Jüdische Rundschau (Berlin)

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Material Information

Title:
Jüdische Rundschau (Berlin)
Alternate Title:
Israelitische Rundschau
Berliner Vereinsbote
Distinctive title:
800 years of Maimonides : no. 29 (April 9, 1935)
40th anniversary issue : no. 31/32 (April 17, 1935)
New Year issue : no. 76/77 (September 23, 1938)
800 years of Maimonides : no. 30 (April 12, 1935)
Physical Description:
Serial
Language:
English
Creator:
Zionistische Vereinigung für Deutschland
Publisher:
s.n.
Place of Publication:
Berlin

Subjects

Genre:
serial   ( sobekcm )

Notes

General Note:
Vol.1-5,1895\96-1900: Berliner Vereinsbote.
General Note:
Vol.6-7, No.39,1901-02: Israelitische Rundschau.
General Note:
Absorbs Zionist Breslau on May 24,1901.
General Note:
Has supplements: Kinder-Rundschau, Literaturblatt der juedischen Rundschau and Schriftenreihe der juedischen Rundschau.
General Note:
Superseded after Vol.43, No.89, Nov.1938 by juedische Welt-Rundschau issued in Jerusalem.
General Note:
Electronic access only.

Record Information

Source Institution:
University of Florida
Rights Management:
All applicable rights reserved by the source institution and holding location.
Resource Identifier:
oclc - 607112998
System ID:
AA00000369:00002

Full Text


Seite 4 JTJDISCHE RIJNDSCHAU Nr. 30, 12. IV. 1935


Um das Sorgerecht
iiber ein nichtarisches Kind
Die ,,Hanseatische Rechts- und Gerichts-
Zeit schrift" vom 6. April 1935 ver6ffentlicht einen Be-
schluB des Vormundschaftsamts Hamburg vom 8. January 1935
(M. 9961). durch welchen cinem arischen Vater nach
rechtskr tiger, mit beiderseitiger Schuld erfolgter Scheidung
von seiner nichtarischen Ehefrau das ilim an sich zustehende
Sorgerecht fiber den el f j i h rig en Soli n wegen des rassen-
mSfiigen Unterschiedes gemrSB 1635 BOB. entzogen
worden ist.
Nach dieser Bestimmung hat im Falle einer Scheidung
mit beiderseitiger Schuld der Vater das Sorgerecht fiber einen
Sohn iiber 6 Jahren, jedoch kann die Vormundschaftsbeh6rde
eine abweichende Anordnung treffen, wenn cine solche aus
besondeien Griinden im Interesse des Kindes geboten ist.
In den Griinden des erwaihnten Beschlusses hcilt es u. a.:
,,Der Junge ist infolge seiner Abstammung von der Grof i-
mutter mfitterlicherseits j idisch und daher Nichtarier.
Vom Standpunkt der rassenmiiBigen Scheidung ist es daher un-
bedingt wunschenswert, den Jungeen in der F a-
milie seiner Mutter zu belassen, (- er lebte bereits
wihrend der etwa dreijahrigen Dauer des bcheidungsprozesses bei
der Mutter -) ,,der er rassenmAifig zugeteilt wird. Mit einer
Verpflanzung in die Familie des Vaters, der der NSDAP. ange-
hort und der sich nach Auskunft des Jugendamtes sogar mit dem
Gedanken befafst haben soil, seinen bohn in eine nationalsozialistische
Schule zu chicken, ware weder dem Junge'n gedient,
noch ware es im Sinne des Staates. Der Junge wfirde
voraussichtlich nur allzu bald die rassenmaBige 'rennung zwischen
sich und seinem Vater fahlen, so daBf die Gefahr der Ent-
fremdung zwischen Vater und bohn recht grobl waire.
Nach Sachlage war daher dem Vator das Sorgerecht zu ent-
ziehen und der Mutter zu fibertragen."
Das Schicksal solcher Kinder aus Mischehen ist in der Tat
beklagenswert, da das Kind in die Gemeinschaft seines ari-
schen Vaters nicht Einlal findet, andererseits aber von der j u -
d i s c h e n Gemeinschaft selbstverstaindlich nicht als ,,jfidisch"
betrachtet werden kann.

