollbringen
zugleidi als ehrende Erinnerung, als frohes Gedenken ody
audi aus persbnlicher Dankbarkeit.
Die verhiiltnismlissig geringen Betriige jeder kann
sie nadi seiner Leistungsfahigkeit staffeln gestatten fast
Jedem die Erfiillung dieser schdnen Mizwoh. M6ge Niemand
sich dem Rufe entziehcn. 0
Verein zur Aussteuerung
hiesiger israelitischer Biirgerstdcditer E. V.
Der im Jahre 1790 gegriindete Verein weist darauf hin,
dass er in den vielen Jalirzehnten seiner Tatigkeit in zahl-
reichen Fiillen wesentlich mitgeholfen hat, weniger be-
mittelten Biirgerst6ditern die Verheiratung zu erm8glidien.
Der Verein vergibt alljahrlich aus den Ertragnissen des
vergangenen Jahres eine Aussteuer erster Klasse und je


111111111111111111111111111111111111111111111111111 11111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111111
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nadc den verfflgbaren Mitteln.mnehrere Ausstenern zweiter
Klasse. In diesem Jahr sind eine Aussteuer erster
Klasse von RM 3.500.-- und sechs Aussteuern
zweiter Klasse von je RM 600.- verteilt wooden.
Die Aussteuer erster Klasse wird satzungsgemlss nur winter
den Mitgliedern verlost; das Mitglied, dessen Beteiligungs-
nummer gezogen wird, hat das Redit, das Miiddenh zu be-
stimmen, dem die Aussteuer iiberwiesen werden soil. Zur
Bewerbung um die Aussteuer zweiter Klasse ist jedes
jiidische Midchen, das den Bestimmlingen der Satzung ge-
niigt, ohne irgend eine Zahlung zugelassen. Das Los ent-
scheidet hier unmittelbar. Durch die Verlosung der Aus-
steuer erster Klasse ist den Mitiliedern des Vereins ein
besonderer Vorteil geboten.. W ihrend bei jeder anderen
Verlosung-nur. ein Teil der eingezahlten Betriige verlost
wird, ist der Betrag der Aussteuer erster Klasse immer, be-
deutend h6her, als die Summe der Mitgliederbeitriige, weil
der Verein aus den Zinseri seines Kapitalvermnigens einen
wesentlidcen Betrag hinzufiigt. Da die Anssteneier ster
Klasse voraussichtlich auch fUr 1930 auf RM 3.500.- fest-
gesetzt wird, sollten alte, die an der Verlosung 'In-
teresse habon, durch Einzahlung des Jahresbeitrags' von
RM 9.- auf das Postsch'eckkonio des Vereins Frankfurt a. M.
Nr. 50338 sihd als Mitglied anmelden. Mit der Quittung
erhUilt das Mitglied die Beteiligungsnummer fiir die Ver-
losung, die anfangs 1931 stattfinden wird. Exemplare der
neuen Satzung werden auf Anfordern gern zugesandt. (An-
schrift: Gervinusstr. 10).
Arbeitsvermittlung.
Wir richten an alle Aibeitgeber die dringende
Bitte, offense Stellen aller Berufe uns sofort zu
melden.
Es melden sich bei uns 'stindig in grosser Zahl tiichtige
kaufminnisdhe Angestellte aller Brandhen, sowie gelernte
und ungelernte Arbeiter, Hilfsarbeiter aller Art.
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von A-K Mont., Dienst. u. Donn. von Y9-11 Uhr vm.
von L-- Mont., :Mittw. u. Freitag von %9-11 Uhr vm.
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B e r u f s b eer a t u ng wie either:
Dienstag von 6-%8 Uhr abends,
ausserdem nach Voranmeldung.
Berufsberatung und Arbeitsnachweis fiir Juden e. V.
Langestrasse 30 pt. Telefonruf: Hansa 26162
Verein Wohltiitigkeit.
Der seit 1903 bestehende Verein bezweckt, bei Sterbe-
fillen im Trauerhaus Gottesdienst abzuhalten und Bediirf-
tigen zur Seite zu stehen. An den hohen Feiertagen wird
regelhnssig ein eigener Gottesdienst veranstaltet. Dem
Verein ist eine Sterbekasse angegeliedert, die bei jedem
Todesfall RM 200.- vergiitet. Niheres durdi den Vor-
sitzenden, Herrn Bernhard Karpf, Sandweg .28.
Jiidische Leihkasse E. V.
Die Geschiftsstelle dieser gemeinniitzigen Einriditung be-
findet sich Eschersheimer Landstrafle 29, 1. Stock. Gesdihifts-
stunden: Dienstag und Donnerstag, nachmittags von 4-6 Uhr.
Die Leihkasse bewilligt selbstiindigen Gewerbetreibenden
und Handwerkern Darlehen in mifligen Betragen gegen
Biirgschaft zahlungsfihiger Pcrsonen.
Chanukkafeier.
Der Verein selbstindiger israelitischer Hand--
w e r k er und Gewerbetreibender veranstaltet fiir seine
Mitglieder und deren Angehlrige am Samstag, .den 20. De-
zember 1930, abends %9 Uhr in sinmtlichen Klubriumen von
,,Gross-Frankfurt" eine Chanukka-Feier.


