Jüdische Rundschau (Berlin)

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Material Information

Title:
Jüdische Rundschau (Berlin)
Alternate Title:
Israelitische Rundschau
Berliner Vereinsbote
Distinctive title:
800 years of Maimonides : no. 29 (April 9, 1935)
40th anniversary issue : no. 31/32 (April 17, 1935)
New Year issue : no. 76/77 (September 23, 1938)
800 years of Maimonides : no. 30 (April 12, 1935)
Physical Description:
Serial
Language:
English
Creator:
Zionistische Vereinigung für Deutschland
Publisher:
s.n.
Place of Publication:
Berlin

Subjects

Genre:
serial   ( sobekcm )

Notes

General Note:
Vol.1-5,1895\96-1900: Berliner Vereinsbote.
General Note:
Vol.6-7, No.39,1901-02: Israelitische Rundschau.
General Note:
Absorbs Zionist Breslau on May 24,1901.
General Note:
Has supplements: Kinder-Rundschau, Literaturblatt der juedischen Rundschau and Schriftenreihe der juedischen Rundschau.
General Note:
Superseded after Vol.43, No.89, Nov.1938 by juedische Welt-Rundschau issued in Jerusalem.
General Note:
Electronic access only.

Record Information

Source Institution:
University of Florida
Rights Management:
All applicable rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier:
oclc - 607112998
System ID:
AA00000369:00003

Full Text



fr. 31/32 / Jahrgang 40






JUDIISCHE RU


SdarMIft~tunZ,VerIag a. Anzelgonverwaltungs 3.r~uWlS,,E.Inokut,~j$
Fwurul: Sammel-Nr.11 Bismarck 3181/82,7165/70,7240/47. B~zuguprois .Moaa
Rid 2.-, is Viertaliahr RiM 5,75. PootscIheck.JKontei der Vertriebs-Abrtaiuno
Berlin 71573 (fair Grog.Berlin), Berlin 17392 (flt rdas ibrige Reichi). Auslands.
being In Jeweiliger Landeowiihrung. Eradisint jeode Dionstag mand Wretag.


BERLIN


MITTWOCH, 17. APRIL 1935


Prels 40 RpL


10 Rp'
Schalter
Freitag 9-151
die Freitag-Am


Der ZionlafIus erstrebt f(Ir cdas adische Valk die Schaffung elner Gffentflch rechtllch gesichorten Helmstatte In


Unser


,,Stirb und Werde"


Vierzig Jahre
Wenn der Winter hinter uns liegt und die Natur
sich zu neuem Leben regt, feiern wir Juden das Fest
der Auferstehung unseres Volkes. Seit Jahrtausenden
wird an diesem Tag fiber den Auszug aus Aegypten
gesprochen, und jeder, so hei8t es, ist verpflichtet, es
so zu betrachten, als ob e r s elbst aus Aegypten
gezogen ware. Niemand darf die Freiheit als ein gleich-
giiltig gewordenes Gut, als Sache der Gewohnheit be-
trachten; selbst nach Jahrtausenden noch muB jeder
sich bewuBt sein, daB diese Freiheit einst e r w or b en,
schwer erkiimpft werden muBte, und so soil es weiter-
gesagt werden von Mund zu Mund, damit keiner es
vergift, damit es immer lebendig bleibt, damit keiner
sich sicher ffihle und nicht daran denke, daB Freiheit
nicht da ist, wo sie nicht stets v on neu em erobert
wird. Der Mensch, der nichts kennt als das Gefiihl
der Sicherheit, der sich ohne innere Zucht gehen liiBt,
seinem auBeren Wohlbehagen dient, ist in Wahrheit
gar kein Freier mehr. Er ist in unsichtbarer Weise
wieder Sklave geworden. Ihn ruttelt das PeBachfest auf.
Im Zeitalter der Emanzipation haben viele Juden
ihre Feste nicht mehr gefeiert, auch nicht das Peflach-
'Jyst. Aber auch, wo man es feierte, hielt man es im
Wyesentlichen ffir eine Summe religi6ser Zeremonien. Erst
ls der innere Blick sich wieder dem jiidischen Schick-
sal zuwandte, als wir ergriffen und erschiittert die Zu-
sammenhiainge wieder eriaBten, machten wir. die Ent-
deckung, daB die Feste so aktuell und lebendig sind
wie der immer wiederkehrende ProzeB der Auferstehung
der Natur imn Friihling, fiber den wir zu PeBach die
herrliche Schilderung des ,,Hohen Liedes" lesen. Die
Worte der Haggadah sind nicht symbolisch, sondern
buchstablich gemeint: nicht um unsere Vorviiter in
grauer Urzeit, sondern um uns selbst, die wir hier sitzen,
'handelt es sich. An u ns richtet sich die Mahnung,
unser eigenes Leben zu iiberpriifen. Frei sind wir, wenn
wir innerlich uns frei fiihien. Wir Juden von heute haben
ein neues Weltgefiihl.

Eine neue Art, jiidisch zu denken und zu fiihlen,
hat uns frei gemacht; wir empfinden das Jude-
Sein nicht als Makel oder Last, sondern als
Gliick und als hohe Bestimmung. Und so sind
wir bereit fur PeBach.
Dieses Fest ist uns ein wunderbarer Zusammenhang
kosmischen Erwachens, nationaler Befreiung und mensch-
licher Liiuterung. Freiheit und Knechtschaft sind nicht
Zustiinde, die ein ffir allemal einander abl6sen, son-
dern sie sind ewigem Wechsel unterworfen wie die
Jahreszeiten. Die Geschichte vom Auszug aus Aegypten
begleitet unser Volk wie ein unendlicher Trost. In den
finstersten Gassen des Ghetto, in Armut, Elend und Er-
niedrigung triiumte das Volk von Befreiung und Er-
l6sung, und das groBe Wunder, das am Anfang unserer
Geschichte steht, konnte immer wieder m6glich sein.
Freilich, wenn die Hilfe sich ankiindigt, traut man ihr
nicht, und vor allem will man selbst kein Opfer ffir
Ungewisses bringen. Aber auch zur Zeit des Moses war
die Masse des Volkes von gr6lter Skepsis erfiillt. In
jeder Bewegung, in jedem sch6pferischen Bemiihen um
etwas Neues sind diese Erscheinungen des Unglaubens
selbstverstLindliche Begleitung. Der Weg ins Unbekannte
und Ungewisse erzeugt ein Grauen. Das Geschlecht
der Knechtschaft muBte in der Wfiste sterben, und
ein neues, gliitubiges und tatbercites Geschlecht erst
konnte die Freiheit verwirklichen. Vierzig Jahre Wiisten-
wanderung Wandel der Generation! Auch dies ein
ewiges Symbol unserer Geschichte, und vielleicht der
ganzen Menschhcit. Denn alles, was mit uns geschah,
was die Geschichte des PeBachwunders enthiilt, ist gar
nicht nur auf uns beschrainkt, sondern hat a 11 g e m e i n e
Geltung. An dem Beispiel unserer nationalen Geschichte
bekundet sich ein ewiges Gesetz, das Gesetz des Stir b
u n d W e r d e, jenes wunderbare Walten, das in jedem
Friihjahr die Auferstehung der Natur bewirkt und immer
wieder neue Generationen vor neue Aufgaben stellt.


An diesem Abend, wo nach der Tradition die Gegen-
fiberstellung von Viitern und S6hnen in der charakteristi-
schen Form des Fragens und Antwortens vor sich geht,
werden wir uns bewuft, welche Last auf der neuen
Generation ruht. Und wir haben, wenn wir die letzten
40 Jahre ilberdenken, die GewiBheit:
Unsere Kinder werden leben, das jiidische Volk
wird leben!
Das jifdische Volk steht im Galuth stets in einer
Prfifung, aber die letzten zwei Jahre haben fiir uns
deutsche Juden in besonderem MaBe eine Pruifung be-
deutet. Um uns und mit uns ist etwas geschehen,
was unsere innere Standhaftigkeit auf die schwerste
Probe stellte. Zwar gab es immer einen Antisemitismus,
der als ein Phainomen der ,,Rand-Spannung" im Zu-
sammenleben einer Mehrheit und einer Minderheit er-
kldrt wurde. Aber dies wurde nur in kleinen Aus-
schnitten des Lebens wirklich fiihlbar. Heute ist die
ganze Umwelt von der Ablehnung des Juden und
des Jildischen erfiillt. Das deutsche Volk, mit dem
wir zusammenlebten, organisiert sein, 6ffentliches
Leben auf der antijildischen Weltanschauung; die Aus-
stolung des Jiidischen wird im Bewultsein unserer



PES SAC H
Ziemt uns noch Frohsein und ein Fest zu felern?
Heim kehrt sidi uns zur Fremde, Haus zum Zelt . .
Wir Schiff im Sturm, wer weifi, ob es zerschellf?
Wir .- Blatt im Wind, wer wei6, wohin es fallt?
Gew61lk umdroht uns, finsfer, kalt und bleiern.
Dennoch: was sich in dieser Nachf begeben,
lebt hell in unserm Blut mit Urgewalt,
viertausend Jahre machen es nicht alt . .
Blitz ward zur Flamme. Flamme zur Gestalt -
ein Mann stand auf. der lehrie uns zu leben.
Nicht s e i n e m Namen ist der Tag verschrieben,
well er uns einen gr66tern eingeprigt,
der fiber allem wallet, was sich regt. -
Seit er das WORT in unsre Hand gelegt,
sind wir ein Volk geworden und geblieben.
Volk aus dem Wort, das sich zum Buch entfalte',
der NAME Ober Volk und Buch und Wort
als Glanz gebreitet, leuchtend fort und fort,
unl6schlich, heut wie damals, hier wie dort -
Volk, fiber dem sein Gott als K6nig wallet . .
Volk, dos sehr oft den K6nig preisgegeben,
ihm heute folgie, morgen ihm enfglitt,
heut ihn verriet und morgen ffr ihn strict,
dann ganz SEIN Volk, wenn es am tiefsten litt
und alles fOr ihn gab, Besitz und Leben. -
Die Nacht ist dies vom Anbeginn zu sagen,
der Ruf und Aufbruch und Befreiung war -
die Stunde Gottes, die aus einer Schar
ein Volk schuf, st6rrisch, zwiegespalten zwar,
doch hat's den NAMEN durch die Welt getragen.
Der NAME, zu entrfckt, da6f man ihn nenne,
nie gleich, beschworbar nie, doch immer da:
dann wunderbar vertraut und trostend nah,
wenn ER uns schlug, wenn uns ein Leid geschah, -
doch, going's uns wohl, als ob ihn keiner kenne.
Bald Sturz, bald Steigen Wachsen und Zerrinnen,
Emp6rung, Darbnis, Kriegsnot, Zwietracht, Mord :
so sah der M6rtel aus, der Bau wuchs fort,
der Acker so, die Saat ist nichit verdorri.
So lernten wir: Verlieren hei6ft gewinnen.
Manchmal war BrOllen um uns, manchmal Stille . .
Und wenn's uns traf wie Wetter, Hieb um Hieb,
Tod einbrach fiber Tod ein Rest verblieb,
der trug durdA alle Drangsal, Not und Pein
das Wissen welter: Dennoch wir sind Seln . .
ER wirkt dodA unerforschlich ist Sein Wille.
Leopold Marx
Das Gedidci ist zum Verlesen im Rahmen der Sederhandlung gedahit.


Umwelt nicht nur zu einer gesellschaftlichen und staats-
politischen, sondern hiaufig auch zu einer moralischen
Kategorie. Den Juden wird nur das Schlimmste zu-
getraut. in Zeitungen und Zeitschriften wird vor den


Juden gewarnt. Dies ist eine Erscheinung, die uns auf
das tiefste erregen muf. Aber wir miissen uns hilten,
anzuklagen oder iiberlegen zu tun. Wir h6ren und lesen
hidufig Worte wie ,,jidische Gaunereien" usw. und
fragen uns, wie es in Wahrheit darum steht. Und wenn
wir zu dem Ergebnis kommen, daB wir keine Gaune-
reien began;en haben, oder nicht mehr als andere
Menschen, dann ist das wahrhaftig noch kein Grund,
mit sich selbst zufrieden zu sein. Die groBe Gefahr
unserer jetzigen Lage besteht darin, daB wir unsere
eigene Sache unter dem Gesichtswinkel der gegen uns
erhobenen Vorwiirfe betrachten und schon zufrieden
sind, wenn wir erkennen, daBf diese unberechtigt sind.
Das ist aber auch eine unwiirdige Abhingigkeit von den
anderen. Worin wir gefehlt haben und was wir ver-
saiumt haben, sollen wir nach unseren eigenen Maf-
stfiben ermessen, und dabei sollen wir strong gegen
uns selbst sein. Denn es ist zu leicht und zu verlockend,
sich fiber andere zu erheben, statt bei sich selbst Ord-
nung zu machen. Die Apologetik der letzten Jahrzehnte
hatte vor allem d as Uebel, daB durch sie der free
Blick auf uns selbst getriibt wurde. Die Apologetik hat
die anderen nicht ilberzeugt, uns selbst aber blauen Dunst
vorgemacht. Das Argument efsetzte uns das wirkliche
Leben.
Wahrscheinlich muRte es so sein. Die Oeschichts
hat ihren Sinn. Aber wenn die bessere Erkenntnir gM ,.
kommen ist, dann darf man nicht aus seelischer Tr5.g-
heit in der alten ,,Lebenslilge" verharren.
Wir unterscheiden uns heute von der Haltung
inserer VHter,
aber wir beschuldigen sie nicht und verurteilen sle
nicht,, denn. wir .verstehen, daB sie Produkte ihrer Zeit
waren. Wir fiihlen uns ihnen so nah und verbundeu.
wie nur je Vditer und S6hne; sie haben zwar ver-,
saiumt, den Sinn des Auszugs aus Aegypten zu reali-,
sieren, aber die Botschaft muBten sie uns doch weiter-
geben. Das empirische Judentum, das wir vorfinden,
ist eine Verzerrung des wahren Judentums, das uns vor-
schwebt. Darum ist unser Lebenswille nicht ,,Selbst-,
erhaltungstrieb", wie man es banal nannte, sondern
Wille zur Erneuerung. Wir wollen gar keine Erhaltung,,
wir wollen gar nicht das Bestehende, sondern wir wollen,
Aenderung, ein neues, ein a n d e r e s jiidisches Leben.
Stirb und Werde! Das Alte mag fallen, ein Neues er-
steht.
Das neu e J udentum, fiur das wir sprechen und
das erst jetzt allmihlich auch vor der Welt seine Gestalt
zu gewinnen beginnt, wire das wissen wir wohl -'
nicht m6glich ohne die Einwirkung bedeutender Geister
anderer Vl1ker, ohne unsere Beriihrung mit dem euro-
paischen Geist. Auch ffr die Worte und Werte der
groBen Juden. wiren wir vielleicht nicht aufnahmefhhig.-_-
gewesen ohne das, was wir auBerhalb gelernt haben.
Theodor Herzl, der, durch die Schule Europas durch-
gegangen, im tiefsten seiner noblen Seele verletzt war,
dessen ritterliches Ehrgeffihl und Menschenwiirde ihn
zwang, sich ,:von. der unhaltbar gewordenen Lage der
Juden abzuwenden, war der erste Jude der ,,neuent
Haltung". MAchad Haam lehrte uns das Ethos der Ver-
antwortung fiir das ganze Volk und die tiefe Ver-
kniupfung mit den jiidischen Kulturgiitern. Die Proble-
matik unseres Seins wurde uns aufgehellt durch Martin
Buber, der die persbnliche Judenfrage stellte und die
ewige religi6se Sehnsucht des Juden als Hauptele-
ment unseres Suchens erkannte. Die menschlichen Werte,
ohne die jiidisches Volkstum wesenlos ist, gaben uns
A. D. Gordon, Bialik u. a. Und der Name Kurt Blumen-
felds darf nicht fehlen, der durch seine mit modernlen
Erkenntnissen und modernen Methoden durchgeffihrte
Analyse der jiidischen Situation die Notwendigkeit einer
radikalen Entscheidung fiir den Zionismus zeigte.
Aber wir werden niemals verkennen, was wir den
Besten an d e re r V61ker verdanken. Schon -in der Ent-
wicklung der Zionsliebe, jener innigen ersten Regung
der nationalen Seele im ehemaligen RuBland, sind Ein-
wirkungen russischen Geistes nicht zu verkennen; die
gewaltige russische Literatu ind das sittliche Pathos
von Dostojewsky und Tolstoi h-ben diese Menschen
mitgeformt, die Bewegung des russischen ,,Volks-Sozia-
lismus", der die Intellektuellen zur pers6nlichen Arbeit






Selt 2 0JHEJJD'CERNSCAJN.1 ,1.I.13


im Volke und am Volke fiihrte, die Idee der unmittel-
baren Verwirklichung im pers6nlichen Leben, waren
von tiefer Wirkung. Und wenn wir vom deutschen
Zionismus sprechen, so gibt es auch hier Elemente,
'die uns durch deutschen Geist vermittelt wurden. Johann
Gottlieb Fichte, der Redner an die deutsche Naiton
hat auch fur uns gesprochen; freilich nicht in dem
Sinne, daB wir das Mysterium des deutschen Volkes,
das er verkiindete, nun fur uns in Anspruch genommen
hiitten, sondern in dem Sinne, daB wir das Allgemein-
gilltige dieser nationalen Konzeption auf uns iibertrugen.
Was ,,Charakter haben" heiBt, wie menschliche Ent-
schlossenheit zur aktiven Gestaltung des eigenen Schick-
sals gegen die Bequemlichkeit des Geschehen-Lassens
und gegen das Begnfigen im materiellen Wohlleben zu
setzen ist, das haben wir bei Fichte gelernt; wir haben
es, als wir zum Judentum gefunden hatten, in Achad
Haams Worten wiedergefunden und weiter, als wirunsere
Geschichte, die uns fremd gewesen war, zu verstehen
versuchten, in einer untibertrefflichen Weise in den gro8en
Erziihlungen unserer Vergangenheit, vor allem in dem
Kampf des Fiihrers Moses gegen die Widerspenstigen,
Kleinmuitigen im eigenen Volke. Hugo Bergmann hat
uns damals die Mosesgeschichte im Lichte der rigo-
rosen Ethik des deutschen Idealismus gezeigt, und
Fichtes Wort von der ,,Bestimmung des Men-
sch en" hat mitgeholfen, unserem Nationalismus die
ethische Note zu geben. Nicht ,,Selbstbestimmung" imr
Sinne einer schrankenlosen Willkiir, sondern ,,Bestim-
mung" zur Erfilllung einer Aufgabe, an ihr werden wir
vor dem ewigen Richterstuhl gemessen werden.
Heute ist bereits eine zweite Generation da, die
bewuBt und unbewu8t vieles von dem Gut, das das
erste Geschlecht erwerben mut3te, fibernommen hat.
,,Wehigaddeta lewincha" ,,du sollstes sagen deinem
Sohne". Dieses zentrale Wort unseres Sederabends hat
die ewige Kette der Tradition im juidischen Volke her-
gestellt. Wir sehen heute mit Freude und beinahe mit
Staunen, wie sich der jfidische Gestaltswandel bereits
in unserer Jugend verk6rpert. Das neue Judentum
ist auf dem Marsch. Es ist ein ganz anderes als
das von vorgestern. Auch die Schicksale des Galuth-
lebens wirken nicht verschiichternd und verirgernd, son-
dern als Material des Lebens, das zu gestalten wir da
sind. Wer z. B. in diesen Tagen, die doch gewif genug
Sorgenvolles fur die jiidische Gemeinschaft bringen, in
eine Versammlung oder Beratung der chaluzischen
Jugend kommt, wird tief beeindruckt sein von dem
volligen Fehlen jeder Verbitterung, jeder Un-
gehaltenheit gegenilber der AuBenwelt; frei von solchen
Geffihlen denken und sprechen diese jungen Menschen
von ihrem eigenen Dasein, das Weseritliche liegt" iir
sre i -j ii d isc h e n Bereich, im eigenen Pflichtenkreis.
"Wnrin Mingel und Fehler, wenn i.discihiche' tiizuliing-
lichkeit, Selbstsucht und b6se Triebe zu bek mpf~nt sind,
dann im e ig e n e n Volk, ffir das wir die Verantwortung
tragen, fiir dessen ,,Bestimmung" zu leben wir da sind.
Sind wir nun am Ende der vierzigjiihrigen
Wiistenwanderung?
Nicht mehr einen Haufen murrender und zweifelnder,
alle Schuld auf auBenstehende dritte Faktoren schieben-
der Menschen haben wir vor aus, sondern ein Geschlecht,
das, alle Schwierigkeiten und auch alle seine eigenen
Mingel kennend, die Last auf sich nimmt und spricht:
,,Wir wollen doch hinaufziehen".
An einer der reizvollsten Stellen der Haggadah wer-
den die vier psychologischen Typen charakterisiert, und
zwar in einer Weise, die dem kindlichen Verstiindnis
(man erziihlt es ja dem Kinde) entspricht. Der B6se-
wicht ist derjenige, der angesichts der PeBachfeier sagt:
,,Was soill euch dieser Dienst?" Euch! Geh6rt er
selbst denn nicht auch dazu? DaB er sich durch diese
Form der Frage aus der Gemeinschaft ausgeschlossen
hat, das, so sagt die Haggadah, ist die H a u p t s i n d e.
Und, so wird fortgefahren, der Mann hat recht: denn
ware e r in Aegypten gewesen, er ware nicht erl6st
worden.
Die Weisheit dieser volkstimlichen Erzihlung hat
alles vorausgesehen. Viele Juden, ja, vielleicht die mei-
sten Juden unseres Kulturkreises, hatten bei Anblick
eines Seders geliichelt und gefragt: ,,was soil euch
das?" ,,Euch", nicht: ,,uns". Und indem sie sich aus-
schlossen und anderswo zu Hause zu sein meinten, ver-
loren sie jede Gemeinschaft; und wurden schlieBlich
auch von den anderen als Gespenst gesehen, als Mensch
ohne Schatten.
An d i e s e m Sederabend aber haben wir wieder ein
,,Wir". Und die Frage nach dem Sinn dieser Nacht
und dieses Festes bekommt aus vollem Herzen eine Ant-
wort, wie noch nie. Und auch die friiher gefragt haben
wie der B6sewicht der Haggadah, sie mogen kommen
und mitfeiern. Denn es ist eine Wandlung in ihnen
vorgegangen, die Gemeinschaft ist wieder erstanden,
wir wissen wieder, was innere Freiheit ist und wie wir
um sie zu ringen haben. Der ProzeB der Erneuerung
hat begonnen, er gibt uns ein Gefihl der inneren Wilrde
und eine neue Haltung vor der Welt. Und so ffihlen
wir in dieser Zeit der Wende und des Umbruchs, daB
sich auch an uns das Gesetz des Aufbaus und der
Wieder ge bur t, des Stirb und Werde, erfiillen wird;
nicht um unsertwillen, sondern um des Namens
willen, den wir durch die Geschichte zu tragen haben.
Hauptschriftleiter: Dr. Robert W e lt s c h, Berlin-Charlottenburg 9.
Stellvertreter und verantwortlich: Kurt L o e w e n s t e in, Berlin W 15.
Anzeigenlciterin und verantwortlich fiir den Inhalt der Anzeigen:
Rut Posener, Berlin W30. Gilltig: Anzeigenpreisliste 2 v. 1. Jan. 1935.
Verlag und Anzcigenvcrwaltung: JuidLche Rundschau, Berlin \V 15,
Meinekestr. 10. D.-A. Mirz 33 944. Druck: Siegfried Scholem,
B erilin-S chnebecrg,


Ein Jubilaum der zionistischen Arbeit

Von Dr. Siegfried Moses, Vorsitzender der ZionistischenVereinigung fiir Deutschland


Eine in standigem geistigen Kampfe stehende, unab-
lhssig ringende Bewegung schAitzt den besinnlichen Rfickblick
auf die Vergangenheit, zu dem ein Jubilaum Anlaf gibt; aber
nur, um aus den Geschehnissen und Erfahrungen der Ver-
gangenheit zu lernen. Sie wirft bei solcher Gelegenheit auch
einen Blick in die Zukunft, um die Zukunftsm6glichkeiten zu
durchdenken und abzuschiitzen. Ein Jubilium ist uns Zio-
nisten willkommener und deshalb festlicher AnlaB, von der
Arbeit aufzusehen. Wir blicken riickwarts, schauen vorwarts
und gehen wieder an die Arbeit.
Wann konnte solche Verhaltungsweise mehr geboten sein
als in diesel Zeitpunkt und bei diesem Jubilaum? Der Zio-
nismus steht jetzt, nach einer wechselvollen Periode umfassen-
der gedanklicher und praktischer Arbeit, in einem Stadium
der Bewaihrung und Entscheidung. Der Kampf um seine Gel-
tung in der jiidischen Welt und der Kampf um den Aufbau
des Jfidischen Nationalheims in Palastina ist auf einem H6he-
punkte angelangt, und so erstaunlich uns selbst oft das Er-
reichte anmutet, so gering ist es, wenn man es an der Aufgabe
milt. Und mit der Arbeit in Deutschland steht es nicht anders;
wir deutschen Zionisten glauben gewif nicht, daB wir uns
gegentiber den Forderungen, die die Stunde an uns stellt, schon
endgiiltig bewiihrt, daB wir die uns auferlegte Prfifung be-
reits bestanden hitten. So wie allenthalben und mehr als
allenthalben lautet deshalb hier und heute unsere Parole; zio-
nistische Arbeit.
Freilich gibt es vielleicht keinen besseren Gradmesser fur
das wirklich Erreichte, for Position und Standort des deut-
schen Zionismus als die jeweilige Aktionsrichtung und den
wechselnden Aktionsradius der. ,,Jfidischen Rundschau", deren
vierzigjahriges Jubilaum wir jetzt feiern. In den Anfangen
des deutschen Zionismus ersch6pfte sich die Funktion der ,,Jui-
dischen Rundschau" darin, dai sie einem kleinen Kreis von
Menschen half, die zionistische Arbeit in Deutschland zu tra-
gen und allmaihlich ins nichtzionistische deutsche Judentum
inauszutragen. Es kam dann die Periode, in der der deutsche
Zionismus wesentlich auf die Richtung der zionistischen Arbeit
in Palistina selbst einzuwirken bestrebt war, und die ,,Juidische
Rundschau" ernsteste Aufmerksamkeit fand als die Stimme
einer zionistischen Gruppe, die von den Zionisten der Welt
besonders ernst genommen wurde, weil sie den Zionismus be-
sonders ernst nahm. Die letzten Jahre schliefilich brachten zu
der Wirkung in die Tiefe jene Wirkung in die Weite und
Breite, die sich in einem gewaltig vergr6Berten Leser- und
Anhingerkreise der ,,Jiidischen Rundschau" dokumentierte:
als der Zionismus Antwort gab auf Fragen, die dem deutschen
Judentum und im deutschen Judentum gestellt wurden -
Fragen, die unbeantwortet geblieben waren oder nur unzu-
langliche Antworten gefunden hatten, wenn es nicht die Zio-
nistische Vereinigung fur Deutschland und die ,,Jfidische
Rundschau" gegebni hiitte.
DaB die ,,Jfidische Rundschau" diese Antworten nicht
erst in dem Zeitpunkt fand, in dem die Fragen dringlich und


bedrohlich wurden, das ist vielleicht ein Umstand, auf den
sie noch stolzer sein darf als auf ihre auBeren Erfolge. Sie
brauchte in den Zeiten, in denen das jfidische Leben sich
pl6tzlich aufs iuBerste intensiviert hatte, nur in der der neuen
Period gemafBen Form zu k inden, was sie mit anderen
Worten, aber in der Sadie nicht anders schon gesagt hatte
- in den langen Jahren, in denen sie gegen starke judische
Widerstande daffir kiimpfte, daB das jiidische Leben intensi-
viert werde und daB die jfidischen Seelen zu jiidischem Sein
erwachen machten. Dies festzustellen, ist sachlich wichtig; man
miBversteht die ,,JUdische Rundschau" und die deutschen Zio-
nisten, wenn man ihren heutigen Analysen entnimmt, es liege
ihnen pers6nlich daran, aufzuzeigen, daB sie es ,,immer schon
gesagt" hatten. Nicht weil wir uns stolz in die Brust werfen
swollen, sprechen wir davon, wie sehr sich in diesen Zeiteni
das Gedankengut des Zionismus und die zionistische Antwort
auf die Judenfrage bewahrt haben; sondern deshalb, weil die
so erwiesene Gradlinigkeit und Folgerichtigkeit der zionisti-
schen Gedankengange die Gewahr dafiir bietet, daB hier und
nur hier Auswege aus einer Lage gegeben sein konnen, die so
oft ausweg1os scheinen will.
Aus solcliej Erkenntnis sch6pfen wir die Gewilheit, daB
der Zionismus deri "dischen Arbeit in Deutschland mehr und
mehr sein Gepraige ger.wird and daB unser Ringen um die
Seelen der deutschen Juden Erfi g haben wird. Voraussetzung
dafiir ist, daB die Wurzeln unsere. Kraft nicht verdorren,:
wir haben die sichere Hoffnung, daB z Ugeich unsere Verbun-
denheit mit dem Aufbau von Erez Israel ijjd mit der Zio-
nistischen Organisation immer starker werden un ,sich immer
sinnfalli er manifestieren wird. Auf beiden groBer.Lebens-
und Taitgkeitsgebieten war und ist ein Erfolg nur nitglich
dadurch, daB die ,,J(idische Rundschau" unablissig im Gle"tk-
klang und Einklang mit der zionistischen Bewegung izr
Deutschland wirkt nicht in dumpfer Abhangigkeit von der
Organisation wie en ,,Parteiblatt" und nicht in hochmuiiger
Ueberheblichkeit wie ein AuBenseiter, der von einem Logen-'
platz aus den Kriegsschauplatz betrachtet; sondern die Bewe-
gung begleitend zugleich als Dienerin und als Fiihrerin, ihr
folgend und doch vorangehend. -
Es gibt Falle, in denen es sachliches Gebot ist, nicht gans
im Sachlichen zu verweilen, sondern eine sachliche Bemerkung
fiber Pers6nliches anzuffigen. Die Redaktion der ,,Jfidischen
Rundschau" ist so unabhangig von der Zionistischen Vereini-
gung fur Deutschland, daB ihr Chefredakteur nicht verhindert
werden konnte, aus den in diesen Blittern ver6ffentlichten
Jubilaumsglfickwfinschen all das Viele auszumerzen, was in be-
wundernden, herzlichen und warren Worten ein pers6nliches
Lob flir ihn selbst zum Ausdruck brachte. Uns wird er aber
hoffentlich doch gestatten, wenigstens Eines auszusprechen:
daB die deutschen Zionisten und dariher hinaus weite Teile
der deutschen Judenheit sich bewuBt sind, in welchem Ags-
xiaBe die in 'de~ 'Geschichte des Zionismus und des, det-
sche'l Judentums unvergt ngliche Leistung der ,,Jiidischen
Riundschau" das pers6nliche Werk von. RQert Weltsch ist.?,
plt u e rescapazberctt odr i eeI


1909
(,,J. R.", 2. April 1909)
.... Ob unsere Zeitgenossen den verachtefen Wfisten-
wanderern ebenbfirtig sind? Ich glaube es nicht. Wenn heute
Moses und Ahron ihre Wunder verdoppelten, die meisten
wilrden in Aegypten bleiben; vielleicht wilrden die S6hne
Amrams von ihren Stammesgenossen verraten and als listige
Ausliinder iiber die Grenze geschafft. -
Zum Troste der Philister sei es gesagt: Unsere Vor-
fahren sind in der Tat nicht besser gewesen. Eine merk-
wilrdige Ueberlieferung, die der geschichtlichen Wahrheit nicht
ganz entbehren mag, klingt durch die Blatter des Midrasch:
die meisten Hebrier hiitten sich Moses widersetzt, als die Er-
l6sungsstunde schlug, und nur ein kleiner Teil wire dem
Rufe des Fixhrers gefolgt. Das Wort ,,chamuschim" bedeute ,,je
einer von ffinfen". Der fiinfte Teil nur des israelitischen
Volkes war zum Auszug bereit, vier Fuinftel waren Philister.
Diese Tatsache mag uns wie unseren Gegnern zum Troste
gereichen. (Aus: Emil Levy, ,,Der Auszug")

1918
(,,J. R.", 27. Miirz 1918)
.... Ein Trost nur ist bei all dem Leid, das unseretrt
palistinensischen Briidern im letzten Jahre widerfuhr, geblie-
ben: daB diese,,Verbannung"im Lande der Erlisung vielleicht
die letzte gewesen ist. Wenn Zeichen nicht triigen, so war
es die letzte. Am politischen Horizonte der Vl1ker, die fiber
das Schicksal des Landes bei Beendigung dieses Krieges zu
bestimmen haben, leuchtet die Morgenrote einer neuen groBen
Erkenntnis, die allen gemeinsam ist: daB Paliastina nur durch
jildische Kraft, durch jildischer Hainde Arbeit zu jener Ent-
faltung gebracht werden kann, die ihnen allen ein ersehntes
Ziel erscheint. Diese neue tiefe Erkenntnis ist es, die heute
allen Michten, denen die Zukunft Palistinas nahe geht, gemein-
sam ist. Sie ist uns eine Bilrgschaft, daB hinfort die zio-
nistischen Bestrebungen das richtige Verstiindnis und die
n6tige F6rderung von seiten aller GroBmichte erfahren wird,
die die Entwicklung des palastinensischen Bodens als eine
wichtige Aufgabe der Kulturmenschheit betrachtet....
.... Eine neue bessere, unsere Welt gilt es zu bauen!
LaBt uns, o Freunde, in diesem Jahre das traute Buch der
Haggadah mit neuen Sinnen erleben, den Sinnen, der das
Gel6bnis erfiillenden: heute hier in Knechtschaft gefesselt,
morgen im Lande Israels freie Manner!
(Aus: M. M., ,,Zum Freiheitsfest")

1925
(,,J. R.", 8. April 1925)
Die national Bewegung hat den jildischen Festeri ihren
ursprunglichen Sinn wiedergegeben. Ohne biegen und deuten
zu missen, verstehen wir heute wieder, was das heiBt: Aus
Knechtschaft in die Freiheit ziehen. Golus und Erez Israel
giad uns nicht mehir Symbole, sondern lebendige Vorstellungen.


Unsere Feste sind uns viel naher gekommen. Das Wort
T'chijah, Auferstehung, Wiedergeburt, hat seit etwa vierzig
Jahren wieder eine ganz aktuelle Bedeutung; und begreif-
licherweise vergleicht man die ,,Wiedergeburt" mit der ersten
Geburt des Volkes, dem Auszug aus Aegypten. Aber nicht nur
der natiirliche, nicht nur der historische Sinn des Festes ist
uns heute verstindlicher und niher, auch sein geistiger Ge-
halt, aus der Sphiire des Abstrak-ten in die Sphiire der Wirk-
lichkeit des Lebens heruntergeholt, spricht unmittelbar zu uns.
In Erziihlungen vom Auszug aus Aegypten sind die tiefsterl
politischen, psychologischen, menschlichen Erkenntnisse ent-
halten. Wir lobsingen am PeBachfest dem, der ,,uns heraus-
gefifihrt hat aus der Knechtschaft zur Freiheit". Aber damals
dachten unsere Vater anders. Sie lobten nicht, sie fluchten dem,
der sie aus der Ruhe ihres geordneten Sklavenlebens in das
Neue und Unbekannte riB. Die Freiheit war ihnen ein will-
kommenes Oeschenk nur, solange sie nichts anderes war als die
Flucht vor der Bedringnis und physischem Uebel. Sie warerl
,,national" nur aus negative Griinden. Ihr Nationalismus war
ein Kind des Antisemitismus, nicht mehr. Darum hat der
Auszug aus Aegypten die Kinder Israels noch nicht zum
Volke gemacht; sie waren nur eine Schar entlaufener Knechte,
immer widerstrebend, kleinmfitig und undiszipliniert. Erst
durch das grofle geistige Ereignis sind sie ein Vol k
geworden. Erst dann fiel die Last der Frei heit wahrhaft
auf sie, als sie als Volk ein Z iel, einen Gott hatten. Frei-
heit bedeutet die Verantwortung fur die eigene Entscheidung.
Alle unsere religi6sen Feste gelten im Grunde diesent
einen Gedanken. Denn die Freiheit kann nicht nur als eir
nationals Phiinomen begriffen werden; sie ist ein mensch-
liches Phiinomen. Das BewuBtsein der Freiheit in jeder Men-
schenbrust ist die Grundlage aller jfidischen Religiositit.
PeBach ist das erste friihlinghafte Bewu8twerden der Frei-
heit, Schawuoth ist die Konfrontation der sittlichen Forderung
des aus dem Gewittersturm ert6nenden ,,Du sollst". Und
so geht es fort bis zu dem herbstlichen Tage, da fiber den
Mi Bbrauch der Freiheit Riickschau gehalten wird und
die Forderung der grfl5ten Spannung, der groBten Freiheits-
Tat an den Menschen herantritt: der Umkehr. Dieses Geseta
durchzieht das jildische Jahr. Wir sollen es nicht verkleinern,
wir sollen es nicht verflachen, indem wir dem Auszug aus
Aegypten ein modernes politisches Gewand a'nziehen und una
an dieser politischen Parallele genug sein lassen.
Wohl hat die national Bewegung des Zionismus das
Judentum saikularisiert; wohl sind wir uns der natfirlichen, ein-
fachen Zusammenhange, der natiirlichen Bediirfnisse des Volks-
lebens, bewuBt geworden. Aber dadurch haben wir die groBe
geistige Tradition vor Jahrtausenden nicht preisgegeben, son-
dern erneuert, aus der Erstarrung ihrer Abstraktheit erl6st
In einem viel hbheren MaBe als es in einer anderen Generationr
der Fall gewesen sein kann, empfinden wir die Feste und
ihren geistigen Sinn als Stiicke unseres Lebens, aber auch als
ewige Mahnung, als den Imperativ des Geistes filr die Gestal-
tung unseres eigenen Lebens. .(RW, ,,Festtags-Ruadschau")


Aus alten Peflach-Artikeln


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31132, 17. rV. 1935,


Selte 2






Nr. 31/32, 17. IV. 1935 40 JATfRE JCDISCHE RUNDSCHATJ SeD'e 3


DAS LEBEN OHNE NACHBARN

Versuch einer ersten Analyse


Ghetto 1935
(aus einer Rede: ,,Jiidische Situation Heute")
Von JOACHIM PRINZ
Der folgende Abschnitt aus einem grofien Vortrag gibt
nur eine Analyse, ohne daft der im Vortrag selbst
vorgenommene Versuch der Losung hinzugefiagt
wurde.
DaB wir im Ghetto leben, das beginnt jetzt in unser
BewuBtsein zu dringen. Dieses Ghetto freilich unter-
scheidet sich in vielem, im Begriff und in der Wirklich-
keit, von dem, was wir bisher darunter verstanden.
Gerade deshalb scheint eine Analyse des Ghettos als
eines in neren und ii u B eren Zustandes, aber gerade
in diesen inneren Qualitiiten und Begriffsbestimmungen
eine lohnende und ftir die Kliirung der heutigen Situation
wichtige Aufgabe zu sein.
Der innere Zustand, welchen wir ,,Ghetto" heiBen,
offenbart sich in einer Tatsache, filr die es freilich nur
moralische MaBstaibe gibt, welche innen wachsen
und deshalb keine generelle Geltung haben, MaBstibe,
welche also graduell verschieden sind, je nach der Emp-
findsamkeit des einen und des anderen, und je nach den
Anspriichen, die er an das Leben stellt. Sei dem aber wie
immer, so nennen wir Ghetto aus unserem Empfinden
und aus unseren Lebensanspriichen heraus den Tat-
bestand, daB wir in einem Land.e leben, wir
Juden in Deutschland, wo uns an vielen
Stellen versichert wird, daB dieses unser
Leben das deutsche Volk belaste. FaBt man
all das, was in den letzten zwei Jahren in gesetzgeberi-
schen Akten, in amtlichen Verlautbarungen, in wichtigen
Reden und in wesentlichen MaBnahmen geschehen ist,
zusammen, so bekommt man dieses Ghetto-Resultat: un-
abhdingig von unserem Willen, unserer Giite, unseren
Fihigkeiten und all dem, was wir listen oder nicht
listen, empfinden uns viele Menschen dieses Landes als
eine Belastung ihres Volkslebens. Hiiufig wird von ihnen
gesagt, daB das Dasein unserer Rasse, die Existenz
unseres Geistes, das Vorhandensein unserer Religion,
die Physiognomie unserer Gesichter, der Habitus unseres
Lebens das Volk unglilcklich mache. Zu solchen Wert-
urteilen gibt es keine .,,Stellungnahme". Man kann sie
nur zur Kennthiis nehiien; "aber man kanni sle unhmoglich
j.rgistrieren wie eine Tatsache, die ,,mich nichts angeht".
Wie oft ist schon, gesagt. worden, daB Liebe der Ge-
liebten etwas angeht, und auch 'das Gegenteil von Liebe
geht uns etwas an, sofern es uns zum Gegenstande hat.
Diejenigen sind vielleicht gluicklich, die nur registrieren
k6nnen und hinzuffigen: was geht's.mich an? Aber dieses
Gloick kommt aus einer flachen Seele und aus einem
mangelhaften Geffihl filr Ehre und Anstand. Diesem
,,Gliick" soll man nicht das Wort reden. Es ist ein
unedles und falsches Glitck. Wir anderen empfinden es
als ein U n g I i c k, und da wir nicht dem Willen des
deutschen Volkes, welches uns als Belastung empfindet,
raschestens und ohne Z6gern haben entsprechen k6nnen,
da viele Juden aus Rlicksicht auch auf die 6konomische
Situation des Volkes selbst, aber auch auf innere Vor-
ginge in uns selbst, hiergeblieben sind und in einer
Anzahl von ein paar 100 000 Menschen hier sind, wer-
den wir uns des inner n Ghettos bewuBt, welches
dieses Hiergebliebensein in uns zeugt. Freilich, man
miiBte uns freisprechen, wenn man uns wegen minderer
moralischer Qualitiit vor Gericht stellte. Es ist nicht
das, was uns den Aufenthalt verliingerte, aber un ser
Leben bleibt ein Ghettoleben, das Leben
im BewulBtsein, filr viele Millionen ein
,,Gast" zu sein, dessen Leben, ja, dessen
bloBle Existenz dem Gastgeber nach seiner
AussageLicht, Luftund Freudeeinschriinkt.
S Zu diesem inneren Zustand, den wir ,,Ghetto" nen-
nen, kommen andere hinzu. Das mittelalterliche Ghetto
wurde abends geschlossen. Hart und grausam fiel das
Tor zu. Sorgsam wurden die Riegel vorgeschoben; man
kam aus der ,,Welt" und going in das Ghetto. Heute
ist es umgekehrt. Wenn sich unsere Haustiir hinter uns
schlie8t, kommen wir aus dem Ghetto und
gehen in unser Heim. Das ist ein fundamentaler
Unterschied. Das Ghetto ist kein geo graphisch
umgrenzter Bezirk mehr, wenigstens nicht in dem
Sinne, wie es das Mittelalter kannte. Das Ghetto, das
ist die ,,Welt". DrauBen ist das Ghetto first uns. Auf
den Miirkten, auf der LandstraBe, in den Gasthiiusern,
fiberall ist das Ghetto. Es hat ein Zeichen. Das Zeichen
heiBt: nachbarlos. Des Juden Los ist: nachbar -
los zu sei n. Vielleicht gibt es das nur einmal auf
der Welt, Lind wer weiB, wie lange man es ertragen
kann: das Leben ohne Nachbarn. Ueberall kennt das
Leben den nachbarlichen Menschen. Das ist nicht der
Freund, aber einer, der gewillt ist, m it 'dem anderen das
Leben zu tragen, es ihm nicht zu erschweren, sein
Milhen und sein Hasten mit freundlichen Augen zu
betrachten. Das fehlt. Die Juden der groBen Stadt
spilren das nicht so, aber die Juden der kleinen Stdidte,
die am Marktplatz wohnen ohne Nachbarn, deren Kin-
der in die Schule gehen ohne Nachbarkinder, spiren
die Isolierung, welche die Nachbarlosigkeit bedeutet,
die grausamer ist als alles andere, und es ist vielleicht fitir
das Zusammenleben von Menschen das hiuirteste Los,


das einen treffen kann. Wir wilrden das alles nicht so
schmerzlich empfinden, haitten wir nicht das Geffihl, daB
wir einmal Nachbarn besessen h a be n.
Noch etwas anderes sei hinzugefiigt. Wir leben in
einer sehr merkwiirdigen Kultursituation. Nur der er-
blindete Blick kann das nicht erkennen, und der Betrieb,
den wir um das alles machen, tiuscht in der Tat dar-
fiber hinweg. Aber wer auch nur von oben her die
kulturelle Situation der Juden in Deutschland betrachtet
und nur ein ganz klein wenig den Firnis abschiilt, der
sich fiber ein scheinbar gigantisches Gemilde hinzieht,
wei8, daB das alles ein Torso ist von einer erschrek-
kenden Dilrftigkeit und mit einer klaffenden Wunde.
Wenn man bedenkt, daB wir innerhalb des deutschen
Kulturschaffens keinen legitimen Ort mehr haben, nicht
so sehr von uns her, sondern von jener Kultur aus, dann
entpuppt sich uns das alles, was wir so an Kultur
,,betreiben". Wir spielen Beethoven, Bach und Mozart,
wir kehren zu Goethe und H61lderlin zurtick, -Wir lau-
schen sehnsfichtig den gro8en Offenbarungen dieser
heiligen Deutschen. Das ist eine gute Sache, und die
Riuckkehr zu alten Dingen hat immer etwas Sch6nes
und Ergreifendes. Aber welches Schauspiel, welche Tra-
g6die fflr Menschen, die in einer Zeit leben, ohne i n


AN CHANNA ROXINA
VON FRANZ ROSENZWEIG
Dieser Brief in Versen ist fanf Tage vor Rosenzweigs
Tod, am 5. December 1929, entstanden. Das Ilebraische
Theater ,,Habima" gastierte damals in Frankfurt am Main
u. a. mit einem Calderonschen Kdnig David Drama in he-
brdischer Bearbeitung. Channa Rowina, die weibliche Haupt-
darstellerin und grof3e Sprecherin der Habima, spielte darin
die Rolle der Tamar. Sie besuchte Rosenzweig und sprach
ihm in seinem Zimmer zuerst aus dieser Rolle vor, und
dann, auf seinen Wunsch, aus der biblischen Quelle far die
Fabel des Stacks, dem dreizehnten Kapitel des II. Buches
Samuel. Dem zehnten Vers dieses Kapitels hat Rosenzweig
das den Versen vorangestellte Motto entnommen. Es lautet
in deutscher Uebersetzung: ,,Komm mit der Erfrischung her
ins Binnengemach, daft ich aus deiner Hand mich erfrische."
Rosenzweigs kleines Sohnchen war bei der Vorlesung wei-
nend aus dem Zimmer gelaufen.


(II Sam. 13, 10)
Du brachtest In die enge Stube mr "l
Jene Erquickung, tragisdce Lauterung,
Mit der du draufien Tausende erquickst. -
Der Vater war erschittert und der Sohn.
Der aber, tranenfiberstr6mt, verlie6f
In zorneflammendem Protest den Raum, -
Also erneuernd dir den Urerfolg
Des' Trauerspiels, des alleraltesten:
Des Thespis ,,Einnahme von Milet"
Erregte die Athensche Bfirgerschaft
So, da6 den Didchter sie in Strafe nahm.
Urenkelkind du unsres alien Stamms,
Urahnin du hebr4ischen Trauerspiels,
Dank, dafi erquickt idch ward aus deiner Handl


ihr zu leben. Wir haben keinen Zeitstellen-
w ert in dieser deutschen Gegenwart. Wir sind auch
kulturell aus den Angeln gehoben, und man hat uns ein
Senkblei in die Hand gegeben, welches wir- in den Ab-
lauf der deutschen und europiischen Kulturereignisse
hineinsenken, und mit einem raschen Schnitt trennen wir
die groBe Literatur von einst, der wir uns hingeben,
von der Literatur, Malerei, Musik von heute, der wir
uns nicht hingeben diirfen. Die Tatsache, daB wir z. B.
auf unseren Buhnen keinen heutigen deutschen Drama-
tiker spielen dilrfen, die Tatsache, daB kein groBes
deutsches Orchester die Melodien, die Sch6pfungen eines
Juden von heute spielen wilrde, die gro8en Barrieren,
die vor der Sch5pfung unserer Maler stehen, verurteilen
unsere kulturelle Situation zu einem Scheinleben
von grausiger Wirklichkeitsferne. Da hilft
auch kein Betrieb, kein Verein, kein Kulturbund. Denn
es gibt keine ,,befristete Kultur"! Ich weiB nicht,
wie lange man so leben kann. Ich weiB nicht, wie lange
die Jugend so leben kann. Mit Erinnerungen kann man
zwar fiberwintern, und die Erlebnisse an einst, an die
Zeit, in der wir miterleben und mitarbeiten durften, an
die Zeit, in der es wenigstens in etwa einen legitimen
Anspruch der Juden auf die Mitarl eit tind das Mit-
schaffen gegeben hat, an die Zeit, in der Gustav Mahler
Musik schrieb und Gundolf Goethe deutete, sind der
groBe und sch6ne Vorratsraum, in den man gehen kann,
wenn man will. Aber w ir haben ihn noch. Unsere


An unsere Leser!
Die nkchste Ausgabe unserer Zeitung
erscheint wegen der Feiertage am
Freitag, dem 26. April,
als Doppelnummer 33-34

JuDISCHE RUNDSCHAU


Jungen haben ihn nicht. Das ist eine Frage. Es ist keine
Antwort. Es gibt keine Antwort.
Zum Ghetto, zu unserem Ghetto von 1935, geh6rt
auch neben der Kultursituation etwas, was man -schwer
bezeichnen kann, und was unser Leb e n in der d e ut-
schen Landschaft umschreibt. T6nende Worte
braucht man dariiber nicht zu machen. Man braucht
nur einmal am Tage durch die deutschen Lande zu
fahren, jetzt im Friihling, wenn das neue Leben sich
regt, und das frische Griin die Wiesen iiberzieht, die
Biiche im Gebirge silbern gliinzen, die Baiume bliihen,
und die Wilder auf den Bergen ringsum jung und frisch
dastehen. Nur das braucht man, und man spflrt es mit
aller GewiBheit und mit einer elementaren Kraft, die
stark ist wie ein Axiom: daB wir an diese Landschaft
gebunden sind, gebunden sind bis in alle Zeit, und daB
die Sehnsucht vieler Juden, die aus Deutschland in das
karstige Paliistina gingen, die Sehnsucht nach den rau-
schenden Wildern und den fetten Wiesen, echt und
sauber ist. In diese Landschaft sind wir hineingeboren.
Ich will nichts von der Mystik oder dem Mythos einer
Landschaft sagen. Ich kenne auf diesem Gebiete nicht
die Grenzen. Aber abseits von alledem ist die Bindung
groB, stark und echt. Und doch hat sie sich in den
letzten zwei Jahren verwandelt. Denn Landschaft ohne
Menschen gibt es nicht. Das ist eine Chimiire, ein
Schatten, ein Bild, eine' Wandtafel, nichts anderes. Zur
Landschaft, zur wirklichen Landschaft geh6ren Menschen
und ihr Leben, ihr Denken, ihre Art, zu reagieren, was
sie empfinden, und welches die Formen ihres Lebens
sind. Nie hat man zur nackten Landschaft eine Bezie-
hung, der Landschaft ohne Menschen, und nie auBerhalb
der bloBen Aesthetik ist die Landschaft menschenleer.
Ist das aber so, dann beginnt allmihlich die Landschaft,
in der wir leben, ihr Antlitz zu verindern. Denn wo
in der Welt k6nnte die Beziehung noch ungest6rt sein,
wenn es innerhalb dieser Landschaft Pfdhle gibt, Bar-
rieren, Schilder, die mir, dem in dieser Landschaft Leben-
den, den Eintritt zu ihr verwehren. Das wird fuir mich
zu einem Pfahl im Fleische der Landschaft, und ihr
K6rper wird ganz und gar verwundet. Denn zu wissen,
daB Landschaften im Gebirge, in der Ebene und am
Meere, kleine D6rfer und Stiidte den Eintritt des Juden,
also meinen Eintritt, nicht wiinschen, das macht nicht
nur traurig. Es wire zu wenig; sondern es verwan-
delt die Landschaft selbst auch, ihr objek-
tives Bild, ihre Erscheinung, nicht nur
meine Empfindung. Und Berge, Fliisse, Biiume
und Wiesen beginnen in einer ungeahnten, nie geglaub-
ten Verwandlung uns ihre Grimasse zu schneiden. An
dieser Demaskierung einer Landschaft, die auch die
un'sere ist, zeigt sich iunser OGhettobestand von neuem.
Das Ghetto 1935 hat seine Mauern zwar 'auchi.iL
dem Geffige der MaBnahmen und Gesetze. Es ist aber
gut, wenn wir die unsichtbaren Mauern' sehen, die der
Kultur, der Landschaft und des inneren Reagierens. Es
ist gut filr uns und ffir die anderen zu wissen, was das
eigentlich heiBt: Ghetto 1935.
Dies alles wird hier ohne jeden Groll und ohne
den Ton der Anklage gesagt. Wir sind uns viel zu sehr
der Gr6Be des geschichtlichen Umbruchs bewuBt, als
daB wir auf dieses Schicksal mit unfruchtbaren Klagen
reagieren sollten. Wir wissen nur das eine: die geschil-
derte Existenzform kann nicht die repriisentative jildische
Lebensform sein. Und wir wissen, daB im gleichen Zeit-
alter, das uns diese unerwartete Verdinderung unseres
Lebens gebracht hat, eine n e u e Form des jiidischen
Lebens und eine Umformung des jiidischen Menschen
im Lande der jiidischen Geburt und der jiidischen Wie.
dergeburt vor sich geht.


Die Jubilanumsfeier
auf dem Skopusberg
Jerusalem, 10. April. (JTA.) Im Amphitheater der*
Hebraischen Universitit auf dem Skopusberg fand am Nach-
mittag des 10. April die Feier des 10jihrigen Jubilaums der
Einweihung der Universitat statt, die nach dem jiidischen
Kalender vor genau 10 Jahren (7. Nissan 5685 1. April
1925) an .derselben Stelle durch Lord Balfour vorgenommen
worden war. Punkt 3 Uhr begaben sich die Professoren der
Universitit, die Mitglieder des Forscherstabs und die Uni-
versitAtsh6rer, gefolgt von den Schailern der h6heren Schulen,
Delegationen aus alien Teilen des Landes und zahlreichen
Festgdisten in geschlossenem Zuge in das Amphitheater, wo
High Commissioner Sir Arthur W a u c h o p e, Universitits-
kanzler Dr. J. L. Magnes, der Prisident der Jewish
Agency und der Zionistischen Organisation Nahum So k o -
low, Dr. Chaim Weizmann und Prof. Brodetsky
Ansprachen hielten. Eine Kapelle spielte die englische Natio-
nalhymne und die Hatikwah. Auf der Estrade blieb neben
Weizmann ein schwarz drapierter Stuhl zum Zeichen der
Trauer um Ch. N. B i al i k leer.
Dr. Magnes schilderte die Entwicklung der Universitat im
ersten Jahrzehnt ihres Bestehens und entwickelte die Richt.
linien fuir ihren Ausbau in der niichsten Zukunft hunter Be.
ricksichtigung der ihr in der letzten Zeit erwachsenen
neuen besonderen Aufgaben.
High Commissioner Sir Arthur Wauchope erkllirte,
er freue sich zu sehen, was fOr groge Fortschritte die
Universitit in ihrer bisherigen Entwicklung gemacht hat.
Wire Lord Balfour noch am Leben, so wilrde er heute fest-
stellen, daB die Hoffnungen, die er an die Entwicklung der
Universitit kniipfte, sich erfillt haben. Der High Commissio-
ner gab der Hoffnung Ausdruck, daB die Universitait weitere
Fortschritte machen und hohe wissenschaftliche Leistungen
vollbringen werde; denn keine Gesellschaft kdnne blol
aut materiallen Grundlagen aufgebaut werden.
Im Hotel King David veranstaltete die Gesellschaft der
Freunde der Hebraischen Universitit einen Empfang.


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 -JAHR E )VDISCHE R UNDSCHAU


SetRe 3






Sehe 4 40 JAIIR~ )CDISC TIE FUJNDSCT-?AtI Nr. 31132, 17. IV. 1935


DER


BLICK


ZURUCK


Das vierzigjahrige Jubilaum der ,,Jadischen Rundschau" ist far uns ein Markstein,
der auch zu einem Riickblick auf die zionistische Bewegung in Deutschland berech-
tigt. Wir bringen einige Beitrage, die die Entstehung der Bewegung und ihrer Glie-
derungen, ihre Wirkung auf die Judenheit und insbesondere auf die westliche Juden-
heit und die Entwicklung bis heute skizzieren. Es sollte hierbei die Umwandlung des
jfidischen Lebens durch das Auftreten des Zionismus und dessen organisatorische
Kristallisation geschildert werden. Dies gibt natiirlich kein v ollstandiges Bild;
manche wichtige Faktoren kommen nicht ganz zu ihrem Recht. Wir mUssen uns
aber Beschrankungen auferlegen. Die Arbeit von Rudel aber soziale Farsorge zeigt,


wie stark die neuen Anschauungen das ganze jaiische Leben befruchtet haben. Mart
k6nnte dasselbe auf dem Gebiet des Erziehungswesenrs zeigen. Um schlieflich die
Fortschritte und Veranderungen der letzten vierzig Jalhre in Politik, Wirtschaft und
Kultur P a la s ti n a s darzustellen, maf3te man ein ganzes Buch schreiben. Die
,,Juidische Rundschau" berichtet fortlaufend fiber das Leben und Werden Paldstinas.
Inncrhalb unserer Rackschau werden nur einzelne Spezialgebiete des paldstinensischenr
Lebens, vor allem die Hauptzweige der Wirtschaft, behandelt. (Weitere Beitrage muf3-
ten fir die nachste Nummer zurackgestellt werden.) In unserem Bilderteil finders
unsere Leser einige kleine Ausschnitte aus Paldstinas Landschaft und Leben.


Die Anf ange des Zionismus

and die moderne Judenheit
Von Adolf B6hm
Adolf B6hm schreibt uns: Das Jubildum der ,,Jldischen
Rundschau" ist mir wie ein eigenes so sehr fahle ich
mich mit diesem fIhrenden Organ unserer Bewegung ver-
bunden. Hier ist in vorbildlichster Weise die Aufgabe einer
von sittlicher Verantwortung getragenen Presse erfiillt:
Treuer Dienst an dem Ideal, das sie zu verwirklichen hilft,
unerschatterliches Festhallen an einem hohen geistig-moralischen
Niveau ohne Konzession an den Geschmack der Menge, Ent-
schiedenheit in der Sache, Vornehmheit im Ton, steter Ver-
such, auch dem Gegner gerecht zu werden, Universalitat und
Exaktheit der Information, unausgesetzte Bemrhung, das
Beste an Beitragen zu bieten. Alle diese Qualitaten werden
der ,,Jidischen Rundschau" auch von jenen Zionisten nicht
bestritten, die mit ihrer Haltung in innerzionistischen Fragen
nicht immer einverstanden sind. Als Zeichen meiner be-
sonderen Hochschatzung der ,,Jildischen Rundschau" und
ihres Leiters abergebe ich ihr zu ihrem Jubildum (mit Zu-
stimmung des ,,Jadischen Verlags") aus der in Kiirze er-
scheinenden zweiten, vermehrten Auflage meines Buches
,,Die Zionistische Bewegung" ein Kapitel, das historisch und
ideologisch einen Ausgangspunkt der Bewegung behandelt.

Der verletzte Geltungstrieb
Das Entstehen der modernen zionistischen Bewegung kann,
wie schon angedeutet wurde, auf zweierlei Antriebe zurfick-
geffihrt werden, die zwei verachiedene Konzeptionen des Zio-
nismus verursachten: erst ziemlich spit haben sich diese zu
einer einheitlichen Form der Bewegung vereinigt. Die eine
Quelle des Zionismus war die Erken ntnis, daB die
Lisung der Judenfrage in ihrem soziologischen Aspekt:
als Problem der reibungslosen Eingliederung der Juden
,,-n : die nichtjlidischen Nationen, durch Assimilation der
-Juden,,nlcht m5glich ist.. Diese Erkedn'tnis, obzwar sie
-.schon'frfihzeitig yon einzelnen ,tiefer .blickenden qGistern,
.Juden and Nicih'tjuden, verkfundet w rdleri war, koniite nur
sehr langsam an Boden gewinnen, da die Ideologie der Assi-
milationszeit die Juden im Banne hielt. Und dennoch, dringt
man bis zur letzten psychologischen Wurzel vor, so ist es
ein 'md derselbe seelische Grundtrieb, der die Juden einer-
seits sich so leidenschaftlich zur Assimilation hinwenden und
liber sie die hartnickigsten Illusionen machen lieB und der an-
dererseits sie zum Zionismus fiuhrte: der Trieb nach Geltung.
Die modernste psychologische Forschung (Freud, Adler usw.)
hat diesen .Trieb als einen der primairsten und stairksten der
iaenschlichen Seele erkannt. Im modernen Juden, der sich
mindergewertet und verachtet fand, ohne sich, wie es noch im
Ghetto der Fall war, auf das BewuBtsein des hohen Wertes
seines Judentums zurickziehen zu konnen, und der deshalb
anfing, an die ihm unaufh6rlich vorgehaltene Minderwertig-
keit selbst zu glauben, muBte dieser ver let zte Gel -
tun g s trie b vorherrschend werend werden. Daraus erklnrt sich die
oft bis zur Groteske gesteigerte Sucht des modernen Juden
nach geselschaftlicher StelhIng und die von ihm unbewuBt
gebte ,,Verdrangung" aller Eindriicke, die jene Minderwertungi
trotz allem besttigten, dieses nicht Sehen-, H6ren- und Zu-
geben-wollen in puncto des Antisemitismus, die falschen Vor-
stellungen fiber diesen wie fiber die treibenden Krfte der

haltbarkeit der judischen Situation von heute ausgeht, war die
verletzte Men sch enwfirde, der verletzte Trieb nach
Geltung eine der psychologischen Wurzein. Das lABt sich bei
ihren Begriindern. bei Pi n s k e r und H e r zl, deutlich nach-
weisen.
Der Wert des Judentams
Die andere Quelle des Zionismus ist das im Volke stets
lebendig oder doch wenigstens latent gebliebene B ewu B tu-
sein des hohen Wertesdes Judentums und der
eigenle Art, die bei restloser Assimilation zum Verschwinden
verurteilt sein wiirden. Hatte das Volk darum durch fast
zwei Jahrtausende zur Wahrung seines Eigenlebens, zwecks
Erfilllung seiner Berufung, das grBdte Martyrium der Ge-
schichte auf sich genommen, um sich im Momente der Be-
freiung vom iaueren Druck freiwillig zum nationalen Selbst-
mord zu entschliefen? Wir finden bei einem der friihesten
zionistischen Denker, bei Moses H e die eigenartige Be-
griindung des Zionismus, daB grade die Befreiung vom
auBeren Druck den Juden erst die M6glichkeit gegeben
hatte, ihre Nation wieder aufzurichliten, um ihre kulturellen
Tendenzen voll zur Entwicklung zu bringen. Ohne diese
Begrindung, aber mit ihnlichen Aspekten ifuBerte sich dieser
Wille in den Kreisen einiger frommer Rabbiner, bei denert
die Assimilationsperiode noch nicht das BewuBtsein der be-
sonderen Berufung lsraels, seines spezifischen, von Gott be-
stimmten Schicksals ertbtet hatte, und spifter bei den Kultur-
zionisten. Doch auch dieser Antrieb blieb lange Zeit unwirk-
sam, denn die Assimilationsideologie hatte auch fir die
Mehrzahl jener Juden, die im Judentum noch einen Wert
und eine Aufgabe sahen, eine Formel gefunden, die sie mit
dem bestehenden Zustand ausslhnen sollte, die ,,Missions-
theorie", gem nB welcher die Juden nach dem Willen Gottes
in der Welt zerstreut bleiben muiiten, um die ethischen Werte
des Judentums unter den Volkern zu verbreiten: ,,Monotheis-
mus Messianismus Optimismus die Gottesebenbild-
l sikeit des Menschen Nchstenliebe Gerechtigkeit -
Verbreitung von Religion und Sittlichkeit hunter den Men-
schen", wie es einmal ein Nachfahre des liberalen Judentums
formuliert hat). Natkirlich sind aber allgemeine ethische
Ideen kein Monopolbesitz der Juden, und ein Judentum, das
1) Geh. Justizrat Dr. Eugen Fuchs in den ,,Neuen Jiidi-
s.chen Monatsheften", 1/22, 19.17.


durch nichts anderes charakterisiert wire, wfirde in ihnen
keine Widerstandskraft gegen seine Aufl6sung finden. Das
haben zionistische Denker immer wieder betont.

Der Entjudungsprozefl
Im allgemeinen konnte der Kulturzionismus urn so weni-
ger Wurzel schlagen, als der ProzeB der Z e r s e t z u n g des
J u.d entums mit zunehmender Dauer der Assimilations-
periode einen immer gr6Beren Umfang annehmen muBte.
Je weiter die Zeit fortschritt, desto mehr verfliichtigten sich
die jiidischen Inhalte in der Erziehung, weil durch den Be-
such der nichtjiidischen Schulen und durch die v6llige Ein-
stellung der Juden in ein nichtjildisches Milieu die Tradition
immer mehr verblassen muBte. Die zweite Generation hatte
noch die Pietait fur die Tradition, die dritte hiitte aber ,,Pietit
fiur die Pietat" (Kurt Blumenfeld) haben missen, um an Din-
gen festzuhalten, die sie nie gesehen, von denen sie nur die
Viiter erzaihlen gehort hatte. Damit entarteten die wenigen
,,konfessionellen" Einrichtungen immer mehr: die jfidischen
Gemeinden waren in jen-er Epoche, von der hier die Rede ist,
aller jildischen Gleichheitstradition zum Hohn, durch ein
plutokratisches Wahlrecht die Herrschaftsdomine einer klei-
nen.Oberschicht meist ginzlich entjudeter, nach Ehrenstellen
strebender GroBbfirger geworden, die Rabbiner wurden von
ihnen abhingige, schlecht bezahlte Angestellte, die sich durch
,Emolumente" fir kultische Funktionen ihr Einkommen ver-
bessern multen. Aus dem Fiihrer und Richter der Gemeinde,
zu dem jeder das unbedingteste Vertrauen hatte, da er kraft
seiner fiberlegenen Personlichkeit gewihlt worden war,
wurde, nach fremdem Vorbild, ein sogenannter Seelsorger".
Der Synagogendienst wurde nach protestantiscAem Muster
,,reformiert", wobei einige Gemeinden so weit gingen, nicht
nur alle Erinnerungen an Zion aus den Gebeten zu eliminie-
ren, sondern sogar das Hebriische volikommen durch die
Landessprache zu ersetzen. Der Religionsunterricht in den
Schulen wurde manchenorts zu einer Farce, da der Beruf
eines Religionslehrers, der wenig verlockend war, oft nur
von unzulginglichen Kraiften, Menschen von zweifelhafter Bil-
dung, ergriffen wtrde. Jeder Westjude kennt diese Erschei-
nungen der Entartutig: sie hatten aus den wenigen Resten,
die noch voni Judentum verbliebeh waren, eine wahre Kari-
katur gemacht. Denkt man an den beispiellosen Heroisfnis,
mit dem das jiidische Volk durch zwei Jahrtauseride an dem
Willen.zur, Gestaltung- seines geistigen. Weltbildesi festgehalten
hat, dahn fiihlt man-sich bei dem--Gedanken, daB .diese Zer-
setzung das Ende sei, an das Goethesche Wort gemahnt:
,,Ein groBer Aufwand schmAhlich ist vertan".

Verfallserscheinungen der kapitalisschen Zeit
Nicht nur das Schwinden aller jfidischen In-
halte aus den noch dem Namen nach jildisch gebliebenen
.Einrichtungen hat es der neu entstehenden j fi di sc h en R e-.
naissancebewegung so unendlich schwer gemacht,
sich durchzusetzen; hauptsiichlich ist der i n n e r e Z us t a n d
der damaligen jidischen Gesamtheit daran schuld gewesen.
Nur eine dunne Oberschicht der geistigen Elite des jiidischen
Volkes war es, die, erfilllt von modernen Ideen, sich leiden-
schaftlich den sozialen und kulturelleh Str6mungen der Zeit
hingab und auf allen Gebieten geistigen Schaffens eine un-
verhiltnismiiBig groBe Zahl von hervorragenden Mitarbeitern
stellte. In der Masse r Judenheit aber hatte die Eman-
zipation Folgezustinde gezeitigt, die mehr oder minder als
Verfallserscheinungen bezeichnet werden mfissen. Die Juden,
die durch die Diasporaentwicklung fur die intellektuellen,
kommerziellen und industriellen Berufe sehr gut vorgebildet
waren, hatten in der aufsteigenden Klassenbewegung des Bufir-
gertums eine groBe Rolle gespielt. Vom wirtschaftlichen Auf-
schwung dieser Epoche emporgehoben, wurden sie Haupt-
triger der biirgerlichen Ideologie. Doch auch die Schatten-
seiten des kapitalistischen Zeitalters machten sich bei ihnen
wie fiberall fifihibar: der Materialismus, der die sogenannteri
Genusse des Lebens oder zumindest Sicherheit, Behaglichkeit,
Ruhe aufs h6chste schitzt, das Ueberwuchern eines seelen-
losen Rationalismus, ferner eine Scheinbildung, genahrt von
den Geistesbliten aller Vblker, die aber, von ihren Wurzeln
gel6st, nur als fertige Produkte angeeignet wurden. Der Jude
wurde so vielfach zum ,,Bildungsphilister", zum Eklektiker,
zum Nachempfinder, zum Schbpfer eines geistreichelnden,
aber jeder tieferen Urspriinglichkeit entbehrenden Stils in
Journalistik und Literatur. Er, der losgerissen von seinem
geschichtlichen Erbe, ohne natiirlichen, volkhaften NAihr-
boden mitten in eine nichtjfidische Sphiire gestellt war, er-
schien deshalb den V61lkern vielfach als ein ,,Element der
Dekomposition"2). Auch die and e r n V 6 1 k e r haben durch
die kapitalistische Entwicklung eine Lockerung ihres organi-
schen Gefiiges erfahren: breite Schichten wurden dem Boden
und der Natur entfremdet, die organische Verbundenheit der
Volksteile wurde zerstbrt oder zumindest gelockert, eine tiefe
Klassendifferenz tat sich zwischen ihnen auf. Aber je mehr
diese Entwicklung als unerwiinscht empfunden wurde, desto
mehr wurde der Jude als ihr Exponent angesehen und fuir
sie verantwortlich ggmacht. Mit Unrecht, denn die Juden
waren, ihrem eigenartigen Schicksal zufolge, nur die vor-
geschobensten Posten dieser Entwvicklung, und sie stellten auf
der anderen Seite, wie schon erwivhnt, zu der Schicht der
geistig Produktiven, der sozial Fortgeschrittenen, der kiinst-
Ierisch Interessierten, der grolien Wirtschaftsfiihrer ein Kon-

2) Der Ausdruck stammt von Theodor Mommsen, der von
den Juden als einem ,,Ferment der Dekomposition" spricht.
Er bedeutet Auflockerung, ja Zersetzung des sozialen Ge-
fiiges. Mommsen selbst hat aber eine solche Funktion der
Juden als f6rderlich erklirt. In seiner Schrift ,Auch ein
Wort fiber unser Judentum", die als Antwort auf Heinrich
Treitschkes ,,Ein Wort fiber unser Judentum" (beide Berlin
1880) erschienen ist, deutet er den Ausdruck dahin, daB die
Juden im neuen deutschen Reiche ,,ein Element, nicht sowohl
der nationalen als der Dekomposition der Stamme" dar-
stellen, indem sie am notwendigen Abschleifen der Stimme
aneinander mitwirken und so der Herstellung der deutschen
Nationalitdt f6rderlich sind.


tingent, das um ein Vielfaches ihre relative Zahl fibertraf.
Aber well sie auf der ganzen Linie, im kapitalistischen und im
sozialistischen Lager, in der Presse, in der Wissenschaft, in
der Kunst alle Licht- und Schattenseiten des neuen Typus
am ausgeprigtesten aufwiesen, richtete sich der Unmut des
Volkes gegen sie. Trotzdem verschlossen sie sich hart-
nackig den neuen Erkenntnissen, zu denen die zionistischen
Denker verm6ge ihrer vorurteilslosen Untersuchung der Ju-
denfrage gelangt waren. Begreiflicherweise, denn die zip-
nistische Idee verlangte von den Juden, die sich in ihrer
gegebenen Lage gesichert und wohl fiihlten, eine v6llige
Umw ii1 z u n g in ihrer Lebenshaltung, den heroischen Ent-
schluB, sich unter Entbehrungen und Anstrengungen ein
neues Leben zu schaffen. Wie immer und fiberall wollte die
indifferent, ideallose Masse in ihrem Behagen, ihrer Tragheit
und Denkfaulheit nicht gest6rt werden. Am heftigsten wurde
der Zionismus von denjenigen abgelehnt, die sich als Fiihrer
des Judentums fiihlten, von den Gemeindegewaltigen und
ihrem Anhang. Es war merkwiirdig, daB sich gerade diese
Kreise gegenilber dem Zionismus als Vorkaimpfer der Assi-
milation gaben, sie, die in ihrem ganzen Habitus die Erbenr
des Ghettogeistes waren. Innere Unfreiheit, Furcht, seelische
Verkriippelung, Verzerrung aller natirlichen Form, Selbst-
zufriedenheit, Sucht nach iiuBeren Ehren (,,Kowed"), Krieche-
rei vor den Miichtigen, Wohltatergeste nach unten, alle diese
Ziige, die der wirklich emanzipierte Jude und ebenso der
Zionist als traurige Erbteile des Ghetto in sich zu iiberwindent
trachtet und in seiner Umgebung bekiimpft, sie gaben vielfachl
den Verwaltern der wenigen noch vorhandenen jiidischen Ein-
richtungen die Signatur. Auch dies ist eine Folge der inneren
Zersetzung, die das Judentum durch Emanzipation und Assi-
milation erfahren hat. Durch sie hatte der geistig und viel-
fach auch moralisch hochststehende Teil der Judenheit mit
allem Jiidischen gebrochen, und dort, wo man noch am Juw
dentum festhielt, waren die wahrhaft groBen jiidischen Tra-
ditionen, das bedeutende geistige Erbe der jiidischen Vergan-
genheit nur mehr in verzerrten, kaum wiederzuerkennenden
Formen erhalten geblieben, weil ihre lebendige Weiterent.
wicklung jiih abgebrochen worden war.

.. . .. .: SSll ng a Palastina
Wie alle lebendigen Inhalte des Judenfums sicf immer
fiiehr,verfliichtigt batten, so war ;es auchi vorbei mit der
zeritralen Stellung P al s tin a's im Gefiihlsleberi der west-
lichen '"Juderi. Im Osten, wo die Assimilation noch wenig
'Fortschritte gemacht hatte, war dies zwar nicht in so hohem
MaBe der Fall wie im Westen; dennoch war auch dort in den
ffihrenden Schichten und bei eineem Teil der Jugend infolge
der leidenschaftlichen Sehnsucht nach rechtlicher' "'Emanzi-
pation, d. h. nach voller Einbiirgerung im Woholande,
die innere Einstellung zu diesem grundlegend geandert wor-
den. In friiheren Zeiten war das BewuBftsein der Juden, iBt
der Galuth zu sein, und die Hoffnung, -dereinst heimzu-'
kehren, der Hauptgrund fir ihre gewollte Absonderung
gewesen. Die Emanzipation resp. das Streben nach ihr dort,
wo sie noch nicht restlos durchgefiihrt war, haben, wie
schon ausgefihrt, das GaluthbewuBtsein der Juden zum Er-
16schen gebracht: dies und nicht die kulturelle Assimilation
ist vielleicht die fundamentalste Aenderung der jfidischen
Psyche durch die Emanzipation.
In den ersten Jahrzehnten des Kampfes der Zionistei1
um die Durchsetzung ihrer Ideen, den sie als kleines,
schwaches Hduflein gegen eine erdrdickende rjdische Ma-
joritt zu ffihren batten, innerhalb welcher sich fast alle
Michtigen des Geistes und de esBesitzes befanden, haben
sie oft in sehr einseitiger Weise die ,,Assimilanten' angel
griffen und ihnen u. a. ,,moralische Minderwertigkeit",
,,Volksverrat" isw. vorgeworfen, was den Kampf umso
erbitterer gestaltete. Sie bedachten nicht, daB die Assi-
milation der Juden zwangsweise bedingt ge-
w e sen ist, daB sie vielleicht auch ein notwendiges Durch'
gangsstadium bedeutet. Die MiBversthndnisse fiber die Er-'
scheinungen der Assimilation, die schuld an dieser Haltung
sind, bestehen vielfach noch heute und bediirfen deshalb einer
Klarung.

Besseres Verstehen der Assimilation
Dreierlei Aspekte der Assimilation miissen untterschiedenl
werden:
1. Die Assimilation als geschichtliche Tat-
sach e. Diese ist filr jede national oder kulturelle Minder-
heit, die zerstreut innerhalb einer andersnationalen Mehrheit
wohnt, eine natiirlich bedingte, zwangsliufige Tatsache, die
sich jeder ethischen Bewertung entzieht. lhr, der die Juden
auch sehr viel Positives verdanken, kann in der Diaspora
nur in sehr geringem MaBe entgegengewirkt werden.
2. Die Assimilation im Spiegel des BewuBt-
seins. Die assimilierten Juden fiihlen sich als Deutsche,
Polen usw. mosaischer Konfession. Auch hier liegt ein
Phinomen vor, das, soweit es in der ehrlichen Ueberzeugung
der assimilatorischen Juden begriindet ist, nicht zu einer
moralischen Minderwertung berechtigt. Eine aggressive Be-
kimpfung dieser Gesinnung wird naturgemdif von ihren Tra-
gern als ein ungerechtfertigter Angriff empfvnden, fiihrt
daher zu trotziger Selbstbehauptung und heftiger Gegen-
wehr. Nur durch Erweckung und Stirkung der verblaBten
jiidischen Inhalte, Werte und Zusammenhange ein Weg,
den der Zionismus eingeschlagen hat kann diesen sich
assimiliert fihlenden Juden das BewuBtsein vermittelt werden,
daB die tiefste Grundlage auch ihres Wesens das jiidische
Erbteil ist.
3. Die Assimilation als gewolltes Ziel, als P ro gram m.
Die Assimilation hunter diesem Aspekt und die auf ihrer
Grundlage geffihrte Politik der Juden wiirde, wenn sie in
vollem AusmaB durchgesetzt werden konnte, zum vblligen
Aufgehen der Juden hunter den Vl1kern fiihren. Die Zionisten
miissen diesen Willen und diese Politik bekdmpfen, weil sie
sie in doppeltem Sinne als abwegig ansehen: einerseits ist die
Ansicht, daB das v6llige Aufgehen der Juden hunter den
V61kern erreich bar sei, ein verhingnisvoller Irrt u m,


Sete 4


4o IATIRE ItMISCHE RUNDSCITAV


Nr. 31/32, 17. IV. 1935







Nr.31/32, 17. IV. 1935 40 IAHRE JODISCFIE RUNDSCHAU Selte 5


weil dies nicht m6glich ist und weil auch, nach historischer
Erfahrung, mit steigender Assimilation der Juden die Ab-
w e h r gegen sie immer heftigere Formen annimmt, was die
Judenfrage verschirft; andererseits ist nach der tiefen Ueber-
zeugung der Zionisten das Ideal der jiidischen Entwicklung
die Wiedergeburt des jirdischen Volkes, durch die auch die
Judenfrage zum Verschwinden gebracht werden wird.
Die Zionisten bedachten bei ihren Angriffen gegen die
,Assimilanten" auch nicht, daB es eine tiefe jiidische Dis-
posit ion, die messianische, d. h. universalistische Kom-
ponente des Judentums ist, die viele Juden diesen Weg gehen
lieB, weil sie tatsachlich glaubten, durch Assimilation in eine
ilbernationale Vl1kergemeinschaft gelangen zu k6nnen, indes
sie sich naturgemaB immer nur an eine der konkreten
Nationen assimilierten, hunter denen sie lebten. Der Zionismus,
der das jfidische Nationalgefiihl neu zu wecken und zu
stirken unternahm, wurde deshalb von den ,,Assimilanten"
als ,,reaktionir" empfunden. Er erschien ihn.en als eine
Bedrohung dieser ihrer Ueberzeugung nach schicksalgewollten
una von ihnen selbst freudig bejahten Entwicklung zur
iibernationalen Gemeinschaft. In ihrem universalistischen Stre-
ben, das in den verflossenen Jahrzehnten durch die Ideolo-
gien des Liberalismus und des Sozialismus noch bestiirkt
wurde, sind richtige und unrichtige Elemente miteinander
vermischt. Das Ideal der befriedeten und geeinten Mensch-
heit ist zweifellos jiidischen Ursprungs, es ist von den
jiudischen Propheten formuliert und proklamiert worden.
Doch diese konstituierten die ,,Menschheit", wie es nicht
anders m6glich ist, als einen Bund freer V61ker, nicht als
eine Addition einzelner abstrakter Individuen3). Zwar gilt
fur den Bereich der Ethik der von alien h6herstehenden
Religionen angenommene Grundsatz, daB alle Menschen gleich
sind und fur ihren Wert nur die sittliche Qualitit ent--
scheidend ist. In der geschichtlichen Realitit aber ist die
Nation eine Natur- und auch eine Rechtstatsache. Der Weg
des Einzelnen zur Menschheit kann diese Stufe nicht iber-
springen. Die Vorstellung, daB der Zionismus reaktionir ist,
weil er eine jfidische Nation konstituieren will, entbehrt des-
halb jeder Begrindung.
Die Assimilanten baben allerdings eingewendet, daB die
Juden sicherlich keine Vollnation seien und doch schon des-
halb ein ,,nationaljildischer" Standpunkt abwegig sei. Allein
die Zionisten haben nie behauptet, daB die Juden von heute
eine Vollnation sind wire das der Fall, so gaibe es keinen
Zionismus. Die Juden besitzen vielmehr viele Attribute einer
Nation (gemeinsame. Abstammung, Geschichte, Religion, Tra-
dition usw.), ermangeln aber einiger anderer (gemeinsames
Territorium, gemeinsame Sprache). Der Zionismus erstrebt,
die Juden wieder zu einer Vollnation zu machen, ihnen
die zu einer solchen fehlenden Attribute zu erringen, um da-
durch die Renaissance des jildischen Volkes und die L6sung
der Judenfrage herbeizufiihren.

Die ,,Utopie"
Es ist auch begreiflich, daB der Zionismus zur Zeit
seines Auftretens, in der Epoche der Hochbliite der Assi-
milation im Westen und der revolutionriren Befreiungskiimpfe
im Osten (RuBland), den meisten Juden als eine nicht
ernst zu nehmende Ut op i e erscheinen muBte. Die Idee, daBl
die Juden, die damals einen so hervorragenden Anteil an der
wirtschaftlichen und geistigen Entwicklung der V61ker nah-
men, die immer weiter nach aufwirts zu fiihren schien,
ihre Berufe und Wohnsitze in den- Kulturlindern verlassen
und in ein kleines,'rfickstindiges, hunterr der Willki rherrschaft
.des. Sultans stehendes. Land ziehen sollten, erschien wie
7eine Phantasterei romantischer Schwirmier, ,iber.die. man
i-cheln, Scherze machen oder spotten konnte; die .aber in
Voraussetzungen, Tendenzen und M6glichkeiten jeder -realen
Unterlage bar zu sein schien. Man entdeckte auch, daB
Palistina zu klein sei, um alle Juden aufzunehmen, als ob
das je im Programm des Zionismus gelegen gewesen ware.
Sein Streben geht vielmehr auf Grfindung eines jiidischen
Zentrums, das durch innere Umkehr und auBere Leistung
erarbeitet werden soll. Der Zionismus ist deshalb als Fer-
ment und unaufh6rlich wirksamer dynamischer Faktor zu
verstehen und zu werten, und keine statische Betrachtungs-
weise wird ihm gerecht. Aber dieses billige Argument, daB
Palastina das jedenfalls Millionen von Juden fassen
kann ein kleines Land sei, geniigte lange Zeit selbst
hochgeistigen Juden, um die zionistische Bewegung als nicht
ernst zu nehmende Verirrung einiger Querkopfe zu be-
zeichnen.
Als aber der Zionismus von Herzl zu einem politischen
Faktor erhoben und von den Miichtigen der Welt als ver-
handlungsfiihig betrachtet wurde, muBte man ihn wider Willen
ernst nehmen, der Kampf gegen ihn nahm heftige Formen
an, was nach der damaligen Lage nur zu begreiflich war.
Denn hunter ,,Zionismus" im weitesten Sinne sind alle jene
Bestrebungen zu verstehen, die auf die Wiederverwurzelung
der Juden als Volk in Paliastina abzielen. Der Zionismus
hat daher in irgendeinem Grade die Voraussetzung, daB
die Verwurzelung der Juden in ihren Wohnlandern nicht
wiinschenswert oder nicht restlos realisierbar, ferner die
zweite, daB Palaistina die Volksheimat der Juden ist. Die
erstgenannte Voraussetzung, die mehr oder weniger an das
Galuthbewultsein ankniipft, muBte die heftigste Ablehnung
fast aller Juden finden, insolange sie noch an die M6glich-
keit einer restlosen Eingliederung in die Nationen glaubten,
unter denen sie lebten. Sie bedrohte die Lebenslilge, mit
deren Hilfe die Juden sich leidenschaftlich bemilhten, fiber
Kraft, Umfang und Tiefe der antijildischen Bewegung sich
zu tauschen. Anders die zweite Voraussetzung. Wo Juden
noch irgendwie, und sei es auch im geringsten MaBe,
mit dem historischen Judentum in Gefiihlsverbindung geblie-
ben sind, sei es durch Religiositdit, sei es durch Stolz auf
die groBe Vergangenheit, ist ihnen Palaistina, das alles
Sch6pferische und Starke des Judentums geboren hat und
an das sich die Zukunftsverheiflungen ffir das jiidische Volk
knilpfen, wenn auch nicht mehr, wie einst, das Ziel der
Sehnsucht und des Hoffens, so doch noch ein Wert. Mit
vollem Recht konnte daher Achad Haa m die ,,Zionliebe"
als ein Grundelement der jiidischen Seele erkliren. Diese
Zionliebe war im Verlaufe der fast zweitausendjihrigen
Diasporageschichte kein bloB passives Geffihl gewesen, son-
dern sie hatte die Juden immer wieder zu aktiven Taten
efiuhrt. Die Faden, die die Diaspora mit Palistina ver-
anden, waren deshalb nie zerrissen worden, das Land
spielte in der Geschichte der Diasporajuden eine gewichtige
Rolle. Die Wiedererweckung der Zionliebe war nur m6glich,
weil sie im ,,Gediichtnis der Rasse" so starke Spuren
eingegraben hatte. Zum Verstiindnis des modernen Zionis-
mus ist es deshalb n6tig, die Intensitdt jener Verbundenheit
zu erkennen.
s) Ueber den Begriff ,,Menschheit" schrieb Aaron David
Gordon in seinem ,,Zweiten Brief aus Palastina": ,,Wir
schreien stets Menschheit, later als alle Menschen, nicht
weil wir wirklich h6her stehen als alle, sondern well
,Menschheit' eine Abstraktion ist, ein Luftbegriff im Leben
gibt es nur Volker, und in Wirklichkeit arbeiten wir, obwohl
wir ,Menschheit' schreien, doch nur fiur das Volk, unter dem
wir leben, nur nicht fiur uns selbst. Unsere geistige Welt ist
tine Art Spinngewebe aus Aether und fremder Luft." *Er-
16sung durch Arbeit", Berlin 193L


DIE ENTWICKLUNG DES


ZIONISMUS IN DEUTSCHLAND


Ein Uberblick
VonSalli Hirsch
Es war tns, die wir immerhin auch schon vor einemn
Menschenalter Zionisten geworden sind, immer schon schwer,
uns den zionistischen Weg der Manner .klarzumachen, die
nur etwa 10 Jahre vor uns, um die Zeit der Begriindung der
,Jiidischen Rundschau", noch vor dem Auftreten Theodor
Herzls, Zionisten geworden waren, denen gegeniiber wir trotz
des geringen Vorsprunges von nur 10 Jahren doch immer einen
Generationsunterschied empfanden. Wir fanden schon eine
zionistische Bewegung und eine Zionistische Organisation vor,
die um uns warb, uns in ihren Bann zog. Jene Manner aber
Heinrich Loewe, Theodor Zlocisti, Alfred Klee,
Bodenheimer, Arthur H antk e, Adolf Friedemann -
waren wirklich Erstlinge der national-jildischen Bewegung und
des Zionismus in Deutschland. Sie waren Zionisten gewordeno
teils unter dem EinfluB von jungen Zionisten aus dem Osten,
die damals in Berlin studierten, wie Motzkin, Schmarjah Lewin,
Weizmann, teils wohl aus dem Gefoihl fur jildische Wilrde und
jildische Ehre, das in assimilierten deutsch-jildischen Kreisen
um die Mitte der neunziger Jahre wach geworden war. Auf
diesen kleinen Kreis junger deutscher Juden muBte das Auf-
treten Theodor Herzls wie eine Befreiung und Erl6sung wirken;
er verkiindete vor der Weltbffentlichkeit, was sie auch schon
in kleinen Kreisen diskutiert hatten, er reprasentierte den
neuen Typ des jiidischen Politikers, den sie ertraumt hatten;
kein Wunder, daB diese Gruppe deutscher Zionisten von An-
fang an ergebene Jiinger Herzli wurden und es fiber seinen
Tod hinaus blieben. Herzls Auftreten gab ihnen den Schwung,
der sie nun zu begeisterten und begeisternden Propagandisten
der zionistischen Bewegung machte, ihnen eine Beredsamkeit
verlieh, wie sie nur den Aposteln junger Bewegungen eigen
ist. Diese Handvoll Studenten brachte das deutsche Judentum
in Aufregung. Aber die groBe Masse der deutschen Juden
versagte sich ihnen; in den Zionistischen Ortsgruppen fanden
sich fast durchweg junge Akademiker und nur ausnahmsweise
einige junge Kaufleute und kaum ein deutscher Jude in ge-
reiftem Alter und biirgerlich gefestigter Stellung. Der deutsche
Zionismus war lange Zeit hindurch eine Bewegung der Jugend
ohne Grau- und Glatzk6pfe, ohne Justiz- und Sanitaitsrite,
die DreiBigjahrigen waren die Senioren. Aber groBe Teile der
Jugend wurden vom Zionismus erfaBt; die studentische Jugend
vor allem durch die im B(und) J(iidischer) C(orporationen) zu-
sammengeschlossenen V(ereine) J(fidischer) St(udenten) und
das spiter entstandene K(artell) Z(ionistischer) V(erbindungen).
Ffir Jahrzehnte stellten dann die in diesen studentischen Ver-
blinden durchgebildeten Zionisten die Filhrer und Unterfiihrer
in der Zionistischen Vereinigung filr Deutschland. Daneben
fiuhrten der Turnverein Bar Kochba in Berlin und die anderen
Vereine der Jildischen Turnerschaft der zionistischen Bewe-
gung jugendliche Anhiinger zu. Die Zionisten waren damals
in Deutschland eine enge Gemeinde, ohne groBe innere Diffe-
renzierung, untereinander verbunden durch pers6nliche Be-
'kanntschaft und die Gesinnungsgempinschaft, eine, groBe
Familie. So war es etwa urm die Jahrhundertwende his zumr
.Tode Herzls ,
Allmihlich wuchs die Zionistische Organisation in die
Breite: aus den Studenten und Referendaren wurden fertige
Akademiker, die bfirgerliche Positionen in den GroBstidten
bezogen und die zionistischen Ortsgruppen ausbauten. Es
began die innere Differenzierung und Vertiefung
der zionistischen Auffassung. Die Auseinandersetzung zwischen
dem ,,politischen" und ,,praktischen" Zionismus setzte auch
in Deutschland ein und unter dem EinfluB einer jungen Gene-
ration (Blumenfeld, Felix Rosenbliith, Lichtheim) setzte sich die
,,praktische" Richtung durch. Diese junge Generation fand
nicht mehr Befriedigung in der bloBen politischen und propa-
gandistischen Betditigung, insbesondere nachdem klar gewor-
den war, daB das zionistische Ziel nicht schnell durch einen
roBen politischen Erfolg erreicht werden konnte. Man er-
annte, daB der Zionismus als die national Bewegung des
jiidischen Volkes nicht nur politische Arbeit und propagan-
distische Verbreitung verlangte, sondern auch Renais-
sance des juidischen Geistes, Bemfihung um die K u1-
tur gehalte des Judentums. Man erkannte, daB gerade die
assimilierten deutschen Zionisten nur durch Bemithung um die
juidischen Kulturgehalte den AnschluB an das juidische Volk
finden k6nnten. Damals fanden die Ideen von Ach a d
Haam und Buber Eingang in weiteren Kreisen der deut-
schen Zionisten, insbesondere der zionistischen Jugend; es
begannen die ersten Bemiihungen um die hebraische Sprache,
die dann spater zur Grufndung der hebraischen Sprachschule in
Berlin fiohrten. Die Erkenntnis, daB die Verwirklichung des
Zionismus eine Jugend verlangte, die sich abkehrte von demrn
Getriebe der Gro8stidte und den AnschluB an das Land und
die Natur wiederfand, flhrte zur Griindung des jildischen
Wanderbundes ,,Blau-WeiB". Damit began eine neue Epoche
zionistischer Jugendbewegung und des deutschen Zionismus
uiberhaupt. Im ,,Blau-WeiB" brachen zum ersten Male in
Deutschland die Ideen der Umschichtung und der Cha-
I u zi u t h durch und erregten selbst in zionistischen Kreisen
Widerspruch: ob es nicht Raubbau an den Krdften des Volkes
bedeute, wenn man eine bfirgerlich erzogene, intellektuelle
Jugend zum Handwerk, zur Landarbeit und iiberhaupt zu kbr-
perlicher Arbeit fiihren wolle.
Die Jahre vor dem Kriege bildeten einen H&hepunkt fifr
den deutschen Zionismus. Eine straff gegliederte Organisation
bildete das Rickgrat der Bewegung; eine stetig wachsende
Jugendbewegung schuf inneres Leben und Entwicklung; die
Fuihrung der Zionistischen Weltorganisation war organisato-
risch aber auch geistig in Berlin in den Handen des deutschen
Zionismus (Warburg und Hantke im Verein mit Jacobsohn,
Sokolow, Levin, Tschlenov). Ein deutscher Zionist, Ruppin,
leitete das ,,Palastina-Amt" in Jaffa. Diese Entwicklung wurde
vom Weltkrieg unterbrochen. Ein groBer Teil der zionistischen
Jugend, vor allem der Fiihrer, zog ins Feld; die Arbeit der
Jugendorganisation wurde nur notdiirftig und mit unzureichen-
den Kraften aufrechterhalten; der Zusammenhang mit dem
Weltzionismus wurde fast v6llig unterbunden; nur in leisem
Echo drangen die politischen Bemuihungen um Palaistina von
Weizmann und Sokolow, die zur Balfour-Deklaration fiuhrten,
zu den deutschen Zionisten.
Die zionistische Jugend, die hunter dem Eindrucke des
Kriegserlebnisses herangewachsen, war, gruppierte sich nach
dem Krieg neu unter starkerer Betonung des Ideals der
Chaluziuth und des Strebens zur Alijah. Fiir die Arbeit des
biirgerlichen Zionismus in Deutschland waren in dieser dritten
Phase seiner Entwicklung bestimmend die Erkenntnis der Be-
deutung der nationalen Fonds und die Kooperation mit der
palastinensischen Arbeiterschaft. Der Keren Hajessod hatte
von Anfang an seine treuesten Anhiinger in Deutschland; wohl
in keinem Lande nahm man das Maasserprinzip so ernst wie
hier. Die Erkenntnis der Bedeutung des nationalen Koloni-
sationsfonds fiihrte auch in Deutschland allein zu einer echten


Kooperation mit Nichtzionisten in der Arbeit fir den K. H.
Die gleiche Grundhaltung, die die deutschen Zionisten in ihrer
Arbeit fur den K. H. leitete, fiihrte zu der fiir den deutschen
Allgemeinen Zionismus lange Jahre charakteristischen Zusam-
menarbeit mit der auf dem Boden des nationalen Aufbaus
stehenden Arbeiterschaft. Dieses Verhailtnis erlitt die erste
Triibung, als die deutschen Zionisten angesichts der immer
gr6ler werdenden Differenz zwischen Einnahmen und Aus-
gaben und der immer mehr anwachsenden Schuldenlast eine
wirtschaftliche K onsolidierungspoliti k als notwendig
erkannten und forderten. Ergab sich bei dieser Gelegenheit
ein Gegensatz zwischen deutschem Zionismus und Arbeiter-
schaft, so trat einige Jahre spaiter eine Spannung zwischen dem
deutschen Zionismus und der groBen Mehrheit der zionistischen
Welt ein, als nach den Ereignissen des Jahres 1929 von einem
kleinen Kreise der deutschen Zionisten, den man aber als ffir
den deutschen Zionismus representative ansah insbesondere
weil auch die ,,J. R." diese Haltung einnahm eine konse-
quente Politik der Verstindigung mit den Arabern
auf Grund der ,,Binationalitit" Palistinas proklamiert wurde.
Von den zionistischen Kritikern des deutschen Zionismus
wurde hiufig die fehlende Verbundenheit mit Pa-
1 i st in a und bei den biirgerlichen Zionisten der Mangel .an
realen Interessen im Lande bemangelt. In dieser Beziehung
brachte das Jahr 1933 eine entscheidende Wendung. Der
deutsche .Zionismus ist jetzt ,,pal istinaverbunden" wie nur
irgendeine Gruppe der Weltjudenheit. Der gr6Bte Teil seiner
zentralen und Ortsgruppen-Fiihrer ist nach Palastina ilber-
gesiedelt, der gr6Bte Teil der Jugend ist den Wegi der
Chaluziuth gegangen; die reale Interessenverbundenheit mit
Erez Israel geht weit fiber den Kreis der Zionisten hinaus in
die deutsche Judenheit. Noch hat sich diese Verbundenheit
nicht im vollen Ausmalle ausgewirkt, weder in Paliistina noch
hier; die nach Palistina fibergesiedelten Zionisten sind noch
zu sehr von den Sorgen der Uebergangszeit, den Spannungen,
die die Einwurzelung mit sich bringt, in Anspruch genommen.
Sind erst diese Uebergangsschwierigkeiten fiberwunden, so
k6nnen wir auf eine neue Epoche in der Entwicklung des
deutschen Zionismus rechnen, die dann einen eigenen wert-
vollen Beitrag liefern wird filr den Aufbau unseres Landes
und fiir die Zionisierung der Golah.