Die Abstammung von Hippels
Vor dem K6nigsberger Schwurgericht findet gegenwirtig
ein MeineidsprozeB gegen den friheren Oenerallandwirt-
schaftsdirektor von H ippel staff, der in friiheren Jahren
eine mafgebliche Rolle in den landwirtschaftlichen Kreisen
Ostpreuiens gespielt hat und gegen den zahlreiche An-
klagen erhoben worden sind, wobei es in verschiedenen Straf.
prozessen zur Verurteilung von Hippels kam. In dem jetzigen
ProzeB stellte der Vorsitzende an den Angeklagten die Frage,
ob er arischer Abstammung sei. Hippel beantwortete die
Frage mit Ja. Im weiteren Verlauf der Verhandlung fiber-
reichte der Vertreter der Staatsanwaltscjaft eine von der
Reichsstelle ffir Sippenforschung aufgestellte und urkundlich
belegte A h nen t a f el. Darin wird festgestellt, daB die
Mutter des Angeklagten, eine geborene Lucie Magnus, fast
rein jildischen Blutes sei. Ihre beiden GrolBviter, also die
Urgrolviiter des Angeklagten, seien als Juden gebore n
und spater getauft. Sie seien S6hne eines jiidischen Arztes
aus RuBland, namens Alexander Magnus, der mit einer
Rebekka Mendel verheiratet gewesen sei.
D,er Angeklagte von Hippel erklfirte hierzu, ihm sei
dies v6ollig un bekannt, die Eltern seiner Mutter hiitten
Aemter gehabt, die sich nicht mit dem jfidischen Glauben
vereinbaren lieBen. Sie seien Rittergutsbesitzer gewesen, also
S iinde des k6niglichen PreuBen.
"r Der Fall ist ffr die jiidische Allgemeinheit
insofern interessant, als durch den Nachweis der jfidischen
Blutbeimischung hier anscheinend eine BloBstellung des An-
geklagten beabsichtigt ist. Die strafrechtliche Frage des
Prozesses haben wir nicht zu beurteilen; aber vom jiidischen
Standpunkt k6nnen wir nicht zustimmen, daB sich an dem
Falle etwas qindert, wenn tatsichlich der Angeklagte auch
cinen Bestandteil jildischen Blutes hat. In zahlreichen an-
d e re n Faillen wird eine solche teilweise jildische Abstain-.
mung nicht derartig eingeschiitzt, so z. B. im Falle S v e a
H e d i n s, der bekanntlich unter seinen Ahnen miitterlicher-
seits gleichfalls Juden hat.