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Die Freiwillige Sanitatskolonne vom Roten Kreuz, d>e
seit Jahrzehnten den Sanit itsdienst ehrenamtlidi versieht
und sidi von jeder politisdien Tendenz fernhiilt, veranstaltel
am 27. December 1930 im" Palmengarten eine F a m i i e n -
f ei e r, deren Erlbs gemeinniitzigen Zwecken dient. Eintritt--
.preis ian Vorverkauf RM 1.-, an der Abendkasse RM 1.25
Nahere Auskunft durdi Herrn Harry Weiss i. Fa. Haa-
& Weiss.
Bar Kocdba.
Die neueriffnete Turn- und Sport-Abteilung fiir Knabeu
hat grossen Zuspruch, doch kinnen noch einzelne Anmel-
dungen -angenommen werden (im B. K.-Heim Eschersheimer-
landstr. 65 II.) oder auf dem Turnboden, Dienstag von 4-6
Uhr, Ostendmittelsdiule, (Leitung: Herr cand. jur. Griin--
wald). Bei dieser Gelegenheit mdchten wir auf den wied(-r
eingerichteten T r o c k e n S k i k u rs hinweisen, der Dien- -
tags von 8-10 in der Deutsdiherrn-Mittelsdiule, am Fran-
kensteinerplatz, hunter Leitung von Herrn Franz Ehrmann
stattfindet. Die Teilnehmer dieses Kursus werden gebeten
Ski, Stiefel, St6cke mitzubringen.
Turn- und Sportverein ,,Schild" E. V.
Der Verein beabsichtigt in Kiirze ausser seiner Falssbal-.
Handball-, Leiditathletik- uand Gymnastikabteilung auch
eine Box-, .and Jiu-Jitsu-Abtl. zu eriffnen. Die Leitung hat
Herr Dr. Ernst Wolff und Herr Walter Gutheim iibernom-
men. Interessenten konnen Niiheres hei dem Geschtifts-
fiihrer Herrn Arthur Fuld (Wasdcehauas Fuld), Schdifer-
gasse 52, erfairen.
Konzert des ,,Hasomir".
Nach dem Vorbild anderer Stidte wurde audi in Frank-
furt von einer Anzahl musikbegeisterter Juden ein Verein
,,Hasomnir" gegriindet, der sich die Pflege eines veredelten
jiidischen Miinnergesanges zur Aufgabe gestellt hat. Dieser
Verein, der unter der Leitung des begabten Leo R o s e n
blii th steht, trat am 1. November zum ersten Male in
einem Konzert' vor die Oeffentlihdkeit. Das gesdcickt ausge-
wmhlte Programm wies neben einer Reihe liturgischer Ge-
singe, wie des bekannten Pcalmic, ,,Haschem s'horonu"
in der Vertonung des Pariser Kantors und Komponisten S.
Naumbourg jiidisdhe Volkslieder und Gesinge auf, unter
denen das Roskin'sche ,,Mir bensdhen die Licht" wohl am



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ansprediendsten war Der Abend wurde vershdint durch die
Nlitwirkung de- MaunheiineI HIl.iptkaiinor, \W o f Levi.
der sich hanpt-sachlidi in eeine praditroll vorgetragenen
.,Kaddisd'. weldhes der Eriniierung an die Toten der pala-
stinensisdi-n iUn uben des Jahre4 1929 gewidmet war.als vol-
leudeter Sangenieimeter zei.ien konnle. Seine Darbictungen,
wie au di ejenigen leis Chores ind ter ibrigen Solisteni
fanden den begeiterten Beilall dles den kleiuen Saal des
Saalbaues Ib inahe ,oll;tandi;g tillenlen Publikunis.
Dr. B

'erkaufsstelle \on Paliitlina-Arbeilen.
Der \erbanIl ju-1. I'r..l ii.n lur Pal.i-tina-Aibeit iin Frank-
furt a. M emlplielilt /.,nI Linkini r on G --.dienken seinc
Verka if...tell,- sdi.n:i I 'al ina- a d.arteiten. Damen- D m n uu
kinderkledultr. Blienn. Decken. Ki-,enplatt,-rn. Spit/enan bei-
Ien, Shdinii(ilkk-idie unl; Korrb ttiircn beli, F ra i C I i r
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,,Stehe nicht still bei dem Blute Deines Nachsten !"
Tausende brechen zusemmen, hungern und frieren.
HELFT!


Jiidische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M.
Langesirasse 30 Postscheckkonio Nr. 54893
Julius Blodt. Rabbiner Dr Jakob Horovitz,
\Wolfgang Auierbahr. Johanna Baer, Lulu BliodhNeustadl,
.\loritz Both. S R Dr Albert El/inger, Stefanie Forth.
Iheimer, I herese Frimann. Dr. Karl Frenkel. Paula Frenkel
Heinrich GerliJi, Dir. Isaac .1llver. Paula Nassauer, Eli
Posen. .fax Tannenbaum D'ivtd W'eill, Ella Werner
I ,Julius W 'rner



Habima.
Der Intendanz dee Sdiauulielbaiises kanu man aufriditig
dafur dankbar sein. liass sie %tiedil-run i-in Gastspiel der
Habima ermdei licht hal. ,-uIIII audi zi beldaui:rn i-t, dass cs%
nur einen Aliend uimlas-te. Die beriihnmt- Truppe zeilete
\on ilIren beiltd Nt.oneiisludlei uniig'en .len L I ie l A o s ta
\on Gutzku~ in der B[eatiii iluii;; on M. Li-wsditz. Die Be-
arbeitung hat \on demi Ocngi.iii l !a'I nir den .au2.sreri Au[-
bau und aucih die-cu nur it gi.-_i -eiin Ulinr ijbrig gelaisen.
und der -elige Gutzkow hilte i 'dih bass t-iewundeit, wenn
er di almu ateTal d tae nd tdli Stutke ains det Liturgie ver-
noinmen hitlle, die jetzt ;eLu Stunk dui. liseizen. Die Hand-
lung itl mnit grossi'.I i di.in.iti' di-en Geschick auf ebaut ,und
von innerer S nerle Splanii 'rire gil t lier" Habima Ge-
Iegenheit. ,ll e Registiel dlirel iiniiscrhe unid szenischen
KijnSFt spielen zu las n zo 1 n Ii.lJ' d a It iese A.ul'lubiung
zu eineln gros-eiin kuiilleii-idien Eitllbnis ind ii \r n dem
\ollbeietzten fhetitel nit l itumiiii di'.l Beifall bedankt. Es
gab im.lige itiuerge.sslIdj Iluiiiepuiiikli-: ein Menuelt von
%ullendeter Grazie unI ll.iiionimni. die Balladenszene. ein
knizer Auftritt der Nluthlr r. JLdi d ie iuuseCen Szenen der
I-ldizeit ,und des Gciidit.": bej der eitteien \war nit beIon-
lerein Glidi die simmer leiihl \i-rweiiduLng ritueller For-
mien and ein t inlde-nias; reduzieit. d.Iageen hielt sidi die
Geridits/u'ne stellc-uweise geria.: e nur an dler gefliirlidien
Grn/ie des Melod ramalitdien Gniz lier\oriagend waren
wie ntriner die Lersiungeni der bdi tinispeler tind der Regie.
und es spridit fir lie iuniget ioinlidiCe Si rkie dieser Spiel-
genme.iniiid lt. da.s sic nidi Sdiwadien /t ti.lberwinden
vermag. M.