Abrifi der Geschichte des
,,Kartells Jfiidischer Verbindungen"
Von Dr. Bruno Kirschner
KJV. tind ,,Jidische Rundschau" sind Altersgenossen
una Kampfgenossen. Der Zionismus in Deutschland ist ohne
KJV., das KJV. auch in seiner vorzionistischen Frith.
period ohne die zionistische Bewegung nicht denkbar.
,,Das KJV. der Pulsschlag des deutschen Zionismus"
(Egon Rosenberg).
Zwei Vierzigjiihrige griuBen sich heute: ben arbaim labina.
Um dieselbe Zeit, da die Rundschaun (wenn auchiicht
gleich) in die behagliche, selbsttriigerische Ruhe des d'eut-
schen Judentums vorst6Bt, erblickt die erste nationaljiidi-
sche Studentenvereinigung das Dunkel der jiidischen Welt.
Mit Kultus-, Wohltiitigkeits- und Abwehrbetrieb vollauf be-
schMftigt, iibersieht das offizielle Judentum geflissentlich die
Sturmzeichen der 80er, der 90er Jahre. Aufregung und
Sorge ist nicht n6tig: der Antisemitismus ist nach der hlerr-
schenden Meinung nur ein kleiner Sch6nheitsfehler, den der
unausbleibliche Fortschritt der Menschheit morgen, spate-
stens iibermorgen beseitigen wird.
Aber in empfindlicheren Herzen brennt die alte Wunde.
Im Osten Europas schwerwuchtende Judenverfolgungen mit
Pogromen und sozialer, wirtschaftlicher, seelischer Aech-
tung, im Westen bald miilige, bald stirkere ErdbebenstBe -
und trotzdem in weiten Schichten des jildischen Bfirger-
turns hemmungslose Assimilation: die Gefahren, die die
jiidische Existenz von drauBen, viel bedrohlicher aber von
innen umlauern, wecken in den tieferen Geistern der juidi-
schen Jugend die Sehnsucht nach Erneuerung, nach Wiirde
und Erlisung.
Im Kampf um die Ideale
Und Ausgangspunkt dieser jiidischen Zukunftsbewegithg
in Deutschland wurde, wie so oft im nationalen Leben der
V61ker, die akademische Jugend, in der sich Ehrbegriff,
Freiheitsdrang, Erkenntnistiefe und Kampfwille jugendkrif-
tig verbundeten.
Schon Mitte der 80er Jahre waren jiidische Studenten
in Breslau zusammengetreten (K. C.-Verbindung Viadrina),
um fur den juidischen Namen, wo immer er angegriffen wurde,
zu kampfen und ein neues Geschlecht selbstbewulter Juden
in die Welt zu stellen. Ein gutes Programm, aber nur ein
halbes; es h6rte da auf, wo es anfangen sollte: bei dent
Willen zur Erziehung jildisch-sch6pferischer Menschen. Es
verlor und vergaB sich im Negativen, entbehrte eigene jii-.
dische Form. So konnte, bei aller Komment- und Mensur-
freudigkeit, Sterilitit in judaicis nicht ausbleiben. Das Ver.
dienst dieser Gruppe, fir den Augenblick unbestreitbar,
bleibt im historischen Aspekt beschrainkt.
Ein anderes Bild von jiidischem Leben in der Brust,
eine andere Konzeption, eine weitere, umsichtigere, vor
allem lebens- und tatfrohere, von jildischer Zukunft vor
dem Auge, traten 1895 in Berlin einige junge Studenten auf
den Plan und schufen eine neue jiidische Kampffront. Sie
waren enttiuscht von dem Mangel an Konstruktivitiit, der
die bisherige Behandlung der Judenfrage beherrschte. Sie
waren erfilllt von dem noch nicht organisierten Herzens4
zionismus des jiidischen Ostens. Ihnen schwebte wie den
in Deutschland studierenden Freunden in und aus RuBland,
die in 20 "Jahren die Fiihrer des Weltzionismus werden
sollten, jener realistische Wunschtraum vor, fur dessen Ver-
wirklichung zwei 'Jahre spater Herzl die feste Form der
politischen Organisation schuf.

Verbindungen und Verblindungen
Dieser Berliner ,,Verein. Jiidischer Studenten*
(V. J. St.) und der 1902 aus ihm und gleichgesinnten Ver-
einigungen zusammengeschlossene ,,Bund J iidischer
Corporationen" (B.J.C.) sind, in einer Welt des sich
formenden politischen Zionismus, durchaus noch nicht aus-
gesprochen zionistisch. Selbst der national Charakter tritt
im Program noch nicht ausdriicklich hervor. War diese
Zuruickhaltung Taktik, war sie Mangel an Geschlossenheit
der Grundstimmung und des Willens? Beides. Jedenfalls bot
sie breiteste Werbem6glichkeit ein wesentlicher und gut-
genutzter Vorzug. Aber in der gradlinigen Erziehung der,
Mitglieder zu ihres Judentums bewuBten und frohen Men-
schen, die ,,an der Ent7wicklung eines lebendigen
Judentums mitarbeiten wollen" in diesen beiden Begrif-


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHATJ


Sete-5






Set 0JFIFJ TCER NSHE r312 -7 V.13


fen des Willens zu sch6pferischer. Gestaltung der jfidischen
Dinge diingt der positive Kern der Protesthaltung durch
die Schale des neutralen Programms hindurch, liegt der
Bruch mit der balbattischen Vergangenheit, der grundsiitz-
liche Unterschied zu allem, was bis dahin in Deutschland
war. Die deutsche Judenheit wird, manchmal etwas un-
sanft, aus dem Ddmmerschlaf gerfittelt. Schulter an Schul-
ter, meist in Personalunion mit den eigentlichen zionisti-
schen Parteistellen, wird von den Fiihrern des B. J. C. die
Judentrage in ungezahlten Versammlungen, Artikeln und
Privatgesprdchen in ihrer Totalitiit aufgerollt, werden die
Irrwege der Assimilation unbarmherzig beleuchtet, die na-
tiirliche national L6sung theoretisch begriindet und ge-
fiihIsmiBiig verwurzelt. Mit den deutschen Juden wird exer-
ziert, innerhalb und auBerhalb des Studentenbundes.
Neben die Festigung des jiidischen Charakters der Bun-
desbriider als innere Arbeit der Verbindungen und neben
den zionistischen Aufklirungsfeldzug trat eine doppelte Ab-
wehr auf dem iiuBeren akademischen Fechtboden: gegen-
fiber den Anfeindungen der antisemitischen Korporationen
und gegenfiber dem politischen Wahn der parititischen Ver-
bindungen (F.W.V. und andere). Wir woliten als Juden
nicht minder bewertet werden, wir wollten als Juden aber
auch nicht unkenntlich werden: wir wollten als stolz-
bewuBte Juden, ohne Anbiiederung und Versteckspiel,
gleichgeachtet sein. Diese Kimpfe vollzogen sich in
Berlin jahrelang im Rahmen der Wahlen zur Akademischen
Lesehalle; und von ihnen wurde auch manche jildische
Akademikergruppe gestreift, die, ohne ,,assimilantisch" zut
sein, doch der groBen jiidischen Verantwortung sich nicht
gewachsen zeigte.
Indes die B. J. C.er, das zionistische Ideal im Herzen, an
der allgemeinen nationaljfidischen und an der menschlich-
miinnlichen Erziehung ihrer Leute arbeiteten, der erste und
erfolgreiche Stofitrupp der neuen jiidischen Gedankenwelt in
Deutschland, entstand ihnen seit 1902 in der H as mon a e a
und seit 1906 im ,,Kartell Zionistischer Verbin-
dun g en" (KZV.) ein Bundesgenosse, der an den strafferen
Formen der zionistischen Korporationen in Oesterreich (dort
schon-seit Anfang der 80er Jahre) geschult, sofort eindeutig
das zionistische Ziel auf seine Fahnen schrieb. Manche Riva-
litiitskimpfe, damals aus dem natfirlichen Partikularismus
einer expansionsfreudigen Jugend verstandlich, heute freilich
teilweise komisch wirkend, verhinderten nicht, da.B die beiden
Bruderbiinde sich langsam entgegenwuchsen. Oef6rdert wurde
diese zionistische Zentra.lisationsbewegung durch die geisti-
gen Erschiitterungen, die der BJC. seit 1906 ein Jahrfiinft
lang durchmachte. Als Herzls immerwaches Fiihrerherz 1904
gesprungen war, das erste schwere Opfer auf dem Altar des
Zionismus, empfanden seine Anhanger die Notwendigkeit ver-
doppelten Einsatzes fiir die Idee, hdirtester Anstrengungen ffir
ihre Ausbreitung, verstairkter Aktivitdit und Intensivierung.
Einer neuen Jugend, die den politischen Zionismus voll in
sich aufgenommen hatte, genigte das alte BJC.-Programm
nicht mehr: es war ihr zu weit, indem es kein konkretes
jildisches Ziel formulierte, weder erzieherisch noch politisch;
und es war ihr zu eng, da es der Weite der zionistischen
L6sung nicht offiziellen Raum gab. Die junge M a c c a b a e a
reiBt das Erbe der Fuihrung an sich. Nach jahrelangen
Tendenzkdimpfen, die, wie es Menschennatur ist, sich nicht
nur um Ziele und Wege, sondern (leider) auch umrn Personen
drehten, streife der BJC. das immer noch getragene Gewand
zionistischer Neutralitiit ab, zunachst nur intern, vor sich
selbst, im inneren Umbruch, dann 1914 auch 6ffentlich,
durch .Verschmelzung mit dem KZV. zum ,,Kartell J- ii-
d'ischer Verbindungen" (KJV,), das, von der na-
-tionralei Einheit der jfidischen Gemeinschaft aus, ,,eine der
Vergangenheit' -des 'jfidischeni Volkstutnss wiirdige Erneue-
rng' in Erez Israel" erringen will.

Wandlungen nach dem Kriege
Als der Weltkrieg auch in das Leben der jiudischen
Akademikvevrbinde in Deutschland seine tiefe Cisur
schnitt, waren die Lehrjahre des KJV. (worunter hier
natfirlich seine beiden Quellstr6me verstanden sind) so gut
wie zu Ende. Ein menschlich geschlossener Kreis von fiber
tausend Akademikern war sich bei manchen Divergen-
zen im einzelnen einig fiber die Ursachen der seelischen
und materiellen Judennot, einig fiber die Unm6glichkeit der
Assimilation, und selbst, wenn sie m6glich wire, einig in
ihrer Ablehnung aus Griinden nationaler Wiurde und Hoff-
ung; einig in dem Willen, jeder zu seinem Teil an der
Erneuerung des jildischen Volkes mitzuhelfen; einig im Stre-
ben, als charakterliche und politische Vorbedingung in sich
selbst alle jfidischen Krifte zu mobilisieren, und einig in
der Einordnung ihrer Person in die Arbeit der zionistischen
Gesamtheit.
Die verinderten Verhiltnisse nach demrn Kriege erzeugen
in weiten Teilen des KJV. eine Aufbruchstimmung. Posi-
tives jiudisches Leben war Hunderten von jungen KJV.ern
aut den 6stlichen Kriegsschaupliitzen wie eine Offenbarung
aufgegangen. Wieder str6mte, wie zwei Jahrzehnte zuvor,
Segen aus der Beriihrung westlichen Nationaljudentums mit
dem volljildischen, zion-nahen Leben des Ostens. Eine ver-
gessene Heimat hatte dort jiudische Inhalte erschlossen, eine
neue Volksheimat, Palistina, rilckt jetzt naher, wird, vor
ffint Jahren noch romantischer Traum, tagtiiglich wach-
sende jildische Wirklichkeit. Der Theorie der Fuxenstunden,
der Vortrige und Versammlungen winkt konkrete Gestalt.
Ein VJSt.-Hechawer, eine Arbeitsgemeinschaft Maccabaea-
Hapoel Hazair wollen, den ohnehin problematisch geworde-
nen akademischen Rahmen des KJV. sprengend, ihre Mit-
glieder im eigentlichen, letzten Sinne zionisieren. Der jii-
dische Wanderbund ,,Blau-WeiB", 1913 von den gleichen
akademischen Kreisen zur Erfassung der nicht und noch
nicht akademischen Jugend gegriindet, und voriibergehend
in Arbeitsgemeinschaft mit dem KJV., hatte versucht, den
realen Chaluztyp zu entwickeln.
Es ware fibertrieben zu sagen: das KJV. bright auf.
Aber Wander jahre kommen. Die alien Formen des
Kartells geraten in FluB. Der studentische Betrieb, schon
lange nur als notgedrungenes Beiwerk, bestenfalls als Er-
ziehungsmittel mitgeschleppt, gleitet in die Rumpelkammer;
die Alijah,: die Uebersiedlung des Einzelnen als pers6nliche
verpflichtende Tat, nicht mehr der Gesamtheit als poli-
tische Forderung ffir eine nebelhafte Ferne, beherrscht Dis-
kussion und Betitigung; hebriische und werkliche Hach-
schara erfullen die Menschen.
Immer stiirmt Jugend ungestiimer, bedenken- und kom-
promiflloser, als die ailtere Generation vertriigt und gutheiBt;
simmer bewahrt diese dnrch den Hemmschuh, den sie demrn
rasenden Wagen anlegt, vor Absturz und Unfall. Aber Zion
wird nicht durch Besessenheit und nicht durch Besinnlich-
kqit erlist, sondern durch Bes on nen h e it. DaB groBe und
wertvolle Teile der illteren KJV.er einer fiberstiirzten, ver-
krampften, als unorganisch empfundenen Entwickelung ab-
hold waren, daB sie neben der Palastina-Arbeit die Arbeit
jfldfscher Erneuerung in Deutschland nicht zurficktreten
lassen wollten, daB aus diesen Spannungen and einem tat-
sichlichen Abseitsstehen weiter, teils ermildeter, teils ver-
bitterter Altherrenkreise ein ernstes Altherrenproblem ent-
stand das alles ist zwar ffir die Geschichte des KJV. wich-
tig, kann aber in diesem Zusammenhang nur angedeutet
werden, ebenso die organisatorischen Kampfe der Nach-
kriegszeit um die inner Oestaltung des Kartells. Oenug,
daB die Einheit der zionistischen Akademikeschaft, ia den


Jahren nach dem Krieg wiederholt bedroht und sogar jahre-
lang durch Absplitterung 'eines audh in der Auffassung des
Zionismus differenzierten ,,Bundes Zionistischer Kor-
poratione n" (BZK.) aufgehoben, schlieBlich doch er-
halten geblieben ist.
Zionistische Aktivitat
Mit der politischen Umwilzung in Deutschlaind und
dem weitgehenden AusschluB der Juden von den Univer-
sitaiten ist der bisherigen Werbe- und Erziehungsarbeit des
KJV. ein gut Teil Boden entzogen. Die Fortexistenz eines
Kartells jiidischer Verbindungen ohne jiidische Verbindun-
gen im alien Sinn, ohne Nachwuchs erschien zweifelhaft.
Aber fiber Auflbsungstendenzen siegte der zionistische Ge-
samtblick: in Deutschland bleibt Aufgabe des Kartells die
Erhaltung der traditionellen Verbundenheit und zionistische
Willensstairkung, :- in Palastina: Einsatz der zu zionisti-
scher Aktivitit erzogenen 'und bereiten Bundesbriider als
,,wirkende Faktoren bei der Bildung unserer Volksgemein-
schaft in Erez Israel" (Salli Hirsch, derzeitiger Priside des
KJV.). Dienst am Lande, nichts weiter, und Erziehung dazu.
Wanderjahre: 1913 gibt es sieben KJV.er in Palistina,
1922 drei Dutzend, 1929 fast 100, 1935 iiber 700, etwa ein
Drittel des ganzen Kartells; jeder dritte KJV.er bereits
drfiben....
In den Lehr- und in den Wanderjahren war die Be-
fruchtung zwischen dem deutschen Zionismus und dem KJV.
gegenseitig. So war es orga nisatorisech: das KJV.
erzog und stellte der Bewegung zu sehr erheblichem Teil
die Ffihrerschicht und die Trager der Arbeit in der Zentrale
und in den Ortsgruppen. Die Bewegung schuf den KJV.ern
die Massen, an denen sie die jildisch-erzieherische Arbeit
jahrzehntelang geleistet haben. So war es ideologisch:
politischer, praktischer, synthetischer Kulturzionismus, Re-


Der religi5se Zionismus in Deutschland laBt sich ebenso
wenig wie andere Bewegungen als isolierte Erscheinung be-
greifen. Aber es charakterisiert ihn besonders, daB er mit an-
deren Str6mungen und Prozessen recht innig verknilpft ist
und sich dieser Verbindung und Verbundenheit bewulft ist.
Er ist zunigchst ein Teil der iiber die ganze Welt ausgebreiteten
Bewegung, die die Renaissance unseres Volkes in Palastina
auf der festen Basis der Thora erstrebt und in der nationalen
Gemeinschaft der Heimat den Konservatismus des religi6sen
Lebens in der Diaspora durch eine schbpferische Aera, die
aus der Fiille der Ueberlieferung die reichen Potenzen einer
Aktualisierung entgegenfiihrt, ersetzen und iiberwinden will.
Aber auch die besondere Vergangenheit der deutschen Juden-
heit und ihres gesetzestreuen Teiles bestimmt die Richtung
des reli gisen Zionismus mit. Endlich hat die Arbeits- und
Schicksalsgemeinschaft mit dem allgemeinen Zionismus wesent-
lichen Anteil an der Physiognomie des deutschen Misrachi.
Im Misrachi konzentrierten sich die Bemiihungen um eine
religi6se Fundierung und Realisierung des Zionismus. M8gen
auch in anderen Lagern der Zionistischen Organisation ge-
setzestreue Menschen: gewirkt und religi6se Antnrebe, z. T. an-
derer als traditionsgebundener Art wirksam' gewesen sein: der
Ort des nationalreligihsen' Wirkens war und ist der Misrachi.
'Dem deutschen Misra.c h-i fiel bis zutm Weltkrieg
eine grofle Ftmktioi :zu: einige. seiner Mianmer; bildeten.-diep
Weltzentrale; Dund auch die westeuropjische Zentrale hatte
ihren Sitz in Deutschland. War auch damals der' Umfang der
Arbeit bescheiden, so bedeutet doch die von hier aus be-
triebene Griindung der Tachkemoni Schule den Beginn des
heute stark entwickelten misrachistischen Schulwerks. Ent-
scheidender aber war die Aktivitait einiger Pers6nlichkeiten
grolen Formats, hunter denen der heimgegangmene Rabbiner
Dr. N. A. N o b el ungeachtet seiner Jugend einen besonderen
Rang einnahm. Ffir die Geschichte des deutschen Misrachi
hat er eine doppelte Bedeutung: er war wohl der erste deut-
sche Rabbiner, der im ersten Stadium der Bewegung ihr seine
Liebe und Arbeit gab; seine aus der Unmittelbarkeit und
Selbstverstindlichkeit eines reichen Herzens und Geistes kom-
mende Bereitschaft ist uns bis heute wertvolles Symptom des
Daseinsrechtes unserer Bewegung. Dann aber ist er uns gerade
in seinem Wirken in der Nachkriegszeit, in seiner Haltung Vor-
bild geworden ffir unseren Weg, ffir unsere Beziehung zu den
grundsaitzlichen und aktuellen Fragen des Zionismus, ffiir un-
sere Einstellung zu den anderen Gruppen.
Ich kann nicht alle nennen, deren Verdienste um den deut-
schen Misrachi bleibend sind. Was Ephraim A d l e r, die Brii-
der M61ler, was Franck und Pick geleistet haben,
wissen noch viele. Struck und beide Barth haben neben
anderen um die Erneuerung und den grolen Aufschwung
aulncrordentliche Verdienste. In die ersten Jahre nach dem
Weltkriege fillt der Versuch, die gesetzestreue Judenheit, die
ja nun bereits mannigfach organisiert war und deshalb schon
.recht starken Widerstand entgegensetzte, ffir unseen religi6-
sen Zionismus zu gewinnen. Der Erfolg war nicht iiberwil-
tigend, aber doch beachtlich.
Ich m6chte als einer derer, die in den letzten 11/2 Jahr-
zehnten an der Arbeit des deutschen Misrachi beteiligt waren,
und als der in den Jahren 1926-1933 teils allein ,teils mit
A. Adler offiziell mit der Leitung der Geschifte Betraute noch
einmal die entscheidenden Punkte unserer Arbeit
bezeichnen.
1. Wir haben versucht, fiber die doppelte Pro b I em at i k
d er Ju d e n heit und ihres traditionstreuen Teils aufzuklii-
ren, iiber den Zusammenhang zwischen Judenfrage und dem
Problem des Juden t u m s, das uns besonders angeht, zu be-
lehren. Wir waren Kiinder von Erez Israels historischer Rolle,
seiner rellgibsen Weihe, seines Aufbaus Wert und Zukunft.
Wir weckten Sinn und Liebe ffiir die Gesamtheit unseres kul-
turellen Besitzes, fiir die hebriiische Sprache und strebten eine


Die Zionistische Organisation hat von jeher Minner und
Frauen die gleichen Rechte gewiihrt. Trotzdem sehen wir,
daB von Anfang an, also kurz nach der Begriindung des
modernen Zionismus, auf dem I. KongreB in Basel in
Deutschland sich um das Jahr 1900 Frauen zu einer beson-
deren Gruppe zusammenschlossen.
Lina Wagner T'auber grfindete damals die ,,jfiu-
disch-nationale Frauen-Vereinigung", die es sich zur Aufgabe
machte, die Frauen enger mit der nationalen Auffassung
vom Judentum zu verknfipfen und weitere Kreise daffir zu
gewinnen. AuBerdem richtete sie Ferienunterbringung fiir
hinder ein und versuchte, ihnen die jildischen Feste durch
sch6ne, gemeinsame Feiern lebendig werden zu lassen. Bei
Ausbruch des Krieges nahm sie in erheblichem MaBe an der
Ffirsorge -fir Fliichtlinge teil. Aus dieser Arbeit ist spater
das Kinder- und Jugendheim Ahawah entstanden.
Der Verband jfidischer Frauen fur Kulturarbeit in Pa-
listina wurde im Jahre 1907 auf dent KongreB im Haag aud


visionismus, Araberfrage, Hebraisierung, soziale Gestalttng,
Galuth-, insbesondere Gemeindearbeit usw. alle zio-
nistischen Probleme und Kampfe bewegten gleichzeitig wie
den deutschen Zionismus so das KJV. Und wie der Zio-
nismus die Jugendbewegung des jildischen Volkes, so war
das KJV. in den Jahren um die Jahrhundertwende Vorlnufer
und Wegbereiter, ja, zundichst einziger Vertreter der Ju-
gendbewegung im Zionismus und bis heute einer ihrer Grund-
pfeiler. Und das war so nicht nur aus den notwendigen
sachlichen Gruinden, sondern ergab sich aus den Person-
lichk eite n: vielfach dieselben Miinner bestimmten in Jahr-
zehnten Weg und Ziel in der Zionistischen Vereinigung ffir
Deutschland und im KJV. Beide Orchester spielten das.
selbe Arbeitslied, nur mit verschiedenen Instrumenten. -
Von Meisterjahren des Kartells werden wir datn
sprechen diirfen, wenn die KJV.er in ihrer Gesamtheit sich
in Palistina endgiiltig be w i hrt haben.
Ehe das groBe Werk der nationalen Verschmelzung det
verschiedenen Judenheiten, die ins Land kommen, gelun-
gen ist, werden noch Jahrzehnte vergehen; bis dahin werdjen
die einzelnen ,,Landsmannschaften" noch sehr differenzierte
Aufgaben drdiben zu erfillen haben, je nach Herkunft, Vor-
bildung und nationalem Einfihlungswillen. Wird von den
Eingesessenen nur allzu oft die Forderung ausgesprochen,
die neuen Einwanderer haben sich, unter Verzicht auf noch'
so selbstandige Vergangenheit, bescheiden den ohne sie ge-
wordenen Verhiltnissen des Landes ein- und unterzuord-
nen, so darf dem entgegengehalten werden, daB die deut-
schen Juden, und unter ihnen vielleicht gerade die KJV.er,
Fihigkeiten zionistischen und organisatorischen Charakters
mitbringen, mit denen sie, was ihnen Erez Israel an ma-
terieller Existenz, nationaler Freiheit und jfdischer Erffil.
lung bietet, zum Wohle des Volkes reichlich vergelten
konnten.


echte Einheit des inneren Menschen an, die immer ielfr ver
loren gegangen war.
2. Die Opferwilligkeit suchten wir zu weckeLn. Fr i
die groBen Fonds traten wir ein, und unsere eigenen Unter-
nehmungen lieBen wir nicht Not leiden.
3. Unsere J u g en d erkldirten wir ffir mfindig. Sie ist hin-,
fort nicht in Jugendgruppen organisiert, sondern stellt emne
ebenbiirtige Einheit dar: ,,Zeire Misrachi", die selbst wieder-
die Jiungsten als ,,Brith Hanoar" sammelt. Die klare Zielsetzung.
,,T h o r a wa Awoda", die der ,,Brith Chaluzim datiim" am
klarsten vertritt, findet unsere a k t i v s t e Unterstitzung. Die
friih begonnenen Hachschara-Versuche erstarkten allmihlich,
und die Reihe Betzenrod, Rodges, Gehringshof geh6rt zu dem
Erfreulichsten. das sich an die Arbeit des deutschen Misrachi
kniipft.
Aber auch das ist gewiB nicht gearing einzuschftze!n, daB
in den Reihen der Aelteren, teils unter dem unmittelbaren Ein-
fluB der Leistungen unserer Jungen, tells well die -ffhrende
Misrachisten der Gedankenwelt von- ,Thora wa-Awoda" sich-
naherten oder gar unterwarfen und sie dann mit ausbauten, die!
chaluzische und unbedingte Halttmg, besonders der ,Chaluzimn
datiim". stndige an Sympathie gewann. Es gibt giewiB al'
weicheiindife Meinunfgen innuerhalb des Misrachi auch:'fiber -die
Bewertung der:Zeifim und Chaluzim. Aber eg darf doch gesagt
werden, daB inrkeinem anderen Lande der allgemeine Misraoci
so sehr zum Verstindnis des zur Verwirklichung strebenden
Zair gelangt ist wie in Deutschland.
4. Die Zionistische Vereinigung fur Detrtsdiland wire t5ft
zu einer Gemeinschaft aller aktiven =nd konstruktiven Zio.
nisten geworden ohne den Misrachi. Auch hier gab es Schwano
kungen. Es warren Zeiten, da die fibrigen Gruppen uns ohne fiber-'
milBige Sympathie gegeniiberstanden, und auch im misrachisti-
schen Lager gab es zeitweilig nicht nur Opposition, sonderdn
die Neigung, die Gemeinschaft in dieser Form nicht fortzuot
setzen, sondern den Dachverband zu bevorzugen. Es ist nochi
in der Erinnerung aller, wie in den letzten fiinf Jahren das
wechselscitige Verstindnis wuchs und eine begliickende Fretmd-
schaft die Gruppen einander naherte. Dieser Zustand hat sich
bewvihrt und hat die Anerkennung auch deer gefunden, die
mneinen Freunden und mir 1929 ihre abweichende M-inung
entgegenstellten. Nicht nur die Gesamtheit, auch die Partner
haben Nutzen aus diesem Zustand gezogen. Auch unsere
Hachscharah verdankt dem organisatorischen Bfindnis viel, und
auch in der Alijah sieht es in Deutschland besser aius als
anderwdrts. Nicht zuletzt dar der Misrachi sich dessen freuen,
daB man in der Kulturarbeit seinen Menschen tnd An-
schauungen bereitwilliger als anderswo das Ohr Iesht. Es ist
keine Frage, daB grade diese Chance, die auf Wechselwir"
kung gegrfindet ist, ffir uns eine grofle Hoffnung bedeutet;
denn es ist leider keine SelbstverstAindlichkeit,
daB Vertreter von Gruppen, die sich religi6s und kulturell
so auseinandergelebt haben, geneigt sind, wieder geistige Pro-
bleme so kritischer Art miteinander zu er6rstem.
Der deutsche Misrachi, und damit der religi6se Zionish
mus, hat gerade in dieser Zeit folgenschwerster Entscheidun-
gen in der jidischen Welt die Aufgabe, den schweren Weg
weiterzugehen, auf dem er bisher geschritten ist. In der
Volksgesamtheit, an der Seite der Trager des Renaissance4
gedankens, der in Zions Aufrichtung gipfelt, unerschitterliche
gewillt, diesem Willen eine klare religi6se Orientiertmung zu
geben. entschlossen vor allem durch Tat und zihen Schaffens.
willen diese Haltung auch vor Menschen anderer Auffassung
zu legitimieren, ernst bemiiht um die Gesetzestreuen jenseits
der Zionistischen Organisation und um alles Wesentliche im
Thorajudentum soil eine Ebene'erreicht werden, der gegenfiber
alles bisher Getane nur als eine bescheidene Vorbereltung
erscheinen wird.
Oskar Wolfsberg, Jerttsalemn


Initiative von Frau Fanni W o Ifs oh n gegriindet, die, wle
wenige Jahre spiter auch Frau Betti Les zyn sky, aif
eine Reise nach Palijstina als erste Frauen sahen, wie drin-
gend notwendig die Hilfe der Frauen ffiir Palistina war.
Die Leitung dieses Verbandes lag in all den langen Jahrei
seines Bestehens in den Hiinden bewiihrter zionistischer
Frauen. Die Leistungen von Frauen wie Frau Professor
Warburg, Frau Dr. Leszynsky, Frau Sonja Grone-
mann und vieler anderer sind im Kreise des deut-o
schen Zionismus bekannt. Die Mitglieder suchte der Frauen.
verband in allen jiidischen Lagern, um dadurch gr6Bere
Mittel fiir Palastina zu erhalten. Die Zentrale dieser iibe;
Deutschland, Belgien, Frankreich, England, RuBland, Oestep.
reich-Ungarn, Ruminien, Schweiz und U. S. A. verbreitetei
Organisation war in Berlin. Beraterin und Vertreterin dek
Arbeit in Palistina war in erster Zeit die fri-h verstorben-
Sarah Thon, spiter Mariane Hoofien und Chanah
Maisel-Schochat. Als der Verband seine Tatigkeit


ZUR GESCHICHTE DES RELIGIOSEN

ZIONISMUS IN DEUTSCHLAND


ZIONISTISCHE FRAUENARBEIT


40 JAYTRE J"DISCHE RUNDSCHAU


Selte 6


Nr. l 132, 17. IV. 1935







Nr3/3,17 V .354... tDICE U DSHT


im tUirkischen Palistina began, gab es die ,,Hadassah"
(amerikanische Frauen-Organisation) noch nicht, d. h. also
kaum ein jiidisches Krankenhaus; das Spital in Jaffa, die
einzige Zuflucht fur erkrankte Arbeiter aus den umliegen-
den Kolonien, war in sehr schlechtem Zustand. AuBerdem
gab es in Jerusalem drei Krankenhiuser. Miidchenschulen
gab es nur die der Alliance, in welchen die Kinder als Um-
gangssprache Franz6sisch lernten, und die Schulen und
Kindergarten des Hilfsvereins. AusschlieBlich in dem damals
gerade neu gegriindeten Tel-Awiw gab es die Miidchenschule
des Odessaer Komitees mit Hebraiisch als Unterrichtssprache.
Gleich im ersten Jahre des Bestehens des Kulturverbandes
wurde das Krankenhafus in Jaffa teilweise neu eingerichtet;
1912 wurde noch ein kleines Krankenhaus in Haifa unter
Leitung von Dr. Elias Au er bach gegruindet und sub-
ventioniert, denn damals entstanden die ersten Kolonien in
der Ndihe (Daganiah, Merchawiah), und Haifa selbst began
sich zu entwickeln.
Im zweiten Jahr des Bestehens des Kulturverbandes
wurde in Jaffa eine Spitzen n ihschule errichtet, der
spiter weitere Schulen in Jerusalem, Tiberias und Safed
folgten. Ein groBer Teil der Schillerinnen der Spitzennah-
schulen entstammte den Chalukkah-Kreisen, ein anderer Teil
kam von den neu eingewanderten Familien aus RuBland. Da
Iedeutete es viel, wenn die Maidchen auBer dem Verdienst,
den sie gleich fanden, hebraisch lernten und gezwungen
wurden, in den Naihstuben hebraisch zu sprechen; da sie
teilweise nie eine Schule besucht hatten, lernten sie dort auch
Rechnen, Schreiben und Lesen. Zur Leiterin der Spitzen-
schule in Safed wurde damals die 17jAhrige Hadassah Per l-
m a n n (spiiter Calvary) bestellt. Aus diesen Spitzenschulen
ist dann im Laufe der Jahre die Werkstatte ,,Shani" hervor-
gegangen, die in Anlehnung an die ,,Histad.ruth nashim
iwrioth" (die paliistinensische Frauen-Organisation) haupt-
sichlich durch jemenitische Juidinnen die allen Frauen be-
kannten palaistinensischen Stickereien erzeugt.
Im Jahre 1911 wurde hunter Leitung von Frau Dr. Mai-
sel Schochat die erste Mdidchenlehrfarm in Kinereth ge-
griindet, wo 14 Midchen in allen Zweigen der Haus- und
andwirtschaft ausgebildet wurden. Diese Schule muBte leider
g-gen Kriegsende geschlossen werden, da das Haus fir mili-
tirische Zwecke beansprucht wurde. Einige der dort ausge-
hildeten Maidchen wurden spiter die Leiterinnen der Madchen-
Farmen von Schchunath-Borochow und Petach Tikwah.
Danach hatte der Kulturverband durch den Krieg seine
Verbindung mit den ihm angeschlossenen Liindern verloren.
Der Schwerpunkt der gesamten zionistischen Arbeit wurde nach
England verlegt, und hier entstand die neue groBe zionisti-
sche Frauen-Organisation Wizo, die nun die Arbeit in gr6Be-
rem Malfstabe fortsetzte. Aber auch die innere jijdische
Situation hatte sich geindert, und inzwischen war auch ein
reues zionistisches Geschlecht herangewachsen. Frauen aus
dem Blau-Wei8 'oder dem Jiidischen Studentinnenverein her-
iorgegangen, fanden kein Geniige mehr an der Arbeit des
Kulturverbandes. Die bloB durch soziale Arbeit hergestellte
Verbindung mit Palaistina geniigte den junglen Zionistinnen
Inicht mehr, und es kam spontan, an mehreren Orten fast
gleichzeitig, zur Bildung des ,,Bundes Zionistischer Frauen",
dessen Mitglieder wohl zum gro8en Teil Mitglieder des Kul-
turverbandes waren. Dieser Bund schloB sich der Wizo an,
die Aufbringung des Budgets, d. h. die Bereitstellungi der
Mittel fur .den Unterhalt der der landwirtschaftlichen Ausbil-
dung der Madchen in Palistina dienenden Institutionen wurde
in7Deutschland zunaichst fast vollstindig vom Kulturverband
eruillt, an dessen Arbeit sich die Zionistinnen nicht genuigend
altiv beteiligten.
i Von dieser Situation ausgehend, hatte man in Berlin im '
JhIre 1927 mit recht gutem Erfolg in einer aus Kulturverband
tild Bund Zionistischer Frauen zusammengesetzten F r a ue n -
Arbeitsgemeinschaft ffir P liistina gearbeitet.
Cleichzeitig bahnte sich in Palistina die Vereinigung der
Uizo mit der ,,Histadruth nashim iwrioth" an. Als sich die
Fisionierung zur jetzigen ,,Histadruth nashim zionioth", der
plistinensischen Landesf6deration der Wizo, vollzog, als end-
lith das Statut der Wizo so geindert wurde, daB auch nicht
r:in zionistische Verbinde wie der Kulturverband gleich-
terechtigt aufgenommen werden konnten, da war kein Grund
nehr dafiir vorhanden, die Schwierigkeiten der Arbeit in den
5eiden getrennt arbeitenden Frauenverbiinden durch eine
Fusion von ,,Kulturverband" und ,,Bund zionistischer Frauen"
nicht zu beseitigen.
Die damals geschaffene Organisation war in kurzer Zeit
bis zum Umbruch in Deutschland mit Entschlossenheit und
Umsicht an ihre Arbeit herangegangen, die im wesentlichen
in der Doppelaufgabe besteht, Geldmittel fiur die von der
Wizo in Palastina unterhaltenen Institutionen bereitzustellen
uAd Propaganda und Schulung in Deutschland zu treiben.
A 8erdem hat sie damals durch Errichtung einer Stube und
Einrichtung eines Kinderferienheims, jetzt durch Einrichtung
einer Niihstube zur Ausstattung von Chaluzim und Inangriff-
tihme der Versorgung der Bate Chaluz praktische Aufgaben
in der Galuth ilbernommen.
Nun haben wir durch die veriinderten Verhiltnisse in
Deutschland unsere besten und geschultesten Krafte fast aus-
nahmslos nach Paliistina abgegeben; es ist sehr schwer, diesen
Verlust auch nur annahernd auszugleichen, denn es gab zu
wenig geschulte, mit der Tradition der zionistischen Arbeit
in Deutschland verbundene aktive Frauen. Trotzdem scheint
uns, daB es viele wertvolle Frauen gibt, die die Notwendigkeit
verstarkter Arbeit in einer Frauen-Arbeitsgemeinschaft fuir Pa-


ZIONISMUS UND GEMEINDE
Von Dr. Alfred Klee


Vor 30 Jahren griindeten wir den ,,Neuen jiidischen Ge-
meindeverein" in Berlin, den Vorginger der ,,Jildischen Volks-
partei" und des ,,Jildischen Volksbundes". Er stellte nicht die
erste oppositionelle Regung gegenilber dem herrschenden Ge-
meindeliberalismus dar. Aber naGh Tendenz und Kampf-
methode war er etwas absolut Neues. In der Tendenz, da die
jung aufstrebende zionistische Bewegung durch uns den ihr
gebiihrenden EinfluB errang, und in der Kampfmethode, da
hier zum erstenmal mit der Notabeln-Politik gebrochen wurde.
Hinzu kam die starke Betonung des Rechts der religi6s-kon-
servativen Bev6lkerung auf Gleichberechtigung in der Ge-
meinde. Will man sich den Zeitpunkt, in dem unsere Arbeit
began, recht vergegenwvirtigien, so darf man nicht vergessen,
daB bei der Einweihung der Synagoge in der Lindenstrale der
damalige Gemeindevorsitzende noch erklaren durfte, dies sei
die letzte Synagoge der Gemeinde mit vorzugsweise hebri-
ischer Gebetssprache; man wird dann leicht ermessen, welch
verheerende Aufl6sung der Gedanke der Anpassung an die
Umgebung mit sich gebracht hat. Aber wir sammelten nicht
nur die Jungen urn uns, uns selbst war es erstaunlich, wie
die Aelteren und die Alten sich uns anschlossen in dem siche-
ren Gefiihl; daB hiderein neuer Weg gezeigt werde, der Zu-
sammenfassung an die Stelle der Auflosung, Pflege der
Eigenart an die Stelle der Mimikry, kurz, Erhaltung
und Neuaufbau an Stelle des Untergangs bedeutete. Viele,
die zu uns kamen, wu8ten zunichst noch nichts von Paldistina-
Bewegung und Zionismus. Sie lernten es in unseren Versamm-
lungen und verstanden bald, daB der ideale Schwung dieser
neu-jfidischen Bewegung mit keiner jiidischen Titigkeit ihrer
bisherigen Umgebung vergleichbar war.
Kampf um die Gemeinden
In den Gemeindestuben Deutschlands sal3en Mainner von
hohem birgerlichen Ansehen, denen aber zumeist ihre soziale
Stellung, nicht ihre juidische Leistung, die Tiir zur Gemeinde
ge6ffnet hatte. Im kleinsten Kreise wihlte man die Kandidaten
aus, pers6nliche Beziehungen entschieden hAufig, vonr dem
Gew hlten erwartete man, daB er erst bei der Arbeit sein In-
teresse fiur die Gemeinde gewinnen werde. Es wurde korrekt
verwaltet. Freilich trifft diese Charakteristik nicht auf alle
Manner jener Zeit zu. Auch unter ihnen gab es Menschen jiidi-
scher Bildung, die den Wunsch hatten, ernste Arbeit zu listen;
aber es fehlten ihnen konkrete Vorstellungen von jiidischer
Zukunft. Sie empfanden und bedauerten wohl das Abbr6ckeln
Gegenkraifte konnten sie nicht entwickeln. Der Gedanke
der Enthebraisierung, der Kultusreform als Mittel zur Heran-
ziehung der Jugend, der falsch verstandene Gedanke von der
Mission des Judentums durch seine Zerstreuung, die Ver-
dfinnung der jiidischen Thora zu einer blassen Ethik ver-
sagten und hemmten die jiidische Tat.
Die wenigen Religi6s-Konservativen alten Schlages dran-
gen nicht durch, unterschieden sich auch in der Grundauf-
fassung, mit der sie das Judenturn nur als ,,Konfession"
ansahen, kaum von der Mehrheit, deren Tendenzen auf buir.
gerlicher Anpassung und Eliminierung a'ler national-jiidischen
Werte sie sich ebenfalls zu eigen machten.
Uns standen anfinglich die juristischen Grundlagen der
Gemeindeverfassungen entgegen. Unser erster Ansturm multe
am Pluralwahlrecht, an der fehlenden Gleichberechtigung der
auslindischen Juden in vielen Gemeinden scheitern.:- Dem
Zuge der Zeit aber konnte vor -allem die Berliner Geemeinde
sich nicht entziehen, und als iri Staat und Stadt das Verhiltnis-
wahlrecht durchgefilhrt wurde, kam es auch, hauptsiichlich auf
unser Dringen, ffir die Gemeindewahl zur Anwendung. Ent-
wicklung und jildische Grundhaltung der Berliner Jiidischen
Gemeinde waren in nuce bereits entschieden, als der Schrei-
ber dieser Zeilen dem Delegiertentag der Zionistischen Ver-
einigung fiir Deutschland im Jahre 1920 hunter brausendem
Jubel mitteilen konnte, daB Bresche gelegt sei in die bis dahin
einheitliche Front des Gemeindeliberalismus, und daB er mit
drei anderen Freunden unseren Gesinnungsgenossen Hein-
rich L6we, Abraham L6b und Max Lewit in die Reprisen-
tantenversammlung der Berliner Jiidischen Gemeinde ge-
wahlt sei.
Es ist schwer abzuschiitzen, wieviel hingebungsvolle Miihe
die Vorbereitung dieses Erfolges gekostet hat, in wieviel
Hunderten von Zirkeln und Versammlungen wir Jahre hin-
durch hatten sprechen miissen, mit mir Isaac Zwirn und unser
verewigter Freund Gustav Witkowsky. Einen starken Auftrieb
hatte iibrigens die Bewegung bekommen, als der jungle zio-
nistische Rabbiner Dr. Emil Cohn wegen seiner zionistischen
Gesinnung seines Amtes entsetzt wurde. Es gesellte sich so
zur Ideenpropaganda und zu den aktuellen Fragen, die die'
Zustinde der Gemeinde boten, auch der Kampf gegen eine
offenbare Ungerechtigkeit, die within auch auflerhalb unserer
Kreise als eine solche empfunden wurde.

listina erkennen. Zu notwendig braucht Paliistina den Typ der
Frau, den Nanny Mar g ulies in der Zeitschrift der Wizo
,,Pioniere und Helfer" ausgezeichnet umrissen hat: ,,die ver-
antwortliche, mitaufbauende und mitbestimmende biirgerliche
Frau. Heute ist die Frage ihrer Erziehung zur Vollbiurgerin,
zur kulturellen Erzieherin der kommenden Generation eine
Lebensfrage des Jischuw iiberhaupt." Edith Hirsch


Wir sagten, daB mit dem ersten Erfolg schon die Ent-
wicklungslinie sichtbar wurde. Bei der Nachwahl 1923 gesellte
sich zu uns als fiinfter Hans Goslar, 1926 errangen wir ein
Drittel der Platze. Gleichzeitig stirkte sich unser Einflull im
Vorstand (Kareski, Sandler, Kollenscher), der Gemeinde, die
ersten Wahlen zum Landesverband brachten uns auch drauBen
im Lande beachtliche Erfolge, nachdem schon vorher unsere
Gesinnungsfreunde in den groBen Gemeinden der Provinz
dem zionistischen EinfluB verstirkte Resonanz verschafft hatten.
Dieser iuBerlichen Neuformung entsprach der gedank.
liche Inhalt, den wir in die Gemeinden hineinzutragen uns
bemuihten. Sie waren fur uns geschichtsbewu8te Juden, fur
die es keine Arbeit gab, die nicht an die Traditionen unseres
Volkstums ankniipfte, die lebendigen und ewigen Traiger des
jiidischen Lebens iuberall in der Welt, die Formen unseres
autonomen Seins in der Diaspora, die Kraftquellen fiir ein
werdendes Palistina. Daraus ergab sich unsere programma-
tische Einstellung: Erziehung der Jugend durch vertiefte und
lebendige Kenntnis des jiidischen Kulturgutes, insbesondere
der hebraischen Sprache, Schaffung jfidischer Schulen. Erhal-
tung des Volksk6rpers, indem aus der Armenpflege eine zur
Produktivitat fihrende Sozialpolitik wurde, Errichtung und
Ausbau des Kredit- und Genossenschaftswesens hunter dem
Leitgedanken konzentrierter Selbsthilfe kleiner wirtschaftlicher
Existenzen, Unterstuitzung und Schutz der Auswanderung,
ganz besondere Ffirsorge fir die Palastina-Wanderung, Er-
oziehung auch der Erwachsenen zu einem Geist briiderlicher
Solidaritit, Ausmerzung des Begriffs ,,Ostjudeitum" und
,,Westjudentum" in Ideologie und Praxis der Gemeinde und
ihrer Mitglieder, Verstaindnis fiur den nationalen Gedanken und
seine Konsequenzen, Ertiichtigung der Jugend Bar Kochba
und Makkabi weiB, wie wir seit Jahren stindig um ihre Durch-
setzung gerungen haben um es mit einem Wort zu sagien,
Einordnung der jiidischen Gemeinde in den Kreis lebendig pul-
sierenden Judentums der Welt auf der einen und Einbeziehung
aller das jiidische Leben beriihrenden Aufgaben in den Arbeits-
kreis der Gemeinde auf der anderen Seite. Folgerichtig ergab
sich hieraus, daB derselbe Geist und dieselbe Praxis von uns
in den Zusammenfassungen der Gemeinden, vor allem in der
wichtigsten, dem Preul. Landesverband juidischer Gemein.
den, durchzusetzen versucht wurde.

Steigender Einflufl
Die letzten Etappen der Entwicklung unserer Arbeit sind
bekannt. Es ist gewiB nicht Aufgabe dieser Zeilen, eine genaue
Geschichte ihrer Entwicklung bis heute zu geben. Eins steht
fest: An EinfluB haben wir staindig gewonnen. 1926 gaben
uns 18000, 1930 30000 Berliner Juden ihre Stimme. Und so
unterscheidet sich der Geist, der in der Berliner Jildischen
Gemeinde heute herrscht, grundlegend von dem Geist der
Jahre, in denen wir unsere Arbeit begonnen haben. Unn6tig,
hinzuzufugen, daB die allgemeine Entwicklung seit 1933 auch
den im anderen Lager stehenden Juden Ernst und Bedeutung
unserer Arbeit zum BewuBtsein gebracht hat, so dal heute
in fast alien Kreisen der Gemeinde Verstindnis dafiir herrscht,
daB unsere zionistische Arbeit und Agitation der vergangenen
Jahre ein Gliick fiur die jetzt lebende Generation deutscher
Juden ist. Und da es sich heute um einen Aufsatz anIlilich
des Jubiliums der ,,Jfidischen Rundschau" handelt, so darf ich,
der.ich.als Mitglied der Presse-Kommission mit Arthur Hantke
und L6we noch die einzelnen Nummern der ,Israelitischen-
Rundschau" vorbereitet habe, auth der ,,Rundschau" fiur das,
was sie fur die Gewinnung jildischer Menschen in Deutscli-
land fur unser Ideal geleistet hat, danken.
War diese Arbeit sinnvoll oder nicht? Man hat in unserem
Kreise oft, wie mir scheint, Unklarheit geschaffen durch die
Begriffe ,,Bejahung oder Verneinung der Galuth", noch gro-
Bere Verwirrung, wenn man von ,Galuth-Zionismus" im
Gegensatz zu ,,Palastina-Zionismus" sprach. Nicht alles Theo-
retisieren ist gut. Es schafft auch Verwirrung und kann
liihmen. Es gibt kein Palistina ohne die Diaspora, und es gab
es auch nicht im Zuge der Jahrtausende jiidischer Geschichte.
Die Diaspora, die wir seit Nebukadnezar kennen, hat das
Judentum durch seine Gesamtgeschichte begleitet. Sie wurde
steril, wenn sie Palistinas und der nationalen Hoffnungen
vergaB. Philos Neffe war Tiberias Alexander! Sie war lebendig
und kraftvoll immer dann, wenn sie in Gesinnung und Tat
den Zusammenhang mit dem Gesamtjudentum und Erez Israel
wahrte. Von Cordoba trat der Dichter der Zionid.e auch seine
Zionswallfahrt an. Auf Jahrhunderte, vielleicht auf immer,
wird es eine jildische Diaspora geben. Sie lebensflihig zu er-
halten, sie vom Geist Palistinas durchdringen zu lassen, ihr
aber auch die Aufgabe zuzuweisen, das national Leben in Pa-
liistina mit aller Kraft entwickeln zu helfen, ist die Aufgabe
des Zionismus in der Galuth. So haben wir, die wir Traiger
der jildischen Gemeindearbeit in Deutschland in all den Jahren
waren, unsere Aufgabe aufgefa8t. Wir glauben, auf dem rich-
tigen Wege zu sein, und glauben in voller Erkenntnis des
Stiickwerkscharakters aller menschlichen Arbeit doch auf Er-
folge hinweisen zu k6nnen, deren wirklicher Sinn dann leicht
erfa8t werden wird, wenn man Gemeindearbeit und Diaspora-
politik hunter der groBen jildisch-historischen Perspektive stan-
diger Wechselwirkung sieht.


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Der Weg der Sozialarbeit / Von S. Adler-Rudel


Das Geschehen der letzten zwanzig Jahre hat das Ge-
Tilge des deutschen Judentums auf das Schwerste erschilt-
tert, seine wirtschaftlichen Positionen fast ganz vernichtet,
seine soziale Struktur tiefgehend verindert. Aus dem in Wohl-
stand und Ruhe lebenden jildischen Bii r gertum der Vor-
kriegszeit ist eine um ihre Existenz schwer ringende p a u -
perisierte Masse geworden. Sichtbarer Ausdruck der
sich noch immer vollziehenden sozialen Verinderungen sind
Schaffung und Ausbau einer Fiille neuartiger sozialer Ein-
richtungen, ist die tiefgreifende Wandlung des Begriffes der
jfidisch-sozialen Arbeit: von der ,,Armenp fleg e" zur
,,Soz ialpoliti k".
Jildische Sozialpolitik als ein System von MaBnahmen
zur Um- und Neugestaltung der sozialen und beruflichen
Struktur der Juden in Deutschland ist demnach nicht nur
eine Folgeerscheinung der politischen Veriinderungen der
letzten zwei J ahre, sondern das Ergebnis einer fast
zwei J ahr z eh nte dauernden planmiaBigen Arbeit einer
neuen jildischen Generation.
Wenn das Jubildum der ,,J idischen Rundschau",
die ihren erheblichen Anteil auch an der Wandlung des Be-
griffes der jiidischen Sozialarbeiter hat, zum Anla8 wird,
um im folgenden aufzuzeigen, wie das Wollen einer zio-
nistischen Generation in soziale Tat umgesetzt wurde,
so kann dies nur eine ganz sub je ktive und skizzenhafte
Darstellung dieser Entwicklung sein.
Das jiidische Volksheim
Die Anfainge einer neuen jiidischen Sozialarbeit fallen
fn die Kriegsjahre, als eine kleine Gruppe aus der zio-_
nistischen Jugendbewegung den Versuch machte, aus ihrer
neugewonnenen Erkenntnis der Judenfrage den Weg zur
jfudischen Wirklichkeit, zu den Massen zu finden.
Unter der Fiihrung Siegfried L eh man n s, der sp~ater
der Sch6pfer des jiudischen Kinderhauses in.Kowno und des
Kinderdorfes Ben-Schemeri wurde, entstand, in Anlehnung
an die englische Idee des ,,Settlement", im Norden Berlins
das jiudische Volksheim. Es began in wenigen
engen Riumen und sollte bald zum grofen jiidischen Volks-
haus werden. Hier sollten die armen ostjuidischen Kinder
des Berliner Nordens ein wenig Freude und Licht in der
Trostlosigkeit ihres Daseins finden; hier sollte sich die
Begegnung zwischen west- und ostjfidischen Menschen aus
verschiedenen sozialen Schichten vollziehen.
Vieles von dem, was das Volksheim werden s aIlt e, ist
nicht verwirklicht worden; das aber, was das Volksheim
wirklich war, ist aus dem jiidischen Leben der Kriegs- und
Nachkriegszeit nicht wegzudenken. Die jungen ,,Helfer" des

hier sehr bald die Hohheit der brgergerlichen Wohtitig-
keit die in dem Betreuten einen gesellschaftlich minder-
werTigen Menschen sah. 'Aus dieser Erkenntnis wie aus
dem Erlebnis des Zusammenseins mit dem Volke erwuchs
der Drang zu neuen Formen sozialer Arbeit, die fiber den
Einzelnen und seine Not hinausgehn id zur wikliclien lVolks-
arbeit wurde. Das Volksheim. leistete nicht nur materielle
Hilfe, es versuchte vielmehr, die Kinder ganz zu erfassen
nrd sle Teil einer neuen Gemeinschaft werden zu lassen.
Neben der praktischen und pidagogischen Arbeit erhielten
zahireiche june Menschen des jiidischen Bfirgertums zum
ersten Male Einblick in die jiidische Wirklichkeit. So sind
aus den Reihen des Volksheims eine groBe Zahl von Men-
schen hervorgegangen, die fiur die spatere Entwicklung der.
jiidisch-sozialen Arbeit in Deutschland bestimmend waren.
Das ,,Arbeiterfiursorgeamt"
WAhrend die Menschen des Volksheims den Versuch
machten, auch den von der Obersten Deutschen Heeres-
leitung aus Polen nach Deutschland angeworbenen ostjiidi-
schen Arbeitern, die an Stelle der im Felde stehenden
deutschen Arbeiterschaft in der Industrie eingesetzt wqr-
den -, helfend beizustehen, erwuchsen aus dem Umstand,
daB zehntausende jiidischer Arbeiter aus dem Osten nach
Deutschland kamen, der deutschen Judenheit eine Fiille
schwieriger sozialer Aufgaben. In Warschau war es der
,iidischen Abteilung der deutschen Arbeiterzentrale", die die
Vermittlung ostjiidischer Arbeiter nach Deutschland leitete,
gelungen, allmahlich System in diese so neuartige Arbeit zu
bringen. Hier waren es Julius und Alfred Berger,
bekannt aus ihrer vieljaihrigen zionistischen Taitigkeit, die sich
mit der ihnen eigenen Energie fir eine Besserung der Lage
-der nach Deutschland vermittelten ostjfidischen Arbeiter ein-
setzten. In Erganzung dieser Arbeit entstand in Berlin das
Arbeiterfilrsorgeamt der jiidischen Organisationen Deutsch-
nds" als ein ZusammenschluBi der jiidischen Organisationen
aller Richtungen zu dem Zweck planmiBiger FuirsorgemalB-
hahmen fur die ostjiidischen Arbeiter in Deutschland. Zur
Leitung wurde Fritz Mordechai Kaufmann berufen.
Kaufmann, aus assimiliertem Milieu im Rheinland stam-
imend, von starkem nationalen und sozialen Wollen erfilllt,
stand den Kreisen des Volks-
heims nahe. Von dorther, so-
wie aus den Reihen der ost-
jidischen Arbeiter wihlte er
seine Mitarbeiter, u. a. Werner
S en a t o r (heute Mitglied der
Exekutive der Jewish Agency).
E Sehr bald erkannten Kauf-
mann und seine Mitarbeiter in
der ungeheuren Not der ost.
judischen Arbeiter und Fliecht-
linge ein sozu i alpolit1i-
Das Prisidium des Arbeiter-.
firsorgeamtes, das sich aus
Vertretern der jfidischen Or.
ganisationen und der Jildischen
Gemeinde Berlin zusammen-.
setzte, hatte Verst5ndnis ffir
diese neuartige Auffassung. Die
Jidihe. Leiko Begegnun gt er jungen Men-
schen, die die Arbeit im Ffir-
sorgeamt leisteten, mit Minnern wie Paul N at h an, Bernhard
Kah n, Eugen Caspary und Siegfried Moses in der
Erkenntnis der Notwendigkeit besonderer sozialer MaBnahmen
war fiir beide Teile ungemein fruchtbar.
Aus dem Zusammentreffen dieser beiden so verschieden
gearteten Kreise erwuchs im Arbeiterfiirsorgeamt eine der
eigenartigsten sozialen Organisationen, die zum A us g an g s -
punkt einer v6lligen Umgestaltung werden sollte.
Das Arbeiterfiirsorgeamt leistete Beherbergtmung und Ver.
pflegung, Rechtsschutz und Legitimlerung der ohne Personal-.
papiere umberirrenden Arbeiter, ordnete si icn ArbeitsstCel-


len ein: Zehntausende im rheinisch-westfilischen Industrie-
gebiet, hunderte als Landarbeiter in der Uckermark und in
Pommern, wo die ersten Hachschara-Gruppen ostjiidischer
Arbeiter in Deutschland entstanden, f6rderte die Initiative
und Selbsthilfe der Arbeiter durch Griindung von Arbeiter-
kiichen, Arbeiterklubs. Lesehallen und Bibliotheken, orga-
nisierte die allmaihliche Abwanderung nach Polen, sowie
nach den westeuropiischen Laindern.
F. M. Kaufmann war es nur ein kurzes Jahr verg6nnt,
an der Spitze dieser Arbeit zu stehen. Wihrend dieser Zeit
going so viel Anregung und Initiative von ihm aus, daB seine
Mitarbeiter nach seinem friihen Tode es als sein Vermdichtnis'
empfanden, den Weg, den er ihnen gezeigt hatte, weiter zu
gehen. Seine Nachfolger in der Leitung des Arbeiterflir-
sorgeamtes waren Werner Senator und Alfred Berger.

,,Die Auguststrafle"
Die unruhigen Jahre der Nachkriegszeit brachten zahl-
reiche jildische Flichtlinge aus den osteuropAischen Lin-
dern nach Deutschland und zwangen das Arbeiterfoirsorge-
amt, den Kreis der Tdtigkeit immer mehr auszuweiten. Mit
Hilfe der vom ,,American Joint Distribution Committee"
(als dessen europaischer Vertreter Dr. Bernhard Kah n fun-
gierte), zur Verfuigung gestellten Geldmittel gelang es, zehn-
tausende ostjiidischer Fliichtlinge zur Abwanderung zu bringen.
Zur Bewiltigung dieser Aufgaben bediente sich das Ar-
beiterfiirsorgeamt einer Anzahl von Nebenorganisationen;
allmibhlich konzentrierte sich in den der Jiidischen Oemeinde
Berlin geh6renden Gebiiuden in der AuguststraBe ein groBler
sozialer Apparat, der mit den Methoden moderner sozialer
Fiirsorge die N6te wandernder Menschen zu lindern versuchte.
Mit F6rderung des Arbeiterfoirsorgeamtes und lange von
ihm gestiitzt entstand das Kinderheim ,,Ah a w a h" fir die
Kinder der Fliichtlinge, die bei ihren Eltern nicht bleiben
konnten. Die Ahawah ist wohl das erste wirklich jildi-
s che Kinderheim in Deutschland. In betontem Gegensatz
zu den Assimilierungstendenzen der anderen jiidischen Wai-
senhAiuser und Kinderheime wurden hier Kinder der Armsten
jildischen Massen zu produktiven, bewuBt j idischen Menschen
erzogen, so daB es kein Zufall ist, daB die meisten Kinder
der Ahawah den Weg zur Chaluziuth und nach Palristina
fanden.
Im gleichen Gebiudekomplex begrfindeten die Zionisten
Dr. Hermann Stahl und Siddy Wronski die jiidische
K i n d e r h i 1 f e als gesundheitliche FfirsorgemaBnahme flor
die eingewanderten ostjivdischen Kinder. Die Kinderhilfe,
auch heute eine der wichtigsten Einrichtungen der jiidi-
schen Wohlfahrtspflege, gehorte zwar nicht zum Arbeiter-
ffirsorgeamt, war jedoch wesensmiBig mit ihm eng ver-
bunden.
Als seine wichfigste Aufgabe sah das Arbeiterffirsorge-
amt die productive Einordnung der von ihm betreu-
ten Men an' Urn dies systematisch durchzufohren, er-
folgte zuniichst die Ueberleitung des von der zionistischen
Jugendbiw.egung.gegriindeten ;,Jidischen Arbeitsamtes" nach
der AugustsiraBfe, wodurch Menschen wie Walter P r e u B,
Grete T ur n ow s-ky-Pin ner, :Trude L evySc h r e ib er,
Walter T u ri ho w s k i usw. an das Arbeiterffirsorgeamt enger
gebunden wurden. Spiater wurde das Arbeitsamt mit dem ,,Ar-
beitsnachweis der Berliner Logen" zur ,,Arbeitsgemeinschaft
der jidischen Arbeitsnachweise" zusammengeschlossen, die
ebenfalls in der AuguststraBe untergebracht wurde. Das
Ziel der produktiven Einordnung der Ostjuden erfor-
derte den systematischen Ausban der jiidischen Arbeitsver-
mittlung sowie die Schaffung einer Berufsberatung. Arbeits-
nachweis und Berufsberatung betreuten zwar in den ersten
Jahren fast ausschlieflich ostjiidische Arbeitslose
und ostjiidische Kinder; die wachsende Not des deutschen
Judentums verfinderte jedoch im Laufe der Jahre auch den
Kreis der Menschen, die hier Rat und Hilfe suchten. Immer
geringer wurde die Zahl der ostjiidischen Besucher, immer
gr6 Ber die Inanspruchnahme durch deutsche Juden.
Arbeiterfiirsorgeamt und Arbeitsnachweis hatten in zahl-
reichen Stidten Deutschlands Zweigbiiros errichtet, die sowohl
c den Zweck der Erleichterung der Wanderung und des
Rechtsschutzes, wie auch den der Arbeitsvermittlung batten.
Ueberall warren es Zrionis t e gn, die diese Einrichtungen
stiitzten wie J a c o b s o h n, Breslau, E p s t e i n, Duisburg,
St e i n, K6nigsberg, Ehrlich, Beuthen, und viele andere.
Die praktische Arbeit wurde fast ausschlieBlich von Men-
schen aus der zionistischen Jugendbewegung oder dem KJV.
geleistet.

Hauptstelle fr jfildische Wanderffirsorge
Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise hatten eine ver-
stirkte Binnenwanderung jiidischer Menschen in Deutschland
zur Folge. Durch die Initiative des Arbeiterfiirsorgeamtes
wurde die Wanderfiirsorge in Deutschland neu organisiert
und 1925 die ,,Hauptstelle fur jiidische Wanderfiirsorge" ge-
schaffen. Die Schaffung der ,,Hauptstelle" wurde der Beginn
einer systematischen sozialpolitischen Arbeit im deutschen
Judentum. Mit der Organisierung der Wanderung wurde
gleichzeitig das jiidische Arbeitsnachweiswesen in ganz
Deutschland neu organisiert. Die Arbeitsnachweise der ver-
schiedenen Stidte wurden in der ,,Vereinigten Zentrale der
jiidischen Arbeitsnachweise" zusammengeschlossen, deren Ge-
schiftsfiihrung mit der der Hauptstelle ffir jidische Wander-
fiirsorge identisch war. Die Arbeitsvermittlung jiidischer
Arbeitsuchender wurde damit fOr ganz Deutschland in ein-
heitliche Bahnen geleitet.
Von der Hauptstelle fOr jiidische Wanderfoirsorge going
die Initiative zur Schaffung von jOidischen Arbeiter-
kolonien aus, in denen die Wandernden untergebracht
werden sollten, bis sie wieder normal in den ArbeitsprozefB
eingeordnet werden konnten.
Der Kampf urn die Erriehtung einer Arbeiferkolonie
wahrte fast fiinf Jahre, mit dem Ergebnis, daB 1932 das
,Landwerk Neuendorf" gesehaffen wurde, das aller-
aings infolge der verfinderten Zeitverhiltnisse ganz anderen
Zwecken dienstbar gemacht wurde und heute wohl als eine
der wichtigsten Ausbildungsstaitten for landwirtschaftliche Be-
rufe anztisehen ist, die der jiidischen Jugend Deutschlands
zur Verfigung stehen.
Jfidische Arbeits- und Wanderffirsorge
Die fortschreitende Proletarisierung des deutschen Juden-
turns, die wachsende Arbeitslosigkeit zwangen zumn Ausbau der
sozialpolitischen Einrichtungen. Noch stand das deutsche
Judentumrn in Unkenntnis seiner Situation diesen driingenden
Problemen teilnahmslos gegenfiber. Es kam daher darauf an,
ein Organ zu schaffeen, in dem die Ideen jfldischer Sozial-
politik wirksam vertreten werden konnten. Am 1. Juli 1927
erschien die erste Nummer de, Monatsschrift Jadiachc Az.


beits- und Wanderforsorge", die als die erste Fachzeitschrift
fiir jiidische Sozialpolitik anzusehen ist. Als Herausgeber
zeichneten: Dr. Georg Baum, Alfred Berger, Eugen
Caspary, Prof. Dr. Sobernheim. Die Redaktion hatten
S. Adler-Rudel und Dr. Max Kreutzberger. Eine
Fiille von Anregungen ist von hier ausgegangen, die sozialen
Problem wurden eingehend behandelt, neue Wege der jOi
dischen Sozialarbeit wurden angeregt. Das Arbeitsnachweis
wesen, insbesondere aber die jiidische Berufsberatung mit
dem Ziele einer Umgestaltung der Berufsstruk-
tur der Juden in Deutschland wurden in der Zeitschri1t
wirksam vertreten.

Eugen Caspary
Diese Ausfihrungen, die im wesentlichen vom Kampt
einer zionistischen Generation berichten, wfiren unvollstindig,
wenn sie nicht einen Mann aus einer friheren Generation,
in einem anderen jildischen Lager stehend, erwAhnen whr-
den, der ffir die Entwicklung der Ideeni jldischer Sozflal
politik von entscheidender Be-
deutung war. Eugen Cas-
p a r y, ein Jahrzehnt lang die
zentrale Figur der jfidischen
Wohlfahrtspflege Deutschlands,
Vorsitzender des Wohlfahrts-
amites der Jildischen Gemeinde
Berlin, ahnfte das Neue tndd
Zukunftstrichtige der sozialen
Arbeit, das in den Menschen
und Organisationen der Ae Au'-
guststraBe" lebte. Ein im We-
sen kinstlerischer Mensch, be-
sessen von der Idee des
Helfenmilssens, abhold jeder
Bilrokratie, war er, obwohl im
liberalen Bi rgertum durch
Herkunft und soziale Lage fest Judinohe s ikmen
verankert, erschilttert von dem
ZusammenstoB mit der jildischen Wirklichkeit, wle te im a wt
der Arbeit der AuguststraBe entgegentrat. Mit der ganzen Lei
denschaft seines Temperaments, mit ungeheurer Z ,higkef
verfolgte er das Ziel, das er sich einmal gesteckt han te. Zwi-
schen ihm und den um so vieles jiingeren undandersgearteten
Menschen der AuguststraBe entstand im Laufe der Jahre trotz
aller Meinungsverschiedenheiten eine starke persbnliche Be-
ziehung. Damit war die aufstrebende jildische Sozialpolitik tun
ein gutes StOck vorwirts gekommen. Das Eindringen in d14
Gemeinden trd Landesverbiinde wurde durch ihn miglieh
Eugen Caspary war ein unpolitischer Mensch, obwoqi
er in den Reihen der Liberalen stand. Er setzte seine garze
Pers6nlichkeit dort ein, wo er positives jfidisches Wirlien
sah. Die A b d r a n g u n g eines groBen Teiles der fiberalth4
ten jildischen P u t o k r at i e aus Kuratorien und Gremit
die berufliche Verankering der jungen Menschen in dte
sozialen Arbeit ist im wesentlichen ihm ztt verdanken l
ware ohne sein Wirken kaum ,son bald erfolgL.
Einordnung
Das Arbeiterfiirsorgeamt der jfidischel Organisatlon u
Deutschlands und die von ibm gesehaffenen Organisatione
und 'Einrichtungen warren free t und finanziell wentig fh.
dierte Institutionen. Jahrelang wurde un die Aufrechterh
tung der Arbeit gekimpft; die finanzielle Un s i herhei
thing als drohende Gefahr fiber der gesamten Arbeit Ni
sehr allmibtlich gelang es, die Gemeinde Berlin, die Landes4
verbpinde, die anderen Gemeirtden zur Subventioni.erntg die
ser Arbeit zu gewinnen.
Der verstiirkte Einflu8 der Zionisten im Qemeindelebe
die zeitweilige Mehrheitsstellung der von Zionisten be6
herrschten Koalition in der Berliner Gemeinde bewirldeti
endlich die Uebernahme der ,AuguststraBe" als Abteilung
,,Arbeits- und Berufsfilrsorge" in das Wohlfahrtsamt der Jift
dischen Gemeinde Berlin. Die zentralen Organisationen wa.r
den von der Auguststrafle losgelost und mit der Zentralwohl-
fahrtsstelle der deutschen Juden vereinigt.
Nach dem Tode von Eugen Caspary erfolg-te die R11.
mnung der AuguststraBe und die Zusammenlegung mit ders
Wohlfahrtsamt in der Rosenstrafle. Damit war eine P,
nriode abgeschlossen; die finanzielle Sicherung der Arbef
zunichst gewdihrleistet; die Bemfihungen ffir die Reform
der jildischen Wohlfahrtspflege wurden nach innen verlegt.
Das Tempo der Entwicklung, die UmwIlzungen des Jahres
1933 machten neue Ver inderungen notwendig; die sozial-
politischen Aufgaben riickten in den Mittelpunlkt der Ge
meindearbeit; die Abteilung Arbeits- und Berufsfiirsorge der
jildischen Gemeinde wurde vom Wohlfahrtsamt losgel6st urnc
als selbstindige Abteilung, als ,,Wirtschaftshilfe der judi-,
schen Gemeinde" nen eingegliedert.
Zentrale Organisationen
Mit der Zusammenlegung von ,,Hauptstelle" und Zen
tralwohlfahrtsstelle beginnt auch fir die Leitung der jfidi.
Initiative im Wohlfahrtsausschui des Preufischen Landes-
verbandes erwirkte manche Reform und schlieflich die
Schaffung des Wirtschaftsausschusses beim PreuBischen Lan-
desverband, der lange vor dem 1. April 1933 eine grofle
Anzabl vorbereitender Aufgaben erledigte. Auf dem Gebiete
der sachlichen sozialen Arbeit hatten sich die Anschauun-
gen des Zionismus durchgesetzt. Die Vorarbeiten wurden zur
Grundlage der Arbeit des ,,Zentralausschusses ffir Hilfe nd
Aufbau der deutschen Juden", zurm entscheidenden Bestatd.
tell der Versuche der Neugestaltung der beruflichen un4
sozialen Struktur der Juden in Deutschland.

Es kam hier nicht darauf an zu zeigen, wie die zionisti-
sche Analyse der Situation der Juden durch die Entwick.
lung bestztigt worden ist, denn die zionistische Generatio|
der sozialen Arbeit hat n i e in a Is den Versuch gemacht, dit
soziale Arbeit zum Kampffeld politischer Meinungen zU
machen. Die Verantwortung, mit der wirklich jildische Volksl
arbeit geleistet wurde, hat manchem innerjiidischen Gegreer
Achtung und Anerkennung abgerungen. Nur aus der Er-
kenntnis von der Einheit des jildischen Volkes und vol
den groBen sozialen Aufgaben, die die jildische Not der Zeit
uns stellt, kann wirkliche soziale Arbeit geleistet werden un]
jildische Sozialpolitik ihre Begriindung finden. Die MenscheA
der zionistischen Bewegung in Deutschland, die aus diesel'
Erkenntnis heraus zur sozialen Arbeit kamen, haben a;
Beispiel des deutschen Judentums den Beweis ffir die Richl
tigkeit ihrez Auffasswng crbracht,


40 IAHRE PUDfSCHE RUND)SCHAU


Sette 8


Nr. 31132, 17. IV. 1933






It 13,1.I.13 0JHEJJIC ERN SH USie


VIERZIG JAHRE

LANDWIRTSCHAFT
Von Akiwa Jakow Ettinger
Der Verfasser hat schon vor 30 Jahren im Auftrago
der Chowewe Zion die damaligen Kolonien in Paldstina
besucht und begutachtet. In der Nachkriegsperiode war
Herr Ettinger viele Jahre hindurch Direktor des Koloni-
sationsdepartements der Zionistischen Organisation und
des Bodendepartements des Jadischen Nationalfonds.
Er ist also far eine wichtige Epoche der jildischen
Siedlungsgeschichte verantwortlich. Ettinger wurde s. Z.
heftig befehdet, besonders wegen seines Eintretens far
genossenschaftliche Siedlungsformen. Wir glauben, dap3
er befugt ist, einen Rilckblick auf die vergangene Epoche
zu werfen. Red.
Es soil hier im fol enden eine Uebersicht gegeben werden
fiber den Bodenbesitz, die landwirtschaftliche Bev6lkerung,
Siedlungsformen, Wirtschaftstypen, und Siedlungsmethoden
iun Laufe von vier Dezennien.
Bodenbesift Der Bodenbesitz vor vierzig Jahren
and land- machte noch keine hunderttausend Du-
virtschafflidhe nam aus. Bis kurz vor dem Weltkriege
RBev&lkerung stieg er auf zirka vierhunderttausend Du-
n am. Diese Zahl hat sich bis heute bloB
verdreifacht: etwa eine Million zweihunderttausend Dunam
umtaBt zur jetzigen Zeit der jiidische Bodenbesitz in Erez
Israel. Das Anwachsen unserer Bodenfliche war demnach
langsam und wenig befriedigend im Laufe der gesamten
vierzig Jahre. Der Bodenbesitz ist nicht fiber das ganze
Lana verteilt, sondern in der Hauptsache in der Kilsten-
ebene, dem Emek Jisreel und der Jordansenke konzentrierL
-Wenden wir uns zur Frage der Bevflkerung in den
landwirtschaftlichen Kolonien, so betrug die
Zahi der Dorfbewohner vor vierzig Jahren bloB dreitausend
Seelen (siebenhundertsiebenundzwanzig Familien)*), von de-
nen sich ungefdhr zwei Drittel mit Landwirtschaft befaBten.
Heute wohnen in den jildischen Siedlungen round ffinfzig.
tausend Seelen, von denen denen gleichfalls wohl zwei Drittel
sich in der Landwirtschaft betitigen. Wenn auch diese
Zahl viel gr6Ber ist, so macht sie doch nur einen kleinen
Teil der jildischen Gesamtbev6lkerung aus. SchKitzt man
diese mit dreihundertdreiftausend eiend e, so macht die land-
wvirtschaftliche Bev6lkerung nur 15 bis 16 O/o aus.
Dieser .Prozentsatz zur gesamten judischen Bev6lkerung
ist gewiB h6her als in irgendeinem anderen Lande, wo Juden
in brelteren Massen wohnen, aber das Verhaltnis ist nicht
betriedigend, da wir ja die Landwirtschaft als Basis un-
seres gesainten Siedlungswerkes betrachten.
I Interessant ist ein Vergleich der Zahl der Siedlungs.
punkte von damals mit heute. Nach einer aus dem Jahre
1898 stammenden Zahlung der jildischen Kolonien gab es
damals s i e b z e h n Punkte, davo dvondreizehn in Juda trnd
vier in Galilda. Die uns geldufigen Kolonienamen, wie Pe-
tach-Tikwah, Rischon-le-Zion, Gederah, Rechowoth, Ekron,
Wadi--Chanin (das heutige Ness-Ziona), Chederah, Sich-
ron-Jaakow, Rosch-Pinah, Jessod-Hamaaleh, Mischmar-Ha
garden und Metullah existierten bereits damals.
Heute ist die Zahl der Kolonien, Kwuzoth, Moscha-
wim: usw. an hundertundfinfzig. .
S*)OemAf dem Berichte des Agr, A. J. Ettinger an die
Ciowewe Zion vonm Jahre 1905.-


Wirtschafts- Zu den Wirtschaftstypen fiber.
typen gehend, muB man sich vor Augen halten,
daB die Kolonien vor vierzig Jahren im
Zeichen der ilberwiegenden Monokultur standen. Da-
mals driickte sich diese in Form von Weingarten ffir Wein-
produktion aus (nicht fuir Tafeltrauben!). Waren doch von
knapp hunderttausend Dunam vierundzwanzigtausend Du-
nam mit Weinglirten bepflanzt. Die damaligen Kolonisten
hatten auflerdem etwa je finfzehnhundert Dmunam Mandel-,
Oliven- und Maulbeerbiume. Letztere sind lingst verschwun-
den, und Mandel und Olive haben heute sehr geringe wirt-
schaftliche Bedeutung. Der Weinbau hat bekanntlich schwere
Krisen durchgemacht, in der Hauptsache durch den Anbau
unpassender Sorten, Schwierigkeiten des Absatzes und die
Prohibition in Amerika. Von diesen Schligen hat sich der
Weinbau bis jetzt noch nicht erholt.
An Orangengirten gab es damals etwa achthun.
dert Dunam. Die Fliiche wuchs langsam bis zur gegenwir-
tigen ,,Boom"-Periode an, die in den Jahren 1926/27 began.
Wiederum befinden wir uns in einer Periode der Vorliebe fiir
Monokultur.
Es ist wichtig zu betonen, daB im Laufe 'der vierzig
Jahre zweimal bedeutende Anliufe zur Verbreitung der g e -
mischten Wirtschaft gemacht wurden. Der erste Ver-
such stammt aus der Zeit, wo nach den etwa ffinfzehn Jah-
ren der Wein-Monokultur ihre negative wirtschaftlichen
Seiten klar. zutage traten. Damals unternahm es Baron Ed.
mon<1 de Rothschild, Kolonisten aus Sichron-Jaakow nach
neuen Punkten in der Nahe des Tiberiassees (Jammah,
Mescha usw.) zu versetzen, um ihnen die M6glichkeit zu
geben, den Gefahren der Monokultur -zu entgehen und Ge-
treidebau und Viehzucht zu betreiben. Die zu jener Zeit
gegrilndeten Kolonien haben sich nicht den Erwartungen
gemai entwickelt, weil keine rationellen Methoden in den
Betrieben eingefiihrt waren, so wie es im modernen zwei-
ten Versuch mit Erfolg geschah.
Die zweite Periode des besser gelungenen gemischten
Wirtschaftstypus fiillt zusammen mit der zionistischen Ko-
lonisation nach dem Kriege, wo die neuen Siedlungen im
Emek Jesreel und Emek Hajarden angelegt wurden.
Die Kolonisten am Ende des vorigen Jahrhunderts hatten
auBl3er den prakfischen Kenntnissen im Weinbau, die sie
von den franzsisenfrasiscen Weinglartnern des Baron iibernommen
hatten, keine Praxis in anderen landwirtschaftlichen Zwei-
gen. Ais Milchkiihe wurden die wenig produktiven lokalen
arabischen Kfihe gehelten. Eigenes Gemise zogen die Ko-
lonisten gar nicht (so wie die alien Kolonien auch heute
noch keins haben). Von Gefliigelzucht war auch noch
Demgegenfiber haben in den letzten Jahren Milch-
wirtschaft, Oemisebau und Oefliigelzueht
auBerordentliche technische Ergebnisse erzielt. Beinahe alle
neuen Kolonien haben diese Zweige in ihr Arbeitsbereich
gezogen. So kommt es, daB heute, bei dem abkiihlenden
Verhiltnis zur einseitigen Orangenkultur, die Blicke neuer
Siedler mit Aussicht auf gute EfogeEfoge zu diesen wich-
tigen Zvbeigen sich wenden k6nwnen. Dazt kommen noch
die vielversprechenden Kulturen der Tafeltrauben, die
letzthin sich so sch6n entwickeln, und die p,n6rdlichen" 0 b s t-
b Ai u m e (Aepfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche usw.) als auch
die Bienenzucht usw.
Siedlungs- Aber noch viel wichtiger als die tech-
formen nischen Errungenschaften ist im Vergleich
mit den ersten Jahrzehnten der Koloni-
sation das heute -Erreichte auf dem Qebiete der S ied-
lungsfobrmen. Es gab anfangs nur die in der ganzen
Welt verbreitete itidividuelle Wirtschaftsform. Das letzte
Jahrze.hnt abert h-at alien Zweiflern di.e Durchfilhrtngsmfg.


fichkeit und 6konomische Vollberechtigung 'der g en oss en-
schaft li chen Siedlungsformen vor Augen gefihrt. Aus
der Entwicklung der zionistischen Bewegung, ihrer beson-
deren Lage und den Schwierigkeiten, die sich im Lande jeder
Besiedlung entgegenstellten, ergaben sich die besonderen
Lebensformen, die ein Teil der Einwanderer fiir sich fand.
Alle Bedenkem der Efficiency-Leute der Nachkriegsperiode
sind heute beseitigt. Viere landwirtschaftliche Genossen-
schaften haben heute Reineinnahmen aus ihren gemischtert
Wirtschaften. Teilweise zeigen sie bereits einen gewissen
UeberschuB auf, und ihre Lebens- und Entwicklungsfahig-
keit k6nnen heute nicht mehr angefochten werden.
Vor vierzig Jahren waren die Trager der Kolonisation
die ersten Chaluzim, die ,,Bilu". Die Kolonisatoren waren
einerseits die schwach bemittelten, dabei der praktischen
Kolonisationsarbeit heif ergebenden ,,Chowewe Zion", und
andererseits der Baron Rothschild, der bereits damals
mitten in seinem groBen Experimente stand.
Und bereits damals, nach solch kurzer Zeit jiidischer
Kolonisationstiitigkeit, waren manche Lehren aus der Praxis
derselben zu ziehen. Meist negative Art, aber doch sehr
nfiltzlich. So konnten gemachte Fthler weiterhin ver.
mieden werden. Schon seinerzeit war es scharfen Beob.
achtern klar (Achad Haam), dab das Bevormundungssystem
der Rothschildschen Administration sich schiidlich auswir.
ken muBte. Tatsichlich haben die ersten Kolonien lange
an diesem Mangel gelitten, und noch heute sind in den
alten Kolonien gewisse Merkmale dieses ehemaligen
Systems erkennbar.
Nur langsam haben sich diese Kolonien zur autonomen
Selbstverwaltung entwickelt, wiihrend in den Siedlungen,
die in den letzten eineinhalb Jahrzehnten begrilndet wur-
den, von vornherein jede Siedlung die Verwaltung ihrer
aligemeinen Interessen und der 6ffentlichen Anstalten selbst
Interessen und der bffentlichen Anstalten selbst fibernimmt.
Siedlungs- Vor vier Jahrzehnten herrschte die Methode
methoden der philantropisehen Kolonisa.
tion vor. Kurz vor dem Kriege kamen
ztu dieser Methode andere hinzu, die vielversprechend waren
nd sich tatsiichlich mit Wiederbeginn der Kolonisation nach
dem Weltkriege gut bewiihrt haben. Einige Jahre vor dem
Kriege wurden die ersten Versuche der enossen-
schaftssiedlung gemacht. Aus derselben Zeit stammen
die Anfdinge nationaler Kolonisation, als auch die Heran-
ziehung der in Form von Pflanzungsgesellschaften organi-
sierten Privatinitiative. Letztere, wie sie in Poria,
Sarona, Ruchama versucht worden war, ist nicht gelungen.
- Oegenwartig spielen bekanntlich' die Pflanztmgsgesell-
schafte iten ihre betimmte Rolle in der Entwicklung der jiudi.
schen Landwirtschaft im Lande (Ganei-Hadar, Gan-Chaim,
Tel-Mond; Jachin- und Hanotea-Unternehmungen usw.).
Die Siedlungen der Nachkriegsperiode weisen klar und
deutlich auf, was geleistet wurde. Zugleich geben sie den
Maflstab zu weiteren Leistungen. Der Weg ist vorgezeich-
net durch die bisherige Kolonisation. Nationale, private, ge-
nossenschaftliice, individuelle Initiative das wissen wir
heute gedeihen gut auf dem Boden Pallstinas.
Technisch schreiten wir rasch vorwiirts. Auf den Oe-
bieten der Siedlungsformen und Wirtschaftstypen ist be-
deutende Entwicklung zu verzeichnen. Dagegen progressiert
die territorial Ausdehnung viel zu langsam. Unser Boden-
besitz wichst nur sehr schwach und gerade zu einer Zeit,
wo die Anforderungen der Alijah nach Raum so groB sind.
Nach den bisherigen Erfolgen sind vervielfachte An-
strengungeni zur Vergr6Berung unseres Bodenbesitzes und
der landwrtschaftlichehe Bev6lkerung die wichtligste -Fot.
derung der zionistiscsheii. Bewegung. .


I .


D ER SCHOCKEN VERLAG HAT SICH ZUM ZIEL GESETZT, DER
deutschlesenden Judenheit Bacher von wirklichem Gehalt und dau-
erndem Bestand zu schaffen, die ihr zu geistiger Behauptung und sittlicher
Erneuerung Richtung weisen k6nnen. Das Kernstiick des Verlags ist nach
wie vor die von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig unter-
nommene Verdeutschung der Schrift. Der Verlag betreut das Gesamtwerk
Martin Bubers. Wichtige Werke von Franz Rosenzweig, Leo Baeck und
Hermann Cohen gehbren zu seinem Bestand. Von den dichterischen Ver-
lagswerken sei die Gesamtausgabe der Schriften Franz Kafkas hervor-
gehoben. Besondere Aufmerksamkeit wird' der jiidischen Wissenschaft
zugewendet. In seiner hebraischen Abteilung pflegt der Verlag die klassische
hebraische Dichtung und ihre Erforschung; die zeitgen6ssische hebraische
Dichtung ist durch das Gesamtwerk S. J. Agnons vertreten. Die Biicherei
des Schocken- Verlags will mit ihren jedermann zuginglichen, in rascher
Folge erscheinenden Banden ein Gebaude jidischer Bildung errichten.