Die Aufklarung uiber die


Bedeutung des Rassenfaktors

Oberlandesgericht C e lIe gegen Reichsgericht


Eine angefochtene Mischehe
Nach dem bekannten Urteil des Reichsgerichts
vom 12. Juli 1934 (vgl. ,,Jid. Rundschau" Nr. 57 vom
17. 7. 34) ist eine Anfechtung einer Mischehe wegen Irrtums
fiber eine pers8nliche Eigenschaft regelmifBig ausgeschlossen,
wenn ein arischer Ehegatte bei der Eheschlie8ung g e w u B t
hat, daB der andere Ehegatte der jfidischen Rasse angehbrt.
Das Reichsgericht hatte in seinen Entscheidungsgriinden aus-
geffiirt, es sei allerdings denkbar, daB der arische Teil die
fragliche Eigenschaft des anderen insofern nicht gekannt hat,
als er vom Wesen des Rasseunterschiedes, insbesondere
von der M6glichkeit einer Vererbung der Rasseeigentiim-
lichkeiten uiberhaupt 'keine Vorstellung hatte; daffir spreche
aber keinerlei Wahrscheinlichkeit. Der Anfechtungsklgger
miisse bestimmte Tatsachen beweisen, die einen zuverliissi-
gen Schlu8 auf einen Irrtum nach der gedachten Richtung
gestatten.
Einen solchen Beweis hat das Oberlandesgericht C e ll e
in einem Urteil vom 5. 11. 1934 1. U. 362/34 -, das inr
der Zeitschrift ,,Deutsche Justiz" vom 5. April 1935
ver6ffentlicht wird, fiur geffihrt erachtet.
Der arische Kliger w u 3 t e bei Eingehung seiner bereits
vor 1930 geschlossenen Ehe, daB die Beklagte von j ii -
dischen Eltern stammte. Er ist 1933 der SA. beige-
treten und nicht altes Parteimitglied. Zur Begriindung seiner
Anfechtungsklage hat er behauptet, daB er sich bei der
EheschlieBung in v6lliger Unkenntnis dieser rassischen Eigen-
art und der Unm6glichkeit, sie durch iiuBere Malnahmen
zu beseitigen, befunden habe.
In den Griinden des der Anfechtungsklage statt-
gebenden Urteils heilt es u. a.:
,,Selbst wenn er schon in den Jahren vor der EheschlieBung poli-
tische Versammlungen besucht und Zeitungen gelesen haben sollte,
in denen auch iiber das Problem des Judentums in Deutschland Er-
brterungen angestellt worden sind, so kann man daraus nicht den
Schlufi zichen, der Kliger sci hierdurch iiber die R asse frage genii-
gend aufgekliirt. Der Schwerpunkt des Angriffes gegen die Juden
lag in den friiheren Jahren auf politischem und wirtschaftlichem
Gebiet. Man sah in dem Juden den internationalen Kaufmann, den
politischen Weltbiirger, der sich durch die Bande der Religion mehr
verbunden fUiihte mit seinen Glaubensgenossen im Ausland als durci
seine teilweise jahrhundertelange Selihaftigkeit in Deutschland mit
dem dcutschen Volke.
Vor der Aufstellung des nationalsozialistischen Programms fiihrte
das Volk, das mit der Entwicklung des Rasseproblems keineswegs
vertraut war, die Besonderheit des Judentums, die Erhaltung seiner
Eigenart auf die strenge religiise Absonderung zuriick. Der Jude
hatte sich, sowcit er sich nicht mit Andersglhubigen vermischte, nach
der Ansicht vieler nur durch seine Glaubensstrenge, durch die Befol-
gung der Ritualien als Jude erhalten. Sein Entwicklungsgang, die
Beschr.nkung seiner BetGtigung, seines Aulenthalts im Mittelalter bis
in die Neuzeit waren der Grund jener charakteristischen Wesensziige,
so meinte man, die den Juden vom Christen scheiden. An dieser
Auffassung hat die Aufstellung des Parteiprogramms und seine Ver-
kiindigung zuniichst nur wenig geiindert. Der Senat vermag deshalb
dem vom Reichsgericht in der zitierten Entscheidung (gemcint das
eingangs erwiihnte Urteil vom '12. Juli 1934. A d. R.) hervor-
gehobenen Satz nicht ohne weiteres zuzustimmen, es seien Falle
des Irrtums mindestens mit der Ver6ffentlichung des Parteiprogramms
in den damit bekanntgewordenen Bevblkerungskreisen nur selten an-
zunehmen.,
Es darf dabei nicht vergessen werden, dag die Lehren der Par-
tei keineswegs iiberall als richtig anerkannt worden sind in den Jahren
des Kamples um die politische Macht. Das kann nur von den altcn
Partcimitgliedern angenommen werden, die, in ihrer Anschauung
getestigt, jeglicher Kritik gegeniiber fest an die Richtigkeit ihrer
Lehre glaubten.
Allen anderen Menschen wurde von den verschiedensten Seiten
das Programm der NSDAP. als mit den wissenschaftlichen For-