PreuBisclher Landcsverband jiidiscler Gemneinden.
er b n I s w a h I e n.
.\lm 9 NbeiLber ist die Frist i/ur Einreichdiung von Krei -
tabhlvor.diliggen abgelauren. Die Beinuhungen, einen \\ail-
kamilf zu '-ernmeiden hablen dlau gefulit djss in sanit-
idicen Wahlkrei-.en, nut Auisiahiie Berlin... Einheitstabll-
orscdil ie /ustandegekonmnien sind. Danadi werden a 31J
November \Wahlen zum Verbandsita- des Preiussischen Lan-
lde.serbandes nar in Berlin statttfien.


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\li i.2 Noxemnber aniid untier Vorsitz '..o Herin Di J.a-
iei Simliii eiiin Sitl nlla d-es- Ge sc li i d I f Ii u r u e n
\ u- I u s 1 e des Hilfsvereins der Dentsdci-ii Juueni statt,
dler l la, ptp t r.iip lunkt Tage'orl niti:tg l. de Besdilnissra I sun
ubui lie \eritaltiiin Ier 11 a i i e It i I t n nt vorlag.
Dle \ur kurze nl i l La ;aiiii-i \,'itr.il-eti ii lil iv\orraigendre
Bakteriuloto'e Profes or \1i. 11 It kine der im Jabhre
1-S6 in Odessa gehoren iit. hnti lien-t i1 I,, i ln ld beiergee \Veis,.
.-in Kapitel \on L-t\\i I d t I iIt i I NI i I I i I i c In Sdhie.l-
/zr Franos zwr-tk BildnUn. eml-cr ~tirtling in der Schweiz
d.ie vop einein .dIortigi-i BulnkiHtiitl't \erwaltet itird. und
au- desieu Ertracnissenl T ., Im I i 11 L c i I le n IJesdii-
boti in osli-tro[)isiChten Landl.rn rtunt'lr i'ventueller BeriUdk-
idchtigtnng aui.l ier Lha I, lerkliIlh-en A.\ibdildung dle Sdeuler
gelord iit wt .-rileni -ollen. Dii- Siltiin .. hat die Finnahnime
I'Lir dii aligegli-beiiei Z\iw CedIO gi-,.las- dion Entl diei..ingi,-_n di s
HIirvereinsi zt ver.-entilen. de.,-cn \\eck d4er Veruwigte
w\\ rnisteL' Iitcie,".e entii-e. eiibrajtlit F,:inir wiirden B e-
t lli u i n tge \orienonimmen. u. a fur juitiidie Studen-
ten aus O-steuropa. A\u- delm 1Ber.jdht iber di- Akiion flir
den Wir-dera.ulb.tu des Jud.ididi:in Kindti ha ujes in Kowtio
ist zu eiitnehmen. dH -_ I L- S:tininuii u bislier ein befrieJigein-
des Resultat 'ehlalit hat: die luii den Baiu unotwendigei Mli-
tel sin.d allerditug- nodi nidit \ollsliundig a l febradit
worded.
Die Mitteilung-en hber d.ie .\uftnindingen Jt. Hilfiver-
irins auf seinen .':rcdiiedeneni Arbeits'.ebieten. sowie hber
den Ausbau dler Organistlion des Hilfs\ereins in Berlin
tnd im Reiche i'm laufeuden Jdhie warden mit p os-er Ge-
iiugtuuni zir Kenntnis genominiin: narmentlidi iturde her-
'orgehoben, da ss trutz der UnLIunst der Zeit ein erheblidie_
.\nw tdisen der Jalire-.bet:rage zi i kL.nsaticren i-t. Z.ihlreiche
neue Ort-'.ruppen -ind gebilLlet worl'en \.ul der anderu
Seite steigern naturlich dlaueiiid die iiutor.i-runiien. die an
den Hilf-.vc ei nii ge-tellt wer-.leu. Der I-ilr.-\ eien i-t ilaher
lieute inehr ilt-I-n ] .iau die tatkra.ft.ig te Ulintertidtzung
teinel Mlittliedi:r und I ileunde ang-ie iiL.,en.

Synngogaie Friedensleiern.
Die Gehdiitl-stelle de-,i J ii s c i e n F r ie d e n s b u n -
d e ; (Bcrlin.V Wlmersdorf, Hin lenLiiiburgt[as"e 106b tilt mit.
ldas. anlas-.ihch der letzten Ii H rb',ticertagi e .iii B:-ritreb' ngen
tzIr Eintuli ung eines einhli- tl!idien religi.;.sin Frii-denstages
in ialilreihden G;enieirnlen rmil Erculg ail genoC1iiim1 i i warden.
Be'-on.tlers eiudrucksvoil aitr eine Feier dcr Rllelig.inge-
nienude Plauen. bei %ir.-dihcr Rablbiiner Dr. GolditanilD. Leip-
/i'. tiber die V\rw\rkildiung dler Friedcnsihlee pradi und
ein Spredidior des Jildititeii Jugenlbhundes mitwirkle. Aus
lden \ on erishiediienen Gcni.-iniien oin. iegang'iien Beiidhi In
,ebl hervor. diuass snailg.,g.ile Feiern bei den Zubbrern.
Linter deneu sidi haufig anud nichtjudisdie betatiden. den
ticl'r en Eindrnck hinterliesi-en

Eine jiididie Schule des Friedens.
Die von der ..Juingjudisdien Friedensgenmeinsdial in,
Leben gerufene ,,Sdchle des Fiiedens-" ..Jeschiwath Hillel' I
wurde am 23 Nim cnmler in .ler Svni:aoge Pritnzre-ent.neiitc..
Berlin-Wilmes-lorf leierlidi er-iffnet Die ..Schule :dis Frie-
dens weldic. .ler juJicdien Ieberhel'ei uln entpljre-
diend, in einiemi Synagogenia.ium ihre Kurse abiiallen wirdl,
itill da- Fiiedensproblem tell- in gruidllegeiindin Vortrags-
s.eien. tell- in Einzelvorlesungeen behandelu .\A Dozenteu
sinid bi.-4 jet/t u. .. \orgesehen: Rabb. D r. K a n t ui r o w s k y,
Rabb. D r. Pr.i n z. Helmuth v on G e I a ch. Kapitlin
Peri us, Hauptmann a D. Sc h i zinge r, Otto
Lehmann-Russbild t. Nach dem von Dr. A. Nossig


... ..- .'. ....- & -








entworrenen Plan des neuen Lebrinstituts soil diesel nicht
den Charakler einer Akadrnie tragen. snndern .in ersler
Liiie die heianwadhsenrle Generalirni mit dem alturliscden
Friedeu.-,shdrifttuni. sowie mit der jetzt in Entstehu begl.ilfe-
uen Fr.ieden-.wissensaiatt vertraut niadien ,und akrive. ge-
sdiulte Vorkampfer der Friedenu-.lcee heranbilden.