_ _I- II I ~I I -- I __


Hr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JAHRE JUDISCHE RUND~SCHAU


Seite 9







""


Blick auf Daganiah
Im Hinterrrund da- grolle kinderhaut., da-; 4ih durdb be-
.,onders iiberlegte Bauart nadi hgienidien Grundauaten
auszeldinet. ('erall linden sidi iiherdedkie Terrai.en mit
kenau beredineter I)urdiliftiung, cine .idiiiie Mialinahme
fur die ge.undheitliche Lnt iklung in dem bcillen Klima.
Bananenernte c in D a an i a h
tine Tnuritin aui Deulkdiland mit einem Bananeniweig.
Die Bananen-Kultur .pielt for die Kolonien der,lordnn-Lbene
eine immer gr6olere Rolle. Beonder D a g niah hat unter
intensi' er .\usnutuung der Be",a erungsanlagen die
Bananen-kuliur 7u hoher Blute ent'i,kelt. Die paladti-
nensischen Bananen sind z',ar klein im Format, aber %on
aulierpeobhnlidi gurem Ge(.dimaick. Fros So-nmnleld


Flugzeugmarkierungep au.f dem Dach eines Hauses
Im Hintergrund links die Hauser der Siedlung Kinereth. In fast allen paliistinensisdien Kolofiien findet man auf
dem Dadi eines der Haiuser diese Flugzeugmarkierungen.. Der Orientflieger kann sidi bei seinem Flug Ober
Paldstina auf diese Weise fiber jede Ortschaft ganz genau orientieren.


Tellnehmer der Jugendalijah des J. P. D. Makkabi
63 Models und Jungens sind am 10. December 1934 mit der Jugendalijah von Deutsdiland nach Palastina gegangen.
15 von.lhnen leben jetzt in Daganiah, wahrend die tibrigen in den benachbarten Siedlungen untergebradit sind.


P e pi B e c k, die bekannte frithere Lauferin des Bar Kodiba-
Hakoah Berlin und Ftihrerin im Makkabi Hazair, leitet jetzt
eine Jugendgruppe des Bundes in Daganiah.


Grab Gordons auf c'cm Friedhof bei Daganiah
A. D. Gordon, der Ftihrer und Lehrer der palastinensisdien
Arbeiter, starb 1922 in Daganiah, wo er viele Jahre gewirkt hat.


- ---- --i-----rri~l----T--CCIC~


25 JAHRE



DAGANIAH

Die Siedlung Dagantah, am Ufer des Jordan, wurde 1910 von einer
Kwuzah auf Boden des Keren Kajemeth gegrundet. Die
Lebensbedingungen waren in den ersten Jahren der Kolonisation sehr
ungfinstig. In sdiwerer Pionlerarbeit hat die Elite der paldstinensischen
Arbeiterschaft den Ort zu einer blihenden (genossenschaftlich gefuihrten)
Siedlung entwickelt, die heute In der Lage ist, audi Jugend aus
Deutsdiland bei sidh aufzunehmen.
1911 sdirieb der ,,Hapoel Hazair" Ober die Arbeiter von Daganiah:
,,Alle -leben zusammen wie eine groBe Familie. Alle wichitigen Fragen
werden gemeinsam besprochen. Ein Interesse erfiillt alle: zu beweisen.,
daB das System der gemeinsamen Arbeit, die v6llig in den Hinden der
Arbeiter liegt, das richtige for die Kolonisation sel. Es ist der einzige Weg
der moralischen endgtiltigen Eroberung des Bodens. Auf3erdem erweckt diese
Method In den Arbeitern besondereLiebe zu ihrerArbeit und zu derStitte
thres Sdiaffens. Mit Leib und Seele hingen sie an diesem Unternehmen."




--e 1i


THE


Anglo-Palestine Bank

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GEGRUNDET 1902


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(Per 30. September 1934)


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The General Mortgage Bank of Palestine Limited
Tel-Aviv


40 YAITRE YUDTSCHEE RUNDSCHAV


Nr. 31132, 17. IV. 1935


S TI- 11


J






Seite 12 40 JA~IRE IODISCF~Rt7NDSCRAU Nv. 31132. 17. IV. 1935


Jiudische Industrie

in Palastina
Von Arjeh Schenkar, Tel-Awiw
(Prisident des palistinensischen Industriellen-Verbandes)
Erste Anfange Die eigentliche Entwicklung der palasti-
nensischen Industrie began erst nach
dem Kriege. In der Zeit vor der Balfour-Deklaration gab
es im Lande nur einzelne Fabriken, zum Beispiel die Wein-
kellerei in Rischon-le-Zion. Die meisten Betriebe, die da-
mals bestanden, hatten den Charakter von Werkstiitten.
Dies anderte sich nach dem Kriege dadurch, daB eine
gr6Bere Zahi industrieller Unternehmer und Spezialisten ins
Lana einwanderte, die hier verschiedene Fabriken erbauten.
Einer der wichtigen Faktoren ffr die Entwicklung der In-
dustrie war die Errichtung des Elektrizitiitswerkes,
das die Versorgung der Betriebe mit elektrischer Kraft er-
m6glichte.
Leider stand, die zionistische Bewegung zuniichst dem
Gedanken einer industriellen Entwicklung Palastinas skep-
tisch gegenilber. Es gab keine Pline fiir industrielle Ent-
wicklung und man tendierte ganz und gar zu einer Kon-
zentration der kolonisatorischen Energien in der Landwirt-
schaft. Unterdessen haben wir gelernt, die Industrie richtig
einzuschditzen. Auch ist jetzt allen klar, daB die Stadt, vor
allem die industrielle Bev6lkerung, auch den Konsum land-
wirtschaftlicher Produkte steigert.
Die Erfahrung lehrt, daB nur etwa 30 o0/o des Haushal-
tungsbudgets einer Familie auf eigentliche Nahrungsaus-
gaben entfallen, wihrend 70 o/o fir Wohnung, Kleidung,
ulturbedarf und ihnliches ausgegeben werden, d. h. in der
Hauptsache fur Produkte der stidtischen Industrien. Aus
all dem geht deren Bedeutung ffir die Entwicklung eines
jeden Landes, und damit auch ffr die jiidische Arbeit in
Palistina hervor. Trotzdem kann man den Ersten, die mit
unserer Arbeit in Palistina begannen, keinen Vorwurf machen,
wenn sie ihr Augenmerk in erster Linie aufs Land rich-
teten! Dies ist psychologisch zu verstehen, weil wir in den
Liindern der Galuth fast ausschlieBllich in Stadten wohniten
und als Reaktion hiergegen dem Dorfe und der landwirt-
schaftlichen Arbeit zustrebten.

Leichte Das wirtschaftliche Leben. im Lande ist
und sdzwere in einer dauernden Umwilzung begriffen.
Industrie Durch die Masseneinwanderung anderte
sich der einheimische Markt von Grund
aus und es entwickelte sich ein bedeutender Konsum, der
die Abnehmerschaft fuir Landesprodukte schuf. So entstand
in den letzten Jahren in Palistina eine bluihende Industrie,
die zahlreiche Zweige umfaBt. Die verschiedenen Gruppen
der Leichtindustrie sind insbesondere seit der Ein-
wanderungswelle von 1924/25 ausgebaut worden. Damals
haben Einwanderer aus Polen viele Industrieunternehmun-
gen ins Leben gerufen, die sich seitdem stark entwickelt
haben. Sie brachten besonders auf dem' Gebiete der W ir k-
warenindustrie und Strickerei eine erhebliche Er-
fahrung ins Land mit. Aber auch viele andere Artikel
began man herzustellen, nachdem Spezialisten sowohl unfer
den Unternehmern als auch unter den Arbeitern eingewan-
dert waren. Die Schwerin'dustrie trat demgegeniiber
etwas in den Hintergrund., wird jedoch in der. jiingsten Zeit
starker entwickelt, nachdem Einwanderer aus: Deutschland
und anderen Lindern spezielle technische Fiihigkeiten ins
Land gebracht haben und sich mit einer Reihe:von Unter-
nehmungen dieser Art befassen. Das Zentrum der Schwer-
industrie liegt hauptsichlich in und bei Haifa.

Der Import Ebenso wie bei der Welle der vierten
Alijah vor zehn Jahren ist mit der jetzi-
gen Einwanderung der Import industrieller Er-
z e u g n sse gewaltig angestiegen. Nicht zuletzt beruht diese
Erscheinung auch darauf, daB die Einwanderer an auslan-
dische Waren aus ihren Herkunftslindern gew6hnt sind und
nut diese nicht verzichten wollen. Wir hoffen, daB in dieser
Hinsicht allmiblich ein Umschwung eintreten wird, so daB
der palistinensische Import sich verringert. Was Maschi -
n e n und Rohstoffe betrifft, wird Palistina vermutlich
noch lange Zeit auf den Import angewiesen sein.
Leider hat die Bodenspekulation manche Menschen da-
von abgehalten, sich als Unternehmer in der Industrie zu
betitigen, weil diese Kreise den Weg des leichteren Ver-
dienstes gehen, anstatt sich der miihevollen, aber fiir .die
Dauer entscheidend wichtigen Arbeit des industriellen Auf-
baus zu widmen. Es kann ja fiir uns nur dann sinnvoll
sein, in Palistina zu arbeiten, wenn wir uns produkti-
ven Zweck en in Landwirtschaft und Industrie zuwen-
den. Die Bedeutung der Industrie fiir die Gesamtheit der
produktiv Schaffenden zeigt sich heute darin, daB in ihr
jetzt etwa 25 000 Arbeiter beschiiftigt sind, wahrend es vor
.20 Jahren nur einige hundert waren.

Absatzmarkle Die zionistische Arbeit in Palistina hat
in Nachbar- ohne Zweifel iiber die Grenzen des Lan-
l&ndern des hinaus gewirkt und die Entwicklung
in den umliegenden Lindern er-
heblich beschleunigt. Dadurch sind diese ein Absatzmarkt
fiur unsere industriellen Produkte geworden und haben der
Entwicklung Pallistinas erweiterte M6glichkeiten gegeben.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhange die Tat-
sache, daB. nach Syrien selbst eine Ausfuhr ohne.Zoll-
schranken m6glich ist, die beiden beteiligten Landern von Vor-
teil ist. Es ist zu hoffen, daB ein solcher Austauschver-
kehr auch mit den anderen umliegenden Landern allmahlich
entstehen wird, so daB sich dadurch der Radius unserere
industriellen Arbeit erweitert.

Weitere Trotz allem muB man aber auch heute
Ml1glichkeiten noch die Tatsache konstatieren, daB viel
zu wenig finanziell potente Menschen aus
Europa sich in Palistina der industriellen Entwicklung zu-
wenden. Es besteht eine gewisse Furcht, die sich aus der
Unkenntnis der Landesverhaltnisse erkliirt. Es scheint so,
als ob man zu den M6glichkeiten des Orients kein volles
Vertrauen hat. In letter Zeit beginnt diese falsche Ein-
stellung allmhiblich etwas zu weichen, nachdem man im
Lande selbst deutlich sehen kann, zu welchen Hoffnungen
die industrielle Arbeit berechtigt und welche positive Re-
sultate sie bereits ergeben hat.
Zu tun ist noch sehr viel: es fehlen 'uns industrielle
Unternehmungen auf dem Gebiete der Papierfabrikation,
der Kartonnagenherstellung, der Zuckerfabrikation, der Tuch-
weberei und auf vielen anderen Gebieten, auf denen eine
rentable Arbeit m6glich ist. Wer aufmerksam die Import-
zahlen studiert und die Landesverhailtnisse kennt, wird diese


Lficken der industriellen Ent-
wicklung leicht konstatieren k6n-
nen. Darum gilt es, auch in
Zukunft mit Energie und Tat-
kraft an dem Aufbau der jii-
dischen Industrie in Palistina
zu arbeiten.
Ich will diesen kurzen Be-
merkungen noch ein Wort iuber
die deutschen Juden in der neuen
palastinensischen Industrie zu-
filgen. Dieses Element ist ffir
die Landesentwicklung von be-
sonderem Interesse. Ein Teil ist
bereits zur produktiven Arbeit
fibergegangen, und ich glaube,
daB sich dieser Teil, je mehr
die deutschen Juden das Land
kennenlernen, noch bedeutend
vergr6Bern. wird. Wir erhof-
fen, daB die deutschen Juden
alle bkonomischen M6glichkei-
ten des Landes untersuchen und
ausniitzen werden. Leider kom-
men viele von ihnen nur mit
geringen Mitteln ins Land, was
die Entwicklung verlangsamt.
Jedoch hat sich schon jetzt ein
groBer Teil eine Existenz ge-
schaffen und in dem Fortschritt
der Industrie ist dieses Element
stark spilrbar.
Wir freuen uns im Lande
fiber die Umwandlung der deut-
schen Juden, fiber die Aerzte
und Juristen, die zur landwirt-
schaftlichen Arbeit ilbergehen
und begriiBen vom Jischuw aus
diese Bemuhungen von ganzem
Herzen. Wir hoffen, daB die
Immigration aus Deutschland
noch wichtige Frfichte fuir das
Land und seine Wirtschaft brin-
gen wird. ,





Blick auf die drel Riesen-
Turbinenrohre des Ruthenberg-
schen Kraftwerkes am Jordan-
Jarmuk-Staudamm
Aus: The Nero Palestine


M6glichkeiten

industrieller Investments
V" n Alfred Marcus (Haifa)
Die Frage der produktiven Investierung des in
Palastina anlagesuchenden Kapitals ist eine Lebensfrage nicht
nur fiir die' palistinensische Wirtschaft und damit fir den
Aufbau des Landes, sondern auch fiir den Investor selbst.
Sehr hiiufig liegen ja die Dinge so, daB die zur Investierung
in Pallistina dem Einzelpen zur Verfuigung stehenden Kapita-
lien Reste ehemals groler Verm6gen darstellen, die im Laufe
jahrzehntelanger Arbeit in Europa oder. Amerika erworben
worden sind und zu einem erheblichen Teil sich wihrend der
Weltkrise in nichts aufgel6st haben. Wenn nun letzte Reste
solcher private Kapitalien in Palistina angelegt werden swollen,
so spielt die Art dieser Anlage fiur den Investor eine ganz
andere Rolle als friiher einmal die freie Disposition iiber be-
stimmte Verm6gensteile in Europa oder in Amerika. Denn
es handelt sich hierbei jetzt nicht mehr so sehr um ein Ge-
schaft im fiblichen Sinne des Wortes, sondern um die K on -
serv'ierung bestimmter Verm6gensteile filr Merischen, die
selbst nicht mehr dazu imstande sind, sich neue Existenzen
mit eigener Arbeit aufzubauen, oder fuir ihre Kinder.
GewiB, nicht das, gesamte Investorenpublikum, das sich
heute fir palistinensische Anlagen mehr und mehr interessiert,
stammt aus diesem Kreise. Aber ein erheblicher Teil der In-
teressenten befindet sich nun einmal in"der eingangs angedeu-
teten Situation, und es ist klar, daB die Investierung dieser
,,Restkapitalien", daB ihre Ko n s e r v i e r u n g den Gegen-
stand der Hauptsorge aller der Stellen bilden muB und bildet,
die sich von Verantwortung gegenfiber dem gesamten Auf-
bau getragen mit der Anlage von Kapitalien in Palastina be-
fassen.
Es liegt in der Natur der Dinge, daB gerade solche Kapi-
talien mit gr6Bter Sicherheit, aber auch mit einer miglichst
schnell beginnenden normalen und stetigen Verzinsung an-
gelegt werden miissen. Denn gerade der Investor dieses Krei-
ses ist selbst sehr haufig nicht mehr arbeitsfihig, er ist auf
eine schnelle und stetige Verzinsung seines Kapitals an-
gewiesen. Das sind also die beiden Pole, zwischen denen der
Ausgleich bei einer solchen Investierungstlitigkeit zu liegen
hat: Sicherheit und schnelle Verzinsung, wobei es klar ist, daB
die H6he -der Verzinsung durch das Motiv der Sicherheit
stark beeinfluBt werden muB. Man kann nicht nach mensch-
lichem Efmessen sichere Anlagen mit Phantasieverzinsurigen
erwarten, und der verniinftige Investor wird das auch nichttun.
Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ist es zu begriiBen,
daB in der letzten Zeit eine Reihe von Anlagem6glichkeiten
industrieller Natur in Palistina entstanden ist, die den Typ des
,,Preference-Shares" englischen Rechtes mit fester Verzinsung
in den Vordergrund gestellt haben. Hier sind die oben ge-
kennzeichneten beiden Bedingungen: ,,gr6Btm6gliche Sicher-
heit und Stetigkeit der Verzinsung mit schnellem Verzinsungs-
beginn" von vornherein soweit rechtlich festgelegt, daB der
Investor nach menschlichem Ermessen die Wiinsche; die er
von seinem Standpunkt aus mit Recht an eine solche Anlage
zu stellen hat, befriedigt findet. GewiB kann man sagen, daB
die Vorzugsaktion dieser Art nicht an allen Gewinnchancen
ihres Unternehmens teilnehmen, und diese Gewinnehancen
muB man bei einer Reihe der in Frage stehenden Unterneh-
mungen ziemlich hoch einschiitzen. Das groBe MiBverhiltnis
zwischen der Konsumkraft der paliistinensischen Bev61kerung,
vor allem des Jischuw, und den bisher im Lande vorhandenen
Produktionsanlagen bietet schon eine gewisse Garantie dafiir,
daB sachgemi8 geleitete industrielle Unternehmungen, die
richtig dimensioniert und nicht etwa auf Riesenbetriebe euro-
piischen oder amerikanischen Umfanges berechnet sind, er-


7


hebliche Gewinnchancen haben. Aber es bleibt dem Investor
unbenommen, den oben gekennzelchneten Typ der Vorzugs-
aktie mit fester Verzinsung nicht zu wahlen, sondern den der
Stammaktie mit schwankender Verzinsung, entsprechend mobi-
lem Kurse und selbstverstindlich auch im Verhiltnis zu deal
erh6hten Gewinnchancen erhbhten Risiken. Man kann natihr-
lich einer Stammaktie keine 100 o/oige Liquidationsgarantie
vor allen anderen Aktioniiren einriiumen, wie dies bei einigen
Vorzugsaktien in letter Zeit gerade wegen des oben in den
Vordergrund gestellten Sicherheitsmotivs der Fall gewesen ist.
Es ist Sache der pers6nlichen Entscheidung des einzelnen In-
vestors, wi e er investieren will, ob mit gr6Berer Sicherheit
oder mit gr6Berer Chance, und man kann in vielen Fallen sogar
dazu raten, besides zu wihlen und einfach zwischen festver-
zinslichen Vorzugsaktien und Stammaktien zu teilen, aber das
hingt von der Lage des einzelnen Falles ab und eine all-
gem'eine Regel wird sich hierfiir nicht aufstellen lassen. Es
muB aber darauf hingewiesen werden, daB es jetzt im Lande
Stellen gibt, die unter genauer Beriicksichtigungi der Beduirf-'
nisse des allgemeinen Aufbaus und des Investors, getragen
von einer griindlichen Kenntnis der sachlichen und personellen
Verhaltnisse Anlagen dieser Art empfehlen und durchaus
mit Erfolg.
Es muB fernerhin darauf aufmerksam gemacht werden,
daB die im Gange befindliche Differenzierung des industriellen
Sektors der paliistinensischen Wirtschaft d i e A u s w a h I hunter
diesen industriellen Anlagen fast von Monat zu Monat groBer
werden laiit. Auch das ist natfirlich fiir den Investor 'ein sehr
wesentlicher Faktor. Wurde oben davon gesprochen, daB es in
gewissen Fallen ratsam sein kann, eine Anlage von Kapital
auf Vor zugsaktien (aus Sicherheitsgriinden) und auf
S t a m m a k t ie n (aus solchen der erhohten Chance) zu ver-
teilen, so besteht heute in Palistina aber auch bereits die
M6glichkeit, solche Anlagen auf die Anteile v e r s c hi e d en e r
Unternehmungen zu ve r t eil e n. Es ergeben sich so Vari-
ationsm6glichkeiten der Anlage, die das Risiko ffir die Ge-
samtanlage noch weiterhin vermindern und ihre Sicherheit
erh6hen.
Wenn man sich beispielsweise sagt, daB heute bereits die
M6glichkeit dazu besteht, in der oben angedeuteten Weise An-
lagen zu verteilen auf die Anteile einer Elektrizitaitsgesell-
schaft mit praktischem Monopol, eines chemischen Unterneh-
mens mit einer Produktionsgrundlage, die in der Welt ziernm-
lich einzig dasteht, einer StraBenbaugesellschaft, welche mit
einem der grB61ten Oelkonzerne der Welt zusammenarbeitet
und schlieBlich auf eine ganze Reihe Unternehmungen der
fertigverarbeitenden Industrie in allen m6glichen Zweigen, so
beweist das Auswahlm6glichkeiten, die man nicht unter-
schatzeni soil. Wenn man dann noch den Schnitt.durch diese
Anlagen sozusagen horizontal legt und auf Vorzugs- und
Stammaktien verteilt, so ist eine Anzahl von Variations.
m6glichkeiten gegeben, die schon heute sowohl dem Sicher-
heitsbediirfnis als auch dem nach h6herer Gewinnchance
Rechnung zu tragen erlaubt. Worauf es vor allem ankommt,
das ist die Notwendigkeit, dem Investor ausreichende Unter-
lagen in die Hand zu geben, auf Grund deren er selbst zu
prfifen vermag, was fur semen speziellen Fall angemessen ist
oder nicht. Auch in dieser Hinsicht sind Moglichkeiten vor-
handen, die ffir den Investor wesentlich und ffir den Aufbaul
des Landes bedeutungsvoll sind.



ALIJAH
Informatilonen fUr Pallistina.Auswanderem
ist soeben neu erschienen


Seite 12


40 TATTRRE T O D S C RE'RRUNDSC HAU


Kr. 31M, T7n. W. 1935






/ 1. 13.. ..EH S* 1


Die Arbeit des Keren Kajemeth

in Deutschland
Ein kurzer geschichtlicher Ueberblick
Seltsam die nicht so leicht in Worte einfangbare Er.
regung, die einen immer wieder bei der Lektiire schon
heute halb vergilbter Zeitungen und Zeitschriften aus den
ersten Jahren zionistischer Bewegung befillt! Ereignisse und
Menschen, zu denen man in der Fuchsenstunde oder sonst
vor 15 and 20 Jahren noch eine niihere zeitliche und daher
noch unromantische Beziehung hergestellt hatte, spann-t man
beim Durchbliittern unserer Chroniken heute schon in gro-
Bere historisch-wichtige Zusammenhinge, kommt nicht von
ihnen los, wird von ihnen festgehalten. Und eine gewisse
Riihrung beffillt uns, wenn man liest, mit welcher Liebe zur
Sache und zu den Triigern der Bewegung auch noch der
kleinste Vorgang in irgendeinem kleinen Orte registriert
wird. Heute, bei der jetzigen Gr6Be der Zionistischen Welt-
organisation und dem Strome der Ereignisse in Palistina
k6onten diese Vorginge, die oft nur lokalen Charakter zu
tragen schienen (meist aber mehr waren) gar nicht mehr
zur allgemeinen Notiz genommen werden. Und doch waren
diese Dinge, die uns die alten Jahrgiinge der zionistischen
Zeitungen lebendig erhalten haben, die Bausteine der Or-
Sgamisation und des Aufbanwerks in Palaistina. Wenn z. B.
eine ganze Seite einer Nummer der ,,Welt" dem von Herzl
gegrfindeten Zentralorgan der Bewegung, einem Bericht des
KKL-Vertrauensmannes in irgendeinem Ort gewidmet wer-
den konnte, um der zionistischen Oeffentlichkeit die Auf-
stellung ,,von 77 neuen KKL-Biichsen in durchweg nicht-
zidnistischen Hiiusern (mit den frfiheren fiber hundert)" zu
melden, so gewinnt man einen Eindruck von der Bedeutung,
die die leitenden Mainner der Bewegung damals schon der
zionistischen Kleinarbeit, die sich im KKL verk6rpert,
beigelegt haben. Mit welcher Hingabe ein Mann wie Kre-
inenetzki fiir den KKL gearbeitet hat, ist bekannt; aber
welcher AmeisenfleiB dazu geh6rt haben muB, um z. B. min
Jahre 1914 fiur fast 4000 RM. KKL-Marken in Deutsch,
land das Stiick zu einem Pfennig zu vertreiben, wird
ider ermessen, der in der Arbeit f iur Pallistina steht.
Nun, die Millionen und Milliarden haben uns die ,,Sehr-
Reichen" nicht zur Verfiigung gestellt. Das groBe jfidische
Privatkapital hat zum nationalen Aufbau in den entscheidehn-
den Stadien nicht mitgewirkt. An seine Stelle muBte das
rationale Spendenkapital des jildischen Volkes treten. Es ist
eine der groBartigen Leistungen der Zionistischen Organisa-
tion, daB sie gegen die ungeheuren WiderstAinde, die ihr
politisch, moralisch und in der finanziellen Propaganda vom
v6olig ablehnenden westeuropaischen Judentum entgegen-
gesetzt wurden, im Laufe der Jahrzehnte allmhblich ein
groBes nationals Kapital geschaffen hat. Einen wesentlichen
Teil dieses Erfolges darf der deutsche Zionismus ffir sich
buchen. Als es galt, der Zionistischen Organisation eine auf
Freiwilligkeit aufgebaute national Spendenorganisation zu
begriinden, waren es gerade deutsche Zionisten, die Vor-
bildliches geleistet haben. Diese erste groBe national-jiidi-
sche Spendenorganisation war der Jildische Nationalfonds
(Keren Kajemeth Lejisrael).
:Als das Hauptbiiro des KKL nach dem Tode Theodor
:Herzls von Wien nach. K6ln verlegt wurde, fibernahm seine
Leitung, der K61ner .Zionist Dr. Max Bo d.enh eim e r.
Schbrt im Jahre 1904 war, als einer. der ;ersten Landes-
sanlmelstellen des KKL ilberhaupt, die Landessammelstelle
ffiir Deutschland mit dem Sitz in Berlin errichtet worden.
Ihr erster und langjihriger ehrenamtlicher Leiter wurde Dr.
Max W o Ils t e in e r. In rastloser Arbeit baute er den KKL
in Deutschland zu einem fiur alle fibrigen Landessammel-
stellen der Welt beispielgebenden zionistischen Finanz- und
Propaganda-Apparat auf. Mit zunehmendem Organisations-
nmfang wuchs auch der Umfang der Arbeit, so daB im Jahre
1911 ein besoldeter Sekretir angestellt werden muBte. Wah-
rend der Kriegs- und nachfolgenden Inflationsjahre fiuhrte
Siegfried Weit z man n die Geschaifte der KKL-Zentrale in
Deutschland. Der Wdihrungsverfall und die in seinem Gefolge
auftretenden wirtschaftlichen und politischen Erschiitterun-
gen zerst6rten fast vollstfindig den gesamten Sammel- und
Propaganda-Apparat. -Die Aufgabe, nach Beendigung der
Inflation den KKL in Deutschland wieder von Orund auf neu
aufzubauen, neue Menschen in allen Orten als Vertiauens-
iniinner heranzuziehen, neue Werbeformen zu finden, vor
allen Dingen eine den inzwischen gewachsenen Koloni-
sationsaufgaben in Palistina angepaBte neue Arbeits- und
Propagandamethode einzufiihren, iibernahm Dr. Walter Er-
hard. Wihrend seiner fuinfjHhrigen Amtsdauer gelang es,
mehr als 300 Orte in Deutschland fur den KKL zu erfassen
und durch ein nach v611ig modernen Gesichtspunkten einge-
richtetes Zentralbilro, durch Schaffung von Bezirkssekreta-
riaten und eine bisher in der zionistischen Finanzarbeit
kaum geiibte Form der Intensivpropaganda groBe Teile der
Juden Deutschlands zur Mitarbeit an dem Bodenerwerb in
alaistina durch den KKL heranzuziehen.
Im Jahre 1927 fibernahm Dr. Ernst Mechner die
KKL-Arbeit fir Deutschland. Er unterbaute das bisherige
System der Sammeltditigkeit durch eine fiir die gesamte KKL-
Arbeit in allen iibrigen LiAndern beispielhafte und vorbild-
liche Werbung. Der AuBenapparat, der in dieser Arbeits-
periode geschaffen worden ist, war in sich so gefestigt,


In wenigen Wochen wird auch der Keren Hajessod ein
Jubilium feiern konnen. Im Juli wird sich der Tag zum
15. Male jahren, an welchem die Londoner Jahreskonferenz -
die erste zionistische Zusammenkunft nach dem Weltkrieg -
die Griindung des Keren Hajessod beschlossen hat. Un-
mittelbar danach wurde auch in Deutschland die Vor-
bereitungsarbeit aufgienommen. Es gait von vornherein, ihr
eine m6glichst breite Grundlage zu geben und ihren Rahmen
fiber den Kreis der organisierten Zionisten hinaus zu er-
weitern. Am 21. February 1922 fand in Berlin jene bedeutsame
Griindungsversammlung statt, welche eine neue Epoche in
der Paliistinaarbeit einleitete. Fiihrende Pers6nlichkeiten aus
allen Lagern des Judentums, Manner wie Oscar W asser .
ma n n, der im Sept. 1934 verstorbene Direktor der Deut.
schen Bank, der vor wenigen Wochen verschiedene General.
konsul Eugen Landau und aus den zionistischen Reihen
Dr. Arthur Hantke und Kurt Blumenfeld hatten sich
zusammengefunden, um dieses ilberparteiliche Werk zu
schaffen. Es bedeutete damals schwere Pionierarbeit, den
Gedanken praktischer Palistinaarbeit in das deutsche Juden-
tum hineinzutragen. Schon zu Beginn seiner Titigkeit war
der deutsche Keren Hajessod nicht nur Instrument zur
Sammlung von Geldern, sondern diejenige Plattform, auf der
Juden verschiedenster Richtungen sich zum ersten Male
vereinigten, um ihr Interesse an der Schaffung der jildischen
Heimstitte in Pallistina durch tiitige Mitarbeit zu bekunden.
So wurde der Keren Hajessod ffir viele Juden Deutschlands
schon lange vor 1933 zum Verkiinder palistinensischer Wirk-
lichkeit.
Vor diese. filr den Palistinagedanken neu gewonnenen
Menschen trat der Keren Hajessod mit einer fuir sie
v6l1ig ungewohnten und neuartigen Forderung: Er forderte
nicht zur Abgabe von ,,Spenden" auf, sondern verlangte eine
freiwillige Selbstbesteuerung ffir den Aufbaun
Pallistinas. Fiir eine solche Forderung bestand vor 15 Jahren
bei vielen Juden in Deutschland wenig Verstindnis. So
muBte auf jeden Einzelnen pers6nlich eingewirkt werden, umrn
ihm die Gr6Be der Aufgabe und die Notwendigkeit seiner
Mitarbeit zu zeigen. Nur durch seelische Verbindung mit
dem Gedanken des jiidischen Pallistina konnte die materielle
Opferwilligkeit geweckt werden; es ist verstindlich, daB zu
jener Zeit groBe Teile des deutschen Judentums, die ihre
Existenz ffir v6llig gesichert ansahen, noch nicht bereit waren,
dieser gr6Bten jiidischen Aufgabe ihr aktives Interesse zuzu-
wenden. Um so entscheidender war es, daB schon damals
weitblickende ,,Nichtzionisten" die Forderung der Stunde
verstanden und ihre Pers6nlichkeit in den Dienst des Keren
Hajessod stellten. Ihrem beispielhaften Wirken ist es in erster
Reihe zu verdanken, wenn die Arbeit des Keren Hajessod
sich mehr und mehr ausbreiten und ein immer stAirkeres Echo
im deutschen Judentum finden konnte. Wie sich die Arbeit
des Keren Hajessod in den Anschauungen eines fiuhrenden
Nichtzionisten verdichtete, wird aus den folgenden Worten
deutlich, die. Oscar Wassermann einma:, geschrieben hat.
,,Sonst kolonisieren Staaten mit ihren Machtmitteln; ffir uns
Juden war der Keren 'Hajessod Grundlag6 und Symbol fiir
die neue Besiedlung unseres alten Stammlandes. Die zerstreu.
ten Kinder Israels unternehmen es, getrieben *von; uralter
Sehnsucht, ihr nie vergessenes, uraltes, ihnen in alien Zeiten
ihres Daseins gegenwartiges Mutterland neu zu erbauen, ohne


daB trotz der starken Fluktuation im Jahre 1933 das bisher
erreichte h6chste Nettojahresergebnis erzielt werden konnte.
Der KKL ist im Laufe seiner jahrzehntelangen Entwick-
lung heute zu einer der gr6Bten jiidischen Organisationen


Deutschlands geworden. In regelmiBigen Abstinden tritt er
im Jahre an einen groBen Ten der deutschen Juden durch
seine Vertrauensleute und durch seine standigen Informa-
tionen fiber den Palistina-Aufbau heran. Er bringt, den deut-
schen Juden die Botschaft Erez Israels und wirbt um jeden
Einzelnen, sich einzureihen in die Front derer, die durch die
Ueberfiihrung des Bodens in den nationalen Besitz des
Keren Kajemeth Lejisrael an der Zttkunft des jiidischen
Volkes bauen helfen. Dr. J. Wei B


Waffen und im Vertrauen auf ihr Recht und auf die eigene
Opferwilligkeit." Nichts kann besser als diese Worte zeigen,
daB die Arbeit des Keren Hajessod sich niemals darauf be-
schrinkt hat, Menschen nur durch Geldopfer mit dem Auf-
bauwerk zu verkniipfen, sondern daB er Schrittmacher fiur
den Zusammenschluf aller Juden im Bekenntnis zu Erez
Israel gewesen ist.
Von entscheidender Bedeutung fur diese Entwicklung der
Keren Hajessod-Arbeit war allerdings der Ausbau seiner Or-
ganisation in Deutschland, die zunachst von Walter T ar-





n o w s k y, spAter von Alfred B e r ge r und nach dessen Aus-,
scheiden, bis zum Jahre 1933 von Dr. Martin Rosen b 1 litth
als jeweiligem geschiftsfilhrenden Prisidialmitglied geleitet
wurde. In unermuidlicher Arbeit haben diese Manner mitge-
wirkt, den Palistinagedanken im Bewu8tsein der deutschen
Juden zu verankern.
Es ist bekannt, daB der Keren Hajessod im Laufe seiner
bisher 15jihrigen Arbeit in Palastina die Vorbedingungen fur
den gesunden Aufbau des Nationalheims 'geschaffen hat.
Er hat das Land fiir die Einwanderung von Hunderttausenden
von Juden erschlossen, hat die Oriindung von 62 Kolonien and
die landwirtschaftliche Ansiedlung von vielen Tausenden von
Juden erm6glicht, hat die Entstehung lebenswichtiger in-
dustrieller Werke und Anstalten der Privatwirtschaft gef6r-
dert und hat fiir den Ausbau der Schulen und die F6rderung
des Gesundheitswesens Entscheidendes geleistet. Mehr denn
je ist auch heute nationals Kapital der Grundpfeiler jeder
weiteren Entwicklung und die notwendige Basis unseres kiinf-
tigen Aufbaus. Bei aller Prosperitit und trotz der unge.
ahnten, vorwiirtsstfirmenden Entwicklung Palistinas sind die
Problem, die es heute zu meistern gilt, zahlreich tind schwer.
Die Aufnahmefiihigkeit Palistinas muB erweitert, die Siimpfe
von Emek Chefer und von Hule miissen getrocknet, die
Wilsten des Siidens bewAssert, fir weitere Hunderttausende,
die vor den Toren Palistinas warten, muB neuer Raunm
erschlossen werden.
Die deutschen Juden haben, auch soweit sie schon seit
Jahren den Keren Hajessod unterstfitzt haben, gewiB nicht
daran gedacht, daB sie mit ihren Beitrigen Lebensm6glich.
keiten auch ffir eine groBe Zahl deutsclier
Juden schaffen warden. Am entscheidenden Wendepunkt
ihrer Geschichte sehen sie nun, daB auch die, die nur ffir
andere zu arbeiten glaubten, an der eigenen Zukunft und an
der ihrer Kinder gebaut haben. Jetzt, da die Zukunft des
deutschen Judentums unl6slich mit Palistina verkniipft -ist,
ist es notwendiger denn je, daB deutsche Juden mit alien
ihren"Kr-ften' und Mitteli, fiber die sie heute noch verffigen,
an der -aktiven Gestaltung jiidischer. Zukunft in. Palslitina
mitarbeiten. Aufgabe des gesamten deutschen Judentumsp ma8-
es sein, duirci unmittelbare ,Palistina-Arbelt die Votaus-
setzungen fiir das Leben kommender Generationen hi Pa-
liistina zu schaffen! Dr. Michael Traub


Kleine Nachrichten
Der High Commissioner Wauchope gewahrte der Jewish
Agency ffir das am 1. April begonnene Halbjahr 8000 Zer-
tifhkate zusgtzlich 500 vom vorherigen Schedule. Dies ist
die groiBte Anzahl, die Im letzten Jahrzehnt auf einmal
gew.ihrt worden ist.
Die englischen Parlamentsmitglieder besuchten in Be-
gleitung des Sekretirs der arabischen Abteilung die Jewish
Agency, den Mufti und den Biirgermeister Khaldi. Nach-
mnittags waren sie Ehrengiste bei einem Empfang der Jewish
Agency.
In Hartieh fand am 9. April die Pflanzung der ersten
Baume fir den K6nig-Alexander-Wald, der zur
Erinnerung an den ermordeten K6nig von Jugoslawien an-
geleg't wird, staftt. Entsprechend der Zahl der jiidischen
Stiimme wurden durch den High Commissioner Wauchope
13 Biume gepflanzt
Eine Tel Awiwer Rundfunkgesellschaft
fflhrt Verhandlungen, um die Rundfunkuibertragung der sama-
ritanischen PeBachzeremonie am 17. April auf dem Berg
Gerisim zu erm6glichen.
Die ,,Official Gazette" ver6ffentlicht eine Verordnung,
derzufolge das Gesamtgebiet von Hule von der
landwirtschaftlichen Verm6genssteuer befreit wird.
Die Eroffnung des vom Hebriischen Weltver-
band (Brith Iwrith Olamith) nach Tel-Awiw einberufenen
Kongresses der Hebraisten soll am 20. Mai stattfinden.


Zwei bedeutsame Neuersdheinungen aus dem Schodcen Verlag, die soeben in den Budihandel gelangen:


Franz Kafka: Gesammelte Schriften
Von der auf sedihs Leinenbande zum Preis von je M 4.50 ange-
legten Ausgabe liegen bisher drei Bande vor: in dem Band ,,Erzmh-
lungen und kleine Prosa" sind alle zu Lebzeiten des Dichters er-
schienenen Werke vereinigt; die beiden weiteren Binde enthalten
Kafkas grotfe, fir das edelste Judentum unserer Zeit representative
Romane ,,Der Prozefl" und ,,Das Sddlofi". / Anliailidi dieser Neuaus-
gabe schreibt Hermann Hesse: Unter den Zeugen unserer zerrissenen
und leidenden Zeit wird das erstaunliche Werk des Prager Diditers
weiterleben. Er war zum Grtibeln und zum Leiden begabt, er stand
aller Problematik seiner Zeit offen, oft prophetisdi offen, und zu-
gleidi besaf3 er trotz allem ein Liebling der Gdtter in seiner
Kunst einen Zaubersdlossel, der uns nidit bloB Verwirruung und
tragisdie Visionen erschdilossen hat, sondern audi Sda6nheit und Trost.


Franz Rosenzweig: Briefe
[744 Seiten Grof3oktav. In Leinen M 12.50] Kaum ein Buch kann
den jiidisdien Leser von heute so tief ergreifen, fifhren, aufrichten
wie dieses hinreiBlend sho6ne Dokument eines beispielhaften Da-
seins. ,Man kam zu sich bei Franz Rosenzweig, man war entbiurdet,
entschwert, entengt bei Franz Rosenzweig", sdireibt Karl Wolfskehl
von einem Besudch bei dem Lebenden und sagt so zugleidi aus, was
der Leser dieser Briefsammlung an sich erfahren wird.




SCHOCKEN VERLAG / BERLIN SW
Auslieferung des Sdaodien Verlags In Palastina durch Rubin Mafl, Jerusalem


DER KEREN HAJESSOD


IN DEUTSCHLAND


-Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JAHRE JUDTSCHE RtJNDSCYTAU


e tieS 13






.40 JAHRE TJDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31/32, 17. V. 1935


Berufsumschichtung in Amerika?
San Francisco, Mirz 1935
Tatsichlich brennt auch in Amerika die Frage der Berufs-
nnmschichtung auf den Fingernageln. Untar den jildischen
Sfudenten der kalifornischen Landesuniversittt genigte z. B.
die Beschreibung der Chaluzim in einem Palistina-Vortrag,
um die ganze Diskussion von Palastina weg auf die Frage
der hies i gen Be ru fslage zu lenken. Die demokratische
Jugend behauptet hier gern, sie k6nne soviel Medizin and
Jura studieren, wie sie Lust habe. Aber erfahrene Menschen,
wie der Leiter des Hillel-Studentenhauses, Rabbiner Dr.
M errit, sagen ihnen immer wieder und wieder, dal es
nur Mangel an Pioniergeist sei, wenn sie immer wieder die
ausgetretenen Wege gehen und nicht eininal versuchen, inner-
halb des Berufes als Arzt oder Rechtsanwalt neue Arbeits-
gebiete zu schaffen. AuBerdem sei die Berufsumschichtung hunter
den Juden. a uc h in Amer i k a v611ig* unnormal, und wenn
die heutige Generation nicht zur Besinnung kame, so miisse
und werde es sogar in diesem freiesten aller Linder zu einem
INum'erus clausus fur die Juden 'in den akademischen Be-
rufen kommen!
Aber weit fiber die Kreise der jiidischen Jugend hinaus
beschaftigt die Berufsfrage die Gemuter, uned wie so oft,
ist auch hier der Jude nur der sichtbare Exponent einer ganz


allgemeinen Bewegung. ,Das golden Zeitalter mit den sorg-
losen College-Jahren der Jugend ist voruiber. In einer Welt,
die ihr nur verschlossene Tuiren bietet, die kaum einen
FuBbreit Raum fiur sie fibrig hat, sollte die heutige vor-
akademische Generation vor allem zur Solidaritit streben und
ihre Probleme von einer Einheitsfront aus zu losen suchen."
(Bne Brith Hillel Call vom 5. 3. 1935.) Unter aktiver Teil-
nahme der Jugend selbst es wird sich z. B. ffir den
Bereich von San Francisco ein JugendkongreB bilden -
wird wahrscheinlich schon die nachste Zukunit praktische
Plane und Vorschlige bringen.
Unter den Gesichtspunkt, Raum fir die Jugend zu
schaffen durch Pensionierung der Alten, fallt auch der Plan
von Dr. Townsend, der 100 Millionen Menschen in den
ganzen Vereinigten Staaten in Spannung hilt. Die sicherlich
uibertriebene, aber im Kern richtige Idee ist, alle Bediirf-
tigen fiber 65 Jahren zu Staatspensionaren mit 200 Dollars
monatlich zu erkliren. H. Lubowsk i
Die ,,Pallstinensische Bausparkasse". Aus Tel-Awiw wird
uns geschrieben: Bereits in Nr. 15 vom 19. 2. 35 berichteten
wir fiber die ,,Zel Korati", The First Palestine Savings
and Building Corporation Ltd., Tel-Awiw, die erste Bau-
sparkasse Erez 11aels, ihr System und ihre Arbeitsweise. In
der karzen Zw chenzeit hat das Unternehmen den Bau-


spargedanken, der in den angelsichsischen Lindem bereits
fiber 100 Jahre gepflegt wird, in immer weitere Kreise des
Jischuw getragen, so daB die erste Verteilung von zins-
freien Baudarlehen bereits am 7. April 1935, also nach nur
dreimonatigem Bestehen der Kasse, vorgenommen werden
konnte. Etwa 250 Sparer aus allen Teilen des Landes haben
sich mittlerweile der Kasse angeschlossen. Eine erhebliche
Vergr8oerung dieser Zahl steht unmittelbar bevor, da die
Gesellschaift, die unter dem Protektorat einer der iltesten
und angesehensten Banken im Lande steht, kfirzlich sowohl
in Jerusalem als auch in Haifa Filialen errichtet hat und
nunmehr dazu fibergegangen ist, die Arbeit in den auBer-
palistinensischen Lindern zu organisieren. Es soil aut
diese Weise auch den in der Diaspora' lebenden Juden die
M6glichkeit gegeben werden, ihre Einwanderung im Lande
sei es ffir sich selbst, sei es filr ihre Kinder, und die Grimr-
dung einer wirtschaftlichen Existenz vorzubereiten. Mit
Hilfe der vollkommen zinsfreien Baudarlehen, die die Zel
Korati ihren Sparern gewahrt und die als langfristige Amor-
tisations-Hypotheken auf Grundsticke in jeder jfidischen
Siedlung eingetragen werden, wird den Sparern eine schwere
Sorge abgenommen. Sie werden in die Lage versetzt, sich
selbst ein eigenes schuldenfreies Heim auf eigenem Grundi
und Boden durch kleine monatliche Zahlungen, die jeder.
Einzelne relative leicht aufbringen kann, iu griinden.


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Heute starb meine liebe Mutter, Fran
Rosie Lazarus
geb. Maygr
Ludwig Lazarus
Berlin, den '10 April 1935
Grolmanstr-. 38

Am 15. April verschied na,'. kurzer, schwerer Krankheit
unsere liebe Schwester und Tante, Frau
Frieda Jeruchim gab. RIeseiburger,
fritlher Exin
im 61. Lebensjahre.
Im Namen der Hinlerbliebenen
Bln.-Chaelbg., Bleibtroustr. 48
Beerdigng,. Mittw., d. 17. 4., WeiBensee, 12 U., Neue Halle


Eine tfickische Krankheit hat uns pl6tzlich unsere
heiBgeliebte, sechsjaiibrige
FERA
am 14. April entrissen. Jakob Balsam and Frau
Berlin, Olivaer Platz 5-6


Fur die Beweise herzlicher Anteilnahme beim Hinscheiden
unserer geliebten Mutter, Frau
So hie Bernstein geh. Joachim
danken wiribestens.
max, Richard, Lothar. AWllW Brns8tein
Mittenwalde, Schinebergi Charlottenburg
im April 1935


Mein iiber alles geliebter Mann, mein
bester Lebenskamerad, unser treusorgender
Vater und Schwiegervater, unser lieber
Bruder, Schwager und Onkel
Sanititsrat

Dr. Wilh. Bloch
ist fur immer von uns gegangen im fast
vollendeten 63. Lebensjahre.
Im Namen der Hinterbliebenen
Frau Selma Bloch geb. Dalberg
Pr., Ernst Bloch und Frau
S' / geb. Auerbach
Hans Bloch
Kl1n, den 5A. pril 1935
Jerusalem


Nach Gqttes unerforschlichem RatschluB verschied an
den Folgen einer tickischen Krankheit am 5. April (2. Nissan)
in Tel-Aviv unser innigstgeliebter, hoffnungavoller Sohn,
herzenaguter Bruder
Emanuel Kornblum
(genannt Mfinne)
im blrheaden Alter von 26 Jahren. Im tiefaten Schmerx
Breslau, Amsterdam Ludwig und Bianca Kornblum
Vit--itoitr. 94 geb. Kornblum
Fritz Kornblum
Im Nissan 5695


Hetes frfh entachlief sanft unaer geliebter Vater,
Groivater and Onkel
Paul Benjamin
Is 80. Lebensiahr.
Oppl.n, Breslau, Paris
12. 4. 35
Alfred u. Else Wiener
geb. Benjamin
Berdligung hat bereits stattgefundeon.


Am 4. April verstarb nach schwerer Krank-
heit mein lieber Mann, mein guter Vater

Dr. Werner Llhicnheiln
Hilde Lichtenhein
Inge Ldchtenhein
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Berlin. den 3. January 1895.


DAS


GESICHT


der ,,Jiidischen Rundschau"


Ile I~ Expedition0 id Anoie-Al'unhm;1BelainNO.. aairtr3940.


54d' ""t ~l'Y"t Pa IQ ldG h 1tPW e-
G.1*llNtt4..1.......
Ab I.artlit I
R" ,,lenC U, 1 .".,
.0..Fb....b d.
GI..". 101p, 141,61
C.lI iV ..t ll, i, deke la 4etee Idlb,
Guaetdet ,I ".
c-t,1erw.etitdt l J'1",

Iahl. ReeeB.N. U ..bot. I

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% -p 1.. A U.Vol




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Zion istischen Vereinigung
ft..P~n& Mdntschland...-
All, Rnh, ft-- IUEOCSEN RUNOSOIAU -.w itshs et


Nummer 19 | Berlin, 12. Mai 1905 6. IjjAr 5665


I AtbeI.ocb4'da WichliKtikel. d datdr neCl
Der siebente Kongress 'RdTaasede unstoe Volkes hal.tdte. al
of f jcbett Lionisi'-Konlre ti deR blait, te- nd RaInmant "glg. i England A rbtl and
kaanlmachulg A.,.K am V1. Juli d. J and den elimal twhlecn. und angestcht du hedena i. P AWi








2 1tl.t 4 Biit itI. Jitn.. l t191" 27. Tibolle $678 liiJieie


1895
Im klassisch allegorischen Stil mit
der Freude am Emblem und an
der girlandenhaften Verschn6r-
kelung prasentiert sich der erste
Titelkopf des Vereinsbldttchens,
der einen diplomahnlichen Cha-
rakter zeigt. DieVereinstafel der
Kopfseite bietet dem j0dischen
Chronisten interessanten Stoff.






1901
In diesem Jahre beschert die
Zeitung ihren Lesern zwei
verschiedene KSpfe. Die erste
Fassung der,,Israelitischen Rund-
schau", die im Mai 1901 ,,Offi-
zielles Organ der Zionistischen
Vereinigung f.ir Deutschland"
wird,verwendetzum erstenMale
die Frakturschrift. Bald aber
macht die Epoche des Jugendstils
- deren Graphiker stark derEin-
wirkunq des Zeichners Fidus un-
terliegen ihren EinfluB geltend.
Patriarch und Engel, Zionsburg
und ein Sonnenuntergang, um-
rahmtvon einem riesigenMagen
David iOber einem sudlichen
MeerlMehrldf3tsich imZeitungs-
kopf wirklich nicht darstellen.


oftfiicICZ Organ ber 3ioniftifcben VI.ereini-gung ffir o utfc lanb.
Utntralblatt for bic lgtbibechm otilrctnc

Uli~tt."4. 'e Tellfnbe ... ........ 411. , rWfllbt 0- le0,, trarb-ttln -,t R.Ifie lot t,W l, heN," be. 0r(nbaltte- el
e T AX.'f I.e W, a. 4 lo qC 31.r Dar~t .010. ii1"ntt.leiIhrtttnil n~il~~otlel a v ..hOmbltee~t.n


Ino. 20.


Berlin. bcn 24. fal 1901.


VI 3abrgang.


d emgnt~ 696. 1Am 4-64 8". iRm m~inRm tet a iatl R Iaslritin-oa. ttet.Igit .i btl


LEii uiferc 'Ieler. jfrenn~e unb Oefinnungsgeroften!

.e..oer r.11,119i tn i1111 letle vroettn airi.le i..... t,.'l,4.iret eo be lthe i t 'Ct,-J,


1902
Der erste Kopf des endgGltigen
Titels,,Jidische Rundschau"wird
ineinerrundenSchriftabgesetzt.
DerZeichnerhatden Punkthinter
dem Titel nicht vergessen!: Als
letter Rest der Epoche, die.die 'is i n!chat.,
VerschnSrkelunen liebte, hWei-u e.ei du
Organ mar Baddseilae seW
e0> ad Bsteellotoit
.ii eel|' ah- ,*-,,, ir p Cc. r m,lii Sl .e.en

..... Zonistischen Vereining. "" ....:

-""" J eDohut schland. bl, -
| I,. -WA.WD-w* lb -a


ben zwei Vertikal-Leisten, ober
auch diese Embleme verschwin-
den in den- ndchsten Jahren.
1905
Das hebraische Alphabet macht
seinen Einfluf geltend. DieTitel-
Zeile wird unter Beibehaltung
des geschriebenen Charakters
,,hebraisiert", eine Lbsung, die
.bei dem heutigen Leser keine


Eine Erkliirung der deutschen Regierun



;;,'.,;.'.. : 5." '; : ... .. M si. i Befriedigun
Vermischung
terefithrt zu
die im rid
imangelnded
auch bald
W ie in der Fassade des Hauses, so zeigt sich im Titelblatt
der Zeitung der Stil-Charakter der Epoche. Der Leser, der Im Jahre 19
seite unse
die ,,Jedische Rundschau" heute in die Hand nimmt, wird von stark dem
der Entwicklung des Zeitungsgesichtes, das sich auf dieser Seite gen sich d
dar,stellt, Oberrascht sein. Welche Wandlungen des Geschmacks, ke noch nic
welche grundlegenden Verainderungen in der asthetischen Auf-
fassung haben sich in den wechselnden ZeitungskSpfen dieser
vier Dezennien vollzogeni

Als kleines Vereinsblatt im idyllischen Stil der 90er Jahre hat sondern sir
Linienwerk
die ,,JGdische Rundschau" mit dem Titel ,,Berliner Vereinsbote, stehen kurz
Central-Organ for die jsdischen Vereine Berlins" ihren Weg Hervortrete
begonnen. Im Jahre 1901 deklarierte sie sich bereits als ,,Israeli- ,Adische d
tische Rundschau", nun schon offizielles ,,rgan der Zionistischen sinngerr
Vereinigung fOr Deutschland". Im darauf folgenden Jahre Das heutig
nimmt sie ihren endgultigen Namen ,,JODISCHE RUNDSCHAU" Zeitung zei
an, und nun macht auch der gleichbleibende Titel die inter- Ornamente
Auge ang
essantesten typographischen Wandlungen durch, bis er in seiner phischen A
in klarerk
heutigen Form dem auf strange architektonische Gliederung herrscht die
gerichteten neuen Bildgefhli der Zeit Rechnung tragt. Eine schhfisbverr
interessante Stufenfolge, ein reizvolles Spiel, in dem sich faft. Die S
in Antiqua,
der Rhythmus der Entwicklung deutlich sichtbar auspragt.- kopif einha


g auslosen wird. Die
g der Schrificharak-
einer Bastardschrift,
htigen Gefuhl ihrer
n asthetischen Form
am Kopf der ,,J0di-
schau" verschwindet.
1918
918 hat sich die Titel-
rer Zeitung bereits
neuzeitlichen Stil-
iangepaft. Nur wa-
ie Geschafisvermer-
ht frei zu entwickeln.


id in eine Falle von
eingeschlossen. Wir
z vor der Oberleitung
Form, dem klaren
*n der Schriftzeile
Rundschau", hinter
Geschaflsvermerke
naf zurOcktreten.
1935
ge Gesicht unserer
gt untereVerzicht auf
chnbrkel, Linien und
* einen klaren, dem
enehmen typogra-
ufbau. Die.Titelzeile-
Antiqua-Schrift be-
e erste Seite. Die Ge-
lerke sind in klaren
:en zusammmenge-
chlagzeile, ebenfalls
bildet mit dem Titel-
armonisches G'anzes.


Ns 51S. Berlin. 19. December 190J2. 19. Kislew 5663. VII. Jahrgang.

Das flatlonalotibl als psycbologlscbes :feeted.nbe feeeedshlea
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Numintr 1


lsraeliuisches Heimaihaus.




* (imihaJltugs Schlue.

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Nr.31/32, 17. IV. 1935 40 JAHRE Jtr'DISCHE T{UNDSCHAU Selte 18


RECHENSCHAFT


An einem Tage, da die ,,Jildische Rundschau" Geg'en-
stand zahlreicher Ehrungen ist, ist es Aufgabe der Redak-
tion, sich Rechenschaft abzulegen, welche Funktion die
Zeitung im 6ffentlichen Leben der Judenheit zu erfilllen be-
strebt ist. Die Aufgaben einer Zeitung sind mannigfache,
und wir wollen hier nicht dabei verweilen, daB wir die
Information unserer Leser fiber alle wichtigen jildischen Er-
eignisse, die Organisierung eines verlaiBlichen Nachrichten-
dienstes und einer Berichterstattung, die ein abgerundetes Bild
zu geben vermag, als wichtige Aufgaben auffassen. Wir wollen
an dieser Stelle auch nicht fiber die Schwierigkeiten sprechen,
die darin liegen, daB man niemals allen Lesern und Ein-
sendern gerecht werden kann. Von allen diesen Tagessorgenr
einer Redaktion braucht um so weniger die Rede sein als
dies keine spezifische Angelegenheit der ,Jiidischen Rund-
schau" ist. Worfiber wir uns Rechenschaft zu geben haben,
das ist der geistige Ort, an dem wir stehen, und die
Richtung, in der wir die 6ffentliche Meinung der Juden-
heit zu fflhren versuchen. Sprachen wir schon vor zehn Jahren
davon, daB es gilt, in dem uneinheitlichen, zersplitterten und
zerfahrenen jildischen Leben eine 6ffentliche Meinung zu
schaffen, die die Kraft einer moralischen Autoritait hat, so
ist dieses Bediirfnis im Laufe der Zeit immer mehr ge-
wachsen. Denn die deutschen Juden,. die noch vor einigen
Ijahren am 6ffentlichen Leben ihrer Umwelt teilnahmen, ohne
zu erkennen, daB sie in Wahrheit immer eine Sonderstellung
innehatten und die groBe Masse des deutschen Volkes ganz
andere Wege going, sind heute auf den jildischen Bereich
angewiesen. Ein jfdisches Organ hat nun ein besonders ver-
antwortliches Amt. Wir k6nnen ffir einen Zeitraum von
15 Jahren sprechen, und unsere Redaktion hat simmer im
wesentlichen das gleiche Ziel vor Augen gehabt. Wir m6gen
in dessen Verwirklichung nicht simmer gleich glficklich ge-
wesen sein, wir m6gen in unserem Urteil da und dort geirrt
haben, wir m6gen Fehler begangen haben, die I nt en -
ti o n aber war stets die gleiche.
Wie war es vor 15 Jahren? Nach dem Weltkrieg stand
die jildische Welt vor einer v611ig verinderten Situation. Die
Ersch6pfung aller seelischen und materiellen Kraifte hatte auch
das jildische Volk mitgenommen. Die groffen Massen der Juden
in Osteuropa waren in Bewegung geraten, durch Krieg und
Revolution depossediert und zermfirbt, der Glaube an die
Stabilitlit war geschwunden. In alle Liinder, selbst da, wo
IJuden sich relative sicher ffihlten und im Vollbesitz der Gleich-
berechtigung waren (auch Deutschland geh6rte dazu), schlugen
die Wellen der Judennot. Zugleich war durch den BeschluB
der Michte, im Sinne des vom Zionismus stets vertretenen
,,Baseler Programms" in Palaistina eine ,,6ffentlich-rechtlich
gesicherte Heimstiitte" oder, wie man es nunmehr nannte,
ein Nationalheim (National home) aufzubauen, dem jfidischen
Volk. eine beispiellose und priizedenzlose Aufgabe gesetzt.
Es ist nicht zu verwundern, wean das Volk, Idet ,,Traumer
des Ghetto" (das Wort, stammt von. Zangwill),. vor dieser
neuen Sachlage in Verwirrung geriet. Es schwankte zwischen
himmelhoch-jauchzend und zu-Tode-betriibt, es wurde von
Affekten und Leidenschaften hin und her geworfen. Es hoffte
Unm6gliches und war bereit zur Verzweiflung, wenn die
Illusion entschwand. In den jiidischen Massen gab es einen
Streit um den Zionismus nicht mehr; nach der Balfour-
Deklaration war Paldstina Volkssache geworden. iNur zwei
Schichten wehrten sich gegen diese Entwicklung: ein Teil
der bilrgerlichen westeuropiiischen Juden, die eine Gefiihr-
dung ihrer Interessen beffirchteten, und die neu aufstrebende
Macht des Kommunismus, der hunterr dem EinfluB der kommu-
nistischen Juden) das national Judentum als ,,Konterrevo-
lution" bekiimpfte. Die jildischen Massen waren politisch sehr
wenig geschult. In ihnen ist das Erbe der Apokalyptiker
michtig, die messianische Sehnsucht wird leicht mit der Wirk-
lichkeit verwechselt. Diese Massen haben die Balfour-Dekla-
ration als Proklamation des J udenstaates aufgefalt. Die
wirklichen Gegebenheiten der Weltpolitik und die Realititen
Palastinas waren diesen Menschen fremd. So brachte schon das
Jahr 1920 gewaltige Enttauschungen, als die Juden sahen,
daB es 'en Judenstaat noch nicht gibt, daB die Einwanderung
nach Pallistina ein sehr kompliziertes technisches, wirtschaft-
liches und nicht zuletzt auch politisches Problem darstellt,
daB ilberhaupt nicht mit einem Schlage einve fundamental
Wandlung eintreten kann, sondern das Ziel, von dem in den
zionistischen Vorstellungen und dann auch in der Balfour-
Deklaration die Rede ist, organisch entstehen muB aus
der Arbeit und Anstrengung des Volkes selbst, vielleicht
von Generationen seiner besten S6hne.
In dieser Zeit der Verwirrung hat die ,,Jildische Rund-
schau" versucht, die 6ffentliche Meinung des Zionismus mit
der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Es war ihr Be-
streben, das jildische Volk vor Illusionen zu bewahren, die
mit schweren Enttauschungen und Depressionen enden muBten.
Unsere Ffihrer waren die groBen Lehrer des Zionismus, vor
allem Achad H aa m, von dem das Wort stammt ,,dringet
nicht die Stunde", ein Mann wie A. D. G ordon, der un-
ermfidlich lehrte, daB ohne Geburtswehen, ohne die tiefen
aufwiihlenden Schmerzen des sch6pferischen Schaffens, eine
Wiedergeburt nicht vor sich gehen kann und daB die Urn-
wandlung des Volkes in eine Gemeinschaft produktiv arbei-
tender, mit dem Boden verbundener, den Rhythmus der Natur
wieder in sein Leben aufnehmender Menschen ein ProzeB
ist, der nur durch die innere Wiedergeburt, die Erneuerung
der Seele vor sich gehen kann. Wir hatten vor allem in den
Fragen der Politik als Lehrer den groBen Staatsmann Chaim
W e i z m a n n, der auch in den Tagen seiner groBen person-
lichen Erfolge den Sinn ffir Proportion bewahrte und wuBte,
daB nur aus der besonnensten Abwigung aller Krifte und
durch Einsatz eigener Arbeit die richtige Haltung des Zio-
nismus folgen kann.
Die Auffassung, daB der Aufbau unseres Nationalhelims
Sache Englands sei und dai m6glichst scharfe Proteste an


Englands Adresse die Lage in Palisfina bessern warden,
hielten' wir far uirichtig. In unserem Kampfe fur eine Real-
politik haben wir Widerspruch und Gegner gefunden. Diese
Kimpfe sind noch nicht zu Ende. Wir waren uns freilich
stets bewuBt, daB Palistina nicht nach nichternen Berech-
nungen aufgebaut werden kann. Der Zionismus ist aus irratio-
nalen Quellen entstanden, gegen alle Verstandeserwiigungen.
Die utopische Idee war die treibende Macht. Der bedingungs-
lose Elan des russischen Judentums hat das Judische Natio-
nalheim geschaffen. Aber uns schien, daB in der Zeit seelischer
Depression es darauf ankam, die Realitait, die man Andern
will, klar zu sehen und daB nur dadurch auch das Wesent-
liche der Idee gewahrt werden konnte.
Die ,,Jidische Rundschau" hat in dieser Periode zwei
grofe. Auseinandersetzungen geffihrt, die nicht fruchtlos waren,
obwohl wir die grolee Mehrheit gegen uns hatten. Wir. haben
uns daffir eingesetzt, daB in wirtschaftlichen Dingen die Eigen-
gesetzlichkeit der Wirtschaft beriicksichtigt und dadurch ein
Raubbau an unserem wertvollsten Gut, den aufbauenden Men-
schen, vermieden wird. Das war der Sinn der sogenannten
,,Konsolidierungsdebatte", die heute, in der Zeit der Prosperity,
schon fast vergessen ist. Prinzipiell wichtiger war die p o l i
tische Diskussion. Wir traten daffir ein, daB die Tat-
sache der Existenz einer Landesbev6lkerung Pa-
li s tinas in die politische Konzeption des Zionismus ein-
bezogen wird. Die alte Formel ,,das Land ohne Volk dem
Volk ohne Land", so sagten wir, war eine abstrakte
Formel, die der Wirklichkeit nicht entsprach. Zwar gibt es
ein Volk ohne Land, aber es gibt kein Land ohne Volk.
,,Palistina, die Geburtsstaitte unserer nationalen Kultur, unaus.
loschlich verbunden mit Geschichte und Wesen des Judentums, ist
uns inter Anerkennung unserer historischen Verbundenheit als der
Ort zugewiesen worden, wo wir eine national Heimstdtte fir uns
errichten konnen. . . Palistina hat eine Bev6lkerung, ein Volk,
das seit Jahrhunderten im Lande lebt and mit Recht dieses Land
als sein Vaterland und seine Heimat betrachtet. Mit dieser Tatsache
Jhaben wir za rechnen. Ihr haben wir unser konkretes politisches





Scri;ftlei.tung

und Verlag der


JUDISCHEN

RUNDSCHAU


dcanken alien Gratulanten

fur die GlAckwnscAe zum

40ja rigen Beste en




Ziel anzupassen..... Selbst wenn wir etwa in 30 oder 40 Jahren
die Mehrheit der Bevolkerung bilden sollten, so wird es eine Mehr-
heit von vielleicht 51 Prozent sein. Mit anderen Worten: Pallstina
wird stets von zwei Vblkern bewohnt sein, von Juden
und Arabern. Welcher von den beiden Teilen 51 Prozent und wel-
cher 49 Prozent bildet, ist prinzipiell irrelevant. . . Die Zukunft
Pallistinas kann nur dadurch gesichert werden, daf es ein politisches
System erhilt, in welchem beide V1lker gleichberechtigt
nebeneinander leben.. . Das Land kann nur gedeihen, wenn zwi-
schen den beiden V6lkem ein Verhiiltnis gegenseitigen Vertrauens
besteht. Ein solches Verhiiltnis kann aber nur entstehen, wenn die-
jenigen, die neu hinzukommen, und das sind in diesem Falle wir
mit dem ehrlichen und aufrichtigen Willen kommen, mit dem
anderen Volk zusammenzuleben auf der Basis gegenseitigen Respektes
und selbstverstiindlicher Achtung aller menschlichen und nationalen
Rechte. . ." (,,Jiidische Rundschau", 14. August 1925.)
Nach unserer Meinung konnten wir und k6nnen wir
in Palfistina nicht einen ,Judenstaat" im Sinne eines National-
staates, in welchem eine Staatsnation die Herrschaft fiber die
anderen ausiibt, anstreben. Das binational Gemein-
wesen, das in Palistina entsteht, kann aber all die Be-
diirfnisse, die das jiidische Volk zum Zionismus getrieben
haben, erffillen: Es ist das einzige Land auf der Welt, in
welchem (nach der berfihmten Formulierung des .Churchill-
schen Weilbuches von 1922) die Juden ,,kraft eigenen
Rechtes und nicht aus Duldung" leben, das einzige
Land eines Voll-Judentums mit hebraischer Kultur und nor-
maler sozialer Schichtung.
Herr Ussischkin in seinen (an anderer Stelle wieder-
gegebenen) freundlichen Worten zu unserem Jubilium erinnert
an die Zeit, wo er mit unserer Haltung nicht einverstanden
war, meint aber, wir hitten unsere damalige Stnde wieder
gutgemacht. Mit derselben Aufrichtigkeit missen wir erkliren,
daB wenn man uns schon ein Verdienst zubilligt wir
j e n e Zeit als das Ehrenblatt in der Geschichte der ,,Jiidi-
schen Rundschau" empfinden. Zwischen dem, was Herr
Ussischkin und mit ihm viele andere loben und dem, was
sie tadeln, besteht ein unl6slicher Zusammenhang. Wenn wir
nicht von u n s a us und nicht nur gezwungenermaBen -
die Rechte der Araber in unsere Palastina-Konzeption mit
hineinnehmen, wenn wir nicht die von manchen jfidischen
Kreisen gegen das palistinensische Arabertum ausgegebene
und auch praktizierte Boykottparole deutlich und be-
stimmt a b l e h n e n, dann hatten wir das Recht verwirkt, fur


die Juden der Diaspora in einer Stunde der Bedringnis diE
Stimme zu erheben. Denn nichts empfinden wir als ver-
werflicher als eine Politik mit doppelter Buchffihrung. Hier
halten wir uns an die gute alte Ethik unseres Lehrers
Hillel, der bekanntlich den Satz ,,Was du nicht willst, daS
man dir tue, das tue auch deinem N~chsten nicht" als deil
Kernsatz des Judentums und allies andere nur als den Kom-
mentar bezeichnet hat.
Das ist nicht ,,Defaitismus" wie man es nannte, und
nicht eine Verneinung ,,groBer Hoffnungen", wie Herr
Ussischkin sagt, sondern im Gegenteil, es ist die eine
g r o B1 e Hoffnung, die wir haben und aus der wir alle die
Kraft schbpfen, die wir zum Leben hunter schwierigen Ver-
hitltnissen und auch zu dem Wollen einer neuen Zukunft
brauchen. Das ist die Hoffnung darauf, daB wir nicht nach-
triiglich denjenigen Recht geben, die die jfidische Ethik nur
als ein Zweckprodukt, geboren aus der Situation der schwachea
Minderheit, betrachten (Nietzsche), wahrend hunter anderen
iuBler.en Bedingungen der heidnische ,,Wille zur Macht" atich
bei uns allein malgebend wird. Denn. dann wfirde nach
unserer Meinung der Zionismus seine Seele verlieren.
,,Zion" ist immer auch ein g e i s t i g es Ideal. GewiB ist-es
wichtig, daB einzelne Juden eine materielle Existenz finden;
aber wir haben daran festgehalten, daB der eigentliche Sinr
des Zionismus nicht die Fiirsorge fiir Einzelne ist, sondern
die Sorge um das Judentum. Daher mu8 die Liebe zum
Judentum in den Herzen erweckt werden. Sie ist die stirkste
sch6pferische Kraft. Darum k6nnen wir der Zukunft vertrauen,
sofern wir den Willen haben, aus diesem Volke etwas zu
machen. Dieser Gestaltungswille ist unser Nationalismus.
Die Aufgabe ist besonders groB in Momenten der Er-
schiitterung. Wir haben den Zionismus immer so aufgefaBt,
daB er da zu sein hat, wo das Volk ihn braucht. Die
,,Jiidische Rundschau" kann manchmal den Tadel h6ren (auch
in manchen von uns abgedruckten Begriilungsschreiben be-
sonders geschiitzter Zionisten ist etwas davon enthalten), sie
neige jetzt dazu, ,,mehr die Peripherie zu beruicksichtigen
als den Kern". Das ist nicht unsere Wahl, sondern das Er-
fordernis der Situation. Wir betrachten es als echte Volks-
arbeit, dort zur Stelle zu sein, wo Not ist, wq die Juden-
frage Leben wurde, wo Menschen erschfittert sind und nicht
ein und aus wissen. Nicht eine Partei ist primAr, sonderr
das juidische Volk. Dieses Volk lebt! Das Bekenntnis ist nur
eine erste Stufe; es muB mit In h a It erfillt werden. Die
Zionisten waren in Gefahr, eine Sekte zu werden, deren
Sprache andere Juden kaum verstehen konnten. Heute miissen
wir wieder dem ganzen Volk verstandlich sein. Die ,,Jil-
dische Rundschau" will ein Heifer sein, eine Stfitze fir die
jildischen Menschen, wir wollen, daB alle Juden hier Inhalt
und. Richtung finden. Denn wir haben in vierzig Jahrert
Zionismnus die Liebe zum. Volk und den Dienst am Volk
gelernt;. Auch die Irrenden, auch die wir als Oegner be-
kimpfen, -sind Teile des Volks, und a I I e r Sorgen tragez"
wir mit. Und all e sollen mit tns bauen.


Unsere VorgAnger erzihlen int der heutigen. Nummer anta
ihren Erinnerungen. Auch wir k6nnten erzahlen, wie in diesedt
15 Jahren Angenehmes und Unangenehmes an uns herantrat.
Die ,,Jiidische Rundschau" war umkimpft, auch im eigenen
Kreise. Delegiertentage, ja zuweilen sogar Kongresse, be-
schiftigten sich mit uns nicht immer freundlich. Wir habert
im Streit der Meinungen unseren Standpunkt zu vertretert
gesucht, so gut wir es konnten. Wir danken an diesem Tage
unseren VorgAingern und alien Mitarbeitern, auch alien Freun-
den, die uns sachlich und seelisch in unserer Arbeit unter-
stfitzt haben. Wenn wir es vermeiden, Namen zu nennen, so
muB doch eine Ausnahme gemacht werden: In Betty
Fran k enste i.n, der selbstlosen und stets hilfsbereiten, die
Sache fiber alles stellenden Frau hatten wir (wie unsere Vor.
ginger) eine nie versagende moralische und menschliche
Stitze. Ohne die sorgende und schfitzende Hand dieses ,ge.
treuen Eckhard" hatte die ,,Jiidische Rundschau" nie werdenl
k6nnen, was sie ist. Das heutige Fest ist ih r Fest.
Zweimal wurden Artikel der ,,Jiidischen Rundschau" irn
Buchform zusammengefalit: im Jahre 1927 erschien im Verlag
Fiirber, M.-Ostrau, der Sammelband ,,Zionistische Politik" (ge-
meinsam mit Hans Kohn), und im Herbst 1933 wurde das Buch
,,Ja-Sagen zum Judentum" herausgegeben, enthaltend die wich-
tigsten Leitartikel aus der Zeit des deutschen Umbruchs seit
Miirz 1933. In diesen beiden Bflchern sind die Grundsitze
unserer Redaktionsffihrung deutlich zu erkennen. In zwei Rich-
tungen wollten wir wirken: den jildischen Nationalismus vor
der Gefahr der nationalen Phrase, der selbstkritiklosen Ein-
seitigkeit und einer irrealen Demonstrationspolitik bewahren,
und die innerlich schwach gewordenen und daher dem Anprall
feindlichen Geschehens haltlos preisgegebenen jildischen
Menschen durch Eintreten ffir Ehre und Wfirde, durch Auf-
decken der Schanheit des Judentums innerlich zu starken,
ihnen eine Aufgabe und damit einen Sinn zu zeigen. Die
stets nur Verneinenden sollten ,,Ja" sagen, und die Welt, die
sich ihnen dann erschlie8t, gewinnen und meistern.
Vierzig Jahre! Diese Etappe auf unserem Wege ist kein
Einschnitt, denn die Arbeit geht weiter. Wir bitten alle
Freunde und Mitarbeiter, vor allem auch alle unsere Leser,
die alten ebenso wie die neuen, ihre Treue und ihr Inter.
esse auch weiterhin uns und unseren Nachfolgern zu er-
halten. Denn unser h6chstes Bestreben war es, und ist es,
ihnen zu dienen, diesen Lesern, diesem Volk, dessen N6te
wir mitfuihlen und erleichtern m6chten, denen wir einen
Weg in eine bessere Zukunft finden helfen wollen; einert
Weg freilich, der nur gegangen werden kann, wenn alle
mittun swollen. Wir sind wieder eine Oemeinschaft geworden,
aber bewahren werden wir dies nicht im Erleiden, sondern im
Handeln. Nichts kann uns geschenkt, nichts ffir uns, alles
nur von uns getan werden. Robert Weltsch


Selt 1869 bekannt
fOr beste Qua I Ita t


Sorgfaltige Bedlenung
und niedrige Prelse


FRANKFU RT a M., nur Kaiserstr. 23


40 J HR E M D' SCH HE RUN D SCHA U


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


Selte 18


BERLIL IN WS8, Un t er denI- dn






Nr. 31/32. 17. IV. 1935 40 TA TIRE TtYDTSCTIE RUNDSCTIAU Setle 19


ERINNERUNGEN


EHEMALIGER


REDAKTEURE


Wir haben die ehemaligen Redakteure der ,,Jidischen Rundschau" gebeten, fd- unsere Jubildums-Nummer uns eine kurze Reminiszenz aus ihrer Redak-
tionszeit zu chicken. Wir glauben, dafi es viele unserer Leser interessieren wirdl zn hdren, wie man friaher in der Redaktion gearbeitet hat und welche
Interessen und Gegenstande damals im Vordergrund standen. Selbstverstandlich konnte eine vollstdndige Darstellung nicht verlangt werden, sondern mehr
eine Plauderei, wie sie bei ,,Familienfesten" iiblich ist. Dennoch glauben wir, dap aus diesen kurzen Andeutungen sich so etwas wie ein Skelett einer
Geschichte der ,,Jidischen Rundschau" aufweist. Red.


Bis 1908
Von Heinrich Loewe
Die ,Jfidische Rundschau" ist nicht immer groB gewe.
sen. Sic hat klein angefangen. Sie hat auch nicht immer
ihren jetzigen, so angesehenen Namen gefihrt, sondern ist
hunter einem anderen Namen zur Welt gekommen.
Im Jahre 1895/96 wurde in Berlin der .,,Vereinsbote"
gegrundet, ein Blittchen, das in den Augen seiner Heraus-
geber die Bestimmung haben sollte, durch die Sammlung
von Inseraten der verschieden-
S.. sten Vereine ihnen einen Er-
werb zu schaffen. Ihre fa-
': t miliiire Verbindung mit dem
damaligen Bfiro der Berliner
Bne-Brith-Logen sollte datuir
die Grundlage gewahren. Und
k eine Zeitlang going es ihrer
Absicht gemaB. Das kleine
Vereinsblatt nannte sich nicht
,,judisch", aber es war es in-
sofern, als nur juidische Ver-
eine ihm Inserate gaben, und
auch entschlossen, gelegentlich
einen Artikel aus dem jfi-
,- B dischen Leben heraus und
einige zu nichts verpflichtende
XB Nachrichten aus dem jfidischen
SVereinsleben zu geben. So
fremd es heute klingen mag,
Foto: Dr. Spanier-Herford, Tel-Awiw war doch der ,,Geist" des
Tanzkranzchens ,,A.onbijou",
von dem die jungen Leute ausgingen, fur den Inhalt
oder vielmehr die Inhaltlosigkeit maBgebend. Man hatte
Angst, sich irgendwie herauszustellen, und hatte, soweit
man eine Ueberzeugung hatte, vor dieser Ueberzeugung
selbst Angst. Trotzdem gelang es zuwei'en, irgendeine kleine
Notiz hineinzubringen, die sogar etwas von Palastina erzaihlte,
und namentlich auch einen oder den andern Artikel fiber die
erste jildische Palistina-Ausstellung, die im Sommer 1896
innerhalb der Abteilung ,,Kairo in Berlin" in der Allgemeinen
Gewerbe-Ausstellung' in Treptow bei Berlin stattfand. Damit
aber war das Jiudische dieses armseligen Bliittchens ersch6pft.
'Vie gr68er und inhaltsreicher wurde das Blatt auch
kaunm. als es in andere Hiande fiberging, und unter verschie-
denem Wechsel von Besitz und Schriftleitung den Namen
,,Israelitische Rundschau" empfing. Es wfirde zu weit f ih-
ren, welche Umwege das Bliittchen gebraucht hat, um weiter-
zukommen. Eines Tages kam man innerhalb der Zionistischen
Vereinigung fiir Deutschland auf den Gedariken, ein Abkom-
men mit dem Blatte zu treffen, wonach dieses auf seinen
Kopf aufschrieb: ,,Offizielles Organ der Zionistischen Vereini-
gung ffir Deutschland" und daffir gelegentlich auch "wirklich
AeuBerungen der zionistischen Stellen brachte, freilich auch,
beinahe weniger gelegentlich, eine ganz gegenteilige Stel-
lungnahme zeigte.
Eines Tages aber konnte man nicht welter. Nicht materiel,
nicht redaktionell! Der Zusammenbruch war da. In dieser
Not mufte ich einspringen und die Schriftleitung des Blattes
fiberrehmen.
Zwei Bedingungen stellte ich: die eine, daB das Blatt
nicht ,,Israelitische" sondern ,,Jildische Rundschau" hei8en
sollte. nachdem die zionistische Leitung den von mir verlang-
ten Namen ,Jfidische .Volkszeitung" abgelehnt hatte. Die
zweite war daB mir erlaubt wuirde, das Blatt allmahlich
zu Lateinschrift iiberzufuihren.
Aber die Hauptsache war doch, dem Blatte eine jildische
Note. einen nationaljidischen Inh-i:t i I frisches junges Le-
ben zu geben. Es gait auf der einen Seite den Kampf mit der
Assimilation zu ffihren, auf der andern Seite die Widerstande
in den eigenen Reihen zu fiberwinden. Es war eine schwere
Zeit, aber gleichwohl und vielleicht auch deshalb eine wun-
derbar schdne Zeit, eine Zeit der Kiimpfe und des seelischen
Aufbaues. Es war die Zeit, wo an der Spitze der Zionisti-
schen Organisation Dr. Theodor Herzl stand, die Zeit der
Grundlegung und des Heroismus. Aber es war auch die Zeit,
Wo die groBen Pogrome von Kischinew und Homel wie ein
blutiges Fanal auf das jiidische Volk wirkten. Diese Po-
grome haben damals im Zusammenhange mit der ,,Mauer,
vor der sic bei den Verhandlungen mit dem Sultan standen",
Herzl und Nordau dazu gebracht, um die diplomatische Ver-
bindung nicht zu verlieren, wegen eines ,,Nachtasyls", wie
sich Nordau in Gorkischer Anspielung ausdriickte, in British-
Ostafrika zu verhandeln.
Damals schickten die russischen Zionisten durch den
jungst verstorbenen Dr. Schimon Rosenbaum und durch Prof.
Dr. Gregory Bielkowsky das Ultimatum an Herzl. In dieser
erregten Zeit, die den Zionismus bis in seine Grundlagen er-
schuitterte, war Herzi gestorben. Da kam der siebente KongreB,
der Territorialismus und das Uganda-Projekt. Nur zwei deut-
sche Zionisten hatten auf dem sechsten KongreB gegen Uganda
gestimmt (der eine war der uns kuirzlich entrissene Davis
Trietsch).
Im vollen Gegensatz zur grofen Mehrheit der deutschen
Zionisten, in schwerstem Streit gegen den ihr vorgesetzten
Kontroll- und ,,PresseausschuB" fiihrte die Redaktion den hef-
tigsten Kampf gegen Uganda und gegen den Territorialis-
mus. Der best Bundesgenosse war der Mangel an Mitteln.
Solange die Arbeit mehr kostete, als sic einbrachte, fand
sich schon aus diesem Grunde kein Ersatz in der Redaktion.
MuBte doch der Redakteur rein mechanisch immer mehr
als drei Viertel des Blattes selbst schreibcn. Aber das Publi-
kum verlangte Abwechslungn. Das wurde erreicht, indem eine
Reihe von Mitarbeitern auf dem Plane erschienen: Heinrich
Sachse. Riibendorfer, Elbmann, Borusso-Judaeus, P. Lotzky,
Maarabi. und wie sic alle hieBen, die offenbar miteinander
so verwandt waren, daB sie ungefiihr den gleichen Stil schrie-
ben. Ein treuer und immer wertvoller Mitarbeiter war Elias
Auerbach, der auch in den Verdacht geriet, er sei der Ver-
fasser der immer recht scharfen Artikel eines gewissen El-
jaqim. Das war aber nur ein Pseudonym, und zwar des sehr
impulsiven Redakteurs selber. Hilfe leisteten auch vor allem
Salo Translateur, der in den Nichten regelmaiBig auch bei
den Korrekturen half. und spaiter auch Fritz Abraham sel,


Andenkens, und bei dieser seiner freiwillig geleisteten Hilfs-
arbeit verdiente sich auch cin halbes Kind die Sporen als
zukiinftiger Redakteur, Hans Goslar.
Schwere Kaimpfe muflte die Redaktion innerhalb der
zionistischen Partei fiihren, bei denen die Delegiertentage fast
ausschlieBlich den Angriffen auf die Schriftleitung dienten.
Dabei muBte sich die Redaktion oft genug vor die Leitung der
Zionistischen Vereinigung stellen, ohne doch ihren Stand-
punkt selbst teilen zu k6nnen. Und dies war die schwerste
Belastung fiberhaupt.
Die Kampfe gegen die Rundschau erfolgten nicht bloB
von seiten der Ugandisten, obgleich dies der Ausgangspunkt
der Kritik war, sondern von rechts und links. Die Redaktion
vertrat den Standpunkt eines ungeteilten, eines integralen Zio-
nismus. Sie lehnte die Spaltung in Parteien innerhalb der Be-
wegung ab, und wurde von den entstehenden Parteien als
Hindernis aut ihrem Wege empfunden. Besonders richteten
auch die Vertreter des Misrachi scharfe Angriffe gegen die
Redaktion, die sie fur antireligi6s, mindestens aber fur un-
religi6s ansahen.
Der Hauptkampf, den die Jiidische Rundschau in jener
Zeit fiihrte, galt der Gewinnung von Juden fiur das Judentum,
fiur einen synthetischen Zionismus, der die nationalen und
politischen Bestrebungen mit den kulture'len Werten und der
wirklichen Palistina-Arbeit vereinigen sollte, der sich selbst als
die organische Fortsetzung der juidischen Geschichte ansah.
Heute kann vielleicht ein komischer Beigeschmack dabei
empfunden werden, daB es damals eine Gruppe von Zionisten
gab, die sich selber ,,Ziond-Zion", d. h. die auf Zion ge-
richteten Zionisten nannten. Aber es war nicht so leicht und
so einfach, namentlich innerhalb der deutschen Zionisten,. die
.Vorherrschaft des PaIistina-Gedankens zu erkimpfen. Es war
eine Zeit des Kampfes, aber auch der vollen Siegesgewifheit.
Der Kampf um Uganda war entschieden, zugunsten des
reinen Zionismus. Da verlieB ich die Rundschau, nicht
ganz freiwillig, aber ohne weiteren Widerstand zu listen,
weil es nicht mehr um grundsiitzliche Dinge going. Nun konnte
ich mich nach achtjahriger Unterbrechung wieder meinen jii-
disch-wissenschaftlichen Studien zuwenden, und ich empfand
nach kurzer Zeit die wohlituende Wirkung, von einem Neben-
amt entbunden zu sein, das mich und meine Frau jahrelang
in fast ununterbrochener niichtlicher Arbeit festgehalten hatte.
Aber trotz aller Kiimpfe und Enttiuschungen ist die
,,Jiidische Rundschau", die ja in Wirklichkeit damals erst ge-
boren wurde, eine schone Jugenderinimeraung,,;die fur mich
gleich hinter der Arbeit an der ,,Selbst-Emanzipationf' und
nach der Redaktion des vor-Herzlischen ,,Zion" kommt.
Tel-Awiw, den 20. Adar II. 5695.


Die ,,Juidische Rundschau"

vor dem Kriege
Von Dr. Julius Becker (Genf)
Z. Zt. Jerusalem, im Mirz 1935
Das Jahr 1908, in dem ich die Leitung der ,,Jildischen
Rundschau" ilbernahm nachdem ich vorher schon einmal in
den Jahren 1904/05 unter Heinrich Loewe an der Redaktion
mitgearbeitet hatte liegt nicht nur ein Menschenalter zu-
riick. Es war, von heute gesehen, eine ,,prihistorische" Epoche.
Man mulB? in den Erinnerungen herumkramen: wie war das
doch? wie kam das nur?
Langsam steigt dann das Bild des damals neu eingerich-
teten Zentralbfiros der Zionistischen Vereinigung fir Deutsch-
land auf, die Dr. Artur Hantke
.... leitete. In der Bleibtreustrale,
nicht weit vom Bahnhot Sa-
vignyplatz. Man ho6rte, scheint
-ir, die Dampflokomotiven der
S Stadtbahn fauchen und grfiBte
es als einen Fortschritt, daB
ihnen das fortwvhrende Pfeifen
untersagt wurde ...
S Dieses neue Zentralbiiro, das
t aus drei oder vier Zimmern
S bestand und natilrlich! -
von Betty Frankenstein regiert
wurde, beherbergte auch die
Redaktion der ,,Jildischen Rund-
S schau". Da die Redaktion selbst-
verstiindlich auch die Korrek-
turen lesen muBte, vollzog sich
ein wichtiger Teil der Redak-
tionsarbeit, besonders in den
beiden letzten Tagen vor dem
wochentlichen Erscheinen in der Druckerei von Lenz & Co. an
der Jannowitzbriicke und spaiter von Siegfried Scholem, der ja
den Druck noch heute besorgt.
Wir glaubten auch damals eine neue Zeit angebrochen und
wollten ihr dadurch Rechnung tragen, daB wir schon aiufer.
lich das Format vergr6Berten und die ,,Rundschau" aus dem
Wochenblatt zu einer w6chentlich erscheinenden Z eit u n g
machten. Sie auch innerlich dazu zu machen, war hunter den
damaligen Verhiltnissen nicht ganz einfach. Die Eierschalen
des ehemaligen Familienblattes, aus dem ja erst Heinrich
Loewe ein zionistisches Organ gemacht hatte, klebten fester,
als ich geglaubt hatte. Wieviele Schriftfiihrer von Ortsgruppen
und Vereinen ich mir damals wegen ,,ganz ungebiihrlicher
Verkuirzung der Berichte fiber unsern so gelungenen Purimball"
zu Feinden gemacht habe, das will ich heute lieber nicht mehr
nachrechnen, auch nicht, wieviel kostbare Zeit auf diese ge-
buhrende Verkiirzung verwandt werden mu8te. (Aehnliches
passiert auch heute noch; nichts fir ungut. A. d. R. der
,,J. R." d. J. 1935.)
Ein ,,p o lit i s c h e s" Blatt sollte die ,,Rundschau werden
als das deutsche Organ der zionistischen Bewegung. Und im
Rahmen der Vorkriegsverhiltnisse waren die jfidisch-politi-
schen Probleme innerhalb und auBerhalb der zionistischen Be-
wegung ernst genug. Der KongreB im Haag (1907) lag hinter
uns, der neunte Hamburger KongreB mit seinen schweren und
ernsten Kampfen um die Leitung der ganzen Bewegung stand
bevor. Trotz der Sympathien fuir die damalige Opposition,


die der leitende Redakteur der ,,Rundschau" nicht verbergen
wollte und konnte, multe die ,,Jildische Rundschau" doch
das Organ all e r deutschen Zionisten sein, ja, sie hatte dar-
fiber hinaus den Ehrgeiz, ihren Wirkenskreis auch auf die
immer gr6Ber werdenden Kreise in Deutschland auszudehnen,
die uns freundlich gegenfiberstanden, ohne doch den AnschluB
an die zionistische Bewegung finden zu k6nnen. Ich hatte oft
in spiteren Jahren den Eindruck, daB ihr gerade auf diesel
Gebiete nicht die schlechtesten Erfolge beschieden waren.
Wenn man bedenkt, daB damals zionistische Arbeit in Deutsch-
land zum guten Teile Propaganda sein muBte, so wird man
auch die an heutigen MaBstiben gemessen bescheidene Arbeit
der damaligen ,,Rundschau" zu werten wissen.
Bescheiden war die Arbeit auch im Hinblick auf den Urn-
fang der Redaktion: der Chefredakteur war zugleich einer der
Hauptmitarbeiter, Korrekturenleser, Redaktionssekretdir und
Umbxuch-Redakteur in einer Person. Bis ich dann in einem
jungen gelegentlichen Mitarbeiter einen Helfer, Redaktions-
kollegen und spaiter Nachfolger fand: F r it z A b r a h a m, der
aus ganz assimilierten Berliner Kreisen kommend, wenn ich
nicht irre, vom Sport aus zum jiidischen Sport und dandi immer
welter ins Judentum und in den Zionismus hineingefunden
hatte. Fritz Abraham, dem diese Zeilen ein wehmfitiger spliter
Nachrut sein sollen, denn er ist aus dem Kriege, nach mehreren
schweren Verwundungen, von denen er immer wieder an die
Front zurfickkehrte, schliefl1ich nicht mehr wiedergekommen.
Er war ganz und gar der Arbeitskamerad, den ein Allein-
Redakteur sich nur wfinschen konnte, zu jedem Dienst bereit
und, wenn's nottat, auch zu jeder Arbeit fiihig. Und fur den
Redakteur der ,,Rundschau" in den Jahren, von denen hier die
Rede ist, hatte Fritz Abraham noch einen grofBen Vorzug.
Er war eine Art Naturbursche und in keiner Weise ein Snob.
Wann immer er nicht verstand, fragte er kiihn darauf los, his
er auf den Grund der Dinge kam. So gab es endlose, aber
fruchtbare Diskussionen, die wir nicht Redaktionskonferenzen
nannten, die aber ergebnisreicher waren als manche stunden-
lange Redaktionskonferenz, an der ich spater teilgenommen
habe. Nie war er verdrossen, obwohl eine Zeitung, von zwei
Leuten allein gemacht, eine Unmenge verdrieBlicher Arbeit er-
fordert, die nicht selten das Geistige sogar in den Hintergrund
dringt. DaB es trotzdem, unser zionistisches Ideal, immer der
Leitgedanke unserer Arbeit blieb, beweisen, scheint mir, die
Jahrgange der ,Jildischen Rundschau" aus jenen jetzt so
fernen Jahren.
Theodor Herzl war uns damals noch nahe. Trotz mandhent
Interregnums war schon damals Chaim Weizmann der kom-
mende Fiihrer der zionistischen Bewegung. So ,zwischen den
Zeiten" am zionistischen Tagewerk tiitigen Teil gehabt zu
haben, ist mir eine tiefe innere Genugtuung, wenn ich heute
sehe, welchen gliinzenden Aufschwung unsere kleine ,,Jildische
Rundschau" von 1908 zusammen mit der zionistischen Bewe-
gung genommen hat.