schungen, den geschichtlichen Vorgiingen and den Tatsachen nicht
in Einklang stehend dargestellt. Sic sahen es imier wieder als
Gegenstand heftigster Kritik im Brcnnpunkt politischen Kampfes
stchen. Sie beschiiftigten sich nicht mit ihim, um zu einer klaren
Erkcrmtnis zu gelangen, sondern beschraiikten sich au eine ober-
flijchliche Kenntnisnahme oder suchten Gegenargumente, die ihne
von alien Sciten dargeboten. wurden and die sie wahllos aufgriffen,
ihre inneren Zweifel zu beseitigen, die unter der Wucht leidenschaft-
licher Propagandareden doch hier und da aufgetretcn warren. Erst
durch die cindringliche, sachlich-wisscnscha[tliche Aufklnirung der letz-
ten cincinhalb Jahre ist die Erkenntnis des Rasseproblems in weiteste
Bevblkcrungskreise gedrungen. Der Kiliger hat d(shalb, sofern er
nicht infolge besonderer politischer oder wissenschaft(icher Schulung
cine friihere and besscre Erkenntnis gewonnen haben sollte, die Ver-
mutung fir sich, dag er sich im Irrtum iiber die Rasse.
eigentuimlichkeiten der Beklagten befand, als er die Ehe
schloB."
Das Gericht stelit fest, daB der Kliiger zu der voll-
kommenen Erkenntnis von den andersgearte-
ten Eigenheiten der Rassen erst in dem Augen-
blicke gelangt ist, als er nach der nationalen Revolution und
seinem Eintritt in die SA. sachliche und eindringliche Auf-
k 1 ii rung erhielt.
An einer spliteren Stelle ffihren die Urteilsgriinde noch
folgendes aus:
,,Der Klliger hat, wie scin Verlangen nach dem Religions-
wechsel der Beklagten zeigt, Wert darauf gelegt, cine christliche,
deutsche Elhe zu fiibren. Er hat, wie die Beklagte selbst zugibt, nach
scinem Eintritt in die SA. Ernst gemacht mit der Befolgung der
Befehle, die dahin ergingen, ohne Riicksiclit auf personlichen Vorteil
nicht mchr in jiidischen Geschiften zu kaufen. Zu
diesem Verhalten hiitte -der Kliager, wenn er innerlich der Bewegung
und ihren Zielen fernstlinde, keinen AnlaB. Er ist erwerbsloser Rei-
sender in einer GroBstadt. Beruf und auiere LebensverhAltnisse
zwangen den Kliiger nicht, seines pers6nlichen Vorteils wegen der
Bewegung beizutreten. Die Beklagte behauptet dies nicht einmal,
und es sind keine sonstigen Tatsaclen hervorgetreten, welche auch
nur eine derartige Vermutung rechtfertigten. Diese Erwigungen
rechtferligen die Annahme, dal der Klager die Ehe bei Kenntnis
der Sachlage nicht geschlossen haben wtirde..."
SchlieBlich hat das Urteil des Oberlandesgerichts Celle
noch ausgesprochen, daB eine Bestatigung der Ehe im Sinne
des 1337 II BGB., die eine Anfechtung ausschlieflen wfirde,
nicht vorliege, wenn der Ehegatte die eheliche Lebensge-
meinschaft trotz Kenntnis der Anfechtungstatsachen zu einer
Zeit fortgesetzt hat, in der eine Anfechtungsklage wegen
Irrtums fiber die Bedeutung der Zugehbrigkeit zur jiidischen
Rasse noch keine Aussicht auf Erfolg bot.


Antisemitische Kundgebungen
in Bukarest
Wie aus B uk a r e st gemeldet wird, erklirte nach einer
amtlichen Mitteilung der Hochschulsenat die Bukarest er
University it bis auf weiteres fir geschlossen. Auch die
Studentenheime werden ffir geschlossen erklirt. Amr
10. d. M. fanden neuerdings in alien Hauptstralen Studentetnr
kundgebungen statt. Als die Studenten die Universitt ge-
schlossen fanden, zogen sie durch die HauptstraBen und
vor die Redaktionen der groBen Zeitungen. Sie forderten
vor alien Dingen den Ausschlufl der Juden von den
Bukarester Hochschulen.

Wie uns mitgeteilt wird sind an einigen Ortseingingieid
von Je Bn it z in Anhalt Schilder mit der Aufschrift an.
gebracht: ,,Der Aufenthalt von Juden in JeBnitz ist uner-
wiinscht."