Forschungsinstitut liir hebriiisdie Diditung.
Im \Wintersemester 193)--31 wird in dent unter der Lei-
tung d-es Fruheren Pragei Oberrabbiner- Dr. H e i n r i e h
B r od y stehendeu Forsdiuntgsin-stitut fdr hebrais-che Dich-
tung in Berlin. die nachbibliihe hebrdiisdie Poesie in offent-
lidien Vorlesungen blehandelt \vril-d i. \\ie seinerzeit bier
herichtet. verdankt. da-, Insitiit seine Begrund.uug and
Wilkurigsm6glichkeit denu glOSjzugiken Sdlinkuiigen you
S.al man S hoc ke u. Im Anscllu;s an lie Vorlesungeu
werJen \oni Dr Broily liebungeii [iii I'olrtgesdirittene alI-
gehalten.


VEREINS- u. VESAMMLUNGS-KALENDER
ittl ,utteit1geuL n Il Ln t. !i ,Idlt-.e Niimnilr iiusen spateste.ns
ini 22. De/ebinler libe :ler Sdiiiltleitung \orljegen.l
Hinweis.
.\us R llll lllullldeli kotilell i'i iei'i-l-.n/t.-igeIi 1it1 Hi be-
sdir tinktvlnem li nll i .aiii-lrnonllll i r11 'erilcen. InsbhesolidLere
werclen Arbeitsprogrii inII L eCiniL- .ln r \ercin-e hibdistens
/weimal jubrlich vei-JltLntl.idit. Aul eiuzeline Yei\' nstailtun-
gen wiird in dei Regel iur dlann hingen iesen. wenn sle
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ben und Mijddien in klineirin .Abliliingen unler Lei-
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iisch.-. Cluminsd-i iil Rasd-i. Misdina. Tnadi, Gemoro.
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B6rneplatz, nadi dem Nadcmittagsgottes-
dienst.
Sonntag 7. Talmud Thora-Verein. Tehillim-Vortrag von
Rabb. Dr. Hoffmann, Synagoge B6rneplatz,
18 Uhr.
Dienstag 9. ,,Ili" Vortrag iiber ,,Die Richtlinien zu einem
Program fiir das liberal Judentum" von
Rabb. Dr. Dienemann, Sitzungszimmer der
Westendsynagoge, 20% Uhr.
Mittwoch 10. Verein Monteflore E. V. Vortrag iiber ,,Ge-
burtenriickgang Mischehe und wir" von
Ernst Kahn, Esdiersheimer Landstr. 65,
20% Uhr. (Rahimenveranstaltung).
Jiidisdher Jugendbund, s. Verein Montefiore.
Donnerstagll. Ortsgruppe des Jiidischen Frauenbundes.
Gemeinsame Mitgliederversammniing der
Weiblichen Fiirsorge und Ortsgruppe. Re-
ferat: ,,Ueberblick iiber wichtige jiidische
Ereignisse der letzten Zeit", Langestrasse 3,
10 Uhr vorm.


132
Freitag 12. Talmud Thora-Verein. Vortrag des Herrn
Dr. J. Unna, Hirsaal der Synagoge Barne-
platz, nach dem Abendgottesdienst.
Samstag 13. Talmud Thora-Verein. wie 6. Dez.
Verein israelitischer Gehfirloser. Chanukka-
feier in siimtlichen Riumen des Cafe
*Hauptwache 1. Stock. Verlosung und Tanz.
Gaste willkommen.
Sonntag 14. Miidchenklub.. Chanukkafeier. Musikalisdhe
Darbietungen, Gesang, Rezitationen. Lange-
strasse 3, 20 Uhr..
Dienstag 16. ,,Ili" Chanukka-Abend, Sitzungszimaner der
Westendsynagoge, 20% Uhr.
Mittwoch 17. Jiidischer Jugendbund. Vortrag iiber ,,Gliiu-
bigernot" von Rechtsanwalt Dr. Artur K6nigs-
Sberger, Eschersheimer Landstr. 65.
Samstag 20. Vvrein Montefiore E. V. Chanukkafeier mit
Tanz in siimtlidcen Raumen Odes Jugend-
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Freitag 26. Talmud Thora-Verein. Vortrag, HSrsaal der
Synagoge BSrneplatz, nach dem Abendgottes-
dienst.
Samstag 27. Talmud Thora-Verein. wie 6. Dez.
Sonntag 28. Talmud Thora-Verein. wie 7. Dez.
Donnerstag25. bis,
Sonntag 28. Verein Monteflore E. V. Fiihrerlager der
siid- und westdeutschen Landesverbinde in
Langenschwalbach.
Dienstag, 30. ,,lli" Ausspracheabend. Sitzungszimmer der
Westendsynagoge, 20% Uhr.

Biicherschau.


Im Heft 9/10 der Monatsschrift f iir Ges chichte
u nd Wiss ens chaft des J udentums,setztKaminka
seinen Bericht iiber Neuerscheinungen zum Verstindnis der
Hagiographen fort, mit besonderer Ausfiihrlichkeit werden
Kommentare zu Hiob behandelt. Wertvolle Beitriige zur Er-
kl1irung des Buches Jesaja steuert Ma r tin Buber bei;
sie sind aus der gemeinsamen Arbeit ,mit Franz Rosenzeig
an der neuen Bibeliibersetzung hervorgegangen. Ein Aufsatz
von Rahel Wischlnitzer-Bernstein behandelt die
Ilustrationen zum Budi Esther. Auch hunter den iibrigen Ar-
beiten des besonders reichdaltigen- Heftes sind manche ftir
einen weiteren Kreis .lesbar. geschrieben; so I. Heine -
m aa n s Nachweis, dass die alexandrinisdchen Juden im Ge-
gensatz zu ihren Zeitgenossen in Pallistina eine besondere
Profangerichtsbarkeit nicht besassen, und Matthias Mi e se s
Aufdeckung der jiidischen Vorlage tier Johannes-Apokalypse.
Z.eitschrift fiir die Geschichte der Juden
in D'e ut s c h lan d. Philo-Verlag, Berlin. III. Heft 1930.
Jahresabonnement RM. ;10.-, Einzelheft RM. 2.75.
Das Oktoberheft.der ,,Zeitschrift fiir die Ge-
schic h t e der Juden in Deu ts ch lan d" (Philo-Ver-
lag, Berlin SW 68) bringt einen lehrreidien Beitrag zur Ge-
sdhichte der Reich.shauptstadt, ,,Die Juden im Berliner Wirt-
sdhaftsleben ,ur Zeit des Merkantilismus", von Dr. Huag o
R'a c he 1, einem der Mitarbeiter der Acta Borussica, Hier
wird auf Grund griindlicher Kenntnis der Akten in piner
grossen Linie dargestellt, welche Leistlingen des Judentum
sdhon in der Voremantipationszeit fiir die wirtschaftliche