Redakteur 1913-1914
Von Dr. Hugo Herrmann (Jerusalem)
Ich war vom Oktober 1913 bis Juli 1914 Redakteur der
,,Rundschau", also nur sehr kurze Zeit, und sicherlich war
mein gestaltender EinfluB auf die ,,Rundschau" weit geringer
als der meiner Redaktionsarbeit auf mich, denn ich lernte
damals und an der ,,Rundschau" eigentlich erst das Hand-
werk. Ich war vermutlich der erste ,,Rundschau"-Redakteur,
der im engsten Zusammenhang
mit dem Zionistischen Zentral-
buvro arbeitete, also der Welt-
organisation und ihrem ,,Enge-
ren Aktions-Comitd": wie da-
mals die ,,Exekutive" hieB,
und vor allem mit deren Or-
gan, der ,,Welt". Zentralburo
und ,,Welt" warren ja nicht
zu lange vorher nach Berlin
verlegt und noch spfiter war
die enge Wohn- und Werk-
gemeinschaft zwischen Zen-
tralbilro, Z. V. f. D., ,,Welt",
,,Rundschau" und ,,Jildischem
Verlag" in der Saichsischen Str. 8
geschaffen worden. Wir bildeten
eine Familie, eine w irkliche
Denk- und Arbeitsgemeinschaft; es gab keine strange Abgren-
zung von Kqmpetenzen, ebensowenig aber auch formelle
Sitzungen" zur gemeinsamen Information und Meinungsbildung.
besessen freilich wurde viel und lange; das Leben war noch nicht
so hastig und nicht so ernst, wie es either geworden ist.
Die Menschen, die damals in der ,,Sdichsischen Strale" arbei-
teten, sind either simmer in Freundschaft verbunden geblie-
ben, auch wenn ihre Lebenswege sie bald auseinander ffihrten.
Von den Mitgliedern des E. A. C. nahm allein Dr. Hantke, der
zugleich Vorsitzender der Z. V. f. D. war, unmittelbar Einflul
auf die ,,Rundschau", aber als ich in der zweiten Hilfte meines
Redaktionsjahres eine Zeitlang vertretungsweise auch die
,,Welt" redigierte (ffirKurtBlumenfeld, derauf derHochzeitsreise
in Paliistina war), und in jeder grolen und kleinsten Frage
den EinfluB der wirklich fiberlegenen Weisheit Dr. Tschlenows
erfuhr, fiirbte das natfirlich auch auf die ,,Rundschau" ab.
Dr. Hantke, mein eigentlicher ,,Vorgesetzter", lie mich, eineit
jungen unerfahrenen Menschen, der die Verh iltnisse in Deutsch-
land kaum kannte, fast v611ig frei gewvihren, aber seine ge-
legentlichen, immer von Lebensklugheit und praktischem Sint
bestimmten Belehrurigen, meist in aphoristischem Stil, haben
mir nicht nur for meine damalige Arbeit, sondern filr mein
ganzes Leben und meine weitere zionistische Wirksamkeit viel
gegeben. Ich schiime mich schliefflich nicht, hier offen zu
sagen, daB ich auch fiber Fragen der Redaktionsffibhrung oft
und gern mit dem Verlag, das heift mit Betty Frankeno
s t e i n, sprach und niitzliche Belehrung von ihr annahm, die
damals schon lange und glficklicherweise bis heute die Seele
der Zionistischen Organisation in Deutschland war und ist.
Die aktuellen Fragen meiner ,,Rundschau"-Zeit waren ztu-
erst der ,,Sprachenstreit" in Palistina und die Kontroverse mit
dem Hilfsverein der deutschen Juden", wovon allerdings in
der ,,Pundschau" nur ein Abklang h6rbar war, und spiter, urn
den Leipziger Delegiertentag vom Juni 1914 herum, die De.


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JA H RE IVD TSCHE R UNDSCHA U


Sette 19






Sette 20 40 JAHRE JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1935


batte fiber den ,,Nationalismus im Zionismus" mit einer von
Franz Oppenheimer gefiihrten Oppositionsgruppe. Der Streit
selbst und seine damaligen AeuBerungen sind heute ver-
blaBt, wenn auch nicht bedeutungslos; aber wie gut wire es
dem Zionismus, wenn seine inneren Differenzen heute in solch
vornehmer Art und auf so hohem geistigem Niveau aus-
getragen wilrden, wie es damals der Fall war!
Das Jahr in Berlin und in der Redaktion der ,,Rund-
schau" hat mein ganzes Leben bis auf den heutigen Tag ent-
scheidend beeinflult; umgekehrt nehme ich nur das Verdienst
in Anspruch, der erste in der Reihe der aus einem Freundes-
kreis gekommenen Redakteure gewesen zu sein, die either
fast ununterbrochen das Organ des deutschen Zionismus
leitent, und so klein und bescheiden eine Tradition ein-
geleitet zu haben, die, wie mir scheint, zu einer sehr riihm-
lichen und stolen geworden ist.

Ein Stuck Selbstbiographie
Von Leo Herrmann (Jerusalem, dzt. New York)
Es hat seine guten Seiten, daB Institutionen wie die
,Jidische Rundschau", wenn sie vierzig Jahre alt werden,
biographische Anwandlungen bekommen. So werden ge-
wesene Chefredakteure, wie ich, veranlaflt, ein Stick Selbst-
biographie testzuhalten, und wenn andere Institutionen
nachfolgen, wird so das Material fuir Gedenkartikel zur Zeit
bereitet.
Ich selbst darf wohl mit einigem Recht mit dieser
Erinnerung einem Stuck eigenen zionistischen Lebens und
Tuns einen Rahmen geben.
Als ich im April 1913 als Sekretir der Zionistischen
Exekutive, damals Engeres Aktions-Comit6 genannt, nach
Berlin folgte, hatte ich diese
Einladung zum Teil wohl meiner
journalistischen Wirksamkeit in
zionistischen Zeitungen ester.
reichs ru verdanken. In Berlin
war ich ,nur" Sekretir der zio-
nistischen Leitung. Deren Zeit-
schrift, die ,,Welt", regierteda-
mals, klug und krisftig, Richard
Lichtheim. Neben ihr fiihrte die
,,Jildische Rundschau" ein etwas
zweitrangiges Dasein, in dem
das Sportliche das Zionistische
jedenfalls an Qualitiit ibertrat.
Bald verlang-te die Zionistische
Vereinigung von mir, dem der
Ruf des Redakteurs gefolgt
war, ich solle ihr einen guten
Redakteur ,meiner Art" aus-
hot.: eally Pea.achoowins iRw rk finding mache. Sokam es dazu,
daB ich Hugo Herrmann fiber-
redete, seinetn schin bflrgerlichen Gymnasiallehrerposten auf-
zugebei n an W mir in die zionistische Laufbahn zu folgen.
Und paar Monate hindurch durfte ich mich der Anerken
nun freuen, daB die ,,Rundschau" besser atd besser wurde.
Im Mai und Juni 1914 soll es schon vorgekommen sein, daB
man sich in der Sichsischen StraBle 8 am Freitag mehr um die
Rundshau" riB, als urt die ,,Welt". Aber diese frghliche
onkurrenz war nur von kurzer Dauer. Der Ausbruch des
Weltkrieges machete der ,,Welt" und der Redaktion Hugo
Herrmanns ein Ende. Er vertauschte die Feder' mit dem
Offizierssibel und die ,,Rundschau" wurde anderen Re-
dakteuren anvertraut. Da es sich ja nur um kurze Zeit handeln
konnte, versuchte man's mit Heinrich Loewe und mit Kurt
Blumenfeld. Ich war inzwischen auf einer Inspektionsreise ffirs
E. A.C. in Wien. Als ich zurfckkam (ich glaube, es war
im Oktober 1914) und der Krieg noch immer an-
dauerte, fibernahm ich teils zog sie mich, teils sank ich
hin die Redaktion neben meiner Sekretariatsarbeit, natiir-
lich nur in Vertretung". Und fiber vier Jahre fungierte ich
dann ,,i. -V."
Der Krieg gab meiner ganzen Redaktionszeit die Pri-
gung. Meine Redaktionserinnerungen sind also Kriegserinne-
rungen.
Bald nachdem ich tu redigieren begonnen hatte, stellte
sich heraus, daB die ,,Rundschau" ein lebendiges, das einzige
starke Band war, das die Bewegung mit den Freunden im
Felde zvwammenhielt. Hunderte und aberhunderte zionisti-
scher Soldaten erwarteten die ,,Rundschau" und berichlteten,
wie sie sie an die nichtzionistischen Kameraden weitergaben.
So sprachen wir bald zu einer wachsenden Front und
'dachten an die Zukunft. Zeichen dieser Verbundenheit warren
die Festausgaben der ,,Jfdischen Rundschau", deren erste
zu Chanukkah 5675 (1914) erschien, Jahr um Jahr wiederholt
einmal sogar in der Buchform der ,,Treue". An dieser
Stelle darf ich vielleicht daran erinnern, wie in jenen
Kriegsjahren die ,,Rundschau", von der Soldaten in den
Heeren der Mittelmichte gelesen und verbreitet, in breite
Massen des Ostjudentums Rullands Eingang fand, zunclichst
offen gestanden -, weil sie als einzige jildische Zeitung in
lateinischer und nicht in gotischer Schrift gesetzt war, aber
dann wohl auch, weil sic cine klare zionistische und ji-
dische Stellung verfocht. Damals habe ich iwbrigens zu- m
ersten- und zum letztenmal in meiner nunmehr zweiund-
zwanzigjiihrigen Beamtenlaufbahn eine Zeitlang von meiner
Feder leben k6nnen. Offenbar hatten einige meiner Artikel
im Osten sehr groBen Anklang gefunden. Zweimal hinter-
einander brachten mir Freunde der ,,Rundschau", die ich bis
dahin nie von Angesicht zu Angesicht gesehen, Liebesgaben
in der Form langer Wfrste nach Berlin freiwilliges Hono-
rar der Leser in der Armee und der besetzten jildischen
Gemeinden. Ich glaube, wir haben meine Mitarbeiter in der
Redaktion teilnehmen lassen.
Da ich grade von der Verbreitung im Ausland spreche,
die Zionistische Vereinigung war damals recht stolz darauf,
daB ihre Zeitung an Stelle der ,,Welt" getreten war -, mag
es erlaubt sein, zu erzihlen, daB mir 1919 in London Berl
Kaznelson erzllilte, daB auch in Palistina den Krieg hindurch
die ,,Jildische Rundschau" tree Leser gehabt hatte, zuerst
im ganzen Land und dann nach den Schlachten von Gaza
und Jerusalem noch im Galil. Und 1921 erzohlte mir ein
englischer Jude, der mit Allenbys Armee in Jerusalem ein-
gezogen war, daB eine dort hinterlassene ,,Jildische Rund-
schau" lebhaftes Interesse gefunden hitte.
Anerkennung fand die Redaktion damals auch in Berlin
selbst. Besonders ehrenvoll, aber auch anstrengend war die
Anerkennung von Professor Hermann Strack. Er gehZrte zu
dem treuesten Leserkreis, und das war-nicht ohne Bedeu-
tung. Denn Schfiller Stracks, die Pastoren oderprotestantischen
Lizentiaten, waren nicht nur als Seelsorger, sondern auch als
Zensoren und in anderen Stellungen besonders im Osten
verteilt. Fir sie alle war des alten Professors Meinung
maBgebende lnstanz. Geheimrat Professor Strack aber ver-
folgte mit Interesse die jiudischen Informationen der ,,Rund-
schau" das war sehr chrenvolL Miuhevoll war es, daB
er mich, zumeist oft nach einer Nacht, in der ich die,
Scholemsche Druckerei lange nach Mitternacht verlassen hatte,
schon um 1/oT Uhr friuh im Josty am Potsdamer Platz
erwartete, da seine Vorlesung um 7 Uhr began. Zumeist
hatte er in meinem Leitartikel die Stellen, die ihm auffielen,
mit roter Tinte unterstrichen und wollte noch 10 oder
[15 Exemilare haben, urn sie an Schtuler zie vetachicken, da-


mit sie Kenntnis davon nehmen, was die ,,Jidische Rund-
schau" zu jildischen Fragen zu sagen hat.
Ein anderer treuer Gefolgsmann, der mir zu gleichem
Zweck Massenauflagen der ,,Jiidischen Rundschau" abzu-
nehmen pflegte una der ein entschiedenes Eintreten fur
jildische Ehre zu schfitzen wuBte, war Generalstabsarzt Pro-
fessor Leopold Landau. Er behauptete, daB er auf In-
spektionsbesuchen immer mehrere ,,Rundschau"-Nummern, mit
angestrichenen Artikeln, bei sich trage ,,fur Assimilanten und
Antisemiten".
So kam die ,,Rundschau" herum. Sie wurde, durchs
Rote Kreuz und das Kopenhagener Zionistische Bfiro, in die
sibirischen Kriegsgefangenenlager gesendet, nach Irkutsk,
Wladiwostok, Charbin und von iUberall her bekamen wir
AeuBerungen aus dem Leserkreis, von der zionistischen
Gemeinde Deutschlands selbst nicht zu reden.
Es war fur den Redakteur eine schbne Zeit. Zum
erstenmal wurde der Redakteur der ,,Rundschau" ein ,,Chef-
redakteur" denn ich erhielt nach einiger Zeit die Mit-
arbeit und Unterstfitzung von Redakteuren, die ihr gutes
Teil zum Ausbau der ,,Rundschau" beitrugen: Abraham
Gorodisch, Fritz L6wenstein, Salman Rubaschow, Dr. Max
Mayer. Dr. Mayer wurde zuletzt, als ich wieder mehrere
Reisen als Sekretiir der zionistischen Leitung zu fibernehmen
hatte, Stellvertreter und ich selbst war dann fast nur noch
Leitartikler.
Die ,,Rundschau" hatte inzwischen ihre Abonnentenzahl
vervielfacht und schlieBlich durfte sie zweimal wbchentlich
erscheinen.
Ich wollte hier nur fiber einiges ,,AeuBerliche" be-
richten. Ueber die Haltung der ,,Rundschau" in zionistischer,
jildischer und allgemeiner Beziehung zu sprechen, ist nicht
mehr wesentlich. Mir scheint im Licht der Erfahrung,
die wir alle either gesammelt haben -, daB die ,,Rund-
schau" in jenen Jahren schon ein gutes Gesicht hatte.
Es war nicht immer leicht, sie richtig zu steuern. Es ist uns,
soweit ich mich erinnere, im Kriege kein einziges Mal
passiert, mit Zensurstellen in Konflikt zu kommen, obzwar
wir damals oft genug mit Judengegnern in der Presse die
Klinge zu kreuzen hatten.
Wenn die Gedenknummer der ,,Jfidischen Rundschau" er-
scheint, wird gleichzeitig in Deutschland der Paldistina-Ton-
,film ,,Das Land der VerheiBung" aufgeffihrt werden. Auf
diesel Film bin ich einigermaBen so stolz wie auf die
Jahre meiner ,,Rundschau"-Redaktion. Als ,,Produktionsleiter"
dieses Films habe ich etwas getan, was der Funktion eines
Chefredakteurs entspricht. In diesem Film erscheint die
,,Jildische Rundschau". Da ich weiB, daB dieser Film gelobt
und geliebt werden wird wird er ein Beweis sein, wie ich
auch in Jerusalem und in New York an die ,,Rundschau"
denke und ihrer Redaktion wie ihren Lesern mich ver-
bunden flhle.


Die Rundschau im Weltkrieg
Ein Erinnerungsblalt
Von Dr. Max Mayer (Jerusalem)
Mit Reminiszenzen hat es seine eigene Bewandtnis. Dem
Aufzeichner sind sie wie leibhaft vor der Seele stehendes
Leben, dem Leser, der dies Gestern kaum kennt, das ferne,
verhallende Echo .einer lingst versunkenen Welt. Tatsachen
reihen sich historisch leicht aneinander,, aber mehr kommt es
auf jenes unwdigbare Verbindende an, das sie, wie die K6r-
per das Licht, zu einem Bilde
z zusammenhglt.
Es war im zweiten Kriegs-
I ; '. jahr, in den letzten Tagen des
Jahres 1915, als ich in die
SSiichsische StraBe zur Redak-
tion der ,,Jildischen Rund-
S, schau" berufen wurde. ,,Sdich-
sische StraBe" war damals kein
T 1 weniger pragnanter Begriff wie
hente der Begriff ,,Meineke-
straBe". Er wurde zumeist in
freundlicher, aber auch manch-
mal in weniger schmeichel-
hatter Absicht gebrauncht. Im
Hause in der Sichsischen
StraBe war die Zionistische
Vereinigung hunter Dr. Hantkes
Vorsitz, der Jiidische Nationalfonds unter Max Wollsteiners
Vorsitz und Siegfried Weitzmanns Leitung, die Redaktion und
Administration der ,,Jfdischen Rundschau" und der Jiidische
Verlag unter Leitung von Ahron Eliasberg untergebracht.
Das Bilro der Zionistischen Weltorganisation war fuir die
Kriegszeit nach Kopenhagen, das Hauptbiuro des Jildischen
Nationalfonds nach dem Haag verlegt worden.
Die ,,Jfldische Rundschau" war fast das einzige deutsch-
jidische Organ, das trotz der erschwerenden Lage weit fiber
die Grenzen Deutschlands im Bereich der Mittelmachte ver-
breitet war. Besonders viel und aufmerksam gelesen wurde sie
in den von den Mittelmichten okkupierten Ostgebieten, wo
sie wohl die einzige jiidische Zeitung war, die sowohl den
jfidischen Soldaten aus Deutschland als auch der jiidischen
Bev6lkerung dieser Gebiete als hauptsichliche Informations-
quelle fiber die Vorgdnge in der jidischen Welt diente. Dieser
Nachrichtendienst fiber die Lage der Juden in allen Liindern
war damals vielleicht die wichtigste Aufgabe der Zeitung
ilberhaupt. Auch die Verbindung mit Pali s tina war bis
zum Zurlckweichen der tiirkischen Truppen fast ausschlieBlich
durch die ,,Jfildische Rundschau" aufrechterhalten worden.
In jenen Tagen der Okkupation der bstlichen Rand-
staaten hagelte es einen f6rmlichen Regen von Bfichern, Bro-
schfiren und Abhandlungen fiber die Ostjudenfrage. Es verging
keine Woche. in der nicht ein neues Buch, kein Tag, an dem
nicht neue praktische Vorschlaige zur ,,L6sung" der Ostjuden-
frage gemacht wurden. Es schien, als ob es fiberhaupt jenseits
der 6stlichen Grenze nur eine Judenfrage, und nichts weiter,
gabe. Die Zahl der niederprasselnden, zum Teil wohlmeinen-
den, zum Teil fragwfirdigen Vorschlage, die fibrigens zumeist
auch die d e u t s c h e Ostjudenfrage mitbehandelten, war Le-
gion. Dieses gesamte Presse-, Zeitschriften- und BUcher-
material galt es, wenigstens in groben Umrissen und nach
seinem Hauptinhalt regelmdBig bekanntzugeben und zu ihm,
zumeist ablehnend, Stellung zu nehmen. Die Juden der besetz-
ten Gebiete hatten ein begreifliches Interesse zu wissen, was
man mit ihnen vorhabe.
Zu den Freuden der Redaktion gehorte es, daB sie auch
in diesen schweren Tagen von ihren im Felde stehenden Mit-
arbeitern keineswegs im Stiche gelassen wurde. Diese Mit-
arbeit multe sich freilich ztimeist auf judische Erlebnisse im
Felde, literarische Buchkritik oder kurze Anregungen fur die
kiinftige Arbeit beschrinken. Aber solche ,,Feldpostbriefe"
hatten eben ibren ganz besonderen Wert und ihr besonderes
Gewicht. Um den geistigen Kontakt der jiudischen Frontsol-
daten mit jfidischem Leben und jfidischer Literatur aufrecht-
zuerhalten sandte die Zionistische Vereinigung fiur Deutsch-
land im Frfhjahr 1916 in tausenden Exemplaren die vom
Chefredakteur der ,,Jfidischen Rundschau", Leo H e r r m ann,
redigierte literarische Sammelschrift ,,T r e ue" ins Feld mit
Beitrigen von Aurtoren und Mitarbeitern der ,,Jiudischen
Rundschau" jener Tage, eine sinnige PeBachgabe, die mit
Dankbarkeit you den Soldaten ertgegengenommen wurde.


Der besonderen Zeitumstande wegen war es notwendig,
die beratende Mitarbeit fuihrender Personen in Anspruch zu
nehmen. Mit groBter Dankbarkeit muB hier der oft zeitrauben-
den Durchsicht der politischen Leitartikel durch Dr. H a n t k e
und den unvergel1ichen Dr. Viktor J a ko b s ohn gedacht
werden, dessen liebenswilrdige, ermunternde, stets zu frucht-
barer Arbeit anregende Art uns alle in Bann hielt. Auch Julius
B e r g e r geh6rte zum Zensorenstab. Er war, durch seine
hiufigen Reisen nach Ober-Ost besonders dazu befihigt, der
Specialist fiur die Ostjudenpolitik.
Ein groBer Freudentag filr unsere Redaktion war es, als
mitten in den blutigen Ereignissen des Weltkrieges die in
jiddischer Sprache mit eigener Hand geschriebenen ,,B ri e f e
aus Palistina" von A. D. Gordon anlangten. Sie warren
uns zwar nur zur Weitergabe an die Redaktionen der groBen
jfidischen Tageszeitungen in Warschau, Lodz und Wilna fiber-
sandt worden, aber Salman Rubaschof f, der treue und
wertvolle Mitarbeiter unserer Redaktion, erkannte bei erstenm
Ueberfliegen dieser Briefe, daB sie nicht nur fiUr unsere Brit-
der in Polen, sondern mindestens so wichtig fur die west-
europaische zionistische Oeffentlichkeit seien. Mit einer ge-
wissen Selbstentsagung haben wir diese Briefe Martin Buber
zur Ver6ffentlichung in seiner Zeitschrift ,,D e r Jude" fiber-
lassen. Sie stellen einen der bedeutsamsten Beitrige des ersten
Jahrgangs dieser Zeitschrift dar.
Das grblte zionistische Ereignis dieser Kriegsjahre war
das Eintreffen der Nachricht von der Balfour-Deklaration am
2. November 1917. Keiner von uns hatte eine konkrete Vor-
stellung davon, wie die Judenheit der Ententelinder auf dies
Ereignis reagieren und was England praktisch zur Verwirk-
lichung seines Versprechens tun werde (es war ja noch vor
der ,,Eroberung" PalAistinas), aber wir wuBten und fUihlten,
daB damit eine Schicksalswende fuir Palistina eingetreten war.
Bald darauf erschienen in der ,,Jfidischen Rundschau" die Er-
klirungen der tiirkischen und der deutschen Regierung zuglun-
sten der judischen Palistinasiedlung. Jeder von uns began
personlich Plaine zu schmieden, sich vorzubereiten, um am
gegebenen Moment zur Uebersiedlung beret zu sein.
Als im Dezember 1918 eine Delegation der s idlitauischen
Stadt Mariampol nach Berlin kam, um Leiter und Lehrer fur
das dort zu griindende hebrische Gymnasium zu suchen, ent-
schlossen wir uns, ich und einige Freunde, ztunachst dort
unseren Chaluzdienst im hebriischen Schulwerk zu tim.


Aus meinen Rundschautagen
Von Dr. Fritz Lbwenstein (Jerusalem)
Als ich die Aufforderung der Redaktion der ,Rundschau"
erhielt, anlIallich der Jubiliums-Nummer kurze Reminiszenzen
aus der Zeit zu schreiben, in der ich Redakteur des Blattes
war, war es mir einen Augenblick, als wenn von mir verlangt
wfrde, aus einem frflheren Leben zu berichten. Die allgemeinen
Verhiltnisse und meine personlichen Lebensumstinde habetu
sich seit jenen ersten Jahren
nach FriedensschluB so grund-
legend geiindert, daB es nicht n | -er
leicht ist, mitten aus den Ver-
hiiltnissen eines palistinensi-
schen Anwaltsbfros in den Zei-
ten der Prosperity und der .
zionistischen Arbeit in der -
deutschen Alijah des Jahres 1
1935 mich zurickzuerinnernm,wie .. ,
es in der Zeit von San Remo )
gewesen ist.; Aber einige -.
zwanglose Erinnerungen sind
leicht wieder wachzurufen.
Es war keine kleine Ueber- '
raschung fir, mich, als mir eines
Morgens der damalige Vor-- ,A.
sitzende der Z.V.f.D. Dr. Hantke
mitteilte, der Geschiiftsfiuhrende Amateur
AusschuB habe western abend
beschlossen, mich zum Chefredakteur der ,,RundschaU' t2 er-
nennen. Die ,,Rundschau" war verwaist: Leo Herrm anin, der
sie whiirend des Krieges in unuibertrefflicher Weise geleitet
und ihr eine allgemeine Beachtung in der juidischen und nicht-
jildischen Welt geschaffen hatte, war in London, ich selbst,
wfihrend des Krieges Sekretir der Zionistischen Exekutive in
Berlin, war nach deren Uebersiedlung nach London auch tirf
wenig verwaist und so kamen die ,,Rundschau" und ich ganz
passed zueinander. Aber auf der anderen Seite hatte ich bis
dahin sehr selten Artikel geschrieben und auBerdem es ist
viel leichter und etwas ganz anderes, gelegentlich zu schrei-
ben, wenn man Lust dazu hat, als die standige Verantwortumg
fiur ein zentrales Organ zu tragen, das Ansehen und Achtung
weit fiber Deutschland hinaus genoB.
Es war eine ungewvhnlich interessante Zedt, in der idi
meine Arbeit began. Der Krieg war aus, die Grenzen
6ffneten sich, der deutsche Zionismus, im Kriege notwendig
isoliert, konnte und muBte die Verbindung mit der zionistischen
Bewegung und mit dem besetzten Paliistina wieder aufnehmen.
Die Zeit der Friedenskonferenzen setzte ein, die Balfour-Er-
klirung und das Palaistina-Mandat standen auf den Konferen-
zen zur Debatte. In der Zionistischen Organisation herrschte
ein Chaos von Gedankeri, Forderungen, Plinen. Die Zeit des
Judenstaates schien herangekommen, die Zeit des Charters
wiedergekehrt. Einwanderung von Hunderttausenden im Be-
reiche der M6glichkeit, die Aufbringung von Millionen von
Pfunden nicht nur notwendig, sondern moglich. Dazu kamen
cie Prob'eme des Aufbaus, die radikalen Forderungen der
zionistischen Jugendbewegung, die aus dem Kriege Ideale
der Selbstarbeit mitgebracht hatte, durch die sie sich in eine
Front mit der palastinensischen Arbeiterschaft stellte. Die
groBen Ereignisse jagten einander: der Empfangi der zionisti-
schen Delegation vor der Friedenskonferenz in San Remo
(ich werde nie die kilometerlangen Telegramme vergessen, die
damals die ,,Rundschau" erhielt und an denen wir nichtelang
saBen, um sie richtig zusammenzusetzen, waihrend Goldmann
schlieBlich sich bereit erklirte, den Leitartikel zu schreiben,
ohne die Telegramme gelesen zu. haben, was aber erfreulicher-
weise unbemerkt blieb); dann Sevres-Lausanne und schlieB-
lich die Erteilung des Mandates. In Deutschland zahllose Dele-
giertentage, darunter der Palastina-Delegiertentagi mit der
groBen Diskussion zwischen Ruppin mund Trietsch fiber den
Umfang der Einwanderung und fiber den Charakter des Atrf-
baus unter der Teilnahme von Salman Rubaschoff.
Ich glaube, daB es mir und meinen damaligen Mitarbei-
tern Georg Wollstein und Fritz Schiff gelungen ist, das
Niveau der ,,Rundschau" zu halten und das Blatt zu einem
Spiegel und vielleicht auch zu einem Wegweiser durch die
komplizierten Verhailtnisse der damaligen zionistischen Politik
zu gestalten. Dann kam Dr. Weltsch, mit dem ich zwei Jahre
in ungetrfbter Arbeitsgemeinschaft die ,,Rundschau" leiten
durfte, bis ich nach Palaistina iUbersiedelte.
Ich bin in Erez Israel eine Reihe von Jahren bis 1931
in der zionistischen Beamtenschaft verblieben. Ich glaube, man
darf es an diesem Jubiliumstage der ,,Rundschau" aussprechen,
daB es vielleicht nie wieder in der Geschichte der zionistischen
Bewegung ein so vorbildliches Verhiltnis in der Beamten-
schaft eines zionistischen Bilros gegeben hat wie damals in
der Saichsischen Strafe 8 und daB vielleicht niemals wieder
zionistische Beamte sich mit solchem berechtigten Stolz als
die wirklichen Triger des zionistischen Gedankens empfundea
haben wie damals.


Selte 20


40 JAHRE JtYDISCHE RUNDSCHAUS


Nr. 31/32, 17. M. 1935







Nr.3/32,171V '195 40I~flE Yt~DrsnE TTJND~fMila 1Al2


Um den hebraisdien

Fernunterridit
Von Dr. S. Kal 6ko
,,Es ist e.' glinzender Gedanke von der ,Jfidischen Rund.-
behau', den, hebraischen Fernunterricht eingeffihrt zu haben",
mit dies-em Satz begannen Hunderte von Briefen, die der
Redakdion im Dezember 1933 zugegangen sind. Zwar lag
der Vorschlag zur Einfiihrung dieses Fernunterrichts schon
friluher vor, jedoch konnte sich die Redaktion mit Recht
nicht so schnell daffir entschei-
den, denn die Einfuihrung eines
laufenden Sprachunterrichts in
einer Zeitung war tatslichlich'
ein groves Novum. Es war Dr.
Mechner vom Keren Kajemeth
Lejisrael, der sich sehr for
Sgdiesen Gedanken einsetzte und
er verdient die Anerkennung
und den Dank der tausende
Schiller, die each dem hebrii-
ischen Fernunterricht gelernt
s I haben.
Wer lernte nahd dem
Fernunterridit?
SiiDa wir kein genaues Verzeich
nis der Lernenden fuihren konn-
ten, kann man nur aut Grund
der an uns gerichteten An-
Foto: Then Prinz fragen, Briefe, sowie zuge-
schickten Arbeiten einen un-
gefaihren SchluB ziehen. Aus
fiber 20 verschiedenen europiiischen und Uebersee-Liindern
gingen der Redaktion Zuschriften zu; selbstverst ndlich vor
allem aus Deutschland. Unsere Schiller in Deutschland sallen
zum gr6fiten Teil in kleinen Stiidtchen, in denen keine andere
M6glichkeit des hebriischen Unterrichts gegeben ist. Etwas
schwieriger ist es, die Frage des Alters unserer Schillerschaft
zu beantworten. Auf Grund der eingegangenen Arbeiten, und
insbesondere derjenigen Arbeiten, die sich auf die Person
des Lernenden beziehen, wie z. B. Beschreibung des Ver-
laufs eines Tages und iihnliches, lii58t sich feststellen, daB
es zum gr6Bten Teil jfi ngere Menschen warren, und -
wie es scheint ilberwiegend Frauen. Die Grenze war aber
nicht so scharf gezogen; z. B. wagte es eine 78jiihrige, die
Schwierigkeiten des Erlernens der hebriischen Sprache auf
sich zu nehmen, und nebenbei bemerkt geh6rte sie
nicht einmal zu den schlechtesten Schillern. Unter den zahl-
reichen Briefen, die die Redaktion tdglich erhielt, befanden
sich auch Briefe von solchen, die die Schulbank driickten.
Einer dieser ABC-Schvitzen, der 9jlhrige S., schreibt in
seinem ersten hebraiischen Aufsatz: ,,In unserem Dorf gibt
es wenig Juden und keine jildische Schule. Ich lerne nach
dem hebraiischen Fernunterricht. Jeden Tag habe ich eine
,heilige' Stunde, und wenn mich meine Mutti nicht um 7 Uhr
zu Bett schickt, dann habe ich sie auch abends." Briefe,
die an den Lehrer gerichtet waren, beschrinkten sich teil-
weise nicht nur auf grammatikalische Fragen, sondern ent-
hielten auch Nachrichten pers6nlicher Art (selbstverstendlich
zum Zwecke der Uebung), und so bildete sich eine persdn-

jjnterricht allies, was sich mit ihrem neugeborenen Sohne
: zutrug. Sie ffihrte sozusagen ein hebriisches ,,TagebUch"
tiber zhren Spr6Blling und eines Tages erhielt die Redaktion
die freudige Nachricht: heada, lejaldi schen"! zu deutsch:
F,Hurra, mein Junge hat den ersten Zahn!" Viel betriiblicher
ist jener Briet von einem oberschlesischen Arzt, der in
seinem besten Hebriisch mitteilt, wie der Fernunterricht
ihm jetzt bei der mangelnden Praxis wthrend der Sprech-
stunden die Zeit totzuschlagen hilft. Oder so vertraute der
Redaktion eine Chaluzah ihr Leid an, die irgendwo in einem.
kleinen Dorf auf Hachscharah war und ihre free Zeit
damit ausfillte, ihr Leben und ihre Arbeit in Iwrith zu.
beschreiben. Sie schrieb, daB dies ihre einzige Freude in
ihrer grolen Einsamkeit sei. Ihr letter Brief trug zu unserer
Freude den Poststempel von Giwath Brenner.
Aubler diesen ,,reinen" Schilerbri efen gingen der
Redaktion auch viele Zuschriften zu, die nicht direct mit
dem hebriischen Fernunterricht zu tun hatten und die Ein-
blick in das Leben der in den entferntesten und kleinsten
Orten lebenden Juden gewithrten. So gingen uns Aufschriften
von Grabdenkmiilern mit den kompliziertesten Abbreviaturen
(zum gr6liten Teil in schlechtes Hebriiisch gefalt) zu, Texte
aus alten Biichern, in hebriiischer Sprache gefalte Trau-
urkunden und Testamente. Selbst eine ausliindische Steno-
graphieschrift wurde uns zur Entzifferung, in der Annahme,
daB es Hebriisch sei, zugestellt.
Das sind sozusagen die Briefe ,,Zufriedener". Wir miissen
aber der Wahrheit die Ehre geben: Die Redaktion bekam
auch eine ganze Anzahl sogenannter
Briefe Unzufriedener"
Vor allem hatte man auszusetzen, daB der Ferntunterricht
entweder ,,furchtbar schnell vorwiirts geht", oder ,,zu lang-
sam", einer wollte mehr biblische Texte, dagegen der zweite
mehr Landwirtschaft. Einem war es ,,zu schwer", dem zweiten
,,zu leicht", usw. Das sind sozusagen allies technische Fehler.
nen" aus Silddeutschland erhalten. Die Sache war nimlich so:
Wir schlugen unseren Schillern den Erwerb eines kleinen
hebriiischen Heftchens vor, das 10 Pfennig nebst 4 Pfennig
Porto kostete. Da die Anforderung, die in die Tausende going,
so stark war was wir nicht erwartet hatten -, war unser
Vorrat hier schnell ersch6pft. Wir mu8ten aus Palistina
neue Exemplare anfordern. Der Versand der Hefte ver-
z6gerte sich dadurch und eines Tages bekamen wir die An-
drohung einer Klage wegen Irreffihrung und Betruges....
Die Redaktion bemiihte sich, die ,,Unzufriedenen" zufrieden
zu stellen und versuchte pers6nlich, jedem Einzelnen die
gewiunschten Erklirungen zu geben. Das ginge noch an.
Viel ,,gefdhrlicher" waren die Angriffe von seiten von (wie
man sie etwa bezeichnen kann) ,,Besserwissern". Das waren
erstens Leute, die schon friuher einmal Hebriisch gelernt
haben und selbstverstdindlich nach ganz anderem System.
Sie konnten es nicht ertragen, daB z. B. im Fernunterricht
eine grammatikalische Regel aufgestellt wird, ,,wiihrend doch
bei .... ganz anders gesagt ist", ,,das wire doch eine Irre-
fihrung" usw. usw. Vor allem strdiubten sich die Philologen
gegen gewisse grammatikalische Sfinden, die der Fernunter-
richt absichtlich gemacht hate, um bei der Erlernung der
Anfangsgruinde den Schtiler nicht allzusehr mit Gramrnatik
zu belasten. Besonders war die Fortlassung des ,,Dagesch
chasak" ein Stein des AnstoBes. In seitenlangen Briefen wurde


VON JUDISCHER MUSIK

Wir haben unsere jetzt in Jerusalem lebende Mitarbeiterirt, did nicht nur das Verdienst einer unermfidlichen opfer-
bereiten Arbeit im Dienste der jiadischen Musik hat, sondern auch die Begriinderin und jahrelange Leiterin der Musik-
Rubrik der ,,Jadischen Rundschau" war, gebeten, anldfilich unseres Jubilaums eine kurze zusammenfassende Darstellung
dieses Teils der Redaktionsarbeit zu geben. Red.


Rii kblik und Ausbli&
Von Alice Jacob-Loewenson, Jerusalem
I.
In der jiidischen Musik ist heute fiberall ein spuirbarer
Aufschwung. Der Sinn der Juden ffir ihre eigenen Werte ist
neu erwacht. Als Musik, unmittelbarster Ausdruck des See-
lisch-Geistigen, bringt sich das Ktilturelle am suggestivsten
zur Geltung. Aus allen Gemeinden, Ortsgruppen, Jugendver-
banden, aus Kulturbiinden und Lehrstitten h6rt man von dem
intensiveren Interesse ffir sie. Es entstehen immer neue
Chorgemeinschaften. In vielen Lsndern gibt es regelmiiige
jfildische Radiosendungen. Die jiudische Schallplatte ist stark
,,in Bewegung". Verlage filr jildische Musik werden gegriin-
det. Komponisten, die noch jiingst eine jiidische Musik -
auch ihrer M6glichkeit nach geleugnet haben, suchen
jetzt zu jildischen Stoffen ihren jiidischen Stil. Unsere Bilhne
wird sich in ihrer eigenartigen Plastik immer mehr der
Notwendigkeit einer musikalischen Erginzung bewuBt. Lehr-
stiicke fordern den Song. In unseren Festen belebt sich der
jiudische Tanzrhythmus. Unsere Tagungen sind ohne Chore
kaum mehr denkbar.
Das Verstiindnis hebt sich fiir moderne Kompositionen,
die eine jildische Thematik verwenden. Das Niveau der Be-
arbeitung unserer Volksmusik ist gestiegen. Sogar die Syn-
agogenmusik macht den Versuch, ihre Erstarrung zu spren-
gen, und hat hier und da einen wesentlichen Schritt fiber
,,Lewandowsky" hinaus gewagt.
In Pa.lastina ,,singt es und klingt es". Gerade
bier h6rt tnan freilich die jiidischen Klange am seltensten.
Der Bedart nach Europiischem ist naturgemiB groB. Geht
man durch die StraBen der Stiidte, so h6rt man aus den
Fenstern uiberall Radio, Grammophon, Klavier, Geigenspiel.
Aber fast immer Europiiisches. Im Jerusalemer ,,Palestine
Conservatoire" gibt es allerdings seit einem halben Jahr
eine eifrig singende Klasse ffir jildische und orientalische
Musik. Zwei Tel-Awiwer Musikschulen haben sich neuerdings
Ausbildungsklassen fuir Chasanim eingefiigt. In den StAdten
und auf dem Lande werden haufig Vortrage gehalten mit
Schallplatten, Gesang und Klavier. In den Kwuzoth wird viel
gesungen, Instrumentalmusik getrieben, Grammophon gehbrt.
Neue Lieder entstehen hier, die sich schnell im Lande ver-
breiten und zu Volksliedern werden. Man hofft, daB der
filr die niichste Zeit versprochene Radiosender auch auf die-
sem Gebiet eine wichtige erzieherische und kiinstlerische
Rolle spielen wird.
Durch die Stralen ziehen singend Chassidim, jiidische,
arabische Arbeiter. Fraglos wird sich aus dieser orientalischen
Musikatmosphare eines Tages eine neue jfidische Musik
origineller Priigung ergeben. Es fehlt hier nicht an betricht-
lichen kompositorischen Begabungen.
Es gibt jetzt wirklich in Palastina und in den Lindern
des Galuth AnfAnge eines jiidischen Musiklebens.
II.
Als die ,Jiidische Rundschau" sich im Jahre
1928 eine Beilage ,,V o n iidis c h e r Musik" angliederte,
war die Situation viel weniger giinstig. Das Vorhandensein
der jiidischen Musik mu8te noch ,,bewiesen" werden; das
Niveau der einschliigigen Konzerte war ,,provinziell", man
hatte nur sehr verschwommene Vorstellungen, was jiidische
Musik eigentlich sei; Kiinstler und Publikum wollten aufge-
kliart, beraten, gef6rdert sein; der neuen jiidischen Musik
muBte der Weg bereitet werden.
Fiur alle diese Bestrebungen war nun ein Zentrum zu
schaffen. AuBer einigen in den Anfingen steckengebliebenen
und langst ilberholten Kantorenzeitschriften, die hauptsach-
lich der F6rderung der Berufsinteressen dienten, gab es
keine Zeitschrift fuir jiidische Musik. (Eine solche ist leider
auch bis heute nur ein sch6ner Traum geblieben!)
Im Zusammenhang mit dem Jubiliurn der ,,Rundschau"
sei ein Hinweis darauf gestattet, welche Rolle das Blatt
innerhalb dieses Entwicklungsprozesses gespielt hat. Die
Musikbeilage war so aufgebaut, daB jedesmal ein Hauptthema
behandelt wurde.
Bei der modernen jiidischen Musik trat sie fiir den dop-
pelten AnschluB ein: an Traditionelles und an die allgemeine
neue Musikbewegung. (Neben Aufsatzen fiber einzelne Kom-
ponisten und Werke brachte sie fortlaufend eine Biblio-
graphie der Neuerscheinungen sowie Verzeichnisse unge-
druckter Manuskripte.)
Bei der Synagogenmusik hat sie immer wieder auf die
Unerlaiilichkeit der oriental-jiidischen Musik hingewiesen.
Gegen die damals noch absolut herrschende ,,Epoche Le-
wandowsky" .- diese Assimilation an die Kirchenmusik -
wurde hier der Kampf aufgenommen. Die Orgel wurde


uns das Verbrechen vorgehalten. Mancher konnte sich nicht
mit unserer Lautlehre abfinden, und wollte unbedingt das
,,Aijn" als einen ,,gequetschten Kehllaut", das ,.Tet" als am
,,mittleren Gaumen ausgesprochenes T, das den nachsten
Vokal verdunkelt", bezeichnet wissen.
Unsere Rechtfertigung, daB unser Fernunterricht nur den
einzigen Zweck verfolgt, der groBen Masse der Ler-
nenden die Anfangsgr inde der Sprache m6glichst un-
kompliziert und in m6glichst gedringter Form beizu-
bringen, und sie nicht durch Ueberhiiufung mit grammati-
kalischen Regeln abzuschrecken (keineswegs war ein ver-
tieftes und wissenschattliches Studium beabsichtigt),
fand nicht immer das Verstaindnis dieser ,,Unzufriedenen".


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in diesem Zusammenhang als Instrument fur den judischen
Kultus abgelehnt, zumal sie der abendlindischen, polyphonen
Kirchenmusik entstammt und mit dem jildischen Melos gar
keine Beriihrungspunkte hat. Die Zusammenhiinge zwischen
der Sprache des jildischen Gebets und seiner Musik wurden
untersucht, die Entstehung und Stadien der Chasanuth.
Die jildische Volksmusik wurde von der unserer soge.
nannten ,,Wirtsv61lker" abgegrenzt. Das Nationale in der
Misik wurde in seiner Problematik herausgearbeitet. Be-
sonderer Wert wurde geleg-t auf die homogene Bearbeitung
der Volksmelodien gemBii den ihnen immanenten Gesetzen.
Weitere Themen waren:
Jugendmusik und Musikplidagogik. Musik in den Biinden;
Liederbiicher; Erziehung zum jiudischen Lied; Zusammenhang
mit den Liedern der palistinensischen Chaluzim. Padagogische
Literature.
Theatermusik. Geschichte, Wesen und Probleme. Ha-
bimah, Ohel, Granowsky; Oper und Kammeroper in Palistina.
- Ostjiidische Operette.
Musikleben. Konzertberichte aus Palaistina, Amerika, Hol-
land, Frankreich, Wien, RuBland; stindige, prinzipielle Musik-
kritik; Kampt fiir die Einordnung jildischer Werke in die
allgemeinen Konzertprogramme; Musikfeste; Radio- und
Schallplattenkritik; Kampf gegen: ,,ehrenamtlichen" Dilettan-
tismus, Protektionswirtschaft, Konjunkturjagd und Bonzen-
turn im Musikbetrieb; Oekonomisches; Beteiligung der Juden
am allgemeinen Musikleben.
Musikwissenschaft. Zusammenhiinge zwischen jiidischer
und orientalischer (besonders arabischer) Musik; jiidische
und frfihchristliche Kultgesinge; Charakterologie der ,jii-
dischen Melodik; vergleichende Musikwissenschaft; V61lker-
psychologisches. Erstmaliger Hinweis auf die jiidische Schall-
platte als wissenschaftliches Demonstrationsmittel; Analysen
und Notenbeispiele. Hebrgiische Musikterminologie (erste
systematische Zusammenstellungen). Historisches. Besondere
Beriicksichtigung der Arbeiten A. Z. Idelsohns. Notation jii-
discher Volksmusik. Ostjiidische und chassidische Lieder.
Musikbiicher.
Musik in Pallistina. RegelmiBige Konzertberichte; Mu-
sikpidagogisches (Schulen, Konservatorien). Vortrage, Litera-
tur, Sammlung palistinensischer Lieder; Oratorium. Musik in
Kwuzoth und Moschawoth, Jugendkonzerte, Bekiimpfung, des
musikalischen Analphabetentums, Konservierung der orientali-
schen Musikilberlieferung; Oper; Hausmusik; Radio.
Enqueten. U. a.: ,,Mein Weg zur jiidischen Musik";
AeuBerungen verschiedener jiidischer Musiker iiber ein Kon-
zert neuer jildischer Musik. ,,Nichtjildische Musiker fiber
jiidische Musik" (Ravel, Nietzsche, Liszt, Berl, Bruch).
Zur Mitarbeit an der Musikbeilage konnten namhafte
Pers6nlichkeiten gewonnen werden, z. B.: Arno Nadel, Erich
Walter Sternberg, Karol Rathaus, Karl Salomon, Felix Saul,
Karl Wiener, Leo Kopf, Wladimir Vogel, Ernst Toch, Me-
nasche Rabinowitz, Norbert Weldler, Joachim Stutschewsky,
Elias .Hurwicz, Alexander Jemnitz, Mieczvslaw Kolinsky,
Oskar Baum, David Werner Rosolio, Heinrich Berl, Heiz
Unger, Oscar Outtmann, Hans Nathan, Peter Cradenwitz,
Erich Werner, Hans Samuel.
III.
Im Zusammenhang mit der Beilage ,,Von jfidischer
Musik" richtete die Schriftleitung eine Pro grammbe -
ratungs- und Literaturstelle ein. Zahlreiche An-
fragen fur Feste, Konzerte, Chorvereinigungen, Jugendver-
bande, zionistische Ortsgruppen usw. wurden beantwortet,
Auskuinfte erteilt usw.
In ca. 150 Stiidten (in Deutschland, Frankreich, Belgien,
Holland, Schweiz. Tschechoslowakei, Jugoslawien, Polen,
Litauen und in Paliistina) hat Schreiberin Vortriige gehalten
und 'Konzerte gegeben, urn im Sinn der Musikbeilage auf-
klirend zu wirken.
Auch dies hat erfreulicherweise vielfach zur Mitwirkung
am gleichen Ziel angeregt.
IV.
Neben der Fortfiihrung aller dieser Arbeiten ist unsere
nichste Aufgabe, ein Zentrum fir jiidische Musi k
in Palistina zu schaffen.
Es soll die gleichgesinnten Kraifte sammeln und in
Verbindung halten und unserer ,,6ffentlichen Meinung" das
Gewissen ffir die gemeinschaftsbildende Bedeutung einer
wirklich echten und lebendigen jildischen Musik schirfen. Es
soil sich nicht nur filr Pflege, Sammlung und Forschung
(und fuir die Situation der Musiker selber), sondern auch fur
die praktische Kleinarbeit verantwortlich fihien, insbeson-
dere filr Erziehung der Jugend zu einem solchen Musizieren,
und was hier besonders wichtig ist ffir das Niveau.


Diese Angriffe verstummten dann aber mit dem Erscheinen
des zweiten Lehrganges, in dem auch der ,,Dagesch chatak"
zu seinem Rechte kam. Interessant ist bei dieser Gelegenheit
zu erwihnen, daB die hebriische Zeitung ,,Dawar", in der
seinerzeit eine Kritik gegen unser System der Vokalisierung
erschienen war, sich nunmehr in dem von ihr eingefiihrten
punktierten Teil vollstiindig nach unserem System richtete.
Im groBen und ganzen muB der hebraische Fernunter-
richt als g r o B e r E r fo 1 g betrachtet werden, und schon die
Tatsache, daB derselbe Fernunterricht in deutschsprachigen
jildischen Zeitungen anderer Linder, sowie in einer polnisch-
sprachigen iibersetzt wurde, beweist, wie sehr wichtig
er filr die Erlernung der hebraiischen Sprache war und
auch gewissermalen eine Bestiitigung der Leichtigkeit unseres
Systems. Auch die Zusammenfassung des Fernunterrichts in
Form eines Buches ,,Iwrith lechol isch" erlaubte binnen
kurzer Zeit eine zweite Auflage und wird in iiber 20 Lindern
verbreitet.

Neue Cellomusik. Joachim Stuts chewsky hat drei
neue Stiicke for Cello und Klavier (,,Kinah"-Klagelied, ,,Me-
ditation chassidique", ,,Frejlachs" eine Tanzparaphrase uiber
ein bekanntes ostjiidisches Tanzlied) komponiert. Der Kiinstler
spielte die Werke bereits in zahlreichen Stadten mit groBem
Erfolg.


Nr.31132, 17. TV. 7935


40 ATTRE ItTDISCITE RUNDSCITAt?


Sifta- 21











BEGRUSSUNGEN

Aus den uns anldf lich des vierzigijhrigen Jubildaums zugekommenen Zuschriften und Begrdfjungen bringen wir nachstehend einen Tell zum Abdruck.
Wir tun dies nicht aus einem Wunsch nach Ruhmredigkeit, aber wir glauben, daf' bei einer 6ffentlichen Angelegenheit, wie sie eine Zeitung darstellt,
die Resonanz, die sie findet, mit zum Wesen geh6rt. Die abgedruckten Zuschriften wurden nur an einigen Stellen etwas gekdrzt oder verandert, namlich
dort, wo der Text nur auf Pers6nliches hinzielte. Doch haben wir auch manches Pers6nliche stehen lassen, well wir der Meinung sind, dafi es ja hier-
bei nicht um eine Person geht, sondern um eine Sache. Einige der Gratulanten haben aber die Freundlichkeiten hinaus in ihre Zuschrift auch kritische
Aeuflerungen eingeflochten. Wir freuen uns, daf3 gerade unsere engsten zionistischen Freunde damit beweisen, dafp aufrichtige Sprache auch bei fest-
lichen Anlassen am Platze ist. Wir haben uns mit diesen kritischen Bemerkungen an anderer Stelle auseinandergesetzt, weil wir der Meinung sind, daft
es auch hierbei nicht um eine Person geht, sondern um eine Sache, und zwar um eine sehr wichtige. Sache. Red,


Dr. Chaim Weizmann ielegraphlert uns aus Rechowoth:
Sie haben immer den Mat zur Wahrheit gehabt, haben die Kraft gefunden, mit klarem Blick
die Wirklichkeit zu offenbaren. Reinen Hersens and mit lanterer Gesinnung haben Sis ruhig und
unuibertrieben gezeigt, was ist and was wir durch eigene Kraft tun k8nnen. Mit relchem Wissen haben
Sie hellsichtig den Weg zum Auiban von Erez Israel beleuchtet. Sie haben friih das Schicksal der
jfidischen Welt in der Golah erkannt. Unerbittlich war Ihre Kritik in den Zeiten des Rufleren Aufstlegs,
beglickend die Haltung in der Zeit des Niedergangs. Sie warden uns ein Trost in schweren Tagen.
Ich danke Ihnen dafiir, dafl die ,,Jfidische Rundschan" immer den ewigen Kraften der alonistischen
Bewegung gedient hat und es abgelehnt hat, sich zum Sprachrohr der Erfolge des Tages zn machen.
Vergessen Sie nie, dali die Verwirklichang des Zionismus mit der Umkehr der jidischen Menschen
verbunden ist and daft ohne Wiistenwanderang kein neaes Volk erstehen kann. Mut und Wahrhaftigkeit
sind die groflen Tugenden, die uns zum Siege fiihren warden. Weizmann


Die Reichsvertretung der deutschen Juden sdhreibt:
Seit Grfindung der Reichsvertretung der deutschen Judeni
hat sich die ,,Jiidische Rundschau" als ein ebenso treuer wie
kritischer Freund erwiesen. M6ge sle besides noch lange blei-
benI Zu ihrem Jubilaum senden wir ihr aufrichtige und herz-
liche Glickwunsche.
Die Reichsvertretung der deutschen Juden
Baeck Hirsch

Dr. Leo Baeck schreibt uns:
Der ,,Jfidischen Rundschau" bring ich zu ihrem vierzig-
sten Geburtstage mine herzlichen Gliickwflnsche dar.
Auch eine Zeitung hat ihre Jahre; Beginn und Jugend
und Manhnesalter folgen in ihr, wenn sie es erlebt, auf ein-
ander, und wcnn sic waichst, kann sic ihre Wachstumskrisen
erfahren, und wcnn sie bleibt, k6nnen ihre Tage zu Zeiten,
ihre Zeiten zur Geschichto werden.
Jode Zeitung ist fur den Tag bestimmt. Aber darin unter-
scheidet sich die eine von der anderen und entscheidet sich
ihr Weg, dafS die eine aus der Stunde heraus und die andere
aus cinem Bleibenden hervor yom Tage und zum Tage spricht.
Die eine ist nur eine Reihenfolge von Blittern, sie hat nur
Zwecke, und sie vergeht mit der Zeit; die andere hat ihr Lebon,
ihr Ziel, and ihre Stetigkeit wird zur Geschichte. Die ,,Jt-
dische Rundschau" hat es erlangt, daB ihr Werden und Wach-
sen zu einem Geschichtlichen geworden ist.
Sic hat es crreicht, vor allem, weil sic koiner Partei und
keiner Gruppe untertan geworden ist. Sic hat einer Bewe-
gung, der zionistischen, dienen wollen; sie hat ihr durch free
Manner, die jedem Blatte aufrechte Gestalt und rechtschaf-
fenen Ausdruck geben wollten, gedient. Der Zionismus began
in Deutschland, das ist hier sein Eigentdimliches, als eine Re-
volution der Jugend. Das war hier seine Starke, und das hatte
schlieclich eine Schwuiche werden k6nnen; denn Jugond wird
eines Tages zur Vergangenheit. DaB das, worm Jugend inner-
lich w-terleben kann, das Geistige, das Ideale, die grofe Hoff-
nung, sich immer neu forme und bilde, das ist die groBe
Aufgabc, die sich die ,,Jiidische Rundschau", je langer, desto
entschiedener, gesetzt hat.
Auch damit ist sic fiber das bloB ParteigemlaBe empor-
gewachsen. Die Bewegung will Kraft scin, Kraft zum We-e;
di Partei mochte Macht warden, haltende Macht. Und alle
Kraft, alle Bewegung will Kraft und Bewegung eines groBen
Ganzen scin. Das Ganze, das jiidische Ganze zuerst schen and
erst von ihm' aus das Gesonderte, das Ilerantretende, das ist
es, was einer. jiidischen Zeitung eine Gr6Be and damit ein
Lebensrecht und eine Lebenspflicht geben kann, fir die es
sich lohnt zu arbeiten und zu wirken. Der ,,Jfidischen Rund-
schau". ist es so zum Zeichen und zum Zeugnis geworden.
Mogen ihr in geschichtlicher Zeit sich Jahre zu Jahren
ffigen I





Der Vorsitzende, der Jidischen Gemeinde
Berlin, Direktor Heinridc Stahl, sdchreibt uns:
Die ,,Jadische Randschau" beghot an cinem der nlchsten
Tage die Feicr ihrcs vierzigjahrigen Bestchens. Ist die Zeit
auch nicht gccignet fur uns, zu jubilieren, so lohnt es sich
doch, solcho Tago als Marksteincme jiIdischer Leistung zu be-
trachten und mit Befriedigung der geleisteten, mit Zuversicht
der kommenden Arbeit zu gedenken.
Die ,,Jiidische Rundschau" hat grade in den letzten Jah-
ren einch besonderon Aufschwung genommen. Sie hatte das
Glick, einen publizistischen Leiter seltenen Grades zu haben,
der ihr Kopf, Ilerz und federfiiihrnde Hand zugleich ist. So
nimmt since im Schrifttum des Judentums fiber Deutschland
hinaus eine allgemein beactte und angesehene Stellung ein.
Der Vorstand der Jfidischen Gemeoinde, fiir den ich
spreche, will daher auch seinerseits nicht an diesem Gedenktag
vorbeigehen. Waren die Meinungen von Gemeindevorstand und
Schriftleitung auch huinfig voncinander abweichend, werden
sic es viellcicht auch in Zukunft sein, gemeinsam wird der
reine Wille scin, nach bestem Willen fur das Judentum zu
wirken, gemeinsam der Wunsch, bestehende Meinungsverschie- -
denheiten in Fairness und Freundschaft auszutragen.


1M. Ussischkin, der Vorsitzende des Keren
Kfajemeth LeJfsrael in Jerusalem, schreibb
Sehr geehrte Redaktionl
Zum 40jahrigen Jubiliumn der ,,Jdlischen RundschauO
send ich Ihnen mine innlgsten Gliickwiinsche.
Im Laufo dioeser 40 Jahre habe ich Ihre Veroffentlichun-
gen mit verschwindend kleinen Ausnahmen eifrigst ver-
foljt. Nach miner Auffassung hat die ,,Jildische Rundschau"
drei Perioden durchgemacht. Die erste fiel in jene Zeit, als
in Deutschland sich nur eine ganz kicine Gruppe zum Zio-
nismus bekannte und das ganze iibrige deutsche Judentum
der zionistischen Bewegung feindlich oder gleichgiiltig gogen-
fiberstand. Ich war stolz auf diese tapfere Minoritat, welche
die ,,Jidische Rundschau" mit so viel Mut gegen die jiidisch-
blinde Welt vertrat, denn es bedurfte eines starken Mutes,
Ideale zu predigen, die in einem schroffen Gegensatz zu den

Nahum S o k o 1 o w, Prasident der Jewish
Agency, telegraphiert uns aus Jerusalem s
Meine herzlichsten Glfickwuinsche an-
lafllich Ihres Jubilaums. Chasak!
Nahum Sokolow

Anschauungen der damaligen deutschen Judenheit standen.
Dicse ersten Jahre der ,,Jiidischen Rundschau", in der sie die
Ideale des nationalen Stolzes, des jidischen Selbstbewufitseins,
der jaidischen Hoffnungen auf eine eigene Heimat inmitten
einer diesen Gedanken feindlichen Welt verkindete, werden
unvergessen sein. Dann kam eine Periode des Sieges; die
,,Rundschau" wurde ruhiger, weniger aggressive, sachlicher,
tiefer. Man konnte den von ihr vertretenen Anschauungen
zustimmen oder nicht AnlaB zu einem heftigen Streit
gaben sie nicht.
Eine Glanzperiode ffir die ,,Jtidische Rundschau" war 'die
Zeit unmittelbar vor dem Wcltkriege, wo sic mutig den Kampf
fur die Vertcidigung der hebraischen Sprache in Erez Israel
aufnalm. Es wird immer cm Ruhmesblatt in der Geschichte
der ,,Rundschau" bleiben, da1f sio es gewagt hat, gegen den
Hilfsverein der deutschen Juden den Kamp f um den Primat
des Hebraischen in den Schulen Erez Israels aufzunehmen.
Dann brach:der Krieg aus, und wieder hatte die ,,Rund-
schau" Gelegenheit, ihren Mut zu zeigen. Das Judentum der
ganzen Welt war zerrissen, Bruder kampfte gegen Bruder auf
den verschiedensten Schlachtfeldern, doch die ,,Rundschau"
verstand es, auch in jener Zeit, eine Harmonie zu schaffen
zwischen ihren Pflichten gogen das Wohnland and ihren
Pflichton gegeniiber den Stammcsgenossen.
Es kam die Nachkriegszeit und plbtzlich erlauben Sie
mir, dies offen zu sagen eine Depression der Kraft und
des Mutes der zionistischen Bewegung. Ich kann mir die Ur-
sachen dieser Depression erklaren. Diese Periode ist kritisiert
worden und wird weiterhin kritisiert werden. Die ,,Rund-
schau" fihrte einen Kampf gegon grof3e Hoffnungen und
Aspirationen innerhalb des Zionismus; diesen Kampf fihrte
sie ehrlich, abor er war schadlich. Diese Periode ist fast gainz-
lich fiberwunden. Dann brach liber das deutsche Judentum die
groBe Katastroplie herein, und es gereicht der ,,Rundschau"
zum unvergangl ichen Verdienst, daB sic mit Stolz den nelben
Fleck des Judeseins trug. Mit dieser Haltung wurde der %chat-
ten der vorhergehenden Periode beseitigt
Zu ihrem 40jihrigen Jubilaum ist mein Wunsch, daB Sie
Ihren Stolz und Ihren Mut nie verlieren, daB Sie unter keiner
Depression die Wiinsche und Aspirationen des jfidischen Vol-
kes aufgeben. Die Stimme des lebendigen Erez Israel dringt
schon jetzt in die entferntesten Ecken der Welt wo immer
Juden aus diesen oder jenen Griinden unterdrilckt werden,
bringt diese Stimme neuen Mut und neue Hoffnung. Und
wenn Sie Ihr 50jdihriges Jubildum feiern werden, wiinsche
ich, daB die Sonne auch dem deutschen Judentum wieder
erstrahlen m6ge, und Sie imstande sein werden, zu Ihrem
Publikum in unserer nationalen Sprache zu reden.
Ich weiB, es ist Uiblich, anlIhihch von Jubillen ntir Gutes
zu sagen und keine Kritik zu auliern, aber mine Anschauung
ist eine andere. Nur derjenige ist ein Freund, der immer
und stets frei und offen die Wahrheit sagt, und als ein sol-
cher Freund beghickwinscht Sie


Dr. J. L. Magnes. der Kanzler der
UniversitIt Jerusalem, schreibt uns:
Ich gratuliere der ,,Jfidischen Rundschau" zu ihrem 40j&h-
rigen Jubilaum, und tue das insbesondere wegen der Haltung
der ,,Judischen Rundschau" in den letzten 15 schicksalsreichea
Jahren.
Sic haben die ,,Jfidische Rundschau" zum Organ des h8chd
sten sittlichen Strebens and Denkens innerhalb des jfdischen
Volkes gemacht. Sie haben niemals versagt, und mit jeder
neuen Krise wurde die ,,Jadische Rundschau" zum Wecker
und goistigen Fihrer.
M6ge die ,,Rundschau" ihren Mut und lhre Weisheit
immer bewahren und immer fOr das Licht und die Wahrheib
katmpfen. Thr








Martin Buber schreibt uns:
Von der ,,Jiidischen Rundschau" wire aus den 40 Jahrev
ihres Bestehens ich kenne sie fast ebenso lange manches
Ruhmliche zu sagen; das Riihmlichste aber ist, wie sie die
Judenheit and das Judentum seit 2 Jahren vertreten hat. Sie
hat es stolz und gelassen getan; aufrichtig, unsre Mangel nicht
besch6nigend, aber sie in ihren wirklichen Dimensionen zei-
gend; mutig, mit einem ruhigen, sachlichen Mut, ohne Bra-
vour and line Unterstreichung; klug, jeder Nachricht die
rechte Sprache und jeder MeinungsauBerung den rechten Ton
verleihend; unbefangen, allem Krampf, aller Gereiztheit, aller
Kleinlichkeit abhold; anpassungsfiihig and auf sich behar-
rend, tatsachentreu und ideentreu zugleich, Charakter and
Niveau in einer Weise verbindend, wie sie in der Presse aller
V6lker nur selten zu finden ist; bedcutend, unvergefolich,
geschichtlich.



Dr. Shmarfa Levin sdcreibf uns aus Jerusalem:
Bis jetzt hat man noch keinen einheitlichen MaBstab ge-
funden, um die Zeitoen zu messen. Es gibt ruhige Zeiten und
bewegte Zeiten. In bewegten Zeiten wickelt sich der historische
ProzeB bedeutend sclmeller ab.
Die 40 Jahre, die die ,,Jildische Rundschau" hinter sicli
hat, mfiiten in verschiedene Zeitabsclmitte eingeteilt werden,
um zu einer richtigen Wertschaitzung der Entwicklung, die
die ,,Jfidische Rundschau" in der Gesamtperiode ihrer Ent-
wicklung durch-emacht hat, zu gelangen.
Wenn ich aber in biblischen Kategorien denke, dann eor
wacht in mir das Bild der einsligen 40jahrigen Wanderung
durch die Wiste, bevor unsere Vorfahren den Rand des Ge-
lobten Landes erreichten. Es bedurfte auch ffr das westeuro-
paische Judentum 40 Jahre der vorbereitenden Arbeit, una
mindestens gedanklich die Wichligkeit des Landes der Ver-
heiBung fur das jiidische Volk einzusehen.
Die ,,Jfidische Rundschau" hat immer auf 'der Wacht
gestanden and bemfihte sich mit ihren besten Kraften, der
westlicien Judenhcit klare Erkenntnisse vom jfidischen Schick-
sal beizubringen. Mit Mut und Ausdauer stand sie beinahe
einsam da, umgeben von Gegenstrbmungen, die das Judentum
aller Erinnerung und Verbundonheit an seine historische Ver-
gangenheit entfremden wollten. Die ,,Judische Rundschaua
strength sich an, um gerade diese Vergangenheit der jfdischen
Historic im Gedachtnis der heranwachsenden Generation wach-
zurufen, damit auch die Zukunft des jiidischen Volkes neu
gestaltet wird.
Nachdem die Wiste, die wir durchwandert haben, hoffent-
lich hinter uns liegt und der Beginn unserer Erlsung kon-
krete Formen angenommen hat, auf die jeder von uns mit
Stolz und Zuversicht aufblicken kann, wiinsche ich den Lei-
tern und den Mitarbeitern der ,,Jiidischen Rundschau", es
soll ihnen verg6nnt sein, ihre ganze Kraft der Schilderung
des Aufbaus zu widmen.






Jushtirai Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des
Centralvereins deutsdier Staatsbirger jildisdzen
Glaubens, sdcreibi an unseren Hauptschriftleiter:
Sehr geehrter Herr Dr. Weltschl
Wenn eine Zeitung wie die ,,Jiidische Rundschau" ant
eine 40jiahrige ehrenvolle Titigke'it zuruickblickt, so ist gewiB
ein AnIaB gegeben, den Dank fuir diese Arbeit auszusprechen,
auch wenn man sich selbst nicht zu dem Standpunkt der
,,Rundschau" bekennt Ich habe immer den Standpunkt ver-
treten, dafl es im jiidischen Leben zwar Vertreter verschie-
dener Meinungen und Weltanschauungen gibt und auch wohl
geben muli, daB niemals aber ein Jude dem anderen al
Gegner gegenfibertritt. Gerade bei Ihnen, sehr geehrter Herr
Dr. Weltsch, darf ich die gleiche Stellungnahme voraussetzem


,(0 YARRE YUDTSCITE RtTNDSCITAO


Nr. 31/32, 17. W. 1935


Seltt- 99






Nr.31/32, 17. IV. 1935 46 IAHRE JCDTSCUE RUNDSCHAtI Sefte 23


auch wenn zeitweise wir in der Vertretung unserer Meinungen
stark aneinanderprallen. Sie sind stets mit Begeisterung fuir
die Palastina-Wanderung eingetreten. Ich selbst stehe mit den
meisten deutschen Juden. auf dem Standpunkt, daB auch aus
dem deutsch-jiidischen Programm die Palaistina-Wanderung
sich gar nicht mehr ausschalten laBt. Auch in dieser Frage
werden wir beide wahrscheinlich stets starke Differenzen auf-
weisen. Dies darf mich aber selbst in einer Zeit, wo diese
Differenzen stark hervortreten nicht hindern, Ihnen zu
dem Jubilaumstage herzlichste Wiinsche fuir die weitere Arbeit
im gesamtjiidischen Interesse zu fibermitteln.
Mit vorziiglicher Hochachtung
Ihr sehr ergebener











Dr. Otto Hirsch schreibt uns:
Lainger als ein Menschenalter steht die ,,Jfidische Rund-
schau" im Dienste des Judentums. Aus einem Nachrichtenblatt
fir einen kleinen Kreis ist sie fur die 6ffentliche Meinung
der deutschen Juden zum Spiegel und zum Wegweiser zugleich
geworden, aus einem Parteiorgan zum Mahner und Wahrer
jfdischer Solidaritat. Der geistige und sittliche IIlochstand
eines Journalismus, dem besonders ihr derzeitiger Haupt-
schriftleiter ein Geprige eigenster Art zu geben verstanden
hat, vers6hnt und befriedigt den Leser auch dort, wo seine
Anschauungen abweichen. Mit solchem Riistzeug m6ge die
,Juidische Rfundschau" auch fernerhin die groBen und schwe-
ren Aufgaben meistern, die heute der jiidischen Pressez in
Deutschland gestellt sindl








Dr. Arthur Ruppin sdireibt aus Jerusalem:
Mit dem vierzigsten Geburtstag beginnt fir einen Men-
schen meist die Hbhe seines Lebens. Wenn ich mir die Ge-
schichte der ,,JRidischen Rundschau" in den 40 Jahren ihres
Bestehens vergegenwartige, so sche ich auch in ihr eiih
'stetiges Aufsteigen von den ersten tastenden Versuichen his zu
der gefestigten H6he, auf der sie heute steht.
Es war kein kleines Wagnis vor 40 Jahren, als die wirk-
lichen Zionisten in Deutschland ein paar Dutzend zihlten,
ieine zionistische Zeitung herauszugeben. Wenn seitdem die
Zahl det Zionisten um das tausendfache gewachsen ist, so
ist dies nicht zum kleinsten Teile das Verdienst der ,,Jtidi-
schen Rundschau". Der deutsche Zionismus ist von der ,,Jii-
dischen Rundschau" unabtrennbar. In ihr schuf er sich das
Organ zur Klarung seiner Ideale und zu ihrer Verbreitung
in immer weiteren Kreisen. Die ,,Rundschau" hatte das
Gliick, daB in den schweren Zeiten des Krieges, in den Er-
schfitterungen nach dem Kriege und bis in die ereignisreiche
Gegenwart hinein an ihrer Spitze Manner standen, die von
tiefer Verantwortung durchdrungen und nicht nur Journa-


listen, sondern Denker und FOhrer waren. Dank ihnen hat
sich die ,,Judische Rundschau" von der Tendenz zur Sen-
sation, die leider so viele jiidische Zeitungen anderer Lander
zeigen, freigehalten und sich bemfiht, den unzahligen Pro-
blemen-des jiidischen Lebens objektiv und tiefschfirfend nach-
zugehen. Es ist unabschiatzbar, was die ,,Jiidische Rundschau"
in dieser Weise ffir die Entwicklung des zionistischen Ge-
dankens in Deutschland und dartiber hinaus getan hat. Sie
ist mit ihrem ungeheuer gewachsenen Leserkeise ohne jeden
Zweifel eines der wichtigsten und vielleicht das wichtigste
zionistische publizistische Organ geworden. Wenn man mit
Recht sagen kann, daB die H6he der zionistischen Bewegung
eines Landes sich in dem Standard ihres publizistischen Organs
widerspiegelt, so kann man sagen, daB der deutsche Zionis-
mus der ,,Jiidischen Rundschau" und die ,,Jidische Rund-
schau" dem deutschen Zionismus zur Ehre gereicht.
Ich kann nur wiinschen, daB in den nichsten zehn Jahren,
die fOr dieAt!imnft unseres Volkes von so entscheidender Be-
deutung sein werden, die ,,Jiidische Rundschau" weiterhin
ihrer Tradition treu bleibt und ihren Teil dazu beitrigt, umn
unserer Sache zum Siege zu verhelfen.
Jerusalem, den 26. Mirz 1935






Hermann Struck, Haifa, schreibi unter anderem:
Es ist mir ein besonderes Vergnfigen, der ,,Jfidischen
Rundschau" meine hcrzlichsten Glickwinsche zum 40jahrigen
Jubiltium zu senden.
Erinnere ich mich doch der bescheidenen Anfinge dieser
Zeitung, die sich einen so geachteten Namen in der Presse der
Judenheit erworben hat.
Ganz besonders erfreuen mich die erfolgreichen Bestre-
bungen der letzten Jahre, die fUr die Eingliederung in Erez
Israel unerliBliche Kenntnis der hebraischen Sprache zu ver-
breiten.
Einen GruB vom Abhang des Karmel zum Ufer der Spree
und ein Hoch dem Geburtstagskind!






Der Sdcriftsteller Gerson Stem schreibt u. a.t
Sehr geehrte Herrenl
Wer sich mit den Fragen des Judentums beschAftigt,
wer sich umrn die Juden in Deutschland sorgt, wer in seinem
Wirken, mit seinem Herzen verflochten ist mit dem, was unter
der Judenfrage im weitesten Siine verstanden wird, kann nicht
unbefeiligt an der Tatsache voriubergehen, da 'die ,,Jiidische
Rundschau" auf 40 Lebensjahre zurtickblickt.
Sie hat der zionislischen Idee gedient; geworben, gerungen,
gekaimpft for diese Idee.... Ich m6chte jedoch ein Besonderes
herausstellen. Die Grofe einer Leistung offenbart sich darin,
daB ihre Auswirkung die Grenzen hinausschiebt.
Es ist nicht mehr statthaft, die ,,Joidische Rundschau" nur
vom Gesichtspunkt ihrer zionistischen Bestrebungen aus zu
werten. Die ,,Jddische Rundschau" ist eine der representative
Vertreterinnen des deutschen Judentums fiberhaupt geworden.
Unzaihligen bedeutet sie eine unentbehrliche Stoitze. Gerade
in den Tagen der ersten Erschtitterung trat sie mit Worten


vor die deutsche Judenheit, die vielen den ilhnen notwendigei
Rfickhalt, Kraft und Wfirde gaben....
Moge die ,,Jijdische Rundschau" dieser, ihrer hohen Auf-
gabe dienen zum Segen der gesamten Judenheit.
Ihr sehr ergebener








Prof. Ismar Elbogen schreibt uns:
Ich erinnere mich des bescheidenen Blattes, das Heinrichl
Loewe mit grB8ter Opferwilligkeit herausgab, des einseitigen
Nachrichtenblatts, das Dr. Becker von dem kleinen Zimmer
der BleibtreustraBe aus veriffentlicht hat, und sehe die heutige
,,Rundschau", die sich zu einer Zeitung gro8en Stils, einem
der wichtigsten Organe der jiidischen 6ffentlichen Meinung
entwickelt hat. Ein gewaltiger Fortschritt! M6ge die Zeitung
immer weiter hinansteigen 'rn R '7'lna.
Zum 17. April 1935.





Die ,,Unabhangige fMisrachdd landes-
Organisation Deutschlands" sdzreibt:
Es ist uns ein besonderes Bedfrfnis, der ,,Jadischeia
Rundschau" anliiBlich ihres 40jahrigen Jubilaums wirmste
Glfickwfinsche auszusprechen und ihr die besten Wiinsche fir
ihre weitere Titigkeit in dem Geist, der sie heute beseelt, zu-
zustellen.
Die ,,Rundschau", es gibt wohl daraiber in positive jifdisch
gerichteten Kreisen keine Meinungsverschiedenheit, ist zur Vor-
kimpferin fiir die Judenheit Deutschlands, aber daroiber hin-
aus ffir Judentum, ffir innere, sittliche Vervollkommnung der
jiidischen Gesamtheit geworden. Die ,,Rundschau", als zio-
nistisches Parteiorgan gegrandet, ist hinausgewachsen fiber den
Rahmen eines solchen Organs, sie vertritt, in der richtigen Er-
kenntnis, daB Zionismus gleichbedeutend -werden mug mit
Judentum schlechthin, den Standpunkt eines totalen Juden-
tums, das alles umfassen mui, was jiidischen Geist beinhaltet.
Die Ehrfurcht vor allem, was legitim jiidisch ist, scheint uns
Voraussetzung zu sein fiir fruchtbringende Titigkeit eines jil-
dischen, eines wahrhaft zionistischen Blattes.
Wir wiinschen der ,,Jiidischen Rundschau", daB sie in die-
sem Geist weiter arbeiten moge. Der Erfolg wird sicherlich
nicht ausbleiben.
Unabhiingige
Misrachi Landes-Organisation
Deutschlands
Alexander Adler

Der 38fjhrige ,,Makkabi" gratuliert der
vierzigjAhrigen ,jiidischen Rundsdchau":
Der ,,Makkabi" wird in zwei Jahren ebenfalls sein
40jihriges Jubilaum feiern. 1897 wurde der ,,Bar Kochba
Berlin" gegrindet, zwei Jahre nachdem die ,,Jfidische Rund-
schau" begonnen hatte, Sprachrohr des erwachenden Zionis-
mus unter den deutschen Juden zu werden. In zunehmendem
MaBe ist die ,,Jodische Rundschau" auch Sprachrohr des
,,Makkabi" geworden. AeuBerer Ausdruck hierftir ist der


KOPFE


DEUTSCHER


ZIONISTEN


Eine Reihe von

deutschen Zionisten,

die in der Exekutive

bzw. der ZVfD. Am-

ter bekleidet haben.


Fotos: Behnke, Sonnenfeld. Archive


David Wolffsohr


Otto Warburg


Arthur Hantke
-S -S '~'/~fWiS A'!3 S-


Arthur Ruppin


Alfred Landsberg Siegfried Moses


t


Nr. 31/32, 1.7 IV. 1935


40 JAHRE'jt7Df'SCT-T RUNrDSCHAV


SeTte 23


M. J- boidenheima ~rdle


JAurt blumenljet


relx nomenobutm






SeIY 2440 AHR JIYDISHE UNDCH~J N. 3132,17.IV.193


Sportteil der ,Jidischen Rundschana, der an dem Gesicht dee
Zeitung nicht mehr fortzudenken ist Gerade in diesen Tagen
ist mir ein Brief von Professor Max Mandelstanmm in die
Hand gekommen, den er am 13. April 1907 aus Kiew an die
damalige ,,Jiidische Turnzeitung" der Vorlauferin der
Makkabi-Zeitung sandte. In diesem Brief heiBt es: ,,Die
Ghetto-Juden fiberbiirden wohl ihre Gehirne mit verschiede-
nem Kram, haben aber vorliufig nicht das geringste Ver-
stindnis ffir kUrperliche Uebungen, ffir Entwicklung und Stir-
kung ihrer Muskeln." Seit dem Jahr 1898 hat die ,,Jfidische
Turnzeitung", die nach dem Kriege ,,Makkabi" genannt wurde,
den Kampf um das Verstandnis fuir die k6rperliche Regene-
ration unseres Volkes unter den deutschen Juden aufgenom-
men. In diesem Kampf ist ihr die ,,Jiidische Rundschau" als
groBere Schwester zu Hilfe gekommen. Wenn heute der
eutsche Makkabikreis mit seinen 20 000 Mitgliedern als kraft-
volles Symbol iir den Gedanken der physischen Regeneration


nseres Volkes gefestigt dasteht, so danken wir dieses nicht
zuletzt der ,Jfidischen Randschau". Die Arbeit fuir die geistige
Erneuerung und das Bemiihen um die physische Regeneration
unseres Volkes geh6ren zusammen. Da6 die ,,Juidische Rund-
schau" die Notwendigkeit dieser Synthese erkannt hat, danken
wir ihr an ihrem Jubilaum.
Dr. Hans Friedenthal


Ferner haben wir eine ganze Reihe von Zuschriften Zio-
nistischer Landesverbdnde, Zionistischer Ortsgruppen Deutsch-
lands und von Einzelpersonen in Erez Israel, Deutschland
and anderen Landern erhalten, die wir nicht alle wieder.
geben k6nnen. Wir massen ans auf eine Au s w a h l on
Zuschriften beschranken, die uns in einer besonderen Weise
charahteristisch zu sein scheinen.


FRUHERE VORSITZENDE DER Z.V. D.
Wir geben nachstehend die Briefe wieder, die wir von den Ifrheren Vorsitzenden der Zionistischen Vereini-
gung fur Deutschland, Dr. Hantike, Felix. Rosenbluth, Dr. Landsberg, Kurt Blumenfeld, samt-
lich aus Paldstina, mit ihren Gluickwanschen zum Jubildum unseres Blattes erhalten haben. Die Red.


Jerusalem, den 31. Marz 1935
Vierzig Jahre ,,Jiidische Rundschau" Vorzeit, organi-
ratorischer Adifbau, geistige Entwicklung des Zionismus in
Deutschland werden vor uns lebendig. Weit Uiber den Kreis
des deutschsprechenden Zionismus hinaus war die ,,Jaidische
Rundschau" in all diesen Jahren eines der Hauptinstrumente
des Zionismus. In ihr spiegelte sich jahrein, jahraus das
Niveau der Bewegung. Sie war eine der eisernen Klammern,
die den Zionismus in Deutschland und darfiber hinaus zu
einem einheitlichen Korper heranwachsen lieBen und iber alle
Differenzierungen des modernen jfidischen Lebens hinaus die
Einheit sicherten. Fur uns Zionisten aus Deutschland, die den
Weg nach Erez Israel gefunden haben, ist sie die Verbindung
mit unserer geistigen Heimat, mit dem Zionismus, in dem wir
aufgewachsen sind und der in unserer ,,Rundschau" seinen
vornehmsten publizistischen Ausdruck gefunden hat. Der Zio-
nismus, nicht nur die ,,Jiidische Rundschau" sieht heute auf
ein erstes Entwicklungsstadium von 40 Jahren zurfick. Die
Fundamente sind gelegt. Das erste Stockwerk des jfidischen
Aufbaus in Palastina schreitet schnell vorwarts. Aber die Zei-
ten sind ernst geworden. Die Deutung der Zukunft der jui-
dischen Golah ist schwieriger denn je. MAge auch im neuen
Stadium der Entwicklung die ,,Jfidische Rundschau" sich die
Liebe, die Zuneigung und die Anerkennung bewahren, die sie
sich in 40jahriger pflichttreuer, ergebener Arbeit erworben hat.





Tel-Awiw, im Mirz 1935
In der Zeit der Umwalzung erwies sich die ,,Jidische
Rundschau" als starkste geistige Macht im deutschen Juden-
tum, ein ,,Moreh Newuchim" (Fiihrer der Verwirrten), wie
man imn Jahre des Maimonides-Jubiliums versucht ist, zu
sagen.
Die auBerordentliche Leistung der letzten Jahre ware nicht
mfglich ohne das, was frfiher die ,,Rundschau" war. Nur des-
wegen war sie ihrer Aufgabe in der Stunde historischer Pro-
blematik gewachsen, well sie erprobt war in der Erwagung
des Gegensatzlichen, Konflikthaften und Unlsbaren. Ihr
Thema war Wirklichkeit und Geist, Sittlichkeit und Politik,
Menschlichkeit und Nationalismus. Auch die Problematik der
deutsch-jiidischen Situation war hier in vergangenen Jahren
oft genug kritisch durchleuchtet worden. Sie war eine Schule
des Geistes, nicht minder als eine Zeitung. Solch ehrliche Ge-
dankenarbeit tragt Friichte, wenn platzlich hochste Anforde-
rungen an Haltung und Klarheit gestellt werden.
Man kann der ,,Jidischen Rundschau" nichts Besseres
wfinschen, als daB es ihr gelingen mage, die Stellung zu
wahren, die sie sich im deutschen Judentum errungen hat.






Tel-Awiw, im Mars
Dieses Jubilaum der ,,Jidischen Rundschau" ware ein Er-
eignis, auch wenn es n ur um das vierzigjahrige tapfere
Bestehen einer Zeitung ginge. Aber es geht umn mehr als dies:
die ,,Rundschau" ist identisch mit der judischen Renaissance-
Bewegung in Deutschland, und sie wurde, insbesondere in
den letzten fiinfzehn Jahren, weit fiber die Grenzen des deut-
schen Sprachgebietes hinaus ein manchmal eigenwilliges, aber
stets lebendiges und kiimpferisches Organ der zionistischen
Bewegung uiberhaupt.
Zuerst waren es wenige, die sich um sie scharten. Nach
der weltpolitischen Anerkennung des Zionismus weitete sich
der Kreis und blieb dennoch klein, gemessen an der GrfBe
der Aufgabe, fur die sic kiampfte. Sie going, unberfihrt von
Gegnerschaft und Angriffen aus allen Lagern ihren Weg, den
steinigen Weg einer groBen Idee, die ihrer Zeit voraneilt.
Nur so war sie imstande, als einziges Organ des deutschen
Judentums, den gro8en Umbruch im Schicksal der deutschen
Juden vorauszusehen und bereit zu sein, als dann vor zwei


Jahren die Schicksalswende eintrat. Auch wir, die wir in
Erez Israel das Ende einer Epoche der juidischen Geschichte
- nicht nur Geschichte des deutschen Judentums mit-
erlebten, konnten ermessen, was es ffir das ganze Yolk be-
deutete, daB sic in den Tagen der Verzweiflung zu stolzem
Bejahen und Bekennen aufrief. Ihr und der Idee, der sie
den Weg gebahnt hat, ist es zu danken, daB das deutsche
Judentum die Prufung bestand, daBft es mit dem Versinken
von Formen und Anschauungen einer Umwelt, der man sich
allzu sorglos ganz verschrieben hatte, nicht zerbrach.
Wir, der kleine Kreis derer, die es trieb, sich in die vor-
derste Front zionistischer Arbeit zu stellen, erleben einen
solchen Tag des Einhaltens und Gedenkens in dem begreif-
lichen Gefuihl der Genugtuung, daB sich manche schwere
Stunde, manche drfickende Sorge, mancher Augenblick tiefster
Verzweiflung fiber Unverstandnis und Blindheit des eigenen
Volkes gelohnt hat; daB die Mauer des Schutzes und der inne-
ren Sammlung, die wir bauten, heute viele umfa8t, die
friiher drauBen standen, daB sich der Gemeinde unserer
,,Rundschau" heute alle positive und aufrechten Kraifte des
deutschen Judentums zurechnen. Unwichtig ist es dabei, daB
der engere ,,Rundschau"-Krcis von friiher sich nicht recht
damit abfinden will, wenn Inhalt und Gewand nunmehr der
machtig gewachsenen Leserschar entsprechend vielfaltig ge-
staltet werden muBte und manches, was uns friiher die
,,Rundschau" so vertraut machte, jetzt zuweilen in den Hinter-
grund tritt.
Es folgen nun einige der Person des Schriftleiters
gewidmeten Sdtze, and der Briefschreiber fdhrt dann fort:
Ich weiB, daB ich Ihre GedankAn treffe, wenn ich als-
dann einen anderelf Naitien nenne, der gleichfalls mit der
Geschichte der ,,Jfidischen Rundschau" und mit ihrem Ehren-
tag untrennbar verbunden ist. Neben der Redaktion ist die
Geschaftsfiihrung Fundament einer Zeitung. Diese Geschiifts-
leitung nahm Betty Frankenstein vor 25 Jahren auf
sich und trug sie in trenester, aufopferungsfreudigster Hin-
gabe all diese Jahre hindurch. Wir in Erez Israel nehmen
jetzt von ihr, nachdem sie von schwerer Krankheit wieder-
hergestellt ist, Abschied, urn sie in Gedanken zu ihrem alien
Wirkungskreis zu geleiten. Diese Ruickkehr der treuesten ihrer
Huiter ist das sch6nste Jubilaumsgeschenk fur unsere ,,Rund-
schau";
Lieber Dr. Weltsch, die Jahre, in denen ich das Glack
hatte, in engster Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihren Mit-
arbeitern zu stehen, waren gar nicht leicht, aber sie waren
fOr mich die sch6nsten irn Galuth seit dem Tag, an dem
ich wu8te, daB es nichts Hheres gibt, als der Renaissance
seines Volkes zu dienen. Ich wfinsche der ,,Judischen Rund-
schau", allen ihren Mitarbeitern und Ielfern, vor allem aber
Ihnen selbst weiterhin Zuversicht, StUirke und Erfolg.
In Trene








Jerusalen, im MArz
Die ,,Jfidische Rundschau" begleitet die Entwicklung des
Zionismus 40 Jahre lang. Ein groler Teil der heutigen Leser
wird sich erstaunt fragen: Gibt es uberhaupt solange eine zio-
nistische Bewegung, hat man schon vor 40 Jahren das Wesen
der Judenfrage erkannt, gab es schon damals eine klare
Stellung des Zionismus gegentlber der nichtzionistischen Welt?
Im GrOndungsjahr der ,,Judischen Rundschau" lebten die
Juden in Deutschland fast ausnahmslos in der Vorstellung,
daB der soziale Aufstieg ihre wichtigste Aufgabe sei. In einer
saturierten Welt erklang damals die Stimme der jungen zio-
nistischen Bewegung. Es war eine idealistische, glaubige, opfer-
willige Bewegung, die in einer feindlichen Welt einem Ziel
zustrebte, das in weiter Ferne lag, in einer Ferne, die der
Blick des politisch denkenden Menschen kaum zu durchdringen
vermochte.


Unsere Zeitung war klein an Umfang, klein Abo
nentenzahl, aber sie war ein mutiges, kampffreudiges BlatL
In den letzten Jahren vor dem Krieg hat die ,,Jildische
Rundschau" immer wider versucht, den Zionismus als das
pers6nliche Problem jedes einzelnen Juden darsustellen. Sie
versuchte, die zionistische Entscheidung im juidischen Men-
schen herbeizuffhren, unabhangig von den &aueren Bedin-
gungen des Lebens, unabhangig vom Nutzrweck. Es sollten
Menschen erzo'en werden, deren Zionismus unbedingt war,
die Zionisten b ieben, auch in Zeiten, in denen Palitstina ver-
schlossen war, deren Glaube und Sicherheit nicht durch auBers
Vorghnge gestirkt werden mu8te. Sie waren Zionisten aus
innerer Notwendigkeit und dieser Zionismus verlieh ihrem
Leben einen vollen Sinn.
Im Zusammenhang mit dieser Ueberzeugung kampfte die
,,Jfidische Rundschau" fur den Sieg des ,,praktischen"
Zionismus, trat sie ein ffir kolonisatorische Arbeit in Eres
Israel, lemhte jede formelhafte und mechanische Auffassung
des Zionismus ab. Der nur formal Nationalismus der ersten
Periode wandelte sich; man began sich urn konkrete Vor-
stellungen von einem neuen Judentum und von der Wirklich-
keit Palastinas zu kummern.
Die ,,Jtidische Rundschau" hat in dieser Zeit die er,
zieherische Arbeit des deutschen Zionismus entscheidend
f6rdert. Sie war der sichtbare Exponent der sich ausbreitern
den Zionistischen Vereinigung flir Deutschland, ihre Wirkung
war auch in der zionistischen Bewegung der Welt spairbat
Die Haltung der ,,Judischen Rundschau" in den Jahrei
des Weltkrieges ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte des
deutschen Zionismus. Juden und Nichtjuden fuihlten damals,
daB unsure Zeitung mit Wiirde und Stolz die jiidische Sache
vertrat. Pflichterffillung verbunden mit dem Geffihli fit
Distanz war die Parole in jenen Jahren.
Damals lemrnten die deutschen Juden rum erstenmal die
Juden des Ostens in ihren Wohlnlandern kennen. Die ,,Jfildische
Rundschau" stellte das Sonderschicksal der judischen Minder-
heiten dar und suchte an L8sungen mitzuarbeiten, die der,
juidischen Gemeinschaft in den Ostl&ndern ein menschenwolr-
diges Dasein als Sondergruppe gewahren. Leo Herrmann and
Salman Rubaschoff gaben der Zeitung Richtung und Cha-
rakter.
Keine Zeit schien dem Zionismus so ungunstig ru seiu
wie die Nachkriegsjahre. Die Juden glaubten die volle Ver-
wirklichung der Emanzipation zu erleben, alle zentrifugalen
Krafte im Judentum sahen sich bestditigt. Zwar gab es die
vblkerrechtliche Anerkennung des Judischen Nationalheims
durch die Balfour-Deklaration, aber die praktische Aussjcht
schien denen zweifelhaft, die fiberall in der Welt verlockehde
Zicle shcen; neben der Fuille der MAglichkeiten erschien Erez
Israel als ein sch6nes Symbol, aber als eine dfirftige Wirk.
lichkeit.
In dieser neuen Epoclie wrden in der unter neuer Redak-
tion stchenden ,,Judischen Rundschau" zum erstenmal soziale
und wirtschaftliche Fragen des Aufbaus Palastinas in den
Mittelpunkt geriickt.
Die Hachstforderungen an den einzelnen Zionisten mnd
an die zionistische Gemeikschaft w-ren mit der Forderung
verbunden nach einer realen Wurdigung der politischen Ver-
hAiltnisse. Damals wurde die ,,Rundschau" zur wichtigsten sio,
nistischen Zeitung.
Die Leistung der letzten beiden Jahre, die auf der festen
Grundlage einer langen Tradition m6glich war, ist den jetaigen
Lesern der ,,Rundschau" bekannt. Nicht alle aber wissen, daB
die ,,Jidische Rundschau" als einzige jfidische Zeitung nicht
n6tig hatte, einen Stellungswechsel vorzunehmen.
Die wichtigsten Leitartikel aus den Jahren 1930 und 1931,
in denen die Stellung der judischen Gemeinschaft in der
nichtjfidischen Welt bchandelt wird, unterscheiden sich in
ihrer Richtung in nichts von den Artikeln, die im Jahre 1933
so groves Aufsehen in der judischen Welt erregt haben. Die
,,Judische Rundschau" hat die Entwicklung vorausgesehen und
sie konnte so sich selbst treu bleiben. Vor 40 Jahren sang
Heinrich Loewe, der erste Redakteur der ,,Rundschau", ,,die
Farbe, die voreinst uns schinden sollte, wir wahlten sie au
unserem Ehrenmal". Vor zwei Jahren erschien der die jildische
Welt aufs tiefste erregende Artikel von Robert Weltsch ,,Tragt
ihn mit Stolz, den gelben Fleck". Es ist e in e Linie.
Die ,,Jfidische Rundschau" vertrat immer einen palastino-
zentrischen Zionismus, sie hat sich in allen Zeiten gegen An-
griffe aus dem eigenen Lager mit Kraft und Stolz gewehrt,
sie war eine unbestechliche Kritikerin, nicht nur der nichtzio-
nistischen Welt, sondern mehr noch der eigenen Bewegung.
Sie stand immer im Kampf, hat aber immer die person-
liche Ehre des Gegners respektiert, hat sich niemals in die
Niederungen der pers6nlichen Auseinandersetzung begebcn.
Die ,,Jfldische Rundschau" ist grog geworden. Der augBere
Erfolg tragt aber in sich auch eine Gefahr. War sie einmal
eine Zeitung ffir geschulte Gesinnungsgenossen, so ist sie heute
ein Blatt ffir die Masse der deutschen Juden geworden Die
Versuchung besteht, die Peripherie starker zu berucksichtig6a
als den zionistischen Kern.
Die ,,Jiidische Rundschau" soll sich heute an ihrem 40. Geo-
burtstag an ihre gro8e Vergangenheit erinnern. Das Judentumn
in Deutschland kann sich nicht damit beruhigen, daB es durch
die Verhaltnisse zu einem offenen Bekenntnis seiner Art ge-
zwungen worden ist. Auch diejenigen, denen der Weg nach
Erez Israel verschlossen ist, werden ihr Leben nur als Zio-
nisten ertragen kOnnen.