Die Kategorie der ,,Rfiberfahrer" ist sonst an ihrer Fr6h-
lichkeit zu erkennen. Da sind die 700 ,,Makkabianer", die
kiinftigen Rekordmeister. Man sieht sie bereits auf Deck
trainieren. Boxkaimpfe werden improvisiert, sie ffihren Gym-
nastik vor auf demi Sportdeck, Fechtturniere und Fulball-
matches wechseln ab. Sie schwimmen oben im ,,Lido"-
Bassin, springen, laufen und turnen, kurzum, sie fiihlen
sich durchaus als das, was sie auf dicsem Schiffe darstellen:
Hauptpersonen. Sic werden es in den nichsten Tagen schon
zu beweisen haben. Ihretwegen findet diese ,,Makkabiah"-
4Reise statt, der Rest der Passagiere wird nur ,,mitgenommen".
Dieser ,,Rest" besteht aus den einfachen ,,Riiberfahrern"
und den ,,Rfiberfahrern mit Absichten". Diese ,,Kundschafter"
reisen, um mit eigenen Augen zu sehen, ob im gelobten
Lande wirklich Milch und Honig flicflen; die ,,Makkabiah"
werden sie sich bei dieser Gelegenheit ,,auch ansehen". Ffir
sportliche Betitigung sind sic nicht kompetent, sie ziehen
es vor, zigarrenrauchend im Schiffssalon zu sitzen. Wenn
sie gut italienisch zu Mittag gegessen haben, schreiten sic
gemessenen Schrittes hinaus, um auf Deck die Liegestiihle
zu dekorieren. Diese Kundschafter kUimmern sich weder
um die Chaluzmhn, noch um die Chassidim in ihrer Touristen-
und Auswandererklasse. Sic bliittern im Paliistina-Reiseffihrer,
nd wenn das Meer eine leichte Brise emporschickt, breiten
ie die wollene Dccke behutsanm fiber die Bfigelfalte.
b und zu selallt Gesang aus der Tiefe. Das sind die
haluzim aus Warschau. Sch6n sind ihre hebriischen Lieder.
Einer singt ein Palfistinalied mit orientalisch langgezogenen
T6nen. Ein Berliner Zionist sagt, dafi dieses Lied ihm
besoniters gefallen habe. ,,Haben Sie denn die Worte ver-
standen?" ,,Ja, gewi8." Darauf der Chaluz, ernsthaft:
,,Sie k6nnen Hebriisch?! Ich dachte schon, Sie kiamen aus
Deutschland!" Wir Berliner gingen ein wenig verlegen
wieder fort. Uns war sonderbar zumute gewesen, als diese
Menschen sangen. Es war klar: Die da hatten uns allerlei
voraus, daran war nicht zu rfitteln. Fiir sie beginnt Palastina
nicht im Haifaer Hafen, ffir sic ist Erez Israel schon hier
aut dem Schiff. Eine enggeschmiedete Gemeinschaft, ent-
schlossen una bereit. Wenn man ihre Lieder h6rt, ver-
spiirt man einen Vorgeschmack auf das Leben in der
vwunzah. Sic bringen etwas Grofles mit ins Land: Die
ere Hachscharah.
Kontakt zwischen ,,oben" und ,,unten" in dieser schwim-
en Stadt schaffen dennoch die Berliner Zionisten. Sie
rn immer wieder die Treppen hinauf und hinunter,
ich um auf dem Dampfer, horchen hier nach einem
,,Nigun", dort nach einer neuen Art, Horra zu tanzen,
talten Diskussionen. Gesprache werden geffihrt, bei
das Wort ,,Erez Israel" ffinfmal in jedem Satz
unit.
iser Schiff hat natiirlich auch seine Studienreisen-
iesmal sogar Studienreisende eigenet Art. Fiinfzehn


jildische Junglehrer, te das Lehrerseminar beenden, reisen
geschlossen nach Erez Israel. Ihnen gibt die Reichsver-
tretung der deutschen Juden die M6glichkeit, ihre paid-
agogische Ausbildung mit einer Fahrt ins jfidische Land
abzuschlieBen. Ein derart lebendiger ,,Anschauungsunter-
richt" ffir Lehrer wird bald dem jildischen Kinde zugute
kommen. Unter der Ffihrung von Dr. Leschnitzer,
der, in Zusammenarbeit der Reichsvertretung mit anderen
jiidischen Organisationen die Verwirklichung des sch6nen
und nfitzlichen Planes durchgesetzt hat, reisen diese ffinf-
zehn Junglehrer durch das Land jfidischer Vergangenheit
und jildischer Zukunft. Sie werden den Karmel, den Jordan,
Jerusalem, Hebron und all das andere erleben, das ein
noch so grfindliches Studium allein night zu geben ver-
mag. Diese PalAstina-Lehrerfahrt ist eine bemerkenswerte
Angelegenheit, sie sollte alljihrlich einer Reihe von Lehrern
die M6glichkeit geben, etwas von dem Geist und Duft
dieses Landes in die Klassenzimmer der jiidischen Schule
mitzubringen.