und kulturell-geistige Entwicklung der Stadt aufzuweisen
hat. Diplomingenieur Dr. Ale xa nd er Pin t h us berich-
tet in seinen ,,Studien iiber die bauliche Entwicklung der
Judengassen in .deutschen Stlidten" diesmal iiber die Bezie-
hungen der Judensiedlungen zum Stadtganzen und ihre Ge-
staltung im einzelnen. Seine 11etrachtungen zur ,,Neueren
gesichiditswissenichaftlichen und zeitgesdiichtlichen Lite-
ratur" beschliesst Dr. Raphael Straus (Miinchen) mit
ainer eingehenden Kritik voi Passarges Hassgesiingen in
anthropogeographischem Gewande. Cecil Roth (London)
weist neue Wege zur Erforschung der Uiltesten Gesdhichte
lder Marranen in Hamburg, er sdch6pft dabei aus Prozess-
protokollen der portugiesischen Inquisition, die in Lissabon
anfbewahrt sind. Studienassessor Hans Lichtenstein (Schlo-
chau) veriffentlicht im Urtext zwei Klagelieder tiber die
Opfer der Verfolgungen des Jahres 1096. Prediger S. Stein-
berg (Wolfenbtittel) aufschlussreiche' ,,Bekanntmachungen
des Kgl Westphiilischen Konsistoriutms der Israeliten zu
Kassel ans den Jahren 1808-1813". Ein Anhang von kleine-
ren Abhandlungen, Rezensionen und wissenshdaftlichen
Nadchrichten beschliesst das inhaltsreiche Heft.
Irene Nemirowsky: David Golder, Berlin
1930, S. Fischer-Verlag. Eine gegen Ende des Krieges in
Frankreich eingewanderte junge Russin schreibt einen Ro-
man, der nach der Ankiindigung des Verlages einen ausser-
gew6hnlichen Erfolg, wie auda ha6dst beachtliche Anerken-
nung bei der Kritik gefunden hat. Er liegt uns nunmehr in
deutsdier Uebersetzung vor. Es ist schwer, ein zusammen-
fasserides und klares Urteil iiber den Wert des Romans ab-
zugeben. Mag sein, dass man bei der starken psydiologi-
schen Gabe der Verfasserin, sich in seclisdie Vorgiinge ein-
zufiihlen, ihre Voraussetzungen eind Wirkungen zu erken-
nen und zur Darstellung zu bringen, iihr eine immerhin
bedeutende schriftstellerische Begabung zuspredcen muss.
Aber dariiber hinaus hitte sie sich doch mehr der Wirkung
ihrer allzu realen, ja einseitigen Darbietung von Dingen
and Personen bewusst sein sollen. Das sei kein Vorwurf,
denn dichterisches Schaffen gestaltet frei und unabhlingig
von'Konsequenzen, welcher Art sie audh'seien. Aber in einer
Sphiire, wo Einzelpersonen Gefahr laufen, auch literarisch
typisiert .zu werden, ist ,stiirkste Objektivitiit und Ein-
engung gewisser unangenehmer Charakterziige auf das In-
dividuum geboten. David Golder, hineingestellt in den Kreis
seiner grtsstenteils jiidisdchen Umgebung, in den Kreis der
Sin beeinflussenden und formenden Personen, ist ein
Einzelmenshd wie alle die, ,die sich auch sonst plastishd be-
sonders abheben. Gross ist -die Gefahr, -dass man aus ihm,


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dem 100prozentigen Geldmensdien. wie aus allen anderen
NMensdien seiner engeren Umgebung Reprisentanten einer
Gemeinsdiaft zu madien sidi anschickt Dabei ist dieser
David Golder im Grunde eine tragi-ide Natur. die einge-
spannt .in die ihr bezwingenden Formen eiues riesigen
Finanzapparate,. aiserlidi \ ie innerlich zu Gounde gehen
mus. Verzerrt und gradiebbha karrikierl sind die Mitglie-
der seiner geisliig und nmralisdi erkoimmenen Familie, die
in sinnlnser Pra-serei unid ohne jeglidi-s Verst~ndnis fur
die Tragik seine. Leb-ns den volligen Ziisammenhrudi
herbeiulih'en. \licr lies.er ausserLidie Zusammenbrudi ist
fiir Golier zugl-.id I- rlosing und Befreiung. Hieran andert
die Tat-jdie nidit,. dass er am Sdiliias der Erzahlung noch
einmal in denc Strudel .hi s Lebens linein-etrieben w.ird und
dabei -elnd zigrund- gelit.
Dr M S a I o ni