H ei *eit Haustrinkkuren mit natOrlidchen Heilquellen sind irztL
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der 33000 To. groBle Luxus-Uebcr-eedampfer
,,Roma" zur Verfuogung gstellL. [Dies hat Herrn
Prof. Ch. Weizmann veranlalt., der Direklion
des ,,Lloyd Triestlino" seine besondere Anerken-
nung mit folgenden Worlen auszusprechen:


.- -


B i I d ob e n: Der Dampfer ..Rorma- i.' 300 To.)
verildlf mit den Teilnehmern an der dies-
jahriqen Alakkabiah, von einer gro/.en Zu-
schauermenge lebhaft begruf t, den Hafen
von Triest. Der Daonpfer hat l1650 Pia-agqire
aus allen L.)ndern Eur-opus in Haifa ge-
landet, ein bisher noch nichi erreichecr FI'ekord.
Bild links: Zweibictfli r Aul,'inkabir.eder Tou-
ristenklasse auf denim D[miiper,,Gerus limme-'.
Bild links unten: Eine der vicrbelltien
Kabinen, iiber die der Damnpfr,.(crua ,leniime--
in der Touristenklasse verffigt.
Bild rechts unten: Teilansicht des einen
Speisesaals auf D. ,,Galilea" "- far die
Reisenden der Touiristenklasse bestimmt.

FotoI : Lloyd Trizetino


TAN 1:. j?"


~o- ~ ~ w~gt' 07


heute das beste darstellt, das eine Grofreederei
ihren Kunden zu bieten vermag.
Gleich nach Errichtung dieses Dienstes schlo$
der ,,Lloyd Triestino", auch hier wieder als
Bahnbrecher wirkend, ein Sonder-Abkommen
mit der Jewish Agency fiber die Bef6rderung
zionistischer Passagiere.
Die rasche Steigerung des Palastina-Verkehrs


,,Ich h6re mit Vergniigen, daB der ,Lloyd
Triestino' den Makkabim auf ihrem Wege
nach Palastina seine wohlbekannte Gastlich-
keit bietet. Ich freue mich, feststellen zu kon-
nen, daB ich mehrfach Gelegenheit hatte, die
Ueberfahrt von und nach Palaistina mit den
herrlichen Schiffen des ,Lloyd Triestino' aus-
zuftihren, und mich dabei von den Annehmin
lichkeiten der fur die nach Palastina reisen-
den Touristen und Auswanderer bestimmten
Einrichtungen zu fiberzeugen. Ich habe ge-
sehen, daB die Gastlichkeit und die unseren
Passagieren gebotene Behandlung, wie auch-dia
Sorgfalt und Bereitwilligkeit, mit der jede An-
regung fuir etwa noch magliche Verbesserungen
aufgenommen wird, nichts zu wiinschen fibrig
lassen, und als kleines Zeichen meiner Dank-
barkeit sende ich dem ,Lloyd Triestino' diese
Zeilen, verbunden mit den besten Wiinschen
fOr eine erfolgreiche Entwicklung der Linie
und die weitere Zusammenarbeit zwischen ihr
und uns." gez. Ch. Weizmana


Sie fahren

GUT, BILLIG,

ZUVERLASSIG

mit den Schiffen des





TRIESTINO


Nahum Sokoloff, Prasident der Jewish
Agency, auf dem Dampfer ,,Palestina-' vor der
Abreise von Trieft zur Makkabiah.


LLOYD


SeRfe 28


40 A-;RE ItTDfSCFTE RVNDSCHfAt


Nr. 31/32, 17. rv. im3


~-::







Nr. 31/32, 17. IV. 1935 40 JAHRE JUDISGHE RUNDSCHAU Seite 29


Jiidische Kulturarbeit

in Deutschland und Palastina
Von Dr. Ernst Simon, Jerusalem
L
Die jildische Kulturarbeit in Deutschland steht heute hunter
"ldem ebenso chancenreichen wie gefahrlichen Zeichen der
Konjunktur. Die iluBeren Verhiiltnisse haben viele deutsche
Juden auf die jiidischen Gehalte zwangsweise zurfickgeworfen,
und man ergreift diese weniger ihres Wertes halber als um
einen seelischen und gedanklichen Hohlraum auszufillen, der
vorher anders besetzt war. Die Hurtigkeit, mit der sich
manche umzustellen wissen, kann mitunter peinlich, die Starr-.
heit der ,,ewig Gestrigen" demgegenfiber sympathisch wirken.
Es ist nicht immer wertsteigernd, mit dem Strom zu
schwimmen.
Und trotz alledem: die Geschichte hat die deutschen
Juden zu ihrem unverlierbaren, unbestreitbaren und unab-
dingbaren K ern gefiihrt. Das, was ilbrig bleibt, wenn alles
andere zer- und abfillt, das innerste Judentum ist es, aus
dem die Kulturarbeit unter den deutschen Juden heute Kraft
und Schwung zieht. Tausendmal entstellt und mi8braucht bleibt
die Wahrheit doch Wahrheit. Uns lautet sie, daB in der
groBen symphonisch zusammenklingenden Melodic der Mensch-
heit unsere Tonart die jfidische ist, diie einzige, die wir
ganz rein beherrschen, ganz voll verstehen.
Das deutsche Judentum lernt heute seine alte Tonart
aufs neue.
II.
Jildische Kulturarbeit in Erez Israel ist ein vielgeprie-
senes, doch recht vernachlissigtes Stiefkind, insbesondere
in diesen letzten Jahren der wirtschaftlichen Hochbliite.
Die hebrAiische Sprache herrscht im Amtsbetrieb, aber
.durchaus nicht in allen Familien; man ist, in Umkehrung
eines Leitwortes der Haskala, allzu oft ,,Jude drauBen und
Mensch drinnen". Die Volksschulen reichen keinesfalls aus,
um alle Kinder in ,,schulpflichtigem" Alter eine Schul-
pflicht besteht jedoch nicht! aufzunehmen, und eine be-


Das einzige Spezlalgeschgft
MASSONFENTION Frankfurta.M.,Kaserstr.7ONETON


denklich groBe Anzahl von Kindern geht gar nicht oder
nur his zum 10. Jahre zur Schule. Die Mittelschulen ringen
schwer mit den Problemen der inneren Judaisierung (statt
einer formalen Hebraisierung), der staatsbirgerlichen Er-
ziehung, der Abgrenzung gegen den padagogischen Absolut-
heitsanspruch mancher palistinensischer Jugendbewegungen;
die Universitdit wird nur sehr allmdihlich ein wirklicher Fak-
tor im Leben des Landes. Auch Presse und Bilhne stecken,
mit europaischen Malstiben gemessen, im Grunde noch
in den Anfangen, und die Erwachsenenbildung wird meist
in ganz veralteten Vortragsmethoden gefibt.
Vor allem aber: die Frage des Judentums als solchen,
seines Sinns und seiner Aufgabe, scheint hier unwichtig.
Eine falsche und oberfliichliche, aber sehr weit verbreitete
Selbstverstindlichkeit des Judeseins tritt an die Stelle der
echten Problematik, die von der Weltlage und der politisch-
wirtschaftlich-geistigen Lage der Juden in der. Welt ebenso
erfordert wilrde wie von der durchschauten Situation Palii-
stinas selbst.
III.
Steht es mithin so, daB in Deutschland die juidische Er-
ziehungsarbeit auf die ja jede echte Kulturarbeit abzielen
muB ernstere Erfolgsaussichten hat als in Erez Israel?
Scheinbar ja, aber eben nur sehr scheinba r. Es ist ebenr
jene Scheinbarkeit, jene Schattenhaftigkeit des jijdischen
Lebens in Deutschland, das zu einem oft nur scheinbaren,
unverpflichteten Hinh6ren, ja auch ,,Tun" fiihrt und es zu-
liB1t, w5hrend die voile Wirklichkeit Palidstinas gerade
dies verbietet. Gewil ist es der Stimme des geistigen Juden-
tums heute in Erez Jisrael schwerer, sich h6rbar zut machen,
als vielleicht irgendwo sonst aber wenn sie hier ein-
mal geh6rt wird, dann wird man ihr mit dem vollen Lebens.
einsatz gehorchen mfissen, ohne M6glichkeit zu Fiktion und
Ausflucht. Das fuhlt man hier, und deshalb stellt man sich
taub; ganz so, wie man in Deutschland leicht hellh6rig sein
kann, weil man nur in den seltensten Fillen fuir das auf-
genommene Wort ganz wird eintreten miissen. Daher ver-
wandeln sich Menschen so oft, wenn sie aus Deutschland
hierher kommen; nur wenige bringen die Kraft auf, auch
in Pallistina das wenigstens versuchsweise zu verwirklichen,
was sie sich in Deutschland predigen lieBen und selber pre-
digten. Auf diese Wenigen, Harten, kommt es an: sie ver-
binden die echte jildische Kulturarbeit in Deutschland mit
der in Erez Israel.
IV.
Wir dfirfen der ,,Jildischen Rundschau" zu ihrem 40. Ge-
burtstag sagen, daB sie zwar nicht immer, aber immer
wieder zu diesen Wenigen und Harten geh6rt hat. Kritisch
gegen die Konjunktur in den eigenen Reihen, kritisch auch
gegen die Taubheit im jiidischen Lande, war sie skeptisch
aus Glauben und stark in der Zeit groBer Not. M6ge sie
in besseren Tagen weiter unsere Lehrerin sein!


DIE JUNGE GENERATION GRATULIERT


Vierzig Jahre ,Jildische Rundschau", das heiBt Erziehungs-
arbeit an drei zionistischen Generationen. Von
der dritten, jenen Menschen also, die heute zwischen 20 und
30 sind, ist hier die Rede. Ihr Weg ins Leben unterschied
sich wesentlich von dem ihrer beiden Vorgingerinnen. Aber
auch die zionistische Bewegung war in ein neues Stadium
getreten, hatte griindlich Charakter und Aussehen gelindert,
als sie zu ihr fand.
Wie hatte die Zeit diese jungen Menschen geformt? Als
sie Kinder waren und sprechen und verstehen lernten, klang
furs erste und dann dauernd meist Not und Schmerz und
Entsetzen an ihr Ohr. Da war wenig von jener Sonne zu
verspiiren, die die Kindheit fruiherer Generationen durch-
leuchtet und erwirmt hatte. Und als sie dann in jenes Alter
kamen, wo sich aus tausenderlei Eindrijcken Ansichten und
Anschauungen zu bilden beginnen, brach in der Welt der
Erwachsenen ein ganzes Jahrhundert mit seinen so uner-
schuitterlich geschienenen Begriffsgebduden zusammen und be-
grub hunter seinen Truimmern gar viele Orientierungsm6glich-
keiten. Die jungen Menschen mul3ten, ganz auf sich ge-
wiesen, nach einem Halt in dieser schwankenden Zeit
schauen. Friihere Generationen muBten sich bloB einordnen,
hatten nur die ,,Qual" der Berufswahl. War diese Frage ein-
mal beantwortet, dann lieB es sich fuir weitere Jahrzehnte nach
einem ungefihr absehbaren Plan leben, dann gab es eine
Z ukun ft. In dem Menschen zwischen 20 und 30 zitterten
noch die Jahre des Wachsens nach, aber er konnte sich
bereits mit beiden FiiBen in diese Welt stellen. Das gab ein
Gefuihl der Ruhe und Sicherheit. Was weiB die Generation
von heute davon; sie hat noch ein ganzes Leben v o r sich
und sieht nicht zehn Schritte weit ihren Weg.
Fir die jidi sc he Jugend gibt es noch eine Reihe zu-
sAtzlicher Schwierigkeiten. Fuir sie ist jene Mauer wom6glich
noch h6her aufgetiurmt. An ein e r Stelle jedoch wurde sie
durchbrochen und durch diese Liicke dringt zu ihr Licht und
Helle. Dort, wo der Zionism us in den jiidischen Lebens-
bereich eingedrungen ist. Es ist vielleicht noch unabsehbar,
was alles der Zionismus fuir das juidische Volk bedeutet. Aber
eins ist sicher: fuir die jiidische Jugend unserer Tage bedeutet
er die einzige gestaltende und Richtung weisende Kraft in
ihrem Leben. Die Beriihrung mit ihm fiihrt zu einem Auf-
gabenkreis, der Aktivitit und Bewaihrung fordert und dem
eigenen Schaffen das Signum der Fragwiirdigkeit nimmt. Das
Aufbauwerk in Paldistina verlangt unaufh6rlich nach jungen
Menschen, die sich mit dem ganzen Einsatze ihrer jungen
Kraft auf den Boden dieser RealitAt zu stellen gewillt sind.
Hier ist Aufgabe und Sinn beisammen, der junge Jude sieht
ein Licht in dem ihn umgebenden. Grau.


Aber auch die zionistische Bewegung hatte inzwischen
den Gang in eine neue Wirklichkeit angetreten.,
Nach der Erreichung der politischen Voraussetzungen stand
e.,sie vor ihrer eigentlichen Aufgabe: demr..A u f b.u.ia'li -
t i n as. Jetzt erst :tachtenr' ihre ureigen ten Probleme auf;
Genfigten bis dahin Treue und Begeisterung fur die Idee und
Bewegung allein, so mufite man jetzt von jedem einzelnen
Anhainger auch Bewahrung fordern. Hiell Zionismus einst
Kampf und Diskussion, so gesellten sich jetzt ,,Tat,
L e is t u n g" hinzu und Ainderten den MaBstab, der fur zio-
nistische Bewiihrung fortab angewendet werden sollte. Zionis-
mus war nicht mehr eine blofle Angelegenheit eindrucksvoller
Feierstunden, eine Summe von Bekenntnissen, Auseinander.
setzungen, Makkabaerreden usw. jetzt war er eine ewig
nach vorne drdingende Bewegung, die keiner Beschaulichkeit
mehr Raum bot. Die Jungen brachten gerne ihre ganze
Person zum Einsatz dar. Und es drohte, zwischen ihnen und
jenen ,,Alten", die wenig Verstaindnis daffir aufbrachten, ja
manchmal sogar hindernd im Wege standen, eine Kluft auf-
zubrechen. Wenn uns dieser Kampf der Generationen im zio-
nistischen Leben bis zu ein'em gewissen Grade erspart ge-
blieben ist, so ist dies vor allem dem Umstande zuzuschrei-
ben, daB auch entscheidende Teile der ilteren Generation
mit offenen Augen in die neue zionistische Zeit eingetreten
waren. Sie verstanden die Jungen und diese fanden in ihnen
erfahrene Genossen auf dem weiteren Wege. Die ,,J u d i s c h e
Ru n d s c h a u" war wohl das Sprachrohr der ,,erwachsenen


Erfahrungen mit dem Leser
Von Ludwig Feuchtwanger, Mfinchen


Liebe Redaktion I


M iinche n, Ende MArz 1935


Heute komme ich als einer aus der groBen Schar ihrer
fiber alle Lander verstreuten ungeduldigen und anspruchs-
vollen, dankbaren und undankbaren Lese r, um Ihnen zum
40jAhrigefi Geburtstag Ihrer Zeitung Dank und GruB zu sagen.
40 Jahre sind im Leben einer Zeitung wie 80 Jahre im
Leben eines Menschen und 120 Jahre im Leben eines
Menschen d i e s e r T age! Ich habe mir oft fiberlegt, wenn
ich, wie in den letzten Jahren, begeisterte und kritische, ja
ungerechte Urteile fiber die ,,Jildische Rundschau" h6rte (sie
bleiben nie aus, am Anfang, in der Mitte oder am SchluBf
eines GesprAchs ob es um Umschichtung, Wihrungsfragen,
Kindererziehung oder Atomtheorie geht), wie phantastisch aus-


Generation" aber die Jungen vernahmen hier eine Sprache,
die ihnen verstindlich war. So wurde die ,,Rundschau" zur
Briicke zwischen den Generationen.

Die ersten beiden zionistischen Generationen multen ig
ihrem Kampfe um den Durchbruch der zionistischen Idee in
den Tagen des Zurickfindens zu jiidischen Werten, besonders
im Westen, immer wieder die Konzentration des Interesses
und der Titigkeit auf den j(idischen Lebensbezirk fordern.
Das konnte eine innere Bereicherung, aber auch eine: Ein-
'engung des geistigen Horizontes ffir jene bedeuten, die sich
ffir diesen Weg entschlossen. Eine Ber ei cherun g: weil die
'Rickkehr zum Judentum die Entdeckung einer neuen'.Welt
bedeutete, die Konfrontierung mit kulturellen SchAtzen von
ungeahntem Reichtum und Sch6nheit; weil sich nun neue
groBe M6glichkeiten verpflichtender und darum befriedigender
geistiger Chancen er6ffneten. Aber in der gleichent Reich-
weite wenn nicht noch naher lag auch die Schatt e n-
se it e: das mit der Riickkehr zu sich selbst motivierte Des-
interessement an allem Geschehen ringsum. Wir haben, die
,,Sorglosen" spaiter gar oft in der zionistischen Bewegung an-
getroffen. Sie haben nicht nur in Palastina vor allen Pro-
blemen, die nicht die schon von weitem sichtbare Vignette
,,jildisch" trugen, die Augen verschlossen, und als sie sie dann
spiter 6ffneten meist unfreiwillig -- war es vielfach zu
split. Und wir begegneten ihnen: heute wiederum in unheim-
lich starker Zahl und sie verschlieBen, geblendet von dem
Glanz der Prosperity, vor manch lebenswichtiger Frage die
Augen. Und auch in der Galuth begegnen wir ihnen auf Schritt
und Tritt.
Die ,,Jildische Rundschau" hingegen hat uns immer wieder
zugerufen: Oeffne die Augen, blicke um dich! Beachte deinen
Nachbarn und seine Welt! Seine Wege kreuzen die
unsrigen, wir werden noch oft miteinander in Beruihrung
kommen. Sie lehrte uns, daB es unm6glich sei, das Araber-
problem mit ein paar billigen Gesten abzutun, die Entwick-
lung Paldistinas gesondert von der des fibrigen Orients zu
betrachten. Sie wies uns an, den Partner England nicht nur
von der jildischen Seite aus zu schauen, sondern auch seinen
eigentlichen Stand- und Ausgangspunkt, die englische poli-
tische und kulturelle Tradition, und auch die Psyche des Eng-
landers kennenzulerhen. Wir sind auf diese Weise umr'etliche
Illusionen gekommen, denen wir nicht nachzutrauern geden-
ken. Denn solcher Verlust bereichert. Die Methodik politischer
Betrachtung, die wir in der ,,Jildischen Rundschau" angewandt
fanden, das Ernstnehmen aller in der politischen Welt wirken-
den Faltoren, die strenge- Distanzierung von einer vielfach
praktizierten ironischen Ueberheblichkeit gegeniiber gegne-
rischen o'ler uns nitht wohlgesinnten Bewegungen hat uns in
die Lage. gesetzt, manche der Krifte, die heute das politische
und 'auch kulturelle Bild Europas gestalten, schon zu einer
Zeit kennenzulernen und in ihrer Wirksamkeit richtig einzu-
schitzen, wo man auch im judischen Kreise noch mit beson-
dere, Vodrliebe ihnen gegenilber die Position des Vogel StrauB
bezog; und die Wirklichkeit.hat uns dann. gelehrt,, da'. .maa
eine solche Position nicht friih genug. verlassen kann. .

War also die ,,Jiidische Rundschau" affr eine unnach.
giebige und gestrenge, jedem Sentiment verschlossene'Mahne-
rin, eine Gouvernante mit dem mahnend erhobenen Finger?
Nein, ihre Forderung nach unbedingter Einhaltung der Wahr-
heit und Strenge auch sich selbst gegeniiber entsprang einer
tiefwurzelnden Liebe zum Judentum undd'zu den
J u d e n. Wieviele ihrer Betrachtungen zu juidischen Festen und
Feiertagen haben uns das Tor in die Vergangenheit ge6ffnet,
jiudische Generationen vor uns.achten und lieben gelehrt, haben
uns stolz und freudig gestimmt! Da spannte sich weit der
Bogen zwischen eihst und heute, und wir spriiten uns inr ge-
schichtlichen Raum, in dem erst unser Tun seinen eigentlichen
Sinn erfuhr.
Anstindige und wahre Gesinnung erprobt sich in schwie-
rigen Stund6n. Sie allein demaskieren und entbl6Ben. Was in
solchen Zeiten Gr68e zeigt, hat Wert und Bestand. Die
,,Jildische Rundschau" hat diese Feuerprobe bestanden.
Daffir gebiihrt ihr, unserer Lehrerin, auch unser Dank,
Und unser Dank sei unsere Gratulation.
Dr. Hans Lich twitz (Prag)


einander gehend und einander ausschlieBend die Motive sind,
aus denen Ihre Leser Ihre Leser geworden und geblieben sind,
wie grundverschieden das ist, was sie in der ,,Rundschau"
suchen und von ihr verlangen.
Die Tageszeitung, die wir am Morgen, Mittag und Abend,
zum Frihstick, auf dem Geschiftsweg, im BUiro lesen, die
m ii ss e n wir alle lesen, um iiber die Tagesereignisse orien-
tiert zu sein, aber sie haben nur die Vokabel ,,Zeitung" gemein
mit I hrer Zeitung. Wir lesen und lernen in der ,Rund-
schau", seufzen auch hie und da, wie dort, aber wir filhlen
uns zu Haus. Auf die ,,Rundschau" w a r t e n wir ungeduldig,
wir lesen sie mit einem anderen Herzschlag.
Man miilte der Mond in Andersens ,,Bilderbuch. oline
Bilder" sein, die Hgiuser wie Spielzeug aufklappen und in
die Herzen sehen k6nnen, wollte man die erfiillten und nicht-
erffillten Wiinsche kennenlernen, die Ihre Leser tagaus, tagein
an Ihre Zeitung stellen, wollte man das gerfihrte Lob, .die
still Dankbarkeit und, nicht zu verschweigen, die fiberlegene


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Seite 29







Sette 30 40 J'AHRE TtJDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32. 17. IV. 1935


Geste von obenher deuten, die t5glich, im stillen, in unzAh-
ligen Hausern, am Stammtisch, zwischen Tuir und Angel sich
abspielen, wenn an die ,,Jiidische Rundschau" gedacht oder
von ihr gesprochen wird. Die meisten fangen beim Annoncen-
Teil an. Nicht mit Unrecht! Es ist ein Gemeinplatz, daB zwi-
schen den Zeilen der Anzeigen Trag6dien ablaufen, aber auch
alle anderen Genres der Bfihne. Man sehe nicht auf die herab,
die nur fiur die Sportnachrichten Interesse haben! Aber man
zeige auch Toleranz gegen die, die sich auf ,,PaliAstina"
stiirzenl Familien-Nachrichten sind aulerhalb Berlins auBerst
beliebt. Und am liebsten liest der Empfiinger der ,,Rund-
schau" sich selbst, in jeder Form angerichtet.
Einer Ihrer Abonnenten, bei dem ich jiingst die ,,Jiidische
Rundschau" sah, sagte mir, er sei keineswegs Zionist, ja
sogar heftiger Gegner der zionistischen Idee, aber die ,,Rund-
schau" sei das einzige Blatt, das er lesen k6nne. Ein anderer
machte mir was ich an Sie weitergeben muf den Vor-
wurf, daB er nach dem hebraischen Sprachkurs in lhrer Zeitung im
vorigen Jahr noch nicht hebriisch sprechen k6nne und bei der
mneuen schwierigeren hebraischen Sprachecke nicht mehr mit-
kime. Ich habe Freunde, die wichtige Essays und wissenschaft-
liche Artikel nach der Lektuire ausschneiden, aufbewahren,
in einschligige Biicher, die das gleiche Thema behandeln,
einlegen. Aber mein Sohn sagte mir jiingst, daB er und seine
Kameraden lange, gelehrte Aufsaitze, die nicht vbllig gemein-
verstAndlich abgefaBlt seien und systematisch erworbenes Wis-
sen voraussetzen, fiir einen Greuel, fiir unjournalistischen
Dilettantismus und ungenieBbare pseudowissenschaftliche Bel-
letristik halten; man muisse sich unsere ,,Illustrierten" zum
Muster nehmen. ,,Ich lese die ,Jiidische Rundschau"', sagte
mir ein Kaufmann, der den ganzen Tag mit seinem kleinern
Wagen die Kundschaft besuchen muB, ,,weil sie etwas ganz
anderes ist als die Blitter, die ich tiglich lesen mull; sie
ersetzt mir Romane, Kino, Theater, Predigt und Gebet -
am liebsten lese ich die Leitartikel und schwierigere beleh-
rende Aufsatze iiber Stoffe, die mir neu sind; ich lese die
,Rundschau': nicht wie ein gewbhnliches Zeitungsblatt, son-
dern trage sie immer bei mir und studiere darin in langen
Wartestunden unterwegs; ich empfinde die ,Jiidische Rund-
schau' als das gr6olte Aktivum des deutschen Judentums." -
,,Ich lese die ,Jildische Rundschau' nicht mehr", erzAhlte mir
neulich ungefragt ein jiidischer Grolkaufmann, ,,weil doch
immer wieder das gleiche drin steht und mir Paliistina jetzt
genfigend vorgestellt ist."
Ich habe Ihnen einen winzlgen Ausschnitt aus dem Stim-
mengewirr lhrer Leser anliBlich des 40jihrigen Jubilaums
gegeben. Ich meine, das wird Sie in Ihrer bisherigen Haltung
bestairken, nur dem Allerbesten und Gesiebtesten den Zutritt
zu geben, dem Alltag, unseren Sorgen in- und aufferhalb des
Landes das gleiche Recht einzuraumen wie dem groBeA ewigen
Thema unseres Wesens und Werdens, unseres geistigen Da-
seins tnd unserer materiellen Zukunft. Di6 Leser za hl Ihrer
,,Rundschau" wird etwa das Fiinffache der Kii u ferzahl
ausmachen. Und welche Leser! Keine ,,B.-Z."-Leser! In Pa-
listina wird die ,,Jiidische Rundschau" zweimal in der Woche
so sehnlichst erwartet wie in Berlin und in der frankischen
Kleinstadt, sie wird auch anderwAirts genau so aufmerksam
gelesen. Das kann nur daran liegen, daB Sie so ,,unjourna-
listisch" sind, wie man Ihnen vorwirft, daB Sie so wenig
parteilich eingeschworen sind, wie man vielorts bedauert. DaB
Ihre Leser so viel an Ihnen auszusetzen haben, macht Ihre
Stirke und Unentbehrlichkeit aus; sonst wiren Sie wie jede
andere Zeitung so beliebt und so ,,wegwerfend" behandelt.
Bitte bleiben Sie, wie Sie sind: ein Grundpfeiler der Judenheit,
in und auBerhalb Deutschlands.
Mit herzlichen Grifien
Ihr Ludwig Feuchtwanger


AnliBlich des 25jahrigen Regierungs-Jubiliums K 6 n i g
G eorgs von England hat die Stadtverwaltung von Tel-
Awiw einmiitig beschlossen, die KarmelstraBe in K 6 nig -
G e.o r g- Stra B e umzubenennen.


DIE DEUTSCHEN EINWANDERER


H a if a, Anfang April 1935
Der Reisende aus Deutschland, der den Fortschritt des
jildischen Aufbauwerkes in Palistina betrachtet, begegnet auf
Schritt und Tritt dem Einwanderer aus dem Kreise der Olej
Germania, und nicht weniger zahlreich als diese pers6nlichen
Begegnungen sind die Unterhaltungen, die man mit Angeh6ri-
gen a ll e r Gruppen des Jischuw fiber die besonderen P r o -
bleme und Sorgen der deutsch-j idischen Eij-
wanderer fifhrt.
In der Tat ist das 6ffentliche Interesse am
Schicksal gerade dieser Einwanderergruppe besonders groB.
Das liegt nicht nur daran, daB die Tragik der Geschehnisse,
die das deutsche Judentum in den beiden letzten Jahren
betroffen haben, auch hier aiuBerst intensive empfunden wird,
sondern ist auch in der Tatsache begriindet, daB das 6st-
liche Judentum und somit auch der Zionismus in Osteuropa,
der bisher das Hauptkontingent der Palistina-Einwanderer
stellte, stets die Bedeutung der ideologischen Fundierung
des Zionismus erkannte, wie sie in Deutschland und vom
deutschen Judentum aus erfolgte. In dieser Erscheinung wirkte
sich ja gleichsam ein letter Ausliufer der geistigen Suprematie
des deutschen Judentums im 19. Jahrhundert aus. Es war
fur viele schmerzlich zu seen, daB das deutsche und
das gesamte westliche Judentum praktisch nur einen so
geringen Anteil am realen Palistina-Aufbau nahm. Um so
gr6Ber ist das Interesse, das Wohlwollen und auch die Kritik,
die in Erscheinung treten, nachdem eine Masseneinwanderung
auch aus Deutschland eingesetzt hat.
Es ist heute gewiB nicht m6glich, audh nur eine vor-
liiufige Zwischenbilanz davon zu geben, was diese Alijah
aus Deutschland dem Lande gebracht hat, bzw.. wie ihre
Lage und ihre Perspektive ist. Im Gegenteil muB mit
aller Eindringlichkeit festgestellt werden,
daB auf keinem Gebiete heute die M6glich-
keit besteht, von endgiiltigen, absolut ge.
sicherten Erfolgen oder auch von entspre-
chenden, nicht mehr gut zu machenden Mi 3.
erfolgen zu reden. Das gilt zunichst und in erster
Linie fir die Frage der wirtsch aftlichen Eingliederung.
Ohne 'Zweifel hat eine grofle Zahl von Unternehmungen
einen guten Start gehabt. Man kann aber weder bei land-
wirtschaftlicher Ansiedlung noch bei handwerklichen, indu-
striellen oder kaufminnischen Betrieben, die h6chstens zwei
Jahre alt sind, vielfach noch nicht einmal solange bestehen,
ein Urteil dartiber abgeben, ob der Versuch gegliickt ist
oder nicht. Das gilt sowohl von all den Unternehmungen,
die refissieren, wie auch von anderen, die mit groBen An-
fangsschwierigkeiten zu kimpfen haben.
Im allgemeinen wird von allen dazu berufenen Instanzert
des Landes betont, daB die wirtschaftliche Eingliederung der
Olim aus Deutschland keine unverh i It nism ai B ig grolen
Schwierigkeiten im Vergleich mit anderen Einwanderergruppen
gemacht hat und macht. Wenn man von den bestehenden
Hemmnissen relative viel spricht, so liegt dies in erster Linie
daran, daB die Oeffentlichkeit sidh im allgemeinen viel
weniger um das Ergehen der Einwanderer zu sorgen pflegt,
und daB eigentlich zum ersten Male bei der deutsch-juidi-
schen Alijah so etwas wie eine organisierte Hilfe
seitens des Jischuw und der nationalen Institutionen in Er-
scheinung trat.
Trotzdem soll man nicht verkennen, daB d e r k r iti sc h e
Punkt ffir eine zahlenmiiBig nicht geringe
Zahl von Einwanderern noch bevorste4ht. Es
gibt unter der Gruppe der Mittelstindler, die als sogenannte
,,Kapitalisten" ins Land gekommen sind, nicht wenige, die
von ihrem -1000-Kapital zehren, und zwar nicht nur die-
jenigen, die aus irgendwelchen besonderen Griinden noch nicht
zur Existenzgriindung gekommen sind, sondern auch manche,
die zwar bereits etwas unternommen haben, jedodh ihren
Lebensstandard nicht genfigend einzuschriinken verstehen.


Diese Kreisie leben teilweise noch von der Substanz und
gehen naturgemaiB einer kritischen Periode entgegen.
Betrachtet man die Hauptlinien der 6konomi.
schen und sozialen Aufgliederung der deutscher
Juden in Palistina, so kann als gr68tes Aktivum konstatierP
werden, daB ein gewaltiger Teil den Weg zur produktiven,
k6rperlichen Arbeit gefunden hat, und daB ein erheblicher
Prozentsatz hiervon aufs Land gegangen ist, sowohl in die
Kwuzoth und Kibbuzim wie auch als Arbeiter in die Moscha-
woth und als Einzelsiedler an verschiedenen neuen Punkten
des flachen Landes. In dieser Beziehung rangiert die deutsch-
jildische Alijah heute durchaus v or wichtigen anderen
Gruppen, die ins Land kommen. Ueberall wo eine gr6Bere
Zahl von Menschen, die ihr angeh6ren, arbeitet, lobt man
ihren Arbeitseifer und ihren Willen, sich den Bedingungen
des Landes und eines einfachen Arbeitslebens anzupassen.
In einem zunachst merkwiirdig erscheinenden Gegensatz
hierzu steht die Tatsache, daB auf der anderen Seite durch
diese Einwanderung eine Uebersteigerung der Le-
bensgewohnheiten, ja eine ZiIchfung von Luxus und
eine Ueberteuerung gewisser Bedarfsgiiter eingetreten ist, wie
es Palistina bis dahin noch nicht kannte. Der Gegensatz
ist allerdings nur ein scheinbarer. Eine grole Zahl deut-
scher Juden, die aus Grolstadten ins Land gekommen sind,
war in der kurzen Zeit, die sie von ihrem fruiheren Leben
scheidet, noch nicht fihig, sich von den altgewohnten Lebens-
formen zu trennen. Nur ein Teil aller Menschen besitzt ja
die Elastizitit, die notwendig ist, um r a s c h den Uebergang
zu anderen Gewohnheiten zu finden. So ergab sich die soziale
Basis daffir, daf die verschiedenartigsten Unternehmungen
des Luxusbedarfes in den Stiidten Palastinas er6ffnet wurden,
und diese Basis wurde auch noch dadurch erweitert, daB
bedeutende Schichten der Bev6lkerung, die ganz anderent
Kreisen entstammen, ihre in der Zeit der Prosperitit ent-
standene gr6lere Kaufkraft nur allzu willing dazu benutzen,
um ihren Lebensstandard zu erh6hen und auch Luxusbedfirf.
nisse zu befriedigen. Das gilt nicht nur vom Bfirgertum,
sondern auch von bedeutenden Gruppen der gut verdienen-
den stiidtischen Arbeiterschaft.
Niemand, der ernsthaft fiber den tatsichlichen Stand der
palistinensischen Wirtschaft nachdenkt, kann leugnen, dali
es sich hierbei um eine ungesunde Erscheinung han-
delt. Es ist sicher, daB gerade die Unternehmungen dieser
Art bei einem ersten Nachlassen der Konjunktur zunaichst be-
troffen sein werden. Wenn also diese Gabe der Einwanderer
aus Deutschland fiur das Land zwar ein Danaergeschenk ist,
so mu8 dennoch darauf hingewisen werden, und es wird
heute auch allgemein anerkannt -, daB die Entfaltung der
palistinensischen Wirtschaft durch sie neue Impulse erhalten
hat. Einwanderer aus Deutschland haben I n d ust r ien en t-
w ic k et, die in der Zukunft berufen sein werden, das
Gesicht des Landes stark zu verindern. Eine Fahrt durch
die industriellen Vorort-Siedlungen von Tel-Awiw oder Haifa
ist in dieser Hinsicht h6chst aufschluBreich. Eine groBe Zahl!
von Fachkriiften aus Deutschland hat zahlreichen Zweigen des
Wirtschaftslebens bedeutende Energien zugefiihrt und schon
jetzt dazu beigetragen, daB das Q ualit fi tsniveau vieler
Erzeugnisse sich gehoben hat. Eine damit durchaus in
Parallele zu setzende Erscheinung ist die Befruchtung, die
der Jischuw durch die Einwanderung zahlreicher Wi s s en -
schaftler und Kiinstler von Rang, insbesondere auch
von qualitativ besonders hervorragenden Aerzten erlangt
hat. Mag auch im Einzelfalle die Konkurrenzfurcht gelegent-
lich iiberwiegen und zu ungerechten Beurteilungen fiihren -
die 6ffentliche Meinung des Landes erkennt dieses Positivum
durchaus an.
Es gibt in diesem Zusammenhang natfirlich auch manches
Problematische, das stark in die Augen fillt. Eine gewisse
Zahl deutsch-jildischer Einwanderer ist bestrebt und zwar
ohne Riicksicht auf ihre frfihere zionistische oder nichtzio-


AUF ,I DINGEN



STEHT DIE WELT


Erza1lung von
6. Fortsetzung


GERSON STERN
Copyright Verlag Erich Reisn, Berlin
7. KAPITEL


N eben der Madchenschule lag ein Padagogium fuir Kna-
ben. Was bedeutete das ffir die Miidchen? Nichts.
Was bedeutete es ffir die Knaben? Nichts. Man sah
sich, man beachtete einander nicht. Die Midchen hatten
andere Gedanken als die Knaben und die Knaben andere als
die Madchen. Die Lehrer waren da und die Lehrerinnen,
und jeder hielt sich fiir verpflichtet, iiber die Tugend der
Schuiler zu wachen.
Aber der beste Wachter war und blieb Fraulein Dr.
Meyer. Sie war nicht nur der Schrecken der Schillerinnen.
Der Schrecken umfaBte selbst die Lehrer. Fraulein Dr. Meyer
war sehr kurzsichtig. Sie beugte sich etwas nach vorn. Es
schien, als schnfiffelte sie ein wenig. Mit den Schiflern und
Schiilerinnen verhielt es sich so: Man sah sich, man beachtete
einander nicht. Wenigstens schien es so. So schien es allen,
Bis auf Fraulein Dr. Meyer. Sie schniiffelte. Sie roch
Sodom und Gomorra.
Da waren die Miidchen von dreizehn Jahren, die heim-
lich untereinander kicherten und rot wurden und plotzlich
schwiegen, wenn Fraulein Dr. Meyer so ganz zufallig und
unerwartet zwischen ihnen stand. Einmal meinte Fraulein
Doktor, ein Zettelchen in der Hand von Albertine Gregor zu
sehen. Fraulein Doktor stieB wie ein Habicht auf Albertine
los, packte deren beide Hainde. Sie waren leer.
Ja, diese Madchen, die ihre dreizehn Jahre trugen in Jubel,
in Erwartung, in Freude und in Scheu und heiliger Scham.
Ihre Augen leuchteten und lachten wie eine still Heraus-
forderung. Und in ihnen war doch eine Reinheit, die nicht
iiberschattet wurde von dem kommenden Drangern.


Da waren diese Jungen von ffinfzehn Jahren. Was wollten
sie? Nichts, eigentlich nichts. Aber ein Stickchen Erwachen,
ein Stfickchen Eitelkeit, ein Stiickchen Abenteuerlust, ein
Stuickchen Spielen mit der Gefahr trieb sie. Nicht jeden. Aber
manche. Mancher entdeckte pl6tzlich, daB dieses Madchen und
niemals eine andere ftir ihn auserwiihlt ware. Und sie wurde
von ihm erwiihlt, fiir vier Wochen, zuweilen sogar fuir longer.
Kleine Kassiber flogen auf ratselhafte Weise in die rich-
tigen Hande.
Es kam vor, daB man sich zufillig bei Bekannten traf
und sehr verlegen wurde. Die Kiihnsten verabredeten, sich
im Stadtpark oder auf dem Wall zu treffen. Man griiBte,
man sagte sich guten Tag. Vielleicht going man soweit, ein-
ander die Hand zu geben. Es war furchtbar aufregend. Und
jeder war eigentlich froh, wenn das Abenteuer gliicklich
beendet war. Man hatte ffinf Worte gesprochen, meistens
fiber Fraulein Meyer. ,,Sie" hatte gekichert, ,,er" hatte ver-
sucht zu lachen. Man war im Stimmbruch. So kam nur ein
Grunzen heraus. Aber jeder erinnerte sich lange dieser un-
glaublichen Begebenheit.
Hedda hatte diese Vorgange als Unbeteiligte miterlebt. Sie
hatte gelacht, gekichert and war rot geworden, wenn Friu-
lein Doktor sich heranpfirschte. Eines Tages befand sich
auch in Heddas Hand ein Zettel. Ein Zettell Er brannte,
Es war ffirchterlich. Hedda wurde so rot, daB sie sich biickte,
um sich bei dem gerade vorsto8enden Fraulein Meyer nicht
zu verraten. Es hatte sich wie von selbst ein Beobachtungs-
dienst gebildet. Auf ein Zeichen wurde der Zettel ent-
faltet. Zwanzig Madchen versuchten, fiber Heddas Riicken
mitzulesen:
,,Sehr geehrtes Fraulein! Heute nachmittag beim Nach-
hausegehen werde ich Sie um 4 Uhr griigen. G. M."
,,Ein gebildeter Mensch", meinte Dora Reder, die als
Autoritit galt.
Da hustete der Beobachtungsposten, und schon in der
nichsten Sekunde stand Fraulein Doktor zwischen den Miid-
chen, die erschreckt aufschrien. Hedda hatte den Zettel rasch
an Albertine weitergegeben. Fraulein Doktors Nfistern bliihterr
sich. Sie eilte auf Albertine zu. Die drehte sich rasch herum.
Fraiulein Doktor faBte sie von hinten. Albertine schob blitz-
schnell den Zettel in den Mund, kaute ein-, zweimal und
schluckte ihn herunter. ,,Zeig Deine Hiinde", schrie Fraiulein
Doktor. ,,Mach Deinen Mund auf", schrie Fraulein Doktor.
.,Was hast Du eben heruntergeschluckt?."


,,Einen Bonbon", sagte Albertine. Sie war schneeweiB.
,,Du" liigst", schrie Fraulein Doktor. Albertine blieb
stumm. Sie stand blaB und ruhig da. Friiulein Doktor sah
von Hedda auf Albertine, von Albertine auf Hedda.
Hedda war von ffinfzelmhn Madchen begleitet, als sie nach
Hause going. An der Ecke der K6nigstraf.e stieBen sie auf
ffinfzehn Jungens, die ihre Kappen zogen und grfiBten. Es
waren Obersekundaner. Die Madchen waren sehr verlegen.
Obersekundaner? Nun, Dora Reder hatte ja von einem ge-
bildeten Menschen gesprochen. Hedda sah nicht auf. Sie hiitte
nicht aufsehen k6nnen. Es war Albertine, die ihr zuflfisterte:
,,Hedda, es ist Georg Manfeld. Er hat Dich angesehen."
Heddas Tage anderten sich. Sie hatte sich mit Georg auf
dem Wall getroffen. Fast funf Minuten hatte man zusammen
gesprochen. Und beim Abschied hatte Georg Hedda die Hand
gegeben. Es kam eine groBe Scheu in ihr auf. Aber das
eigentlich Aufregende war: man hatte sich verabredet, auf
der bevorstehenden Kirmes zusammen in der russischen
Schaukel zu fahren. Das war neu. Das war noch nie ge-
schehen. Bald wu8te es die Klasse, Hedda und Georg fahren
zusammen in der russischen Schaukel. Die beiden werden
sich spater heiraten.
Es war Kirmes. Es war ein klarer Sonnentag. Die Buden-
straien waren erfiillt von der treibenden Menschenmenge. Die
meisten Besucher stauten sich bei den groSeren Zelten und
bei den Karussells. Heddas Klasse hatte heute eine besondere
Neigung fur die "russische Schaukel. Man fuhr darin, man
umstand sie. Auf einmal stieBP man sich an. Hedda kam, und
gleichzeitig entdeckte man von der anderen Seite Georg. Er
war sehr sorgfaltig angezogen. Hedda grtifite und schritt auf
die Kasse zu. Hedda war etwas blaf, aber sie going, ohne
sich umzuschauen. Man empfand, daB" sie sich sehr gut be-
nahm. Da stand Georg neben ihr, ganz zuftillig in dem
Augenblick, als sie in eine Gondel einsteigen wollte. Georg
griBte. Es sah ziemlich kuhl aus. Beide stiegen ein. Das
liesenrad, das die einzelnen Gondeln in einem grofen Kreis
von unten nach oben and wieder herunter ftihrte, setzte sich
in Bewegung. Die Midchen stiegen einander an. Sie winkten,
sie lachten, sie waren ziemlich laut, denn es herrschte groBer
Lirm auf dem Platz. Sie beobachteten die beiden. Sie riefen
einander Scherzworte zu: ,,Seht, er halt ihre Hiinde. Gleicli
gibt er ihr einen KuB. Pardauz, jetzt hat sie ihn. Dieser
Georg and diese Heddal Die sind lustig!" So going es weiter.


40 JARRE JU7DISCHE RUNDSCHAU


Seite 30


Nr. 31,132, 17. rV. 1935






Nr. 31/32, 17. IV. 1935 40 TA 7IRE TtIDISCT-TE RUNDSCflAU Selte 31


nistische Gesinnung die Gefilde der Prosperity mit aller-
st~rkstem Ellenbogengebrauch ffir sich abzugrasen. Nun ist
man im heutigen Paliistina in dieser Hinsicht weder ver-
wShnt noch zimperlich aber hier liegen eben doch Falle
vor, die aus der Masse herausragen. Ueberhaupt muB man
die Feststellung machen, daB dort, wo Einwanderer aus
Deutschland die Schranken durchbrechen, die sie sich in ihrem
frfiheren Leben selbst zu setzen pflegten, sie besonders radikal
verfahren. So ist nicht zu leugnen, daB diejenigen, die den -
wenigstens in den Staidten vorhandenen nicht gerade sehr
h6flichen Ver k e h r ston ffir sich akzeptieren, den Formen
der ,,iibertiinchten H6flichkeit Europas" besonders energisch
Valet gesagt haben.
Die seelische Lage der Einwanderer ist selbst-
redend nicht auf eine Formel zu bringen. Schwer ist die
Situation jener alten Zionisten, die mit Anspriichen ins
Land kamen, die sie aus ihrer langjiihrigen Arbeit fir Pa-
listina ableiteten. Sie haben erkennen miissen, daB das Land
gerade dem Zionisten eine Fiille von Verpflichtungen
auferlegt ohne die Bereitschaft, heute und in dieser Gene-
ration elnen Dank dafiir abzustatten. Schwierig ist auch die
subjective Lage derer, die von Palastina die Vorstellung
bereits verwirk li ch ter zionistischer Ideale hatten, und
rnun erkennen miissen, wie entfernt wir gerade heute im
Stadium der groBen Expansion von den meisten dieser Vor-
stellungen sind. Man muB aber hoffen, daB gerade aus diesem
Kreis solche Menschen hervorgehen werden, die auch in
Paliistina e i n s at z be re it bleiben und for die Durchsetzung
unserer Forderungen eintreten werden, sobald die M6glich-
keit fur sie gegeben ist, von einem festen sozialen Stand-
ort aus auf die oft chaotisch anmutenden Krifte einzuwirken.
Denn eines steht fest: M6gen auch diejenigen heute viel-
fach am besten refissieren, die unbelastet von Theorien und
Idealvorstellungen ins Land gekommen sind e s wird
eine Zeit kommen, in der jene Ideen wieder
h6here Geltung haben, ja in der sie vielleicht die
Voraussetzung daffir sein werden, umrn im Existenzkampf zu
bestehen. -
Einwanderer aus Deutschland in Pallstina! Sie bilden trotz
allen Gemeinsamkeiten kein einheitliches Ganzes, und darum
ist ihre Beziehung zum Jischuw und seinen Aufgaben wie
auch umgekehrt ihre Beurteilung durch den Jischuw nicht
einheitlich. Es gibt Vieles an Spannungen und MiB-
verstindnissen wie auch Bedeutendes an Verstand-
nis und Hilfe. Niemand kann iibersehen, daB die Ein-
gliederung deutscher Juden sozial und kulturell gesehen ein
ungeheures P r o b lem ist. Es ist bis jetzt nur zum kleinsten
Teil gelost und doch ist es eine der groBen Ueber-
raschunge n, an denen eine Pallistinareise so reich ist,
welche Leistung auch auf diesem Gebiete bereits vollbracht
ist. GewiB stehen die deutschen Juden in Pallistina noch v or
den Beweisen ihrer pi o n i e r ha ft en Leistungsfiihigkeit im
Sinne anderer jiidischer Gruppen, die diesen Beweis bereits
hinter sich haben. Aber auch wenn die AuBeren Bedingungen,
die das Land heute den Einwanderern bietet, leichtere sind
als in der Vergangenheit, so ist die Umstellungsfahigkeit und
Eingliederungsm6glichkeit breiter Schichten des deutschen
'Jdentums in Palastina erwiesen und dies Ist die s ta r k e
16f f nung ffr unsere Zukunft, die 'man in dieser Be-
zlehung mitnimmt, wenn man die Notwendigkeit einer immer
engeren Verbindung des deutschen Judentums mit Pallistina
erkennt. K. L.


,,Von Juden betrogen"
Die ,,Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 14. April
Vringen ein Inserat, worin es heilt:
,,Firmen und Geschiiftsleute, die insbesondere wahrend der wirt-
mchaftlichen Krisenjahre von Juden betrogen oder gesch.digt oder
deren Notlage ausgenutzt worden ist, wollen zum Zwecke einer ge-
ameinsamen Aktion ihre Anschrift bekanntgegen hunter usw."
Wenn demand betrogen oder geschaidigt wird, so soil er
sich gewiB zur Wehr setzen. Warum aber eine spezielle
,,Aktion" gegen Juden damit verbunden sein soil, ist hunter
sachlichen Gesichtspunkten unverstandlich.


Gegen
unzeitgemiafle Veranstaltungen
Die Reichsvertretung der deutschen Juden
teilt mit:
Die Reichsvertretung hat vor einiger Zeit, wie bereits
mitgeteilt, bei den jildischen Gemeinden und Organisationen,
den jiidischen Zeitungen und Gemeindeblittern eine Aktion
unternommen, um Zahl und Form der jiidischen Veran-
staltungen der Lage des deutschen Judentums anzupassen.
Diese Anregungen haben, wie wir mit Befriedigung fest-
stellen konnten, beinahe bei allen in Frage kommenden
Stellen Verstandnis und Bereitschaft zur Durchfiihrung ge-
funden, und wir diirfen erwarten, daB die Zahl der Ver-
anstaltungen aller Art noch welter vermindert werden wird.
Bedauerlicherweise gibt es noch immer einige wenige Kreise,
darunter leider auch Untergruppen jiidischer Organisationen,
die es mit dem Ernst der Zeit fiir vereinbar halten, Fest-
und Ballveranstaltungen abzuhalten.
Wir wissen uns mit der erdrilckenden Mehrheit des deut-
schen Judentums, das mit Wiirde und innerer Haltung seine
Sorgen trligt, einig, wenn wir auf das Entschiedenste das
Verschwinden solcher Veranstaltungen fordern, die das Bild
des deutschen Judentums verflilschen. Wir erwarten, daB die
deutschen Juden durch ein Fernbleiben von Veranstaltungen,
die der Forderung wiirdiger Zuriickhaltung nicht entsprechen,
ihr Verstaindnis fiir das Gebot der Stunde bekunden.

Gegen den Handel mit Juden
Auf einer Bauernschaftskundgebung in Darmstadt hielt,
wie die ,,Frankfurter Zeitung" mitteilt, Reichsstatthalter Gau-
leiter Sprenger eine Ansprache, in der er daraut hinwies,
daB ebenso wie der Boden, auch das Blut rein zu haltern
und zu verbessern sei. Deshalb sei es ffir den deutschen
Bauern eine innerliche Unm6glichkeit, auf dem Dach das
Hakenkreuz und unter dem Dach den Juden zu haben,
uno deshalb miisse jeder den Opfermut aufbringen, einmal
auf einen kleinen Vorteil zu verzichten, den ihm ein
Handel mit dem Juden einbringen k6nnte. So, nicht mit
eingeworfenen Fensterscheiben, sondern mit Dis z ipli
niertheit und Einmiltigk eit, werde dieses Problem
schnell und endgiiltig gel6st werden.

Wir brachten in Nr. 24 eine Nachricht der Olmiltzer
katholischen Zeitung Nasinec" fiber eine angeblich geplante
Konferenz fiber die Rassenfrage, die von der katholischen
Universitat in Freiburg (Schweiz) veranstaltet wer-
den sollte. Diese Nachricht wird jetzt von der Katholischen
Presseagentur Freiburg (Schweiz) offiziell dementiert.


Die Einwanderung

Deutscher Juden
Die Zionistische Vereinigung for Deutschland teilt mit:
Die Jewish Agency for Palestine gibt folgende Daten
bekannt, die auf Grund der amtlichen Einwanderungs-Sta.
tistik irrechnet sind und daher als authentisch angesehen
werden miissen.
Die Gesamtzahl der in den Jahren 1933 und 1934 allein
iaus D eutschland legal eingewahfderten Juden
betriigt 16639. Von ihnen kamern 1933:':7210, 1934 -9429
Menschen ins Land. Dei gr68te Teil der Einwanderer erhielt
durch Zuteilung der sogenannten Arbeiter-Zertifikate das
Recht zur Einwanderung (1933: 3129, 1934: 4082). In beiden
Jahren bildete dieser Teil je 20 0/o der gesamten Einwande-
rung dieser Kategorie. Die Oibrigen waren entweder im Besitz
des Vorzeigegeldes von 1000 oder Schiiler, die in Pallistina
ihre wissenschaftliche, Schul- oder Fachausbildung erhalten,
oder wanderten als Angeh6rige palistinensischer Einwohner
rund als Touristen, denen schon jetzt nachtraglich die M6g-
lichkeit des Daueraufenthalts gewahrt wurde, ein. Eine
betrachtliche Anzahl von Touristen wartet daneben. noch auf
ihre endgilltige Legalisierung.
Besonders interessant ist die berufliche Struktur
der jiidischen Einwanderung aus Deutschland. Sie wandte sich
in auBerordentlich starkem MaBe der Landwirtschaft, dem
Handwerk und der Kleinindustrie zu. So rekrutieren sich
47 /o aller im Jahre 1934 iiberhaupt zur Landwirtschaft
gegangenen Menschen und 24 %/o aller derjenigen, die Im


,,Auf nach Bern!"
Vor dem Berner ProzeB
Der ,,Welt-Dienst", Erfurt, vom 15. 3. teilt miht
,,Das Berner Gericht hat nunmehr den endgiiltigen Termin fuir
die Wiederaufnahme des Prozesses um die ,Protokolle der Weisen von
Zion' auf den 29. April bis 4. Mai festgesetzt.
Der Prozel ist 6ffentlich. Es hat demnach' jedermarm Zntritt.
In Anbetracht der aulferordentlichen Wichtigkeit, den dieser Rechts-
streit fuir die ganze a r i s che Wel t, insbesondere aber fiir die
Judenkenner in allen L.ndern hat, wire es sehr wUnschenswert, wenn
die Leser und Freunde des ,Welt-Dienst', soweit ihre Reisedispositio-
nen fiir die Osterzeit dies zulassen, den Proze v erhandlun-
gen in Bern beiwohnen wiirden. Es b6te sich auch dem flir
den Berner Proze6 geschaffenen intemationalen Komitee eine giin-
stige Gelegenheit, den zahlreichen Helfern pers6nlichen
Dank fir ihre tatkriuftige Unterstiitzung and Mitarbeit auszusprechen.
Jene Anhanger unserer pan-arischen Bewegung, die sich zur
Reise nach Bern entschlieden, k6nnen sich auf diese Weise v611ig
unbeeinfluBt ein eigenes Urteil fiber den Proze8-Verlauf und die
zur Kldrung stehenden Fragen bilden. Dies ist deshalb besonders
wichtig, weil die gro8e jiidische oder von Juden abhdngige Tages-
presse den Proze6 doch totschweigen, oder ganz verzerrt wieder.
geben wird.
Interessenten magen sich an die Schriftleitung des ,Welt-Dienst,
Erfurt, GartenstraBe 38, wenden.
Wir glauben, da8 unsere Freunde in Bern das wichtigste Duell
miterleben werden, das zwischen dem internationalen Judentum und
der arischen Welt in den letzten Jahrzehnten 6ffentlich ausgetragen
worden ist.
Neben unseren Gesinnungsfreunden ist es natiirlich von grl6ter
Wichtigkeit,, daB auch die auf unserem Boden stehende Presse zum
Prozefi in Bern anwesend ist. Die v61lkische Presse aller Linder
muB im Interesse der Wahrheit und unseres Kampfes unbedingt ver-
treten sein. Sie muB es schon aus dem Grunde, um den Liigen und
Verdrehungen, die totsicher von der internationalen Judenpresse
systematisch ausgestreut warden, aut Grund unmittelbar gewonnener
Eindriicke eindringlichst entgegentreten zu k6nnen.
Sollten fUr diese oder jene Zeitungen die Kosten fiur einen eigenen
Berichterstatter zu hoch sein, so .konnten ja zwei oder mehrere
Zeitungen zusammen nur einen Korrespondenten entsenden. Auf alle
Fiille bitten wir auch hier um m6glichst baldige Meldung, welche
unserer Zeitungen in Bern vertreten zu sein wiinschen. Dabei waire
uns der Name des Korrespondenten anzugeben. Falls ein Bericht-
erstatter mehrere Zeitungen vertritt, so bitten wir diese auch nament.
lich mit anzugeben.
Also, auf nach Bern! -"
Der Herausgeber des ,,Welt-Dienst", Oberstlt. a. D.
Fleischhauer, wird bekanntlich in Bern das Gutachten fiir
die Angeklagten erstatten.


Handwerk und in der Kleinindustrie tItig sind, aus dieser
Einwanderung. Sie brachte ferner 12 o/o derjenigen ins Land,
die sich ohne nahere Spezifikation als Arbeiter betlitilgen.
Entgegen anderslautenden Meldungen ist die Einwande-
rung deutscher Juden im letzten halben Jahr nicht zurlick-
gegangen, wenn auch im November 1934: 827, im Dezember:
669 Einwanderer nach Palastina kamen, wahrend noch im
Oktober 1326 Menschen einwanderten. Dies ist lediglich
auf die Einwanderungsbestimmungen, nach denen jahrlich
zweimal, zu Beginn des Friihjahrs und des Winters, die
neue Zertifikals-Quote ausgegeben wird, und auf wirtschafts-
technisohe, saisonbedingte -Grfinde. zuriickzufiihren,, Die ersten
beiden .Monate des Jahres 1935 haben denn auch bereits
eine Steigerung in der Einwanderungszahl erkennen lassen.
Nach diesen authentischen Darstellungen ist anzunehmen,
daB die Gesamtzahl der jetzt in Palastina ansassigen, aus
Deutschland gekommenen Juden mehr als 22000 betragt.
In diesem Zusammenhang soill darauf hingewiesen wer-
den, daB nach Schiitzungen der jfidischen Wanderimgs-
Organisationen in anderen Ueberseeliindern nicht mehr als
7000 deutsche Juden in den letzten zwei Jahren Raum ge-
funden haben. Etwva drei Viertel der round 29000 Menscheet,
die bisher als endgiiltig in den WirtschaftsprozeB anderer
Lander eingegliedert angesehen werden konnen, sind also
nach Pal i stina gegangen.

Am 9. 'April wurde in Tiberias von dem dortigen
Oberrabbiner der Grundstein zu einer neuen Synagoge und
Jeschiwah neben dem Grab mal Maimonides' gelegt.


WAhrenddessen glichen Hedda und Georg zwei Marmor-
figuren. Sie fiihlten, daB sie den Blicken aller preisgegeben
waren. Sie glaubten, daB alle Augen nur auf sie gerichtet
w&ren. Keiner wagte zu lacheln oder zu sprechen oder den
andern anzuschauen. Das Erste und Einzipe, was Georg sagte,
war: ,,Wir sind wieder unten." Denn fiedda ware in der
Erregung sitzen geblieben und hitte die Fahrt ein zweites
Mal gemacht.
Fraulein Dr. Meyer hatte hinter den Maidchen gestanden.
In der Aufregung hatte keine von ihnen die Lehrerin bemerkt.
Fraulein Dr. Meyer war fiber den Markt geschritten, spahend
und suchend. Sie hatte die Madchen entdeckt. Jetzt stand sie da,
vorniibergebeugt. Endlich fand sie Beute; sie hatte lange genug
gepirscht. Als die Miidchen riefen: ,,Gleich steigen sie aus",
schritt Fraulein Dr. Meyer rasch auf das Riesenrad zu. Die
Mldchen sahen, wie die gro8en FliBe der Lehrerin sich gegen
die Schaukel schoben. Sie schrien auf. Sie versuchten, Hedda
ein Zeichen zu geben. Es war vergeblich. Es war zu spat.
Fraulein Dr. Meyer h6rte die Worte, die Georg Manfeld
sagte. Sie wandte sich an ihn: ,,Ich werde die Sorge ffir
das june Madchen fibernehmen, ichi", sagte sie ziemlich
laut. Hedda wurde totenblag. Georg war glihend rot. Er
blieb stehen. ,,Du gehst jetzt sofort nach Haus und meldest
Dich morgen beim Herrn Direktor." Menschen umstanden
die drei. Fraulein Doktor schritt als Siegerin vom Platz.
Hedda going gebeugt wie eine Getroffene durch die Menge.
Georg verschwand.
Die Angelegenheit wuchs sich zu einem Skandal aus.
Fraulein Dr. Meyer schwelgte. Ihre Phantasie arbeitete. Sie
hatte Sodom und Gomorra entdeckt. Oh, die Jugend! Das
Laster lauert fiberall. Allerdings, an Fraulein Meyer hatte es
sich nicht herangewagt.
Hedda hatte cine schlimme Zeit. Zuerst war sie den
Fragen von Fraulein Doktor auspeliefert. Es waren furcht-
bare Fragen. Es war gut, dag Iedda manches nicht ver-
stand. Dann kamen Konferenzen. Hedda durfte die Schule
nicht betreten. Die Klasse wurde eingehend verh6rt. Der
Kreis zog sich weiter. Es fanden Besprechungen mit dem
Leiter des Paidagogiums statt.
Dieser Herr hieB Schwanke und wurde yon selnen
Schfilern nur der Schwank genannt. Er liebte den SpaB. Er
konnte sehr ernst sein, aber im allgemeinen floB er fiber
von Scherzworten, die eine eigenartige, erzicherische Wir-
kung hatten. Director Schw&nke war beliebt. Dec Andrang


zu seiner Schule bewies es. Schwanke lieg sich allies genau
berichten. Aber das genfigte ilm nicht. Er selbst nahm die
Untersuchung in die Hand, und es fand eine zweite Kon-
ferenz mit ihm statt. Diese Konferenz war eigentlich eine
Zwiesprache zwischen Schwanke und Fraulein Dr. Meyer.
Die Zwiesprache wurde zu einem Verhar. Schwinkes Bag riB
die schrillen Antworten von Fraulein Meyer auseinander.
Zuletzt war es, als ob eine Katze mit einer Maus spielte.
Fraulein Dr. Meyer ware gem in ein Mauseloch gekrochen,
aber es kam Schwankes Tatze und hieb die jungfriuliche
Lehrerin zurfick auf das Podium, das sie den Blicken der
anderen aussetzte. Der Direktor der Maidchenschule hatte ein-
gegriffen. Es wurde beschlossen, die Angelegenheit auf sich
beruhen zu lassen. Und die erschtitterten Nerven Fraulein
Dr. Meyers verlangten einen dreimonatigen Erholungsurlaub.
Und Hedda? Hedda reifte sehr in diesen Wochen. Sie
stand ganz allein. Der Vater war zum Direktor gerufen
worden. Es war eine Schande fiber die Familie herein-
gebrochen. Die Mutter going mit verweinten Augen herum.
Sie hatte bhis zu ihrer Heirat nie einen jungen Mann ange-
schaut. Sie hatte gearbeitet. Und nun stand ihre Tochter da,
der Makel klebte an ihr. Die ganze Stadt wilrde es wissen.
Es war ein verlorenes Madchen.
Hedda durfte ihr Zimmer nicht verlassen. Niemand sprach
mit ihr. Das Kinderfraulein weinte. Ihre Begabung hatte sich
als nicht genfigend erwiesen, obgleich aie beglaubigt und
gestempelt war. Dem Fraulein wurde gekiindigt. Es bat,
gleich gehen zu diirfen. Schon nach vierzehn Tagen war
eine neue Kraft gewonnen. Diesmal war es kein Fraulein.
Es war eine Erzleherin. Sie hatte noch mehr Diplome, noch
mehr Zeugnisse. Sie war nicht mehr jung. Sie hatte Erfahrung.
Hedda stand ganz allein. Sie hatte die Wahrheit gesagt,
die ganze Wahrheit. Man hatte ihr zugeschrien: Du lfigst,
Du hast immer gelogen! Heraus mit der Wahrheit! Hedda
began zu schweigen. Je mehr man schrie, desto hartnackiger
schwieg sie. Sie wurde geschlagen, sie wurde wieder ge-
schlagen. Hedda schwieg. Liebe? Wo war Liebe? Und Gott?
Wo war Gott? Er konnte helfen. Wo war Gott? Hedda hielt
in sich Abrechnung. Es war eine furchtbare Abrechnung.
Und Hedda war dreizehn Jahre alt.
Fraulein Gertrud Miller war eingetroffen. Fraulein
Miller wurde der Vorfall erzahlt. Genau erzahlt. Heddas
ganzes Sindenregister wurde ausgebreitet" Schliellich fragte


Fraulein Mfller, was denn erwiesen, wirklich erwiesen sei.
P..e Eltern warren erstaunt. Ob denn das alles nicht gentigte?
raulein Moller antwortete erst nach lingerer Zeit: ,,Es ist
so gefahrlich, einen unbegrfindeten Vorwurf zu machen."
Die Eltern gingen dartiber hinweg. Wie man Hedda auf den
guten Weg bringen k6nnte, fragte Berthchen. ,,Durch Liebe",
erwiderte Fraulein Miller, ,,durch Liebe und immer wieder
durch Liebe."
Als Bessinger nachts emn Gerausch harte, machte er rasch
Licht an. Er sah, wie Berthchen im Begriff war aufzu-
stehen. ,,Berthchen", rief Bessinger, ,,Berthchen, Berthchen!"
Seine Frau wandte ihm ihr Gesicht zu, und Bessinger sah
in traurige Augen. ,,Arnold, ich habe nicht schlafen konnen.
Die Worte von Fraulein Miller warren Anklagen. Es ist mir,
als ob Du und ich eine Schuld triigen. Ich wollte zu Hedda."
,,Ich trage Schuld? Du tragst Schuld? Aber Berthchen,
hier gibt es nur einen Schuldigen, Hedda. Du hast recht,
wir haben viel versaumt. Wir mfissen es nachholen. Wir
mossen selbst an die Erziehung der Kinder denken. Lotte
ist unartig. Robert ist wild. Aber Sorge macht mir Hedda.
Ich wei nicht, was mit ihr ist. Von mir hat sie es nicht."
Am nachsten Morgen wurde Bessinger wicederum zum
Director gerufen. Bessinger war schr aufgeregt. Er lief ru
Berthchen: ,,Es ist noch nicht genum. Es wird wieder Neues
herausgekommen sein. Und diese Verstocktheit. Berthchen,
Berthchen, was ist mit Hedda? Von mir hat sie es nicht."
Und damit eilte er hinaus. Berthchen going in das Privat-
bfiro. Sie scliloB sich ein. Sie muBte weinen. Hedda, ihre
Hedda. Sie liebte sie doch. Warum muBte das scin? Wohin
muBte es ffihren?
Bessinger war sehr erstaunt, als er von dem Direktor
mit einem freundlichen Lacheln empfangen wurde, aus dem
ein Zipfelchen versteckter Verlegenheit heraussah: ,,Lieber
Herr Bessinger", sagte der Direktor. Das erstemal hatte der
Director ihn mit anderen Worten empfangen: ,,Es tut mir
leid, Herr Bessinger, aber -" Und diesmal: lieber Herr
Bessinger? Ja, ,,lieber Herr Bessinger", sagte der Direktor
und fuhr fort: ,,Die Angelegenheit ist genau gepriift wor-
den. Ich bin glfcklich, Ihnen sagen zu k6nnen, sie hat sich
als harmlos herausgestellt, ganz harmlos. Wir warren ja alley
einmal jung, Herr Bessinger -" Mehr konnte der Direk-
tor nicht sagen. Er erschrak, als er den Mann vor sich
erbleichen sah. Keine Spur von Blut schien mehr in seinem
Gesicht zu sein. (Fmortzian tlgt)


_I __ ____


I - --L -- -I I i - I _


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 ATTRE TVDTSCT-E RUNDSCHA17


Selte 31






Seite 32 40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU Nr.31!32, 17. IV. 1935


Die Konferenz der WIZO
Von unserem palistinensischen Korrespondenten
gl. Tel-Awiw, 5. April 35
Auch in den Verhandlungen der Wizo-Weltkonferenz blieb
dieses BewuBtsein, in Palistina zu tagen, immer lebendig.
Es priigte sich auf lebhafteste Weise in der sprachlichen Fiir-
bung der Konferenz aus. Es gelang, dem Hebriischen den
Vorrang als Verhandlungssprache zu sichern. Die Exekutive,
insbesondere Riwka Sieff, die mit ihrem hebrdiischen Rechen-
schaftsbericht einen auBergew6hnlichen Erfolg erzielte, going
mit gutem Beispiel voran, iund wer noch nicht so weit war,
hebriisch referieren oder diskutieren zu k6nnen, der machte
zum mindesten den Versuch einleitender hebriischer Worte.
Fiur die Hunderte von Delegierten aus aller Welt war
Beriihrung und engere Bekanntschaft mit der Arbeit im
Lande von Bedeutung. Es bleibt freilich bei derartigen Be-
suchen oft fraglich, ob die Delegierten imstande sind, den
Dingen auf den Grund zu gehen. Palistina ist um diese Jah-
reszeit an sich berauschend und wird noch berauschender
durch die Kette der Feste und Veranstaltungen und die feier-
tiigliche Stimmung, die auf derartigen Zusammenkfinften zu
herrschen pflegt. Die Besuche sind daher wohl in hohem
MaBe *geeignet, Begeisterung und damit Arbeitseifer anzu-
regen, schaffen jedoch auch manchmat allzu rosige und
daher falsch gefarbte Bilder von der wahren Situation,
ihren Schwierigkeiten und Problemen.
Die Konferenz bemiihte sich, neben der Feststimmung
die eigentliche Arbeit nicht zu kurz kommen zu lassen. Sie
hatte zwei neue Punkte zu behandeln, einerseits die Ueber-
nahme der Kinder g ii rten durch die Wizo, andererseits
die Verbesserung der allgemeinen Ausbildun.g (Hach-
scharah) im Auslande. Zum ersten Punkte hat sich die Kon-
ferenz nicht positive entscheiden k6nnen, dagegen hat die
englische Fbderation ihren Willen erkldirt, das Geld ffir die
Kindergarten ffir die niichsten zwei Jahre aufierhalb ihres
normalen Wizo-Kontingents sicherzustellen, in der Hoffnung,
daB der Waad Leumi nach dieser Zeit so weit sein wird,
daB er die finanzielle Verantwortung fiir die Kindergirten
iibernehmen kann. Was die Ausbildung ffir Paliistina im Aus-
lande betrifft, so will die Wizo zuerst versuchen, die Zio-
nistische Organisation auf diesem Gebiete zu aktivieren und
die n6tigen Schritte zu einer Hebung der Lebensbedingungen
in den Hechaluzzentren und damit der Ausbildung zu tun.
Erst wenn ein BeschluB der Zionistischen Organisation zu
diesem Punkte vorliegt, wird die Wizo ihre Arbeit in dieser
Richtung weiter beraten. Ffr die Verhandlungen mit der Zio-
nistischen Organisation wurde eine Kommission gewihlt, die
in der Sitzung des Aktions-Comit6s empfangen wurde und.
dort ihre Sache verfocht.
Autf allen anderen Arbeitsgebieten, Ausbildung ffir Land-
land Hauswirtschaft, Sorge ffir Mutter und Kind, wurde eine
Weiterfiihrung und zum Teil eine Ausbreitung der Aktionen
beschlossen. Von besonderem Interesse ist der Wunsch der
Konferenz, die Z entrale der Be weg un g, die jetzt in
London ist, nach Palaistina zu iiberfiihren.
Trotz der betrichtlichen demonstrativen Wirkung und
Arbeitsleistung der Konferenz beginnen sich hier dieselben
Schwierigkeiten zu zeigen, die wir aus den letzten Kongressen
kennen. Man spfirt die ganze SchwerfAilligkeit des Apparats
mit seinen Delegierten, Plenarsitzungen und zahlreichen Kom-
missionen, der eine solche Tagung zu einer ebenso anstren-
genden wie langwierigen Angelegenheit gestaltet. Auch bei
der Wizo wire eine gewisse reformatorische Aktion auf


diesem Gebiete vonn6ten, die jetzt vermutlich noch Ieichter
ist als in einigen Jahren, wo sowohl die Arbeit als auch die
Schwierigkeiten gewachsen sein werden.
Die technische Organisation der Konferenz machte natfir-
lich in Palaistina auflergew6hnlich groBe Schwierigkeiten. Zwar
ist jetzt in den Ausstellungshallen am Jarkon eine Reihe von
Gebdiuden entstanden, die groB genug fiur ein zahlreiches
Publikum sind und die Er6ffnungssitzung zeigte einen durch-
aus gelungenen und geschmackvollen Rahmen. Unterbrin-
gung der Delegierten und Giaste war jedoch keineswegs ein-
fach und die Entfernung des Konferenzortes von der Stadt,
die ungeniigenden Verbindungen, eine ganze Reihe von
technischen Einzelheiten stellten sowohl die Delegierten als
auch die Gaste gelegentlich auf schwere Proben. Wenn
dennoch die Abhaltung der Tagung gerade in Palistina sich
fraglos als ein positive Ansporn fuir die Arbeit in den
Galuthliindern auswirken wird, so beweist das von neuem die
heute immer steigende Attraktionskraft des Landes.

Die Wahlen ffir die Leitung und den. Rat der- Wizo
hatten folgendes Ergebnis:
Pr sidentin: Lady Herbert Samuel; Vizepraisidentin-'
nen: Mrs. H. Irwell, Mrs. E. Nathan und Mrs. M. Gaster. -
Exekutive fuir Palaistina: Vorsitzende Hadassa Sa-
muel-Jerusalem; ferner die Damen Rose Ginsberg-Jerusalem,
Anna Jaffe-Tel-Awiw, Dr. Helena Kagan-Jerusalem, Dr. Ra-
chel Klompus-Tel-Awiw, Esther Smoira-Jerusalem, Braude-
Tel-Awiw, Esther Feiwel-Jerusalem, Ada Fishman-Ness Ziona,
Rachel Rubaschow-Tel-Awiw. London er Ex e kutiv e:
G. Olga Alman, M. Epstein, Romana Goodman, Frau Harry
Sacher, Rebecca Sieff, Dr. Celina Sokolow, Frau Robert
B. Solomon, Dr. Vera Weizmann. Exekutive-Mit-
glieder in anderen Lindern: Marie Apte-Krakau,
Ethel Hayman-Johannesburg, Selma Margulies-Bukarest, D.
Nathan-Aukland (Neuseeland), Ilonka Roth-Timisoara (Trans-
sylvanien), Reza Steindler-Belgrad, Hanna Steiner-Prag. -
Mitglieder des Rates: Oesterreich: Dr. Martha Hoff-
mann; England: Frau Robert B. Solomon, H. Diamond;
Finnland: A. Pergament-Helsingfors; Holland: M. de Leeuwer
Gerzon-Haarlem; Italien: A. Levy, Minizi-Marx; Palastina:
Rachel Gottlieb-Jerusalem; Polen: R. Horowitz-Krakau; R.
Zimmermann-Tel-Awiw; N. Braude-Warschau, M. Reznik-
Lodz; Transsylvanien: F. Weinberger-Cluj, Dalma Deutsch-
Lugoj, Limka Reiter-Timisoara; Bukowina: Klara Klinger-
Cernauti;. Sildafrika: M. Oblowitz-Kapstadt, D. Bankin-Johan-
nesburg; Schweiz: Carola Kaufmann-Basel, Florette Guggen-
heim-Zilrich; Kroatien: J. K6nig-Zagreb.


Lodzer Stadtrat suspendiert
Wars c ha u, 12. April. (JTA.) Die Mitglieder der anti -
semitischen Mehrheit des Stadtrats von Lodz, die
vor kurzem die jiidischen Stadtverordneten in offener Sitzung
tditlich angriffen tind mehrere von ihnen, darunter den Vor-
sitzenden der Jildischen Gemeinde und agudistischen Sejm-
abgeordneten Minzberg, verletzt haben, weigern sich, dem
Vorschlag des Regierungskommissars, eine Entschuldigu'ngs-
erklirung an die iuberfallenen Stadtratsmitglieder abzugeben,
zu entsprechen. Die jildischen Stadtrate sollten sich ihrer-
seits fiir die in der Abwehr gebrauchten beleidigenden Aus-
driicke entschuldigen. Der Regierungskommissar hat darauf-
hin erkliirt, keine weiteren Sitzungen des S-tadt-
rats mehr z u z ulasse n, bis eine friedliche Vereinbarung
erzielt werden wird.


Die Zwischengeneration
Unsere Ver6ffentlichung in Nr. 24 vom 22. Marz fiber
'die Lage der DreiBigjihrigen hat ein iuberaus lebhaftes Echo
gefunden. Zahlreiche Zuschriften, zum Teil sehr umfangreicher
Art, sind uns zugegangen, aus denen hervorgeht, daB die
Menschen dieser Altersklasse den Aufsatz als ein erl6sendes
Wort zur rechten Stunde empfunden haben und in denen
unsere mehr allgemein gehaltenen Ausfiihrungen durch die
Schilderung pers6nlicher Schicksale unterstrichen werden. Da-
bei ist bemerkenswert, daB die Situation sich ffir die ins Aus-
land gegangenen Akademiker manchmal noch schwieriger
darstellt als fiur die Hiergebliebenen. Durchgaingig ffigen
die Briefschreiber ihren Aiusfiihrungen die Bitte hinzu, daB
nun endlich die mai8gebenden Stellen sich zu
einerTat aufraffen m6gen und auf irgendeineWeise
versuchen sollen, durch geeignete MaBnahmen das Schicksal
dieser Generation zu erleichtern.
Wir haben diesem Wunsch bereits in unserem Aufsatz
Ausdruck gegeben und m6chten ihn heute im Namen all
der vielen, die uns geschrieben haben, als auch im Namen
der Tausende, deren schweigende Zustimmung wir annehmen
diirfen, nochmals dringend den zustfindigen juidischen In-
stanzen ans Herz legen und der Hoffnung Ausdruck geben,
daB es gelingen m6ge, Wege zu finden, auf denen sich ein.e
Wiedereingliederung der Zwischengeneration in das Wirt-
schaftsleben bewerkstelligen liigt. Es ist gewiB eine fiberaus
schwierige Aufgabe; aber man wird auf die Dauer doch
nicht um eine konstruktive L6sung herumkommen. Das
Elend dieser Generation ist zu groB, als daB man noch
linger untatig zusehen duirfte. N.


IN ALLER KURZE
Under auBerordentlich starker Beteiligung der politi-
schen und publizistischen Kreise New Yorks wurden am
12. April die sterblichen Ueberreste des Herausgebers der
,New York Times" und Mitdirektors der ,,Associated Press",
Adolph S. Och s, auf dem Friedhof Temple Israel in Mount
Hope, New York, beigesetzt. Der Trauergottesdienst fand
im Tempel Emanu-El, dessen Vorstand der Verstorbene ange-
h6rt hatte, statt. President Roosevelt hatte ein herrliches Blu-
mengewinde niederlegen lassen. Die 6ffentlichen Gebdiude
hatten Halbmast geflaggt.
Das am 5. Marz d. J. vom Parlament des Staates Ne w
Jersey beschlossene Gesetz, durch das Propaganda gegen
Menschen einer bestimmten Rasse, Hautfarbe oder Religion
als Verbrechen erklirt wird, ist durch die Unterschrift des
Staatsgouverneurs Hoffman sanktioniert worden.
In einer unter dem Vorsitz des Praisidenten der histo-
rischen Abteilung der Royal Society of Medecine, Sir St.
Clair. Thompson, abgehaltenen Sitzung der Gesellschaft
sprach Prof. Dr. A. S. Yah uda fiber das Thema ,,Die me-
dizinischen Hinweise in den Bilchern Mosis im Lichte der
igyptischen Papyri". Dem Vortrag wohnten zahlreiche her-
vorragende Mitglieder der Gesellschaft und sonstige Ge-
lehrte bei.
In den Zentralrat des Verbandes der Stadt-
gemeinden Polens wurden auch zwei Juden, Stadtrat
Bregman, fuir die Warschauer Stadtverwaltung, und Dr. A.
Rotfeld fiir den Lemberger Gemeinderat gewahlt.


DIE BEIDEN ZENTRALEN TINANZINSTRUMENTE DES PALASTINA-AUTBAUS


DER BODENFONDS
Gegrindet 1901

KEREN KAJEMETH LEJISRAEL

Der Keren Kayemeth Lejisraef erwirbt mit freiwit/igen
/fidisden Iofhksspenden den Boden zinPaldstina als unver-
dufferlides Etgentum des f/disden Tolkes und gibt i6n
sefbstarbeitendenfiidiscdenSiediern inErbpadjt, dem/ldi-
sdenHandwerk und der lidisdcen lndustrie-zumErbbau.










Landbesitz: 349000 Dunam


Wert des Bodens: 5000 000


Jeder seiner Uerantwortung Bewuflte

durdi seine Spenden an den


KEREN KAJEMETH
Berlin W 15, Meinekestr. 10 Postscheckkonto: Berlin 282 47


DER AUFBAUFONDS
Gegrfindet 1920

KEREN HAJESSOD

DerKeren Ha/essod sdafft mit den Mittefn derfreiwiffi-
gen eJ/bsthesteuerung die ko/onisatorisdcen, wirtscdafts-
politiscden and ufture/len Grundfagen ffr die Erriditung
der nationalen H-einstdtte des jidischen Tolfkes in Paid-
stina. Er ist der cffent/idie jidis de Trdger desAufbaus.










Investitionen: 5100000
far landwirtschaftliche und stadtische Kolonisation,
Erziehung, Gesundheitswesen und Einwanderung


Jude mufl Pa/dstina mit aufbauen

durd fretowiffige Sefosthesteuerung 6eim


KEREN HAJESSOD
Berlin W15, Meinekestr. 10 Postscheckkonto: Berlin 153342


_ __


'40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31132, 17. IV. 1935


Seite 32







-v




AUS FRANZ ROSENZWEIGS BRIEFEN

Franz Rosenzweig war zweifellos eine der bedeutendsten Pers6nlichhkeiten des deutschen Judentums der letzten Epoche. Er wirkt durch seine IVerke, insbe-
sondere sein Buch ,,Stern der Erl6sung" heute weiter und wird in einer .Zeit, wo die deutschen Juden eine Verankerung. im Judentum suchen, immer mehr ihr Lehrer.
Die Sammlung seiner Briefe, die demninchst im Schocken-Verlag erscheint, ist ein einzigartiges Buch, das eine uniibersehbare FiIlle von Anregungen bieten wird.
Erschiitternd lesen sich die Worte, die Rosenzweig in einem Briefe 1917 geschrieben hat: ,,lch werde erst posthum. meinen Mund ganz auftun." Wir geben mit Er-
'laubnis .des Verlags nachstehend einige Stiicke aus diesem Briefband, der noch eine eingehende Viirdigung erfahren wird, wieder: Erstens Briefe aus Oskiib,
wo Rosenzweig wahrend des Krieges als Soldat gewesen ist, und die einen Seder und Peflach im sephardischen Milieu schildern. Diese Schilderung zeigt Rosenzweig
auch als wahren Kainstler der Darstellung. Zweitens einige Bruchstiicke aus Briefen, in denen vom Zionismus die Rede ist.


3. 4. [1917]
Liebe Eltern, Osterferien! . Der Leut-
nant hat imich . sogar einen Tag fruiher
nach Cskilb geschickt als notig war. ,,Gehen
Sie nur sclhon morgen; es ist sehr hibsch
in Cskfib. . Salomon Gabirol hei8t ,,[bn
Gabirol" und es ist. nicht gegen die ,,allge-
nieine Bildung", den Namen zu kennen.
lDichter und Philosoph; im Machsor des Kol-
nidre-Abend ist ein langes -Lehrgedicht von
ihm abgedruckt. . .
6. 4. [1917]
Liebe Eltern, also western, ich hatte un-
gezieferfrei fibernachlte, schlenderte durch die
Stadt, bis ich zufillig an das ,,Hlotel Sohar"
kam, wo der Seder sein wircHllier traf ich
den Burschen des Rabbiners, eines Dr. Laza-
rus aus Essen, dann ihn selbst. Erkennungs-
szene, er ist der jiingere Bruder von Dr. L.
in Kassel, Konpennailer, . zwei Klassen
unter nmir. Mit ilnm blieb ich nun zusammen,
al gut zu Mittag, unlerhielt michi sehr gut;
er ist ein frisciier netter Kerl, nattirlich
noch wenig representative. . .. Auch Sefar-
dim habe ich viele gesehen und dem 'Ge-
meindevorsteiher cinen Besuch gemacht, Kauf-'
mann, sehr wivrdig, aber noch viel gerissener
als .wxirdig ausseliend, Frau. unjtidisch aus-
schepd, Tochter rassig, die altere, Oro .(Gold-
ched), war in Saloniki auf der deutschen
Schitle, die jiingere, Fortune (Gliickol!), vier-
zchnjaihrig, kann noch kein Deutsch. Fran-
z6sisch konncn sic alle, hunter sich sprechen
sie Spanisch, das die Manner mit hebraischen,
die Frauen mit bulgarischcn Buchstabcn
schreiben; das verstelit man mit Italic-
nislch ziemlich leicht; wolhl weil es all-
spaniech ist. J tdisches Wissen = null, jildi-
shels Leben dagegen selbstverstiindlich, ver-
kehren nur untereinander, fithlen sich, mit
Recht, als Elite, sind aber (in puncto Gast-
lichkeit usw.) der Beweis daffir, daB wir es
nicht vertragen, wenn es uns zu gut geht.
Dies ist das allgeneine Urteil, das ich aber
bestaitigt land. Statt Rabbiners schimpft sich
der Chasan ,,Chacham"; .den Gottesdienst
werde ich erst noch kennen lernen. Die
Vors'cherfamilie heiit Navarro! Denkt euch
fibrigens eine ganz mise chambre-garnic-Ein-
richtung; empfangen wird man in cinem
Schlafzimmer! Die Namen sind ibcerhaupt
herrlich, z. B. Isaak Calderon. Die Stailt
ist sehr schbn; hcute were ich noch mehr
seen, Moschcen usw. . Ieut morgen
machen wir noch Einkiiufe fir Charauses
ltw., well ich darauf nicht verzichten wollte
(staLt Aepfel nchmen wir Kastanien!). IJm
ubrigen sorgt Oro Navarro ffir das Funktio-
nieren der Kitchenangelegenheiten, allerdings
- Kalchias, du weilt wohl warum: der Rab-
biner versorgt Navarros datiir mit Mazze.
Ueberhaupt, wie gesagt, sie sind schr happig.
Die Kochlrau (Juidin!) war nicht unter -
200 (zweihundert) Mark zu kriegen. Armes
Deulschland! Einen Soldaten, etwa cinen
Schlchlter, zu komuindieren, gelang niclit,
weil kciner aufzuoreiben war. . Die
Kinder sind nett bier. Wer sagt, die Sefar-
dim seien eine andere Rasse wie wir, dcr
liit. Aber sie haben ein anderes Schicksal
gelabt. -

Sefardische Braudce 10. 4. [1917]
Liebe Eltern, wieder beim Zug, bei den
Protzen; . Also es waren wundersch ne
Tage, die ich ungern aus mcneem Leben
streichen wiirde. Cskthb ist eine selr merk-
wilrdige Stadt. Ein volliges Neben- und
Aubereinander der drci Nationalitliten (Tilr-
ken, Mazedonier, Juden; die Zigeuner zililen
stadtpolilisch nicht mit; ilir Viertel ist das
Bordelhiertel, etwas Besonderes soll es nicht
sein). Freilag war ich bei den Sefardim
in der groben Synagoge, einem selir schonen,
ganz weifB gettinchten viereckigen Raum mit
Kuppelkassetten und zugehlirigen Saulen. Der
Machsor ziemlich wie bei uns, die Melodien
alle anders, auch die altien, aber originell
und lebendig, das ,.1'cha dodi"' war selhr
schon, eine Knabenstimmce nit Tenorvolum
oder vielmlehr Tenortimbre fiibrte; die Kchrt-
wendung bei der ScliluBslrophie machen sie
nicht, dagegen die drei Schrittc riickwiirts
beim Kaddisch; lhier sagen sic hinter [')51
,ifltP nochi: ,'a')n 2pn11) und die Ver-
beugungen und das Illipfen in der Sch'mone
esre wie bei uns, ebenso das Kfissen der
Thora mit dem Tallis, den Tallis tragen sie
teils gerollt um den Hals, teils um den
Hinterkopf, dagegen wenig fiber dem RPicken.


Beim Sch'ma, d. h. nur bei dem ersten Satz,
pressen sic zwci Finger fest auf die geschlosse-
nen Augen und kitssen dann laut die Finger.
Von den Freitagabendpsalmcn sagten sie nur
den Gewitter-2) und den Sabbalpsalmn). Die
Banke z. T. so, daB man direct dem Al
incinor den Ilticken zudreht. Die Thorarollen
cingewickell, aber nicht in Kinderwickelnt),
wenigstens sind sic .. indifferent ornamen-
tiert. Der Trop villig von unserm verschieden,
viel farbloser; . Disziplirlosigkeit und Ge-
mnillichkeit gut entwickclt. Im Gebet fiir den
Landesherrn (ich bin ja schon am Samslag
frtih hineingeraten), das nur hcbriisch gesagt
wird, habe ich also fir "3ti 3'n 7 -ian 5)
pliin gebetet. In Belgrad wird das Gebet
ausgelassen. Hoffentlich komme ich mor-
gen writer zum Erzahlen. Jetzt erst Ant-
wort .