4. ,Oneg SdAabbat" . zwisdien Triest mnd Kreta
,,Um neun bei den Makkabim: Oneg Schabbat mit
Martin B u b e r!" Lange dauert die ,,V61kerwanderung" hin-
unter, der groBe EBsaal ist iiberffillt. Aus allen Ecken sind
sie gekommen, gemeinsam den Schabbat zu feiern. Die
,,Hazair"-Jungen in ihren blauen Leinenblusen bilden eine
Mauer zwischen Publikum und Mittelmeer, das man waihrend
der Feier vor Augen hat. Hebriische Lieder; Dr. Rabau,
vom PrAsidium des Makkabi, er6ffnet den Abend und be-
griilt Professor Buber. Trotz unertriglicher Hitze, der
Tag ist hochsommerlich gliihend gewesen, Ende Mirz -,
gibt es bald eine festliche Stimmung. Dieser Raum hat
es sich bei seiner Entstehung nicht triumen lassen, daB
einst soviel Hunderte hier zu einer Schabbat-Feier zu-
sammentreffen wfirden. Einer neben dem anderen. Stille.
Buber spricht fiber den Schabbat-Gedanken.
Mit schlichten Worten bahnt er sich einen Weg zu
seiner jugendlichen H6rerschaft, er rezitiert und kommen-
tiert in einer gewissermaBen ,,fir die Jugend bearbeiteten"
Vortragsweise, die sichert ihm Verstlindnis in diesem Kreise.
Er spricht davon, daB der Schabbat kein Ruhetag, sondern
ein Tag des Feierns sei, er weist auf das ethische und
soziale Fundament des Schabbat-Gedankens in der Bibel
hin. Wer nicht arbeitet, hat keinen Schabbat? Von der
,,neschama jetera" spricht er, der ,,hbheren Seele", die
allw6chentlich in jeden Juden einkehrt nach sechs Tagen
ernsthafter Arbeit. Schabbat ist das sich immer erneuernde
Ziel, das innere Bereitschaft fordert. Mit dem Gesang der
,,Hatikwah" sahlieBt die Feier, und neben dem Klang des
Liedes ist das Rauschen des Mittelmecres vernehmbar,


5. ,,Sot hi Haarez . ." ,Dies ist das Land ..."
(5. Buch Mose 34)
Dies ist das Land. Man kann das Gefiihl beim erstenl
Anblick dieses Landes schwer beschreiben. Man mul es
selbst 'erleben. Es gibt sch6nere Linder, gewiB, aber: dies
ist das Land. Wir haben es alle gespfirt, als wir oben stanH
den auf dem Schiff, das wir nur noch ungeduldig ertrugen.
Drilben *ilber dem Karmel lag die Sonne weit ausgebreitet,
fast so wie auf dem Haggadah-Bild die Sonne iiber dem
Tempel zu Jerusalem strahlt. Schnoddrige Berliner warden
still. Und es schien, als schiimte sich einer vor dem anderen
seiner starken Empfindung. Was zu seen war? Viel-
leicht wilrde eine Beschreibung nichts sagen, sie kann nights
davon aussagen, was das Auge hinter dieser Landschaft
sah, das Herz hinter diesem Berge spiirte. Da war ein
Hafen, sch6n und gut erdacht, aber es gibt grf6ere Hifen
ein Berg, strahlend beleuchtet von einer seltsamen AA
Sonne, einem Schein, den man noch nie zuvor prlebt, -
aber es gibt h6here Berge, Schiffe lagen im Hafen, weiB
mit flatternden Fahnen, aber es gibt sch6nere Schiffe, braune
Araber in orientalischer Zerlumptheit, Farbige und Weile,
orientalisches V61olkergemisch, aber es gibt ,,orientali-
scheren" Orient; Es waren Weitgereiste unter uns, Luxus-
kabinenreisende, deren Koffer die buntesten Etiketts inter-
nationaler Hotels zeigten, auch Snobs, die alles schon
,,kannten", ich habe keinen prahlen h6ren. Sie schwiegen,
auch sie, die in Triest fioch so hochmiutig versichert batten,
daB sic ,,bloI mal rfiber" wollten, um es ,,auch gesehen zu
haben". Es war ihnen gewiB peinlich, daB sie so ,,senti-
mental" wurden, aber es war nicht zu 5indern.
Es dauerte uns zu lange, bis wir hinein durften in
das Land. Noch durften wir es nur mit Augen seen, nicht
aber hinfibergehen. 2000 Jahre lang hatten wir es ertragen,
fern zu sein, nun machten uns Minuten schon ungeduldig.
Es muflte gut tun in diesem Augenblick, ein sport-
begeisterter ,,Makkabi" zu sein und an die anstrengenden
Forderungen der naichsten Tage zu denken, von der groflen
Feier des heutigen Tages, der Fahnenweihe auf dem Schiff
sprechen zu k6nnen und nicht seinen merkwfirdigen Geffihlen
ausgesetzt zu sein, die immer wieder emporstiegen aus der Tiefe.
Wir fix und fertig gepackten Passagiere standen unnfitz
herum uno bemiihten uns, einander die ,,Weichheit des
Herzens" zu verbergen. Auch dieser Rest falscher Scham
geh6rte noch zu den Dingen, die uns das Land abgew6hnen
wfirde, dachten wir. Chaluzim bekannten einander ehrlicher
ihr Geffihl. Sie schbimten sich nicht ihrer Schwermut in
den Galuthliedern, noch ihrer lebensfrohen hebriischen
,,Nigunim", sie sangen und waren froh: sie kamen heim.
Unten vom groBen Deck her klingt das Lied: ,Anu
banu arza ..." Sie singen alle mit und tanzen. ,,An ...
banu ... arza ..." ,Wir kommen in das Land".
Wir kommen in das Land. Dies ist das La ad ..