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Frilz Sondlwcimer
ieb. 19. \ugust 1;79
ge-l. 20. NovLrember 1930.
Siditbar fLir alle, die
ibm nahestanden, thing
seit langem das schwarze
VerhKngnis diber ibm.
Es war erschdtternd zu
Sbehibaditen. wvie unauf-
haltsam bier die Krank.
heit ein Leben aur der
M.iltag--hih e zerstirte.
ersabitlernid vor allem
derhalb. %veil es sidc
um ein so durd(aus tii-
ti ,-s unIn erfii ll.es Da-
sein liai nd'elte. Fritz
sondheimer geholrte -
untl d'lrin Frolgte er der
Tridlitinn seiner ange-
sehenen Familie zu
lenen Menschen. fUr die
der Berut niemals der
einige Inhalt, vielleidit
nicht einmal der we-
eientliche iihalt des Lbens =ein kann So hat er sih .sdhon in
lingen Jahren der Betatigung aul all.gemein-j iddisdiem Gebiet
', gewanl-t. er 7ehijite in Frankfurt ir den Pionieren der
uionistischen Bewegiung. In spliter'en Jnhren. als Chef einer
bedeulendlen Handellfirma. widmete er einen grossen Teil
seiner Zeit uani seiner Arbeitskraft der Verwaltung der Ge-
meinde, zuers;t alM Mitglied des Aussdtusses -und seit 1921
als Mlitgl.ied de-s Vorstands Hier hat er die ihm anvertrauten
Verwaltuingfrweige. vor allem das Finanz- und Beamten-
res-.ort, mit 'onrbildlidier Gewissenhaltigkeit belreiit, aber
audi an den iUbrigen Angelegenleiten der Gemeinde stirk-
sten Anteil gennmmen und sidi d adurdi bald massgebenden
Einfliss gesid-ert. Mit besnnderer Hingabe nahm er sicd
der Verwaltun" des Krankenhauses an. in dessen Pflegamt
er seit November 1927 den Vorsitz fiUhrte. und wo seine
Initiative sidi in ganz besonderem Mass entfalten koante.


Hygienischsfe Verarbeifung nur edelster Getreidesorten
burgt fur die Gberragende einzigarfige Qualitat von


Audi dem Schuulrat des Plulanthropins hat er als Delegier-
ter des Vorstand-s wihrend einiger Zeit anaebhrt. Zudem
w'ar er langere Zeit als I-Iandelsgeriditsrat tatig. Einfach-
heit und Liebenswiirdigkeit. dahei Anufgesdilnssenheit und
lebendige Anteilnahme waren dlie Grindziige seines
Wesens. sie sicherten ibm die Freiindsdiaft und Achtiiun
aller Kreisc. mit denen er in Beriihrung kam.
Die Ver-lienste Frilz Sondheimers um die Verwaltung
der Genieintle und ihre Anstalten bleiben unvergessen, sie
In(en e.ainen Hinterbliebenlen 7um Trost und zum Segen
pe reidien!
Die B i e t z ii n g fand am 21. November auf dem
F rieilhof an tder Rat Beilstra-ce statt Im Sinn des Heim-
peZ'aneenn nnrl wegen deq Neumonllagaes w\irden keinerlei
Xnsprachen ;ehalten. uni-o einI.ruck'voller r die stiumme
Traiui-r der Vilen. di. trt, tz des nalihnden Sabbats dem
Toten 'on idr Wnhnin7 his zum Grabe das letter Celeite
gabe.n.
Der Vorstand der Gemeinde hielt am 24. No-
vember eine Tr.tuersitziing ah. an der auch einige Familien-
angehogi ie teilnahmen. Der Vorsitzende des Vorstands,
Herr Justizral D r B I a u. ferner Dr. Hugo Emmerich
nnd Syndikns Dr. a ve r widmeten dem Dahingeschie-
rlenen warme Nadirufe
\idia das PfleLamt de- Krankenhauses hielt
am 25. November eine Trauersilzune. in der Herr Emil
Carl Oppenheirn er als Mitglied des PfegamIs und
Herr Prof. Dr. I aac names der Aerzte und der
Sdchesternsd-iaft dem heimgegangenen Vorsitzenden des
Pnleanit. letzte Danke-' orte nchr.iefen

Beerdigungskonimissar Saly Adler
geb IS. Mai 1S76.
,est. 5 November 1930.
Mit dem Hinscdeiden Salv Aillers hat die Gemeintle den
\crliist eine lanin ahrigen und verdienten Beamten zu be-
klagen Adll:r ;t :m I April 19118 al Nachdfolger Julias
\\ e thleimer 71imn Be- ri.llcingskimmi.;-ar der Gemeinde er-
uiinnt wr mden Er bat in mehr als zwanzigjibriger auf-
opterndler Tbtigkeit mit vnrnehmer Ruhe und einem beson-
leren Ma-s '\.n T.akt einer eros-en An.rahl 'on Geneinde-
iiiitglieilern in -ci "erern iinl leiderfU llten Stuniden beige-
stanflen. bis ihn adi;iw re ErIl.rankiing zwa ng. das verant-
wortung-vulle Ant. an drm er mit grosser Pflidittreue und
-mit Einsetzung seiner gan/en Persbnlichkeit thing. nieder-
zulegen. Des ertw.ungenen Ruhe.tanrles konnte er sich
leider nicht lunge erlreien: ein asicher und sainfter Tod hat
;hn ion s(ch-erem Leiden erlbst
Die Geme.indeverwaltung wird demn verdienten Beamten
ein ehreniolles Gedlenken bewahren.


Samuel Freudenberger
Samuel Freudenherger w.ar am 20. February 1839 in Sins-
heim in Baden gc-boren: beiseiner Verheiratung im Jahre 1886
nahm er csinen nohn.itz in Frankfurt am Main und zihlte
sectl die'er Zeit zu den treuesten Mitgliedern unserer Ge-
ineinle. Hier ei freute er sidi dank seiner peinlidien Ge-
\ is.senhbftigke-.il in Handel und Wandel, gepaart mit einer
gewinnenden Liebenswiirdigkeit und einen sidieren Blide
Fir die Zeiterforilernisse einer steigenden Acdtung und Be-
liebtbeit und durfte sich ruhmen, dass sein Urteil und seine






135
Sachkenntnis in den Kreihen seiner engeren Fachkollegen
gesucht und gebichtet wurde. Auth (lie Gemeinde erkannte
in ibm eine sdiatzenswerte Persinlidikeit und iibertrug
ihm als Zeidien ihre,- Veitraueus das Amt eines Synagogen-
vorstehers der Hauptsynagoge, das er in den Jabhren 1922
bis 1926 mit gro-,ser Gekwissenhaftigket tiuntl Hingebung be-
kleidele. Im Jaire 1923 wahlte ihn der Vorstaul der Haupt-
synagogc zu 'sincitin rr-ilzenden. Eine tttckisihe Krankheti
warf ihn. der sich iitnhiiir einer bencileniwerten Gesundheil
er'ieut hatte, a1.ut ein kurzes Kilanikenlager. von dem er
in Alter von 71 Jabhren ciirdci ei, n anfite Toil am 13 Ok-
tober 1930 erlbsl wuiile Uelb-e den Kre-_ iler Kinder undI
Enkcl h;naus% wirdi ,ein .\nd,-enken bei alien. die ihn kannten.
in Ehren rltlebh.n