Dieses Volk
Ja, das schwarze Putzianum6) hat stilisti-
schen Schlni8; daher habe ich es auch so
schon abgeschrieben. Vor dem blonden7) hat
cs voraus die langere Lagerzcit; daher sind
die ,,allgenminen Vorbemerkungen" (Mathe-
matik! Sprachen! u. a.) nicht ,,im Denken"
urid zwccks Denken niedergeschrieben, son-
dern mit voller Oberlegenheit nur sovici ge-
sagt, wie ich ftir zweckmiBig liielt (so der
Anfang, danin fiber den labbiner und das
Publikum, iiber die Emanzipation). .hber-.
hiaupt steckt viel Diplomatic drin. ... Der
blondes) Bruder ist von Franz Hesseo), ich
kenne ihn nicht; spuckt mian nach im, so
verteidige ich ihn nichit. Meine ,,Kraft" mag
drtiben wirken, :meine ,,Energic" bleiht in
der ,,Bann"-meilc. Ich bin genau so pessi-
mistisch wic du; es hat noch keinem gut
gelan, sich als Jude im die Juden als Juden
zu kilmmern, von Moses ab. Und jcdent wird,
wic es Moses geschah, angeboten: sein Name
solle groB werdcn, aber dieseses Volk" unter-
gclicn. Moses hat geantwortet: laB mcinenn
Namen untergehen, aber das Volk soll leben.
- ch hbabe jetzt mit einem zehnjahrigen
Kind darfiber gesprochen, oder vielmehr es
nit mir!!! Davon morgen... .

,,Herr Leutnannt, ein Cohen"
11. 4. [1917]
Liebe Ellern, also war ich his Freitag, den
6. abends; die Spaniolen gehen meistens curo-
paiisch geklidcet, cinigo aber mehr tiirkisch:
brciter Talar mil schwarzcm pelzbesetztemn
Mantel .- Zuim Seder waren drei- bis vier-
hundert Soldalen da, auch Osterrcicher, Rus-
sen und Rumiinen, jo ca. fiinfundzwanzig.
Die Bulgarcn batten nattirlich einen eigenen
in Hlause des TurnvIerins Makkabi; sic haben
klcine, ganz dickey festo Mazzes, zwei Finger
dick. Von Offizieren war nur cin Ar-
tillerieleutnant . da, sonst Arzt, Lazarett-
inspektor, Apolheker; wenig Infanterie, viel
Artillcrie usw. Es wa r grogc Unordnuing und
viel Geschlipf, dabci war allies sehr reichlich
da, aber keine Organisation. Den Seder gab
Lazarus, mit teilwciser Beinutzug der schreck-
lichen Gedichlte der Scliginannsclien Illaggada
. . Um zwolf warren wir im Quarlier .
Um sieben frihil going ich zu den Sefardiim;
es dauerte von sieben bis neun, icli crzaihite
schon das Bemerkenswerle; danach sahi ich
noch eine Brismile, die schr pittoresk verlief,
cs wurde sehr eintonig und viel dazu ge-
sungen. Nachher gab es Zuckerwerk fiir die
Kinder drauBen. Um zchn war in der gleichen
Synagoge der Mililtirgottesdienst. Ich ver-
gaB noch: es gab bei den Sefardim cine
kurze und sehr frisch unsalbaderig ge-
sprocliene Predigt des Cliachani aus Sofia,
der die Sch.ule in Cskiib leitet, eines kleinen,
aber schin bevollbarleten ca. Iierzigjithrigen
Manns. Das Spanisch klingt prachtvoll ener-
gisch, scion durch die viclen ,,6s"-Endungen
der Plurale; verstanden liabe ich fast nichts.
- Also um zehln; wieder ca. dreihundert
Soldaten, ich machte etwas Schammes-
1) Aramitiich: ,,Er miSge K6nigcn sein K6nig-
reich" und: ,,Er mi6ge naliern seinen Gcsalbten".
2) Psalm 29.
3) Pahnam 92.
4) Die Viitcr pflegen ihire einjiihrigen Knaben
in die Synagoge zu tragen und mit deren Namena
bcstickte Biinder zu stiften.
-') Kbnig Ferdinand 1. von Bulgarien.
6) Die Brochiire ..Zcit isL'".
') ,,VolkschulIe und Reichsschule"; eine unver-
5ffentlichte Sclihrift zur deut-chen Schulfrage.
S) ,,Volk-schule und Reich-schule".
9) Erwogenes Pseudonym iiir F. R.


Pefiadi in Uskiib


geschiifte, indem ich die Titfelchen an die
Aufzurufenden ausgab und dabei einen der
,drei chrisilichen Offizicre, die, offenbar von
der Ortskommandantur, aber ohne sich dein
Rabbiner vorgestellt zu habcn, dan waren,
fragicte, ob .,Jerr Leutnant ein Colihen sind".
Als Chasan fungierte ein wirklicher aus Lich-
tenberg bei Berlin, ein ca. dreifBigjihriger
Landsturmmann, mit einem wirklich s-hinen
Mozarttenor; aber ich muRte doch lachen,
wie ich, zum erstenmal wieder, die schreck-
lichen Fratzen sah, die so ein berufsmagiger
Singer schncidet; es war mir frfiher nie so
aufgefallen. Es. war dadurch ein sehr,' was
man nennt, -wfirdiger Gottesdienst, nach deut-
scher Art; die Lewandowskischen Melodien
wurden kriiftig ohne Biicher mitgesungen.
Yorher Hlallel, nachher Mussaf. Aufgerufen
wurden erst zwei beliebige Genieinc als, Cohen
und Levi, dann der Leutnant, der Arzt, ein
Russe, ein Rumiine, als Maftir ich; bei den
Brochen, die ich runterrappelen wollte, ver-
hedderte ich mich etwas, was aber nichts
schadete, da iCr wurde mir, wie ich nachher
h1rte, schwer veriibelt, daf ich die IHaftara,
da ich den Trop nicht genfigend kann, mit
verntinfligem Ausdruck, wie einen deutschen
Text, las (nicht das Lesen, sondern die sinn-
gemliBe Phrasierung fand man ,,eingebildet-",
so rasch haben eineh die Menschen heraus).
Nach dem Einheben *(geleint hatte ecin oser--
reichisch-galizischer Lehrer mit Vollbart ,nrid
polnischer Oissprache, sehr hiibsch) predigte
Lazarus, ganz. nett, obwohl in den Sentimen-w
taliliaten noch ohne Glaubwiirdigkeit; er ist
noch zu jung und luslig. Da er inzwischcn
gcimerkt hatte, dafI die drei christliclien Offi-
ziere dabei warren, so legte er oine rechten
Zusanmmenhang eine patriotische Donner- und
Blitzeinlage ein. Er, war fibrigens,-da er am
Mittag des Freitags einen Wagenunfall (in
Oskfib gibt es Droschken!) gehabt hatte, im
Verband und salbenbeschmiert im Gesicht.

,,Mission"? Nein.
12. 4. [1917]
. Du hoffst noch viel. zu viel von den
Juden. ,,Bewundern" warden sie mich nur,
wenn ich eine Beriiihmtheit von .deutschei
Gnaden mitbringe. Und wenn einer ein groBer
. Bakteriologc ist, so' wird seine' Ansicht in'
jiudischen Dingen ehrfurchtiger angehort, als
wcnn ciner sich mit diesen' Dingemn expreg
befaBt hat. Sic werden mich nur begeifern..
Ich habe .es seit Jahren verfolgt und habe
nicht vor, mich zu wundern. Eben sche ici,'l
dal ihr das auch schreibt, -in einer Stelle,
die ich zuerst ihbersehen hatte; ja ge.wiB, so.
ist es. Illusionen mache ich mir nicht, siclher
nicht ffir Lebzeiten. ,,Mission"? nein, dann
mni8te ich ja an mich glaiUben, aber [ich
habe ] das ganz bestimmte Bewu8tsein, kheine
Wahl nmehr zu haben, weil -ich (,,icli") .ge
wiihlt habe. Mcyrink hat die Sache. mchrmals.
gut geschildert (tibrigens um Himmels willen,
daBl ihr nicht glaubt, ich hitte Visionen
usw., keine Spur. von sowas). Wir haben
schon ein Gelehrtenproletariat, unsere Privat-
dozenlen, die, ungetauft, an deutschen Uni-
versitaten nicht leben und nicht sterben k6n-
nen, sind es, und m6gen sic noech o reich-
lich von Hlause finanziert sein. Mit finf-
tausend Mark und Amt ist man kein Prole-
tarier mehr .

Seder mit Kameraden
13. 4. [1917]
Abends going ich wieder ins Ghetto, ich
hatte gehOrt, es glibe noch eine andre klei-
nere Synagoge, ich fragte auf der Stralse
ein paar Jungens nach der ,,piccola" Syn-
agoge, was nicht verstanden wurde worauf
einer, cin zarter gut angezogener (Salon-
tirolerjbppchen) mich franzosisch fragile,
was ich wollie und mich dann selber
hinbrachte. Er hieg Emanuel Noah, zehn-
jiihrig, sprach auger franzbsisch auch schon
ziemlich viel deutsch, entpupple sich als Neffe
von Navarros, hat noch seclis Brfider. Die
kleine Synagoge wird von den aus Saloniki
Eingewanderten besucht (auch Navarro ge-
hort dazu), ist cin breites Rechteck, Binke
an den VWinden, die Frauenempore im Sii-
den. -. Der Gottesdienst natfirlich viel weni-
ger offiziell als in der grogen. Nachher zeigle
ich dem kleinen Emanuel noch unsere Seder-
tafel, er hatte mir vorher die bulgarische
gezeigt. Er gefiel mir selir, sodag ich ihm
sagte, er sollte mal am niichsten Mittag riiber
zu Na'arros kommen. Beim Seder holte ich
mir F. . und wir setzten uns zu den
Rlussen; es waren. mist groBe starke Leute,


aus Minsk, Odessa, einer aus Kamlenez an
der galizischen Grenze. Bei diesen k6nnte man
viel cher darauf kommen, es ware eine andre
Rasse; ich ffirchte auch, daB es wirklich so
ist; die groie Pogromepoclie seit 1881 mul nja
Folgen geliabt haben. Sic sprachen alle na-
tWrlich deutsch, d. l. eben jiidisch, was nichf
schiwcr zu verstehen ist, waren scharf und
aufgeweckt. Zur Bewachung war ein voll-
blondblirtiger Hamburger Laudsturmmann mit,
der vor Rulhrung weinte und den ich fleigig
iit Mazze etc. fitterte. Nachliher gab es noch
eine Blitzlichtaufnahme in einem llof. Am
Sonntag schlief ich lange, einen orthodoxen
Gottesdienst sail ich leider nicht, ich hatte es
einfach vergessen, nur zu einem kam ich,
der zu Ende war, ich sah nur noch einen
Kniefall einer Frau, sodaB ich nun weiB,
wie diese Dostojewskische Geste (,,nicht euro-
piiisch, wveift du, russisch!!" sagt Mitja
Karamasoff) aussieht.

Arabisches Intermezzo
. Wir sahen einen Derwisch, sie tanzen aber
jetzt nicht, weil die Kl6ster alle mit Bulgaren
belcgt sind. Man erkennt sie am griinen
Turban. Auch eine kleine Begrdibnishalle von
Derwischen entdeckten wir zufallig, einen
Raurn mit etwa zeln mit Ttichern bedeckten
Iolzsliirgen und Waffen an der Wand. Aber
das Merkwiirdigste war dies: ich wollte den
Hodschaio). der Moschee kennenlernen, F....
lie8 sich rasieren, ich going voraus, fragte. -
,,Ja,.der Mufti11) sci oben", ob man wohli
hindilrftc? Ja. Ich klopfte also an, ein groBes,
helles Zimmer, Sttihle etc. sauber an der
Wand, ein Tischchen mit ein paar Btichern,
an -ciner. Wand ein kleines]l Regal mit Bitchern,
sonst'leerer Raum in der Mitte. An der Wand
winter dem Tischchen der. Mufti, also das
geistliche Ilaupt der Csktiber Muhammedaner
(wenn nicht mehr), schwarzer Talar, kleiner.
Bart, etwas Oberlehrer oder Bilrokrat, Ttirke,
Suleimann, neben ihm ein langer kaffee-
brauner, bunter geklcidcter Mensch mit dem
gewisson stumpfsinnig-geistvollen Orientalen-
gesicht, cin Inder, wie sich nachher heraus-
stellte. Ich wurde zum Sitzen aufgefordert,
neb'en ihm an der Wand, bekam ameine' Ziga-
rette und 'darin sprach ich: ktihn arabisch
drauflos, es going wirklich etwas; ich lieB mir
seine Biicher zeigen, erklitrte ilm, daB ich
cin Muallim filfeilsafal2) sei usw., cr wollte
Amir auch die Bekanntschaft von Muhammed
ibn Schdendi vermittein, ich sagte aber, daB
ich ihn schon kenne. Soda.l ich aber immier-
hin die Gewifheit habc. wirklich die beiden
in Betracht kommenden Leute in Osktib ken-
nengelernt zu haben. Nachher kam auch F.
hereingeplalzt, was eine kleine Verlegenheit
gab; cr war ebensowenig wie ich auf so eine
,,Spitze der Beharden" gefait gewesen, als
die sich der Mufli schon iauerlich und durchi
.das Zimmer pra~sentierte. Der Inder sprach
kein Wort; der Mufti erklarte, daB er das
Arabisch so anders ausspreche, daB er nicht
mitspreclien konnte. Er begleitete uns dann
nachher bis zur Treppe. . Inzwischen war
es Zeit fOtr mich, zu Navarros zu gehen. Es
gab ein sehr gutes Essen, das abgesehen von
der stidlichen Nuance ganz an gutes jiidi-
sches Essen in Deutschland erinnerte (sehr
fett und sehr mifide miachend); vor Tisch
rituelles IIindewasichen, nachher kein Tisch-
gebct, vielleicht well wahrend des Mazze-
puddings eine christliche Krankenschwester
gekommnin war. . Nachher suchte ich'
Emanuel, wcil er nicht gekommen war, fand
ihn nicht zu Ilause, suclite weiter auf der
StraBe, fand ihn mit andern Jungens. Er
benahm sich vollendet weltmiannisch, entschul-
digic sein Nichtkommen mit einem MiBver-
standnis (- in Wirklichkeit liegt es so, daB
Navarros offenbar keincn grofen Wert auf
die Yerwandtschaft legen). Nun blieb ich mit
ihm zusanmmen. Er nahlim mich erst von ill
den andern Jungcen fort, der wire schmutzig
und jener ware b6s. Wieso denn hbs? Das
sei cine bise Familie. Sie machten am Fest-
tag das Geschtift nicht zu. Ob es vicle solche
Familien gibe? Ja, etwa fanf. HIebrAiisch
konnte er noch nicht viel. An der Wand imn
Turnverein Makkabi, wo ich die Jungen ge-
troffen hatte, standen passende Spriiche, he-
briiisch mit spaniolischer13) (hebraisch ge-
schriebener) Cbersetzung.
(Fortsetzung aui S. 38)

10) Geistlicher.
11) Gutachtlicher Richter.
12) Lehrer der Philo-ophie.
13) Ladino,. Judenapanisch.


1 0 TA H RE TtTD qCHE R UNT)SCFT~t


Seite 33


-Nr. 31/32. 17. IV. 1935











JUDISCHE LITERATURE IN FREMDEN SPRACHEN


Didhter und Denker der letzten vierzig Jahre


Jeder Generation ist eine Gelegenheit zur Entscheidung
geboten. Die Chance der neunziger Jahre war die Dreyfus-
Afflire, die viele jildische Schriftsteller in ihren Strudel ge-
rissen hat. Die Wirkung dieser Kur allerdings war verschie-
den; spontan fand nur Theodor Herzl den Weg ins
Judentum, wiihrend die meisten anderen sich umso leiden-
schaftlicher zum national unbegrenzten Menschentum be-
kannten; sie wurden jetzt erst recht ,,gute Europier". Sie
nahmnen gewissermaBen Zolas Partei, nicht die jildische,
und doch began auch bei ihnen sichtlich eine neue,
frische Epoche. Waihrend nicht lange vorher Resignation, ja
Verzweiflung dariiber, daB der JudenhaB von neuem aufkam,
einem deutschwilligen Dichter wie Berthold Auerbach ein
tribes Ende bescherte, wiihrend die Morbidezza, die fin de
siecle-Stimmung sich ganz symptomatisch im katastrophalen
letzten Akt der reprisentativen Geister der Generation erwies,
in Nietzsches, van Goghs und Hugo Wolfs geistiger Auf-
16sung, finden wir die Mainner, die das geistige Gesicht
des zwanzigsten Jahrhundetts schaffen, tfichtig, frisch, ge-
sund am Werk.
Wiihrend Nietzsche zugrunde geht, wird Georg Bran-
d e s sein erster Kfinder. Man hat Brandes gern mit dem Geist
des 19. Jahrhunderts Liberalismus, Materialismus, Naturalis-
mus identifiziert, und tatsichlich war er es, der mit
seinen Vortriigen fiber ,,die HauptstrOmungen in der europdi-
ischen Literatur des 19. Jahrhunderts" dem Naturalismus in
Skandinavien, wie er sagte, ,,die Tfir von innen ge6ffnet" hat,
der Comtes 'Positivismus. propagierte, fur Taine, St. Beuve,
Darwin, John Stuart. Mill mit unfiberschitzbarem Erfolge
warb, der Ibsen und BjOrnson, ja auch noch Strindberg ent-
scheidend beeinfluBte, der auch ,,eiri alter Dreyfusard" war.
Aber waihrend der Dreyfus-AffAire war er schon fiber jene
Positionenr hinausgewachsen, aus dem Demokraten war ein
Aristokrat geworden, der sich unter Nietzsches Antrieb
(wie Brandes ihn verstand) den Monarchen des Geistes zu-
wendete und Goethe, Shakespeare, Voltaire Monographien
widmete. Von.dieser Wendung aus beeinfluBte er Knut Ham-
sun und Selma Lagerlif; es wire der Milhe wert lestzustellen,
wieweit Hamsuns leicht antisemitische Zivilisationsfeindlichkeit
sich von Brandes ableiten 1iilt. Brandes selbst aber mublte
im Verfolg der neuen Richtung, unter dem Eindruck russi-
scher Pogrome, des Krieges und der Balfour-Deklaration
schlieBlich auch als Jude ,,heimfinden".
Eigentlich'abgel6st wurde Comte erst durch Bergson.
,,Er hat unsere Fesseln gesprengt", sagte Peguy. Der Sohn
eines galizischen Juden und einer englischen Jiidi.n Henri
Bergson wurde der maBgebliche Kopf des neuen Jahrhunderts,
indem er die Hegemonie des Kopfes vernichtete; ,,derWieder-
hersteller des Christenglaubens in Frankreich", indem er die
Intuition wieder einffihrte, ,,die Schopenhauer mit Keulen-
schliigen aus der deutschen Philosophie herausgeworfen
batte", der geistige Vater des politischen Antiliberalismus.
Weder Bergson noch seine ,,dynamische" Philosophie haben,
wie man sagt, ausdrticklichen Zusammenhang mit dem
Judentum. Wie durchaus, jfidisch seine Lehren aber im
Grunde sind, spfirt man aus ihren Hauptsiitzen, die ebenso-
gut in einem chassidischen Buch Martin Bubers stehen
6nnten, z. B.: ,,Alles geht vor sich, als ob ein Wesen
nach Verwirklichung getrachtet und sie nur dadurch erreicht
hatte, daB es einen> Tei,' sAine Natir 'uiAerwegs aufgab.
Diese Verluste sind es, die ii der ubrigen Tierheit, ja auch
in der Pflanzenwelt aufbewahrt sind." Oder: ,,Wenn es ein
Mittel gibt, eine Realitiit absolut zu erfassen, anstatt sie
relative zu erkennen, sich in 'sie hinein zutt stellen, start Stand-
punkte zu ihr einzunehmen, sie ohne jede Uebersetzung
und symbolische Darstellung zu ergreifen, so ist dies die
Metaphysik selbst."
Diese dynamische Philosophie gegen die Vernunft, die
aller Unwissenheit und dem nationalen Aktivismus Vorschub
leistete, zumal sie rasch Mode wurde und sich leicht popu-
larisieren lieB, erweckte einen Oegenstrom in Frankreich,
und huch auf der anderen Seite kampften Juden wie
Julien Bend a, ,,der Erbe des intellektuellen Stolzes un-
zAhliger Gelehrtengeschlechter, der Hymniker der strengen
geistigen Arbeit", und Andrd S p ir e, der fuhrende jfidische
Dichter Frankreichs. Spire ist iiingst Zionist, war schon
1904 eine Art von Kulturzionist, ein bewuBt und ausdriicklich
jiidischer Autor, aber im Gegensatz zu fast allen anderen
hat er sich niemals 6stlich orientiert. Mit klarer, heiterer
Sinnlichkeit liebt er das Leben, die Sch6nheit der Welt
lockt ihn, um so tiefer ist sein Erschrecken fiber alles Leid
der Erde, dem "er sich nicht verschlieBen kann, seine
Ehrlichkeit gegen Triiume, Illusionen, denen er sich nicht
hingeben zu diirfen glaubt, seine miinnliche Traurigkeit und
sein g6ttlicher Unmut gegen alles Unrecht. ,,Et vous riez"
(Und ihr konnt noch lachen) heiBt sein Gedichtbuch, das
P~guy herausgibt, und das Motto ist das Psalmenwort vom
Oerechten, der sich nicht auf die Bank der Sp6tter setzt.
Die Gedichte sind in freien, impressionistisch knappen, hochst
musikalischen Rhythmen geschrieben, im vers libre, den ein
anderer Jude, der Symbolist Gustave K a h n, in die fran-
z6sische Lyrik eingeffihrt hat. Zur selben Zeit ver6ffentlieht
Peguy eine Novelle von Israel Z a n g wil 1, ,,Chad Gadja",
tind diese Novelle entscheidet Spires Leben. Er liest Zangwill,
beginnt alles Jfidische zu studieren, zu pflegen, sich zu be-
tfitigen (als Territorialist), er fiihrt nach England, lernt
Zangwill kennen, sucht das jiidische Proletariat: ,,Ihr frag-t
mich, warum ich diese Parias liebe. Es ist das einzige Prole-
tariat, von dem ich etwas erhoffen kann." Er schreibt
jildische Gedichte, er erlebt das ,,alte Gesetz", er verzweifelt
fast im Krieg (,,Und ich habe den Frieden gewollt!"),
er grfindet dann die Liga der Freunde des Zionismus, wirbt
fiur Paliistina und wird mit der Ode ,,A la Nation Juive"
endlich ,,der" jildische Dichter Frankreichs.
Keineswegs der einzige; Edmond F leg ist, mindestens
bei uns, viel bekannter, wenngleich leider nicht als Lyriker.
Spire ist durchaus nicht das ,,HaB Genie", als das er hier
bezeichnet wird, Fleg aber ist v6llig unpolemisch. Er geh6rt
zur alten Garde des Zionisnius, neigt zur Orthodoxie, die er
humanitJr interpretiert, ohne dadurch in Gewissenskonflikte
zu geraten wie Spire, er schildert Moses und andere jildische
Figuren als Mythen, als Legenden, und es entstehen Midra-
schim a la Victor Hugo, voll von franz6sischem, patheti-
schem, klarem Geist. Aehnlich, doch intellektualistischer, ist
die Synthese zwischen Judentum und Franzosentum, die
Bernard Lazar e, Theodore Reinach, James Darmeste-
t-e r versuchen, mit einer Verschleierungstechnik, die beider
Volkswesen mit V61kerversdhnung und Menschheitsbegliickung
identifiziert. Jean Richard B Iloch, der priignanteste Gestalter
der niichstjfingeren Generation, begnfigt sich nicht mit allge-
meinen Idealen, er packt die Gegenwart mit beiden Hiinden
hart an, Psychologie ist seine Stiirke, die demokratisch-
revolutionfire Tradition seine politische Ueberzeugung, und
auch in jildischen Dingen rechnet er mit den Tatsachen,
so daB der ziihe Lebensmut und die unbestechliche Intelli-
genz des jiidischen Unternehniertums inr seinen Romanen
,Levy" und ,,Simler & Co." ihre Apologien finden.


,,Wir sind Worte, aber eingefiigt in das Satzglied des
Universums, und dieses wiederum ist Glied der glorreichen,
Periode, die eins ist in Seinem (Gottes) Gedanken", sagt
Marcel S c h w o b, der Meister des skeptischen Romans, einer
der ,,Maitres impeccables" der franzosischen Prosa, in der
durchsichtigen Klarheit und edlen Einfachheit des Ausdrucks
und in seiner universalen Ironie Anatole France, in seiner
Psychologie Proust verwandt (Proust ist, wie France, halb-
jiidischer Abstammung). Zum Judentum hat Schwob keine
intime Bezieliung, obwohl auch keine Abneigung wie z. B.
Suares. Darf man in solchem Zusammenhang den Troi3
jfidischer Autoren erwiihnen, die mit mehr oder weniger
jfidischem Witz oder franz6sischem Esprit unterhalten und
Problem umgehen wie Tristan Bernard, Verneuil,
S a voir, Sarah Le vy (,,Oh mon Goye") und Irene Nemi -
r o w s k a (,,David Golder")? Von alien neueren Belletristen'
hat Andre M a u r o i s noch am saubersten die jildische Linie
gefunden, ohne die tranz6sisch-europaische zu verlassen.
aurois war im Krieg Verbindungsoffizier einer schottischen
liuiilllli nuiilli ll nuli n ilium niliiim i llu lllnni nanuimmmmillliilluillutini nnu ili m niniiiiii llullimi t


























,Else. Lasker-Sch ler
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Ele LaskerSchiiler


Divi u ist seitdem erbindungsfizie. der franzsi
schen Literatur iu England, .Panfgyriker des Gentleman-Ideals,
Romancier uhd skeptischer Philosoph." Sein Konservativis-
mus vereint sich mit-einer Englanrdliebe und seiner Skepsis
vorzfiglich zu eine iLEidenschaft fie die ,Tradition, die er
auch allem Jidischen gegeniuber mit ehrfilrchtigem Liicheln
wahrt, ohne sie sonderlich zu betitigen. Brandes hatte
einen intellektualistischen Disraeli geschrieben, Maurois schrieb
ihn ,,mit dem jildischen Herz".

Die gleichen Geschehnisse und St6rungen wirkten sich
hunter den deutschen Juden viel schroffer, wirrer und
exzessiver aus. Der jiudische Mangel an Selbstachtung, ge-
wil auch eine Folge der Fin de siecle-.und Dreyfus-Stim-
mung, lieB einem ebenso genialen wie charakteristischen
Menschen jener Uebergiinge wie Otto W ein in g e r keine
Wahl als die Selbstzerstorung. Er war einer von denen,
die das Judentum als etwas Unentrinnbares erkennen, und
er glaubte, es hinabzureiBen, er wollte es, maBlos besessen.,
austreiben. Rudolt B orchard versuchte das nur durch
Flucht ins Mittelhochdeutsche, Ludwig Jacobowskis
,,Werther der Jude" durch Flucht in die Sackgasse seiner
Gegenwart, Alfred Mom b e rt durch Flucht in den Kosmos,


TRAURE NICHT!I
Von Karl IVolfskehl
Was spridht dein Zltiern, meine Seele,
Die angstvoll Augt, die sdireiend fliehi?
Was hast du Seele, meine Seele,
Von weldiem Fehle, metne Seele,
Bist du bedrangt? ,,Dae alles miageriet.
Zu lugen trieb's mdch und zu lauern,
Ida war verzaubert und befOrt,
Ob flattered dOber Tempelmauern
Oh elngesperrt in fremden Bauern,
Nie welt' idch wo idc hingehrt.l

UnstAt zirpt' idi im wilden Laube,
Tat mit wie's schmettert, dr6hnt und ruckt,
Bis ida nidch Aar noch Fink node Taube,
Allen ein Aergernis, im Staube
Des Asdienwinkels mich geduckt."
Traure nidct, traue meine Seelel
Der dida aus Rast und Reigen reilt,
Der alle aut dida Iloslafst, Seele,
Der sets dir nadigestellt, o Seele:
Er ist es, Der Sich dir verhei t.
Besto6ner Fiftidi, raudi Gefieder:
So bist du ihm geredit und rein.
Didi Asdnenvogel didi beschied er,
Du warst verflogen, immer wieder
Winkt" er, und heut fangt er didi ein.

Er halt didi in den Flammenhanden
Wie's dich enizOndet, didi durdibrausti
Leuditend entsteigst du seinen Branden
5dewebst helligen Sangs ob den Gelinden:
Frei bist diu Seele, goltibehaust.


Georg S i m m e l in den Relativismus, wo er ,,auf den
Bilumen des Ungewissen seine Eichh6rnchen-Kunststficke voll.
fiihrte".
Die Parolen der Aufklirung, der Emanzipation und Assi-
milation fanden unter den deutschen Juden viel beharr-
lichere Verfechter als im Westen, gegen den man sich
mit ebensoviel Mi8trauen verschlofi, verkapselte, wie gegen
die Ostjuden. Hermann C o hen kannte, so erziahlt Ortega
y Gasset, noch nicht lange vor dem Kriege nichts von Henri
Bergson (den er trotzdemf ablehnte), ,,obwohl sie beide Juden
waren". Das komplizierte neukantianische Gedankengebiiude,
aum dessen Dach schlieBlich das Judentum als Religion der
Vernunft etabliert und rehabilitiert ist, konnte keine geistige
Zuflucht vor der jildischen Not werden noch sonst vor einer
Menschennot. Cohen erfuillte seine Mission gewissermaBlen
trotz und neben seinen Hauptwerken, in seinem Eintreten und
Einstehen ffir das Judentum mit seiner Person, mit seinem
Wissen und seiner Leidenschaft, in seinen Nebensiitzen ohne
alle Dialektik. Und ebenso stand es mit seinem un- und anti-
'dialektischen, schulfeindlichen Widerpart Constantin Brun-
n er. Auch er sprang immer wieder ffir das Judentum'
(vielmehr gegen dessen Feinde) in die Bresche und nicht
das, was er als Ziel predigte, sondern die Wucht undf
brennende Kraft seines Auftretens allein k6nnen wir als jil-
dische Leistung bezeichnen. Von einem extreme jfidischen Ge-
sichtspunkt mui man alle diese einander entgegengesetzterl
Denker wie Hermann Cohen, Brunner, Mauthner in eine Reihe
stellen: sie bieten Leistungen, sie weichen Entscheidungent
nicht aus, sie sind Juden, sobald man das Judentum
antastet, sie idealisieren oder romantisieren die Judenheit, die
Religion der Vernunft, den Spinozismus, die Aufkliirung -
wie von auBen her. Vielleicht ist es zu kraB, das Idealisieren,
jede Romantik als eine Art von Flucht anzusehen, und gewil
macht Brunner so wenig den Eindruck eines Flfichtenden
wie Cohen, aber waren-ihre Synthesen denn jetzt tragbar, und
wenn ja, warum muBten sie sie stindig wie etwas Zusammen-
brechendes stiitzen und verteidigen? Auf einer schlichteren,
weniger komplizierten, rein literarischen Ebene fand Moritz
H e i m a n n eine, wenn man will, paradoxale Lebensmdglich-
keit: ,,Es ist nichts Unnatfirliches darin, seine Bahn mit zwei
Mittelpunkten zu laufen; einige Kometen tun es, und die
Planeten alle", auf der Ebene sozialistischer Lebens-
gestaltung, die fast religi6s erscheint, findet Gustav Landauer
das Judentum wie ein Stiuck Natur, auf der Ebene der
Religion, die alles bestimmt, ist die Synthese entschieden ...
fiur Franz Rosenzweig,
Wie diese Synthese heute lebensmABig beschaffen wiire,
wissen wir leider nicht, da Rosenzweig 1929 gestorben ist,
sprachmiB8ig ist sie da und lebt und wirkt weiter. Rosen-
zweigs Schriften und Uebertragungen werden immer einfluil-
reicher, seine und Martin Bubers Bibel-Uebersetzung ist- ein
grandioses Zusammenleben von jildischem Urgut und deutscher
prachgestaltung. Buber hat in seinen Darstellungen und Inter-
pretationen des Judentums ebenso stark den Osten europAii-
siert, wie er ihn- uns erschlossen hat; er hat das Vielfiltige des
Chassidismus als Organisches, das Dunkle als Mystik, das
GlaubensmaBige als Metaphysik erkannt und aufgetan, er
hat von solchen Grfinden her das Judentum fiberhaupt
plastisch, fast praktisch legitimiert, wie Cohen es intellektuell,
wie Brunner es apologetisch -legitimieren wollte.
Von den Dichtern, die es scheinbar leichter haben, fand
nur einer ganz einhellig den geraden Weg, Richard Bee r-
H of m a n n, der mit seinen wenigen Gedichten und seinem
biblischen Dramenzyklus ,,der" deutsche Dichter der jfidischen
Erneuerung ist. Arthur S c h n it z I e r hat nicht nur im ,,Weg
ins Freie" fiber sich ,,jfidischen Gerichtstag" gehalten; sein
Judentum war nie an sich ein Problem, sondern eine ihm
bewuBte und gepflegte Realitat. Ffir Jakob W ass e r m a n n
war es ein Problem, den Weg als Deutscher und als Jude zu
gehen. ein bewuBtes, stiindige Auseinandersetzung forderndes
Problem, und das Ende des Weges war Verzweiflung. Das
Problematische der deutschjiidischen Existenz konnte auch
Georg H e r ma n n durch die ,,Flucht in die Vergangenheits-
welt" Jettchen Geberts nicht umgehen, und in seiner einzigen
theoretischen Schrift ,,Der doppelte Spiegel" fand er noch
weniger den Ausgleich und Frieden. (Man wird uns einwe$-
den, daB eine derartige Betrachtungsweise allzu einseitig
aus der heutigen deutschjiidischen Situation heraus kommt,
worauf zu entgegnen ist, daB wir Worte wie ,,Flucht", ,,Weg',
,,Wendung zum Judentum" weder pro noch contra meinen,
sondern daB wir Tatsachen konstatieren.) Auch das bloBe Be-
kenntnis zum Judentum, die Anerkennung blut- und geschichts-
miiliger Zusammenhange ist ja keine Rettung. Alfred D 6 b lin
hat sein Judentum nie verleugnet, sein Deutschtum nie als
absolut empfunden und doch nie eine klare Entscheidung er-
zielt. Vielleicht haben die alten zivilisationsbewuBten, ganz
westlich eingestellten, nur Emanzipation suchenden Ghetto-
romantiker F r a n z os und K o m pert ein nrheres Verhailtnis
zum Judentum gehabt als manche reumfitigen Heimnkehrer
der ,,Moderne". Aber die Grenzen verwischen sich, und viet-
leicht gibt es wenig so Jfildisches wie Franz W e r f e Is und
Else Lasker-Sch oilers Gedichte, Peter Altenbergs
Impressionen und Franz Kafkas seltsame Prosa. Arnold
Zweig hat sich von seinem Ritualmord-Drama an mit juidi-
schen Stoffen auseinandergesetzt, Max B r o d hat das Juden-
tum in Ideenstr6men und an historischen und erdachten Figu-
ren zu deuten unternommen, St. Z w e i g versucht, es auf einer
menschheitlich allgemeinen, ethischen Basis zu halten. Die
Um- und Nebenwege der Friedell, Kraus, Polgar,
Ehrenstein, Gundolf, Fulda verraten vielleicht in
ihrem Besten jaidisches Wesen. Von alien Heimkehrern aber
gab Karl Wol fsk ehl die groflartigste, dichterischste jfi-
dische Vision. In seinen Gedichten hat das deutsche Juden-
tum, das in sich verkapselte, nach Ost und West sich ver-
schlieBende deutsche Judentum, den Kontakt mit der antik be-
stimmten jildischen Idee wiedergefunden.
Die Geschichte hat die Liebenswiirdigkeit gehabt, den
englisch-juidischen Autoren das Leben nicht so problemschwer
zu machen. Mit stolzer Pointe konnte Disraeli, obwohl lingst
kein Jude mehr, fiber den Darwinismus, die menschliche Ver-
wandtschaft mit den Affen, hinweggehen: ,,Wir Juden haben
damit nichts zu tun, unser Stammbaum geht auf die Erzengel
zurfick." Der Hang zu einem romantisierten Judentum und
zum Alten Testament ist in der englischen Literatur Tradition
und spiegelt sich in Lord Byrons Hebriiischen Melodien, Robert
Brownings Balladen, George Eliots Zionismus in ,,Daniel De-
ronda", in Bernhard Shaws Offenen Briefen an Henri Bern-
stein, in Chestertons und Hilaire Bellocs weitherzigen und ge-
scheiten Er6rterungen des jildischen Problems. Von den eng-
lisch schreibenden Juden aber hat nur Israel Z a n will sich
damit wirklich herumgeschlagen, er hat jfidische Menschen ge-
zeigt, nicht immer gliickliche, aber ungemein g.ficklich in dem
humoristischen Kabinettstiick ,,Der K6nig der Schnorrer". Von
den jfingeren Autoren hat keiner so berechtigten Erfolg ge-
habt wie der h6chst realistische, unerbittlich psychologische
und ethische Kriegslyriker Siegfried Sassoon. Albert
Pinero und Alfred Sutro haben mit Dramen, Gladys


40 -JA'FrR'E J*U D I 90H E R UNV D S C HAVU


Seite 34


Nr. 31/32, 17. IV. 1935







Mr. 31/32, 17. IV. 1935 40 J'AHRE JU'DTSCHE RUNDSCHATJ Seite 35


SAND UND STERNE
Von 5. FRUG
Es leuchtet der Mond, die Sterne erglanzen,
Die Nacht sdawebt nieder aut Berg und Tal.
Vor mir liegt das alte Buch aufgeschlagen,
Ich lese und lese zum tausendsten Mal.

Ich lese die feuren, die helligen Worte
Und h6r' eine Stimme: Ich schw6re,
Mein Volk, du wirst sein wie die Sterne am Himmel,
Wie Sand am Ufer der Meere !

Sch6pfer der Weltl Von deinen Schwfiren
Kann nicht verfallen ein einziges Wort.
ErfOllt werden mu6f dein heiliger Wille,
Alles kommt, zur Zeit und an seinem Ort.

Und eines ist schon erffillt und geschehen,
Das ffhl' ich bei jedem Schrilth
Wir sind vogelfrei wie der Sand am Meere,
Den jeder mit Flfien trilt.

Mein Goff, wahrhaftig wie Sand und Stelne
Verstreut und verworfen zu Schande und Spoil . .
Aber die Sterne, die lighten, die klaren,
Die Sterne, die Sterne wo bleiben sle, Gott?
(Aus dem Jiddischen)


GEBET
Von JULJAN TUWIM
Ich bete, Herr, inbronslig,
Ich bete, Herr, von Herzen:
fOr das Recht der schwer Gestraflen,
for die Rube der Entschlafnen,
for die Wartenden In Not,
for die arme Ohnmacht vor dem Tod.

Ich ilehe, Herr, inbrOnstig,
Ida bete, Herr, von Herzen:
for Beleidigie, Verh6hnte,
Dumme, kleinlich Unvers6hnte,
for der Mifiverstandnen Leid,
fOr des Bittens Hofinungslosigkelt.

Ich bitte, Herr, inbrOnstig,
IdA flehe, Herr, von Herzen:
ffr die, welche atemlos und matt
einen Arzt zu holen eilen,
ffIr die, welche viele Meilen
klopfenden Herzens heimgehn aus der Stadt.

IdA bitte, Herr, inbrOnstig,
Ich bete, Herr, von Herzen:
for die, die von ungezflgelten
Flegeln angerempelt,
ffr die Linkischen, GeprOgellen,
die Langweile stempelt;
for die, die nicht sdalafen konnen,
die sich vor dem Tode grauen,
die zu spit zum Bahnhof rennen
und versltrt dem Zug nachschauen.

Ich bete, Herr, fOr alle Menschen dieser Welt:
Aerger, Sorge, Kummer, Leid,
Krankung, Ruhelosigkett,
Mifserfolge ohne Frist,
flr die kleinste Zuckung,
die nicht Gflck, nicht Freude ist.
welche diesen Mensdien Immer
gftig leuchten m6ge, Herr -
IdA bete, Herr, von Herzen .
(Aus dem Polnisdchn)


St e rn und Louis G o l d in g mit Romanen auch im Ausland
Erfolg gehabt.
Die Zahl der amerikanisch-jiidischen Autoren ist
groB, ilre Stellung zum Judentum ebenso kraB unterschiedlich
Wie bei den deutschen. Edna Fer bers ,,The Girls" klingt
an ,,Jettchen Gebert" an, ,,Fanny Herself" ist eine unsentimen-
tale Schilderung des jildischen Mittelstadtmilieus in Amerika
voll innerer Sympathie. Ludwig L e w i s o h n schildert in
,,The Island Whitin" den Aufstieg einer polnischen Ghetto-
familie in OstpreuBen und Berlin und endlich in Amerika, die
Hindernisse der Abstammung und der Vorurteile, in ,,Up
Stream" den seelensosen Amerikanismus. Schirfer, auch resig-
nierter ist schon Barretts ,,Am Tor der Feinde", das Ende
ist die -loffnungslosigkeit der Assimilation. Lester C o h e n
kommt in den ,,Pardways", von denen der eine unbedingt
ein jiidisches Urbild hat, nur zu einem Menetekel des Oruin-
dertums, Nathan Asch nur zu einem glainzenden Stilfeuerwerk.
Die j i d d i s c h schreibenden Amerikaner stehen vor an-
deren Alternativen. Ein gewisser jfidischer Nationalismus ist
hier selbstverstaindlich. Aber wiihrend etwa die bedeutenden
Romanciers wie Opatoschu und Lyriker wie Abraham
Reisen, Jehoasch fast ausschlieBlich national sind, liegt
bei der anderen Gruppe, deren Wortfilirer Mosche Nader
ist. der Hauptakzent auf dem Sozialen wie bei dem gro6en
holllinuis hen Erbcn der Has:. aa Hermann Hejerman;. Zwischen
diesen Radikalen und den russisch-jiidischen Autoren, vorin
der groPe Romancier David Ber gelsoh n, bestehen die
engsten Bezichungen. Der genial, zu frilh verstorbene Lyriker
der jiingeren Generation Mosche Leib H a I p e r n geh6rt quasi
beiden Fronten an. Die europiisch-jiddischen Autoren, Lyriker
Ossip Dymow ist im Russischen wie im Jiddischen zu
Haus, Ilija Ehrenburg und Isaak Babel haben das Juidische
sub specie religionis abgeworfen, nur gelegentlich kommt
Ehrenburg sp)alIleshlalber darauf zurick. Die Ungarn Franz
Molnar, Ludwig Biro, Hatvany und Lengyel, die Tschechen
Otokar Fischer und Franfisek Langer, der groBe italienische
Romancier Italo Svevo sind nur ihrer Herkunft nach Juden.
Juljan T u w i m allerdings, der anerkannt bedeutendste pol-
nische Lvriker der Gegenwart, hat neuerdings eine ausdruick-
liche Wendung zum Judentum vollzogen. Leo H i rs ch


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Jc/tfa X ,,il ,4ti -rdf, &, i'/ fi' ,
J~leh df / C,., 4 2/' 7ei4C rieAl
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tif, elnd et ed,, e,,lu_'/ del,,'e l,



e/lc At f'td d-t ed /e'eve .te~d1.
.ev sel e jv&resc6i,z/,n. a re, /
]tuf keefct/n dt'c A!, 4cee J,.'d ,
2)Dt/,i,, ji ,rir z/i /eth '.(. J le',i,/i.

/ci U's Ifn i //ti iii1/ea,,ri X,?ee. jet,' -









Jct~d/,,. ,,,ti. ^,,, ci man Ae*d A iSPIaJrE1 e
Om /nri/der, id on mneertrrA utcAf omin/ rdc4u n


V roelhe- R te eidt/,iVok eoh'tjeLan JI a






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Va 6er n/rietn imfe/i;, e/it w c immer eb.en, -








Von ANDRt SPIRE
0 melne Britder, o melneVerlrrien, o meinneFri dele,
Volk ohne Re Hot,. Volk ohne Land)-
Volk, dern die. Sdilage aller Natmionenen
Vaierland sind Lnein nu- e .
Kene Fludi t kann mit ca verfeld igen vor euci W.
Nemf midi hin. trcumen wir, spredien wir mi/fsammen,









Vom zerst6rien Tempel,. den wir immerleben, -
Rufen wir mite in die Welt hinein, in die Welt des leise
n esdi ngebodineofnung auf unsern reen Go
Der so unsverraten, ANDR SPimniRtmehr glaube
O melne BrOder, o meune Vernrrnten o meine Freunde,










Volk ohne Reit, Land lk hneu c Land
Das so vmel gleernd auf den augen durdadie-Welt,
Volk dem die e SOnde nallr Nationen,
DaKeine Fludiet kann mgeduldigen Augen wird eu.





Bewegunghm men hinen, Forumen wir, spren aswr mtsmmenen,
Die elnst esdaeidaGrelenannue;
Vom zersVolk mit Ven Teml, den wir immer lieben, n,
Mt Rufzhen wStir minen in diige Welt hinden, in die Welt des Fleises








Farben reiben und kneten den Ton
Und verherrl geduldigen Marmor
Deine Sch6nheit, Israeli (As dem Franzdsisdan









Mit zhen trnn, mit tgen Hnden,

Farben riben und knen dnTon



Und vererrliAen in Marmor7










Gesdriebe 1977 ^ ^ ,1 .t t,


EINER SINGT
Von SIEGFRIED SASSOON
Pl6tzliAh bradA irgendwer in ein Lied aus,
Und ich war erfollt von soldiem Entzfcken
Wie gefangene V6gel, die, freigelassen,
Wild sich sdawingen Ober die welisen Rficken
Der Obstblfltengarten, ober grondunkle Felder, welter. -
weiter nicht mehr zu erblicken - -
Pl6tzlich stieg eine Stimme empor,
Und Sch6nheit kam wie Sonnen-Untergang:
Mein Herz war durdaschfittelt von Tranen Dos Grauen
Verging, verklang -
0 doch irgendwer war wie ein Vogel sein Lied war
wortlos und sang und sang - -
(Aus dem Englisdhen)



MESSIAS!
Von ABRAHAM REISEN
Komm schneller, Messias, Messias, komm bald!
Schon halt die ganze Welt uns umkrallt.
Wie Giftschlangen wfirgen Hunger und Not.
Man stirbt aut den Gassen und r6daelt noch: Brotil
Die Erde nidAt alle Menschen mehr nihri -
Messias, komm bald auf dem weifien Pferdl

Komm schneller, Messias, Messias, komm her,
Die Keftten der KnedAtschaft drfcken so schwer.
Und Ofber fliefst schon das sdauldlose Blut,
Gepeltscht aus den Wunden von sinnloser Wut.
Es rosfet von Menschenblut schon das Sdawert -
Messias, komm schnell auf dem weiften Pferdl



DAS LETZTE LIED
Von M. L. HALPERN
Als man aufgeh6rt, an Gott zu glauben,
Ging von dannen audA die Liebe bald.
Es ertrankten Mens~den sidA im Wasser,
Es erhangien Menschen sich im Wald.
Wandte sich vom Wasser ab der Himmel,
Und im Wald die V6gel schwlegen,
Sense rostete und Sichel,
Und der Pflug bliebauf dem Acker liegen.
Und zur Wfiste ward die Erde,
Alle Wege gingen ein.
Der Prophet aut einem Steine sa6l,
Und er wurde selbst zu Stein.



GOTT FRAGT
Von I. L. PEREZ
ErfOlle ich die ganze Welt,
Was baust du mir ein Haus?
Bedarf ich Speise denn und Trank?
Was madAt dein Opfer aus ?
Bedarf ich 5tiere, Fleisch und Blut?
Wozu tragst du die Lasten?
DoAd gilt es deinem Gut und Blut,
Was hilft dir dann dein Fasten?
Und dein Gebetl Du biltest mich
Zum Richter deinem Raub?
Doch betest du, was schreist du noch
Und hAilist mich gar for faub?
Du reckst die Arme ausl Wie lang
Sie sind, das weif id lngst!
Du beugst zur Erde deinen Kopf -
Versteckst du, was du denkst?
(Aus dem Jiddisdhen)


In dem vorstehenden Beitrag zur Literatur der letzten
vierzig Jahre wurde eine VWardigung des eigentlich jiidischen
Schrifttums, des hebraischen wie des jiddischen, die z. T.
anderweitig erfolgt, mit Bedacht vermieden. Ebensowenig
sollte ein vollstandiges Bild gegeben werden; es handelte sich
nicht um die Vollzahligkeit der zu erwahnenden Namen.
Auch die folgende hleine Anthologie hann und soll nicht
alle guten noch auch nur die schonsten oder jfdischsten
Gedichte unserer vielsprachigen Lvrik wiedergeben; ein ge-
botenerwc:se schmaler Sektor daraus mag gewisse Grenzen
andeuten, zwischen denen das jfdische Gedicht lebt und
atmet:. fr die patriarchalisch kunstlose, gesinnungskraftige
national Verve des Ostens spricht S. Frug, der erste Meister
jiddischer Lyrik, fur die nach h6chster Zucht und Virtuosi-
tat tief verinnerlichte und wieder ins Volkhafte aufbrechende
Kunst des WVesens der letlze Meister deutsch-ifdischer Dich-
tung, Karl IWolfskehl, neben der sozialen Bilterkeit des
amerikunischen Ghettos bei Halpern steht das freie Pathos
romanischer HvImnik bei Andrd Spire, neben der lprischen,
menschheitlichen Resignation des Englanders Siegfried Sas-
soon das schon klassisch gewordene, fast prophetische Lied
des Oesterreichers Richard Beer-Hofmann, dem iiidischen
,,Glack" Else Lasker-Schalers folgt die jfdische Not bei
Abraham Reisen, dem wiedereroberten Judentum Max Brods
die Menschheitssuche des Polen Juljan Tuwin. Dies allies
sind Grenzen der Lprik, nicht unsre ganze Lprik selbst,
nicht einmal allies Beste unserer deutschsprachigen Lprik seit
der Erneuerung, die einst gesinnungsstark mit der Anthologie
,,Junge Harfen" und im ,,J3dischen Almanach" einsetzte,
die u. a. Gedichte von dem jungen Martin Buber, Hugo Sa-
lus, Hugo Zuckermann, Theodor Zlocisti, Adolph Donath und
vor allem dem Herausgeber Berthold Feitvel enthalten. Aus
spaterer Zeit 'm6gen einige Namen wie Franz Werfel,
Stefan Zweig und in der jfngeren Generation Uriel Birnbaum,
Oskar Kohn, Ludwig Straufi, Arthur Silbergleit u. a. genannt
werden. (Die hier zitierten nichtdeutschen Gedichte sind von
Leo Hirsch abersetzt.) Beer Hofmann und Brod sandten
uns zu unserem Jubilaum die Gedichte handschriftlich. L.H.


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


40 JAHRE JfYDTSCHE RUNDSCHAU


Seite 35












DIE NEUE HEBRAISCHE LITERATURE


Ein kurzer Abrif zur Einfiihrung

Von Dr. Max Mayer, Jerusalem


Die ,,Jiidische Rundscihau" hat in den letzten Jahren, insbesondere von 1927 bis 1932, eine
Reihe von Monographien jangerer hebraischer ,Schriftsteller, insbesondere solcher, die in
Palastina leben, aus der Feder ihres Mitarbeiters Dr. Max Maper veroffentlicht. Dr. Maper,
den eine alte Tradition mit der ,,Jadischen Rundschau" verbindet und der auch wahrend
seines Wirkens in Deutschland sich die Popularisierung der neuen hebraischen Literatur
zu eincr ehrenvollen Aufgabe gemacht hat, hatte es auf unsere Bitte ilbernommen, den
Lesern. der ,,Jiadischen Rundschau" ein Bild des modernen literarischen Schaffens in Pald-
stina zu geben. Leider hat in den letzten Jahren diese Serie eine Unterbrechung erfahren.
Der Leserkreis der ,,Jadischen Rundschau" hat sich inzwischen stark verandert, und wir


nehme-z an, dafi es zahlreichen unserer jetzigen L&ser, die erst in letter Zeit den ji di-
schen. Dingen ndherkamen, willkommen sein wird, einen informativen Ueberblick fiber
die mcderne hebrdische Literatur zu erhalten. Wir habn darum Dr. Maper gebeten, in
dieszr der Rilckschau gewidmeten Jubildums-Nummer efi:en umfassenden einleitenden
Aufsa.z zu schreiben, der die Anfange der modernen hebrpilschen Literatur bis zur
Gegenwart in grofien Zilgen skizziert. Wir kOnnen heute nur den Teil abdrucken, der
die letzten 40 Jahre umfafit. Den Anfang des Aufsatzes, der die voransgehende Epoche
behandelt, werden wir folgen lassen. Dr. Maper wird dann die Serie von einzelnen Dich-
tern und Schriftstellern gewidmeten Monographien wieder aufnehmen. Red.


Der .,GroBvater" - .
.r""Tt'- .
Die weitaus bedeutendste
Figur der neuhebraiischen (und
jiddischen) Literatur in der
zweiten Hiilfte des 19. Jahr- i
hunderts ist Mendele Mocher
Sefarim (1836-1917). Er
beginnt als Aufklirer und Ver- /
breiter naturwissenschaftlicher
Kenntnisse, geht in seiner mitt- ..
leren Periode zur jiddischen
Volkssprache fiber, in der er
seine bedeutendsten Werke
schafft, und rettet dann in
seiner letzten Periode diese
Werke durch eigene Ueber-
setzung und N Sc'earbeitung Philo-Lexikon
in die hebriische Literatur
ihinfiber. Mendeles Erziihlungen mnd Romane (sie sind auch
ins Deutsche tibersetzt worden), von der russischen Realistik
tiet beeinfluBt, geh6ren zu dem inhaltlich Schwerwiegendsten
und spracflich-stilistisch Schbnsten und Reifsten, das die neu-
hebriiische Literatur bis dahin aufzuweisen hat. Das Kfinst-
ierische wird zwar noch hiiufig durch aufklirerische Tendenz
und alizu beifende Satire beeintriichtigt, gewinnt aber immer
mehr die Oberhand. Mendele ist der Schp fer des modernen
hebridischen Erzihlungsstils. Seine Sprac e ist eine bar-
monische Synthese mannigfacher historischer Stile. Seine
Naturschilderung ist schwdirmerisch, die meisterhaft gezeich-
dnete Gestikulation seiner Gestalten ersetzt ihre psycho-
logische Analyse. Er ist der grobe Epiker der Armut und
.der unfibertroffene Sittenschilderer der russischen Judenheit
um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Seine Romane befassen
sich in erster Linie mit dem jildischen Knabenerziehungs-
problem. Sein allegorischer Roman ,,SsuBati" (,,Meine
Miihre") enthilt eine scharfe Abrechnung mit den falschen
Idealen der Haskala-Generation. Seine ,,Reise Binjamins des
Dritten" ist eine humorvolle, aber noch mehr satirische Dar-
stellung der geistigen und k6rperlichen Unzuliinglichkeit eines
Volkes, bei dem Wirklichkeit und Ideenwelt in einen so
krassen Widerspruch getreten sind wie bei dem jildischen.
t- Versandef die Haskala-Bewegung zumeist im rein Ten-
'denzi6sen, so wendet sich die neue Periode immer mehr
kiinstlerischen Absichten zu. Der erste bedeutende Vertreter
dieser iisthetischen Richtung ist Dawid F r is c h m an n
(1865-1923). Seine Bedeutung liegt hauptsichlich auf dem
Gebiet der Literaturkritik und Uebersetzung. Er ist einige
Jahrzehnte der groBe Scharfrichter der neuhebriischen Lite-
ratur. Mit eisernem Besen fegt er aus dem Tempel der
sch6nen Literatur alle jenen ,,Verfasser" und ,,Essayisten", die
ohne literarisches Verm6gen sich durch gelegentliche Be-
teiligung an Diskussionen uiber Fragen des Lebens ein-
sc lciclien. Seine Hauptaufgabe sieht er in der Erziehung
ds literarischep Geschmacks. Von unsterblicher Bedeutung
isf die Uebersetzungsteitigkeit Frischmanns. Er ilbertrigt
Werke der besten Weltliteratur in ein modernes, muster-
gfiltiges Hebriiisch..Zu der groBen Zahl von Autoren, die er
iubersetzt, gehlren: George Eliot, Andersen, Spielhagen,
Puschkin, Byron, Wilde, Tagore, Anatole France, Goethe,
Shakespeare. Seine kongeniale Uebersetzung von Nietzsches
Zarathustra hat ilim gr6fte Anerkennung eingetragen. Als
literarischer Leiter des groden Stybl-Verlags hat er die Ori-
ginalwerke der zcitgen6ssischen hebriiischen Schriftsteller-
und Dichtergeneration und eine wabre Flut von Uebersetzun-
gen aus der Weltliteratur herausgegeben. Mit ihm tritt die
neuhebriiische Literatur in ihr modernes Stadium.
Lehrer des neuen Gesilehdits
Zum Lehrer des neuen jaidischen Geschlechts wird
Ac had Ha a m (1856-1926) durch seine tiefschfirfenden
Abhandlungen und Essays, die alle dem zentralen Gedanken
der Zionsliebe dienen. Er fordert den Aufbau Paliistinas als
geistigen Mittelpunkt der Gesamtjudenheit und erhofft von
den geistig-kulturellen Rfickstrahlurgen dieses Zentrums auf
die Diaspora eine Wiedererweckung des nationalen Gefihis.


Achad-Haams Lehre iibt tiefste Wirkungen auf Ost- und
Westjudentum aus. Er zeigt, daB die Emanzipation den Juden
zwar duBere Freiheit und Rechte verliehen, aber zugleich
eine Minderung ihres jfidischen und menschlichen Habitus
mit sich gebracht hat. Er stellt den Begriff der zeitlichen
Juden h eit dem des ewigen Juden tum s gegeniiber und
sieht die zentrale Idee des Judentums im Prinzip der ab-
soluten Gerechtigkeit. Die Verwirklichung dieser Idee sei
die zentrale Aufgabe der Judenheit aller Zeiten. Achad-
Haam ist der Sch6pfer des modernen wissenschaftlichen
hebriischen Stils. Die Geschlossenheit seiner Anschauungen
uno Priizision seines sprachlichen Ausdrucks macht ihn
lange Zeit zur fiihrenden Pers6nlichkeit in Literatur und
Leben. Sein Widerstand gegen die Aufnahme fremder, dem
Judentum widerstrebender Kulturelemente und die von ihm
geforderte Abgrenzung. der hebriiischen Literatur gegen all-
gemein-menschliche, mit dem Judentum und den Juden
nicht unmittelbar in Beziehung stehende Str6mungen und Ein-
flilsse fordert den Widerspruch der ,,Jungen" heraus, an
deren Spitze Micha Josef Berditschewsky (1865-1921)
steht. Berditschewsky, ein Anhiinger der individualistischen
Lehre Nietzsches, geht den Abgrunden jenes vermeintlichen
tiefen Risses nach, den das Problem Jude-Mensch fir jeden
modernen Juden iri sich birgt. Berditschewsky verkiindet
das Recht des bisher vom Judentum und seiner Lehre unter-
druckten Individuums und fordert Umwertung aller geistigen
und sittlichen Werte der jildischen Vergangenheit. Er kimpft
gegen iibertriebenen Historizismus und die allzu schranken-
lose Herrschaft des Buches uiber die Gegenwart. Die Juden
seien v6llig von ihrem historischen Erbe begraben worden.
Der Lebenswille sei geschwicht. Von solchen Ideen aus-
gehend unterzieht Berditschewsky die jildische Tradition
einer Kritik, in der er die heidentiimlichen, pri- und anti-
judaistischen Elemente des jfidischen Religions- und Kultur-
lebens den legitim judaistischen der Tradition vorzieht. Auch
in der spiteren jiidischen Geschichte stellt er sich auf die
Seite jener unterirdischen, vom offiziellen Judentum bekiimpf-
ten Strbmungen.

Bialik und Tschernichowsky,
Seit Achad-Haam und Berditschewsky liBt sigh eine mehr
oder weniger klar hervortretende Doppelstromung in der
neuhebraischen Literatur beobachten. Als Afihifiger Achad-
Haams und poeischer Verdichter seiner Ideen ist Chaim
Nachman B i a Ii k (1873-1934) anzusehen, das groBe lyrisch-
epische Dichtergenie unserer Zeit, dessen Dichtungen zum
lebendigen Besitze der gesamten Nation werden und dessen
kulturelle Wirksamkeit der Gegenwart den Stempel auf-
prAigt. Bialik ist der universal und souveriine Beherrscher
aller poetischen Sprachschichten des Hebraischen. Auch seine
Prosa ist in hohem MaBe Poesie. Seine Jugendlyrik ist be-
herrscht von empfindsamem Naturleben und pietaitvoller An-
hinglichkeit an eine dahinsinkende jiidische Welt, der er als
Knabe und Jiingling selbst angehbrt hat. In seinen Liedern
des Lichts entziindet sich die glfihende Ekstase des Sohnes
des Ghettos bei der Neuentdeckung dieses Naturelements.
Licht und Friihling werden ihm zu Symbolen der nationalen
Wiedergeburt seines Volkes. Er macht sich zum Kiinder des
neuen Lebens und zum Erwecker seiner in Dumpfheit vege-
tierenden Nation. Dichterberut ist ihm Fiihrerberut. In seinen
Liedern des Grimms geiBelt er in aufwallender Liebe und
unbarmherzigem Strafgericht sein Volk, das selbst die russi-
schen Pogrome nicht zur Selbstbesinnung bringen. Spiter
wendet er sich dem volkstfimlichen Liedgenre zu. Zu einem
echten Volksbuch wird auch seine Sammlung und Bearbeitung
der jiidischen Sagen- und Legendenstoffe des Altertums
(,,Sefer ha-Aggada"). Auch die groBen hebriischen Poeten
der spanischen Bliitezeit gibt er in Gesamtausgaben und
eigenen intuitiven Erklarungen heraus. Von seiner hohen
Uebersetzungskunst zeugen seine genialen Uebertragungen
des ,,Don Quichotte" und des ,,Wilhelm Tell". Nach dem
Weltkrieg iibersiedelt er nach Palistina, wo sich inzwischen
ein groBer Kreis hebriischer Dichter und Schriftsteller zu-
sammengefunden hat. In seiner letzten Lebensperiode widmet
er sich unter anderem der Abfassung und Herausgabe hebrai-
ischer Kinderliteratur. Bialik hat wie wenige seine Zeit-


genossen tief beeinfluBt. Er ist der groBe Charakter der
neulebraischen Literatur. Tel-Awiw, seine palistifnensische
Heimatstadt, und nunmehr fast ganz Palastina dankt ihlm die
Institution des ,,Oneg Schabbat" (die Idee dieser ernemesten
jildischen Lebenssitte stammt von dem Jerusalemer Sclirift-
steller Rabbi Binjamin), die jetzt auch in die Diasporalinder
zu dringen beginnt. Das Art-
denken des groBen Toten un-
seres Jahres und dessen Eh-
rung durch Griindung bleiben-
der Kulturinstitutionen gebei
dlem jfidischen Kulturleben der
Gegenwart bedeutende Impulse.
Den Kulturidealen Berdi-
tschewskys folgt Schaul
STschernichowsky (geb..
1875), dessen anmutige und
rt ige Liebes- und Naturlyrik
eine vi6lig neue Periode in
der jneilebriischen Poesie er-
6ffnef. Seine Naturpoesie ist
unmittelbar unsentimentale
Anschauung. Das geistige Erbe
einer mehrtauseedjiihrigen Kul-
Jadisehes Lexikon tur erscheint auf se nen Schul-
tern als leichte, H sifBe Last,
die den Liebreiz seiner Poes'e erh6ht. Er igt mit Frisch-
mann der erste Europier in der neuhebriiischen Poesie.
Eine stake Schwirmerei seiner Jugend filr griechisch-antike
Schonheitsideale hat ihm den Namen eines ,,Griechen"c ein-
getragen. Erst in spoiteren Jahren geht er, besonders in seihen
Idyllen, zu mehr judentfimlichen Stoffen fiber. Er wird zuir
meisterhaften Beherrscher des hebriischen Hexameters, der
allerdings etwas anders klingt als der klassische, und der
strengeren Form des Sonetts. Er entwickelt eine gigantiscihe
Uebersetzungstditigkeit. Von ihm stammen Uebertragungen
des Gilgamesch-Epos, der homerischen Epen, des finnischen
Kalewala-Epos, ferner Uebers.etzungen aus Anakreon, So-
phokles, Shakespeare, Goethe (,,Reineke Fuchs"), Longfellow
u. v. a. In seiner Einstellung zum Judentilmlichen betont er
das Gesunde, Starke, Lebensfiihige, ist ein leidenschaftlicher
Anwalt des ,,Gottes der Wiste", der Partei der Zeloten, und
in. seinem groBangelegten historischen Poem ,,Baruch von
Mainz". spricht er dem Rachegedanken als Reaktion auf
mittelalterliche Unterdrfickung das Wort. In Tschernichows-y
sah die junge, hauptsachlich
ostjildische Generation um die
Jahrhundertwende den hervor-
ragendsten Repriisentanten der
jfidischen Erneuerung.
Weltanschaulich Tscherni-
chowsky nahe stehlit Salman
Schneur (geb. 1887), eine -.
dimonische Dichternatur. Im
Gegensatz zu dem seinem in- :
nersten Wesen nach laindlichen,
der Natur naiv gegenfiber-
stehenden Tschernichowsky
sehen wir in ihm den maiden
Sohn der europiischen GroB- -
stadtdekadenz im besten Sinne.
Schneur lebt lange Jahre in
Berlin, spiter, nach dem Welt- .
krieg, in Paris. Sein Naturleben Jadisches Lexikon
ist weder naiv noch idyllisch,
es ist kosmisch-groBartig. Auch seine Liebeslyrik ist nicht
schwairmerisch-erotisch, wie die Tschernichowskys, sonderni
mephistophelisch und mit stark selbstqudilerisch-schuldbewuB-
temrn Einschlag. Er ist der Dichter des Unheimlichen, Lauern-
den. Mit Wollust und Stolz nennt er sich b6se. Seine Poesie
ist von aristokratisch-einsamem Charakter. In judentfimlicher
Hinsicht ist auch er tief beeinfluBt von den individualistischen
Ideen Berditschewskys. Auch er neigt mehr zu jener anti-
judaistischen Grundstimmung dieser ganzen Richtung. So-
zialistisch-gleichmacherische Tendenzen, ffir die er die jfi-
dische Prophetie verantwvortlich macht, sind ihm ein. Greuel..


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Name:

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__ I


Seite 36


40 JA H RE JVDDTSCT E PVND DSC HA


Nr. 31/32, 17. IV. 1935






~fr.31/32, 17. 1V. 1933 40 JATTRE JCDISCHE RTJNDSCT~ATJ Seite 37


Die Rache des unterworfenen Juda an den r6mischen Unter-
driicker sieht er darin, daB Juda Rom einen Gott gab.
Schneur ist von genialischer Produktivitit. Leidenschaft,
Phantasie und Begabung halten sich bei ihm die Waage.
Sein sprachlicher Ausdruck ist
kiihn, nach H6chstem strebend.
Wenn man Bialik als Kiinstler
der Schwarz-WeiB-Zeichnung
bezeichnen konnte, bei, dem
das Naturbild sich im Spiel des
oszillierenden Lichts aut den
S' Krpern aufl6st, so k6nnte man
v "' Schniur den Dichter der satten,
ausgesprochenen Farbe nennen,
der das Malerisch-Statische in'
der Natur festhillt.
Von der Dichtart deutscher
Klassiker beeinfluft ist Jakob
K a h a n (geb. 1881), ein carter
Lyriker, det sich auch im Dra-
matischen versucht. Sein geisti-
ger Kampf richtet sich haupt-
Jiudisches Lexikon sschlich gegen die Lebensform
der Galuth, in der er die
Quelle alles Uebels und aller jidischen Unzulinglichkeit sieht.
Er ist ein vorziiglicher Uebersetzer und Interpret der deut-
schen Klassiker. Einen formalen, auf Sprache und Land
gestellten Nationalismus vertritt der auch sonst, insbesondere
in philosophicis verdienstvolle Jakob K 1 at z k in.

Kiinder der Arbeit
Von Berditschewsky und sei-
ner Schule her kommt auch
Josef Chajim Brenner (1881
bis 1921). Brenners Romane
sind groBartige, zumeist auto-
biographische Dokumente einer
leidenden jidischen Generation
umrn die Wende des 19. Jahr-
hunderts. Die Jugendzeit dieses
Geschlechtes steckt noch tiet
in der Kampfwelt der Haskala.
Spater gleitet die Generation
hinfiber zu den Ideen Tolstois,
Schopenhauers, Nietzsches und
fihrt dann rasch ins breite
Flulbett antibirgerlicher, so-
zial-revolutionarer, marxisti-.
scher Ideen. Brenner, diesem
Strome folgend, wei8 sich zwar Jiadisches Lexikon
gegenaiber dem internationalen


Sozialismus ideologisch abzugrenzen, unterliegt aber kul-
turell vollkommen der antijudaistischen Sikularisationstendenz.
Brenners Darstellung des neuen Palistinas ist in vielem
von der folgenden Entwicklung ilberholt und widerlegt .wor-
den. Trotzdem ist die geistige Entwicklung des palistinensi-
schen Lebens im groBen und ganzen bis jetzt seinen Full-
spuren gefolgt. Er proklamiert das Recht freier Wahl und
Entscheidung in weltanschaulichen Fragen. Er verliiBt sich
dabei auf den gesunden Instinkt und die naturgegebene
Reaktion des Blutes. Der tief pessimistische Zug in den
Schriften Brenners ist eine Art eigenen Todesurteils. Er
kann auch nicht durch seine
aktive Teilnahme an den Fra-
gen des Lebens und der Lite-
ratur verwischt werden. In sei-
ner Verzweiflung vertagt er die
SL sung des jfidischen Lebens-
ktonflikts auf die Zeit eines
Ssh s heranwachsenden, stirkeien und
mit sich einigeren Geschlechts.
Die Jiingsten
Eine Art Gegenbild des sich
sselbst verzehrenden Brenner
und dieser ganzen Literatur-
und Lebensstr6mung reprdisen-
Stiert der grofle Epiker der jil-
dischen Gegenwart Schmuel Jo-
Ssef Agnon. Von dem tiefen
JCad.sches Lexiko Konflikt und Selbstzerwilrfnis
des ,,modernen" Juden ist er
v611ig frei. Sein Bild der jildischen Welt Osteuropas und
Palistinas ruht in sich selbst, ist harmonisch und .organisch
aus sich selbst gewachsen. Er lebt mit seinen Gestalten
in Frieden und wirft sich nicht "zu ihrem Richter auf. Seine
Sprache ist von edler, hoher Einfachheit, sein Stil parasitenlos.
Die paldistinensische Land-
schaft erobert David S c h i -
mono witz (geb. 1886) in
seinen Idyllen, die zum Innig-
sten und Gemfitstiefsten ge-
h6ren, was die neuhebriiische
Poesie hervorgebracht hat. Sie
entrollen ein verklirtes Bild .
des neuen palistinensischen Ar- i- .
beitslebens. Aus ihnen spricht
Volkstiimlichkeit und offener
Sinn ffir Frohmut, Humor und
Geistesblitz. Zum poetischen
Verklirer der zionistischen Cha-
luzbewegung wird Jizchak
L a m d a n in seiner packenden


(fin flaffifd~er ji" ifNd~er )Ioman. iffber ,~gr u Zet"
bmn Rod (3mif a r a n 3 o 6. bern SRfinber jfibifpen tef'end unb jflbifd~er Rlfufgabe, in frierd, onregenber aorm auf a
Stulfur. ~Der ,,p o j a 3 eute irn beflen unb ebefflen (einne aftueff, Renntniffe su bermitfefn. anbe liferarird~e
lielt im 25. Zaufenb tnor, iff 486 ~eif en ffarf unb (Dffet gebunben qrap~iffien 3nfofW wierben in furien 9fbffd
3FtM- 4, -. ar iff in ben jfibifcf~en Zut~anbfungen. erdftiftic ober, w to 3eit unb cetr~mung wirb bie earmmfung
.25uoanbfungen nlcf~f erreitbar flnb, buro Ybrunb Ple~er, Zerfin Z 5o, beleben, W M ute bon ,,J~eufell f6rbern. 3t
.fmberger Gtrae .6-1, 34 beiie0en. 2fudffattung bor: Dfie fd~bnffen Cegei
*..unb ,Aaobbi Cad, ein Suffurbotument


Zriefell uno etne trettnlule )lovener oow sr..
R(Irae. 3eber Zanb in teinen geburfben 31T
Zud~lanbfungeti ober Cybrunb Yleper, Oerf


eine foeben errf~einenbe preid-
twerte Zficf~erreil~e, f~at bie
affen Oebieten bed Zubentumd
)en, fultureffen, refigiffen, bio'
idnben fofgen. ffnabl~dnqfg ben
bad Zlerfvoffe t~on ,@~efern''
3wei ZdnbeIliegen in t6fllid)er
enben aud bern ZalmubY
in Zlnefbofen". !,eqf-a
~ ~anlo~fofgen in affer
Mi 1,50. VDurc bie jfibifd~en
rfin. Z,350, Zarnbe~rger eir. 6-1.


lyrischen Dichtung ..Massada" (1927 erschienen). Revisio-
nistische Staatsideen legt Uri Zwi Grinber g, ein jungei
hochbegabter Lyriker, speinen Dichtungen zugrunde. Das
.Hohelied der neuen palistinensischen Heimat singt Rachel
(Bluwstein, 1890-1931), die
Lieblingsdichterin der palhisti-
nensischen Jugend. Pallistinen-
sisches Arbeitsleben schildern
Ewer Had a n i und letztens
Awigdor Ha m e'.r i, ein auch
in seinen Skizzen aus dem
\ \Weltkrieg und seinen lyrischen
Dichtungen h6chst beachaens-
wertes Talent. Orientalisch-pa-
_listinensische Volkstypen schil-
SS dert mit gro i er Lebendigkeit
in spannenden Milieu-Romanen
und -Erzdihlungen Jehuda
B u rI a. Esoterische Lyriker
beachtlichen Formates hat die
Gegenwart in Jakob St e in -
berg und Jakob Kople-
w it z. Ein Lriker von Le-
bensgewalt und emotioneller
Leidenschaft ist Abraham
Schlonski. Er und A. Steinmann seen die Gefahr
einer Stagnation im geistigen Leben in einer allzu groBen
Befangenheit im traditionell Anerkannten. Aesthetische uiterar-
kritik hat ihren Hauptvertreter in Jakob Fich m an n,
einen feinsinnigen Lyriker und Stilisten, dessen gesammelte
Werke eben ediert warden und dessen Bedeutung filr die
Literaturentwicklun, g Palistinas noch besonders gewirdig-t
werden mull. Meister des modernen Erziihlungsstils sind
A. A. Kabak, Dow Kimchi, Ascher Barasch, Dwora
B a r o n uno der auch durch seine wohlgelungene Ueber-
setzung der Werke Schalom Alechems ins Hebriische ver-
diente J. D. B e r k o w it z. Von besonderer stofflicher und
sprachlicher Eigenart ist der tiefe und psychologisch weit
ausholende Ch. H as as. In den letzten Jahren treten neue
lyrische Talente hervor,
; Einen langen und schweren Weg hat die neuhebriische
Literatur, in, diesen zweihundert Jahren ihrer Entwicklung
zurlickgelegt. Sie ist, .hauptsichlich nach dem WeItkrieg,
in ihre alt-neue Heimnat zuriickgekehrt und beginnt hier ein
neues, bodenverwlrzeltes Leben. Nicht leicht f~illt es ihr,
sich in den ,,engen Verhilitnissen" der Heimat zurechtzu-
finden. Diese Heimat will erst wieder neu entdeckt werden.
Das erste. Geschlecht des kriifteverzehrenden Aufbaus ist
ifir nicht hold. Sie hat um ihre Existenz und Anerkennung
hart zu ringen. Ihre Hoffnung ist auf eine Zeit gerichtet, die
der Frage unserer geistigen Existenz als Juden wieder gr6Bere
Aufmerksamkeit zuwenden kann.


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40 JA HT E JVDT-SCHE R-UNDSCHAU


Seite 37






Se 8NDN 3 1


AUS FRANZ ROSENZWEIGS
(Fortsetzung von S. 33)
Mit den Turken stehen die Juden ,,pour les Allemands
gutl das. hatte ich auch schon an der Sicher- schrieben hatte und e
heit gslchen, mit der der Junge mit dem lites sp6cialement. Ui
Buchhtindler verkehrte, auch daran, daB er zur Synagoge geworde
wegs em Stack Krn
einmnal der Turke verstand niimlich cm beruigt, es sic MazzaK
bi8chen franzosisch mir znzwinkerte, aber Viertelstunde, nachher
glcichzeitig laut bestlitigte ,,ce nest pas cher ich beim Sch'ma nic
was er mir hinterher selbst ohne mein Be- Augen gelegt hitte.
fragen erziahlte und begraindete. Dagegen Sitte Nun ginge
stehen si mint den Christen schlecht und Sitte. Nun gingen rwechsewi
ohne mich, sage er, wirde er, gestoBen und Subjonctiv eir
und geschlagen werden. Sic nennen es Anti- her, als er hrte da
semitisnmus, das Wort my tI (das Mutter gefragt: warum denn
so perfckt lesen kann) kenncn sie in dieser es bei den Bulgare
Bedeutung nicht. Nun gingen wir zum Kastell- gezaht hatte dafB ich
berg, Enmanuel .pflickle inur ein Gras, das und hate mine Er
da wiachst und sich von solber in der Hand
spiralisch roll, und fragte mich nun aus,
was ich w :re? Savant. Was ich machete? Ich
erklarte iim, was em Historiker maclit. Ich
schriebe also Bucher. pour les Isra61ites? Aussi
pour les autres. Pour les Allemands
et:.? Pourquoi no fais-tu pas tout pour les Herzls Broschiireli) .
Israelites? Nun war guter Rat touer. -Das- bei kann man es .ni
Kind guckle mich so kategorisch an, .daB aber' auch mit unun
ich mir vbrkam, als ob das Volk selber mich. rung. Und cin Deuts
veirhrte. Ich crklirte es ihm so gut es going. Sprache dieser Brosci
Da'B man alles treiben mflsse um ems- zu sichtbar gewordene. S
verslehen usw., wir gingen am Wardar entlang, Wie toll rasch ab
reclhtzufrieden war er nicht mit meiner Ant- simmer so? ja es wa
wort;' iinmerhin fragte er nun weiter, ob ich ,,marschieren".
denn die histoire isra6lite auch wirklich Bei Herzl merkt a
kenne? Ja. Dis moi! qu'est-ce que tu sais welchem alle kritisch
de Moise, de David? (Auf mine Verdutzt- den MaB der biblisch
heit zuniichst ganz traurig: oh, tu ne sais Person gewesen sein
rien!) Mais c'est trop g6n6ral, demande-moi sche liB8t sich nicht e
chose plus sp6ciale. Eh bien (nach dagewesen sein.
einigem Oberlegen:) Combien de fils avait
Jacob? Douze. Et qui est devenu roi? Das Margarete Susman
wuBte ich nicht, er suchte mir darauf zu geh6ren; ihre Beziel
helfen und sagte: ,,Jo-", ich war immer junger zu sein. Ginzb
noch duimm; cr weiter: ,,Jose-". ,,Ach so! ihre neueste Entdecki
tu penses Joseph, mais cc n'est pas vrai" sogar, dafB man ihn
und nun war ich hoch" und erkhlrte ihm kann; bei einer Spr
Josephs Erfiiihrungsdiktatur. Dadurch wurde rischer Vergangenheit
or vertraulicher und fragte, ob denn die die Wucht eines Zital
histoire allemande obenso curieuse sei wie setzung ungow6hnlich
die histoire isradlite? darauf erzahlte ich zende bei Achad Ha;
ihm em bi8cchen von 1813. Da fragte er mich, kein traditionsloses I
ob es auck jiidische Philosophen gabe: ich dern in lfickenloser
nannte ilhm ,Mosche ben Maimon" et ;,Je- braisch der theologisc
huda ha ha Lwi". Da verhorte er (infolge der ristischen Literatur
sefardischen Betoning der Endsilbe ,,wi") schen" Zeiten. Inhalt
das ,,ha lewi" und sagtc: ,,je ne connais .i) Thcodor Herzl,.
que Elijahu hanabi". Nun erzaihlte ich .ihm i5) 1.Magarcte Susma
von Hermann Cohon und daB er erst'nir Frr-d i i,,r Zeitung voe


B IR I E F E N en danger" vorkam, absolut nich begriffen -,
also nun sagt er: et que Dieut te benit und
daf mir nichts geschehen solle und dann
et les Israelites" ge- plbtzlich ganz hastig: er hatte einen ge:-
rst jetzt pour les Israe- sehen,.dem hatte sein Vater deux pages tehil-
nterdessen. war es Zeit lim mitgegeben, die ,schfitzten ihn und ob
en (er hatte mir unter- mein Vater mir auch etwas Aehnliches mit-
gel gegeben und miech .
i), es dauerte nur eine gegeben hatte; nein; warum denn nicht?
fragte er.mich, warum ganz angstlich. Manche tun es bei uns aber
cht die Finer auf die manche auch nicht, et s'il m'arrive quelque
Das sei bei: uns nicht chose, ce sera la volont6 de Dieu. Mir war
und da wurde er ganz aber doch das Heulen nah fiber dieser Mi-
te sogar den Indikativ schung von Feierlichkeit und Kindlichkeit,
* hatte mich schon vor- und wenn "es nicht auf der StraBfe gewesen
B ich' fils unique bin, ware, .hatte ich den kleinen ,,Volksvertreter"
mein Vater nicht, wie es war das erste Kind, das mir in dieser
n wirklich geht, Geld Eigenschaft begegnef ist, sonst nur Greise -
nicht mitgemuBft haitte, beim Kopf genommen. So nahm ich iln nur
klarung, wori. ,,patriec. bei den Schultern und fuhr nachts ab.


Ueber Zionismus

[23. '9, 1916] so westjiidisch wie Buber (der fibrigens seiner-
st` etwas Kolossales; da- sets als Galzier und Enkel des groBen zu-
clit ohne Lacheln lesen,.. gleich Kaufmanns und Gelehrten Salomon
nterbrochener Bewundde Buber'auth ein gutes, Stiick ,,Ost"-Jude ist),
sch! ('kein, Deutsch,- die nur daB Ginzbergs' Westlichkeit die Fuirbung
hitre ist schon das erste von achtzehnhundertachtziger Jugend (Typus
ttick seines Staats.) etwa. Georg. Brandes, Anatole France) tragt,
er heute (oder war es Bubers von neunzehnhunderter. Charakteri-
ir- immer so) die Ideen. stisch fuir das *von auBen Herangewehtsein
der Susman ist die Unterschatzung Herzls,
man auch, daB und in- der nimlich ein grofBerer Mensch und selbst
hen Zweifel iibersteigen- ein jiidischerer Jude (all in seiner Ahnungs-
.e Moses eine historische losigkeit) war als jene beiden Literaten. Bei
muB; das Charaktcristi- Herzl allein spurt man jfidische Antike, bei
erfinden, es muB einmal Buber und Ginzberg doch hOchstens iidisches
Mittelalter (Talmud und Kabbala), Herzl hat
[28. 9. 1916] ,,Moses und die Propheten". Daf er naiv
muf zum Georgekreis genug ist, nur aus der Gegenwart, der ,,Ju-
hung zu Buber scheint dennot", heraus zu planen, ist grade seine
berg-Achad Haam scheint Grobe. Die (jammervoll schlechte, bisher
ungli); es wundert mich einzige) Biographie, von Friedemann glaube
auf deutsch so goutieren ich, enthalt Ziige von umreifender Einfach-
rache mit soviel litera- heit und Gr8oe. Dabei war er, wie alle groBen
, wo fast jede Wendung Juden, kein schlechthin reiner Mensch, son-
ts hat, geht in der Ober- dern einer, der naiv und berechnen zuglcich,
viel verloren; das Glin- das zweite um des ersten willen, war, wie es
am ist namlich, dagB ar zum ersten Mal Brod in der Figur des Tycho
Hebriisch schreibt, son- dargestellt hat (deswegen nannte ich Tycho
Anknui-fung an das He- Brahe einen jiidischen Roman).
hen, plilosophischen, ju- 5 2. 17
der ganzen ,,nachbibli- ch wei nicht, ob du die talmudische
lich ist er freilich genau Legende kennst: ein Rabbi trifft am Eingang.
Der Judenstaat, Wien 1896. einer H6hle den Propheten Elias (bekanntlich
nn, Wege des Zion.is.us.'1 I orluufer des Mdessias, nach Maleachi,,SchluB.-
)i 17. und 194 'Spt., 1913,. verss) und fragt ihn: wo ist Messias? Drinnen,


in der Hohle. Da geht er hinein und findet
Messias da sitzen. Da fragt er: wann kommst
du, Herr? Messias antwortet: Ileute. Da geht
er frbhlich heraus und wartet his zum Abend.
Als aber Messias immer noch nicht kommt,
sagt der Rabbi zu Elias: Messias hat gelogen;
er sagte, er kiime heute. Antwortet Elias: er
meinte: (Zitat aus Psalm 91 oder 92 oder 93,
.9415) ,,heute, wenn ihr auf mine Stimme
hort". Der Zionismus, wenn und stweit er
fiberschwinglich (wahnsinnig, bewuBt unm6g-
lich) ist, ein Volk, aber viel mehr als ein
Volk, das Volk will, geh6rt unter dies,,heute";
man kann ihn nicht anzweifeln, weil man
es nicht darf. Er ist heilig wie alles ,,Wahn-
sinnige". Der Zionismus aber, der ein ,,Nor-
males", ein jiidisches Glick, eine jiidische
Kultur, eine jildische Nation, einen jiidistheni
Staat will (,,einen K6nig wie alle die V61lker,
rings um uns") ein solicher Zionismtis hat
die gleiche Wichtigkeit wie etwa unmsre -
B6rsianer, die. uns einen juidischen Reichtum
schaffen, oder wie die polnischen (und nur
die polnischen???) Juden, die na6h Berlin
fahren, um den Professor zu konsultieren,
oder wie der Verein zur Abwehr des Anti-
semitismus oder der deutschen Staatsbiirger
judischen Glaubens. All das fristeti uns das
Leben. Auch in der letzterwiahnten Richtung
konnen ,,Funken" des mnessianischen ,,Heute"
verstreut sein. (H. Cohen!! der mir iubri-
gens wirklich mal auf mine Frage: ,,Ja,glau-
ben Sie denn, daB das ,messianische Zeit-
alter' er versteht darunter Weltfrieden mit
Ersetzung des Christentums durch ein cohen-
kantianisch verstandenes Judentum in den
nichsten fiinfzig Jahren anbrechen wird??"
antwortete: ,,Nein, aber in den naichsten hun-
dert" eine Geschichte, die doch fast eben-
so sch6n ist wie die ,Heute"-Geschichte.)
Also aus der Gleichung zwischen dem Heute,
das nur die Bricke zum Morgen sein will,
und dem andern Heute, das das Sprungbrett
zur Ewigkeit ist, daraus erklart sich allies
scheinbar Widersprecheride bei uns. Es steht
keinem Tage an der Stirn geschrieben, ob
er dieses oder jenes Heute ist." ,,Man kann
nie wissen." Also diirchaus keine geringe
Bedeutung. Sie fristen uns das Leben in der
Z e it. Denn Israel muB sich auch vom Heute
zum Morgen und Obermorgen durchschlagen,
damit es jederzeit ein Heute hat, aus dem
es das ,,Heute" jener Legende hervorrufen
kann, wenn es sich 'dazu entschlieBt. Nur
aus dem Leben flihrt das Sprungbrett ins
Jenseits; Tote, die nie gelebt haitten, wUrden
sicher nicht unsterblich werden konnen:
,,nicht geboren sein" ist n i c h t ,,das Beste",
16) Psalm 95, 7.


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Seite 38





;- P-*--I--j 7- -------- _-- -- -.-_


Betongieger auf dem Dach eine- Hau.es der Siedlung Frto:- sc



Kirijatli Bialik


Eine neue Sieluinng dentscher
Juden an der Haifa-Bucht
Foto: AleksandrTowutc




GERMAN JEWS SETTLEMENT TS TiL

.IT ..


-7w~







.. .. ... ....


Deutsche Siedler


Der Bauplatz.


verhandeln mit dem Ardlitekten


Redits die neuangelegte Strafle nach Haifa, auf der eine Autobuslinie die Verbindung mit der Stadt herstellt


Ra.math David


Eine von engli-
schen Juden 1931
zu Ehren Lloyd
Georges auf seinen
Namen (David) ge-
griindete Siedlung
im Tal Jesreel


Schafzudct hat his jetzt in jfidisdien Kolonien eine verhdltnis-
maifig geringe Rolle gespielt. Sie wird jetzt in gr6fierem Um-
fang in verschiedenen Kwuzoth eingefiohrt Fotos: Keren Kajemeth 3


A m 18. Juli 19.34 u-rde an der Haila-Budit auf dem Gelande
des Jlidisdien Nationalfonds der Grundstein zu einem neuen
Wohnviertel filr Siedler ausDeutschland gelegt, das Kirjath Bialik
genannt wurde. Audi das Kinderheim ,,Ahawa" aus Berlin hat
hier seine neue Heimat. In der Nachbarsdiaft liegt die Arbeiter-
Vorstadtsiedlung Kirjath Chaim (nadi Arlosoroff benannt).
Deutsche Juden sind die erste Gruppe nadi der Arbeiterschaft,
die die Stadt an der Bucht aufbaut.
Bel dem Bankett anilailich der Proklamierung der nadh ihm
benannten jiidisdcen Kolonie sagte Lloyd George in einer
Rede u. a. folgendes:
,,Idi kann die Dankbarkeit for die mir durdi Verkntipfung
metnes Namens mit einer Kolonie im Tale Jesreel zuteil ge-
wordene Ehrung kaum durdi Worte ausdrticken. Vor 11 Jahren
wurde in San Remo das Palastina-Mandat England ubertragen.
Damals war Palastina kein Helm for irgendein Volk, sondern
eine Ruine, bestenfalls war es der P 1 at z fOr ein Heim.
Ein Land, das einst5 Millionen reidilidi ernaihrt hatte, konnte
nunmehr einer Bev6lkerung von weniger als einer Million kaum
den armlidisten Unterhalt bieten. Der in den 11 Jahren either
gemachte Fortschritt ist unglaublidh. Ein befruditender Strom
von Reichtum, Energie, Eifer und geistiger Leistung hat sidh
nadi Kanaan ergossen. .... Die Mensdcen, die der Zionismus
in Palastina sammelt, kommen aus alien Teilen der Welt. Sie
kommen, bereidiert durch die Beruhrung mit allen nationalen
Kulturen der Welt, so daBf wir von dem zionistisdien Experi-
ment nidit nur for Paldstina, sondern for alle Lander, nidit
nur fOr die Kinder Israels, sondern for alle Mensdienkinder
GroBfes erwarten konnen."


Frihlingsarbeit im Obstgarten. AuBer Orangen, Grape Fruits
und Bananen werden in Palaistina, besonders im Emek, Wein,
Aprikosen, Pflaumen und Pfirsiche gepflanzt Foto: Associated Press


! 1-
L.