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Seite 4


JUDISCHE UDCA


Nlr. 30, 12. IV. 1935






Gacela de NMadrid.-Nim. 349 15. Diciewbre 1M


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Gesamtansicht von Cord6ba mit dem Guadalquivir. Aufgenommen vom Ghettoturm:aus


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AnIc..m.,. l.mmuro-a imitili. I, Ia ~


PLA U ELA
DE
MA IMONIDES


Die Gedenktafel:
,.800. Geburtstag \on Maimonides
1135 30. Marz 1935
Spanlen huldigt. durdc seine Reglerung, dem
unsterblichem Genius des Judentums. -
Cord6ba, seine l ater.tadr. gedenkt seiner
in tiefiter Ebrerbictung"





MAIMONIDES-


WOCHE


IN


Matmonides-Platz, der im Marz 1935 eingeweiht wurde.
S.Oben rechts: Die Maimonides-Feler wird zur Staatsfeler
erklart. Regierungserlaf3.vom 8.XII.1934, ver6ffentlicht n ,,La
Gaceta de Madrid" unterzeidinet vom Ministerprisidenten
Mitte rechts: Innenansicht der restaurierten Synagoge
Fotos: Adriana de Chapiro, Madrid. (Alle Redite vorbehalten)


CORDOBA


L ,, *'*'.* '~2S~ t-.n~:*.

W'.i

Am a,

A- .



I Wi.~~a .


ErOffnungssitzung im Rathaus. Von links nach
rechts: Prof. Kaminka (Wien), Rabb. Dr. Levi (Sera-
jevo), Prof. Dr. Baumgardt (Berlin), Militargouver-
neur von Cord6ba, Zivilgouverneur, Biirgermeister,
Militargouverneur von Andalusien.


Enthullung der Gedenktafel ima Hof der Synagoge
durch don Bitrgermeister. Am 30. Mairz ds. Jahres
fand der erste Gottesdienst seit 1492 in der Syna-
goge von Cord6ba statt. Der Biirgermeister stiftete
-ihr einen Tisch, eine antike Decke und Kandelaber


Der Zivilgouverneur spridit im Namen der spa-
niscdien Regierung nach der Enthfillung: ,,Spanien
winscht mit allen Volkern den Frieden. Aber ersi
heute haben wir diesen Wunsch ganz verwirklicht.m
Rechts: Professor Baumgardt


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cirniiemto y efeetns. Madrid., I) d
dibedo 1034.


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