Goldene Hlochzeil.
Am t. Dezeminl-r foiern die heleut i J o s e I G r u n e -
1a 1i n iin.I F au A at h e. geb. D alb e im. Tliheobal..-
--ta,-e 2. in \roll- I Ru ligkeIt .la- Fest der golde .nen
lod ie/it
Silberne Hodizeil.
Herr A. S k o % o n n- k i iind Frau A i nit a. ge.). D .'- r-
/ in ;k i. SJlintiaga'_.e 41. feierte:-n am 21. November das
Fe-,t der Sillitern.-i n l-[ichzeit.
0'. Geihuirtstag.
iler A .\ I.t I. Ln 1{t i n [b e er g, Herbartl-r 13. konnie
iam 4. Dezeinmler in k;-iperliiher Lidii geistiger Frisdie sein,-n
i.i. Gehb rt, a'. be'l- it hen Herr R,-e,,nberg isIt der alteste
Be-ud tier der Kiunkenihalii-S iiagi.tge. in dler er friiher
mi'li rere JAibh i i tic-*etc .
Sahwetecr Olberin Min na Hirsch reierte am 1. De-
zember thren7 (ebiirtstag lir Wirken wird in der Januar-
Numnimer -,1n b,-ruf.-iier Seite gesduildert werden.
60. Gebur(stag.
Der laiig;: iij t-e Beamte ie-, Besdtattun~w-,esens der Ge-
meinde. Herr .\A d 1:1 A -C h enb rand. feirrie am 17. No.
tem:lnber d. J. in \oller kirp.-rlicher und geistiger Riistigkeit
Se.iflein bo. GCburt-i t.ag


I Verindertingen im Personen, .tnd
Smiin 1I. Ololher .1930 I ns 1.. No Iemiber 11130

Barinizwa-Feiern,
\ na ge -a m B irn iplat \\alter Be rgel. 1. Ulmen-
-tr'as-e: 6
H .1 ip 1 t t nagog e Hans /i c k1 r man n. Hansa-
Allee IS Bruni, K iesel. OII,-main -.\nlage I. Heinz
Heppe i nh i ni e i. Sti'a le-ti "1 4
W es t en l < nag oge. E ri:ci L o wen t, I :- in, Hermann-
'-tra se ':. -- Xlx r I ia ii g e r. Paul Ehrlichstr 26.
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Sa. 20. Fruhg. 7.10, mg. 8.15 P red i g t. nm. 13 u. 16, Sabb.-
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Sa. 27. mg. 8.45, nm. ib, Sabb.-Ausg. 17.25
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Fr. 5. December 1930. ab. 16
Sa. 6. mg. 8.15, Nm.- u. .\bgdt. 16.15. Lehrvortrag
Fr. 12. ab. 16
Sa. 13. mg. 8.15, Nm.- .i. Abgdt. 16.15. LehFvortrag
Fr. 19. ab. 16.05
Sm. 20. mg. 8.15. Nm.- u. Abgdt. 16.20. Lehrvortrag
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Sa. 27. mg. 8.15, Nm.- u. Abgdt. 16.25. Lehrvortrag
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Wodiengotlesdienst: mg 7.30, nni. 19


Verzeichnis der unter Aufsicht
der Ritual-Kommission stlehenden Geschifte.
Die Ritual-Kommission tlbernimmt die Gewahr fUr rituelle
Zuverlassigkeit n u r hei den nachsLehend aufgeftlhrten Firmen.
Im Ubrigen bestebt Veranlassung, die Bezieher ritualler Fleisch-
waren darauf binzuweisen, dafi die GeschliftsankUndigung
,,kocher" nicht immer eine GewLhr fir einwandfreie rituelle
Beschaffenheit der angebotenen Fleischwaren bietet.
Restanrationen:
Restauration Roginer, Zeil 44I.
R. Sdieuer, Borsenplatz 7, H. 27327.
Milchhandlungen:
Max Griinebaum, Redineigrabenstrafle 8
S. Enbhorn, Oslendstra0e 1, C. 47282.
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Max Levi, Bornesir. 30 und Hanauer Landstr. 27. H. 29325.
Julius Loeser, Gr. Eschenheimerstr. 72, Hansa 27471.
Phil. Schdnbach. Sandweg 37, C. 441~4.
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Eduard Stahl (S. oldcdhmidt Nadif.), Redineistr.8, H.25838.
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Simon Crtinebaum, Birnestr. 1, Hansa 28329.
Adolf Hef, LangestraBe 37, Hansa 23383.
Sigmund Levita, Weberslrate 12. Zeppelin 55333.
B. Straul, V\we., Mainstrafle 13. Hansa 25826.
Kaufmann Strauf. Baltonslrale 34. Hansa 25517.
Max Straufl, B6rnestrale 28, Hansa 24252.
Willy Sdtiller. Langesirafle 15. Hansa 29550
Wurstlereien and Ausschniltgeschiifte:
Moritz Herzberg, Zeil II, Hansa 21623.
Isidor Kaiser, Altegasse 3. Hansa 28510.
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stets genau zu den jeweils von der Fleischerinnung verOffent-
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ist dort einer unscrer Schichter anwesend.

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Das von den Schiichtern unscrer Gemeinde geschaictele
Geflugel tragt folgende Kennzeichen:
I) eine P I o m be mit dem Monatsdatum und dem Zeichen
der Gemeinde,
-1 einen Z ettel, auf welchem Tag und Stunde des
Sdchachens verzeichnei sind.
Auf vorstehende Zeichen ist bei Kau f v on Gefl iigel
insbesoudere in nidit unter Aufsicht stehenden Geschiiften
genau zu achten, da das Gefliigel, wenn mehr als dreimal
24 Stunden nach dem Sdcichaen verstrichen sind, nihit mehr
als kosdier betracdtet werden darr.
Ritualkommission der Israelitischen Gemeinde.

Zur Beachtung!
Es wird besonders darauf hingewlesen, daB die Ritual-
Kommission der Isr. Gemeinde flir die rituelle Zuverlassigkelt der
im Anzeigenteil des Gemeindeblaltes emplohlenen Waren kelne
Gewihr iibernimmt, soweit es sich nicht um Geschlite handelt,
die ihrer Aulsicht unterstellt sind.