Seit 4040 I FIE JJDI~I-I~ RUDSCAU r. 3/32 17.IV.193


Perez, eine der eigenartigsten, tiefsinnigsten und ideen-
reichsten Dichter-Pers6nlichkeiten der neueren jiddischen Lite-
ratur, ist im Jahre 1851 in Zamosc, einer an Ueberlieferung
reichen Stadt Polens, geboren. Er ist als Dichter und Denker
der Erneuerungsbewegung im ostjiidischen Kulturbezirk zu
vielseitig, zu vielgestaltig, um auf einen allgemeinen Nerner
gebracht werden zu k6nnen. Seine Dichtungen stellen ein
prachtvolles Mosaik von ver-
schiedenen Formen und Stilen,
von Inhalten und Tendenzen
dar, sie schillern in allerlei bun-
ten und zauberhaften Farben,
haben ihre Hohen und Niede-
rungen, sind oft von tiefster
Lyrik getragen, manchmal sen-
timental und realistisch, um
wiederum in sarkastischer Poin-
tiertheit, im Ap horismus und
Gleichnis auszuklingen. Neben
der feinsten Nilanzierungskunst
ein verschwenderischer Gedan-
kenreichtum und ungebroche-
ner Lebenswille.
Perez' Schaffen ist feinglie.
drig und motivreich, es ist
aber kaum von einem Grund-
motiv, von einer zentralen Jwadiiches Lemxkon
sich simmer wiederholenden
Problemstellung beherrscht. Wir finden bei ibm so-
wohl soziale wie psychologische, religi6se und philo-
sophische Motive, eine scharfe Tendenz zur Aufklirung und
Reform, andererseits einen ausgesprochenen Hang zum Roman-
tischen und Mystischen. Wir sind Zeugen seines Kampfes umr
die Haskala, um den Sozialismus und finden bei ihm die neue
Sinngebung des chassidischen Weltbildes. Dineben begegn'en
wir einer Vielheit der Formen. Er war Lyriker, Epiker und
Dramatiker. Er war ein Meister der ziselierten Skizze und des
scharfen und spitzen Dialoges. Er gestaltete realistisch, im-
ressionistisch, psychologisch und symbolisch. Daneben war er
sbeiender Satiriker und moralisierender Allegoriker, Tages-
scEhriftsteller. Feuilletonist und feingeistiger Essayist. Neben dem
Aufkliirer und Revolutionir haben wir in Perez den Strafpredi-
ger und Bekehrer.
Seltsam gewunden und veriistelt war der Weg, den Perez
als Schriftsteler untd Dichter gegangen ist. Sein vorwirtssftir-
mender jugendlicher Geist konnte sich nicht mehr in den alt-
hergebrachten Lebensformen der zeitgen6ssischen Judenheit
Osteuropas, in ihrer Weltfremdheit und Weltabgeschlossen-
heit, in der Enge des geistigen Lebensraumes ausleben. Be-
rauscht von dem Glanz europtiischer Kultur, sang er .ihr die
h6chsten Lobeshymnen. Mit tausend Fiden zog es ihn hinaus
in die Ferne, zum Licht der Aufkldirung, zur Bildung und zur
Weltoffenheit. Er schliigt in seinen Dichtungen dieser Zeit
den kritisch-satirischen Ton des Aufklgirers und Sp6tters an
und richtet seinen Kampf gegen all das, was ihm als Still-
stand, Rfickschritt oder Obskurantismus schien.
Eine Zeitlang ist er Realist und Impressionist. Er fiihrt
eine scharfe Sprache gegen die Dunkelmdmiier, gegen die Bat-
lanim und Nichtstuer, die in unheilbare geistige Verblendung,
in bodenlose Leichtgliubigkeit verfallen sind. Seine fein-
sinnige bissige Satire wendet sich damals gegen die Allmacht
des ,Straimels", jener wundersamen Kopfbedeckung der Rab-
biner an den Festtagen. Er h6hnt dem unheilvollen Aberglau-
ben, wie er sich hunter der gro8en Masse der Chassidim breit-
gemacht hat. Er will, vie er sich-da ausspricht, das Volk
bilden, um ,,aus Fanatikern gebildete Menschen, aus Luft-
menschen Arbeiter, productive, nitzliche Menschen usw." zu
machen. Wie die Aufklirung im allgemeinen, so glaubt auch
Perez an die unbeschrankte Allmacht der Bildung.
Hand in Hand mit dem religibsen Verfall, mit dem Aber-
glauben und mit der Unwissenheit geht die wirtschaftliche
Not, diegrauenvolle Verelendung der jiidischen Massen. Perez
wird daher zum leidenschaftlichen Ffirsprecher der Armen und
Unterdriickten, ein meisterhafter Schilderer des Ghettoelends,
ein Anlsiger der unwilrdigen und unmenschlichen Lebens-
verhaltnisse, hunter denen eine gequlilte, am Verbluten nahe,
armtne und unwissende Volksmasse lebt, ja vegetiert. Von die-
sem Geist ist eine Reihe von Novellen und ein guter Teit
seiner Lyrik getragen.
Perez ist, im Unterschiede von Mendele oder sogar Asch,
die Statiker sind, der Dynamiker in der jiddischen Literatur.
Jede neue Idee, jede neue Wahrheit, der er auf seinem Wege
begegnet, entflammt sein Gemilt, trigt Unruhe in sein Herz.
Perez der Kiimpfer filr soziale Gerechtigkeit, der Ratio-
iualist und Aufklirer, der Weltverbesserer, ist zugleich der
Griibelnde, der Tr~iumer, der Romantiker und Irrationalist.
Schon in seiner friihen, satirischen Ballade ,,Monisch", der ein
faustisches Motiv zugrunde liegt, verrdit sich schon der sph-
tere Romantiker.
Aber Perez ist auch kein Romantiker in jenem landliufi-
gen Sinne. Ihm ist das Wesen jener passive, hingebungs-
vollen Romantik fremd, deren Welt das Regellose, das AuBer-
e.w6hnliche und Wunderbare, das ferne Jenseits der Dinge ist.
e Romantik ist ihm nicht Selbstzweck, nur ein wonnevolles
Schwelgen und ein Sich-Vergessen. Die Romantik erwichst bei
Perez aus einem starken Gefiihl der Diesseitigkeit, des Kamp-
fes im Widerstreit der polaren Krdifte und ihrer Ueberwindung
zu einer Ganzheit. Er hat dabei nie den Rationalismus v611ig
fiberwunden.
Im Ringen um ein harmonisches Weltbild, in jener Sehn-
sucht nach innerer Ganzheit und Ausgeglichenheit, n iert sich
Perez der eigenartigen Welt des Chas s i d is m u s. In dieser
reinen, unbeirrten Gliubigkeit fand er sich in seiner Sehn-
sucht erfillct. Aus der chassidischen Ueberlieferung schligt
ihm ein lebendiger, frischer Quell der Weisheit und innigster
Sch6nheit entgegen. Mit hingebungsvoller Liebe vertieft er
sich in sie, holt aus den Urtiefen der Volksseele reiche Schitze
hervor, die er in seiner Weise, mit seiner spezifisehen Fir-
bung umdichtet und umgestaltet. Hier ist Perez der Lieblings-
gestalt der chassidischen Legende begegnet, die herzensrein,
unbeirrt lebt, das Leid und den Widerspruch in ihrer Gott-
gliubigkeit, in ihrer stillen Zuversicht, iiberwindet. Die see-
Daher spielt auch in den Chassidischen Geschichten von
Perez die Mel o di e, die Weise, der Niggun eine zentrale
Rolle. Aus dem Chaos der Weltenstimmen h6rt sein Ohr nur
die gleiche Melodie, die aber gesungen wird in verinderter
Tonart, in ihrem eigenen Rhythmus. Die wahrhafte Melodie,
sagt Perez in seiner beriihmten Erzhihlung ,,Kabbalisten", wird
ohne Stimme gesungen, sie ist later Geistigkeit. Es ist die
innerlichste, tiefstverankerte Schb6nheit, die nur durch innere
Schau erfaf8t wird. Dieses Motiv kehrt auch in den anderen
Geschichten wie die ,,Verwandlung einer Melodie", ,Zwischen
zwei Bergen" usw. wieder.
Die Romantik war filr Perez wegveisend. Er fand in ihr
eAn klares Ziel der Versenkung im Volkstum, in dessen Ver-
gangenheit, in den heroischen Taten seiner grolen Miinner.
schreibt und dichtet seine ,,V o l ks t iimlichenEr z & h.
lunge n". eine Nachdichtung und Nachlese chassidischer


Legenden. Das ist ein klassisches Buch sowohl in seinem tief
nationalen Inhalte, in seinem reichen und kraftvollen Stil wie
in seinem behaglich epischen Erzihlerton. Was uns hier
Perez geben will, ist nicht etwa die bloBe Idealisierung der
Vergangenheit, sondern er will wegweisend fiir die. Zukunft
sein. Er, der Kimpfer und Satiriker von western, sucht nicht
die Vergangenheit, sondern das neue Leben, das Jetzt. Das
Vergingliche ist ihm nur ein Gleichnis. Das Unwirkliche,
Entriickte, wurde ihm einzige Wirklichkeit, das Irrationale
h6chste Wahrheit.
Eine zentrale Rolle nimmt auch hier wie in den spliteren
Dramen von Perez das Problem der Einzelpers6nlich-
keit ein. Perez offenbart uns hier die innere Gr68e des un-
bekannten und verborgenen Gerechten, den die
Volkslegende mit einem ,.Glorienschein des Wunderbaren um-
geben hat. Je unscheinbarer er nach auBen hin wirkt, um so
tiefer glimmt die leuchtende Flamme seiner Innerlichkeit und
Herrlichkeit. Am Tage ist er stumm, verrichtet sein miihseliges
Tagewerk wie einer der letzten. Er lebt hunter den Einfach-
sten und Geringsten. Aber in der Nacht wird er erleuchtet,
ein Lichtquell entziindet sein Inneres, er wird befreit und
seine geheimen Krafte beleben sich, kommen erst zur eigent-
lichen Entfaltung. Ihm offenbaren sich dann die heiligen Ahnen,
der Prophet Elia ist ein stindiger Gast. Er wiichst zu einem
geistigen Riesen aus, heilt Kranke, vollbringt Wunder, erl6st
Gefangene usw. Einer dieser unbekannten, verborgenen Hel-
den ist auch der ,,Schwarzkiinstler". Eigentlich, nach auBen
hin, ein Zauberkiinstler, der sich miihselig durch seine Kunst
ern hrt aber in seinem Inneren leben ungeahnte Krifte, die
imstande sind, Welten zu zerstdren und wieder aufzubauen.
Die Glaubigkeit des Menschen, seine Zuversicht in Gott, bringt
diese geheimsten Krafte zur Entfaltung, zur tatigen Hilfe.
Die Romantik Perez', die zuweilen hunter dem EinfluB der
russischen wie der westeuropaiischen Neoromantik steht, hat
ihre eigene jiidische Note. Sie ist von h6chster Kraft und
Geschlossenheit getragen. Wir seen, daB auch Perez in der
jildischen Volkslegende wie im Chassidismus denselben ur-
tiefen Gedanken gefunden hat den der still Philosoph und
Mystiker, der Flame Maeterlinck, in seinem wundersamen Buche
,,Der Schatz der Armen" ausspricht: Unsere Seele ist tiefer als


JIZCHAK LEIB PEREZ


Zu seinem 20.Todestag am 19. Nissan


DIE ERSTE HERZL-BIOGRAPHIE


Es ist kein Irrtum ich habe mit BewuBtsein und Vor-
bedacht ,,die erste Herzl-Biographie" geschrieben, obwohl
ich weiB, daB wir bereits seit 1914 eine Reihe von Versuchen,
das L e ben Theodor Herzls darzustellen, besitzen: die Schriften
von. Adolf Friedemann, Baruch Hagani, Leon Kellner, Ruben
Brainin, Jacob de Haas, Manfred Georg und J. Patai; den
gr6Bten Teil der zitierten Werke habe ich gelesen und einige
von ihnen liebe ich. Aber ein Doppeltes, das jedes in seiner
Art das Neue und bisher Einzigartige der Biographie von
Alex Bein zeigt. rechtfertigt es, wie mir scheint, von diesem
Werke als von der ersten Lebensgeschichte Herzls zu sprechen.
Alle bisherigen, Biographen des Mannes, der dAs jtidische
Volk zu neuem Leben erweekt 'hat, haben sich bei der Dar-
stellung seines Lebens, sofem sie nicht einfach nur seine
Tagebucher paraphrasierten, auf sehr lfickenhaftes Quellen-
material und auf die eigenen Erinnerungen gestiitzt. Bein hat
zum ersten Male die gesamteti gedruckten und unver6ffent-
lichten Quellen benutzt und auf sie gestfitzt sein Bild vom
Leben Theodor, Herzls gezeichnet. GewiB: auch ibm wird noch
dieser oder jener Brief, der noch in Privatbesitz oder in 6ffent-
lichern Archiy unbekannt liegt, nicht vor die Augen gekommen,
manches Manuskript und manche Aufzeichnung einer Rede
Herzls noch verborgen geblieben sein aber was bedeutet
das gegenfiber der unilbersehbaren FRile von Material, das
Bein im NachlaB Herzls, in den Archiven 'seiner Freunde und
Mitarbeiter sowie in 6ffentlichen Bibliotheken und Archiven
eingesehen und analysiert hat. Wien Berlin, Jerusalem sind die
Hauptstationen auf diesem wahrlich nicht leichten Wege zu
den Quellen seines Werkes.
Qr6Ber aber noch als diese Leistung Beins ist das Zweite,
das dieser Herzl-Biographie ihren Rang und ihre Bedeutung
in der Herzl-Literatur verleiht. Sie ist ein wissenschaftlich-
historisches und als solches ein kiinstlerisches Werk ersfen
Ranges. Was ist das wahre Wesen der Biographie wie der
Geschichtsschreibung ilberhaupt? Doch nicht etwa nur die
liickenlose Aneinanderreihung der aus den Quellen gewonne-
nen Tatsachen nach ihrem zeitlichen Ablauf, sondern die Kunst,
das Leben des Menschen, dem die Darstellung gewidmet ist,
in seinem Werden und Wachsen oder Sinken von innen heraus
zu erspiiren, im Knaben oder Jiingling den Mann zu ahnen,
in leisesten Andeutungen, im Geffihl, im Wort, in der Tat
des Dargestellten, und m6ge sie zunichst noch so undeut.
lich und bedeutungslos erscheinen, die Linie der Lebensbahn zu
verfolgen. uqd zu all dem die FAihigkeit, sich im Augenblick
des Forschens, Erkennens und Darstellens von dem gleichen -
helBen oder kfihlen Atem tragen zu lassen, den das Leben
des dargestellten Menschen geatmet hat.
Es gibt keinen stiirkeren Beweis daffr, daB Bein diese
Kunst des echten Biographen wirklich besitzt, als die ersten
drei Kapitel seines Werkes. Sie sind nicht sehr spannend, und
dies ist vom Verfa'sser gewollt. Die Darstellung ermangelt in
den ersten drei Kapiteln der Spannung, weil das Leben Herzls
in den Jahren bis zum Beginn seiner Tatigkeit als Korrespon-
dent der ,,Neuen Freien Presse" in Paris selbst spannungslos
verlief. Er war his dahin ein Schriftsteller gewesen, ein Feuille-
tonist, sogar ein guter, ein sehr angesehener Feuilletonist. Was
aber war das schon! In der literarischen Welt und besonders
in Wien hat es immer gute Feuilletonisten gegeben. Herzls
Leben war bis dahin als das eines Mannes, der die Sorgen
des Lebens pers6nlich kaum kennengelernt hatte, glatt, rei-
bungslos, spannungslos verlaufen. Das fdirbt auch die Dar-
stellung seines Lebens. Der Verfasser besal die Kunst, auch
fiur den schleppenden Atem dieses Vorstadiums im Leben
Herzls den retardierenden Rhythmus der Darstellung zu finden.
Aber dann beginnt mit Herzls Uebersiedlung nach Paris
und derm Beginn seiner Berichterstattung ffir die ,,Neue Freie
Presse" in Wien das neue Kapitel seines Lebens, in dem er
zum Erwecker, Fiihrer, Organisator eines Volkes werden soil.
Er hat nun nicht mehr riur Feuilletons zu schreiben, sondern
Berichte von der Totalitat des Lebens eines Landes und
Volkes zu geben, er muB Wirtschaft, Recht, Verfassung und
Politik dieses Landes und Volkes kennen, verstehen, analy-
sieren und darstellen lernen. Er muB selbst Politiker, noch
nicht handelnder, aber denkender Politiker werden. Herzl wird
politisch denkender Mensch, erfaft und erfiillt von der Leiden-
schaft, die allem politischen Leben eigen, und sogleich
weht aus dem Buche Beins, das das Gemalde des Lebens
Herzls maltz der heiBe Atem dieses neuen Lebens Herzls
entgegen. Die Spannung, die man in den ersten drei Kapiteln
vermi t hat, ist nun mit einem Male da; sie packt, sie waichst,
je stirker der Rhythmus des Lebens Herzls selbst je mehr er
vorm denkenden und schreibenden Politiker handelinder Poli-


tiker, der gestaltende Politiker, Fiihrer seines eigenen 'olkes
wird. Das Leben Herzls wird zum Roman, zur Balladeizum
Drama. Ein Buch, das du liest, nimmt von dir Besitz, weil
das Leben, das es darstellt, von Kraft und Leidenschaftvon
Liebe und Abneigung, von Kimpfen und Ringen, von Hqffen
und fast Verzweifeln und wieder Hoffen und Kiimpfen gjagt
wird und weil der Verfasser dieses Buches die Kunst be-
sitzt, fiir all die Stadien dieses heroischen Ringens Cnes
Menschen, das zuletzt ein Wettlauf mit dem Tode wird, ten
eigenen Rhythmus der Darstellung zu finden. Atem der ie-
schichte weht dich an; ein Mensch wird vor deinen Augen!er
Lenker der Geschicke seines Volkes.
Denn das ist das dritte GroBe an Beins Biographie Herq
"e'erispilrt das Werden des Politikers und Staatsmannes He r,
der seine L6sung der Judenfrage nicht nur gedanklich such,
sondern um ihre Verwirklichung ringt, von den friihesten Aq
fingen an. Wir hatten uns daran gewbhnt, von dem Wtnd
der Riickkehr Herzls zu seinem Volke, von seiner Erweckun
durch das Erlebnis der Dreyfus-Affaire zu sprechen. Beins Buch
zeigt und belegt aus' den Quellen daB das Ringen Herzls
mit dem Judenproblem viel, viel friiher beginnt als erst in den
Zeit der Dreyfus-Affire, ja, daB es ihn eigentlich vomr Er-
wachen seines selbstindigen Denkens an immer begleitet hat.I
Und nur in zweifacher Beziehung ist der Aufenthalt li-erzls ini
Paris zur Zeit der Dreyfus-Affare entscheidend fiir seine Riick*j
kehr zu seinem Volke und seine Erweckung zum Fiihrer diese,"
Volkes geworden. Das Erlebnis brachte den Zuindstoff, der jahr.;
zehntelang aus immer neuer Bewegung mit dem Judenprobler'"
in Herzl angesammelt war, zur Explosion. ,,Der Judenstaat";
ist die Reaktion des zur letzten Erkenntnis der JudenIrage
herangereiften Herzl, der in eben dieser Zeit auch zur keife
politischen Denkens gelangt war.
Soil ich noch von weiteren QualitAiten der Herzl-3io,
graphic Beins sprechen, von seiner Fdihigkeit und Kutst,
Personen mit wenigen Siitzen zu charakterisieren, von sexier
Beherrschung der allgemeinen und jiidischen Zeitgeschiclte,
in die er den Ablautf des Lebens Herzls einzugliedern weB,
von seinem hellsichtigen Eindringen in die Geschichte &s
politischen und kulturellen Zionismus und anderem mehr? ,h
will nur noch auf eine hohe Tugend des neuen Herzl-Bi.-
graphen hinweisen: er ist als echter Historiker ehrlich utd
wahrheitsliebend auch gegeniiber dem Manne, dessen LelMi
er darstellt. Er verschleiert und besch6nigt die geschichtlicle
Wahrheit nicht. Wo er Irrtimer und Fehler sieht, Unzuling-
lichkeiten, Menschliches, Allzumenschliches, geht er dariibe
nicht hinweg. Aber gerade dadurch entsteht in dem Buche da
echte Bild von Theodor Herzl, der nicht ein Mythos, einm
Legende, sondern ein Mensch mit allem Menschlichen, seinei
Schwiichen und Irrtiimern gewesen ist.
Ja, es m6chte mir scheinen, dal gerade auf dieser kriti.
schen Wahrheitsliebe Beins der einzige ernsthafte Fehler be-
ruht, den er neben ganz wenigen sachlichen Irrtiimern began.
gen hat. Auf S. 476 '(der deutschen, S. 449 der hebraischen
Ausgabe) ver6ffentlicht Bein einen Brief Herzls an David
Wolffsohn, der m. E. im vollen Wortlaut besser unver6ffent-
licht geblieben ware; nicht etwa nur, weil der in diesem Briefe
Angegriffene heute noch lebt, sondern weil der Brief ein
hemmungsloser Affektausbruch Herzls ist, dessen Form der'
Schreiber des Briefes spliter gewiB selbst bedauert hat.
Ich sage, daB dem Werke Beins kleine Miingel anhaf-
teten einige, die die hebraische Ausgabe (in der stilistisch
vortrefflichen, freilich etwas ungenauen Uebersetzung D. Kim-
ch i s) enthalt, sind in der deutschen bereits beseitigt. Gegen-
fiber der Gr6Be der Leistung dieses biographischen Werkes
sind diese Mingel v6llig bedeutungslos.
Die ,,Jfidische Rundschau" schrieb vor kurzem in ibrer
ersten Ankiindigung der neuen Herzl-Biographie Alex Beins
(Nr 20, S. 2), ,,man k6nnte von einer Herzl-Renaissance reden".
Wenn etwas geeignet ist, diese Herzl-Renaissance, die rir
auch fur den Zionismus selbst wichtig erscheint, herbeifiihren
zu helfen, dann diese Lebensgeschichte Herzls. Ich glaube, daB
wir Bein und den beiden Verlagsanstalten, die ihm die Her.
ausgabe des Werkes erm6glicht haben (hebraische Ausgabe:
Mizpah-Verlag, Tel-Awiw 1934; deutsche Ausgabe: Fiba-Ver.
lag, Wien 1935), gar nicht genug danken konnen, und ich habe
die GewiBheit; daB das Werk Beins weiteste Verbreitung fin-
den wird. Sie wird auch fuir die hebraiische Ausgabe um so
rascher erfolgen, wenn sich ihr Verlag entsch'iet, sie nicht
nur als einleitende Binde zur Gesamtausgabe der Schriften
.Herzls, sondern als selbstandiges Werk herauszugeben.
Dr. Georg H erlitz, Jerusalem


wir und sie ist nicht fiir unsere Taten verantwortlich. Se
kann groB sein, obwohl unsere aiuBere Taten klein sind, ie
kann rein sein, obwohl unser K4rper uwrcin und beflecat
ist....
Perez setzt seinen Kampf gegen die MittelmlBigkeit ind
Halbheit, fur den Einsatz der ganzen Personlichkeit in seinei
dramatischen Werken fort. Nicht von der grollen Masse, so.-
dern von der starken Pers6nlichkeit, die sich selbst treu bleib:,
erwartet er die befreiende, erl6sende Tat. Die Trag6die des
Chassidismus in der ,,Goldenen K ett e" besteht in der
Kleinmiitigkeit und Unglaubigkeit der Welt Der Hauptheld
dieser dramatisch-symbolischen Handlung ist R. Schlojmele,
der die tragische Gestalt der grolien Pers6nlichkeit verkbr.
pert. Er will die Welt durch die Kraft des Glaubens (ahnlich
wie bei Bjbrnson) erl6sen. Er will die Alltaglichkeit durch den
ewigen, freien Schabbat abl6sen, der MittelmAiligkeit in der
Welt drauBen ein Ende machen. Mit iubelnder Stimme ruft er
seinen Mitmenschen zu:
Sabbat sei,
Sabbat wiihre
Ewiglich
Sien und Ernten,
Handeln und Hasten
Ist nicht mehr . .
Aber er scheitert an seinem Befrelungwetc, *w6t die Welt
ungliubig, kleinmiitig ist, weil das Gest i.c-fht vow Kurz-
atmigkeit geplagt ist; es hat nicht. dte Kraft de' Ausdauer,
Nur jene stolen ,,sabbatfeierfrohen, l6sifngsjauczel.d-frdeen
Juden", die fiber die Triimmer einer morschen, ztisammen-
gefallenen Welt schreiten, diese Juden-Pers6rrlicdkeitem sAnd
das Ideal, das Perez hier verk6rpern will. Sie ringer mrit dern
Satan, ja mit Gott selbst um ihre Erl6sung.
Allein die Welt ist n i c h t befreit. Die MittemalBigkelt
der graue Alltag hat gesiegit und so ist die dramatsche Dich.
tung ,,Die Nacht auf dem alten Markt" der Ausdrt:k tiefsten
Pessimismus, des Zweifels und der Mutlosigkeit. Ir den han-
delnden Menschen sieht Perez nur noch Symbole. Die Welt
ist unwirklich geworden, sie redet nur noch in Zeiclen. Es ist
Nacht um Perez geworden. Es ist die Trag6die er macht-
losen, ohnmichtigen jildischen Wirklichkeit wo alls (ahnlich
in der Motivbehandlung bei dem Polen Wispianski in seiner
,,Hochzeit") nur Schrecken und Grauen, Verderb md Unter.
gang atmet.
Perez hat uns eine wundersame, in mannigfacher T6nung
erffillte Welt jiidischer Wirklichkeit gemalt. Es ist ei:e Welt,
um mit Buber zu sprechen, die wir leben ,,aber esist eine
sterbende Welt. Und die neue Welt wird heute geborei".
Dr. Jakob M;itlig


Site 40


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31/32, 17. IV. 1935






Nr. 31/32, .17. IV. 1935 40 JAHRE jt~DIscI-IE RtJNDSCHAU Seite '41


Um das Reichstheatergesetz
In der Monatsschrift fuir das Geistesleben der Gegenwart
S timmen der Zeit" vom April 1935 kommt Qr.
Paul Westhoff im Rahmen einer Abhandlung ,,Die kultur-
politische Bedeutung des Reichstheatergesetzes" auch auf
die rassischen Erfordernisse bei der Leitung des Theaters
zu sprechen. Das Reichstheatergesetz wie das Reichskultur-
kammergesetz enthielten k e i n e ausdriicklichen Bestimmun-
gen fiber die Behandlung der Nichtarierfrage. Der
Reichspropagandaminister habe jedoch in einem ErlaB vom
5. 3. 1934 festgestellt, das Auftreten auf deutschen Bilhnen
sei von der Zugehlrigkeit zur Reichstheaterkammer
abhingig, Nichtariern werde aber die Aufnahme in diese
Kammer regelmiiBig verweigert. In dem erwiihnten Artikel
wird daraut hingewiesen, dali der Geschaftsfuihrer der Reichs-
theaterkammer, Almnann, in seinem Kommentar ,,D a s T h e-
atergesetz" (C. Heymanns Verlag, Berlin 1935) be-
merkt, es seien zundchst die Bestimmungen des Gesetzes
vom 7. April 1933 zur Wiederherstellung des Berufs-
beamtentums und seiner Durchfihrungsverordnungen ent-
sprechena anzuwenden, es bestehe aber durchaus die M6g-
lichkeit, fiber diese Bestimmungen hinauszugehen.
In dem sodann zitierten Kommentar S. 46 heiBt es hierzu:
,,Denn einmal bcziehcn sich die genannten Gesetze nur auf die
erste Phase der nationalen Erhebung und solltcn cine Entfcrnung
aller aus rassischen und sonstigen Grijnden ungeeigneten Elemente aus
dem 6[fentlichen Lcbcn herbeifiuhren. AuBcrdemn schliefien diese Ge-
setze natijrlich in keiner Weise eine kiinftigc andersartige Behandlung
auch solicher Thcaterscha[cenden aus, die vicllcicht an sich der Rcchts-
wohltaten der Ariergesetze teilhaftig werden kdnnten. Ferner ist zu
beachten, da6 das Theatergesetz als spiiter crgangenes und vor allem
als das Sondergesctz fUir das TheaLerwesen hunter allen Umstdnden
friiheren Gesetzen vorgeht, soweit sic im Widerspruch zu ihm stchen,
bzw. durch das Theatergesetz hinsichtlich der von ihm erfaBten Per-
sonen ergiinzt werden soliten."
Das ist wohl so zu verstehen, daB auch solche Nicht-
arier, die nach dem Berufsbeamtengesetz zugelassen wiren
(z. B. Frontkampfer), ausgeschlossen werden k6nnen.

Der Kopfindex. Anlifilich des 70. Geburtstages von Pro-
fessor Kruse, dem bekannten emeritierten Leipziger Ordi-
narius, macht uns ein Leser auf eine der letzten Arbeiten
Professor Kruses aufmerksam, die in der ,,Deutschen Medi-
zinischen Wochenschrift" vom 16. November 1934 ver6ffent-
licht wurden. Die Arbeit handelt vom Kopfindex, der filr die
Rasseforschung besonders wichtig ist. Professor Kruse ist
auf Grund vielfiltiger, auch eigener Forschungen zu dem
Resultat gekommen, daB die Plastizitdit des Schfidels vor, aber
auch nach der Geburt unbezweifelbar sei, daB ,,mindestens
in diesem Alter von Rasseneigentilmlichkeiten der Schlidel-
torm nicht die Rede sein kann". Erst nach dem 21. Lebens-
jahr ibekomme der Kopf seine dauernde Form. Bei Siiuglingen
sei festgestellt, wie vornehmlich die ,,Umwelt", z. B. ,,die
Lagerung hbchstwahrscheinlich nicht nur die Kopf-, sondern
auch die Gesichtsform beeinfluBt". Aber auch bei den Unter-
suchungen von Auswanderern sei der EinfluB festgestellt,
,,den einerseits der Ort ihrer eigenen Geburt, andererseits
der neue Geburtsort ihrer Nachkommen auf deren Kopfform
ausiibt. Dabei zeigte sich unwiderleglich, daB der letztere
EinfluB bei weitem fiberwiegt, mit anderen Worten, die ,,Um-
welt" an der Bildung des Kopfes viel mehr (70-90 0/o)
beteiligt ist als die ,,Vererbung" ... Von den J u de n weifB
man, so sehr sie sich sonst ihneln, dalf sie einen sehr .ver-
sc.hiedenen Kopfindex haben. Der Vergleich mit ihren Wirts-
V61kern lehrt, daB sie sich in dieser Beziehung dttchaus
ihnen angepaBt haben.


Die Juden in Frankfurt am Main
Im Gemeindeblatt der Frankfurter Israelitischen Gemeinde
werden die Ziffern fiber die Bev6lkerungsbewegung
unter den Juden in Frankfurt a. M. im Verlaufe des Jahres
1934 ver6ffentlicht. Die Zahlen geben interessante Aufschliisse
fiber die Veriinderungen, die das vergangene Jahr innerhalb
der jfidischen Bev6lkerung einer Groflgemeinde, die bei der
Volkszdihlung i. J. 1933 26158 Personen zihlte, hervor-
gerufen hat. Im Jahre 1934 sind bei der Jildischen Gemeinde
in Frankfurt a. M. insgesamt nur 67 Geburten
gemeldet worden; im Jahre 1933 waren es noch 107. Der
geringen Zahl der Geburten stehen 314 T ode s fai 11 e gegen-
fiber (i. J. 1933: 233). Als Todesursache ist in 14 Fallen
Selbstmord angegeben.
Die Zahl der EheschlieBungen betrugen i. J. 1933
178, i. J. 1934: 136 (davon 22 Mischehen). Die Zahl den
Austritte aus dem Judentum bzw. aus der Gemeinde betrug
i. J. 1933: 175, i. J. 1934: 153; Wiedereintritte in das Juden-
tumrn bzw. in die Gemeinde 1933: 45 Personen, 1934: 21 Per-
sonen.
Die Wanderungsbewegung: 1934 zogen 1703
Juden nach Frankfurt a. M.; i, J. 1933: 1521. 1934 sind rund
1700 Personen fortgezogen; davon nach anderen Orten
Deutschlands 675 Personen, nach dem Ausland 803 Per-
sonen. 1933 betrug die Zahl der abgewanderten Juden 3479,
von denen innerhalb Deutschlands 1078, nach dem Ausland
2134 zogen.

Fritz Kortner als Abdul Hamid. Aus Prag wird uns
berichtet: In verschiedenen europaiischen Hauptstlidten ist
dieser Tage ein Film angelaufen, der sich zu einemn'
triumphalen Erfolg fuir Fritz Kortner gestaltet hat. Als dieser
sehr intensive, von eigenen Stuck- und Regie-Ideen stets
erfillte Darsteller noch in Berlin war, hatte er sich schon
einmal um die M6glichkeit bemiiht, die Figur Abdul
H a m i d s filmisch zu gestalten. Er war damals mit seinen
Plinen gescheitert. Jetzt hat er sie in England erfullen
k6tlnen. ,,D e r rote S u It an" ist ein faszinierendes Schau-
spiel geworden, das hundertprozentig echter Film ist. Hand-
fest, im Bau des Drehbuchs augerordentlich geschickt und
bei aller Betonung des Abenteuerlichen durchaus von Niveau
- dies alles eint sich mit einer blendenden Kameratechnik,
artistischen Gags fiir Auge und Ohr und mit einem Aufwand,
der aus dem Vollen sch6pft. Kortner gibt den letzten Sultan
der Turkei, dieses Ueberbleibsel einer Dynastie, deren Hilup-
ter durch die Jahrhunderte gek6pft, gehingt, stranguliert und
vergiftet wurden. Wir kennen Abdul Hamids Bild vor allem
sehr eindrucksvoll aus Her z 1 ls Beschreibung. Wie ent-
larvte sich ihm beim Besuch im Palast dieser ,,K6nig
der K6nige" als ein kleines, blaiBliches, rotbiirtiges Mann-
chen, das verkrilmmt durch die Wunderhallen aus Marmor-
filigran irrte, bis es das siegreiche Trompetengeschmetter
der jungtuirkischen Rebellen hinausblies. Kortner gibt dies Ge-
spenst auf dem Thron, das sich vor Angst verzehrt, mit
flackernden Augen, dem schiebenden, schleichenden Gang
einer schiefen Seele, jiihzornig, briinstig, raffiniert-verschlagen
und zugleich uniendlich einsam. Seine Leistung erinnert an
seinen Zaren im ,,Patrioten". Nur ist allies konzentrierter
una innerlicher geworden. Er ist nicht der einzige Jude dieses
Films, der in wenigen Wochen ein Welterfolg wurde.
Das Drehbtuch schrieb Robert Neumann, die Regie
ffihrte K a r r u n e,, an dessen Regieleistung ,,Die StraBe"
sich viele Filmfreunde noch 'erinnern werden. In einer kleinen
Rolle begegnet man als Debutanten im englischen Film Walter
Rilla. m. g.


Prager jiidisches Musikleben
Abgesehen von den namhaften juidischen Dirigenten und
Virtuosen, die auf ihren Tourneen auch in Prag konzertierten,
gab es in diesem Musikwinter mancherlei von jfidischem In-
teresse. Zu den stiirksten Erlebnissen geh6rt die Auffiuhrung
der zweiten M a h I e r- Sinfonie unter Zemlinskys Leitung und
die Interpretation des dritten Streichquartetts (op. 30) von
Arnold Sch6n berg durch das K olisch Quartett. Das so
schwierige Werk wurde von ihnen (in verschiedenen Pro-
grammen) an zwei Tagen hintereinander gebracht und so
meisterhaft uiberlegen musiziert, daB die Sch6nheiten dieses
Meisterwerks auch denjenigen bewuBt wurden, die sonst
keinen Zugang zu dieser Musik haben. Wundervoll waren die
Kolischs auch in einem Beethoven-Abend, dessen H6hepunkt
eine wohl unfibertreffliche Wiedergabe des ,,groBlen" Cis-moll-
Quartetts bildete. (In Nettls ,,Jid. Musiker und Spielleute"
wird die Vermutung. wiedergegeben, daB der Anfang des
6. Satzes an das ,,Kol nidre" anklinge; wer dies behauptet,
kann aber das Quartett nie geh6rt, sondern nur ,,geleseri"
haben.) Ein Sch 6n b er g Abend wurde veranstaltet von
dem modernen ,,Pritomnost" mit cinleitenden Worten von
Aloys Haba; gespielt wurden das Bliiserquintett op. 26, die
Kammersinfonie E-dur, die Klaviersuite op. 24 (von Karl Reiner
fiberzeugend gestaltet), Lieder aus op. 15. Prokofieffs Ouver-
tore fiber hebrhe she Melodien dirigierte Malko. Hebrische
Lieder sangen Vittorio We in b erg und Tilly de G a r m o.
Ein .nicht alltigliches Progra'mm sang die junge Beatrice W a g-
h alt e r (am Fliigel von ihrem Vater begleitet). Auf dem Pro-
graniri, standen sogenannte ,,klassische" Lieder (nicht ihre
Stfirke), Songs und Chansons in mehreren Sprachen und
schlieBlich als H6hepunkt jiddische und hebriiische
Lieder, deren reifer Vortrag berechtigte Begeisterung hervor-
rief. Erez Israel war mit einem Chaluzlied und einem hebra-
ischen zarten Wiegenlied vertreten.
Der jfidische Siingerbund hunter Leitung Erich Wachtels
brachte in einem groBlen Konzert nach Mendelssohns Ouver-
ture ,,Ruy Bias" einen Psalm von R oss i und eine eindrucks.
starke Kantate von M i I h a u d, die allerdings nicht ganz be-
wailtigt wurde. Das Hauptwerk des Abends war *Ernst
B lochs ,,Avodath Ha-kodesch", fiber das anliBlich der
Berliner Auffuhrung hinliinglich berichtet wurde. Der Ein-
druck, den es hinterliiBt, geht weniger vom musikalischen Ge-
halt als vom Wollen, der Ethik seines Sch6pfers aus. Den
Kantor sang warm und Oiberragend Vittorio W e i n b er g.
Peter Gradenwitz

Oscar Wassermann. Auf der jfingst abgehaltenen General-
versammlung der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft
widmete Dr. Oscar Schlitter, der jetzige Vorsitzende des Auf-
sichtsrates, dem verstorbenen Direktor des Instituts, Oscar
Wassermann, folgenden Nachruf: ,,Wir gedenken des im
vergangenen Jahr verstorbenen Herrn Oscar Wassermann in
gr6Blter. Dankbarkeit, der fiber zwei Jahrzehnte, und zwar
von 1912 bis 1933, dem Vorstand der Bank angeh6rt hat. Sie
haben ihn hier oft an diesem Tisch gesehen und von hier
aus sprechen h6ren. Ein Mann vornehmster Gesinnung und
von tiefem sozialen Empfinden hat Herr Oscar Wasser.
mann seine hervorragenden Kenntnisse und reichen Erfah.
rungen allezeit mit gr6Blter Hingabe in den Dienst unserer
Bank gestellt und ihre Interessen mit besten Kriften ge<
f6rdert. Allenr, die ihn niiher kannten, bleibt sein Bild in
scli6nster Erinnerung, und sein Andenken wird staindig-hier
fortleben. Denn ihn kennen und hochschatzen, war ein und
dasselbe."


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I


I --- I


Nr. 31/32, .17. IV. 1935_


40 YJAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Seite 41


I


I






lefte 42 4 J D C Nr. 3


SCHEKEL-AKTION


5694/95


Manifest der Exekutive der Zionistischen Organisation


Zionisten I
Der XIX. KongreB naht heran. In dem seit dem XVIII.
Kongre6 in Prag verflossenen Zeitabschnitt ha\ unsere Bewe-
gung weitere bedeuteride Schritte auf dem Wege zur Ver-
wirklich.ung .unseres Ideals gemacht. Unter dem Druck der
immer tragischer werdenden Lage der Juden in vielen Liindern
und angezogon durch die wachsende Aufnahmefihigkeit des
Landes h' atdie ji dische Einwanderung in Pa-
l istinatrotz aller kfinstlichen Beschrlnkungen eine bis-
her ung ea'h nte H 6 he erreicht, und noch immer sind
die M6glichkeiten ihrer Erweiterung unbegrenzt. Im BewuBt-
sein der Judenheit sowohl als auch der gesamten zivilisierten
Welt ist der Aufbau Pallstinas zur zentralen Aufgabe unserer
gegenwartigen jildischen Generation geworden.
Die ihrem Ende entgegengehende Arbeitsperiode hat auch
aut allen axderen entscheidenden Gebieten unseres Aufbau-
werkes bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Die E i n -
nah men der nationalen Fonds sind trotz der ver-
schiirften Wirtschaftskrise und der St6rungsversuche unverant-
wortlicher Elemente innerhalb der Bewegung in den meisten
Liiidern erheblich gewachsen. Die finanziellen Ver-
pflichtungen der Jewish Agency und des Keren Hajessod
since dank einer planmliigen Finanzpolitik wesentlich ver-
mindert worden. Es ist die erste groBe iiuflere An-
lei he von P 500000 aufgeriommen *worden,
welche die Regulierung unseres Schuldendienstes, die end-
giiltige Konsolidierung unserer landwirtschaftlichen Sied-
lunigen und den Neubeginn nationaler Siedlungsarbeit auf
dem Boden des Volkes durch. selbstarbeitende Siedler er-
m6glicht. Durch den Ankauf der Hule-Konzession
ist eine neue Schlfisselposition mit groBen landwirtschaft-
lichen Perspektiven fiir das jiidische Volk erworben worden.
Das vom XVIII. Kongre3 ins Leben gerufene Departement
fir die Ansiedlung deutsch.er Juden hat in vollstem
Einvernehmen mit der Exekutive in bedeuteridem MaBe zur
Einwurzelung dieses neuen wertvollen Menschenmaterials und
insbesondere der deutschen jtidischen Jugend in den Pa-
listina-Gesamtaufbau beigetragen. In geduldiger, miihevoller
Arbeit, die ihre Kraft aus der tiefen historischen Verbunden-
heit des jfidischen Volkes mit Pallstina und aus dem Wachs-
tum unserer wirtschaftlich-kolonisatorischen Leistung sch6pft,
ist es gelungen, eine allgemeine Besserung der politischen
Lage herbeizufiihren und konstitutionelle Neuerungen, die
nach unserer Auffassung geeignet sind, den politischen Sta-
tus des jiidischen Volkes in Erez Israel zu gefdihrden,
mindestens hinauszuschieben.


Die zionistische Bewegung hat eine Periode fruchtbarer
sch6pferischer Arbeit hinter sich; doch diirfen wir anderer-
seits nicht vor den gerade in diesem Zeitabschnitt mit be-
sonderer Schiirfe hervorgetretenen Problemen und Gefahren
die Augen verschlieBen.
Das erfreuliche, historisch unschiitzbare Wachstum unserer
zahlenmiafigen Kraft in Erez Israel ist von gefahrdrohenden
Schatten begleitet, deren Beseitigung 'und Kontrollierung
h6chste national Aufgabe ist. Erez Israel als Land jildischer
Masseneinwanderung ist der Beginn der Verwirklichung des
hochsten zionistischen Traumes. Aber darunter darf die
Gediegenheit unseres Menschenmaterials, seine qualitative Vor-
bereitung ffir das grundsiitzlich neue Leben im Lande, seine
Bereitschaft, das Schicksal dieses Landes bedingungslos und
fiir alle Zeiten zu teilen, seine Fiihigkeit, sich dem unab-
weislichen Gebot wirtschaftlicher Neugestaltung und ins-
besondere der Schaffung einer breiten landwirtschaftlichen
Grundlage fiir ein gesundes jildisches Leben in Erez Israel
zu filgen, nicht leiden. Eine Vertiefung des Gedankens
des menschlichen und nationalen Pioniertums, der Chaluziuth,
ist notwendiger denn je. Die Landflucht, die Verschmiilerung
unserer landwirtschaftlichen Basis und die furchtbare Heim-
suchung der ungeziigclten Bodenspekulation, das sind Pro-
bleme und Gefahren, die nur durch den solidarischen, von
h6chster nationaler Verantwortung getragenen Idealismus und
durch gesteigerte planmiBige Anstrengungen des gesamten
Volkes eingedaimtit werden k6nnen. Erweiterung des
nationalen Bodenbesitzes, Stiirkung der, na-
tionalen Fonds Keren Kajemeth und Keren
Hajessod, Ausdehnung des Siedlungswerkes,
Neubelebung der nationalen Initiative, F6r-
derung der Privatinitiative und deren plan-
volle Einffigung in die Interessensphiire des
nationalen Aufbaus, Sicherung jiidischer Ar-
beit und menschlicher Arbeitsbedingungen
in Stadt und Land, Erweiterung und Vertie-
fung des chaluzischen Idealismus im ganzen
Volke, vor allem in den Kreisen unserer Ju-
gend, das sind die Aufgaben der Stunde.
Zur Erfuillung dieser Aufgaben von bisher
ungeahntem Umfang und wahrhaft staatsaufbauendem Cha-
rakter ist als erste Voraussetz ung eine festge-
fiigte, disziplinierte, unter einheitlicher Leitung
stehende Zionistische Organisation notwendig, die
bei aller Wahrung der Meinungs-, Gewissens- und Betati-
gungsfreiheit ihrer einzelnen Glieder doch befahigt sein muB,
alle ihre Teile durch freien WillensentschluB dem h6chsten


nationalen Interesse unterzuordnen und nach innen und auBen
im Rahmen der Jewish Agency den einheitlichen, auf demo-
kratischer Selbstbestimmung beruhenden Willen des jildischen
Volkes zu repriisentieren. Leider hat das BewuBtsein dieser
Notwvendigkeit noch nicht alle Teile der Bewegung in dem
erforderlichen MaBe ergriffen. Die Versuche der- Vereinheit-
lichung der Bewegung und der Festigung der Organisation
gegen destructive Tendenzen sind erst im Anfangsstadium
begriffen. Der Kampf fuir die Konsolidierung -der Organi-
sation und ihren Schutz gegen auBenpolitischen Separatismus
.und gegen innere Untergrabung ihrer Grundfesten muB mit
aller Kraft fortgesetzt werden. Die Zionistische Organisation,
die von Herzl als Instrument des Neuaufbaus und der
politischen Selbstbestimmung des jildischen Volkes geschaffen
wurde, muB von allen verantwortlichen Zionisten gegen jeden
Angriff auf ihre Existenz, ihre Souverinitiit, ihre Rechte und
ihren demokratischen Charakter kraftvoll und entschlossen
geschiltzt werden.
In diesem Geiste miissen die Zionisten aller Liinder ohne
Unterschied der Richtung und der Anschauung zuri XIX. Zio-
nistenkongreB ruisten. Der Zionismus ist die Sache
oes ganzen Volkes. Der Schekel mulB in die
Hand von Hun'derttausenden, ja Millionen
jiidischer Mainner und Frauen -gelangen. Aber
dessen Verbreitung darf nicht zur kleinen Spendensammlung
oder gar zum Mittel bloBer Sicherung von Stimmen herab.
gedriickt werden.
DerSchekel ist ein Instrument, durch wel.
ches das Bekenntnis zur. zionistischen Idee
una die Uebernahme aller mit dem Beitritt,
zur ,,Zionistischen Organisation" verbunde-"
nen Verptlichtungen dokumentiert werden.
Die Schekel-Aktion muB zu einer groBangelegten Mobilisierungi
der jildischen 6ffentlichen Meinung fur die zionistische Tat
werden. Die Werbung neuer Schekelzahler muB geleitet sein
von der Losung verstiirkter Verantwortlich.
keit fiir die Erziehung und dauernde Bindung
der neuen Massen an die zionistische Idee
und an die Zionistische Organisation. Nur so
kann die Schekel-Aktion und der aus ihr hervorgehende Kon-
greB zu der groBen Demonstration des Willens des jildischen
Volkes gestaltet werden.

Zahit den Schekel! Werbt fUr ihni

Exekutive der Zionistischen Organisation


Die Zionistische Organisation verk6rpert den Lebens- und Aufbauwillen des
juidischen Volkes. Sie ist die Schdpferin des neuen jfidischen Palfistina, das
sich bereits fiir Tausende von deutschen Juden als einziger Ausweg aus der
Not, als einzige Zukunfts-Hoffnung ihrer Jugend erwiesen hat. \Wer den
Schekel zahlt, bekennt sich zur Zionistischen Organisation und starkt ihre
aufbauende und gestaltende Kraft.


Im deutschen Judentum ringen die Kriifte des Neuen, des zukunftsfreudigen
Aufbaus mit den sterbenden Michten von western. Wer den Schekel zahlt,
bekennt sich zu den KrAften des neu werdenden jiidischen Volkes.
Die Zionistische Vereinigung fOr Deutschland hat den Mai 1935 zum Monat
der Schekel-Aktion 5694/95 bestimmt. Sie ruft die deutschen Juden auf:


Zahit den SchekelI Werbt fur ihn!

Zionistische Vereinigung fUr Deutschland


Vom 16. April 1935 an kann der Schekel



an folgenden Stellen gezahit werden:


IN BERLIN:
Berlin N: Buchhandlung Poppelauer, Neue Friedrichstr. 59; Apotheker
Salinger, Neue K6nigsLr. 74; Kauthaus Goldstein, Sch6nhauser Allee
112; Finder, Alte Schinhauser Str. 54; Buchbandlung Gonzer, Ora-
nienburger Str. 26; Buchhandlung Salis, Grenadierstr. 30; Misrachi-
biiro, Rosenthaler Str. 55; Atlantic ExpreB, Reisebiiro, Friedrich-
strafie 100 (S-Bahn); Berlin W: Juwelier Schweid, Augsburger Str. 23;
Buchhandlung Kedem, Dahlmannstr. 8; Buchverleih Rekord, Charl.,
Berliner Str. 49; Tennisklub Bar Kochba. Leibnizstr. 49-53; Papier-
handlung Lippmann, Trautenaustr. 16: BZV.-Heirm. Kantstr. 54; BZV.-
Biiro, Meinekestr. 10; Berlin S: Cigarrenhaus Epstein. Jerusalemer
Stralc 9; Papierliandlung Hepner, Inselstr. 8 a; Dentist Schwalb,
Hermannstr. 46; Jacob Krieger (Laden), Prinzes inenstr. '12; Berlin
NW: Cigarrengesclhift IIirschfeld, Jagowstrafie: Conditorei Hansa,
Flensburger Str. 19; Berlin 0: Max Feig, Strausberger Str. 24.
Beuthen: ZOG., Kaiser-Franz-Joseph-Platz 4; Breslau: ZOG.. Garten-
strale 25; Buchhandlung Brandeis. Karlstr. 7: Buchllandlung Lichten-
stein, Kaiser-Wilhelm-Str. 39; Dresden: ZOG., Grunaerstr. 13;




Zahit den Schekel!


Zionistische Vereinigung fir Deutschland


IM REICH:
Diisseldorf: ZOG., Adolf-Hitler-Str. 3; Frankfurt a. M.: ZOG.,
Unterlindau 21; Hamburg: ZOG., Brahmsallee 16; Hannover: ZOG.,
Artilleriestr. 18; Karlsruhe: Baer & Elend, Kaiserstr. 209; KKL-
Biiro, Seminarstr. 10; Kotkowsky, August-Diirr-Str. 4; Paliistina-
Beratung, Ritterstr. 8; Buchhaadlung Anna Beisinger, Karlstr. 30;
Bielefeld, Kaiserstr. 70; Karl Tiefenbronner, Kronenstr. 15; K6ln:
ZOG., Cicilienstr. 18-22; KBnigsberg: ZOG., Synagogenstr. 14-15;
Kahan & Pape, Vorst. Langgasse 74; J. Landau, Poststr. 16; Bazar
zur Rose, Ilulenallee 25; Leipzig: ZOG., Keilstr. 4; Geschaftsstelle
des Bar Kochba, Briihl 45; Geschii[ftsstelle des Hechaluz (Jiid.
Jugendheim), Elterstr. 7 (Tel. 23205); Magdeburg: Lehrer Rosen-
berg, Grolie Schulstr. 20; Zweigstelle des Pallistina-Amtes. Kaiser-
Wilhelm-P1.2; Mannheim: ZOG., KarI-Ludwig-Stralc 38; Miinchen:
ZOG., Schlosserstr. 2; Stettin: Bar-Kochba-Heim, Klosterhof 2, I;
Berta Spitzer, Kaiser-Wilhelm-Str. 42; Woreczek & Braver, Kleine
Domstr. 18; Stuttgart: ZOG., Schloistr. 27; Tilsit: Arthur Flachs-
mann, Schlageterstr. 2 a; Edith Dominski, Schulstr. 48.




Werbt fur ihn!


/ Berlin W15, MeinekestraBe 10


- --


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31/32, 17. IV. 1935


Seite 42


























K ~ i I N I NDSC r


tum zu beantworten. Du
lundschau" hieriiber er-
Nr. 17 vor 26. 2. 35
Waren nach Palastina.
och Falaschas. Die Ab-
omon und der Kbnigin
Falaseha-Schulena in den
Erytrea.
da Halewi in arabischer

'alistina ist gewifl noch

Kinder.
den Arbeiterbedarf im
wird.
wie alle anderen jiidi-
Zeit nach dem Mond
o1ker) berechnen, und
:dessen beginnt der Tag
h Riibner, 131/2 Jahre.)
Ceren Kajemet Lejisrael.
ner, 131/2 Jahre.)
'ragen tsu antworten. Es
und wir mdchten diese
daB man sich an eine

:nk. Es fand nur einmal
Seine kurze Sendung
ia einen Rundfunk an-
n, wenn man Lust hat,
nder h6ren.

stes gibt es nicht. Mein
verschiedene Preise fur
was von 3-6 Schilling

i Orangenbaum Frilchte

it Boden spekuliert, der
'geben wird. Man mull
ir den Dunam zahlen,
Beim Keren Kajemeth
: einen Dunam in Erb-




ler Wesir?
yptischen Wesir und
nischen Kollegen be-
In Gegenwart des
Medizin und wollten
tehe. Sie behaupteten,
geboren ist, sehend
at die Ansicht, dafS
!r durch einen Zufall
ien konnte, zu heilen.
Behauptung richtig
aden, der sagte, daB
ihm die Augen mit
, daB er nun sehen
ites Tuch und tragte,
ide antwortete: ,,Ein
r sofort, daB ihn die
n, und er vertrieb sie.
sir das gemerkt hat.



ar- Mizwah
Breslau. Albert Kulh,
- Chaim Landau, ITeC.


Liebe Rundschau-Kinder!

Wir haben uns sehr gefreut, dali Ihr uns so viele
schone Geschichten und Bilder zu unserem Pefiach-
Wettbewerb geschickt habt und danken Euch herzlich.
Es ist so viel gekommen, dai uns dieWahl sehr schwer
gefallen ist und zum Schlufi das Los zwischen den
vielen ausgewihlten Arbeiten entscheiden mufite.
Wir haben deshalb auch doppelt so viele Trostpreise
verteilt, wie wir uns eigentlich vorgenommen
hatten. Wer diesmal keinen Preis bekommen hat,
soil sich nicht argem, wir machen bald wieder ein
Preisausschreiben und werden in der nichsten
Nummer noch einige Namen von Kindern abdrucken,
derenEinsendungen uns besonders gut gefallen haben.

Die Redaktion der Kinder-Rundschau



Die drei ersten-Preise erhielten:
Helmuth Lehmann, 141/2 Jahre, Barsinghausen;
Ruth Waksmann, 11. Jahre, Berlin, Dresdener Str. 71;
Giinter und Stefan Zweig, 11 u. 13 Jahre, Hamburg, FaB-
weg 3.

Trostpreise
Lotti Adelsberger,. 12 Jahre, Frahkfurt a. M. Esther BirenhaK,
12 Jabre. Max Blumber, 10 Jahre, Berlin. L. Ehrenhaus, Ber-
lin. Ilse, 14 Jahre, und Peter Fretind, 61/2 Jahre, Berlin. -
Elli Liebermann, Berlin. Felix Meyer, 9 Jahre, Charlottenburg. -4
Rosa Mostowitz, 12 Jahre, Gera, Lutherstr. 5. Adi und Liesel Neu-
feld, Hamburg. -.. ella Obsller, 111/2 Jahre, Berlin. Josef Pisti-
ner, 121/2 Jahre, Berlin. Rati und Relein Popper, 10 und 9 Jahrej
IHamlburg.' Ephraim Rothenberg, Berlin. Leonid Ruthberg,
13 Jahie, Berlin. Ruth Schiffer, 12 Jahre, Gera, Lutherstr. 5. -
Gerda Schiffmann, .9 Jahre, Berlin. Susi Segolowicz, Berlin. -
Adolf Ulreich, 15 Jahre, Berlin. Sarah Wahlfisch, 12 Jahre, Ber-
lin. Eva Rufeisen, Mihrisch-Ostrau.


Berlin, den 17. IV. 1935 Beilage der ,,JOdischen Rundscha


- -


Susi Segolowicz


01


Sarah Wahlfisch, 12 lahre


Ich wiinsche einen Briefwechsel mit einem deutschen Jungen von 10
bis 11 Jahren aus einem Band. Erster Brief mit Bild. Ulrich (Chaim)
Czerninski, Petach-Tikwah, P.O.B. 89. Mit einem 12-13jahrigea'
Jungen aus Paldstina mit Briefmarken-Tausch. Rudi Steinbach, Goll-
now (Pommern), Stargarder Str. 3. Mit einem Miadchen aus
Paliistina von 11 bis 12 Jahren. Erste Zuschrift mit Bild. Leni
GroB, Aachen, Pontdrisch 12. Mit 16jahriger Chawera. Muschi
Cohn, Hamburg, Grindelhof 19. Mit einem 14-15jahrigen Maid-
chen in Deutsch und Englisch mit Briefmarkentausch. Edith Riibner,
49 Cholmley .Gardens, West Hampstead, London NW 6. Mit 15-
bis 8jfihrigem Jungen oder Midchen,. S. Ferber, Mannheim, Haupt-
postlagernd.


Auflbsung
des Kreuzwortratsels aus der
Kinder-Rundschau Nr. 6


A L
L A
I N


A H
H IA


Ein Pe
Vor vielen, viele
ein alter K6nig, der I
1 die Juden hart bedri
genug Mut besafl, di
heidnischen Glauben
ehemaliger Jude, r
Minister des K6nigs.
j Landes und hatte nui
daB er dem greisen
Als nun der alte I
zur Regierung gelai
und besten Malnner
ganzen Land bekann
Wochen ihre gelehrt
S alle friihieren Ministe
ahl diesen Mainnern ,
An dem bestimmten
ganzen Landes und
Fcstsaal des k6niglicl
aut seinem Throne s
prdichtiger, goldener
stimmt war. Etwas m
zehn einfachere gok
Minister sitzen soilt
auch ein Rabbiner, <
schrieben worden w
S weise war. In allen V
So wurde er der 1.
fiber rot vor Zorn, d
Stelle gebiihre. In s
' i dem Konig und an
Fast ein Jahr w
den jungen Konig sc
klugen Beratern seh
,Erew PeBach", kan
sagte: ,,K6nig, ich I
muB dir endlich mel
ein Verrater ist un<
K6nig war sehr fib
nicht glauben. ,,Wo
'"' fragte er. ,,K6nig", s
von ilberzeugen, wei
in seine Wohnung s]
versammeln, um fib.
feierlich beleuchteten
ner und einige an,
tragen. Nicht schwar
Weil aber ihre Vert
sie alle in einer fre
,!


r .,
<


Adolf Ulreich, 15 Jahra


KIN ND ER- RUN DSSCHAU


Nr. 7


fl. f4wil'a"


NOW


























KINDE-RUNDCHAUNr. 7 Nr. 7IDRRUDCA


seine Gesellschaft be-
'as ich gesagt habe,
verhaften lassen. Ich
ingen, daB er dir nach
Dajenu so bestimmt
lauben. Urn sich aber
em Rate Dajenus zu
Zabbiners Fenster zu
'lijahu) weilte bereits
rlesung vieler From-
iich zwischen Dajenu
,3, sogleich den un-

hlosse fortfahren sah,
der junge Herrscher
er Haggadahvorlesung
! und trat daher ein
der k6nigliche Wagen


i den hellerleuchteten
Er und alle anderen
feierlichen, gliinzend
in der gelehrte Haus-
h der Vorlesung ge-
i jemand ins Zimmer
inanden sehen, doch
2r zumute als zuvor,
an keinem anderen
em sch6nen Vortrag
e geh6rt, daB etwas
blieb und sich ein
- Eben gelangte man
er aufgezilhit werdcn,
aus Aegypten und
s getan hat und wo
under alle Anwesen-
gewesen." Da wurde
laB der Lauscher auf


aisch
) ppe r, 10 Jahre





S T.. T


(r nnt.




n (1)sxit ( ilm






Mehrz.: nl1 k' n
', n i. 6) Einz.: .p
z.: nt. 9) Einz.: ,"ip


der Gasse ihn nicht h6ren konnte. Er sprach wohl den
vorgeschriebenen Text, aber selbst die bei Tische Sitzenden
vermochten ihn kaum zu vernehmen. Der lauschende K6nig
horte jedoch eine Stimme, welche er ffir die seines Ministers
hielt. ,,Wer ist ein Verraiter? Wer trachtet dem Konig
nach dem Leben, weil er nicht erster Minister geworden
ist?" fragte die Stimme. ,,Dajenu", antworteten alle im
Zimmer des Rabbiners, so wie es vorgeschrieben ist. ,,Wer
hat in seinem Kasten einen Plan liegen, wie seine Freunde
das Volk aufhetzen sollen, damit er selbst K6nig wird?"
,,Dajenu!" antworteten wieder alle Juden im Zimmer.
Noch elf so fragende Anklagen brachte die Stimme vor
und immer antworteten die versammelten Juden: ,,Dajenu!" -
Als der junge Herrscher all dieses vernahm, wurde er zornig
und wollte sich sogleich von der Wahrheit des Gehorten
fiberzeugen. Er fuhr schnell in sein SchloB zuriick, lieB
das Haus Dajenus durchsuchen und wirklich fand er in einem
Kasten den Verschw6rungsplan. Da wurden Dajenu und seine
Leute verhaftet und hingerichtet. Inzwischen kam der
Rabbiner nach der Festmahlzeit in seiner Vorlesung zu der
Stelle, an der man die Tfir 6ffnet, urn den Propheten Elijahu
zu Gast zu bitten. Kaum aber war dieTfir gedffnet und jeder rank
aus seinem Becher, da wurde auch der golden Becher, der
in der Mitte der Tafel ffir Elijahu bereitstand, bis zur Hdilfte
leer. ,,Elijahu ist hier oder war hier!" rief der Rabbiner er-
freut, als er dies bemerkte. Am niichsten Tag lieB nun der
K6nig seinen ersten Minister zu sich rufen. ,,lch danke
dir", sagte er zu dem erstaunten Rabbiner, ,,daB du mich
aus einer so groBen Gefahr errettet hast. Ich weil, daB du.
mit anderen Juden western ein Gericht iuber Dajenu hieltest.
Dieser Verriter, der sich gewiO vor treuen Menschen ge-
fiirchtet hat, hat dich bei mir zu verleumden gesucht und
sogar gesagt, daB du mir nach dem Leben trachtest." -
Da erkannte der Rabbiner, in welcher Gefahr er und seine
jiidischen Freunde noch am vorherigen Tage geschwebt
hatten. Sogleich wuBte er auch, wer sie alle gerettet hatte.
Doch so gelehrt er war und soviel er darfiber nachdachte,
konnte er sich dennoch niemals erkliiren, wie Elijahu dies
gemacht hatte.
Helmut Lehmann (141/2 Jahre)


Si sDrei Feste
/ 1 unterhalten
sich beim
m -,,,- .,......... Sederabend

,,Ach, ich bin so alleine", dachte das PeBachfest, ,,ich
mrnchte mir doch einmal meine zwei guten Freunde Purim
una Chanukkah einladen. Ah, jetzt ist ja auch gerade eine
gute Gelegenheit dazu, ich lade sie einfach zum Seder-
abend ein."
Und richtig, Chanukkah und Purim kamen zum Seder.
Es war sehr lejerlich, der Seder-Tisch war schon gedeckt,
die Lichter brannten und die Matzaus lagen atuf dem Tisch.
Purim hatte als Jiingstes das Manischtano gesagt. Und wie
es ja auch richtig ist, wird im AnschluB an diese Fragen
die Haggadah vorgelesen. Da das Aphikomon ist auch
schon gestohlen. Und war nun nicht die beste Gelegenheit,
sich in dieser feierlichen Stimmung fiber eine sehr, sehr
wichtige Frage zu unterhalten? Wer von uns Festen hat die
gro6te Bedeutung?
,,Ihr tut mir leid, wenn ihr das noch nicht gemerkt habt",
hohnte das PeBachfest, ,,die habe ich doch!"
,,Oho", entgegnete Purim, ,,wer hat dir denn das ein-
geredet? Waren bei mir denn die Juden dem Untergang nicht
genau so nahe, wie bei dir?"
,,Und waren sie es bei mir nicht auch?" riet Chanukkah.
Da sagte das PeBachfest: ,,Du, Purim, bist doch kaum
aus den Kinderschuhen, und Chanukkah kann auch noch
nicht zu den Alten ziihlen!"
Da erwiderten beide: ,,Das Alter macht es doch auch
nicht! Wairen bei uns die Makkabiier und Mordechai nicht
gewesen, k6nnten die Juden heute keinen Seder mehr
machen." Und wieder wu8te PeBach etwas zu entgegnen:
,,Bei mir war aber der ,Ewige', der Retter der Juden!"
Da antworteten beide Feste: ,,Bei uns lieB Gott die
Hilfe durch die Menschen bringen, aber immer war seine
Hand fiber den Juden, und alle Nilfe kommt doch von ihm!"
Da stimmte das PeBachfest auch mit ein, und mit
frohen Gemiitern beteten sie das Morgengebet.
Gfinter u. Stefan Zweig, 11 und 13 Jahre


ZEICHNUNGEN ZUM ,,CHAD GAI


Die Katze kam und fra#f das Da kam der Hund und bifi die
Lammchen Katze.


It


Das Feuer kam, der Stock ver-
brannte


Das Wasser ham, verldscht das
Fetuer


Ein Sederabend
,,Schade, Mutter, daB Vater heute nicht hier sein kann",
sagte Ruth und stellte die Sederschiissel auf den Tisch.
,,Ja", antwortete Frau Low und seufzte: ,,Er hat mir
nicht einmal geschrieben, wann er zurfickkommt." Sie glittete
das Tischtuch und riickte die Teller zurecht. Dann seufzte
sie noch einmal. Es war doch wirklich nicht schin von
ihrem Mann, daB er sie nicht benachrichtigt hatte, wann
die Sitzungen in Jerusalem zu Ende sein wfirden und wann
*er nach Hause kame. Ueber einen Monat war er schon
weg und schrieb immner, daB er noch bleiben miisse.
Ihr Bruder machte den Seder bei ihr und die drei
Kinder freuten sich schon daiauf. Hanna, die altere Tochter,
sollte beim Essen die Schfisseln bringen und dann wieder
abriaumen. Ruth hatte brave beim Tischdecken geholfen und
Josef war noch zu klein, urn zu helfen. Er freute sich aber
am meisten. Das erstemal sollte er linger aufbleiben und
sollte auch das ,,Mahli nischtanehl" sagen. Jetzt kam er
hereingelaufen und brief: ,,Mutter, der Onkel ist schon da".
Frau Low going ihren Bruder begriiflen. ,,Denke dir", sagte
sie, ,,mein Mann hat nicht einmal Pelachwiinsche geschickt."
,,Er hat sicher zuviel zu tun, um an solche Dinge denken
zu k6nnen", trostete sie ihr Bruder. Sie meinte aber
doch, daB da etwas nicht in Ordnung sei. Nun wuschen sich
der Onkel und Josef die Hinde und dann setzte man
sich zu Tisch. Alle auler der Mutter waren in guter
Laune, aber sie dachte noch immer an ihren Mann. Josef
sagte das ,,Mah nischtaneh" sehr sch6n, wie die Schwestern
es ihn gelehrt hatten. Die Mutter aber schien gar nicht zu-
zuho6ren. Als gegessen wurde, h6rten alle ein Geriusch, als
ob jemand die Wohnungstfir geoffnet hitte. Dann war es
aber wieder ganz ruhig und sie dachten, es miisse in der
Nachbarwohnung gewesen sein.
Als Ruth dann fiur den Propheten Elijahu die Tiir
ge6ffnet hatte, h6rte man Schritte und der Vater kam
herein. Alle sprangen auf, um den Vater zu begrfiBen und
die Mutter konnte jetzt endlich begreifen, warum er nicht
geschrieben hatte: Er hatte sie iiberraschen swollen. Der
Vater mufte sich setzen und erziihlen. Nach einer Weile
sagte er: ,,Das Wichtigste hitte ich jetzt fast vergessen.
Ich habe eine Stellung in Jerusalem, was ich mir doch schon
solange gewfinscht habe. In der nichsten Zeit bekomme ich
das Zertifikat."
Da erhoben alle die Glaser und riefen: ,,Leschanah
haba bijruschlajim." Dann blieben sie noch laiinger auf, als
sie es sich vorgenommen batten, und der Vater mufite
von Palastina erzahlen
Eva v Kufei sen, MWihr.-Ostrau, 14 Jahre
y


Brief


Nun komnme ich
Die Tageseinteilung
5.45 Uhr auf, erschc
(Ellsaal). Dann geh
miissen vorliiufig, bis
eingeteilt werden (n;
Monate in dem Wah.
voll Unkraut zwische
Wir arbeiten von 6.:
eine halbe Stunde
gendermaBen: morgc
und im Freien, natfirl
11.45 Uhr gibt es I
ich in Berlin nicht si
Das Essen ist also
gehen wir Brausen,
haupt die Einrichtun
saal, Musikzimmer, S
hohen Kultursttife d
bin ich; nun weiter.
briiisch). Ich selbst
stottere ich noch, abi
lernen. AuBer 1fl"13
zwischen der Lernze
zwar um 3 Uhr.' Un
Abendbrot. Was ich
nicht den ganzen N
Die iibrige Zeit ist F
vom Kibbuz. Ich v
tiuscht, und zwar ich
ganz primitiven Kibi
wie man sie wirklic]
trifft. Zweitens liegt
fabelhafter Wald. Jet
ren. Im iibrigen fiabe
Reiter bin. Das Reil
*Wir waren jetzt zwe
berichte ichi im niich:
tut die Hand schon v



Dierscheint
erscheint a


K

KINDER-RUNDSCHAU


1111111111111111111111111111111111111111 111111111111






Nr. 31/32, 17. IV. 1935 40 1ATR~ WDTSCITE RUNDSCHAfJ' Seite 45


Die Berufung im Kairoer Prozefi
In den letzten Tagen waren in zahlreichen deutschen
Zeitungen Artikel und ausfiihrliche Berichte iiber den so-
genannten ,,Kairoer J ud enproz e B" ver6ffentlicht. Wir
aben unsere Leser wiederholt dariiber informiert, worum es
sich handelt: Ein jidischer Angestellter hat in Kairo gegen
den dortigen ,,Deutschen Verein" Klage erhoben, weil er sich
als Jude durch eine von diesem Verein herausgegebene Bro-
schiure beleidigt filhite. Es wurde, den Bestimmungen des
dortigen Strafrechtes entsprechend eine Entschidigung von
101 Pfmund verlangt (iiber hundert Pfund, damit der ,,ProzelB-
wert" eine Berufung m6glich mache). Das Gericht hat in erster
Instanz im vorigen Jahre die Klage, wie wir glauben, mit
Recht, abgewiesen, weil dem Kliager, der nicht pers 6 n-
lich beleidigt ist, keine aktive Klagelegitimation zustehe.
NWenn der Klage stattgegeben wiurde, so hitte jeder einzelne
Jude von dem ,,Deutschen Verein" in Kairo denselben Be-
trag fordern k6nnen. Auf Grund verschiedener rechtstheore-
tischer Erwaigungen kam das Gericht zu demrn Ergebnis, daB
die Klage aus diesem formellen Grunde abzuweisen ist, ohne
daB in die Materie selbst, d. h. in die Frage, ob die
Broschfire des ,,Deutschen Vereins" in Kairo, das Judentum als
solches beleidige bzw. ob sie den Antisemitismus als ge-
rechtfertigt nachweise, eingegangien worden ware.
Auch bei der jetzigen Berufungsverhandlung
am 11. April stand lediglich diese f o r m ell e Frage im Vor-
dergrund. Dies geht ganz eindeutig aus dem groBen Plai-
d o ye r des Vertreters des ,,Deutschen Vereins", Professors
r im m aus Essen, hervor. Prof. Grimm beschrinkte sich
strong auf die Frage der formellen Zulissigkeit der
Klage eines Einzelnen wegen Kollektivbeleidigungi. Nach dem
vom Deutschen Nachrichten-Biiro ausgegebenen Bericht sagte
er U. a.:
,,Wo wiirden wir hinkommen, wenn alle Deutschen, eine
Nation und Rasse von mehr als 100 Millionen, eines Tages auf
den Gedanken kimen, eine zivilrechtliche Schadenersatzklage gegen
alle Redakteure und Publizisten der Juden in Aegypten und ander-
'warts zu erheben, welche seit zwei Jahren alle Tage Artikel ver-
iffentlichen, die die Ehre und das Ansehen der deutschen Nation
herabsetzen. Das wifre die lqgische Folgerung von der Zulissigkeit
einer Klage, so wie die jiidischen Kliger sie in diesem Falle er-
hoben haben." Der jiidische Kliger beanspruche mit dieser Klage
ein Privileg, das kein Gericht der ganzen Welt in der Recht-
sprechung von Jahrhunderten jemals einem Klaiger zugebilligt hatte
oder zubilligen konnte."'
Das U r t eil 1 in dem ProzeB wird fir Ende des Monats
erwartet. Es entspricht aber in keiner Weise der Sachlage,
wenn manche deutschen Zeitungen es so hinstellen, als ob das
Urteil erster Instanz, das die Klage abgewiesen hat, damit
eine sachliche Entscheidung fiber die Berechtigung
des Antisemitismus zum Ausdruck bringen wollte. Dies hat
auch Prof. Grimm in einer deutschen juristischen Zeitschrift
in Ausfiihrungen, die wir im Vorjahre zitiert haben, ausdrilck-.
lich verneint. Noch unrichtiger ist es, wenn manche Zeitun-
gen die Gelegenheit benfitzen, um die Juden zu verh6hn'en, so
z. B., wenn eine Zeitung den Bericht iiberschreibt: ,,Ehre ffir
101 Pfund". womit gesagt sein soil, daB einem Juden seine
Ehre fiir einen Geldbetrag feil ist; obwohl uns der Kli ger
in diesem ProzeB ganz unbekannt ist, liBt sich doch objektiv
feststellen, daB diese Beurteilung nicht zutrifft, da die Fest-
setzung einer Schadenersatzsumme lediglich ein pr o z e s s u a -
les Erfordernis ist.

Die Erorterung von Rassefragen
Nach einem Bericht der ,,Frankfurter Zeitung" vom 12. 4.
machte auf einer Gautagung des nationalsozialistischen Lehrer-
bundes in Nfirnberg der Leiter des Rassenpolitischen Amtes
der NSDAP., Dr. Walter G r o 13, u. a. folgende Ausfithrungen:
,,Weil die ganze Welt buchstablich auf jede AeuBerung, die in
Deutschland hinsichtlich der R as s e n p o lit i k falle, lauere und
sie zur I-Ietze gegen Deutschland verwende, habe man bei der 5ffent-
lichen Auseinandersetzung mit rassepolitischen Problemen grundsiatz-
lich drei Dinge zu beachten: erstens dUrfe nicht sachlicher
Unsinn geredet werden, zweitens reiche es nicht aus, dal die
Dinge, die vorgetragen wiirden, sachlich richtig seien, sie miiiten
uch ,politisch und weltanschaulich richtig sein, und
drittens sei es notwendig, dai man bei jedem Wort sich frage, was
es fur eine Auswirkung in der gesamtpolitischen Lage Deutsch-
lands der Welt gegenfiber habe. Die Lehrer, denen durch
Erlai ,des Reichserziehungsministers die Beschiftigung mit bev6l-
kerungs- und rassepolitischen Fragen im Unterricht ausdriicklich
vorgeschrieben sei, hbatten das Problem keineswegs von seiner wissen-
schaftlichen Seite her aufzuwerfen, sondern von der staatspoli -
tisch-weltanschaulichen Seite her.
Man miisse die Nation wieder lehren, schicksalhaft zu leben,
H. h. nach den groien Gesetzen einer g6ttlichen Ordnung des Lebens.
Indem der Nationalsozialismus die Demut der Menschen vor den
g6ttlichen Naturgesetzen wiederherstelle, leiste er zugleich auch eine
zutiefst religibse Aufgabe. Wer daher gegen ein Wollen und
Wirken auf diesen Gebietea sei, sei auch gegen eine wahrhafte
ReligiositAt und echte Fr6mmigkeit.
Zur Frage der Rassenmischung fiihrte der Redner gus,
'daA die Geschichte des deutschen Volkes dazu gefiihrt habe, daBi
es heute ein rassengemischtes Volk darstelle. Man. habe dafiir zu
sorgen, dafi diese rassenmkiiige Zusammensetzung erhalten bleibe,
wobei man sich mit aller Kraft dagegen wehren miisse, dafi
f remdes Blut in dieses Volk hineingetragen werde. Die Deut-
schen .selbst aber mifi8ten sich dagegen wenden, wenn ein Deut-
scher, auf Grund der uiuBeren Erscheinung eines anderen Deutschen
auch seinen inneren Wert oder Unwert beurteilen wolle."
Die Feststellung, daB man sich hfiten soll, den in neren
Wert eines Menschen auf Grund seiner auBeren Er-
scheinung zu beurteilen, gilt fraglos auch fiir Menschen
anderer Rassen und V61ker, zumal da ja auch die Ideale
5ulBerer Erscheinung je nach Zeit, Ort und Volkstum variieren.
Die Rassenscheidung, so wurde gerade von Dr. GroB wieder-
holt gesagt, muB nicht und soil nicht zur Verkichtlichmachung
einer Rasse ffihren. Wir glauben, daB gerade auf Grund des
Prinzips der Scheidung rassebewuBte Menschen v e r s c hi e -
4 e ne r Herkunft einander unbefangen begegnen k6nnten.


Wieder Ritualmord-Marchen
Es ist nichts Neues, daB in den Tagen vor PeBach das
Ritualmord-Mirchen wieder auftaucht. Fast alljiihrlich kommt
es besonders in Osteuropa in irgendwelchen kleinen Ort'en
unter der aberglaubischen Bauernbev61lkerung zu derartigen
Bewegungen, die meist durch Agitatoren angezettelt werden.
Auch jetzt wird gemeldet, daB z. B. in einigen Orten Litauens
von gewissenlosen Elementen eine Ritualmord-Propaganda
betrieben wird, obwohl die litauischen Beh6rden und die
Polizei den Geriichten, die sich an einen Kindermord ge-
knilpft haben, mit aller Schirfe entgegengetreten sind. Un-
begreiflicherweise haben auch einige deutsche Z ei -
tungen die Meldung iiber diesen angeblichen ,,Ritual-
mord" in Litauen fibernommen und zum Teil sogar in auf-
fallender Form abgedruckt. Dal bestialische Menschen Kinder
ermorden, kommt leider von Zeit zu Zeit immer wieder vor;
die TAter sind keine Juden, und niemand denkt daran, irgend-
eine Gemeinschaft fuir solche Verbrechen verantwortlich zu
machen. Manchmal gelingt es auch, ein Ritualmord-Marchen
schnell in einer erfreulichen Weis e aufzuklaren; ein
solcher Fall wird jetzt von polnischen Zeitungen gemeldet, die
folgendes berichten:
Das Verschwinden eines christlichen Kindes, das in einem
jiidischen Hause in dem Dorf R ud a im Kreis Kattowitz wohnte,
fiihrte zu der Verbreitung des Gertichtes, die Juden hiitten das
Kind get6tet, um Blut fur das Pefiachfest zu bekommen. Die Dorf-
bevilkerung nahm gegen die in ihrer Mitte wohnenden Juden eine
drohende Haltung ein und diese verlebten schreckensvolle Stunden,
bis der Vorfall seine Aufklirung fand. Nachdem das Haus von der
Polizei vom Dachboden bis zum Keller ohne Ergebnis durchsucht
worden war, traf die Meldung ein, da8 das Kind in einem
Nachbardorfe gefunden wurde, wohin es einen Spazier-
gang gemacht hatte. Der Vorfall ist fur die durch eine skrupellose
Hetze in den Dorfern hervorgerufene Stimmung bezeichnend.



Rassenkunde als Wissenschaft
Prof. Gfinther Berliner Ordinarius
Der Jenaer Rasseforscher iProf. Hans G ii n t h e r hat
einen Ruf an die Berliner Universitiit erhalten. Er wird im
kommenden Wintersemester als Ordentlicher Professor fiur
Rassenkunde, V61kerbiologie und Soziologie des Bauerntums
Vorlesungen halten. Prof. Gfinther ist auch in j fi dischen
Kreisen bekannt, denn er hat neben der ,,Rassenkunde des
deutschen Volkes" eine sehr interessante ,,Rassen kunde
desj iidischen Volkes" geschrieben. Prof. Giinther steht
auf dem Standpunkt einer strengen Rassentheorie, hat aber
stets .die Diffamierung der jiidischen Rasse als solche ab-
gelehnt und gegenilber denjenigen Juden, die sich zu ihrer
Rasse und ihrem Volkstum bekennen, eine verstdindnisvolle
Haltung eingenommen.

Werner Sombart fiber die Rassenfrage
Wie die ,,Frankfurter Zeitung" berichtet, hielt Prof. Werner
Sombart in der Lessing-Hochschule einen Vortrag iiber
Soziologie. Er kam dabei auch auf die Rassenfrage zu
sprechen. Ein ewiger Bestandteil und die Voraussetzung aller
gesellschaftlichen Tatsachen sei die Gleichheit der Menschen,
so sagte er. Sie sei die Voraussetzung der menschlichen Rasse
tiberhaupt, auf ihr beruhe das, was die Menschen erst zum
Menschen macht: die Verbindung durch den Geist. Sie gehe
durch alle Rassen, alle Nationen, alle Riume, alle Zeiten. Ueber
der Erkenntnis ihrer Gleichheit diirfe man jedoch die Ver-
schiedenheit der Menschen nicht vernachlassigen. Aus dem
Zusammenwirken der Gleichheit und der Verschiedenheit were
die menschliche Gesellschaft gebildet. Die Kultur bestehe in
der Zunahme der Verschiedenheiten, d. h. in der zunehmenden
Differenzierung. Der Konflikt des heutigen Menschen liege in
seiner doppelten Eigenschaft als Individuum und als Funktioniir
der Gesellschaft. Die Menschen seien nach Leib, Seele und
Geist verschieden. Indem man innerhalb der Verschiedenen
die unter sich Gleichen zusammenfa8t, komme man zu den
groCen Gruppen. Sombart unterscheidet die verschiedenen
assebegriffe der Merkmals-, der Abstammungs- und der
Qualitiitsrasse. Wichtig sei jedoch die Lehre von den Ver-
schiedenheiten ffir das gesellschaftliche Leben des Menschen
erst in zweiter Linie. In der Frage: Mensch und Umwelt
lehnte Sombart sowohl die extreme Milieutheorie,
die den Menschen lediglich als ein Produkt seiner Umwelt
ansieht, ebenso ab, wie die extreme Blut- und Rassen-
theor i e, die ausschlie8lich die in Blut und Rasse mitgege-







bene Urveranlagung des Menschen fur seine Leistungen und
fiur sein Schicksal verantwortlich macht. Vielmehr sei eine
wechselweise Einwirkung der Natur auf den Menschen und des
Menschen auf die Natur anzunehmen.
Die Ausfihrungen Sombarts sind fiur uns Juden iiberaus
interessant, weil gerade die j i dische Rasse infolge der
Zerstreuung der Juden auch starke Einfliisse des Milieus
erfahren hat. Die Auffassung einer vergangenen Epoche, daBl
n u r das Milieu, an das man sich assimiliert, filr die Zurech-
nung des Menschen ausschlaggebend sei, ist heute wohl auch
bei den Juden ilberwunden. Gerade aber, wenn wir Juden in
immer h6herem MaBe uns zu unserem V o I k stum bekennen,
sollen wir den Fehler vermeiden, gegenilber den wichtigen
Elementen unserer Blutsverbundenheit die uns zweifellos anhaf-
tenden, aus dem Milieu und aus der geistigen Entwicklung
stammenden Verschiedenheiten sowie die Differenzierung nach
m e n s c h Ii c h e n OualitAten zu unterschatzen.


Der ,,judenfreie Markt"
Einer Meldung des Landespressedienstes des ,,Deutschen
Nachrichtenbiiros" aus GieBen ist Nachstehendes zu ent-
nehmen:
,,Der im vergangenen Jahre erstmalig wieder nach mehrjdihriger
Unterbrechung in Lang-G 6 n s abgehaltene traditionelle juden-
freie Fasel- und Zuchtviechmarkt wird auch in diesem Jahre wieder,
und zwar am 23. Mai, durchgefiihrt. Der judenfreic Markt in Lang-
G6ns wurde mit als erster Markt dieser Art in Hessen von dem
Vork-impfer der antisemitischen Bewegung, Dr. Backel, ins Leben
gerufen und erfreute sich Jahr fUir Jahr in biuerlichen Kreiscn immer
gr6ieren Zuspruchs."

Altes Testament und germanische Religion. Wie die
,,Frankfurter Zeitung" vom 12. 4. erfihrt, werden in dem
neuen Lehrplan der Stadt Leipzig fiber die Aufgaben
des Religionsunterrichts folgende Grundsatze aufgestellt: ,,Der
Religionslehrer mulf sich immer dessen bewuBt sein, daB die
deutsche Jugend auf das Wissen um die religi6sen und ethi-
schen Anschauungen ihrer Vorfahren viel mehr Anspruch hat
als auf die Kenntnis der Geschichten desAltenTesta-
me nt s. Deshalb hat 'er bei jeder- sich bietenden Gelegenheit
die germanische Religion zum Vergleich heranzuziehen und
die Kinder mit dem altgermanischen Brauchtum bekanntzu-
machen. Auf der Oberstufe aber sind die germanisihe Religion
und das Eindringen des Christentums in die germanische Welt
zu behandeln. Hierbei darf nicht verschwiegen werden, daB die
Kirche ein gut Teil germanischen Freiheitsgeistes unter.
driickt hat."

Das Vermfichtnis James Loeb. In der Hinterlassenschaft
des 1933 verstorbenen jfidischen MillionArs und Mazens James
L o e b (Murnau, Oberbayern), die zum grd8ten Teil an all-
gemeine soziale und wissenschaftliche Einrichtungen gefallen
ist, befand sich auch eine beraihmte Antikensammlung, die
er dem Museum antiker Kleinkunst in Mfinchen vermacht.
hat. Dieses staatliche Museum hat die Sammlung James Loebs
nun als Einheit zur Aufstellung gebracht, woriiber der Di-
rektor des Museums, Prof. Dr. J. S ie v e k i n g, in einem
ausffihrlichen, mit vielen Photos versehenen Aufsatz der Zeit-
schrift ,,Pantheon" (Bruckmann-Verlag, Mfinchen), (Heft 2,
1935) berichtet. Professor Sieveking leitet die Beschreibung
der einzelnen wertvollen und seltenen Plastiken, Vasen,
Terrakotten, Schmuckstficke usw. mit folgendem Satz ein:
,,Seit den Tagen Ludwigs I. und der Einverleibung der
Sammlung Arndt im Jahre 1907 haben die Antikensammlun-
gen Miinchens nicht mehr eine Bereicherung erfahren, die
diesem Vermiichtnis vergleichbar ware, die Anziehungskraft
des Museums griechisch-r6mischer Kleinkunst ist mit einem
Schlage wieder einmal ganz gewaltig verstirkt worden."
I h. L


Zionistische Arbeit in Ungarn
Aus Budapest, Anfang April, wird uns geschrieben:
In der Zeit zwischen dem 6. January und 27. February
bereiste Prof. Julian Silberbusch, der Delegierte des
KKL-Hauptbiiros (Jerusalem) der im Vorjahre die Ussisch-
kin-Aktion in Budapest mit gutem Erfolg durchgefilhrt hat -,
gemeinsam mit dem Leiter des Budapester KKL-Biiros, Herrn
Eduard Marton, die wichtigsten Stiidte der ungarischenr
Provinz. In Miskolc, Debreczin, Sopron, SafrvAr, PApa, Gyor,
Kispest, Gy6ngy6s, KaposvAr, Nyiregyhdza, Sz6kesfehdrvAr
und Ujpest hielt Silberbusch VortrAige sowohl in 6ffentlichen
Versammlungen, wie auch in verschiedenen Zirkeln. Es gelang
in sdimtlichen Staidten ffir die aktive Mitarbeit im Inter-
esse des KKL eine Reihe von verantwortlichen Menschen
zu gewinnen. In den meisten Stidten wurden spezielle Ver-
sammlungen fiir Frauen veranstaltet, in Debreczin, Sopron
und 'Gyor wurden neue Wizo-Gruppen gegriindet. Prof.
Silberbusch versuchte auch die Kultusgemeinden zur offi-
ziellen Unterstiltzung des KKL in Form eines stuindigen
Jahresbeitrages fiir den KKL und zur F6rderung der Tempel-
spenden zu gewinnen, was in den meisten Stadten gelungen
ist. Diese umfassende Reisetatitigkeit bedeutet einen sehr
wichtigen Schritt in bezug auf die Verbreitung und Ver-
tiefung des Palidstina-Gedankens in einem Lande, wo die
Voraussetzungen der zionistischen Propaganda und Erziehung
ungiinstig sind und wo die Arbeit filr Erez Israel vielen An-
feindungen seitens der offiziellen, jildisch-assimilatorischern
Kreise ausgesetzt ist.


ANTWORTEN DER REDAKTION
A. S., Berlin. Selbstverstiindlich tragen wir ffir ju-
ristische Ansichten, die ein Verfasser mit seinem vollen Namen
vortriigt, nicht die Verantwortung. Wir verweisen Sie im
fibrigen auf die Einsendung von Konsul Feniger, die wir in
Nr. 28 abgedruckt haben. Wie die polnischen Beh6rden sich
im Einzelfalle zur Frage der Wiedererlangung der polnischen
Staatsbilrgerschaft stellen werden, k6nnen wir nicht beur.
teilen.
K. L., Mannheim. Wir empfehlen VJnen, sich an den
Autoklub 1927, Berlin-Charlottenburg, H denbergstr. 18, zu
wenden.
Frau Jettka Levy. Wir haben in Nr. 27 der ,,J, R."
einen Bericht iiber die Sitzung des Aktions-Comites ver,
6ffentlicht, in welchem von den Verdiensten von Miss Szold
urn die Organisierung der Jugend-Alijah in Paldistina die
Rede war. Sie machen uns darauf aufmerksam, daB dieses
Werk in Deutschland von der ,,Arbeitsgemeinschaft der
Kinder- und Jugend-Alijah in Berlin" organisiert wird, die
auch fiir die Durchffihrung dieser Aktion finanziell verant-
wortlich ist. Obwohl wir annehmen, daB aus zahlreichen
Ver6ffentlichungen unseren Lesern diese Tatsache be kannt
ist, tragen wir diesen Hinweis gern nach.


Wir senden Ihnen gern kostenlos und ohne KaufverpfIchtung unser neues
Musferbuch mit den wundervollen Fruhishrs- und Sommerstollen. Si k6nnen dann
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JODISCHE RUNDSCHAU


Sport -Rundschan


NR. 31/32, 17. APRIL 1935


NACH DER MAKKABIAH


Wenn diese Zeilen in Druck gehen, sind die Mak-
kabi-Sportler aus alien Liindern noch auf ,,Tijul" im
Lande, um nunmehr die groBe seelische Spannung, die
die Teilnahme an den Ka'mpfen der Makkabiah erfor-
derte, aufzul6sen in das Gefithl der Freude beim Anblick
der Siedlungen und Kolonien. Bald werden sie in Haifa
und Jaffa die Schiffe wieder besteigen, um in ihre
verschiedenen Wohnlinder zuruckzukehren. Viele von
ihnen, die erst im Laufe der letzten zwei Jahre zum
Zionismus gekommen sind, werden mit Erschiitterung
festgestellt haben, daB hier jahrzehntelang die groBe
Entscheidung des jiidischen Volkes vorbereitet wurde,
wahrend sie noch abseits standen und nichts davon
wulten, daB langsam in ziahem Ringen durch den Idealis-
inus :Weniger aus dem Nichts bluihende jfidische Gegen-.
wart erarbeitet wurde, wihrend ihr Leben in unjiidischen
bd'r entjudeten Zirkeln dahinfloB.
Die Fahne, die der Bar Kochba Berlin bei der Fcier
seines einjaihrigen Bestehens im Jahre 1898 weihie, ist
dft. Fahne der Makkabi-Bewegung in Deutschl-'nd -ges
worden, -die den Kolonnen der Makkabim aus .Deutsch-
knhd beim Einmarsch in das Stadion vor wenigen Tagen
voranflatterte. Die Zeiten sind andere gewor-
'den, unsere Idee ist die gleiche geblieben!
Lassen wir uns nicht durch die Tatsache blenden, daB
viele Tausende hunter dem Eindruck der letzten zwei Jahre
zu uns'gekommen sind! Noch stehen weite Kreise dcr
jiudischen Jugend Deutschlands nicht in unserem Lager...
Zwar ist jiidischer Sport heute eine Parole geworden,
'die auch die aufgegriffen haben, die sie noch vor zwei
Jahfrn erbittert bekaimpft haben, und alle sind sie un-
isiclier geworden und suchen nach neuen Grundlagen
fiur ihr Judesein. Wir werden uns niemals damit ab-
finden, daB man sich mit der Form- der Organisierung
von Jaden in jfidischen Sportvereinen begniigt, ohne
diese Form mit Inhalt und Leben zu erfillen.
Sport als Selbstzweck ist sinnlos. Bei
alien V61kern der Welt sind die Sport- und Turnvereine
die Triiger des nationalen Willens der Jugend geworden.
Es kann bei uns Juden nicht anders sein. Die k6rper-
liche Ertfichtigung der jildischen Jugend, die der Makkabi
Seit fast 40 Jahren erstrebt, soll die Schiiden einer jahr-
hundertelangen abnormen Lebenshaltung wieder gut-
machen. Durch systematische und zielbewulte Arbeit.
sollen die zweifellos vorhandenen Degenerationserschei-
nungen des jfidischen Menschen bekampft und vernichtet
Werden. Es ist ein groBer HeilungsprozeB des
jiidischen K6rpers, der durch die Leibesfibungen erstrebt
wird. Bei aller Gr6Be dieser Aufgabe aber kann sie
fiicht zum Selbstzweck werden. Dieses Werk wird sinn-
roll ffir die Juden, wenn Hand in Hand mit ihm die
Erziehung der Sportier und Turner zum natio-
nalen Judentum und zum Zionismus geht.
Die Beschlfisse der Aktions-Comit6-Sitzung in Jeru-
salem haben uns mit aller Deutlichkeit wieder an die
Fragen der Disziplin erinnert. Ein Volk, das viele Jahr-
hunderte lang nur existieren konnte, indem es gezwungen
iiberall durch Anpassung und zum Teil durch Selbst-
aufgabe sein Leben meist hunter tragischen Umstiinden
fristen multe, muB zur nationalen Disziplin und Unter-
ordnung erst erzogen werden. Das Pflic ht ge fi h
der Juden gegenfiber der Zionistischen Organisation,
den nationalen Fonds, den ungeschriebenen Gesetzen
eines gesunden Aufbaus unseres Landes muB geweckt
und ausgebildet werden. Zionistische Verwirklichung ver-
langt Unterordnung und oft Verzicht auf Interessen des
Einzelnen oder seiner Gruppe. .Wenn es uns gelingt,
unsere jugend hierzu zu erziehen, haben wir keine
Furcht fiir das Gelingen unserer Sache. Objektive Um-
stinde haben eine Hochziichtung des Intellekts 'und
wie Blumenfeld es so treffend bezeichnet der
,,Geschicklichkeit" des jiidischen Menschen verursacht.
Die Unbefangenheit des Geffihls und die Unmittelbar-
keit einer gesunden Reaktion auf die Ereignisse des


Lebens miissen wieder lebendig werden. Zahlreiche in
ihrer Entstehung leicht verstaindliche Minderwertigkeits-
Komplexe des jfidischen Menschen miissen weggerdumt
werden, um eine gerade und aufrechte Haltung wieder
zu gewinnen.
Wir hiben den Tausenden junger jiidischer Men-
schen, die neu zu uns gekommen sind, den Eintritt in
unsere Bewegung leicht gemacht. Jetzt gilt es, ihnen
den Weg zu erschweren. Das Bekenntnis zu einem
formalen Natibnalismus stellt keine zionistische Entschei-
dung dar. Das Schema: Hachscharah, Erlernung hebrii-
ischer Vokabeln, Alijah ist noch kein Zionismus. Die
Erkenntnis des Zionismus als umgestal.tender
K raft fuir den jildischen Menschen muB erweckt und
fruchtbar gemacht werden. So, wie die Juden heute
sind, dfirfen'sie 'nicht bleibei. Das, was wir mit Re-
naissance bezeichnen, ist zweifellos ein Prozel, der-Gene-
ratiorien dauern wird. Unsere Aufgabe aber muB es
sein, dieses- unefdlieh muihevolle Werk im BewuBtsein
seiner Schwere-_in Angrif. zu nehmen.. Die Umgestal-
tung durch den Zionismus darf sich nicht nur auf die
politische Haltung und ihrer durch sie bedingten Kon-
sequenzen erstrecken, sondern mu8 auch formed auf
den Charakter und die menschliche Haltung wirken.
Die jeden Zionisten mit tiefer Sorge erfillenden Erschei-'
n ungen in Palistina, wie Landflucht, Bodenspeku-
lation, Verdriingung der jildischen Arbeit sind letzten
Endes Folgen einer mangelhaften zionistischen Erziehung.
Es wird nur anders werden, wenn die Jugend, die ins
Land kommt, sich ausrichtet nach den Gesetzen des
Zionismus. Oft konnte imaan vor der Gr6Be und Schwie-
rigkeit unserer Aufgabe klein werden. Aber immer wieder
werden wir aufgepeitscht durch die Erinnerung an die
Sch6nheit und Ewigkeit der Idee, die wir .Renaissance
des jildischen Volkes nennen.
In froher Stimmung erwarten wir die Rickkehrer
von der Makkabiah. Sie werden in die Vereine und
Gruppen des Makkabi die Kunde von unserem Lande
tragen und uns bei unserer schweren Arbeit helfen: Den
Zionismus s c h we r zu machen, damit das Leben als
Jude leichter wird! H. F.

Makkabi aus Deutschland
Zweiter auf der Makkabiah
(Telegramm unseres p. I.-Sonderberichterstatters)
Haifa, 11. April
Die groBen Erfolge im Schwimmen verschafften 0 e s t e r-
r e i c h. den G e s a m t s i e g der Makkabiah und damit den
Melcheit-Pokal. Zweiter ist Makkabi aus Deutsch-
a n d, Dritter USA., Vierter .Paliistina. Die Schwimmwett-
kiimpfe in Haifa nahmen einen hervorragenden Verlauf. Ge-
treuer (CSR.) schwamm 1500 m in 21.33 Min. und unterbot
damit den bisherigen tschechoslowakischen Rekord von Antos
um 28,4 Sek. Im Wasserball siegte die Tschechoslowakei
fiber Pallistina 6 :2.
Es ist noch nachzutragen, daB den Sieg im F u ball
die rumrinische Mannschaft errang, Z weiter wurde
Makkabi aus Deutschland, Dritter Paliistina.
Am 10. April fand in Tel-Awiw die Beerdigung des beim
Baden im Meere urns Leben &gkommenen franzoisischen
Makkabi-Mitgliedes Arjeh Le f kowit z statt. Die fran-
zlisische Makkabimannschaft trug den Sarg. Der Makkabi-
Hazair stelite die Ehrengarde. Es sprachen der stellvertre-
tende Biirgermeister von Tel-Awiw, Rokach, und fiir den
Makkabi Tel-Awiw ZieBlling. Letzterer wiirdigte das Opfer
des Arabers Ali Hassan, der beim Rettungsversuch ebenfalls
ertrank.

Zu den Bildern
Oben links: Schluflappell an Bord vor der Landung in Haifa.
Die Mannschaftlen aus Deutschland, Oesterreich, Tschecho-
slowakci und Jugoslawien sind aufmarschiert.- Oben rechis:
Sokolotv auf der Tribune des Stadions. Neben ihm Ussisch-
kin. Von oben nach unten: 1. Bild: Lord Melchett und
Dr. Lclewcer grifilen die Mannschaften. 2. Bild: lVeizmann
hunter den Ehrengasten. 3. Bild: Die Makkabim aus
Deutschland marschieren durch Tel Awiw zum Stadion.
Foto ; D nner I und Dr. Ignag Gidal e witch 3


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Rundblick

auf die Sportplatze
Anfangersportfest
des J. T. S. C. Bar Kochba-Hakoah Berlin
Der Bar Kochba-Hakoah leitete seine Leichtathletik-Saison
durch eiri lokales Anfiingersportfest ein. Trotz der
friihen Jahreszeit und trotz ungeniigendem Training nqhmen
viele Sportier die Gelegenheit wahr, dem zahlreich er-
schienenen Publikum gute Leistungen auf samtlichen Sport-
gebieten zu zeigen.
Nach spannenden Vorkiimpfen sind folgende Endergeb-
nisse zu verzeichnen:
HMnner: 300 m, Klasse I: 1. Sorkin (L. A.) 39,4; 2. Rothschild
(L.A.) 41,7; 3. Dobriner (L. A.) 42,1. 300 m, Klasse II:
1. Gottschalk (Handball-Abtlg.) 43,2; 2. Tiirkfeld (Handball-Abtlg.)
44,5; 3. Potoker (Makkabi Hazair) 44,8. 3000 m: 1. E. Simm.n
(Handball) 11:5,3; 2. Spatz (MAinnerturn) 11:9,5; 3. Rast (Hagi-
bor) 12:21. KugelstoBfien: 1. Nathansohin (Fulball) 9,50 inm;
2. Elsner (Handball) 9,30 m; 3. Lewin (Fu8ball) 8,95 m. -
4X100-m-Staffel: 1. Leichtathletik-Abtlg., 45,7; 2. Fulball-Abtlg.,
46,2; 3. Handball-Abtlg., 47,4. 11X100-m-Staffel: 1. Handball-
Abtlg. I; 2. Fufball-Abtlg.; 3. Handball-Abtlg. II.
Jungmannen: 300 m: 1. Rainer (L.A.) 43,0; 2. Sruhaller
(L.A.) 47,0; 3. Schwimmer (Mainnerturn) 47,9.
Jugend (Jahrgang 1917/18): 300-m-Lauf: 1. W. Cohn, 41,0;
2. Koppenheim, 41,5; 3. Guttmann, 42,8. Kugelsto8en: 1. Sie-
radzki (L.A.) 11,50 m; 2. Abend (Fu8ball) 10,40 m; 3. W. Cohn
(L.A.) 10,35 m.n
Ju gend (Jahrgang 1919/20): 1000-m-Lauf: 1. Berger (Jugend-
turn)' 3:43; 2. Mann (H-agibor); 3. Stock. Kugelsto8eni
1. Kaplan, 9,60 m; 2. GroB, 9,50 m; 3. Guttmann, 9,31 m. -
'3X200-m-Staffel: 1. Jugendsport-Abtlg., 1:22,7; 2. Fuiball-Abtlg.;
3. Hagibor. 100-m-Lauf, Klasse I: 1. Mehler' (FuBball-Abtlg)
12,2; 2. Kaplan (Jugendsport) 12,4; 3. Sieradzki (Jugendsport) 12,5.
Jungmannen: 1000-m-Lauf: 1. Kober; 2. Goldstein; 3. Bres-
lauer.
Jungm i dchen: 100-m-Lauf: .1. Meyer (Westen) 14,9; 2. Spiewak
(Westen) 15,2; 3. Wahrhaftig (Norden) 15,3. 4X100-m-Staffel;
1. Abtl. West, 61,2; 2. Nord, Abtlg. I; 3. Abtlg. West II.
Frauen: 100-m-Lauf: 1. Suimann (Frauensport) 15,2; 2. R. Cohn
(Frauensport) 15,3; 3. Salomon (B6tzow) 15,7. Kugelsto8en:
1. 'Salonlonf (B6tzoiw) 7,72 m; 2. Frei (Frauensport) 7,51 m;
3. F. Beck (Frauensport) 7,42 m; auier Konkurrenz J. Cohn,
8.10 m.

Handball
,Die II. Frauenmannschaft des Bar Kochba-Hakoah spielte
gegen BSG. I. Frauen 2 : 2, wodurch sich B. K.-H. den zwei-
ten Tabellenplatz in der Gruppe B endgiiltig sicherte.
Die Ill. Frauenmannschaft des B. K.-H. spielte ebenfalls un-
entschieden.1:1 gegen JTSC. II. Die I. Miinner der BSG.
undl Bar Kochba Stettin trennten sich mit 8 :6, wihrend die
II. Jugend des JTSC. die k6rperlich unterlegene I. Knaben-
mannschaft des B. K.-H. 4 : 2 schlagen konnte. Ein Kurz-
spiel zwischen den Jungmiidchenmannschaften Norden und
Westen des B. K.-H. gewannen die besser stiurmenden
Norden-Madels mit 3 :1.
Frankfurt
F u. 1:'a I'': Bar Kochba, Frankfurt i .geg.ei J',S. V. Offenbach I.
4 : 1 (1 ; 1.),, .. ... . .
Die Frankfurter Bar Kochbaner konaten das in Offenbach
mit fiinf Mann Ersatz bestrittene Privatspiel gegen die spiel-
starken Offenbacher glatt und verdient mit 4: 1 Toren ge-
winnen. Die Frankfurter hatten stets mehr vom Spiel und
kamen nach einem Halbzeitabstand von 1:1 zu drei weiteren
Treffern. Der Frankfurter Torwart wehrte einen Elfmeter-
ball ab. ':
In ejifer denri Spiel' vorangegangenen Begegnung zwischen
einer;--Kormbination der 2. und. 3. Mannschaften der Frank-,
furter tnd der Offenlacher Reserve vermochten die eifrigen'
Offenbacher den gleichweitigen Kampf mit 4:3 Toren fiur
sich zu enitscheiden.

Mo.torsprt Abteillng des Bar Kochba, Hamburg
l5ie. 2zeite Werbefahrt am Sonntag, dem 14. April. 1935'
''Der Startleitung stellten sich dieses' Mal schon 18 Wagen,
ein Zeichen ffir das rege Interesse an diesem neuen Sport-
zweig in Hamburg. Die Wagen wurden in Abstinden von drei
$Minuten gestartet, und.hatten die 1. Kontrollstation, die ihnen
inau' -bezeichnet war, anzufahren. Hier. bekamen sie den
thdort der 2. Kontrollstatibn angegeben, die wiederum den




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SchluBfeier der II. Makkabiah


Tel-Awiw, 7. IV. 35
Bei der Er6ffnung der zweiten Makkabiah hat man ilber
40000 Schaulustige geschitzt, zur Schluffeier sind noch weit
mehr gekommen. Viele muBten wieder nach Hause gehen.
Auf den entferntesten Stehpliitzen dringte man sich. Eine un-
fibersehbare, erwartungsvolle Menge. Aus Gesprhichen, abge-
lauschten Bemerkungen, schlieBlich den eigenen Eindriicken,
ergibt sich: Die hbchsten Erwartungen der Einzelnen sind
sogar noch uibertroffen worden. Wer sich fiir Leichtathletik
und Turnen interessiert, wer gem prominent Leute sprechen
hort. wer Freude an Massenvorfiihrungen, an Fahnen and
Fackeln hat, oder wer einfach den ganzen Rummel eines rie-
sigeh nationalen jiidischen Festes liebt, der schaut und schaut
von 2-7 Uhr begeistert der SchluBfeier unserer Makkabiah zu.
Makkabi-Hazair marschiert in militgirischer Ordnung auf.
Das Stadion ist voll von den 13 Gruppen der heranwachsenden
Sportjugend Paliistinas. Manche von ihnen, so erzihlen sie
mir, trainieren schon fiir die nichste Makkabiah. Es gibt aber
auch ganz Kleine, die erst vor ein paar Jahren laufen lernten,
und jetzt schon hier im Makkabi fleiBig mitmarschieren.
Pl6tzhch h6rt die MilitAirkapelle zu spielen auf: Der High
Commissioner, Lord Melchett, Dr. Lelever, Chajim Wein (Lei-
ter' des Makkabi-Hazair) schreiten zur Ehrenloge.
Die Ehrengiiste warten ebenso gespannt wie die Masse der
anderen Zuschauer, wer im Hundertmeterlauf siegen wird.
Das erstemal starten sie alle vor dem PistolenschuB, es folgen
zwei weitere Fehlstarts schlieBlich beginnt der Lauf. -
Ein schbner, aufregender Lauf man hat kaum Zeit, richtig
hinzuschaun schon sind sie am Ziel. Smith, Siidafrika (11,2)
siegt knapp vor Lewin, Deutschland (11,3), folgt in Brust-
breite Amerika (11;4) und schliefllich Schattmann (Deutschland),
dem die palastinensische Hitze nicht gut zu bekommen scheint.
Der Hundertmeterlauf der ,,Frauen", junge, hiibsche Mad-
chen zwischen 16 und 20, begeistert die Zuschauer. Die Teil-
nehmerinnen aus Deutschland gewinnen den ersten und dritten
Platz (13,1 und 13,4). Die Amerikanerin Sybil Coff wird trotz
ihres spielenden Laufs und ihrer glanzenden K6rperbeherr-
schung nur Zweite (13,2). Schon ist der Lauf der sechzehnjahri-
gen kleinen Pallistinenserin, der Sporthoffnung von Erez Israel.
Beim Schauturnen der palistinensischen Auswahlmann-
schaft kann man sich etwas von der Aufregung der Liufe er-
holen. Was von dieser Gruppe Mannern und dem einen Mid-
chen (Anne Mendle aus Miinchen) geboten wird, ist tatsdich-
lich turnerische .H6chstleistung. Kaum hat man Z.eit, die .Vor-
filhrung bis zu Ende anzusehen. Schon 'ert6nt wieder eini Pisto-


Fahrern das Ziel bekanntgab. Gewertet wurde die Gesamt-
zeit, die am Ziel, dieses Mal das Waldhaus zur Ohe, ge-
messen wurde. Sieger in Klasse I, Wagen ilber 1,5 Liter, wurde
R. Baum (Elmshorn) mit 53,40 Min., Zweiter Alphons Zinner
mit. 57 Min. und Drifter Paul Levy mit 58,13 Min. Sieger in der
II. Klasse, Wagen unter 1,5 Liter, wurde E. Kastan mit
57,01. Min., Zweiter Fritz Allen mit 62,57 Min. und Dritter
Artur Levy mit 66,42 Min. Nach Eintreffen aller Wagen ver-
sammelte eine Kaffeetafel alle Teilnehmer, bei der der Leiter
der neuen Abteilung, Herr Kurt Philip, die Teilnehmer be-
griiute und in kurzen Ziigen das kinftige Programm der Ab-
teilung utirif.3 Dipl.-Ing. Hans Allen gab darauf'die Resultate
der zweiten Weibefahrt bekannt iund leitete'die' nschlielenden
Sportspiele. Hier gait 'e;', auf :einer 'markiert'en 'Strecke, bei
zwei Weriden, die beste'Zeit zu fahren. Sieger'in diesem Wett-
bewerb wurde Fritz Allen, Zweiter Paul Levy und Dritter
R. Baum.
Diese zweite Veranstaltung, die bei strahlendem Sonnen-
schein durchgefiuhrt werden konnte, fand wiederum die vollste
Zufriedenheit bei allen. Teilnehmern und. hat der neugegriin-.
deten Abteilung eine weitere Anzahl von neuen Mifgliedern
zugefiihrt. Es bleibt zu hoffen, da .'imnimer' weitere Kreise
der jiidischen Autofahrer sich fur diese Abteilung 'interessieren,
um so die Gelegenheit der gemeinsamen Fahrtea, der sport-
-lichen' BetAitigung.auch auf. diesel Gebiet und insbesondere
den 'ZpsammenschlulB der jiidischen Autofahrer in einem jiidi-
schen Klub zu haben.

Tennis im J. S. K
(Jadischer Sportklub) Berlin
Der JSK. hat seine Tennissaison er6ffnet und spielt auf
seiner Anlage Hohenzollerndamm 151/152. Es ist fuir sport-
liche Fortbildung in dieser Abteilung bestens. gesorgt, die
Beitriige sind verhiltnisniaBig niedrig gehalten und Spiel-
m6glichkeiten jederzeit vorhanden. Fahrtverbindung: S-Bahn .
Hohenzollerndamm, U-Bahn Fehrbelliner Platz, Strallenbahn 57
und 92. Ndiheres bei 'der Geschiftsstelle: Wiener, W 30,
Speyerer Str. 22, Cornelius B 6 5369.

Die nada dem 1. April 1933 in der ,Jtdissen
Rundsdiau" ersdctenenen Artikel, die das
deutsche Judentum zutiefst aufwuhlten, sind
gesammelt in dem Budc
Ja- Sagen zum Judentum
Preis RM 2.85
Verlag ,,Judische Rundschau"
G. m. b. H., Berlin W 15, Meinekestr. 10


lenschuB: 800-m-Lauf. Herrschl (Oesterreich) ffihrt. Wir glau-
ben, er wird durchhalten. Rosenkranz (U.S. A.) holt in der
zweiten Runde auf und siegt mit 2,04. Es folgen Orgler
(Deutschland) und Passy (Griechenland).
Bei der 4 x 100-m-Staffel sind Oesterreich, Polen, Ame-
rika, C.S.R., Suidafrika, Deutschland in die Finale gekommen.
Siudafrika macht das Rennen. Die deutschen Makkabim ver-
lieren durch den ersten sehr schlechten Wechsel mindestens
5 m, holten dann wieder etwas auf und erkampften nach Sild-
afrika und Oesterreich den dritten Platz.
Was dann folgt, macht manchem der Zuschauer staunen,
viele bewundern und klatschen, andere sind ganz stumm vor
Begeisterung. Auf den Platz marschieren die Gruppen der
einzelnen Liinder. Fast ohne Kommando, nur nach den Klan-
gen der Musik beginnen sie ihre Freifibungen. Man spricht oft
von einheitlichem Geist, selten kann man kontrollieren, ob
dieses Abstraktum Leben hat. Diese Freiiibungen erscheinen,
als wenn 1000 K6rper von einem Willen beherrscht sind. Wie
ein einziger lebendiger Organismus bewegt sich das ganze
Stadion. Pl6tzlich werden die Uebungen unterbrochen. Der
High Commissioner tritt auf das Podium. Er begriit mit
kurzen warmen Worten Lord Melchett und unsere Makkabiah.
Dann geht das Fest weiter. Die einzelnen Gruppen marschieren
in Gegenzuigen ab.
45 Motorriider erscheinen knatternd auf dem Platz. Nach'
dem man dieses Motorpolo und die Akrobatik der Kunstfahrer
erlebt hat, wird man sich an den folgenden Tagen nicht mehr
fiber die Chauffeure wundern, die sich geriuschlos durch die
Straflen Tel-Awiws hindurchschlangeln.
AllmAihlich beginnt es dunkel zu werden der Tag geht
seinem Ende entgegen. Wir wollen ihn kiinstlich verlangern!
Das Stadion wird durch Scheinwerfer beleuchtet. Jetzt mar-
schieren von neuem die 30 Nationen auf den Platz. Voran die
Bannertriiger mit ihren Fahnen. Die Metallwimpel glitzern,
wenn der Scheinwerfer auf sie trifft. Die elektrischen Schein-
werfer reichen nicht aus. Ein Kranz von Fackeln wird ange-
ziindet, Lord Melchett steht im Fackelkreis umgeben von
den FackeltriAgern, schreitet er die Reihen ab. Er heftet selbst
das Zeichen der II. Makkabiah an die Fahnen jeder Gruppe.
Nach dem Wunsch Lord Melchetts sollen sie es tragen bis
zur III. Makkabiah. -
Er6ffnungsfeier, Wettkdimpfe, SchluBfeier, das ganze um-
gewandelte Tel-Awiw, ist fiir alle Teilnehmer und Zuschauer
ein unverge6lliches Fest. Wir freuen uns auf die Ili. Makkabiah.
Dr. Elly Wittkower


Makkabi -Winterkampfspiele
February 1936
Wie uns aus Erez Israel mitgeteilt wird, swollen die zur
Makkabiah gehirenden Winterspiele im Februar 1936 in den
tschechoslowakischen Beskiden ausgetragen werden.

Empfang
der Berliner Makkabiah-Teilnehmer
Am Sonntag, dem 28. April, findet abends, 20 Uhr, im
Logehhaus, Kleiststr. 10, ein Empfang der Makka-
bia'h-Teilnehmer statt. Aus dem Programm: Be -
gruiBung, Berichte der Teilnehmer, Lichtbilder, Chor, Vor-
fiihrungen.

Die Veranstaltungen
des Deutschen Makkabikreises
inn der kommenden Saison
12. Mai: Eraffnungs-Sportfest der Berliner MAakkabi-Vereine m:t Appell.
26. Mai: Sch'ul-Sportfest der jiidischen Schulefi Berlins miter Leitung
des Makkabi.
10. Juni: Jugend-Sportfest in Hamburg.
16. Juni: Kreisoffenes Sportfest (Ort steht noch nicht fest).
Im Juni: Freiluft-Veranstaltung des Boxclub Maccabi Berlin gegent
Maccabi Riga.
Im J uni macht Bar Kochba Hamburg anlitilich seines 25j~ilirigcnr
Jubiliiums "einige sportliche Veranstaltungen, die noch bekannt-
gegeben werden.
21. Juli.: HIerzl-Gedenk-Sportfest.
Im Juli: Revanche-Treffen des Boxclub Maccabi Berlin in Amsterdam.:
11. 'August: Internationales Fulball- und Handball Turnier, durch
gefiihrt durch den ,,Jiidischen Sport-Klub" Berlin im Makkabi,.
kreis.
Im August: Groge Boxveranstaltung.
1. September: Makkabi-Meisterschaften.
10. September: 25jalhriges Jubilaum des Bar Kochba Konigsberg.

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I


-1


Seite 50


40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAV.


Nr. 31132, 17. IVA`935






Nr. 31'32, 17. IV. 1935 40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHATJ Seite 51


Wie g'estalte ich

den Schabbat?

Fir Schabbat, 20. April
Schabbat Chol Hamoed PeBach
I. PeBach ist das Fest des geschichtlichen BewuBtseins.
Der Auszug aus Aegypten ist nach Jehuda Halevy (Kusari I,
25) die geschichtliche Tatsache. auf die Gott die Forderung
seiner Anerkennung durch das juidische Volk begriindet. ,,Als
Mosche began, mit Pharao zu reden, sagte er ihm: Der
Gott der Hebrdier hat mich zu dir geschickt. Er wollte da-
mit ausdriicken, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
weil Abraham allen V61kern bekannt war... Er sagte nicht,
der Gott des Himmels und der Erde hat mich zu dir ge-
schickt. Ebenso sagte er nicht, mein und dein Schopfer.
So began Gott auch seine Worte an Israel: Ich bin der
Ewige, dein Gott, der dich aus Aegypten gefiihrt hat, und
sprach nicht: Ich bin der Sch6pfer der Welt und der, der
Euch geschaffen" ...
Nicht also spekulative philosophische und kosmologische
Untersuchungen sind Grundlagen unseres jildischen Seins,
sondern das geschichtliche Erleben der aus Aegypten Aus-
ziehenden. In diesen Zusammenhang reiht sich jeder Jude am
PeBach ein. Er selbst ist aus Aegypten gezogen; so stark ist
seine Bindung an die Vergangenheit des juidischen Volkes.
Und er selbst setzt diese Verbundenheit fort fair die Zu-
kunft. Man wird diesen Gedanken weiter fiuhren miussen
und auf den Oneg Schabbat sprechen konnen fiber Tradition
und Geschichte als konstitutive Elemente unseres Volks-
tumrns.
II. Am Schabbat Chol Hamoed PeBach wird das ,,Lied
der Lied e r" gelesen, unbestritten eines der sch6nsten
Biicher der Bibel. Es hat, wie die Tradition berichtet, einer
langen Auseinandersetzung bedurft, bis es gelang, dieses
Buch in dem biblischen Kanon aufzunehmen. In das BewuBt-
sein unserer Vorfahren ist ,,Schir ha'Schirim" eingegangen
als das Lied von der Liebe zwischen Gott.und dem
j'i dischen Volk. Der Midrasch und spiter Raschi deu-
ten jeden einzelnen der Verse allegorisch in diesem Sinne aus.
Die Liebe Gottes zum jildischen Volk ist am PeBach mani-
fest geworden. Das wird als Grund daffir angegeben, daB
man dieses Lied am Peflach liest. Die m oderne For-
schung und die junge jiidische Generation betrachtet Schir
ha'Schirim wieder als echtes Liebeslied, als das ,,Hohe Lied"
der Liebe. Von Josef Carlebach (Das Lied der Lieder,
Hermon Verlag, Frankfurt) ist eine Uebersetzung und ein
Kommentar erschienen, in welchem er eine sch6ne Deutung
des Hohen Liedes gibt und insbesondere sich mit einer
interessanten Theorie von Max Brod auseinandersetzt, die
sich am Beginn des 2. Bandes seines Werkes: Heidentum,
Chnistentum, Judentum befindet.
III. Als Haftara wird am Schabbat Chol Hamoed Je-
cheskel, Kap. 37, Vers 1-14, gelesen. Sie sollte auf dem
Oneg Schabbat rezitiert werden. Achtet darauf, daB ein
Gesamteindruck zuriickbleibt und diese Verse bei der nach-
folgenden Diskussion nicht ,,zerredet" werden. Dennoch sollte
auf die hier erneut zutage tretende Tefdenz der gegenseitigen
Bedingtheit von Volkskbrper und -seele hingewiesen werden.
Renaissance des Judentums setzt voraus Wiederauferstehung
des jiidischen Volksk6rpers, wenn auch diese oder die andere
als 7iel nicht sinnvoll ist. Weiset hier. besonders auf die
Ausdeutung des Bildes hin (Vers 12-14).
Vers 11 hat sicherlich I m b er, den. Dichter unserer
Nationalhymne, der Hatikwa, zu dem Refrain ,,od lo awda
tikwah-tenu" angeregt. Hier ist die Gelegenheit, aut die
sich aufdrdingende Parallele vorzionistischer Situation mit
dem prophetischen Bilde und die aus einer solchen Er-
kenntnis erwachsenden Verpflichtungen hinzuweisen. E.


Vom juidischen Schulwerk inWien
Von unserem Korrespondenten
J.R. Wien, im Miirz
Die zu Beginn des laufenden Schuljahres erlassene so-
genannte Parallelklassenverordnung hat in der jiidischen
Oeffentlichkeit die Frage der Ausgestaltung der jildischen
Schule in ihrer ganzen Totalitat aufgerollt. Seither ist die
Diskussion im Zusammenhang mit der Verordnung wohl still
geworden, allein die Frage der jiidischen Schule selbst besteht
nach wie vor in unveranderter Aktualitat. Der einzige
reale Unterbau fiir die Ausgestaltung eines jiidischen Schul-
werkes in Wien ist die von weiser Erkenntnis und propheti-
scher Weitsicht des unvergeilichen Wiener Oberrabbiners
C h a j e s inspirierte Schopfung des nach ihm benannten
Chajes-Realgymnasiums. Ein Kranz von zahlreichen Hebraisch-
una Bibelschulen ist either entstanden. Trotz groeier, recht
beachtenswerter Fortschritte auf dem Gebiete der Hebraisie-
rung und Judaisierung des jildischen Kindes und der.reiferen
jiidischen Jugend, sind die Bemiihungen zur Schaffung rein
jiudischer Volksschulen in Wien noch immer erfolglos ge-
blieben. In. der Stadt, in der 200000 Juden leben, gibt es
heute eine ein zig e, und zwar orthodox jiidische Volks-.
.schule.
Das Chajes-Realgymnasium zAihlt in diesem
Schuljahre 470 Schiller, die in 13 Klassen von 35 Lehrern
unterrichtet werden. Die Schule, die sich in der judenreichen
Leopoldstadt befindet, war bis jetzt eine Koedukationsschule.
In diesem Schuljahr wurde zum erstenmal eine Klasse als
Maidchenklasse konstituiert. Die Struktur der Schule ist die
eines Bundesrealgymnasiums. Es wird von der 1. Klasse
an Latein und Hebraisch und von der Ill. Klasse an Englisch
unterrichtet. Der Religionsunterricht vollzieht sich grundsAtz-
lich in he br iaischer Sprache; es werden insgesamt sechs
Wochenstunden, also eine Stunde tiiglich, fiir die jiidischen
Facher verwendet.
Das monatliche Budget, das die respectable H-he von
14000 S ausmacht, wird zur HAilfte durch die Einnahmen
aus Schulgeldern gedeckt; 4000 S betrdigt die Subvention
der Wiener Kultusgemeinde, der Rest von 3000 S wird
vom schulerhaltenden Verein beschafft. In letter Zeit ist
eine kleine budgetare Erleichterung dadurch eingetreten, daB
der verdienstvolle Direktor des Gymnasiums, Dr. Viktor
K e ll n e r, in den staatlichen Bundesdienst ilbernommen
wurde und daB ein Teil seines Gehaltes vom Staat bezahlt
wird. Ziel der weiteren Entwicklung bleibt nach wie vor


Geschichte der jUdischen Menschen
Chasdal Ibn Schaprut
Die Gestalten der Diaspora, die wir nunmehr behandeln
werden, k6nnen nur im Zusammenhang mit der Geschichte
des jeweiligen Landes dargestellt werden, in dem diese Men-
schen gelebt haben. So kann man z. B. Chasdai nicht be-
handeln, ohne einen knappen Ueberblick fiber die spanische
Geschichte zu geben: die westgotische Zeit, die Eroberung
durch die Araber, die Verhiltnisse der Juden unter beiden.
Herrschern. Alles natiirlich ganz knapp, aber doch so,
daB man weiB, unter welchen Bedingungen ein. solcher
Mann gelebt hat.
Er ,lebte um die Mitte des 10. Jahrhunderts. Vermut-
lich war er von 940-975 am Hofe der Kalifen von Cordoba.
Chasdai leitet die Reihe der spanischen Juden ein, die an
den H6fen als .Finanzberater und Handelspolitiker, aber
auch in der AuBenpolitik,i mit'. groflem, Erfolg tatig sind.
Seine Verdienste um das Kalifat bestehen in- der Schaffung
und Pflege der Beziehungen zu Byzanz, die er began und
ausbaute. Als Jude geh6rt er. zu denen, welche die groile
jiudische Epoche der bliuhenden Wissenschaft, Dichtung und
Religiositat eingeleitet haben. Er berief eine groBe Anzahl


die'Uebernahme der Schule durch die Wiener
Kultusgemeinde.
Die schwierigste Frage der Schule, deren Losung fiur
ihre weitere Entwicklung, ja ffir ihre Existenz entscheidend
ist, ist die Raumfrage. Den 13 Klassen stehen im ganzen
12 Klassenzimmer zur Verfiigung. Der Mangel an Rkiumen
hemmt die weitere Aufnahme von Schiilern. Trotz bereits
erfolgter Weisung des Unterrichtsministeriums
an den Wiener Stadtschulrat, dem jiidischen
Gymnasium ein eigenes Schulgebaude zu
ii b e r a s s e n, ist die Gebaudefrage noch immer nicht ge-
16st. Der Anstalt bleibt noch eine weitere Aufgabe, naimlich
die jfidischen Junglehrer, die heute vielfach in keiner anderen
Schule unterkommen k6nnen, in gr6Berer Zahl zu beschdifti-
gen und derart zur L6sung einer brennenden sozialen Frage
beizutragen.
Alles in allem kann man sagen: das Chajes-Realgym-
nasium hat sich, den Intentionen seines Sch6pfers ent-
sprechend, in seiner bisherigen fast sechzehnjahrigen Arbeit
bestens bewahrt. Die Leistungen der Anstalt erfreuen sich
nicht nur des Vertrauens weitester jildischer Kreise, sondern
auch der restlosen Anerkennung der staat-
.lichen Unterrich ts beh 6rd en. Je mehr es gelingen
wird, die materiellen Grundlagen ihrer Existenz zu sichern,
desto -volikommener wird die jildisch-kulturelle Arbeit, die
sie leistet, .sein und die Schule in immer, hherem MaBe das
werden,. was sie nach dem Willen ihres Griinders sein soil:
,,Heimat fiir die jiidische Jugend und Pflegestitte jildischen
Geistes, Erzieherin einer neuen judischen Jugend, die, erfuillt
von. den groBen Werken der Vergangenheit, bereit ist,
ihre beste Kraft herzugeben ffir den Aufbau ihres Volkes".
Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat am 1. April
1935 entsprechend den bereits mitgeteilten Beschliissen des
Haushaltsausschusses die Leitung des gesamten Hilfs- und
Aufbauwerkes der deutschen Juden iubernommen. Aus diesem
AnilaB hatte der geschaftsfiuhrende Vorsitzende der Reichs-
vertretung, Dr. Otto .Hirsc h, sdimtliche Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen der Reichsvertretung und der nunmehr der
Reichsvertretung angegliederten Stellen vor Beginn der Tages-
arbeit zusammengebeten. In einer Ansprache wvies Dr. Hirsch
aut die Bedeutung der Umgestaltung hin, die ein organisa-
torischer Ausdruck fiir den Willen zum ZusammenschluB
aller helfenden und aufbauenden Krafte des deutschen Juden-
tums sein soil. Der Geist vertrauensvoller Zusammenarbeit
und verantwortungsfrohen Krafteeinsatzes wird die Arbeit der
Reichsvertretung der deutschen Juden in ihrer neuen erweiter-
ten Gestalt tragen.


von Gelehrten nach Cordoba (der Stadt, in der Maimonides
geboren ist und die jetzt durch die Maimonides-Feiern so
oft genannt wurde). Chasdai. geh6rt zu einem Typus von
sephardischen Juden, die noch 6fter behandelt werden swollen,
in denen weltliche Erfolge, politische Stelling und EinfluB
nicht aus dem Judentum herausffihren, sondern mit einem
ebenso starken jiidischen Interesse verbunden sind. Solche
Gestalten trifft man nur im spanischen Judentum. Bei den
aschkenasischen Juden hat es solche Menschen nie gegeben.
(Warum nicht? Ver3ucht, Euch klarzumachen, warum die
Bedingungen, unter denen die Aschkenasim lebten, nicht
zulieflen,.dal solche Gestalten entstanden.) Aus dem Leben
des Chasdai ist interessant seine Korrespondenz mit jenem
seltsamen, zum Judentum bekelirten Stamme der C ha-
s a r e n. Wenn auch die Briefe, die er von dem Chasaren-
fiirsten erhielt, in ihrer Echtheit nicht ganz unbestritten sind,
so sind sie doch schr interessant zu lesen, und bei der
Behandlung der Gestalt des Chasdai muB man sie unbedingt
vorlesen. Sie sind fast in allen Geschichtsdarstellungem
wiedergegeben. (Auch in der grofartigen Sammlung von
H6xter, Quellen zur jfidischen. Geschichte, die lhr Euch
vielleicht allmahlich anschaffen solltet, ist dieser Brief wieder-
gegeben.) J. P.


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JODISCHE RUNDSCHAU


Berliner


llundscha-u


NR. 31/32, 17. APRIL 1935


KulturbundfUihrung
im Atelier von Arno Na<
Die Atelierbesichtigung in der Reihe der Ku
rungen gait diesmal den Pastellen von Arno Nad
nen vielen Hunderten von Pastellen, von denen
schau-Leser sich an die Zyklen der Habimah-
und des Granowsky-Theaters erinnern werden, a
artige Erfassung des Antlitzes von Pallenberg, %
sem schon damals reifen Werk sahen wir heute e
Teil, weil vor allem die neuen Zyklen zu i
kommen sollten. Diese neuen Zyklen sint
zwei: ein Zyklus ,,Bilder zur Bibel" und die


Der Maler bei der Arbeit


del
lturbundfih-
el. Aus sei-
die Rund-
Schauspieler
in die grofl-
von all die-
mnen kleinen
ihrem Recht
d vor allem
e herrlichen



















Fot.: SonneneLdd


Schauspielerk6pfe aus der Jeremias-Auffithrung des Kultur-
bundes. Arno Nadel ist in dieser Schau Meidner verwandt, an
den manche K6pfe erinnern, aber nur verwandt durch gleiche
Konzeption. Darum, weil erwachsen aus innerer Kraft, er-
greifen auch die Bibelbilder. Eine lachende Hagar, einefest-
liche, reizvolle Ester, ein Saul, dem man es an der Mund-
stellung abliest, daB es hebriiische Worte sind, die er
ruft der Singer Berk o wit z, damals sein Modell, be-
zeugt, daB er hebriiisch sang ein wilder und doch durch
Kraft gebiindigter Simson, kanaanitische Frauen (Gerda
Klein-Weismann in Jeremias als Delilah) all diese sind
lebendige Bibel aus dem Temperament einer starken jildi-
schen und orientalischen Pers6nlichkeit.- Im Gedichtwerk:
der ,,Siindenfall", ehemals St6ssinger Verlag, heiBt eine
Szene: Abraham oder die Entdeckung Gottes. Ein Pastell hailt
diesen Moment der Inspiration fest. Ueber die. Technik der
Pastelle, die Malerei sind, oder Zeichnung im letzten er-
fillten *Sinn der Chinesen, schrieb ich ausfihrlich in der
,,Ju'dischen Rundschau" vom 28. 9. 1928. R. M.


Liebermann- Gedenkfeier
des Kulturbundes
Zur Liebermann-Gedenkfeier des Kulturbundes sprach Dr.
Max Os born im Berliner Theater an Hand vieler Lichtbildel.
Dr. Osborn gliederte das Gesamtwerk in drei Teile. Das
Frfihwerk mit den genialen Anfiingen bei Steffeck in Weimar,
bei dem er die damals ganz. neue Idee empfing, Menschen
bei ihrer Arbeit zu malen. Darauf folgte dann die m little r e
Z eit nach der Reise nach Barbizon; Dr. Osborn formuliert
sie: ,,Menschen verbunden mit der Natur", und es sind dies
Menschengruppen unter Biiumen odei auch Menschen in der
Werkstatt, bei denen Licht und Luft ehenso wichtig sind wie
die.Darstellung der Menschen, und danach die Epoche
d e s S p iit w e r k e s, das, was wir in den Ausstellungen der
letzten beiden Jahrzehnte kennen lernten: die Wannseegirten,
die Selbstbildnisse und viele grole Portrats. Dr. Osborn
zeigte an Liebermanns Verehrung von S c h a d o w und
M e n z e seine geistige Herkunft aus der preuBischen Karg-
heit und zeigte die Einflfisse an Gegenuberstellungen der
Parallelen im entsprechenden Werk.
Dr. Osborn kennzeichnete sodann die Bedeutung Lieber-
manns als Chronisten des modernen geistigen Berlin: Bode,
Dehmel, Emil Rathenau, der Geheimrat Gerstenherg, eins
der bekanntesten Portriits, Hermann Cohen, de. sch6ne
Judenkopt des Sanitiitsrats S ach s, und die Legion be-
kannter Namen, die er portriitierte, braucht man ja nicht
autzuziihlen. ... Die gro8e menschliche und kfinstlerische
Pers6nlichkeit Liebermanns wuBte Dr. Osborn in Werkanalyse
und Selbsterlebtem uns anschaulich nahezubringen. R. M.


Das diirfte wohl ein einzigartiges Ereignis im Leben des
deutschen Judentums gewesen sein, was die Berliner Juden
am 11. April in der Philharmonie erlebten, wo die Ber-
liner Zionistische Vereinigung ffr den Keren
Ka jemeth Lejisrael eine Feier von grandiosen AusmaBen
veranstaltet hatte. Der gewaltige Raum vermochte die Zahl
der Besucher kaum zu fassen, und viele multen wieder um-
kehren, weil es keine Karten mehr gab. Das Einzigartige an
dieser Kundgebung aber war dies: daB sich eine Reihe der
bedeutendsten jiidischen Kiinstler Berlins in selbstloser Weise
in den Dienst der jildischen Sache gestellt haben, daB sie unter
Verzicht auf Honorar und unter freiwilliger Uebernahme
mancher Unbequemlichkeiten vor der jiidischen Oeffentlichkeit
filr die Notwendigkeit des Bodenerwerbs in Pa-
li s t i n a demonstrierten. Diese Besonderheit des Abends be'
stimmte die Atmosphare.
In seiner einleitenden Ansprache wies Rabbiner Dr. Joachim
Prinz auch auf diese seltene Tatsache hin, daB sich
prominent Kiinstler filr einen solchen Zweck zusammenfinden
und, wie er es ausdriickte, ,,fuir den Acker spielen". Von dieser
Tatsache ausgehend, beleuchtete er in kurzen Ausfiihrungen
die Schwierigkeiten und das Gliick des heutigen Lebens eines
Juden in Pallistina und suchte Volkstum und Kunst in Verbin-
dung zu setzen, weil sich wahre Kunst nur aus einem echten
Volkstum entwickeln kann. Unsere Riickkehr zum ,,vitalen
Leben", das der ,,Literatensphare" entriickt ist, wird auch eine
originelle jfidische Kunst einmal hervorbringen k6nnen.
Unter den Kiinstlern, die sich zur Verfiigung gestellt
hatten, war keiner, der nicht sein Bestes gegeben hatte. Mit
Spannung sehen die Zuh6rer dem Auftreten eines jeden Ein-
zelnen entgegen und jeder Vortrag entfesselte wahre Stfirme
der Begeisterung. Es wilrde nicht der Stimmung dieses Abends
entsprechen, wollte man eine fachm~innische Krit i k fiber die
einzelnen Leistungen schreiben. Das Programm, das im ganzen
keine Stileinheit bildete und das auch unter der fibergroBen
Ffille der Darbietungen ein wenig lift (der Abend dauerte bis
1 Uhr, eine kolossale Anforderung an die Spannkraft der Zu-
h6rer, der begreiflicherweise nicht alle gewachsen waren), war
in seinen Einzelheiten dennoch hervorragend. Es bleibt darum
nur noch, die Namen derer zu nennen, die zu diesem Erlebnis
beigetragen haben.


Bilanz und Beginn
im Judischen Lehrhaus
Das Jiidische Lehrhaus, das zu Beginn des letzten Winters
als Fortsetzer der fruheren Freien Jiidischen Volkshochschule
auf den Plan getreten ist, hat sich im Laufe d?eses Semesters
sowohl quantitativ als auch qualitativ zu einem b e d eut e n -
d e n F a k tor im jiidischen Bildungswesen Berlins entwickelt.
Es ist darum nicht ohne Interesse, einen.kurzen. Riickblick auf
die geleistete Arbeit in diesem. Semester zu werfen und zu-
gleich die viele Berliner Juden-interessierende Frage zu er6r4
tern, wie die Arbeit in den niichsten Monaten vonstatten
gehen soll.
Eine umfangreiche Statistik des Lehrhauses gibt Auskunft
fiber die Erfolge und Folgerungen, die sich aus der bisherigen
Arbeit ablesen lassen. Etwa 2000 Juden haben die Institution
in Anspruch genommen, um dort ihre jiidischen Kenntnisse
zu erweitern und zu vertiefen. Interessant ist besonders, daB
der Anteil der Frauen erheblich fiber dem Anteil der
Miinner liegt. Etwa 67 0/0 aller Horer waren weiblichen Ge-
schlechts. Da das Lehrhaus sich nicht auf bestimmte Jugend-
organisationen stiltzt, so ist es kein Zufall, daB die j u n g e
Generation (etwa bis 30 Jahren), nur zu einem Drittel
vertreten war. Die jungen Menschen, die das Lehrhaus be-
sucht haben, warren in den meisten Fallen u n o r g an i s i e r t e
Jugendliche. Sehr stark ist die Beteiligung der Menschen fiber
60 Jahre, die mit 8,3 0/o vertreten waren. In dieser Tatsache
spiegelt sich die Umwandlung unseres jiidischen Lebens, das
selbst iltere Menschen zu einem Umlernen zwingt. Aus
der Beru fsstatisti k ergibt sich, daB fiber 31 01o der
Frauen ohne Beruf waren, d. h. also Ehefrauen und Muitter.
15 0%/ Akademiker zeigen, daB das Bildungsstreben gerade im
jiidischen Mittelstand noch sehr stark ist. Auffallend gering
ist die Zahl der Handwerk e r, einer Schicht, die bis jetzt.
noch am wenigsten ihre positive Aufgaben in dieser Zeit
verstanden hat und sich noch viel zu sehr zurfickhlt.. '- Aus
der Statistik ergibt sich ferner, daB die westlichen Bezirke
am stfirksten ins Lehrhaus dringten, woraus die Forderung
abzuleiten ist, daB die Arbeit kiinftig mehr dezentralisiert und
auf alle Bezirke verteilt werden mulB.


Wilhelm Gu tt m a n n sang weihevolle Vertonungen von
Heinrich Schalit, einfiihlsam von Leo T a u b ma n n am Flilgel
begleitet. Bruno E is n e r erweckte mit seinen Chopin-Vor-
trilgen, insbesondere mit der ,,Polonaise" derartige Begeiste-
rung, dali er sich zu mehreren Zugaben entschlieBen muBte.
Susanne St ei n entziickte nicht nur durch ihre Erscheinung,
sondern auch durch ihre wohlt6nende Altstimme; neben
Dvoraks Biblischen Geslingen war Schuberts ,,Dem Unend-
lichen" begliickend; Dr. Hans N a th an war am Flilgel eine
sichere Stiitze. Mit seinem sfiBen Geigenklang schuf Andreas
W e i.B g e r b e r durch den Vortrag eines Werkes von Ernest
Bloch una Achrons ,,Hebri-ische Melodie", hervorragend von
Kurt S a n d e r Ii n g begleitet, eine echt jiidische Atmosphiare;
er brachte gleichsam das Jiidische in unserer Seele zum
Schwingen. Das Boris K ro y t-Quartett (Kroyt, Bern-
feld, Weiden, Zeelander) brachte ein Werk von Al.
Glazounow mit vollendeter Kunst zum Vortrag. Aus dem
nun schon 6fter aufgeffihrten, von Nikolai Elj aschoff ein-
studierten ,,Oestlichen Bilderbogen" wurden vier Szenen ge-
boten, die bei dem Publikum viel Anklang fanden. Eine summa-
rische Aufziihlung der Mitwirkenden m6ge geniigen: Edgar
Alexander, Berthold Bernd, Herbert G riinbaum,
Werner Her rm ann, Lieselotte J a c o b i, Nelly Hi r t h, Ruth
Anselm, Rolph Ray, Gina Petruschka, Ernst Lenart,
Hannelore Jessner; .am Flfigel Wilhelm Altman n. Mit
besonderer Spannung sah man dem Auftreten von Alexander
K i p n i s entgegen, der trotz einer anstrengenden Partie in der
Staatsoper in spater Nachtstunde noch erschien und mit Verdis
unvergleichlicher Arie aus ,,Don Carlos" und einigen jiidischen,
Volksliedern berechtigte Beifallsstiirme erregte. (Auch hier
als ausgezeichneter Begleiter: Dr. Hans N at h a n.) Den
BeschluB bildete die an dieser Stelle schon geruihmte -
Musik von Karol Rathaus zu Uriel Acosta, die das
Orchester des Kulturbunds unter Leitung von Josef R o s en-
st oc k hinreiBend zu Geh6r brachte.
Sicher wird dieser grolartige Abend allen, die ihn erleben
durften, lange unvergessen bleiben und neben dem materiellen
Erfolg auch dazu beigetragen haben, die Idee des jildischen
Volksneubaus und die Notwendigkeit der Schaffung eines
eigenen Bodens in denen zu verbreiten, die diesen Dingert
bisher innerlich noch nicht genilgend nahe gekommen sind.
Dr. N.


Die Donnerstags-Vortragsreihe, die eine Anzahl bedeuten-
der. Reden gebracht hatte, wurde von insgesamt 13700 Per-
sonen besucht, so daB auf jeden Vortrag durchschnittlich
1054 Personen entfallen. Im iibrigen waren die k e i n e n A r -
beitsge.meinschaf.ten zwischen 15 und 30 Menschen
vorherrschend ein Zeichen ftir das ernste Bestreben nach
sachlicher Arbeit.
Das n e u e Semester des Lehrhauses liiuft vom 6. Mai
bis zum-5. Juli. Die Leitung des Lehrhauses hatte die Freund-
lichkeit, uns fiber die Art der Sommerarbeit einige nihere
Auskiinfte .zu`',.geben. Eine grundsitzliche Fortfihrung und
Weiterentwicklung der bisherigen Arbeit lIBt sich in der
Gestaltung des Sommerplanes erkennen. Der Schwerpunkt
der Arbeit im Sommer soil noch mehr als zuvor auf die
Arbeitsgemeinschaften gelegt werden. Bibel, Ge-
schichte und jildische Gegenwartskunde sind die drei groBen
Gebiete, innerhalb deren versucht werden soil, im Sommer
eine ernste Arbeit im Kreise wirklich innerlich beteiligter
Menschen aufzunehmen. So werden Kurse fiber die Urviter,
die Propheten, Psalmen, Gebete und den Schulchan Aruch
veranstaltet. In den .geschichtlichen Kursen wird der Schwer-
punkt auf der Quellenlektiire liegen. Alte, mittelalterliche und
neue Geschichte wird von bekannten jiidischen Gelehrten
vorgetragen werden. Auch Re'igionsphilosophie und Religions-
psychologie werden wieder ihren Platz im Ganzen finden.
SchlieBlich, damit der groBe Rahmen. nicht v6llig fehle, sind
noch drei Veranstaltungcn im Sommer geplant bei denen drei
jiidische Dichter zu dem Thema ,,Schicksal und Oestaltung"
das Wort ergreifen sollen.
Jfidisches Lernen hat somit im Lehrhaus einen Ort ge-
funden, an dem es sich zu realisieren beginnt. Von der Kraft
unserer Menschen aber h1ingt es ab, emin neues Leben aus
dieser neuen Form der Wirklichkeit heraus zu entwickeln.
Dr. Gerhardt Neumann
Umbesetzung im Kulturbund. In der Oper ,,Nabucco"
lernte man am Montag Susanne Stein als Fenena kennen;
sie zeigte sich als beseelte Darstellerin und ihre sch6ne sonore
Altstimme mit dem metallenen Klang errang groBen Beifall.
Thea Bieber-Brand sang die Rahel, die Schwester des
Zacharias. Die Auffiihrung bestaitigte den bereits in der Bespre-
chung unserer Rezensenten wiedergegebenen Eindruck.


8Vw


,.Der Zionismus erstrebt fUr das
jUidische Volk die Schaffung einer
Bifentlich-rechtlich gesicherten
Heimstiitte in Pallistina."
(Baselr Programm 1897)


Zionist ist, wer das Baseler Programm anerkennt, den Schekel zahlt und sich der
Zionistischen Organisation anschlieJt. Die Berliner Zionistisdie Vereinigung (BZV) ist die
organisatorische Zusammenfassung aller in Berlin wohnenden Zionisten.
Die BZV will die Krdfte der Berliner Judenheit fur den Aufbau Erez Israels zusammrtn-
schlie)en. Sie wirbt neue Menschen fur die zionistische Bewegung, organisiert sie in lohalenr
Gru)ppen und schult sie durch Vortrdge und Arbeitsgemeinschaften. In der Lehrstatte
Ch. N. Bialik, in den hebriischen Kursen und kulturellen Veranstaltungen versucht die
BZV weite Kreise der Berliner Judenheit in enge Beriihrung mit jiidischen Kulturwerten
zu bringen. In den Gruppen der BZV wird iiTr die nationalen Fonds Keren Kajemeth
Lejisrael und Keren Hajessod, fur die Chaluzbewegung und viele andere zionistische
Aufgaben gearbeitet. Die groljen M&glichheiten, die die zionistische Bewegung fir das
jiidische Volk erschlossen hat, konnen nur dann in vollem Umfange ausgewertet werden,
wenn Juden von der Sympathic und Anerkennung zur tidtigenMitarbeit in derZionistischen
Organisation iibergehen.

Werden auch Sie Mitglied der

Berliner Zionistiseh en Vereinigung
Berlin W 15, HIeinekestrafBe 10 Fernruf: J 1 (Bismarck) 7165/70


Beispielgebende Solidaritat

Juidische Kuinstler im Dienste Palastinas


KULTURBUND DEUTSCHER JUDEN
Krinstlerisdie Gesamtleitung: Intendant Dr. Kurt Singer
Musikaf. Leitung: Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock / Oberspielleiter: Dr. Fritz Jessner
Dramaturgie: Julius Bab / BiThnenbildner: Heinz Condell / Techn. Leitung: HansSondheimer
Verwaltung: Direktor Hans Zander, Dr. Werner Levie


Der Kulturbund brachte seit Oktober 1933:
Im SCHAUSPIEL zur Aufffihrung ITerke von: Goethe, Lessitng, Shake-
speare, Mo/'hre, Ibsen, .Scnitzler, Grilfparzer, Shaw, Stefan Zwetg, Beer-
H ofjmann, Pirandeffo, Bruno frank u. a.
In der OPER Werke von: Mozart, Beethoven, Terdz, Offenhad, Smetana,
WoIff- 7' errarn, Pergofese.
In den KONZERTEN WTrke -von Bad, Handef Beet/oven, Brahms,
Mozart, Haydn, Sd3ubert, Scumann, Menaefssoh/n. -on modernen Musikern
kamen zur Auffiihrung: Arnola Sc6dnberg, Sekfes, Rathaus, Sdalfit u. a.
In der VORTRAGSABTEILUNG spraden regehndf/1i: Bab, Baed,
Eloesser, Landau, Osborn, Prnz u. a.
SONDERVERANSTALTUNGEN nut: Kipmns, WeitZgerber, Franz
Osborn, Lipinskaja, -alettt, Ehr/icb, Goldberg Zrio, Trey Quartett,
Rose- 2 rio, Eisner, Bertram u. a.
Mitglieds-Beitrag RM 2,50 / Abonnements auf feste Pi5tze zum Preise von
RM 5.-, RM 4,-, RM 3,- / Anmeldungen im Mitglieder-Bfiro, Lindenstraffe 74


I


---,I






S ete 54 46 IAHRE TIIDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31/32, 17. IV. 1935


Ein Tag fur die judische Frau
Lucy G e l b e r, der die Gesamtleitung dieser Veranstal-
tung der Kiinstlerhilfe oblag, hatte das Programm geschickt
aut Schule und Erziehung abgestimmt. Die Midchenschule
A u g us t st r a 8 e stellte einen gutgefifirten hebriischen
Sprechchor (Psalm 157), zeigte auf der ,,Schiffsreise nach
Palistina" gymnastische und rhythmische Darbietungen und
wuBte sich in Joh. Seb. Bachs Bauernkantate geschickt mit
primitiver Instrumentalik zu helfen. Die Knaben- und Mad-
chenschule R y k e s t r a 1 e fiihrte zwei kleine Einakter, ,,Die
Hamantaschen" und ,,Pit, der Esel" vor, die viel Beifall fan-
den, jedoch sollten Schulen gerade bei solchen Darbietungen
den Hauptwert auf G r u p p en veranstaltungen legen! Der
kleine Konferenzier iberbrnickte die Pausen mit anerken-
nenswertem Talent und verstand es gut, mit seinem jugend-
lichen Publikum Konnex zu halten. Eine grol3e Leistung
bot die jftd. Taubstummenanstalt mit ihren rhyth-
mischen Vorffihrungen junger Miidchen, die die recht schwie-
rigen Aufgaben spielend listen. Von staffer Disziplin zeug-
ten die exakt ausgefiihrten Turnvorffihrungen der Knaben-
volksschule K a i s e rs t r a 1 e. Die Knaben- und Muidchen-
Volksschule K lopstoc kstra 13e brillierte mit einem aus-
gezeichncten Purimprogramm (Hagamal), brachte ,,Jedes Kind
lernt Iwrith" gut und eindringlich zum Vortrage und kopierte
mit viel Talent und gutem schauspielerischem Geschick
Repertoirestiicke der Dublon. Erwiihnt sei Erwin J o s p e als
hervorragender Begleiter. Schnell ein Gang durch die Aus-
stellungsriiume, unmoglich alle Aussteller zu nennen. Erwihnt
seien die guten Werkarbeiten der priv. Volksschule am K a i-
s e rd am m, eine Elfjihrige hatte auf Pergament fein siuber-
lich einen Teil der Megillah geschrieben. Das L hands c h u -
h ei i n C a p u t h zeigte einige vorziigliche kartographische
Aufnahmen der Umgegend. Interessant die Arche Noah, die
die Kleinsten der Kleinen aus dem jit dischen S i u g-
lings- und Kinderheim in Niederschbnhausen ver-
fertigten. Leonore M e y e r legte in ihrem Montessori-Kin-
dergarten besonderen Wert auf friihzeitige Musikpflege, Nelly


Wolff heim wiederum
bildet in ihrem Seminar
junge Miidchen als Kin-
... : ; i dergdirtnerinnen aus und
S legt den Schwerpunkt
auf piidagogische Kinder-
psychologie. Die Un-
1.|'"l ~terrichtsgemein-
" l'm i schaft in der Ja-
-' o;' i . ,. gowstrale nimmt
Kinder evtl. unentgeltlich
auf. Die Schule K n o -
l e r beschiiftigt sich mit
Werbewesen und Wa-
Sschefach, erteilt Unter-
-c1 4 richt im Modefach. Die
L I Ott Privatschule v. Haus-
S dfi '' dorf hat als Schfilerin-
nen ein paar beachtens-
S werte Zeichnerinnen.
Nette Arbeiten zeigt auch
die Mode-Zeichenschule
Feige-StraBbur-
i ger. Die Fachgrup-
S peder Gymnastik-
1 e h r e rin nen (Gruppe
berufst. Frauen im J. F.)
S hat eine iibersichtlich an-
geordnete Kollektivaus-
stellung. Die Ausbildung
S von Bilrokriften haben
Fot.: Kapilus sich Dipl.-Hdl. L. B a m-
ber ger und Dr. phil.
N. Sti eb el gemeinsam zur Aufgabe gesetzt. Auch dipl.
Kfm. Wols tein und dipl. Felicita Ruth Hirschfeld
erteilen nach bewAhrter Methode kaufmainnischen Privatunter-'
richt, ein Spezialgebiet sind ihre Stenodiktatkurse. An Stimm-
bildnerinnen waren vertreten die Gesangpidagogin Frau


Prausnitz, Fru Posener und Frau Bernhard; Rahel
Erm o I n i k o f f beschaftigt sich mit der Behebung
schwerer stimmlicher Fehler. Scheerer hat sehr instruk-
tiv ausgestellt, wie man alte Kleider modernisieren kann.
Das Atelier Lilli zeigt Kinderkleidchen. Dora Apel W\ische-
ausstattungen. Die Buchhandlung Boas bot eine reiche Aus-
wahl von Hagadoth dar, darunter eine drehbare fuir Kinder.
,,Kedem", Philo und Poppelauer haben eine beachtenswerte
Schau guter Biicher gebracht. Den Abend beschloB ,,Der
Barbier von Bagdad", aufgefiuhrt von der Operngemeinschaft
der Kiinstlerhilfe. Besonders erwlihnenswert Hildegard Lindt,
Richard Dresdner und vor allem Kurt Rahmer und Paul
Lichtenstern, der der Klavierpart zufiel. Den zweiten Tag
er6ffnete die Unterrichtsgemeinschaft Jagow-
s t r a 13 e mit im Chor gesprochenen Gedichten. Darauf fiuhrte
Edith Bluh m ihre Gymnastikschule vor. Das Land-
schulheim Caputh fiihrte eine Szenenfolge aus dem
Leben eines Arbeitslosen auf, die die Kinder selbst verfaBt
hatten, und zwar in englischer Sprache, allerdings diirfte
an der Aussprache noch manches verbesserungswiirdig sein.
Die Ballettschule von Irmgard W ill n e r bot Tanze dar, am
besten gefiel der Bauerntanz. Der jiidische Boxclub
,,Berlin" unter Leitung des Klubtrainers Michelsoh n zeigte
Aufmarsche, Freiiubungen, Seilspringen und als Clou des
Nachmittags einen ,,richtiggehenden" Boxkampf fiber drei
Runden, dessen einer Partner ein Sechsjihriger war.
Dr. Edith P e r it z hatte als Thema ,,Eignung und Wert der
einzelnen Sportarten fiir die Frau" gewihlt. Dora Herz
sprach fiber Frauengymnastik (mit Demonstrationen) und fuir
den erkrankten Professor Gliissner sprang Dr. B 6 h m mit
einem sportlichen Lichtbildervortrag ein. Alle Vorfiihrun-
gen und alle Redner wiesen iuberzeugend auf die Notwendig-
keit der sportgerechten Ausbiklung fuir Kinder und Berufs-i
titige hin. Dr. T. S imo n, Wannsee
Herzheilbad Johannisbrunn bei Troppau liegt im romantischen Mohra-
Tal, umschlossen von Hochwildern, ca. 20 km von Troppau entfernt
Ozonreiche Waldluft und Ruhe sind die Grundlagen, die dem Kranken
Genesung bringen.


Sonntag, den 21. April, 20.30 Uhr
Logenhaus, Kleiststrafle 10
Kundgebung der
Berliner misrachi-Gruppe
Frau Jettka Levy-Stein
Rabb. Dr. M. Freier, David
Intriligator, Kibby Rodges
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Seite 54


40 JAHRE TVDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31132, 17. IV. 1935






Nr. 31/32, 17. IV. 935


40 JAHRE JODISCHE RUNDSCHAU


Konzerte
Franz Osborn. Er hat eine Hemmungslosigkeit, die gran-
dlios alles belebt und durchfihlt. Eine Geistigkeit, die nicht
atherisch wird, leiblos und diinn verschwebt, sondern eine von
menschlichem Leben und Atmen. Das Schone ist, daB er nicht
lhaushilt mit seinen Kriften, sich restlos an die Sache gibt.
Es ist nicht so wesentlich, daB er im Stil alles traf (daffir
ist er zu sehr ichbetonter Kfinstler) die ,,Versunkene
Kathedrale" von Debussy war bestimmt zu sehr auf ,,Musik"
hin gestaltet, zu viel Epos als Traum, Chopin war teilweise zu
sehr erkimpft als ersonnen, zu wenig ,,leichtsinnig" -,
aber die G-moll-Phantasie von Bach-Liszt und Beethovens
'Appassionata wurden mit schlichter Wahrhaftigkeit (vor einer
kleinen Zuhorerschaft) gespielt. Der Beifall fuir die wunder-
-bare Leistung war der eines ilberfilliten Hauses. Osborn
miifte ganz anders in das hiesige Musikleben miteinbezogen
werden als es bisher geschehen ist. Wir k6nnen uns nichts
entgehen lassen. Dr. Hans Nathan
Konzertabend Alexander Kipnis-Ilse Intrator. Alexander
Kipnis und Ilse Intrator gaben in den Rdiumen von
I. Oppenheimer einen Konzertabend, der durch seine kfinst-
erische Gestaltung besonderen Anklang fand. Die Kunst der
beiden Vortragenden ist hinreichend bekannt. Hervorzuhe-
ben wire der Vortrag einiger unver6ffentlichter Klabund-
Gedichte, die, stilvoll und musikalisch sehr schon vertont,
von llse Intrator beseelt und eindrucksvoll interpretiert wur-
den. Das Publikum dankte durch langen Beifall fuir den
wertvollen Abend. -ch.
Hiindel im Kulturbund-Konzert. An Stelle des Branden-
burgischen Konzertes von Bach spielte Ludwig A I t m a n n
(Orchester unter Rosenstock) ein sch6nes Orgelkonzert von
Hiindel, als Beitrag zur Jubilaumsfeier dieses Meisters,
der sich mit seinem Schaffen an die Welt gewandt hat.
Altmann nahm gemessene Zeitma8e; die schnellen Satze
hitten meines Erachtens fliissiger kommen k6nnen. Seine
Registrierung war iiberlegt; sie war schlicht, ohne aufdring-
liche Farben und schwerfalligen Pomp. Dr. H. N.


Die Post bittet um folgende Mitteilung:
Abonnenten, welche die ,,Jfidische Rundschau" offen
durch den BrieftrAiger erhalten, denen sie .aber nicht immer
piinktlich zugestellt wird, mfissen die Reklamation zuerst
nur beim zustindigen Postamt vorbringen. Das kann durch
cin paar Zeilen auf einem Zettel geschehen, den man demr
Brieftrager mitgibt oder durch einen unfrankierten Brief an
die Zeitungsslelle des Postamts (einzuwerfen in einen Brief-
kasten des Wohn-Postamts). Nur und erst, wenn die Bean-
standing bei der Post erfolglos geblieben ist, kann der Verlag
vonr sich aus reklamieren.


Ankuindigungen
Zionistische Veranstaltungen
PeBach in der j0dischen Literatur. Sonnabend, 27. April. 20.30 Uhr,
im BZV.-Ileim, Kantstr. 54. Vortrag Dr. Ch. Borodianski in hebra-
ischer Sprache fiber: ,,Pefach in der jiidischen Literatur". Kul-
turabteilung der BZV.
Misrachi-Gruppe. Am 21. April, 20.30 Uhr. Logenhaus, Kleiststr. 10,
Kundgebung fiber die Alijah der Jugend. Es sprechen: Fra.u Jetka
Levy-Stein, die seit liingerer Zeit fiir die Jugendalijah arbeitet, Herr
Rabb. Dr. M. Freier, Mitbegriinder der jildischen Jugendhilfe, und
David Intriligator aus Kibbuz Rodges.
Lernt HebrAiisch in den Kursen der BZV.! Nach PeBach beginnen
neue Anfiingerkurse im lHeim Kantstr. 54 unter Leitung von Dr. Bro-
scr, am Bayerischen Platz unter Leitung von Herrn Lomas und iiu
Bezirk Hansa. Im fortgeschrittenen Kursus des Bezirks lIansa
und in dem bereits bestehenden Kursus am Siidwestkorso 75 sowie in
allen anderen Kursen in den iibrigen Stadtteilen khnnen neue Teil-
nehmer aulgenommen werden. Anmeldungen und Auskunft: Kultur-
abteilung, der BZV., Meinekestr. 10, TeL Bismarck 7165, App. 44.

Voranzeigen
HebrAische Lehranstalt der Jildischen Gemeinde, Groie. Hamburger
StraBe 27 und KlopstockstraBe 58. In allen Kursen fuir Anfinger und
Fortgeschrittene zu Beginn des Sommersemesters Neuaufnahmen. -
Schule KlopstockstraGe ein nur einmal w6chentlich stattfindender
Anfa.ngerkursus fiir Erwachsene (Freitags 16.30 bis 18 Uhr). Er6ff-
nung am 3. Mai. Schriftliche Anmeldungen an Herrn N. Berggriin,
Charlottenburg 5, Kaiserdamm 101.
Rabbiner-Seminar. Aulnahmepriifungen am 6. Mai, 9 Uhr, die Er-
offnung am 6. Mai, 17 Uhr, .im H6rsaal I, Eroffnungsvortrag Rabb.


Familien Nachrichten
Herr Jacob B i a 1 e r und Frau Cescha, geb. Assenheim, Wilmersdorf,
Wittelsbacher Str. 28, begingen am 12. April die silberne Hochzeit.
Frau Amalie .E lIe r t, Charlottenburg, Schltiterstr. 25, begeht am
21. April den 75. Geburtstag.
Geb. Kommerzienrat Josef Sc h 1 o 1 man n, Berlin, Claudiusstr. 5,
being am 17. April seinen 75. Geburtstag.

Bar Mizwah Termine
Am 20. April 17. Nissan: Max, Sohn von Moses Hausmann,
Charlottenburg, Windscheidstr. 22.
Am 24. April 21. Nissan: Hans, Sohn des Herrn Ludwig Abra-
ham und Frau, geb. Adler, Berlin-Steglitz, Schoneberger Str. 15.
Am 27. April 24. Nissan: Richard Levy, Sohn von Lion Levy,
Charlottenburg, Windscheidtstr. 22.


Dr. Jacob Freimann fiber: ,,Rambam als Gesetzeslehrer und Gut-
achter". Dozenten: Dr. Jechiel Weinberg. Dr. Samuel Grfinberg,
Dr. Jacob Freimann, Dr. Esriel Hildeshcimer, Dr. Alexander Altmann,
Rabbiner Abraham Wolf.
Agudas Jisroel crhffnet am 1. Mai cin ,,Beth Hachinuch". 15- bis
17jiihrige haben hier Gelegenheit. sich im Lernen des Talmud und
anderen jiidischen Fiachern weiterzubilden. Aufnahmebedingung: Vor-
kenntnisse auf dem Gebiet des Talmud. Interessenten warden gebe-
ten, sich umgehend bei IIerrn Paul Biberfeld. C2, llcideiculer-Gasse
2-4, zu melden.
Kiinstlerhilfe. Am 30. April,. 20.15 Uhr, bei Wachsmann, Lietzen-
burger Str. 32. Vortrag von Wernr Bukofzer aus unveriffentlichten
Werken jiid. Dichter. 7. Wieder)holung d. Abends ..Als der Nollen-
dorfplatz noch Wiese war ...", mit A. IIaase. Rita Atlasz. Gerda
Koeppler, Wilhelm Guttmann. Ferry Gondosch. Am Fliigel: Leo
Taubmann. Erklirer: Egon Jacobsohn. In der Wohnung des Herrn
Max Wachsmann, W 15, Lietzenburger Str. 32, am 22. April, 20 Uhr.
Jiidisches Wohlfahrts- und Jugendamt, Bezirksstelle Siid-West (Sch6-
neberg-Wilmersdorl-Friedenau). Zugunsten der llilfsbedlirlfigen am
27. April, 7 Uhr, kUinstlerischer Abend unter Mitwirkung von Fritzi
Jokl, Oberkantor Karl Neumann, Else Dublon, Camilla Spira, Rolph
Ray, Erika Stolzberg.
Jiidische Blindenanstalt fur Deutschland E. V. nimmt Auftriige flir
Biirstenwaren entgegen, Vertreter kommen in die Wohnungen, Verkauf
nach Katalog.

Synagogen Nachrichten
JUdische Gemeinde. PeBach: 17. April (Erew Pelach): Alte
Syn., Syn. KaiserstraBe und Koltbusser Ufer: 6.30 Uhr; iibrige Syn.
nit altem Ritus: 7 Uhr, Syn. mit neuem Ritus: 7.30 Uhr. 17. April,
abends: In allen Syn. 7.15 Uhr. 18. und "19. April, vormittags:
Alte Syn., Syn. Pestalozzistrale und Kottbusser Ufer: 8.30 Uhr;
iibrige Syn. mit altem Ritus: 9 Uhr; Friihgottesdienst: Syn. Ryke-
strale und Kottbusser Ufcr: 6.45 Uhr; Syn. mit neuem Ritus, Haupt-
gottesdicnst: 10 UlIr; Friihgottesdienst: Syn. Lindenstralc, Levetzaw-
straBe und Prinzregentenstrace: 7.30 Uhr. Predigten (Aenderun-
gen vorbehalten): 18. April: Alte Syn.: Dr. Freimann; Syn. Kai-
serstraie: Dr. Freier; Syn. Rykestralie: Dr. Weyl; Syn. Pestalozzi-
strale: Dr. Berkovits; Syn. Kottbusser Ufer: Dr. Jakobovits; Syn.
Miinchener StralBe: Dr. Levy; Syn. Grunewald: Dr. Cohn; Neue
Syn.: Dr. Swarsensky; Syn. Lindenstrafie: Dr. Salonmonski; Syn.
LevetzowstraBe: Dr. Lewkowilz; Syn. Friedenstempel: Dr. Warschauer;
Syn. Prinzregentenstraie: Dr. Baeck; Syn. Schmargendorf: Dr.Saller.
19. April: Syn. Kaiserstrale: Rabb.. Nobel; Syn. Rykestra8e: Dr.
Nulibaum; Syn. PestalozzistraBe: Dr. Cohn; Neue Syn., Dr. Weyl;
Syn. Lindenstrale: Dr. Warschauer; Syn. Liitzowstrafe: Dr. Salo-
monski; Syn. Fasanenstrahe: Dr. Bacck; Syn. Levetzowstraie: Dr.
Saenger; Syn. Friedenstempel: Dr. Lewkowitz; Syn. Prinzregenten-
strale: Dr. Swarsensky; Syn. Schmargendorf: Graf. Freitag, 19.4.,
abends: Syn. mit altem Ritus und Altersversorgungsanstalten sowie
Syn. PrinzregentenstraBe, 7.15 Uhr, Syn. FasanenstralBe, 6.30 Uhr
(im AnschluB Jugendfeier, nur FasanenstraBe). Ansprachen: Neue


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Seite 56 40 JAHRE Jt7DISCHE RUNDSCHAU Nt. 31/32, 17. IV. 1935


Syn., Dr. Prinz, Syn. Lindenstrafe, Dr. Weyl, Syn. Liitzowstrafe,
Dr. Nu6baum, Syn. Fasanenstra6e, Dr. Swarsensky, Syn. Levetzow-
strale, Dr. Lewkowitz, Syn. Friedenstempel, Dr. Warschauer, Syn.
Prinzregentenstrale, Dr. Wiener. Schabbat (Chol Hamoed), mor-
gens: Alte Syn. and Kottbusser Ufer, 8.30 Uhr, iibrige Syn. mit altem
Ritus mnd Alterversorgungsanstalten, 9 Uhr, Friihgottesdienst: Syn.
Rykestrate und Kottbusser Ufer, 6.45 Uhr; Syn. mit neuem Ritus:
Hauptgottesdienst, 10 Uhr, Friihgottesdienst: Syn. LindenstraBe, Le-
vetzowstrafie und Prinzregentenstrabe, 7.30Uhr. Schrifterkliirung. Dr.
Jacobovits, Kottbusser Ufer. Jugendgottesdienst: Jeden Sonnabend,
4 Uhr, Syn. Mlinchener Strale, Dr. Arthur Levy, Syn. Kottbusser
Ufer, Dr. Jacobovits, 4.30 Uhr. Gottesdienst an Wochentagen:
(21. bis 23. April, friih.) Abends: 7.30 Uhr, morgens: Alte Syn., Syn.
KaiserstraUe und Rykestra8e, 6.30 Uhr; Syn. Kottbusser Ufer, Pesta-
lozzistralle, Miinchener Stra6e und Gruneivald, 7 Uhr, Syn. mit neuem
Ritus: 7.30 Uhr. PeBach-SchluStage: Dienstag 19.30 Uhr, in
allen Synagogen. Predigt: Syn. Friedenstempel: Dr. Prinz. -
Ansprachen: Neue Syn., Dr. Weyl, Syn. Lindenstra8fe, Dr. Saenger,
Syn. LiitzowstraBe, Dr. Torasch, Syn. Fasanenstrale, Dr. Galliner,
Syn. LevetzowstraSe, Dr. Lewkowitz, Syn. PrinzregentenstraBe, Dr.
Wiener. Mittwoch, 24. April. morgens: Predigt: Syn. Rykestrafle,
Dr. Swarsensky, Gottesdienstbeginn: Syn. mit altem Ritus, 9 Uhr,
Syn. Kottbusser Ufer und Pestalozzistrafe, Alte Syn., 8.30 Uhr, Friih-
gottesdienst, Syn. Rykestrafie und Kottbusser Uler, 6.45 Uhr, Syn.
mit nenem Ritus, 10 Uhr; Friihgottesdienst: Syn. Lindenstrafe, Le-
vetzowstralfe und Prinzregentenstrafe, 7.30 Uhr. Mittwoch, 24.4.,
abonds: In allen Syn., 7.45 Uhr (Syn. Prinzregentenstradfe und Frie-
denstempel Gedichtnis der Toten). Donnerstag, 24. 4., morgens:
Kottbusser Ufer und PestalozzistraSie, 8.30 "Uhr, Miinchener Strale
und Grunewald, 9 Uhr, die anderen Syn. 10 Uhr, au!ferdem I. Got-
tesdienst mit Seelenfeier: Alte Syn., Syn. KaiserstraBe, Rykestrafe,
LindenstraBe und FasanenstraBe, 7.30 Uhr. Predigten: Alte Syn.,
Dr. Freier, Syn. Kaiserstrafie, Dr. Freimann, Syn. .Rykestrase, Rabb.
Nobel, Syn. Pestalozzistradie, Dr. Cohn, Syn. -Kottbusser Ufer, Dr.
Jakobovits, Syn. Miinchener StraBe, Dr. Levy, Syn. Grunewald, Dr.
Lewin, Neue: Syn., Dr. Warschauer, Syn. Lindenstrafle, Dr. Weyl,
Syn. Liitzowstralle, Dr. Wiener, Syn. Fasanenstrafe, Dr. Baeck, Syn.
Levetzowstrafle, Dr. Saenger, Syn. Friedenstempel, Dr. Swarsensky,
PrinzregentenstraBe, Dr. Galliner, Syn. Schmargendorf, Dr. Hermann.
Verelns-Synagogen Gesundbrunnen Ahawas Achim, Prinzen-
allee 87. 19. April, 19.15, Sonnabend 9 Uhr, Mincha 7.15 Uhr. Sonr,
tag and Montag 7.30 und 19.30 Uhr. Dienstag 6.45 und 19.30 Uhr.
Mittwoch 7. Tag PeBach 9 Uhr, Donnerstag 8. Tag Pegach 9 Uhr.
Predigt und Seelenfeier: Dr. Alexander. Synagoge .Passauer Str. 2.
Dienstag 19.15 Uhr, Mittwoch 8.15 Uhr, Mincha 9.45 Uhr. Donners-
tag 8.45 Uhr, Predigt und Maskir: Dr. Altmann, Mincha 19.45 Uhr,
Freitag .19.29 Uhr, Sonnabend 9 Uhr, Mincha 7.15 Uhr, Wochentag
7 Uhr und 19.30 Uhr. Lippmann Tauss-Synagoge, Gollnowstr. 12.
17. April, 6.15 Sziumfeier. 17. April, 7.05 Uhr. 18. April, 8.15 Uhr,
Predigt Dr. Singermann, 10 Uhr, 19. April, 8.15 Uhr, Predigt Dr.
Singermann, 10 Uhr. Synagogenverein Kaiserstrale. 17. April,
6.30 Uhr. Im Anschluf daran bei Dobrin, Kdnigstr. 34, 1. Etage,
Sijum-Feier fuir die Bechaurim; Dr. Freier. Religionsverein ,,Ohel
Jitchok", Oranienburger Vorstadt, Synagoge, N 65, Liesenstr. 3.
Dienstag abends Beginn wie alte Synagoge, Mittwoch 9 Uhr, Predigt
'Rabbiner Nobel. Donnerstag 9 Uhr, Seelenfeier, Predigt Rabbiner Dr.
Berkovitz. Freitag 19.15 Uhr. Sonnabend, abends 7.15 Uhr, Sonn-
tag 9 Uhr, Neumondweihe, Predigt Rabbiner Nobel. RegelmNiBiger
Wochentagsgottesdienst morgens und abends zu den Zeiten der alten
,Synagoge. Minjan Iwri (nur fiir Hebraiischsprechende). Heim der


BZV., Rosenthaler Str. 44. PeLach: Mittwoch 19 Uhr, Donnerstag
9.30 und 19 Uhr, Freitag 9.30 und 19 Uhr, Sonnabend 9.30 Uhr. -
Schineberger Synagogenverein, Miinchener Str. 37. THglich vorAbend.
gottesdienst Lehrvortriige aus Schrifttum Mosche ben Maimonides.
Dozenten: Rabb. B. Pessen, Rabb. Dr. Loeb, Rabb. Dr. Rosenwasser.
- Synagogenverein Osten, Rigaer Str. 3. Donnerstag. 25. April, Got-
tesdienst mit Predigt und Seelenfeier. Rabb. Dr. Rosenwasser. -
Taglich morgens und abends Gottesdienst. Abendgebet tiglich wochen-
tags 20 Uhr. Dienstag vor Abendgottesdienst Vortrag: Erklfarung
des Buches Esra und Nehemia. Zweigbibliothek Osten, Sonntag
von 11 bis 12 Uhr vorm. Dienstag von 7 bis 8 Uhr nachm. Biicher-
ausgabe und Lesesaal. Synagoge Lichterfelde-Ost, Lange Str. 5-6
(Logenheim). Mittwoch 18.30, Donnerstag 9.30 und 18.30 Uhr, Frei-
tag 9.30 und 17.30 Uhr, Predigt: Dr. Zion. Jildischer Religions-
verein Friedenau-Steglltz, Stierstr. 21. Fest-Gottesdienst am Pefach
18. und 19. Predigten: Dr. Winter. 24. April Barmizwah, Ansprache:
Dr. Winter, 25. April, 10.15 Uhr, Seelenfeier. Predigt: Dr. Winter.
Freitag, 26. April, Schabbat, 27. April, Neumondweihe, nach Mincha:
Lehrvortrag, Dr. Winter. Friedenstempel (Wochentagssynagoge).
Gottesdienst nach altem Ritus am Peflachfeste: 17. April, 7 Uhr.
Sijum. 19.15 Uhr, 18. April, 9 Uhr Predigt: Amolski. Zwischen
Mincha (7 Uhr) und Maariw Lehrvortrag: Wolff. ,,Thorallcrnen und
Gebet nach Maimonides". Freitag 9 Uhr. Predigt: Wolff. 19.15 Uhr,
20. April, 9 Uhr, Predigt oder Schrifterklirung: Amolski. Zwischen
Mincha (7.15 Uhr) und Maariw Lehrvortrag: Amolski.
Jildische Gemeinde. Dem erst jetzt ausgegebenen offi-
ziellen Kommuniqu fiber die Reprasentantenversammlung
vom 14. Marz entnehmen wir: Die Versammlung stimmt
einem BeschluB des Gemeindevorstandes, der Ahawah fur
ihre zweite Alijah eine Beihilfe von 3000 RM. zu gewdihren,
zu. Sie bewilligt ferner der Kleiderkammer zur Anschaffung
von Wische .3000 RM. Die BeschluBfassung fiber eine
Vorlage betr. Bewilligung von Baukosten ffir Schul- und
Kinder.hilfszwecke wird nach lingerer Diskussion vertagt,
bis die detaillierte Vorlage fertiggestellt ist, da einige Mit-
glieder der Versammlung Bedenken gegen die Verlegung der
Kinderhilfe von der AuguststraBe nach der Blumenstrafe gel-
tend machen. Die Versammlung bewilligt sodann die not-
wendigen Gelder fiir Umbauten in dem neu eur w o r ben en
Grunds.tfick Joachimsthaler Str. 13, dessen Gar-
tenhaus foir Schulzwecke und fir eine Turnhalle nutzbar ge-
macht werden soll. Die BeschluBfassung fiber die Verwen-
dung der neuzubauenden Schulraume soil einer spateren
Sitzung vorbehalten bleiben. :
Oneg-Schabbat fur Kinder des Bezirks Zentrum-Nord der
B. Z. V. Veranla8t durchi den regen Besuch des vor drei
Wochen im B. Z. V.-Heim Zentrum-Nord veranstalteten Oneg-
Schabbat fuir Kinder wiederholte der Bezirk am 6. April
seine Kinderveranstaltung, deren Leitung wiederum in HAin-
den von Lehrer Martin L e win lag. Es erschienen weit fiber
250 Kinder, so daB der Erfolg der Veranstaltung alle Er-
wartungen weit fibertraf. Es zeigte sich, daB die Bezirks-
gruppen der B. Z.V. grade dieser Arbeit ffir unsere Kleinen
ihre Aufmerksamkeit widmen sollten, da derartige Schabbat-
stunden ein Herzensbedilrfnis fiir unsere zionistische Schul-
jugena sind. F. F.
Das erholungsuchende jiidische Publikum wird individuell und sorg-
sam beraten durch Nachweis Erholung, Reisebilro Traversum, Kur-
fiirstendamm 224, II, Leitung: Walter Bohme.


Juden und JUdisches Im Rundfunk
Mittwoch, 17. April: Stralburg (349), 10.05: Schallpl., u. a. Mendels.
sohn, Offenbach. Wien (507). 16.05: Schallpl., u. a. Krcisler,
Josef Schmidt. Poste Parisien (313), 18.30: Sendung der ,,Voix
d'Israel". London Reg. (342), 18.30: u. a. Weinbe'ger.
Donnerstag, 18. April: Beromiinster (540), 12.40: u. a. Benatzki,
Meisel. Strafiburg (349), 13.05: u. a. Kreisler. Budapest
(549), 17.35: u. a. Meyerbeer. Briissel (484). 21: u. a. Offen.
bach. Prag (470), 20.45: Vortrag: Jerusalem umrd das
Heilige Land. Stockholm (426). 22: u. a. Mendelssohn.
Freitag, 19. April: Paris (1648), 11.45: Sendung der ,,Voix d'Israel".
Budapest (549), 18.25: u. a. Popper: Andacht. Briissel
(484), 20: u. a. Meyerbeer. Luxemburg (1304), 20.10: u. a.
Rubinstein. Paris P.T.T. (432), 20.30: u. a. Mendelssohn. -
Kalundborg (1261), 21.10: u. a. Vorspiel zu Saul und David von
Nielsen. Hilversum (301), 22.40: u. a. Mendelssohn. Huizen
(8175): u. a. Samson von Hiindel.
Sonnabend, 20. April: Budapest (549), 13.20: u. a. Meyerbeer. -
Warschau (1345), 13: u. a. Griinfeld. Luxemburg (1304),' 16:
u. a. Mendelssohn. Miahr.-Ostrau (269), 17.10: u. a. Rimski-
Korsakow: HebrHisches Lied. Northern Ireland (307), 19: t. a.
aus Samson, Jephta, Judas Maccabajus. Briinn (325), 17 50;
u. a. Mendelssohn. London (342), 21.30: u. a. Rubinstein.
Dienstag, 23. April: ,Luxemburg (1304), 13.05: Schallpl., u. a.
Rubinstein. Riga (515), 14.30: u. a. Kreisler, Moszkowsky. -
Luxemburg (1304), 20.05: u. a. Spoliansky.
Mittwoch, 24. April: Riga (515), 18.30: Schallpl., a. a. Jose
Schmidt..'- Luxemburg (1304), 20.05: u. a. Moszkowski, Offeni
bach.

Aus der GeschAftswelt
JUldische KUnstler im jOdischen Helml
Ein alter Wunsch geht in Erfuillung dank der riihrigecA'
Arbeit einer judischen Firma, die mit vielem Aufwand vor*
Kapital, Arbeit und FleiB bestrebt war, das Beste zu schaffen,
was der heutige Stand der Technik auf diesem Gebiet gpe
stattet .
Das jiidische Lied Volkslied und Kunstgesang der
jiidische Tanz und auch synagogale Musik stehen auf dem
Program. Kfinstler von Weltruf wurden verpflichtet. Die
ersten Neuerscheinungen von Paula Lind ber g, Marion
Koegel, Andreas WeiBgerber, Dora Gerson sind
soebefn erschienen.
Der jildische Madrigal C h or unter Leitung seines
Dirigenten. Dr. Ludwig Mi s c h, das grofie KulturbundiOr-
chester unter Leitung des Generalmusikdirektors Jodeph
Rosenstock, setzen die Reihe fort.
Neue Volkslieder-Potpourris mit den sch6nsten jfidischeit
Volksliedern werden von den Sid Kay's Fellows ge-
bracht; Refrains singt: Ferris Gondosc h.
Eine besondeire Ueberraschung bieten die ersten jiidischn
Tanzplatten mit neuhebriischem Text. Wir h6rten: Mah jafit,
Al tira awdi. Der anfeuernde Rhythmus und die wirklich gue
Instrumentation lassen erwarten, daB diese Tanzplatten wirl
liche ,,Schlager" werden.
Jiidische Kunst jiidische Musik im jildischen Heiv'
schafft ,,Lukraphon", H. F.


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40 JAHRE JUDISCHE RUNDSCHAU


Nr. 31/32, 17. FV. 1935






Nt. 31/32, 17. IV. 1 9 3 5 4 0 JAMRE )ODYscFIE RUNTISCHAU Seite 57


Aus dem Reich
Von unseren Berl chterstattern
Apolda. Am 3. Mirz fand ein Konzert statt, zu dern sickl jidi-
sclie Einwohner aus den Stiddten Apolda, Jena, Weimar und Buttstidt
zu einigen Stunden der Gemeinschaft einfanden. Das Konzert, unter
Leitung des Opernsi.ngers Emil Fischer (Weimar), machte die Horer
mit der Koloratursiingerin Edith Bock (Berlin) und mit dem Tenor-
buffo Edgar Lissner (Berlin) bekannt. AuBerdem wirkte die Apoldaer
Pianistin Claire Herrmann-Kahn mit. Durch den Gemeinschaftsgeist
der etwas mehr begiiterten Konzertbesucher wurde auch den mittel-
losen und arbeitslosen Gemeindemitgliedemrn der Besuch erm8glicht.
Bamberg. Der Ortsring ,,Jiid. Jugendbiinde" veranstaltete am
17. Miirz in der grogen Synagoge cine Purimfeier, zu der siamtliche
Gemeindemitglieder cingeladen warren. Nach einer musikalischen Ein-
leitung sang Herr Is n e r das ,,Gebet". Orgelbegleitung von H i -
I.e r, ferner wurde das ,,Kih besimcha" gesungen und ein Ausschnitt
ats der Esthergeschichte vorgetragen. In einer Ansprache betonte


Rabb. Dr. Katten, dali der Abend das Verdienst der Jugend seL.
Dann sprach Ortsringleiter Fritz Stein. Starker Beifall und gute
KKL-Ergebnisse zeugten fiir den harmonischen Verlauf der Feier.
A. St.
AnkOndigungen
Belgard/Pomm.: 20. April, 20 Uhr: Georg Kopydlowski, Stettin,
iiber: ,,Um die Zukunft des juidischen Volkes", im Versammlungs-
zimmer des Gemeindehauses. Breslau: Hebriische Sprachschule
,,Kirjath-Sepher". Beginri des Sommersemesters: 29. April, Wallstr. 14,
Erdgescholf, Zirnmner 4. Kurse fiir Konversation, Literatur, T'nach,
Mischna, Agada. Neue Anf[ ngerkurse fiir Erwachsene und Kinder
werden organisiert. Besprechung fir Kinder: 2. Mai, 18 Uhr; fur
Erwachsene: 2. Mai, 20.15 Uhr. Anmeldg. zu allen Kursen v. 29. April
an, Montag bis Donnerstag. 19.30-20 Uhr. Dortmund: Zeire Mis-
rachi. 18. April, 15.30 Uhr: Oeffentl. Oneg Jomtow; 20. April,
20.45 Uhr: Grole Kundgebung: Lehrer S. Szobel (Chemnitz) iiber:
,,Maimonides und N;ir"; S. Gerner iiber: ,,Unser Weg"; Rudi Herz
fiber: ,,Die religi6se Arbciterschaft in Palastina". Kolberg:


22. April, 16.15 Uhr, im jiid. Kurhospital, Lichtbildervortrag:
,,Erez Israel". Einleitungsvortrag: ,,Vor neuen Aufgaben", Herr Georg
Kopydlowski (Stettin). Minchent ZOG. Gemeinsamer Seder
der ZOG. am 18. April, Restaurant Wei., Prielmayerstr. 20. Jubi-
lHumsfeier der Hebriischen Universitlit, 27. April, Museumssaal. An-
sprachc: Dr. M. J. Gutmann; Festvortrag: Dr. Ludwig FeuchLwanger
iiber: ,,Palastina und Diaspora".

Familien-Nachrichten
Lehrer Abraham L e v i, Suhl in Thiiringen, begeht am 22. April
das 50jaihrige Amtsjubilium.

Bar Mizwah-Termine
Am 27. April 24. Nissan: Wolfgang, Sotnn von Dr. Graetz
und Frau Kithe, geb. Meyer, Bartenstein.
Am 27. April 24. Nissan: Helmut, Sohn von Sigmund Bacha.
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