Ende des redaktionellen Teiles. Abgeschlossen 1. Dez. 1930.
Die nachste Nummer erscheint am 3. January 1951. Sdilut] der
Redaklion und der Inseratenannahme am 24. December 1930


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Die piinkliche Zuslellung

kann nur dann sichergestellt werden,

wenn alle Bezieher den rechtzeiHgen Ein-

gang der einzelnen Hummern fortlaufend

uberwachen. Das Blatt erscheint in der

Regel in der ersten Woche ledes Monats.

Beschwerden sind zunlichst bei dem Brief-

riiger oder bei dem zustindigen Postamf

anzubringen, da die Zustellung vertraglich

der Post ibertragen ist. Nur wenn seltens

der Post keine Hbhilfe geschaffen wird,

st der Gemeinde Hitteilung zu machen.








Statistische Ubersicht


I. Geburten:
a) jid.Eltern . .


b) Mischehe 1. jid.
2. .
c) Unehelich. .


Mutter
Vater


Knaben Madchen


9



1


8


Summe

17



1


10 8 18


Kind

II
I!
It
ft
II


October 1930 (Vorlmufge Ziffem)


JQd.
Inaben
3
2
1
2


Ehen
Midchen
3
2
1
1

1


Mischehen
Knaben MIdchen


Unehelich
Knaben Midchbn
1 -


e) Todesursache

1) Krankheit:.

2) Unfall:

3) Selbstmord:

4) Verbrechen:


Manner

18


Frauen


d) Bestattungsart Manner Frauen
1) Erdbestattungen: 15 15

2) Feuerbestattungen: 3 1

Ill. Einsegnungen: (Barmlzwos und Konfirmationen)
kons. Ritus lib. Ritus Summe
a) Knaben: 1 4 5
b) Madchen: -- | -


Alter der Ehegatten Zhl Miscriehen
IV. EheschlieBungen: unter20 20-25 25-30 30-35 35-40 40-50 50-60 60-70 Zaer Je ml JUai
M F M F M F M F M F M F M F M F Enen c Juan-

a) Nach kons. Ritus 1 2 1 2 3 1 1 1 6 -

b) Nach lib. Ritus 2 2 2 -
c) ohne Mitwirkung 1 5 3 1 1 2 2 1 1 2 1 10 3 2
der Gemeinde _______________________ ______


V. Ehescheidungen:



a) Nach kons. Ritas

b) Nach lib. Ritus
c) ohne Milwirkung
der Gemeinde


hunter 20
M F


20-25
M F


Alter der Ehegatten _


25-30
M F-


M F
0- -


35-40
M F


40-50
M F


50-60
M F


Zahl d.
Schel.
dunger


VI. Austritte:
a) aus dem Judentum ..
b) aus der Gemeinde .
c) von den Ausgetretenen geh6ren
einer anderen Gemeinde an


VIll. Aufnahmen:

evang. kath. Diss.

a) Mdnner -


b) Frauen


Summe


rauen Summe Vil. Wiedereintritte: Manner Frauen Summe

- ---- a) in das Judentum ..... -
b) in die Gemeinde . -
c) von den Eingetretenen geharen-
einer anderen Gemeinde an -

IX. ZuzOge und Weqgzge:-
,Z ,_ __ S.....


a) ZuzUge von auswHrts


Ledig I
M F


1.) aus Dutlohlend 41 30
2.) aus dem Auoland 13 6
3.) unbekannt -
b) WegzLzde nach auswlrts
I.) nach Deutschland 58 39
2 ) .aoh dem Auslond 12 4
3.) unbekannt 15 7


ve,netralml l m
Zn d Zahl d Fam -AngehDr. Sume
Fam. M F M F
6 7 7 48 37
2 2 1
Summa 03 43
21 17 21 75 60
S I 8 0 12
Summ9 16 16
Summ. I[i 88


hiervon in
ETle 3. Ehe
F M F





S 9r. 4


emetinbeblatt


.... auc S cirme
sind billiger geworden.
Auf jeden Gabentisch gehBrt deshalb ein modarner Schirm
aber nur von


oS EMAN N
an der Konstabler Wache
Beslchtigen Sie meine SAuslagen.
Auch.Sie warden das Richtige dort finden.


Berichtigung.
Die von mir weitergegebene Behauptung,
Hitler habe im Park-Hotel Kaiserhof
Frankfurt a. M. gewohnt und dort seine
Wache aufgestellt, entspricht, wie ich mich
zwischenzeitlich Olberzeugt habe, nicht
den Tatsachen. Ich bedauere diese
Aeuuferung und berichtige sie, um
falschen, in diesem Zusammenhang mir
zugetragenen Gerfichten fiber d. politische
Einstellung der Inhaber des Park-Hotels
Kaiserhof entgegenzutreten.
Frankfurt-Main, den 15. November 1930.
H. MAYER


@eid)dft6nummer:
29 B 508/30
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be6 ( cEl. Sd)immie, granffurt a. 1, ylnarbaidroe 345
vertreten butd) 3.=1. d r. 3ofef r a n jier, $rioaitl ger8
gegen
ben Jltofes nge[tSlpi8, ranffurt a. 11., &pnauerlanbftr. 38,
nertreien burd) 91.='1. Sofef flibantr, t)ier, Wingeflagten
megen Beleibigung.
ag 91lmtegeridlt 1bt. 29 in Jranffurt a. W. tlat
am 5. gloDember 1930 ffir Sted)t erfannt:
er 'lngeTfagte mirb rmeen Offentldier Seletbigung-
Sergyelln geqen 185 unb 200 St. 310. au einer @elbv
ftrafe uon 20.-- SIm, Lifeweife gu 2 Sagen !aft unb
in bie oftenn beg Serfalbren8 oerurteilt.
T'em $riuatflidger nirb bag iledlt einger~umt, ben
entld)eibenben teil bel Urteils innert)alb uon 6 S odien
feit ber U1edjtgfrait biefe, UtteilS auf often be' 9In-
geflagTen in bem Oemeinbeblatt ber ilraelitildlen Bev
meibe in Sganffuit am main einmal Bffentlid betannt
au madden.
Vie oor[tebenbe 91bWd)rift ber Urteilsformel wirb beglaubigt.
%as Urteil ift notllItrdbar.
gran[furt a. ~r., ben 18. tou. 1930.
$beua. 9lmt6gerid)t grantfurt a. ~t.
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